{"id":18993,"date":"2013-10-21T09:21:41","date_gmt":"2013-10-21T07:21:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18993"},"modified":"2015-10-12T11:44:38","modified_gmt":"2015-10-12T09:44:38","slug":"die-spd-degradiert-sich-zum-mehrheitsbeschaffer-fuer-die-cdu-und-csu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18993","title":{"rendered":"Die SPD degradiert sich zum Mehrheitsbeschaffer f\u00fcr die CDU und CSU"},"content":{"rendered":"<p>Gabriels Taktik ging auf. Es kam so, wie <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18914\">vorhergesagt<\/a> und wie zu erwarten war: Mit nur 31 Gegenstimmen stimmten die Delegierten des SPD-Parteikonvents &bdquo;der Aufnahme formeller Koalitionsverhandlungen mit dem Ziel einer gemeinsamen Regierungsbildung&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.spd.de\/presse\/Pressemitteilungen\/110748\/20131020_beschluss_konvent.html\">mit CDU\/CSU zu<\/a>.<br>\nGabriel hat einen weiteren pers&ouml;nlichen Erfolg erzielt, den anf&auml;nglichen Widerstand der Parteibasis gegen eine Gro&szlig;e Koalition zu &uuml;berspielen. Auf dem Konvent gab es kein Nachdenken mehr dar&uuml;ber, warum die Partei bei der Wahl so schlecht abgeschnitten hat, es ging nur noch darum, wie die SPD wieder in die Regierung kommen kann. Es wird also wohl auch mit Hilfe der Medien zu einer Gro&szlig;en Koalition kommen, denn es ist kaum zu erwarten, dass ein Votum der Mitglieder &ndash; und das wom&ouml;glich noch nach einem schon f&uuml;r Mitte November terminierten SPD-Bundesparteitag (auf dem wahrscheinlich noch nicht &uuml;ber einen Koalitionsvertrag diskutiert und abgestimmt werden kann) &ndash; sich nicht nur gegen die Parteispitze sondern s&auml;mtliche F&uuml;hrungsebenen der Partei wenden wird. Von <strong>Wolfgang Lieb<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3148\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-18993-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/131022_Degradierte_SPD_NDS_v2.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/131022_Degradierte_SPD_NDS_v2.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/131022_Degradierte_SPD_NDS_v2.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/131022_Degradierte_SPD_NDS_v2.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=18993-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/131022_Degradierte_SPD_NDS_v2.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"131022_Degradierte_SPD_NDS_v2.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Eine gro&szlig;e Koalition mag in Krisenzeiten, in denen es darum geht, dass die gro&szlig;en Parteien zusammenarbeiten, eine Option sein. Sie kann auch &ndash; wie zwischen 1966 und 1969 &ndash;  sinnvoll sein, wenn es wirklich darum geht, gegen&uuml;ber der bisherigen Regierung wenigstens auf zentralen Politikfeldern einen wirklichen Kurswechsel einzuleiten. Kleine Koalitionen sind dagegen dadurch gekennzeichnet, dass die kleineren Parteien keinen Politikwechsel durchsetzen k&ouml;nnen, sondern bestenfalls auf ihren thematischen Kerngebieten ein Entgegenkommen des gro&szlig;en Partners aushandeln k&ouml;nnen.