{"id":19084,"date":"2013-10-30T09:32:55","date_gmt":"2013-10-30T08:32:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19084"},"modified":"2015-10-12T13:46:00","modified_gmt":"2015-10-12T11:46:00","slug":"land-grabbing-die-marktkonforme-wiedergeburt-des-kolonialismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19084","title":{"rendered":"Land Grabbing \u2013 die marktkonforme Wiedergeburt des Kolonialismus"},"content":{"rendered":"<p>Land Grabbing ist im Trend. In den letzten Jahren wurden in den Entwicklungsl&auml;ndern rund 60 Millionen Hektar Land zur landwirtschaftlichen Nutzung an ausl&auml;ndische Investoren verkauft oder verpachtet &ndash; Tendenz stark steigend. Dies entspricht rund einem Drittel der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fl&auml;che der EU, eine Fl&auml;che doppelt so gro&szlig; wie Deutschland. Neben den steigenden Lebensmittelpreisen stellt vor allem die immer st&auml;rker wachsende Nutzung von Biokraftstoffen die gr&ouml;&szlig;te Triebfeder f&uuml;r das Land Grabbing dar. W&auml;hrend die Folgen f&uuml;r die betroffenen Kleinbauern katastrophal sind, kalkulieren die Investoren mit zweistelligen Renditen. Auch in diesem Punkt liegt Land Grabbing im Trend. Waren es fr&uuml;her die Nationalstaaten der n&ouml;rdlichen Hemisph&auml;re, die die L&auml;nder des S&uuml;dens durch den Kolonialismus ausbluten lie&szlig;en, so haben diese Funktion heute globale Konzerne, Banken und Investmentfonds &uuml;bernommen. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7956\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-19084-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/131101_Land_Grabbing_1_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/131101_Land_Grabbing_1_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/131101_Land_Grabbing_1_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/131101_Land_Grabbing_1_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=19084-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/131101_Land_Grabbing_1_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"131101_Land_Grabbing_1_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Ein neuer Trend<\/strong><\/p><p>Um die rasante Zunahme des Land Grabbings in den letzten Jahren einordnen zu k&ouml;nnen, lohnt sich ein Blick auf verschiedene Ereignisse, die sich in der zweiten H&auml;lfte des letzten Jahrzehnts ereignet haben. Im Jahre 2007 platzte in den USA die Immobilienblase. Die darauf folgende weltweite Finanzkrise setzte Milliarden von Anlegergeldern frei, f&uuml;r die es aufgrund der unruhigen Finanzm&auml;rkte kaum noch sichere und dabei rentable Anlagem&ouml;glichkeiten gibt. Fast parallel dazu explodierten die Preise f&uuml;r Lebensmittel. Der UN-Lebensmittelindex, der alle Lebensmittel umfasst, stieg innerhalb von neun Monaten um 45%, der Weizenpreis innerhalb eines Jahres um 108%, der Maispreis um 66% und der Preis f&uuml;r Reis um 74%. Am 19. Dezember 2007 unterschrieb US-Pr&auml;sident George W. Bush den <em>Energy Independence and Security Act of 2007<\/em>, der unter anderem vorschreibt, den Anteil von sogenannten &bdquo;Biokraftstoffen&ldquo; in den USA bis 2022 zu verf&uuml;nffachen. Ein gutes Jahr sp&auml;ter verabschiedete