{"id":19020,"date":"2013-10-23T09:50:11","date_gmt":"2013-10-23T07:50:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19020"},"modified":"2019-07-31T12:35:41","modified_gmt":"2019-07-31T10:35:41","slug":"austeritaetspolitik-in-griechenland-oekonomische-verwuestung-statt-eines-exportgetragenen-wachstums","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19020","title":{"rendered":"Austerit\u00e4tspolitik in Griechenland: \u00d6konomische Verw\u00fcstung statt eines exportgetragenen Wachstums"},"content":{"rendered":"<p>Von der &Ouml;ffentlichkeit weitgehend unbemerkt (oder zumindest unkommentiert) hat sich in der Deutung der systemischen Krise der Europ&auml;ischen W&auml;hrungsunion durch den Mainstream eine Akzentverschiebung vollzogen. Als vor einigen Jahren die Schwierigkeiten der EWU offensichtlich wurden, herrschte zun&auml;chst weitgehend Konsens, dass  es eigentlich gar keine Eurokrise g&auml;be, sondern lediglich ein Problem zu hoher Staatsschulden einiger kleiner Eurol&auml;nder, ausgel&ouml;st durch ein unverantwortliches staatliches Ausgabeverhalten. So behauptete etwa Bundesbankpr&auml;sident Jens Weidmann im Juni 2011: &bdquo;Die aktuelle Krise ist keine Krise des Euro. Es handelt sich um eine Staatsschuldenkrise einzelner kleiner L&auml;nder im Euroraum, die nicht zuletzt durch die Missachtung der Regeln entstanden ist&ldquo; (S&uuml;ddeutsche Zeitung, 14.6.2011). ein Gastartikel von <strong>G&uuml;nther Grunert<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nWenig sp&auml;ter waren nicht nur die staatlichen Schulden in einigen wenigen s&uuml;deurop&auml;ischen L&auml;ndern, sondern die Staatsschulden in Europa generell (und anderswo in der Welt) die Ursache allen &Uuml;bels. Finanzminister Wolfgang Sch&auml;uble dr&uuml;ckte es in einem Interview mit dem ARD-Magazin Plusminus im September 2011 wie folgt aus: &bdquo;Eigentlich ist es unter &Ouml;konomen weltweit unbestritten, dass eine der Hauptursachen &ndash; wenn nicht sogar die Hauptursache &ndash; der Krise &ndash;  nicht nur jetzt, sondern schon 2008 &ndash; die zu hohe Verschuldung der &ouml;ffentlichen Haushalte auf der ganzen Welt ist&ldquo; (zit. nach Berger 2011).<\/p><p>Inzwischen ist ein Erkl&auml;rungsstrang hinzugekommen, der zu Beginn keine Rolle spielte, nun aber gleichberechtigt neben den staatlichen Schulden rangiert: die Krise der Wettbewerbsf&auml;higkeit. So stellte Wolfgang Sch&auml;uble im Juni 2013 bei &bdquo;Cicero online&ldquo; fest: &bdquo;Zu hohe Staatsverschuldung und mangelnde Wettbewerbsf&auml;higkeit sind die Ursachen der Krise in Europa.&ldquo; Noch deutlicher w&uuml;rde erst j&uuml;ngst Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Interview mit dem Fernsehsender Phoenix vom 13. August 2013: &bdquo;Wenn ich mir anschaue, wie die Wettbewerbskraft anderer L&auml;nder auf der Welt zunimmt [&hellip;], dann ist dringend Eile geboten, dass Europa an seiner verbesserten Wettbewerbsf&auml;higkeit arbeitet. [&hellip;] Wenn sie wettbewerbsf&auml;hig sein wollen, dann m&uuml;ssen die Lohnst&uuml;ckkosten in Europa vergleichbar sein. Wenn sie in einem Land viel h&ouml;her sind, hat das zur Folge, dass das Land seine Produkte nicht mehr verkaufen kann und damit die Arbeitslosigkeit steigt. [&hellip;] Die Reformen, die wir jetzt (innerhalb Europas; Anm. des Verf., G. G.) verabredet haben [&hellip;], sind Reformen, die die Lohnst&uuml;ckkosten senken und damit die Wettbewerbsf&auml;higkeit erh&ouml;hen.&ldquo;<\/p><p>Auch die Troika aus IWF, EU und Europ&auml;ischer Zentralbank setzt hinsichtlich der Eurozone und insbesondere der Euro-Krisenl&auml;nder ganz auf die Strategie der Verbesserung der Wettbewerbsf&auml;higkeit. So schreibt der IWF: &bdquo;Southern Europe needs to increase competitiveness in the tradables sector, especially through labor market reforms. [&hellip;] These measures will help reduce unemployment and rebuild competitiveness in the periphery&rdquo; (IMF 2013a, S. 49). Noch deutlicher wird der IWF in seiner kritischen Analyse des &ldquo;Rettungsprogramms&rdquo; Griechenlands: &ldquo;The program had to work within the constraints of the fixed exchange rate and engineer an internal devaluation. Part of the adjustment in ULCs (= unit labour costs, Anm. des Verf., G. G.) would come from the economic slowdown that would exert downward pressure on wages. The rest would follow from structural reforms that would free up Greece&rsquo;s rigid labor and product markets and raise productivity&rdquo; (IMF 2013b, S. 22).<\/p><p>Die Strategie, die Griechenland aufgezwungen wurde, basiert also au&szlig;er auf staatlichen Ausgabenk&uuml;rzungen zu einem gro&szlig;en Teil auf einer &bdquo;internen Abwertung&ldquo;, d. h. einer allgemeinen Lohnsenkung: Der wirtschaftliche Einbruch sollte einen Abw&auml;rtsdruck auf die griechischen L&ouml;hne aus&uuml;ben, unterst&uuml;tzt von Strukturreformen zur &bdquo;Befreiung&ldquo; der rigiden Arbeits- und Produktm&auml;rkte Griechenlands und zur Erh&ouml;hung der Produktivit&auml;t. Die Lohnk&uuml;rzungen &ndash; so offenbar die Erwartung &ndash; w&uuml;rden die Exportprodukte Griechenlands wettbewerbsf&auml;higer machen, steigende Nettoexporte dann das griechische Wachstum beleben. [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Die L&ouml;sung der Probleme Griechenlands sollte also in einem exportgetragenen Wachstum liegen.