<\/p><p>Schaut man sich die auf dem Parteikonvent beschlossenen &bdquo;unverzichtbaren&ldquo; 10 Punkte an, so gibt sich die SPD schon vor der Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit der Rolle eines kleinen Koalitionspartners zufrieden. Die SPD-F&uuml;hrung hat offenbar ihr schlechtes Abschneiden bei der Bundestagswahl auch gegen&uuml;ber der CDU\/CSU schon im Verhandlungsangebot &bdquo;eingepreist&ldquo;. &bdquo;Grundlage&ldquo; f&uuml;r die Verhandlungen soll zwar noch das einm&uuml;tig beschlossene &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.spd.de\/95466\/\">Regierungsprogramm<\/a>&ldquo; sein, doch eine &bdquo;Alternative zu Merkels &acute;Alternativlosigkeit`&ldquo;, wie sie vor der Wahl versprochen wurde, ist in den im Beschluss des Konvents <a href=\"http:\/\/www.spd.de\/aktuelles\/110754\/20131020_parteikonvent_koalitionsverhandlungen.html\">niedergelegten &bdquo;Kernforderungen&ldquo;<\/a> beim besten Willen nicht zu erkennen.<\/p><p>Die einzige bedingungslose Forderung ist die &bdquo;Einf&uuml;hrung eines fl&auml;chendeckenden gesetzlichen Mindestlohns in H&ouml;he von 8,50 Euro pro Stunde (in Ost und West)&ldquo;. Bei nahezu allen anderen Forderungen beschr&auml;nkt man sich aufs &bdquo;Verbessern&ldquo;. &bdquo;Verbesserungen&ldquo;, &bdquo;verbessern&ldquo; oder &bdquo;besser&ldquo;, so hei&szlig;t es 11 Mal in dem Beschluss. Es &bdquo;besser&ldquo; zu machen, hei&szlig;t aber eben, die Sozialdemokraten wollen es in der neuen Regierung nicht &bdquo;anders&ldquo; machen. &bdquo;Besser&ldquo; ist die Steigerungsform von &bdquo;gut&ldquo;; man bescheinigt also der Merkel-Regierung, dass sie schon ganz gut regiert hat und es eben nur noch einiges zu verbessern gibt. Der Kurs soll also grunds&auml;tzlich beibehalten werden, es geht allenfalls noch darum einige Kurskorrekturen vorzunehmen. <\/p><p>Es wird also beim Agenda-Kurs bleiben, eine Umkehr oder wenigstens ein Richtungswechsel vom Abbau der sozialen Sicherungssystemen (z.B. K&uuml;rzung der Renten und Privatisierung der Altersvorsorge, Zerst&ouml;rung der Arbeitslosenversicherung) ist nicht zu erwarten. <\/p><p>Sollte es tats&auml;chlich zu einem fl&auml;chendeckenden gesetzlichen Mindestlohns in H&ouml;he von 8,50 Euro pro Stunde kommen, so sollte man das gewiss nicht klein schreiben: F&uuml;r immerhin rund <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/karriere\/berufsleben\/gehaelter-11-prozent-bekommen-nicht-einmal-mindestlohn-a-846573.html\">11 Prozent aller Besch&auml;ftigten<\/a> w&auml;re das eine Verbesserung. Aber man sollte deshalb nicht vergessen, dass selbst mit diesem Mindestlohn in den meisten Familien ein Lebensunterhalt nur mit staatlicher Unterst&uuml;tzung m&ouml;glich ist. 8,50 Euro pro Stunde liegen unter dem Niedriglohnschwellenwert. Bei einer Vollzeitbesch&auml;ftigung von 160 Stunden pro Monat errechnet sich ein Bruttomonatslohn von 1.360 Euro. Legt man den Arbeitslosengeld II-Regelsatz (plus Kosten der Unterkunft plus Erwerbst&auml;tigenfreibetrag) zugrunde, k&auml;me man gleichfalls auf einen Bruttostundenlohn (bei einer 40-Stunden-Woche) in H&ouml;he von etwa 8,50 Euro. D.h. 8.50 Euro entsprechen ungef&auml;hr dem Hartz-Regelsatz. Hinsichtlich der Bek&auml;mpfung der Altersarmut bringt der Mindestlohn in dieser H&ouml;he fast gar nichts. <\/p><p>Auch die SPD-Forderung nach einer &bdquo;wirksamen Bek&auml;mpfung des Missbrauchs von Leih- und Zeitarbeit und sogenannter &bdquo;Werkvertr&auml;ge&ldquo;&ldquo; bedeutet faktisch keine Abkehr vom Prinzip der Flexibilisierung des Arbeitsmarktes. Der zugrundeliegende Mechanismus, der zu prek&auml;rer Arbeit gef&uuml;hrt hat, bleibt unangetastet. Schon der Begriff &bdquo;Missbrauch&ldquo; hei&szlig;t doch, dass die politischen