auch die EU mit der <em>Richtlinie 2009\/28\/EG<\/em> ein Gesetzeswerk, das vorsieht, den Anteil von &bdquo;Biokraftstoffen&ldquo; am Gesamtkraftstoffverbrauch im Verkehrssektor bis 2020 auf 10% anzuheben. <\/p><p>Der Anstieg der Preise f&uuml;r Agrarrohstoffe und die steigende Nachfrage nach &bdquo;Biokraftstoffen&ldquo; l&auml;uteten in den Jahren 2007 bis 2009 eine neue Goldgr&auml;berstimmung im bis dahin wenig beachteten Agrarsektor ein. Die Investmentlegende George Soros fasste dies 2009 mit folgendem Satz zusammen: &bdquo;Ich bin davon &uuml;berzeugt, dass landwirtschaftliche Fl&auml;chen eine der besten Investitionen unserer Epoche sein werden&ldquo;. Da der Agrarsektor in den OECD-Staaten bereits nahezu vollkommen erschlossen und hoch produktiv ist, gelangten nun die sogenannten Entwicklungsl&auml;nder ins Visier der Investoren. So kam es, dass die  Krisenjahre 2007 bis 2009 nicht nur f&uuml;r den Norden, sondern auch f&uuml;r die &auml;rmsten L&auml;nder der Welt eine bedeutende Z&auml;sur darstellten. Das Land Grabbing war geboren. <\/p><p><strong>Die Konzerne kommen<\/strong><\/p><p>Wie Land Grabbing funktioniert, zeigt ein konkretes Beispiel aus Sierra Leone. Im Jahre 2009 pachtete dort <em>Addax Bioenergy<\/em>, eine auf den Britischen Jungferninseln registrierte Tochter des Schweizer Konzerns <em>Addax &amp; Oryx<\/em>, 44.000 Hektar Land, das bis dahin von Kleinbauern in d&ouml;rflichen Gemeinschaften bewirtschaftet wurde. Wo vorher f&uuml;r den Eigenbedarf und die lokalen M&auml;rkte Reis, Maniok, Bananen, Erdn&uuml;sse und verschiedene Gem&uuml;searten angebaut wurden, sind nun gigantische Monokulturplantagen f&uuml;r Zuckerrohr entstanden, das zur Gewinnung von &bdquo;Biokraftstoff&ldquo; nach Europa exportiert wird. Von 30.000 betroffenen Menschen haben <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/131030_who-is-benefitting-Sierra-Leone-report.pdf\">1.444 [PDF &ndash; 1.9 MB]<\/a> einen Job bei <em>Addax<\/em> bekommen. Dort verdienen sie nun zwischen zwei und drei US$ pro Tag &ndash; was noch nicht einmal im Ansatz reicht, um eine Familie ern&auml;hren zu k&ouml;nnen. Daf&uuml;r zahlt <em>Addax<\/em> den vertriebenen Landbesitzern eine Pacht von 8,90 US$ &ndash; nicht pro Tag, sondern pro Jahr! F&uuml;r eine typische Kleinbauernfamilie, die in Sierra Leone rund zwei Hektar Land bestellt, sind dies gerade einmal 5 Cent pro Tag. W&auml;hrend <em>Addax<\/em> mit einer j&auml;hrlichen Rendite von 10% bis 15% kalkuliert, verarmen die vom Land Grabbing betroffenen Kleinbauern in einer rasanten Geschwindigkeit. Zu den Geldgebern von Addax z&auml;hlt &uuml;brigens auch die <em>Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG)<\/em>, eine Tochtergesellschaft der staatseigenen deutschen <em>Kreditanstalt f&uuml;r Wiederaufbau (KfW)<\/em>. <\/p><p><em>Mehr dazu im morgen erscheinenden Artikel &ndash; <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19105\" title=\"Land Grabbing in Sierra Leone &ndash; Widerstand gegen den Neokolonialismus\">&bdquo;Land Grabbing in Sierra Leone &ndash; Widerstand gegen den Neokolonialismus&ldquo;<\/a><\/em><\/p><p><strong>Finanzinvestoren kaufen Afrika<\/strong><\/p><p>Sierra Leone ist beileibe nicht das einzige Opfer von