<\/p><p>Im folgenden Beitrag wird untersucht, wie erfolgreich diese Strategie der Troika in Griechenland war. Die Fokussierung auf Griechenland (und die damit verbundene weitgehende Vernachl&auml;ssigung der anderen Euro-Krisenl&auml;nder) erfolgt aus zwei Gr&uuml;nden: Zum einen ist Griechenland wohl das am meisten von der Austerit&auml;tspolitik im Euroraum gesch&auml;digte Land (zumindest, was den Einbruch der Wirtschaftsleistung und die Arbeitslosenquote betrifft) und zum anderen wird gerade in Bezug auf Griechenland derzeit viel Optimismus verbreitet: So ist vom baldigen Ende der Talfahrt der Wirtschaft und der R&uuml;ckkehr des Wachstums die Rede und die griechische Regierung wertet schon einmal die angeblich bevorstehende Trendwende als Best&auml;tigung ihrer Wirtschaftspolitik (Lapavitsas 2013; Hickel 2013).<\/p><p>In Abschnitt 1 werden zun&auml;chst die Auswirkungen der Austerit&auml;tspolitik auf die griechische Wirtschaft untersucht, bevor in Abschnitt 2 die Au&szlig;enhandelsposition Griechenlands analysiert wird, auf der die Hoffnungen nicht zuletzt des IWF basieren. Abschnitt 3 zeigt anschlie&szlig;end auf, warum die Strategie eines exportgetragenen Wachstums in L&auml;ndern wie Griechenland zum Scheitern verurteilt ist. Abschnitt 4 beendet mit einem kurzen Fazit die Untersuchung.<\/p><p><strong>1. Der Zusammenbruch der griechischen Wirtschaft<\/strong><\/p><p>Die Austerit&auml;tsprogramme in Griechenland umfassen deutliche K&uuml;rzungen bei L&ouml;hnen, Renten und Sozialleistungen, Steuererh&ouml;hungen, die Liberalisierung des Arbeitsmarktes, Privatisierungen &ouml;ffentlichen Eigentums und Entlassungen im &ouml;ffentlichen Sektor. Auf den ersten Blick scheinen die drastischen Einschnitte durchaus zu den von der Troika gew&uuml;nschten Ergebnissen gef&uuml;hrt zu haben: Wie aus Abbildung 1 hervorgeht, sind in Griechenland sowohl die Pro-Kopf-L&ouml;hne als auch die Lohnst&uuml;ckkosten in den letzten vier Jahren stark gesunken.<\/p><p><em>Abbildung 1<\/em><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/131023-01-Austeritaetspolitik-Griechenland-II.gif\" alt=\"L&ouml;hne und Arbeitslosigkeit in Griechenland\" title=\"L&ouml;hne und Arbeitslosigkeit in Griechenland\"><\/p><p>Quelle: Flassbeck 2013a<\/p><p>Die Voraussetzungen f&uuml;r das angestrebte exportgetragene Wachstum waren also scheinbar gegeben und tats&auml;chlich sind die griechischen Exporte seit Beginn der Austerit&auml;tsma&szlig;nahmen (in den Jahren 2009 und 2010) gestiegen. Jedoch konnte diese Verbesserung nicht ann&auml;hernd den immensen R&uuml;ckgang bei den anderen Komponenten der aggregierten Nachfrage ausgleichen. Wenn &ndash; wie in Griechenland &ndash; der Staat seine Ausgaben reduziert (und zus&auml;tzlich noch Steuern erh&ouml;ht), f&uuml;hrt dies zu negativen Effekten bei den Unternehmen und privaten Haushalten. Diese geben als Folge ebenfalls weniger aus, als sie urspr&uuml;nglich geplant hatten, so dass es zu einer negativen Gesamtwirkung auf die Volkswirtschaft kommt, die gr&ouml;&szlig;er ist als diejenige, die allein durch die staatlichen Ausgabensenkungen ausgel&ouml;st worden w&auml;re. Diese gr&ouml;&szlig;ere Gesamtwirkung verglichen mit der geringeren Ausgangswirkung wird durch den Multiplikator gemessen. Die Theorie der Troika, dass staatliche Ausgabenk&uuml;rzungen nur eine geringe Auswirkung auf die &uuml;brige Wirtschaft h&auml;tten, hat sich als komplett falsch herausgestellt. In Wahrheit f&uuml;hrten die staatlichen Haushaltsk&uuml;rzungen zu einem sich beschleunigenden Zusammenbruch beim privaten Konsum und bei den Investitionen. Die EU-Kommission sch&auml;tzte noch im Fr&uuml;hjahr 2012 den Fiskalmultiplikator, der die Auswirkung des Sparens auf das Wachstum des BIP misst, auf ungef&auml;hr 0,5. Demnach w&uuml;rde die gesamte Wirtschaftsleistung nur um 50 Cent fallen, wenn der Staat seine Ausgaben um einen Euro k&uuml;rzte. [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]<\/p><p>Diese Annahme ist nicht haltbar, wie allein die vielen Fehlprognosen der EU-Kommission belegen: So waren die &Ouml;konomen der Kommission in ihren ersten Prognosen davon ausgegangen, dass das BIP Griechenlands in den Jahren 2011 und 2012 um 0,7 Prozent bzw. 1,1 Prozent steigen w&uuml;rde (Handelsblatt, 10. 12. 2012); tats&auml;chlich aber sank es um 7,1 Prozent resp. 6,4 Prozent.<\/p><p>Papadimitriou et al. (2013) kommen dann auch f&uuml;r Griechenland auf einen Multiplikator-Wert von &uuml;ber 2,5 (d. h. f&uuml;r jeden Euro an Ausgabenk&uuml;rzungen verliert Griechenland mehr als 2,5 Euro an Wirtschaftsleistung), also deutlich h&ouml;her als von der EU-Kommission angenommen. Anderen &Ouml;konomen zufolge liegt der Wert f&uuml;r den fiskalischen Multiplikator in Griechenland noch h&ouml;her, m&ouml;glicherweise sogar bei 3,6, wie etwa Patrick Artus, der Leiter der Forschungsabteilung der franz&ouml;sischen Bank Natixis, annimmt (Handelsblatt, 10.12.2012). Aber unabh&auml;ngig davon, ob der Multiplikator nun bei 2,5 oder bei 3,6 oder irgendwo<\/p><p><em>Abbildung 2: Griechenland: Komponenten des BIP<\/em><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/131023-02-Austeritaetspolitik-Griechenland-II.gif\" alt=\"Griechenland: Komponenten des BIP\" title=\"Griechenland: Komponenten des BIP\"><\/p><p>Quelle: Papadimitriou et al. 2013, S. 4<\/p><p>dazwischen liegt &ndash; eines ist sicher: Es war das Zusammenwirken von staatlichen K&uuml;rzungsprogrammen <em>und<\/em> Lohnsenkungen, das in Griechenland (und in anderen Euro-Krisenl&auml;ndern) eine fatale Abw&auml;rtsspirale in Gang gesetzt hat (Flassbeck 2013b).