{"id":19089,"date":"2013-10-30T12:51:57","date_gmt":"2013-10-30T11:51:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19089"},"modified":"2019-07-23T18:55:30","modified_gmt":"2019-07-23T16:55:30","slug":"sozialer-arbeitsmarkt-ein-noch-gigantischerer-und-zudem-entwuerdigender-niedriglohnsektor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19089","title":{"rendered":"\u201eSozialer Arbeitsmarkt\u201c &#8211; Ein noch gigantischerer und zudem entw\u00fcrdigenderer Niedriglohnsektor"},"content":{"rendered":"<p>Unter der &Uuml;berschrift &bdquo;Sozialer Arbeitsmarkt&ldquo; hat sich eine ungew&ouml;hnliche Allianz von Sozialverb&auml;nden, &uuml;ber die SPD, die Gr&uuml;nen bis hin zur FDP zusammengefunden. Auch in der CDU gibt es Sympathien f&uuml;r ein neues Besch&auml;ftigungsmodell f&uuml;r Langzeitarbeitslose. Freiwillig, existenzsichernd bezahlt  und m&ouml;glichst langfristig soll nach diesem Modell Langzeitarbeitslosen am Arbeitsmarkt und zwar am ersten Arbeitsmarkt eine &bdquo;sinnvolle, normale, nicht stigmatisierende Besch&auml;ftigung&ldquo; verschafft werden. Das geltende Hartz IV-Systems soll dazu an zwei Stellen ver&auml;ndert werden, n&auml;mlich erstens durch den Wegfall der Voraussetzungen, dass die &ouml;ffentlich gef&ouml;rderte Besch&auml;ftigung (Arbeitsbeschaffungsma&szlig;nahmen, Arbeitsgelegenheiten, Besch&auml;ftigungszusch&uuml;sse) f&uuml;r Langzeitarbeitslose &bdquo;gemeinn&uuml;tzig, zus&auml;tzlich und wettbewerbsneutral&ldquo; sein m&uuml;ssen und zweitens durch einen sog. &bdquo;Passiv-Aktiv-Transfer&ldquo; (PAT), bei dem die Mittel f&uuml;r den &bdquo;passiven Leistungsbezug&ldquo; aktiv zur Finanzierung von sozialversicherungspflichtigen Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnissen, sprich als Lohnsubvention an die anstellenden Arbeitgeber eingesetzt werden sollen. Eine &bdquo;Win-Win-Situation&ldquo; k&ouml;nnte man meinen. <strong>Helga Spindler<\/strong>, Professorin f&uuml;r Sozial- und Arbeitsrecht, widerspricht dem energisch. Sie bef&uuml;rchtet einen noch gigantischeren und zudem entw&uuml;rdigenderen Niedriglohnsektor.<br>\n<!--more--><br>\nW&auml;hrend einige noch &uuml;berrascht waren, dass sich &bdquo;Der Parit&auml;tische Gesamtverband&ldquo; (DPWV) mit Herrn Kober von der FDP zusammengetan hat, um wieder ein neues Besch&auml;ftigungsmodell f&uuml;r Langzeitarbeitslose zu schaffen (FTD 23.10.2012 Maike Rademaker, Arbeitsmarkt: Ungew&ouml;hnliche Allianz f&uuml;r Langzeitarbeitslose und: Langzeitarbeitslosigkeit: <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/politik\/deutschland\/:arbeitsmarkt-ungewoehnliche-allianz-fuer-langzeitarbeitslose\/70108570.html\">Neues Modell bietet echte Chance<\/a>). Kritisch dazu Interview mit Helga Spindler &bdquo;Ein gigantischer Niedriglohnsektor in: <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!104851\/\">taz  2.\/3.11..2012 S. 10<\/a>), haben SPD und Gr&uuml;ne wenig beachtet von der &Ouml;ffentlichkeit, aber in enger Kooperation mit m&ouml;glichen Besch&auml;ftigungsfirmen und Verb&auml;nden alle Vorbereitungen getroffen, mit einem vergleichbaren Modell f&uuml;r ca. 200 000 Langzeitarbeitslose nunmehr einen sog. &bdquo;echten sozialen Arbeitsmarkt&ldquo; startklar zu machen. Die Gr&uuml;nen haben am 17.10 2012  (<a href=\"http:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/17\/110\/1711076.pdf\">Drucksache 17\/11076 [PDF &ndash; 128 KB]<\/a>) einen schon ausformulierten Gesetzentwurf zur Einrichtung eines sozialen Arbeitsmarktes eingebracht, die SPD am 24.10.2012 ( <a href=\"http:\/\/dipbt.bundestag.de\/dip21\/btd\/17\/111\/1711199.pdf\">Drucksache 17\/11199 [PDF &ndash; 120 KB]<\/a>) einen Antrag &bdquo;Sozialen Arbeitsmarkt dauerhaft &uuml;ber Passiv-Aktiv-Transfer erm&ouml;glichen. &ndash; Teilhabe f&uuml;r alle durch sozialversicherungspflichtige Besch&auml;ftigung.