Land Grabbing. Am schlimmsten betroffen sind nach Informationen der Datenbank <a href=\"http:\/\/www.landmatrix.org\/\"><em>Land Matrix<\/em><\/a> die L&auml;nder Papua-Neuguinea, S&uuml;d-Sudan, Indonesien, Kongo, Mosambik und Liberia. W&auml;hrend in den eher n&ouml;rdlich liegenden L&auml;ndern zumeist Lebensmittel f&uuml;r den Export angebaut werden, geht es in den Tropen fast ausschlie&szlig;lich um die Produktion von Palm&ouml;l, Zuckerrohr und Mais zur industriellen Verwendung und zur Erzeugung von &bdquo;Biokraftstoffen&ldquo;. Auf der Liste der Investoren nimmt die USA den ersten Platz ein. Unter den Top 10 befinden sich auch Gro&szlig;britannien, einige arabische &Ouml;lstaaten und asiatische Schwellenl&auml;ndern wie Malaysia und Singapur. Auch China und Indien sind in der Top-10-Liste der Herkunftsl&auml;nder zu finden. Diese Liste ist jedoch mit Vorsicht zu genie&szlig;en, da nur der Sitz der Unternehmen, nicht aber die Herkunft der Investoren und Anteilseigner der Unternehmen bekannt ist. Und da Wall Street und City of London ja bekanntlich Geld aus aller Welt f&uuml;r schillernde Finanzbeteiligungen aufsaugen, ist es kein Wunder, dass die USA und Gro&szlig;britannien in der Liste vertreten sind, Deutschland hingegen nicht. <\/p><p>W&auml;hrend Land Grabbing in den betroffenen Entwicklungsl&auml;ndern eines der wichtigsten Themen ist, spielt es in der &ouml;ffentlichen Diskussion in den OECD-Staaten nahezu keine Rolle. Dabei sind einige F&auml;lle durchaus spektakul&auml;r. So versuchte beispielsweise der s&uuml;dkoreanische Mischkonzern <em>Daewoo<\/em> vor vier Jahren auf einen Schlag die H&auml;lfte der landwirtschaftlich nutzbaren Fl&auml;che Madagaskars f&uuml;r 99 Jahre zu einem l&auml;cherlich geringen Preis zu pachten, um dort Mais und Palm&ouml;l f&uuml;r den Export nach S&uuml;dkorea anzubauen. Um dieses Ziel zu erreichen, schmierte <em>Daewoo<\/em> die lokalen Beh&ouml;rden, bis hoch zum Pr&auml;sidenten. Als Details zum <em>Daewoo-Deal<\/em> durchsickerten, ging das Volk auf die Stra&szlig;e und st&uuml;rzte die Regierung. Die erste Amtshandlung des neuen Pr&auml;sidenten war es, den Daewoo-Deal r&uuml;ckg&auml;ngig zu machen. <\/p><p><strong>Kleptokratie und Korruption<\/strong><\/p><p>Es mag sich zynisch anh&ouml;ren &ndash; durch das Land Grabbing ausgel&ouml;ste Volksaufst&auml;nde und Revolutionen sind f&uuml;r die Investoren ein einkalkuliertes Risiko. Ein typischer Land-Grabbing-Deal wirft eine derart hohe Rendite f&uuml;r den Investor ab, dass sich das gesamte Investment in der Regel bereits nach sieben Jahren amortisiert hat. Je l&auml;nger das Projekt fortgef&uuml;hrt werden kann, desto h&ouml;her die Gesamtrendite. Daher z&auml;hlt auch die Stabilit&auml;t eines Landes zu den wichtigsten Faktoren f&uuml;r die Investoren. &Uuml;berfl&uuml;ssig zu erw&auml;hnen, dass eine funktionierende Demokratie, kritische, freie Medien und zivilgesellschaftliche Strukturen dieser Form von Stabilit&auml;t eher abtr&auml;glich sind und daher von den Investoren nicht gerne gesehen werden. <\/p><p>Der mit Abstand wichtigste Faktor f&uuml;r die Investmententscheidungen ist jedoch die Korruption. Es ist kein Zufall, dass die L&auml;nder mit den gr&ouml;&szlig;ten