<\/p><p>Wie aus Abbildung 2 hervorgeht, sind die Investitionen in Griechenland, die in den zwei Jahren vor Beginn der Krise deutlich zugelegt hatten, seit ihrem H&ouml;chststand Ende 2007 um fast 34 Mrd. Euro gesunken und erreichen im ersten Quartal 2013 mit nur noch 25 Mrd. Euro ein Rekordtief. Der Konsum in Griechenland, der vor dem Abschwung der wichtigste Bestimmungsfaktor f&uuml;r das Wachstum war, hat seit Anfang 2010 um etwa 30 Mrd. Euro abgenommen. Allein die Exporte stiegen &ndash; wie bereits erw&auml;hnt &ndash; ab Ende des Jahres 2009 an, w&auml;hrend sich fast zur gleichen Zeit die Staatsausgaben in die entgegengesetzte Richtung entwickelten; dabei reichte allerdings bislang der Anstieg der Exporte um fast 8 Mrd. Euro seit ihrem Tief nicht aus, um den R&uuml;ckgang der Staatsausgaben um 13 Mrd. Euro im gleichen Zeitraum auszugleichen.<\/p><p>Vor allem die auf Austerit&auml;t angelegte Finanzpolitik und die Lohnk&uuml;rzungen haben also dazu gef&uuml;hrt, dass die Wirtschaftsleistung in Griechenland dramatisch eingebrochen ist; sie ist prozentual st&auml;rker zur&uuml;ckgegangen als in allen anderen Euro-Krisenl&auml;ndern. Wie aus Abbildung 3 ersichtlich, liegt das griechische BIP jetzt um beinahe 25 Prozent unterhalb seines Vorkrisenniveaus.<\/p><p><em>Abbildung 3: Entwicklung des BIP in den Krisenl&auml;ndern<\/em><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/131023-03-Austeritaetspolitik-Griechenland-II.gif\" alt=\"Entwicklung des BIP in den Krisenl&auml;ndern\" title=\"Entwicklung des BIP in den Krisenl&auml;ndern\"><\/p><p>Quelle: Horn et al. 2013, S. 23<\/p><p>Parallel dazu hat sich &ndash; wie Abbildung 1 zeigt &ndash; die Arbeitslosigkeit seit 2008 sprunghaft erh&ouml;ht. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote ist nach den neuesten Daten von Eurostat in Griechenland im Juni 2013 abermals gegen&uuml;ber dem Vormonat gestiegen (wenn auch nur leicht) und betr&auml;gt nun 27,9 Prozent; die Jugendarbeitslosenquote liegt im Juni 2013 bei 61,5 Prozent.<\/p><p>Erschreckend ist auch die Entwicklung der Erwerbst&auml;tigenquote (Zahl der erwerbst&auml;tigen Personen im Alter von 20 bis 64 Jahren dividiert durch die Gesamtbev&ouml;lkerung derselben Altersgruppe) in Griechenland, die von einem H&ouml;chststand von 66,5 Prozent im Jahr 2008 auf nur noch 55,3 Prozent im Jahr 2012 gesunken ist und am Ende dieses Jahres vermutlich noch deutlich niedriger liegen wird. Zu erwarten ist dann eine Quote von rund 50 Prozent, d. h. etwa die H&auml;lfte der Bev&ouml;lkerung (&uuml;ber 20 Jahre) im erwerbsf&auml;higen Alter wird nicht erwerbst&auml;tig sein. Das ist ein au&szlig;ergew&ouml;hnlich niedriger Wert f&uuml;r eine entwickelte Nation. Abbildung 4 zeigt den deutlichen R&uuml;ckgang der Erwerbst&auml;tigenquote in Griechenland in den letzten Jahren, der dazu gef&uuml;hrt hat, dass Griechenland nunmehr das Schlusslicht unter den verglichenen L&auml;ndern bildet.<\/p><p><em>Abbildung 4: Erwerbst&auml;tigenquoten in Prozent in ausgew&auml;hlten L&auml;ndern<\/em><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/131023-04-Austeritaetspolitik-Griechenland-II.gif\" alt=\"Erwerbst&auml;tigenquoten in Prozent in ausgew&auml;hlten L&auml;ndern\" title=\"Erwerbst&auml;tigenquoten in Prozent in ausgew&auml;hlten L&auml;ndern\"><\/p><p>Quelle: Mitchell 2013a<\/p><p>Nun mag die Troika darauf hoffen, dass die Exporte Griechenlands zuk&uuml;nftig weiter ansteigen, was sicherlich nicht auszuschlie&szlig;en ist, obwohl die neuesten Daten eine leichte Abnahme der Ausfuhren seit Ende 2012 anzeigen. Jedoch ist es nicht realistisch, davon auszugehen, dass der Zuwachs der <em>Netto<\/em>exporte stark genug sein wird, den R&uuml;ckgang der anderen Komponenten der aggregierten Nachfrage wettzumachen und schlie&szlig;lich ein aufholendes Wachstum zu erzeugen, das das BIP und die Besch&auml;ftigung in Griechenland wieder auf das Vorkrisenniveau zur&uuml;ckbringen w&uuml;rde.<\/p><p>Warum eine solche Entwicklung extrem unwahrscheinlich ist, soll im n&auml;chsten Abschnitt gezeigt werden, in dem die griechische Au&szlig;enhandelsposition genauer untersucht wird.