Entscheidungen, die zu diesen prek&auml;ren Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnissen gef&uuml;hrt haben, grunds&auml;tzlich f&uuml;r richtig gehalten werden. Dabei leistete doch gerade der mit den Hartz-Gesetzen durchgesetzte Wechsel vom Versicherungs- zum F&uuml;rsorgeregime der Abw&auml;rtsspirale Vorschub, mit der die L&ouml;hne nach unten ausfransten und Arbeit egal zu welchem Preis und zu welchen Bedingungen aufgezwungen werden sollten. (Vgl. Christoph Butterwegge &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16494\">Die Agenda 2010 &ndash; Begr&uuml;ndung und Legitimationsbasis f&uuml;r eine unsoziale Politik<\/a>&ldquo;)<\/p><p>Eigentlich steckt hinter dieser &bdquo;unbedingten&ldquo; Kernforderung des gesetzlichen Mindestlohns nichts anderes als die Absicht, die Gewerkschaften beim Abschluss eines Koalitionsvertrages politisch ruhig zu stellen. Von einer Zur&uuml;ckdr&auml;ngung des Niedriglohnsektors mit fast 8 Millionen Besch&auml;ftigten ist in dem Beschluss nicht die Rede.<\/p><p>Vom Einsatz f&uuml;r das im Wahlkampf so hoch gehobene Thema &bdquo;soziale Gerechtigkeit&ldquo;, vom Kampf gegen die &bdquo;soziale und kulturelle Spaltung Deutschlands&ldquo;, f&uuml;r ein &bdquo;neues Miteinander&ldquo; oder ein &bdquo;neues soziales Gleichgewicht&ldquo; (so das SPD-Regierungsprogramm) ist nicht mehr viel zu lesen:  &bdquo;Wir werden keine sozialen K&uuml;rzungen akzeptieren&ldquo;, hei&szlig;t es in dem Beschluss lapidar. Das hei&szlig;t aber im Umkehrschluss, dass der bisherige Sozialabbau, der ja zur vor der Wahl beklagten sozialen Spaltung gef&uuml;hrt hat, beibehalten wird. <\/p><p>In der Rentenpolitik, werden schon vor Verhandlungsbeginn Abstriche von den angek&uuml;ndigten Verbesserungen gemacht. Wer kann heute noch 45 Jahre sozialversicherungspflichtige Besch&auml;ftigung vorweisen, um eine &bdquo;gute Rente ohne Abz&uuml;ge&ldquo; zu beziehen. Wie hie&szlig; es doch in den Beschl&uuml;ssen der SPD vor der Wahl:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Wir werden das derzeitige Niveau bei den Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung bis zum Ende des Jahrzehnts aufrechterhalten. 2020 gilt es neu zu bewerten, wie &uuml;ber die Wirkungen der Reformen auf dem Arbeitsmarkt im Hinblick auf Besch&auml;ftigung, Einkommen und Produktivit&auml;t, die Ankoppelung der Renten an die Erwerbseinkommen vorzunehmen ist.&ldquo; (S. 69)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Oder:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Wir wollen nicht, dass sich die Anhebung des Renteneintrittsalters wie eine K&uuml;rzung der Renten auswirkt. Sie ist erst dann m&ouml;glich, wenn mindestens die H&auml;lfte der 60 &ndash; bis 64-j&auml;hrigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sozialversicherungspflichtig besch&auml;ftigt sind und weitere Rentenanspr&uuml;che erwerben k&ouml;nnen. In diesem Sinne werden wir die &Uuml;berpr&uuml;fungsklausel im Gesetz anwenden.&ldquo; (S. 68)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Im &Uuml;brigen wurde versprochen, dass die neu einzuf&uuml;hrende &bdquo;Solidarrente&ldquo; schon nach 40 und nicht erst nach 45 Versicherungsjahren greifen sollte.