Land-Grabbing-Aktivit&auml;ten auf dem <a href=\"http:\/\/cpi.transparency.org\/cpi2012\/results\/\">Korruptions-Index von <em>Transparency International<\/em><\/a> allesamt auf den hinteren Pl&auml;tzen rangieren. Die korrupten Eliten verdienen ordentlich am Ausverkauf der Zukunft ihrer L&auml;nder. So gehen beispielsweise in Sierra Leone 50% der Pacht ganz offiziell direkt an die politisch Verantwortlichen &ndash; angefangen bei der Regionalverwaltung &uuml;ber den regionalen H&auml;uptling (Chief) bis zur Zentralregierung. Mit diesem Geld sollten die Beh&ouml;rden eigentlich Investitionen in den betroffenen Gebieten vornehmen. Doch davon kann keine Rede sein. Wie viel Geld inoffiziell als &bdquo;Handgeld&ldquo; f&uuml;r erfolgreiche Vertr&auml;ge an die korrupten Eliten der betroffenen L&auml;nder flie&szlig;t, kann allenfalls gemutma&szlig;t werden. Wenn Schweizer Unternehmen afrikanischen Kleptokraten Handgelder auf Schweizer Konten &uuml;berweisen, gibt es dar&uuml;ber nun einmal keine &ouml;ffentlich zug&auml;nglichen Belege.<\/p><p><strong>Katastrophale Folgen f&uuml;r die Betroffenen<\/strong><\/p><p>Die Gewinner des Land Grabbing sind somit sowohl die Investoren aus dem Norden als auch korrupten Eliten aus dem S&uuml;den. Die Verlierer sind vor allem die Menschen in den betroffenen Regionen. Aus Kleinbauern, die auf sehr niedrigem Niveau ein gl&uuml;ckliches Leben im Einklang mit ihrem sozialen Umfeld f&uuml;hren, werden Erwerbslose, die ihre Familie nicht mehr ern&auml;hren k&ouml;nnen. Das Land, von dem sie seit Generationen lebten, wurde ihnen sprichw&ouml;rtlich unter den Fingern weggerissen. Wer zuvor noch sich selbst, seine Familie und die &bdquo;Community&ldquo; (Dorfgemeinschaft) ern&auml;hren konnte und mit den Einnahmen der Verk&auml;ufe von &Uuml;bersch&uuml;ssen auf den lokalen M&auml;rkten bestimmte Extras, wie beispielsweise die Schulgeb&uuml;hren f&uuml;r die Kinder, bezahlten konnte, steht nun als Bettler dar, der darauf angewiesen ist, dass andere Communities seine Familie durchf&uuml;ttern. Aus Lebensmittelproduzenten werden Hungernde; aus Kleinbauern Obdachlose; aus Kleinunternehmern Vertriebene, die sich in den gr&ouml;&szlig;eren St&auml;dten des Landes als Tagel&ouml;hner durchschlagen m&uuml;ssen.<\/p><p>Die Folgen des Land Grabbing gehen jedoch weit &uuml;ber die &ouml;konomische Ebene hinaus. Durch das Land Grabbing werden auch die sozialen Institutionen, wie die Familie und die Dorfgemeinschaft, zerst&ouml;rt. In einem Land, in dem diese Institutionen den Kern des sozialen Lebens darstellen, ist dies eine sehr ernste Entwicklung mit f&uuml;rchterlichen Folgen. Als ein Beispiel unter vielen sei hier der Wandel des Sexualverhaltens genannt. W&auml;hrend es in den traditionellen Dorfgemeinschaften strenge Regeln gibt, die sexuelle Kontakte vor der Hochzeit so gut wie m&ouml;glich verhindern, sorgt die Aufl&ouml;sung der Dorfgemeinschaften durch die Folgen des Land Grabbing auch in diesem Punkt f&uuml;r einen Wandel der sozialen Gepflogenheiten. Die Folgen sind dramatisch: So steigt in den von Land Grabbing betroffenen Regionen in Sierra Leone nicht nur die Zahl der Schwangerschaften bei jungen Frauen, sondern auch die AIDS-Rate rapide an. Damit einhergehend steigt