<\/p><p><strong>2. Der griechische Au&szlig;enhandel<\/strong><\/p><p>Wie bereits erw&auml;hnt, sind die Lohnst&uuml;ckkosten in Griechenland in den letzten vier Jahren deutlich gefallen. Ob dies auch zu einer sp&uuml;rbaren Verbesserung der internationalen Wettbewerbsf&auml;higkeit Griechenlands gef&uuml;hrt hat, l&auml;sst sich anhand der BIZ-Indizes der effektiven Wechselkurse &uuml;berpr&uuml;fen, die monatlich von der Bank f&uuml;r Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) publiziert werden (dazu ausf&uuml;hrlicher Klau\/Fung 2006). Der nominale effektive Wechselkurs einer W&auml;hrung ist ein Index, der als gewichteter Durchschnitt aus einem Korb von bilateralen Wechselkursen errechnet wird. Wenn der nominale effektive Wechselkurs um eine Messgr&ouml;&szlig;e f&uuml;r relative Preise resp. Kosten bereinigt wird, erh&auml;lt man den realen effektiven Wechselkurs (REER). [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] In den Ver&auml;nderungen des REER finden mithin sowohl Entwicklungen der nominalen Wechselkurse als auch das Inflationsgef&auml;lle gegen&uuml;ber den Handelspartnern Ber&uuml;cksichtigung. Reale effektive Wechselkurse liefern also eine Messgr&ouml;&szlig;e der internationalen Wettbewerbsf&auml;higkeit: Steigt der REER, l&auml;sst sich daraus schlie&szlig;en, dass das Land international weniger wettbewerbsf&auml;hig geworden ist, sinkt der REER, gilt das Umgekehrte.<\/p><p>Bill Mitchell hat auf Basis der BIZ-Daten ein Schaubild erstellt, das die Ver&auml;nderungen der realen effektiven Wechselkurse (sog. &bdquo;enge Indizes&ldquo; f&uuml;r 27 Volkswirtschaften) von Januar 2008 (= 100) bis Juli 2013 zeigt &ndash; und zwar f&uuml;r ausgew&auml;hlte Eurol&auml;nder und den Euroraum insgesamt. Abbildung 5 verdeutlicht, dass die realen effektiven Wechselkurse der betrachteten<\/p><p><em>Abbildung 5: Entwicklung der realen effektiven Wechselkurse (Index Januar 2008=100)<\/em><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/131023-05-Austeritaetspolitik-Griechenland-II.gif\" alt=\"Entwicklung der realen effektiven Wechselkurse (Index Januar 2008=100)\" title=\"Entwicklung der realen effektiven Wechselkurse (Index Januar 2008=100)\"><\/p><p>Quelle: Mitchell 2013b<\/p><p>L&auml;nder von Beginn der Krise bis Mitte des Jahres 2012 tendenziell gefallen sind und sich seitdem wieder in Richtung ihres Ursprungsniveaus von Januar 2008 zur&uuml;ckbewegen, wenngleich in unterschiedlich starkem Ma&szlig;e.<\/p><p>Der reale effektive Wechselkurs f&uuml;r Griechenland hat sich dagegen im Juli 2013 (Indexwert = 99,6) gegen&uuml;ber Januar 2008 (Indexwert = 100) praktisch nicht ver&auml;ndert.<\/p><p>Es ist Griechenland also trotz aller massiven Einschnitte und K&uuml;rzungen nicht gelungen, seine Wettbewerbsf&auml;higkeit wesentlich zu verbessern. Dies wird auch aus Abbildung 6 deutlich, die die Entwicklung der Handelsbilanz Griechenlands seit 2005 zeigt.<\/p><p><em>Abbildung 6: Griechenland: Entwicklung der Handelsbilanz<\/em><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/131023-06-Austeritaetspolitik-Griechenland-II.gif\" alt=\"Griechenland: Entwicklung der Handelsbilanz\" title=\"Griechenland: Entwicklung der Handelsbilanz\"><\/p><p>Quelle: Papadimitriou et al. 2013, S. 9<\/p><p>Zwar sind die Warenexporte (in Prozent des BIP) nach ihrem Einbruch im Jahr 2009  wieder angestiegen und liegen nun sogar &uuml;ber dem Vorkrisenniveau. Die Verbesserung der Handelsbilanz ist jedoch in erster Linie den krisenbedingt eingebrochenen Importen geschuldet. Es besteht deshalb die Gefahr, dass sich bei wieder aufkommendem Wachstum das Handelsbilanzdefizit erneut erh&ouml;ht. Dar&uuml;ber hinaus resultiert der Anstieg der griechischen Warenexporte zu einem betr&auml;chtlichen Teil aus einer Zunahme im Wert des griechischen Handels mit raffinierten Erd&ouml;lerzeugnissen, die wiederum Folge h&ouml;herer &Ouml;lpreise und einer gewachsenen Nachfrage im Zuge der globalen wirtschaftlichen Erholung war (Papadimitriou et al. 2013).<\/p><p><strong>3. Warum die Strategie eines exportgetragenen Wachstums nicht funktioniert<\/strong><\/p><p>Die Entwicklung Griechenlands zeigt sehr eindrucksvoll, dass die Strategie, &uuml;ber niedrigere Lohnkosten die Exportprodukte zu verbilligen, um &uuml;ber steigende Nettoexporte Investitionen, Wachstum und Besch&auml;ftigung zu erh&ouml;hen, in den meisten L&auml;ndern zum Scheitern verurteilt ist. Daf&uuml;r gibt es mehrere Gr&uuml;nde:<\/p><p><em>Erstens<\/em> ist zwar ein positiver Effekt von Lohnsenkungen auf den Au&szlig;enhandel durchaus m&ouml;glich; bei einem gro&szlig;en absoluten R&uuml;ckstand gegen&uuml;ber bedeutenden Handelspartnern ist ein Aufholprozess, der mit dem R&uuml;ckgewinn von Marktanteilen verbunden ist, jedoch schwierig und erfordert Zeit (Handelsstr&ouml;me sind im Allgemeinen relativ tr&auml;ge und reagieren nur langsam auf die verbesserte Wettbewerbsf&auml;higkeit eines Landes). Weit schwerer wiegt aber, dass die Wirkung einer erh&ouml;hten Wettbewerbsf&auml;higkeit vom relativen Gewicht des Au&szlig;enhandels verglichen mit der Binnenwirtschaft bestimmt wird. In einem Land wie Griechenland etwa, das nur einen Exportanteil von rund 25 Prozent am BIP aufweist, schw&auml;cht eine Lohnsenkung die wesentlich wichtigere Binnennachfrage weit mehr, als sie den Export zu beleben vermag. Denn in einer (weit &uuml;berwiegend) binnenwirtschaftlich ausgerichteten Volkswirtschaft f&uuml;hrt eine Senkung der Nominall&ouml;hne bei (zun&auml;chst) nicht sinkenden Preisen und folglich fallenden Reall&ouml;hnen zu einer abnehmenden realen Konsumnachfrage der Arbeitnehmerhaushalte [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]. Ein Ausfall bei der realen Gesamtnachfrage w&uuml;rde nur dann nicht eintreten, wenn die Unternehmen unmittelbar nach der Lohnk&uuml;rzung mehr Arbeitskr&auml;fte einstellten, deren Nachfrage den Verlust bei den bereits besch&auml;ftigten Arbeitnehmern exakt ausgliche, oder die Unternehmen