{"id":18907,"date":"2013-10-11T15:34:49","date_gmt":"2013-10-11T13:34:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18907"},"modified":"2015-10-12T11:24:27","modified_gmt":"2015-10-12T09:24:27","slug":"wochenrueckblick-zu-einer-moeglichen-gesetzgebungsinitiative-vor-der-regierungsbildung-zur-grossen-koalition-zum-risiko-mit-gysi-allein-etc","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18907","title":{"rendered":"Wochenr\u00fcckblick zu einer m\u00f6glichen Gesetzgebungsinitiative vor der Regierungsbildung, zur Gro\u00dfen Koalition, zum Risiko mit Gysi allein, etc."},"content":{"rendered":"<p>Ein fr&uuml;herer Kollege, treuer Leser der NachDenkSeiten und Sozialdemokrat bem&auml;ngelte in einem Telefongespr&auml;ch, wir seien zu Unrecht gegen die Gro&szlig;e Koalition. Das gilt f&uuml;r mich jedenfalls nicht. &ndash; Einen Redakteur des Tagesspiegel st&ouml;rte unsere aktuelle Kritik an Gysi, er machte daraus eine quasi grunds&auml;tzliche Gegnerschaft. Auch diese Einsch&auml;tzung ist falsch. &ndash; Rot und Gr&uuml;n sollten die Chance nutzen, mit Gesetzesinitiativen schon vor dem Abschluss einer neuen Regierungsbildung Pfl&ouml;cke einzuschlagen. Nacheinander. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><\/p><ol>\n<li><strong>Zur Perspektive &bdquo;Gro&szlig;e Koalition&ldquo;<\/strong><br>\nWir stellten nach der Wahl fest, die zahlenm&auml;&szlig;ig gerade noch m&ouml;gliche Koalition aus SPD, der Linkspartei und den Gr&uuml;nen wird erstens von ma&szlig;geblichen Kr&auml;ften bei Gr&uuml;nen und der SPD abgelehnt. Es w&auml;re auch schlimmer als eine Zitterpartie, weil der zur Wahl stehende Kanzler-Kandidat mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht alle Stimmen der Abgeordneten der drei Parteien bek&auml;me.\n<p>Mit der Feststellung, die linke Koalition habe keine Chance, k&ouml;nnen wir doch das Denken nicht einstellen. Also muss auch eine Gro&szlig;e Koalition ins Auge gefasst werden. Ich habe schon darauf hingewiesen, dass ich die resignierende Ablehnung, die sich auf die Erfahrungen zwischen 2005 und 2009 beschr&auml;nkt, nicht verstehen kann. Nach meiner Beobachtung werden hier Einsch&auml;tzungen einfach nachgeplappert. Ich wies auch schon darauf hin, dass die R&uuml;ckerinnerung auf die gro&szlig;e Koalition von 1966-1969 sehr viel positivere Erinnerungen zum Vorschein bringt. Damals wurde dann eine Rezession &uuml;berwunden, die Arbeitnehmereinkommen stiegen in der darauf folgenden Periode wie nie zuvor und danach, die Lohnfortzahlung f&uuml;r Arbeiter im Krankheitsfall wurde eingef&uuml;hrt, die Mehrwertsteuer statt der Konzentration f&ouml;rdernden Allphasen-Umsatzsteuer beschlossen und es konnte trotz der Verweigerungshaltung des CDU-Bundeskanzlers Kiesinger mit der Ostpolitik begonnen werden.<\/p>\n<p>Damals schickte die SPD inhaltlich ausgesprochen profilierte Personen ins Bundeskabinett. Das zahlte sich aus. Jetzt gibt es diese profilierten Personen kaum. Ich wiederhole deshalb meinen Rat an den SPD-Vorsitzenden Gabriel, sich au&szlig;erhalb des engen Zirkels der SPD nach qualifiziertem Personal um zu sehen. Das ist ungemein wichtig f&uuml;r die Profilierung und f&uuml;r die t&auml;gliche Arbeit in der Bundesregierung.<\/p>\n<p>Der SPD-Vorsitzende t&auml;te gut daran, wenn er daf&uuml;r sorgen w&uuml;rde, dass Personen ins Kabinett kommen,<\/p>\n<ul>\n<li>die kritisch der Agenda 2010 gegen&uuml;berstehen,<\/li>\n<li>und Milit&auml;reins&auml;tze f&uuml;r das &bdquo;Aller-letzte&ldquo;, f&uuml;r das allerletzte Mittel der Politik halten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es g&auml;be eine Reihe von wichtigen Programmpunkten, auch zus&auml;tzlich zu Mindestlohn und der Erh&ouml;hung der Steuern f&uuml;r die Besserverdienenden. Zum Beispiel k&ouml;nnte die SPD die Verarmung des Staates und die Erweiterung des &ouml;ffentlichen Korridors durch bessere Finanzausstattung von Gemeinden, L&auml;ndern und Bund zum gro&szlig;en Thema machen.