auch die Bev&ouml;lkerungszahl. Doch wie sollen junge M&uuml;tter ohne Job, Perspektive und soziale Absicherung durch die Dorfgemeinschaft ihre Kinder ern&auml;hren? Wie sollen sie diesen Kindern gar eine Schulbildung finanzieren? Jedes noch so zarte Pfl&auml;nzchen des Fortschritts, das in den letzten Jahrzehnten unter anderem durch Hilfe von Entwicklungshilfeorganisationen, wie der Deutschen Welthungerhilfe, gepflanzt wurde, droht von den negativen Folgen des Land Grabbing zerst&ouml;rt zu werden, wenn der Ausbeutung durch globale Konzerne und Investmentfonds kein Riegel vorgeschoben wird.<\/p><p><strong>Wie kann man Land Grabbing verhindern?<\/strong><\/p><p>Land Grabbing ist ein &auml;u&szlig;erst komplexes Problem. Daher gibt es auf dieses Problem auch keine einfachen Antworten. Da die Investoren zu einem beachtlichen Teil auch aus L&auml;ndern wie Saudi Arabien, Malaysia, den Arabischen Emiraten oder auch China stammen, d&uuml;rfte selbst eine &ndash; vollkommen hypothetische &ndash; Richtlinie gegen das Land Grabbing seitens der EU oder den USA das Problem nicht l&ouml;sen. Hinzu kommt, dass es sich bei den meisten der aktiven Unternehmen um projektbezogene Unternehmenskonstrukte mit Sitz in einer Steueroase, wie den Caymans oder den Jungferninseln, handelt. Auch der vielfach diskutierte Ansatz, Unternehmen, die im Land Grabbing aktiv sind, durch negative PR oder Boykottandrohungen zu sch&auml;digen, ist in den allermeisten F&auml;llen zu kurz gedacht. Da Land Grabbing eine sehr profitable aber auch sehr anr&uuml;chige Gesch&auml;ftsmethode ist, meiden gro&szlig;e Unternehmen mit Kontakt zum Endkunden ohnehin direkte Investments wie der Teufel das Weihwasser. &Ouml;ffentlich in Erscheinung treten beim Land Grabbing meist nur Zweckgesellschaften mit nichtssagenden Namen oder Private Equity Fonds auf, deren Investoren ohnehin keine Probleme damit haben, dass Blut an ihren H&auml;nden klebt. Dennoch ist es durchaus als Erfolg zu werten, dass aufgrund der &ouml;ffentlichen Diskussion die Gro&szlig;en der Branche mittlerweile Angst um ihren &bdquo;guten&ldquo; Ruf haben. So haben die &ouml;ffentlichen Proteste beispielsweise <a href=\"http:\/\/www.attac.de\/index.php?id=9547\">dazu gef&uuml;hrt<\/a>, dass sich die deutsche Fondsgesellschaft DWS aus einem Land-Grabbing-Projekt aus Kambodscha zur&uuml;ckgezogen hat. Dies ist jedoch kaum mehr als ein Tropfen auf dem hei&szlig;en Stein.<\/p><p>Um die Ursachen von Land Grabbing zu bek&auml;mpfen, w&auml;re es sicher hilfreich, bereits verabschiedete Richtlinien zur St&auml;rkung von &bdquo;Biokraftstoffen&ldquo; zur&uuml;ckzunehmen und Importe von &bdquo;Biokraftstoffen&ldquo; bzw. Rohstoffen zu deren Herstellung mit hohen Einfuhrz&ouml;llen zu belegen. Angesichts der Klimaproblematik und den langfristig steigenden Preisen f&uuml;r fossile Kraftstoffe ist ein solches Unterfangen jedoch eher unrealistisch. Europ&auml;ische Politiker werden gew&auml;hlt, weil sie vorgeben, den Klimawandel zu bek&auml;mpfen. Sie werden nicht gew&auml;hlt, weil sie Kleinbauern im fernen Afrika helfen. Hinzu kommt: Neben Deutschland und der EU mischen l&auml;ngst andere L&auml;nder den Markt als Importeure auf. So sind beispielsweise China und Indien mittlerweile die gr&ouml;&szlig;ten Importeure von Palm&ouml;l. Verbote und Z&ouml;lle w&uuml;rden die Handelsstr&ouml;me hier nicht zum Versiegen bringen, sondern sie lediglich umleiten.