sofort in H&ouml;he der ausgefallenen Konsumnachfrage zus&auml;tzlich investierten oder die Unternehmerhaushalte in entsprechender Gr&ouml;&szlig;enordnung zus&auml;tzlich konsumierten. All dies ist nicht zu erwarten: Denn die Unternehmen erhalten auf ihrem binnenwirtschaftlichen Absatzmarkt durch die fallende Nachfrage der Arbeitnehmerhaushalte und die daraus resultierende sinkende Auslastung der Kapazit&auml;ten ein negatives Signal, das ihre Investitionsbereitschaft d&auml;mpft und nicht etwa anregt. Mehr als unwahrscheinlich ist auch, dass die Unternehmen bzw. die Unternehmerhaushalte aus einer Situation der Unterauslastung der Kapazit&auml;ten heraus sofort damit beginnen, neue Arbeitskr&auml;fte einzustellen resp. ihre Konsumausgaben deutlich zu erh&ouml;hen, nur weil sich ihre Kostensituation verbessert hat. [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] Ohne nachhaltiges Nachfragewachstum werden die Unternehmen weder ihre Produktion ausweiten noch ihre Investitionen erh&ouml;hen, wenn der vorhandene Kapitalstock vollst&auml;ndig ausreicht, die aktuelle (abnehmende) Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen zu befriedigen. <\/p><p>Gehen die Unternehmen schlie&szlig;lich dazu &uuml;ber, mit Preissenkungen auf die Absatzschwierigkeiten bzw. den lohnbedingten Nachfrageausfall zu reagieren &ndash; und dies ist ja erw&uuml;nscht, um die Wettbewerbsf&auml;higkeit des Landes nach au&szlig;en hin zu verbessern &ndash; , verschlimmert das nur die Lage: Denn damit erhalten alle Marktteilnehmer ein Signal zum Abwarten: Konsumenten verschieben K&auml;ufe auf die Zukunft, da die gew&uuml;nschten Produkte bald ja noch preisg&uuml;nstiger werden; f&uuml;r Sachinvestoren ist bei sinkenden Absatzpreisen die Kalkulationsgrundlage so unsicher, dass sie Investitionsprojekte verz&ouml;gern &ndash; und zwar unabh&auml;ngig davon, ob und wie sehr sie sich auf der Kostenseite durch die Lohnsenkungen entlastet f&uuml;hlen. Zus&auml;tzlich wird die Investitionsbereitschaft der Unternehmen geschw&auml;cht, weil Deflationsprozesse zu einer Erh&ouml;hung der Realzinsen und der realen Schuldenlast f&uuml;hren: &bdquo;Because private financial commitments exist, the burden of inherited debt increases with wage and price deflations. A rise of the burden of debt when price deflation occurs makes borrowers and lenders alike wary of the debt-financing of private spending, and in particular of investment. A decline in investment is a reaction to price deflation&rdquo; (Minsky 1986, S. 139; dazu auch Minsky 1984, S. 5f). Im Ergebnis bricht die aggregierte Nachfrage massiv ein und die Wirtschaftsleistung geht entsprechend zur&uuml;ck.<\/p><p>Wenn dann auch noch der Staat seine Ausgaben reduziert, also zus&auml;tzlich entweder direkt (indem er sich als Investor zur&uuml;ckzieht) oder indirekt (indem er Transfereinkommen k&uuml;rzt und so die Nachfrage der privaten Haushalte schw&auml;cht) die Nachfrage bei den Unternehmen verringert, st&uuml;rzt die Volkswirtschaft vollends in die Krise, mit allen bekannten Folgen wie einer rasant steigenden Arbeitslosigkeit, einer weiteren Belastung der &ouml;ffentlichen Haushalte, zunehmenden Kreditausf&auml;llen der Banken usw. Das Schlimmste, was der Staat in einer Rezession, die durch einen Einbruch bei den privaten Ausgaben verursacht wird, tun kann, ist, prozyklische Ver&auml;nderungen in der Fiskalpolitik vorzunehmen, d. h. Ver&auml;nderungen, die die Gesamtausgaben noch mehr reduzieren. Genau das aber verlangt die Troika von Griechenland.<\/p><p>Woher aber soll das notwendige Wachstum in Griechenland kommen, wenn die Unternehmen nicht investieren, solange der private Konsum schwach ist, die privaten Haushalte aus Angst vor m&ouml;glicher Arbeitslosigkeit verst&auml;rkt sparen und weniger ausgeben, der griechische Staat seine Ausgaben k&uuml;rzt und alle Krisenl&auml;nder sich gegenseitig ihre Exportm&auml;rkte zerst&ouml;ren?<\/p><p><em>Zweitens<\/em> setzt die Strategie eines exportgetragenen Wachstums voraus, dass die Handelspartner mitspielen. Wenn Angela Merkel verlangt, dass &bdquo;Europa an seiner verbesserten Wettbewerbsf&auml;higkeit arbeitet&ldquo;, dann kann das nur bedeuten, dass Europa als Ganzes und darunter die EWU (speziell nat&uuml;rlich die s&uuml;deurop&auml;ischen L&auml;nder einschlie&szlig;lich Frankreichs) gegen&uuml;ber dem Rest der Welt wettbewerbsf&auml;higer werden soll, d. h. dauerhaft Au&szlig;enhandels&uuml;bersch&uuml;sse gegen&uuml;ber der &uuml;brigen Welt erzielt. [<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] Das aber werden die Handelspartner langfristig nicht einfach hinnehmen, sondern sich mit Abwertungen ihrer W&auml;hrungen oder mit Handelsschranken zur Wehr setzen. Gel&auml;nge es tats&auml;chlich, nicht nur in Griechenland, sondern in der gesamten EWU oder sogar in ganz Europa die Lohnst&uuml;ckkosten zu senken, wie es Angela Merkel offenbar vorschwebt, w&uuml;rde dies nur kurzfristig die Wettbewerbsf&auml;higkeit der EWU bzw. Europas gegen&uuml;ber der &uuml;brigen Welt erh&ouml;hen (n&auml;mlich solange, bis die daraus resultierenden Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;sse zu einer Aufwertung des Euro f&uuml;hrten), aber die Gefahr einer europaweiten Deflationsspirale