<\/p><p>In nahezu jeder Rede des Kanzlerkandidaten Peer Steinbr&uuml;ck sagte er der &bdquo;sozialen Spaltung in Deutschland&ldquo; den Kampf an. Wie in einer Regierung unter Beteiligung der SPD die &bdquo;auseinandergehende Schere der Einkommens- und Verm&ouml;gensverteilung&ldquo; (S. 58 des Regierungsprogramms) wieder etwas geschlossen werden k&ouml;nnte, wird an keiner Stelle des Beschlusses auch nur angedeutet. <\/p><p>Vor der Wahl hie&szlig; es:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Die Lasten f&uuml;r die Finanzierung unseres Gemeinwesens sind unfair verteilt: Menschen mit normalem Einkommen tragen immer mehr, Kapital- und Verm&ouml;genseink&uuml;nfte und sehr gro&szlig;e Einkommen immer weniger.&ldquo; (S. 9)<\/em><\/p>\n<p><em>&bdquo;Noch nie mussten Verm&ouml;gende der Gesellschaft, die ihnen den Reichtum erm&ouml;glicht hat, so wenig zur&uuml;ckgeben wie heute&hellip;&ldquo; (S. 11)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Von einer Anhebung der &bdquo;Verm&ouml;genssteuer auf ein angemessenes Niveau&ldquo; oder eine Erh&ouml;hung der Abgeltungssteuer wenigstens von 25 auf 32 Prozent oder einer Verschiebung des Spitzensteuersatzes auf 49 Prozent f&uuml;r zu versteuernde Einkommen ab 100.000 Euro (bei einem Alleinverdiener, 200.000 bei Eheleuten) ist &uuml;brig geblieben, dass man in den Koalitionsverhandlungen &bdquo;auf einer verl&auml;sslichen, soliden und gerechten Finanzierung&hellip;bestehen&ldquo; werde. <\/p><p>Man will den Steuerbetrug bek&auml;mpfen, aber kein Vorschlag wie man die Steueroasen trocken legen k&ouml;nnte. <\/p><p>&Uuml;ber die Sicherheitspolitik und &uuml;ber Milit&auml;reins&auml;tze nicht ein Wort, alles was von einer Friedenspolitik &uuml;brig geblieben ist, ist die Forderung nach restriktiven Regeln f&uuml;r den R&uuml;stungsexport, m&ouml;glichst noch auf der &bdquo;langen Bank&ldquo; einer EU-Regelung. <\/p><p>F&uuml;r die SPD scheint die Wirtschaftspolitik keinerlei Rolle zu spielen. &Uuml;ber eine Alternative zur exportlastigen, ausschlie&szlig;lich wettbewerbsorientierten und angebotsorientierten Standortpolitik oder &uuml;ber Fragen, wie die stagnierende Binnennachfrage erh&ouml;ht werden, wie eine ausgewogenere Leistungsbilanz erzielt werden k&ouml;nnte,  d&uuml;rfte in den Koalitionsgespr&auml;chen wohl kein Wort verloren werden. <\/p><p>Man h&auml;lt Privatisierungen f&uuml;r den &bdquo;falschen Weg&ldquo;, verlangt aber nicht die R&uuml;cknahme des von der SPD selbst vorangebrachten &bdquo;&Ouml;PP-Beschleunigungsgesetz&ldquo;.  <\/p><p>Die Ziffer 9 zu Bildung, Ausbildung und Wissenschaft, liest sich eher wie eine Werbebrosch&uuml;re als ein Forderungskatalog. Von &bdquo;j&auml;hrlich 20 Milliarden Euro mehr f&uuml;r Bildung&ldquo;, von eine Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz in der Kita, von Ganztagsschulen ist nicht mehr die Rede. Nicht einmal von einer Aufhebung des Kooperationsverbots in der Hochschul- und Schulpolitik durch eine Grundgesetz&auml;nderung ist mehr die Rede. Man spricht nur noch von &bdquo;neuen Formen der Kooperation f&uuml;r Schulen und Hochschulen im Grundgesetz&ldquo;. Wozu bedarf es dann aber noch einer Gro&szlig;en Koalition mit einer verfassungs&auml;ndernden Mehrheit im Parlament, wenn ein gravierender Fehler der sog. F&ouml;deralismusreform nicht wieder korrigiert werden soll?  <\/p><p>F&uuml;r eine der gr&ouml;&szlig;ten Sorgen der Deutschen, n&auml;mlich die &Uuml;berwindung der Euro-Krise, finden sich nur blumige Worte. &bdquo;Wir wollen Wachstum und Besch&auml;ftigung in Europa sichern und st&auml;rken&ldquo; oder wir wollen &bdquo;eine nachhaltige Wachstumsstrategie mit einer nachhaltigen Finanzpolitik verbinden.