<\/p><p>Wer Land Grabbing bek&auml;mpfen will, muss an der Wurzel ansetzen &ndash; und zwar in den L&auml;ndern, die Opfer von Land Grabbing sind. Investitionen, die mit dem Begriff Land Grabbing umschrieben werden k&ouml;nnen, finden nur sehr selten unter transparenten Bedingungen und mit der Zustimmung der vor Ort betroffenen Menschen statt. Stattdessen sind komplett intransparente Vertr&auml;ge die Regel, die von den betroffenen Kleinbauern ohne rechtlichen Beistand nicht verstanden werden. Ohne die tiefgreifende Korruption in den jeweiligen Entwicklungsl&auml;ndern w&auml;ren solche Vertr&auml;ge wohl ohnehin nicht m&ouml;glich. <\/p><p>Um Land Grabbing zu bek&auml;mpfen, muss daher vor allem die Zivilgesellschaft in den Entwicklungsl&auml;ndern gest&auml;rkt werden. Lokale NGOs, wie beispielsweise <a href=\"http:\/\/www.greenscenery.org\/\"><em>Green Scenery<\/em><\/a>, der lokale Projektpartner der <a href=\"http:\/\/www.welthungerhilfe.de\/home.html\"><em>Deutschen Welthungerhilfe<\/em><\/a> in Sierra Leone, sind der Stachel im Fleisch der Investoren und der korrupten Eliten vor Ort. Die St&auml;rkung der zivilgesellschaftlichen Kr&auml;fte sollte daher st&auml;rker in den Fokus der Entwicklungshilfe r&uuml;cken. Hilfe zur Selbsthilfe ist vollkommen zu Recht das Leitmotiv der Entwicklungszusammenarbeit. Wer den zivilgesellschaftlichen Kr&auml;ften in den betroffenen Staaten hilft, tr&auml;gt ein gutes St&uuml;ck dazu bei.<\/p><p><em>Mehr dazu im morgen erscheinenden Artikel &ndash; <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19105\" title=\"Land Grabbing in Sierra Leone &ndash; Widerstand gegen den Neokolonialismus\">&bdquo;Land Grabbing in Sierra Leone &ndash; Widerstand gegen den Neokolonialismus&ldquo;<\/a><\/em><\/p><p>Erst wenn der Zeitpunkt gekommen ist, dass jeder lokale Machthaber sich davor f&uuml;rchten muss, dass er &ndash; wie 2009 in Madagaskar &ndash; vom Volk aus dem Amt gejagt wird, wenn er mittels dubioser Land-Grabbing-Deals seine eigene Taschen auf Kosten des eigenen Landes f&uuml;llt, wird sich der Prozess umkehren. Gegen ausl&auml;ndische Direktinvestitionen in die Landwirtschaft in den Entwicklungsl&auml;ndern ist per se nichts einzuwenden. Es muss jedoch sichergestellt werden, dass die Menschen in den Entwicklungsl&auml;ndern von diesen Investitionen profitieren und am Profit ihrer Arbeit direkt beteiligt werden. Bis es so weit ist, muss jedoch noch sehr viel geschehen.<\/p><p><em>Weitere Informationen zu den Themen <strong>Land Grabbing und Sierra Leone<\/strong> finden Sie auf den <a href=\"http:\/\/www.aussengedanken.de\/\">AussenGedanken<\/a><\/em><\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/93cc9c781b1d44bf932ca2641e428fb2\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Land Grabbing ist im Trend. In den letzten Jahren wurden in den Entwicklungsl&auml;ndern rund 60 Millionen Hektar Land zur landwirtschaftlichen Nutzung an ausl&auml;ndische Investoren verkauft oder verpachtet &ndash; Tendenz stark steigend. 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