heraufbeschw&ouml;ren. [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>]<\/p><p><em>Drittens<\/em> ist noch nicht einmal gew&auml;hrleistet, dass der Versuch eines Landes, durch eine Senkung der Nominall&ouml;hne die f&uuml;r die gesamtwirtschaftliche Wettbewerbsf&auml;higkeit entscheidenden Lohnst&uuml;ckkosten zu senken, im angestrebten Ausma&szlig; gelingt. Denn die Lohnk&uuml;rzungsstrategie schw&auml;cht nicht nur &ndash; wie oben gezeigt &ndash; die aggregierte Nachfrage, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Produktivit&auml;tsentwicklung. Letztere wird negativ beeinflusst, weil die Unternehmen als Reaktion auf den lohnbedingten Nachfrageausfall und die verst&auml;rkte Rezessionsphase ihre Investitionen zur&uuml;ckfahren (vgl. auch Abbildung 2). Investitionen aber steigern die Arbeitsproduktivit&auml;t: Je mehr in neue Fertigungs- und Verfahrenstechniken investiert wird (die prim&auml;r auf den im Investitonsg&uuml;terbereich erzeugten Produktinnovationen basieren), desto moderner ist im Allgemeinen der Produktionsapparat und desto h&ouml;her ist die Arbeitsproduktivit&auml;t. Eine abnehmende Investitionst&auml;tigkeit schw&auml;cht umgekehrt das zuk&uuml;nftige Produktivit&auml;tswachstum, so dass unsicher ist, ob die Lohnk&uuml;rzungsstrategie langfristig tats&auml;chlich zu der anvisierten deutlichen Senkung der Lohnst&uuml;ckkosten f&uuml;hrt. [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>]<\/p><p><strong>4. Fazit<\/strong><\/p><p>Die Austerit&auml;tspolitik in Griechenland ist gescheitert. Dies nicht nur wegen des massiven R&uuml;ckgangs des griechischen BIP und der dramatisch hohen Arbeitslosigkeit, sondern auch, weil die Schuldenstandsquote nicht &ndash; wie erhofft &ndash; gesunken, sondern weiter angestiegen ist, n&auml;mlich von knapp 128 Prozent im Jahr 2009 auf nunmehr 180 Prozent (Polychroniou 2013a). Die sozialen Auswirkungen der Austerit&auml;tspolitik sind immens: Mehr als 30 Prozent der griechischen Bev&ouml;lkerung leben inzwischen nahe oder unter der Armutsgrenze. Die drastischen Budgetk&uuml;rzungen haben dazu gef&uuml;hrt, dass das &ouml;ffentliche Gesundheitswesen vor dem Kollaps steht (einigen Krankenh&auml;usern fehlt es an geeigneten medizinischen Ger&auml;ten, um bestimmte Operationen durchzuf&uuml;hren oder an Medikamenten, um Krebspatienten behandeln zu k&ouml;nnen) und die &ouml;ffentlichen Schulen in einem katastrophalen Zustand sind (viele k&ouml;nnen sich nicht einmal mehr Heiz&ouml;l leisten). Die Auswanderung hat stark zugenommen &ndash; allein in Deutschland ist die Zahl der Immigranten aus Griechenland zwischen 2011 und 2012 um 73 Prozent gestiegen (Polychroniou 2013b).<\/p><p>Dabei sind es gerade junge, gut ausgebildete Griech(inn)en, die zu emigrieren versuchen. Vor allem die geringqualifizierten J&uuml;ngeren, die Arbeitslosen und die Randgruppen wenden sich verst&auml;rkt der Neonazi-Partei &bdquo;Goldene Morgenr&ouml;te&ldquo; zu, die im letzten Jahr bei den Parlamentswahlen 6,9 Prozent der Stimmen erhielt und seitdem mit 18 von 300 Abgeordneten im Parlament vertreten ist. Einer neuen Meinungsumfrage zufolge w&uuml;rde die Neonazi-Partei bei Wahlen derzeit 7,8 Prozent erhalten und damit zur drittst&auml;rksten Kraft im Parlament werden (www.taz.de, 8.10.2013). Mit der Wirtschaftskrise findet also rechtsextremes Gedankengut immer mehr Akzeptanz in der griechischen Gesellschaft, woraus eine ernstzunehmende Gefahr f&uuml;r die Demokratie erw&auml;chst.<\/p><p>Da Schrumpfungsprozesse nicht ewig dauern, wird nat&uuml;rlich auch die griechische Wirtschaft irgendwann wieder wachsen, wenngleich von einer sehr niedrigen Basis aus. Es ist zu erwarten, dass die Austerit&auml;ts-Bef&uuml;rworter dann beim geringsten Anzeichen einer Besserung in lauten Jubel ausbrechen und den Erfolg ihrer Politik verk&uuml;nden werden. Man m&uuml;sse halt einen langen Atem haben, strukturelle Reformen brauchten einfach ihre Zeit. Dass der &ouml;konomische Schaden, der in der Zwischenzeit angerichtet wurde, noch Jahrzehnte nachwirken wird, dass man vor allem sehr viele Jahre brauchen wird, um die Zahl der Arbeitspl&auml;tze, die in kurzer Zeit vernichtet wurden, wieder aufzubauen, d&uuml;rfte dann bei den Austerit&auml;ts-Anh&auml;ngern schnell vergessen sein, ebenso wie das menschliche Leid, dass diese absurde Politik ohne Not Millionen von Betroffenen &ndash; in Griechenland und in den anderen Euro-Krisenl&auml;ndern &ndash;  zugef&uuml;gt hat. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Literatur<\/strong><\/p><p><strong>Berger, J.<\/strong> (2011): <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10585\">Die Eurokrise in Zahlen (I) &ndash; Wie Mustersch&uuml;ler zu Problemkindern wurden<\/a>, Nachdenkseiten, 1. September; letzter Zugriff: 10.10.2013<\/p><p><strong>Flassbeck, H.<\/strong> (2013a): <a href=\"http:\/\/www.flassbeck-economics.de\/abo-artikel-griechenland-ex-post-evaluation-durch-den-iwf-oder-wie-man-an-seinen-eigenen-vorurteilen-scheitert\/\">Griechenland: Ex-Post Evaluation durch den IWF oder wie man an seinen eigenen Vorurteilen scheitert<\/a> [ABO-Artikel], flassbeck-economics, 11. Juni; letzter Zugriff: 10.10.2013<\/p><p><strong>Flassbeck, H.