&ldquo; Das kann man nahezu wortgleich auch in allen fr&uuml;heren Regierungserkl&auml;rungen von Kanzlerin Merkel oder von Finanzminister Sch&auml;uble finden. Einen grundlegenden Paradigmenwechsel weg von der Austerit&auml;tspolitik f&uuml;r Europa wird man von dem Koalitionsvertrag also nicht erwarten d&uuml;rfen. <\/p><p>Das waren die Versprechen vor der Wahl:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Die Folgen unverantwortlicher Spekulationen auf diesen Finanzm&auml;rkten sind es gewesen, die zu einer dramatisch gestiegenen Staatsverschuldung in Europa gef&uuml;hrt haben. Nicht zuletzt deshalb muss der Finanzsektor jetzt auch dazu beitragen, diese Schulden wieder abzutragen.&ldquo; (S. 10)<\/em><\/p>\n<p><em>&bdquo;Das Zeitalter des Marktradikalismus ist zu Ende. Die Ideologie von Konservativen und Neoliberalen, die M&auml;rkte sorgten schon selbst f&uuml;r das Gemeinwohl und die Steigerung des Wohlstands, ist sp&auml;testens unter den Tr&uuml;mmern der weltweiten Finanzkatastrophe begraben worden.<\/em><br>\n<em>Kein Finanzmarktakteur, kein Finanzprodukt und kein Markt darf in Zukunft unreguliert sein.&ldquo; (S. 12)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>&Uuml;brig geblieben ist: &bdquo;Finanzm&auml;rkte wollen wir wirksam regulieren. Um die Finanzm&auml;rkte an der Bew&auml;ltigung &ouml;ffentlicher Aufgaben und der Krisenkosten zu beteiligen, wollen wir eine Finanztransaktionssteuer einf&uuml;hren.&ldquo; Hat sich der bisherige Finanzminister Sch&auml;uble nicht offiziell schon l&auml;ngst f&uuml;r eine solche Steuer ausgesprochen? Redete die bisherige Bundesregierung nicht schon lange davon, dass sie die Finanzm&auml;rkte &bdquo;wirksam&ldquo; regulieren wolle? Was kann da in einem k&uuml;nftigen Koalitionsvertrag noch Neues erwartet werden?<\/p><p>Die Wahlversprechen, sch&auml;dliche Finanzprodukte verbieten, den Hochfrequenzhandel einschr&auml;nken, Spekulation unterbinden, sind schon jetzt gebrochen. <\/p><p>Man kann zwar verstehen, dass man vor Koalitionsverhandlungen am besten die Klappe h&auml;lt. Aber wenn man schon so tut, als d&uuml;rften und sollten die Parteimitglieder mitentscheiden, dann m&uuml;sste man ihnen auch etwas zur Entscheidung anbieten. Der Beschluss des au&szlig;erordentlichen Parteikonvents ist aber inhaltlich so d&uuml;nn und d&uuml;rftig, dass sich eigentlich jede\/r Delegierte, der\/die sich im Wahlkampf f&uuml;r das Programm der SPD engagiert hat, an der Nase herumgef&uuml;hrt f&uuml;hlen m&uuml;sste. <\/p><p>Die SPD hat sich mit diesen &bdquo;Kernforderungen&ldquo;, obwohl Angela Merkel keine Mehrheit bei der Wahl erreicht hat und die SPD die Option h&auml;tte, ihr Regierungsprogramm mit einer &bdquo;linken&ldquo; Mandatsmehrheit weitgehend umzusetzen, schon jetzt als ein &bdquo;kleiner&ldquo; Koalitionspartner degradiert. Und wenn dann noch in einem Koalitionsvertrag weitere Kompromisse gemacht werden m&uuml;ssen, dann wird die SPD in Zukunft endg&uuml;ltig nur noch Rolle eines Mehrheitsbeschaffers f&uuml;r CDU\/CSU spielen. Bei der kommenden Bundestagswahl d&uuml;rften Sozialdemokraten dann darum k&auml;mpfen, ob die SPD zweitst&auml;rkste Partei bleiben kann. Und die Zahl, der bei einem neuerlichen Mitgliederentscheid zu befragenden Mitglieder, d&uuml;rfte sich von 470.000 noch einmal halbiert haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gabriels Taktik ging auf. 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