<\/p>\n<p>Die Gro&szlig;e Koalition ist auch eine bessere Option als Neuwahlen, zumindest aus heutiger Sicht. Dann besteht n&auml;mlich die Gefahr, dass Angela Merkel die absolute Mehrheit erreicht. Sicher ist das nicht. AFD und FDP w&uuml;rden vermutlich in den Bundestag einziehen. Aber bedenken muss man auch diese M&ouml;glichkeit, bevor man eine gro&szlig;e Koalition rundweg ablehnt.<\/p><\/li>\n<li><strong>Rot und Gr&uuml;n sollten die Chance nutzen, mit Gesetzesinitiativen schon vor dem Abschluss einer neuen Regierungsbildung Pfl&ouml;cke einzuschlagen.<\/strong>\n<p>Es ist nicht gut, es tut der weiteren politischen Entwicklung und zum Beispiel der SPD und den Gr&uuml;nen nicht gut, dass das Heft des Handelns allein in den H&auml;nden von Angela Merkel zu liegen scheint. Sie hat keine Mehrheit. Das w&auml;re &ouml;ffentlich zu beweisen und w&uuml;rde die beiden Parteien Rot und Gr&uuml;n in die Offensive bringen. SPD und Gr&uuml;ne k&ouml;nnten im Verein mit der Linkspartei Gesetzesinitiativen zu dringlichen und auch von der Mehrheit der Menschen gew&uuml;rdigten Programmpunkten ergreifen. Wie offen die Mehrheitsmeinung f&uuml;r Vorhaben von Rot und Gr&uuml;n ist, hat gerade eine Umfrage ergeben. Siehe <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/ard-deutschlandtrend-zwei-drittel-wollen-grosse-koalition-a-927269-druck.html\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>Hier sind ein paar Vorschl&auml;ge f&uuml;r Gesetzesinitiativen:<\/p>\n<ul>\n<li>Einf&uuml;hrung eines Mindestlohns<\/li>\n<li>Mietpreisbremse<\/li>\n<li>Abschaffung des Betreuungsgelds<\/li>\n<li>Reduzierung der Ausnahmen der Umlage f&uuml;r erneuerbare Energien<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li><strong>Gysis fragw&uuml;rdige und riskante Strategie<\/strong>\n<p>Alle Parteien im Deutschen Bundestag sind gut beraten, wenn sie ihre Breite nicht willentlich einengen. <\/p>\n<p>Die <strong>SPD<\/strong> war stark mit Schmidt <strong>und<\/strong> Brandt, mit Schr&ouml;der <strong>und<\/strong> Lafontaine. Und sie hat ihr W&auml;hlerpotenzial immer wieder dann abgebaut, wenn der rechte Fl&uuml;gel nach dem Prinzip verfuhr: Nur wenn wir die totale Macht in der Partei haben, wollen wir sie auch im Staat haben. &ndash; Der Rechtsruck der SPD und die Intoleranz gegen&uuml;ber dem progressiven Fl&uuml;gel sind eine der Hauptursachen f&uuml;r den historischen Niedergang dieser Partei.<\/p>\n<p><strong>Genauso bei den Gr&uuml;nen<\/strong>. Die Missachtung des progressiveren Teils &ndash; b&ouml;sartig wie bei der Linkspartei &bdquo;Fundis&ldquo; genannt &ndash; zum Beispiel durch das de facto Mitmachen an Stuttgart 21 hat mindestens so sehr zum Verlust von W&auml;hlerinnen\/n beigetragen wie der angebliche Faktor Steuererh&ouml;hungen. Belege f&uuml;r den Verlustfaktor &bdquo;Steuern&ldquo; gibt es &uuml;brigens nach meiner Kenntnis bisher nicht. Das scheint mir eine eingeredete Analyse zu sein.<\/p>\n<p><strong>Pluralit&auml;t und Zusammenarbeit der Fl&uuml;gel ist genauso wichtig bei der Linkspartei.<\/strong> Sie war stark mit Gysi <strong>und<\/strong> Lafontaine und hat verloren, weil der f&auml;lschlicherweise und besch&ouml;nigend &bdquo;Reformer&ldquo;fl&uuml;gel genannte Teil und dann leider auch Gysi die Notwendigkeit des breiten Auftretens nicht mehr gesehen haben. Nicht im Wahlkampf und auch nicht jetzt bei der Wahl der Fraktionsspitze. Die Bedeutung Sahra Wagenknechts und anderer f&uuml;r die Pluralit&auml;t der Linkspartei und damit f&uuml;r die Attraktivit&auml;t der Linkspartei in der W&auml;hlerschaft hat der Fraktionsvorsitzende der Linken Gysi offensichtlich nicht erkannt. Das ist und war die Ursache meiner Kritik an Gysi. Grunds&auml;tzlich fand ich ihn meist gut, inhaltlich erfrischend und ich habe ihn in den NachDenkSeiten zum Beispiel wegen seiner Bundestagsreden zum Finanzpakt ausgiebig gelobt. Was ein Journalist des Tagesspiegel <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/meinung\/portraet-albrecht-mueller-lafontaine-freund-wirft-gysi-mangelnde-solidaritaet-vor\/v_print\/8847286.html?p=\">hier<\/a> &uuml;ber mich, Lafontaine und Gysi zusammen ger&uuml;hrt hat, ist zum gro&szlig;en Teil Unsinn.