<\/strong> (2013b): <a href=\"http:\/\/www.flassbeck-economics.de\/der-multiplikatorstreit-zeigt-vor-allem-eines-die-dynamik-einer-monetaren-marktwirtschaft-ist-weiterhin-unverstanden\/\">Der Multiplikatorstreit zeigt vor allem eines: Die Dynamik einer monet&auml;ren Marktwirtschaft ist weiterhin unverstanden<\/a>, flassbeck-economics, 15. September; letzter Zugriff: 10.10.2013<\/p><p><strong>Hickel, R.<\/strong> (2013): <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18918\">In Hellas viel Asche, aber kein Ph&ouml;nix &ndash; Griechenlands Austerit&auml;tskrise<\/a>, Nachdenkseiten, 14. Oktober; letzter Zugriff: 10.10.2013<\/p><p><strong>Horn, G.\/Herzog-Stein, A.\/Hohlfeld, P.\/Lindner, F.\/Rannenberg, A.\/Rietzler, K.\/Stephan, S.\/Tober, S.\/Zwiener, R.<\/strong> (2013): Krise &uuml;berwunden? Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung 2013\/2014, IMK Report 86<\/p><p><strong>IMF<\/strong> (2013a): World Economic Outlook: Hopes, Realities, and Risks, Washington D.C., April<\/p><p><strong>IMF<\/strong> (2013b): <a href=\"http:\/\/www.imf.org\/external\/pubs\/ft\/scr\/2013\/cr13156.pdf\">Greece &ndash; Ex Post Evaluation of Exceptional Access Under the 2010 Stand-by Arrangement, Washington D.C.<\/a>; letzter Zugriff: 10.10.2013<\/p><p><strong>Klau, M.\/Fung, S. S.<\/strong> (2006): The new BIS effective exchange rate indices, in: BIS Quarterly Review, March, S. 51-65<\/p><p><strong>Lapavitsas, C.<\/strong> (2013): <a href=\"http:\/\/www.flassbeck-economics.de\/is-greece-about-to-get-out-of-its-crisis\/\">Is Greece about to get out of its crisis?<\/a>, flassbeck-economics, 13. Oktober; letzter Zugriff: 10.10.2013<\/p><p><strong>Minsky, H. P.<\/strong> (1984): <a href=\"http:\/\/digitalcommons.bard.edu\/cgi\/viewcontent.cgi?article=1041&amp;context=hm_archive\">Limitations of Monetary (and Fiscal) Policy in an Age of Financial Instability<\/a>, Hyman P. Minsky Archive, Paper 42; letzter Zugriff: 10.10.2013<\/p><p><strong>Minsky, H. P.<\/strong> (1986): Stabilizing an Unstable Economy, New Haven and London<\/p><p><strong>Minsky, H. P.\/Whalen, C. J.<\/strong> (1996): <a href=\"http:\/\/www.levyinstitute.org\/pubs\/wp165.pdf\">Economic Insecurity and the Institutional Prerequisites for Successful Capitalism, Levy Economics Institute of Bard College<\/a>, Working Paper No. 165; letzter Zugriff: 10.10.2013<\/p><p><strong>Mitchell, B.<\/strong> (2013a): <a href=\"http:\/\/bilbo.economicoutlook.net\/blog\/?p=25405\">Eurozone production and employment still going backwards<\/a>; letzter Zugriff: 10.10.2013<\/p><p><strong>Mitchell, B.<\/strong> (2013b): <a href=\"http:\/\/bilbo.economicoutlook.net\/blog\/?p=25147\">Fiscal deficits in Europe help to support growth<\/a>; letzter Zugriff: 10.10.2013<\/p><p><strong>Papadimitriou, D. B.\/Nikiforos, M.\/Zezza, G.<\/strong> (2013): <a href=\"http:\/\/www.levyinstitute.org\/pubs\/sa_gr_7_13.pdf\">The Greek Economic Crisis and the Experience of Austerity: A Strategic Analysis, Strategic Analysis, Levy Economics Institute of Bard College<\/a>, July; letzter Zugriff: 10.10.2013<\/p><p><strong>Polychroniou, C. J.<\/strong> (2013a): <a href=\"http:\/\/www.levyinstitute.org\/pubs\/op_43.pdf\">Fiscal Sadism and the Farce of Deficit Reduction in Greece,<\/a> One-Pager No. 43, Levy Economics Institute of Bard College, September 16; letzter Zugriff: 10.10.2013<\/p><p><strong>Polychroniou, C. J.<\/strong> (2013b): <a href=\"http:\/\/www.levyinstitute.org\/pubs\/pn_13_6.pdf\">A Failure by Any Other Name: The International Bailouts of Greece<\/a>, Policy Note 6, Levy Economics Institute of Bard College; letzter Zugriff: 10.10.2013<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Dass der IWF bei den Lohnk&uuml;rzungen ganz auf die Wettbewerbsf&auml;higkeit Griechenlands &bdquo;nach au&szlig;en&ldquo; setzt, zeigt sich nicht nur daran, dass er eine erh&ouml;hte Wettbewerbsf&auml;higkeit im Sektor der handelbaren G&uuml;ter (also solcher G&uuml;ter, die exportiert und importiert werden) fordert (s. o.), sondern auch an seiner Klage, dass die Preise nicht in gleichem Ausma&szlig; wie die L&ouml;hne gefallen sind: &bdquo;Prices fell by less than the decline in wages in part reflecting continued rigidities in product markets&ldquo; (IMF 2013b, S. 12). Nur wenn man auf die internationale Wettbewerbsf&auml;higkeit abstellt, ergibt diese Klage Sinn, ansonsten h&auml;tte sich der IWF &uuml;ber die Rigidit&auml;ten auf den Produktm&auml;rkten freuen m&uuml;ssen: W&auml;re n&auml;mlich die Folge der Lohnsenkung eine entsprechende Reduktion des Preisniveaus gewesen, w&auml;re eine Senkung des Reallohnsatzes ausgeblieben. Sinkende Reall&ouml;hne sind aber in der neoklassischen Arbeitsmarkttheorie gerade erw&uuml;nscht, da sie angeblich zu einer Substitution von Kapital zugunsten von Arbeit und damit zu mehr Besch&auml;ftigung f&uuml;hren.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Manche &Ouml;konomen, wie etwa Alberto Alesina der Harvard University, gehen gar von negativen Multiplikatoren aus. W&uuml;rde man den Staatssektor verringern,  g&auml;be man dem Privatsektor neue Spielr&auml;ume. Die Vertreter solch abstruser Ideen, die den Fiskalmultiplikator auf nahe Null oder unter Null sch&auml;tzen, sprechen in diesem Zusammenhang auch von einer &bdquo;expansiven Austerit&auml;t&ldquo;.