<\/p>\n<p>Dieser Autor Matthias Meisner geh&ouml;rt zu einer Gruppe von Berliner Journalistinnen\/en, bei denen man getrost annehmen kann, dass sie sich zum Ziel gesetzt haben, eine linke Alternative zu Angela Merkel zu verhindern. Sie st&uuml;tzen mit ihren Beitr&auml;gen die so genannten Reformer. In einem Beitrag der &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2013\/10-05\/052.php\">jungen Welt<\/a>&ldquo; wurden sie freundlicherweise aufgelistet:<\/p>\n<blockquote><p>\n<em>Die &hellip; &bdquo;mit den &raquo;Reformern&laquo; eng konspirierenden Truppe des Kampfjournalismus &ndash; Markus Deggerich (Spiegel), Mechthild K&uuml;ppers (FAZ), Matthias Meisner (Tagesspiegel), Markus Decker (Frankfurter Rundschau, Berliner Zeitung, Mitteldeutsche Zeitung, K&ouml;lner Stadtanzeiger) und Miriam Hollstein (Welt)&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Lobeshymnen f&uuml;r den &bdquo;Reformer&ldquo;fl&uuml;gel und die parallel dazu betriebene Aburteilung der Linken im Westen als Fundis oder wahlweise als Nachfolger der &bdquo;Kommunisten&ldquo; hat etwas Drolliges an sich: F&uuml;hrende Personen im Westen wie Bernd Riexinger, Michael Schlecht oder Klaus Ernst haben eine lange Tradition als demokratisch arbeitende Gewerkschafter. Der Schm&auml;h f&uuml;r sie ist nur in einer hoch manipulativen Gesellschaft denkbar. Das gleiche gilt f&uuml;r die verst&auml;ndnisvollen Einlassungen f&uuml;r den &bdquo;Reformer&ldquo;fl&uuml;gel. Dazu geh&ouml;ren ehedem von der Stasi instrumentalisierte Personen wie Brie, Bisky und Liebich.<\/p>\n<p>Die Kampfjournalisten sollten irgendwann merken, wie bodenlos ihre Agitation ist.<\/p>\n<p><strong>Gysis Respekt vor der Pluralit&auml;t seiner Partei w&auml;re in seinem eigenen Interesse wichtig: solche Vorg&auml;nge wie die Erpressung bei der Entscheidung &uuml;ber die Struktur der Fraktionsspitze sind keine gute Voraussetzung f&uuml;r geschlossene Abstimmungen seiner Fraktion.<\/strong><\/p>\n<p>Diese braucht der Fraktionsvorsitzende aber, wenn er je einmal die M&ouml;glichkeit einer offenen oder stillen Koalition aus SPD, Gr&uuml;nen und seiner Partei realisieren will. Bei der Kanzlerwahl w&uuml;rde eine Koalition oder Kooperation aus SPD, Gr&uuml;nen und Linkspartei alle Stimmen brauchen. Diese l&uuml;ckenlose Gemeinsamkeit ist sehr unwahrscheinlich, wenn man so agiert wie Gysi. Er hat selbst die Glaubw&uuml;rdigkeit seines Willens zur Wahl eines Kanzlers oder einer Kanzlerin als Alternative zu Angela Merkel infrage gestellt.<\/p>\n<p><strong>Gysis Strategie der Alleinherrschaft in der Fraktion der Linkspartei ist auch deshalb riskant, weil er gar nicht wei&szlig;, wie das weitere Verfahren zu seiner angeblichen Kooperation mit der Stasi enden wird.<\/strong><\/p>\n<p>Immerhin besteht die Gefahr, dass in absehbarer Zeit die alleinige Spitze der Bundestagsfraktion der Linken besch&auml;digt dasteht.<\/p><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein fr&uuml;herer Kollege, treuer Leser der NachDenkSeiten und Sozialdemokrat bem&auml;ngelte in einem Telefongespr&auml;ch, wir seien zu Unrecht gegen die Gro&szlig;e Koalition. 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Auch diese Einsch&auml;tzung ist falsch. &ndash; Rot und Gr&uuml;n sollten<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18907\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[195,191,190],"tags":[401,1260,516,246,359],"class_list":["post-18907","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-die-linke","category-spd","category-wahlen","tag-gabriel-sigmar","tag-groko","tag-gysi-gregor","tag-linke-mehrheit","tag-parteistroemungen"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18907","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=18907"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18907\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":18908,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18907\/revisions\/18908"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=18907"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=18907"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=18907"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}