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Ver&auml;nderungen im nominalen Wechselkurs und im relativen Preisniveau m&uuml;ssen kombiniert werden, um Ver&auml;nderungen in der relativen Wettbewerbsf&auml;higkeit zu ermitteln. Der reale Wechselkurs erfasst den Gesamteffekt dieser beiden Variablen und wird daher zur Messung der Wettbewerbsf&auml;higkeit im internationalen Handel verwendet.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Vorausgesetzt ist hier, dass die Arbeitnehmerhaushalte ihre Sparquote nicht verringern.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Hierbei darf auch nicht vergessen werden, dass die Unternehmen notwendigerweise unter der Restriktion unsicherer Zukunftserwartungen agieren. Selbst wenn ein einzelnes Unternehmen dazu tendierte, aufgrund der Kostenentlastung mehr Arbeitskr&auml;fte einzustellen oder zus&auml;tzlich zu investieren, so wei&szlig; es doch nie, wie seine Konkurrenten reagieren, ob im Fall eigener sofortiger Neueinstellungen auch die anderen Unternehmen des Landes uno actu mehr Personen besch&auml;ftigen oder nicht (und Neueinstellungen w&uuml;rden sich aus Sicht eines einzelnen Unternehmens nur dann rentieren, wenn sich alle anderen Unternehmen genauso verhielten, d. h. in gleicher Weise Einstellungen vorn&auml;hmen), es wei&szlig; auch nicht, wie sich die Sparquote der privaten Haushalte entwickelt, es wei&szlig; vor allem nicht, ob der Wettbewerb am G&uuml;termarkt es nicht doch nach einiger Zeit zwingen wird, die durch die Lohnk&uuml;rzung erm&ouml;glichte Kostensenkung teilweise oder ganz in den Preisen weiterzugeben. Jedes rational handelnde Unternehmen wird also zun&auml;chst abwarten, wie sich die Nachfragesituation entwickelt und wie sich die Lohnsenkung auf seine Gewinne auswirkt. Wenn aber die Unternehmen bzw. Gewinneinkommensbezieher nicht sofort reagieren, sondern sich mit Neueinstellungen, zus&auml;tzlichen Investitionen oder zus&auml;tzlichem Konsum zun&auml;chst einmal zur&uuml;ckhalten, bis sie &uuml;berzeugt sind, dass sich ihre Gewinnsituation tats&auml;chlich &ndash; auch l&auml;ngerfristig &ndash; verbessern wird, ist ein Nachfrageausfall unvermeidlich.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Gelegentlich wird auch eine verbesserte Wettbewerbsf&auml;higkeit aller Eurol&auml;nder im Handel untereinander gefordert. Das ist nat&uuml;rlich Unsinn, da Wettbewerbsf&auml;higkeit immer ein relatives Konzept ist, d. h. der Gewinn des einen an Wettbewerbsf&auml;higkeit immer den Verlust eines anderen an Wettbewerbsf&auml;higkeit bedeutet.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Hyman Minsky und Charles Whalen unterscheiden zwischen zwei Wegen zur Wettbewerbsf&auml;higkeit: &bdquo;In the short run, societies can choose between two routes to competitiveness: a &lsquo;high-performance&lsquo; path and a &lsquo;low-wage&rsquo; path. The former involves encouraging firms to compete on the basis of innovation, product quality, and the development of new markets.&rdquo; Dem steht der &ldquo;low-wage&rdquo;-Pfad gegen&uuml;ber, &ldquo; [&hellip;] a strategy that ultimately leads to an economic disaster as firms engage in a &lsquo;race to the bottom&rsquo; &ldquo; (Minsky\/Whalen 1996, S. 11f). Eine Senkung der L&ouml;hne und der Lohnst&uuml;ckkosten in ganz Europa entspr&auml;che eindeutig dem &ldquo;low-wage&rdquo;-Pfad.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] In die Lohnst&uuml;ckkosten gehen zwei Komponenten ein, einerseits die Geldl&ouml;hne, bei deren Anstieg sich auch die Lohnst&uuml;ckkosten erh&ouml;hen, und andererseits die Arbeitsproduktivit&auml;t, bei deren Anstieg die Lohnst&uuml;ckkosten sinken.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von der &Ouml;ffentlichkeit weitgehend unbemerkt (oder zumindest unkommentiert) hat sich in der Deutung der systemischen Krise der Europ&auml;ischen W&auml;hrungsunion durch den Mainstream eine Akzentverschiebung vollzogen. Als vor einigen Jahren die Schwierigkeiten der EWU offensichtlich wurden, herrschte zun&auml;chst weitgehend Konsens, dass es eigentlich gar keine Eurokrise g&auml;be, sondern lediglich ein Problem zu hoher Staatsschulden einiger kleiner<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19020\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[139,173,20,157,30],"tags":[423,290,333,315,479,440,325],"class_list":["post-19020","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-euro-und-eurokrise","category-griechenland","category-landerberichte","category-wettbewerbsfaehigkeit","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-austeritaetspolitik","tag-binnennachfrage","tag-lohnstueckkosten","tag-merkel-angela","tag-reservearmee","tag-schaeuble-wolfgang","tag-staatsschulden"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19020","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=19020"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19020\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":53869,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19020\/revisions\/53869"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=19020"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=19020"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=19020"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}