&ldquo;<\/p><p>Dabei klingt  alles zun&auml;chst harmlos: Alle wollen sich den &bdquo;Abgeh&auml;ngten&ldquo;, den &bdquo;Langlangzeitarbeitslosen&ldquo; zuwenden. Ganz freiwillig, existenzsichernd bezahlt  und m&ouml;glichst langfristig &ndash; zwei bis f&uuml;nf Jahre oder l&auml;nger &ndash;  wollen sie ihnen  am Arbeitsmarkt und zwar am ersten Arbeitsmarkt eine sinnvolle, normale, nicht stigmatisierende Besch&auml;ftigung verschaffen. Alle diese Heilsversprechen sollen im Rahmen des geltenden Hartz IV Systems verwirklicht werden, das nur an zwei Stellen ver&auml;ndert wird, n&auml;mlich durch den Wegfall der Voraussetzung, dass die Arbeit gemeinn&uuml;tzig, zus&auml;tzlich und wettbewerbsneutral sein muss und durch einen omin&ouml;sen Passiv-Aktiv-Transfer. <\/p><p>Im Bundestag wurde am Freitag den 9. November 2012 zu sp&auml;ter Stunde auf hohem Niveau debattiert. (<a href=\"http:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btp\/17\/17205.pdf\">Protokoll Deutscher Bundestag 17.Wahlperiode, 205. Sitzung, 9.November 2012 S. 25066 f. [PDF &ndash; 2.8 MB]<\/a>). Langzeitarbeitslose seien die gro&szlig;en Verlierer der  gegenw&auml;rtigen Arbeitsmarktpolitik,  Erwerbsarbeit sei mehr als Geldverdienen und es gehe um Zugang zu sinnstiftender Arbeit. Verhaltene Sympathie f&uuml;r die Antr&auml;ge bekunden selbst die CDU und nat&uuml;rlich Herr Kober von der FDP und lassen damit eine ganz gro&szlig;e Koalition in der Frage erahnen (wie man doch am gleichen Tag schon die Praxisgeb&uuml;hr abgeschafft hat). Frau Pothmer von den Gr&uuml;nen weist daraufhin, dass: &bdquo;die Wohlfahrtsverb&auml;nde, fast alle arbeitsmarktpolitischen Experten, die Bundesagentur f&uuml;r Arbeit in Person von Heinrich Alt, der Landkreistag&ldquo; (und wohl auch der St&auml;dtetag), die Einrichtung dieses sozialen Arbeitsmarktes forderten und sie erwartet daf&uuml;r den Dank der &bdquo;abgeh&auml;ngten Langzeitarbeitslosen&ldquo;. Die SPD hatte am 26.September 2012 zu einem Fachgespr&auml;ch in etwa die gleichen Akteure und sogar noch einen Vertreter des DGB eingeladen.<\/p><p>Vorbereitet wird die Initiative schon l&auml;nger u.a. durch einen kostenintensiven Modellversuch in Baden W&uuml;rttemberg, durch einen gemeinsamen <a href=\"http:\/\/www.landtag.nrw.de\/portal\/WWW\/dokumentenarchiv\/Dokument\/MMD15-2211.pdf\">Entschlie&szlig;ungsantrag von SPD und Gr&uuml;nen in NRW vom 21.6.2011 [PDF &ndash; 196 KB]<\/a> durch ein <a href=\"http:\/\/www.lag-arbeit-hessen.net\/fileadmin\/user_upload\/AmPol_Positionspapier_Laender_160811.pdf\">Positionspapier vom 16.8.2011 [PDF &ndash; 34.5 KB]<\/a> einer Reihe von Bundesl&auml;ndern, in denen SPD oder Gr&uuml;ne mitregieren. Zur Vorbereitung geh&ouml;rt auch die Veranstaltung der Gr&uuml;nen in NRW am 6.5.2011: <a href=\"http:\/\/gruene-fraktion-nrw.de\/fileadmin\/user_upload\/ltf\/Publikationen\/Dokumentationen_Broschueren\/1107-Sozialer-Arbeitsmarkt.pdf\">&bdquo;Chancen auf  Teilhabe: Sozial-Integrativer Arbeitsmarkt&ldquo; [PDF &ndash; 2.2 MB]<\/a>, bei der Stefan Sell, der das Modell entwickelt hat, einen Grundsatzvortrag hielt und von einer &bdquo;multiplen Win-win-Situation&ldquo; schw&auml;rmte, bei der f&uuml;r die Betroffenen ein normales, nicht stigmatisierendes Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnis herausspringe. Und Professor Georg Cremer vom Deutschen Caritasverband, der 2005 sofort Minister Clement seine Hilfe bei der Schaffung der geplanten 600 000 Ein Euro Jobs angeboten hat, beruft sich in der FAZ vom 5.11.2012 auf Alexander R&uuml;stow und Edmund Phelps, um nunmehr darzulegen, dass Lohnsubventionen auf dem ersten Arbeitsmarkt der gesellschaftlichen Teilhabe besser dienen und das Risiko der Verdr&auml;ngung von Arbeit beherrschbar sei.<\/p><p><strong>Wo ist der Haken bei dieser Allianz der Besch&auml;ftigungsf&ouml;rderer?<\/strong><\/p><p>Er liegt zun&auml;chst im <strong>Wegfall von &bdquo;Zus&auml;tzlichkeit&ldquo; und &bdquo;Gemeinn&uuml;tzigkeit&ldquo;<\/strong>, die als Voraussetzungen die gesamte bisherige F&ouml;rderpolitik von ABM &uuml;ber Hilfen zur Arbeit bis zu den Ein-Euro-Jobs und der B&uuml;rgerarbeit gepr&auml;gt haben und die vor allem bei einem massenhaftem Einsatz oft schwer einzuhalten sind und deshalb immer Kritik auf sich gezogen haben. Gerade der fortschreitende Personalabbau bei &ouml;ffentlichen und sozialen Dienstleistungen f&ouml;rderte hier den Missbrauch beim Einsatz. Es gab sogar erfolgreiche Klagen von nicht zus&auml;tzlich besch&auml;ftigten Ein-Euro-Jobbern. Und die schonungslose Kritik durch nicht in die lokalen &bdquo;Konsensrunden&ldquo; eingebundene Beh&ouml;rden wie  Bundesrechnungshof oder (jetzt bei der B&uuml;rgerarbeit) Bundesverwaltungsamt gelten als b&uuml;rokratische Hindernisse bei der Ausweitung solcher Besch&auml;ftigungen.<br>\nUm diesen Vorw&uuml;rfen zu entgehen gab es bisweilen merkw&uuml;rdige Konstruktionen zwanghaft bis l&auml;cherlicher zus&auml;tzlicher Besch&auml;ftigung, die pl&ouml;tzlich von allen abgelehnt werden, die &uuml;ber Jahre hinweg ohne Skrupel den sanktionsbedrohten Zwang, solche Stellen anzunehmen, unterst&uuml;tzt haben. Die SPD beklagt &bdquo;bisher oft arbeitsweltferne Besch&auml;ftigung&ldquo;; Frau Pothmer von den Gr&uuml;nen wei&szlig; von&ldquo; sinnlos Sandhaufen von der einen Seite auf die andere schaufeln&ldquo;; Herr Cremer von der Caritas spitzt es zu: sie durften im Tierheim nicht  f&uuml;ttern, nur streicheln; und Herr Schneider vom DPWV kritisiert freim&uuml;tig: &bdquo;Unw&uuml;rdige Scheinarbeit wie Puzzles machen lassen.&ldquo;<\/p><p>Hier setzt auch die &Uuml;berlegung von Stefan Sell an (Stefan Sell: Die &ouml;ffentlich gef&ouml;rderte Besch&auml;ftigung vom Kopf auf die F&uuml;&szlig;e stellen. <a href=\"http:\/\/www.stefan-sell.com\/Sozialpolitik2010-10.pdf\">Remagener Beitr&auml;ge zur aktuellen Sozialpolitik 10-2010 [PDF &ndash; 151 KB]<\/a>), der in diesen Beschr&auml;nkungen eine &ldquo;Lebensl&uuml;ge&ldquo; der bisherigen F&ouml;rderphilosophie sieht und statt dessen die v&ouml;llige Umstellung der F&ouml;rderung auf ausdr&uuml;cklich marktnahe T&auml;tigkeiten fordert. Damit sich private Unternehmen nicht &uuml;ber einen Verdr&auml;ngungswettbewerb beschweren k&ouml;nnen, soll nicht mehr nur im gemeinn&uuml;tzigen Bereich gef&ouml;rdert werden, sondern gleicherma&szlig;en im privatwirtschaftlichen, wie auch typisch in dem Modell in Baden W&uuml;rttemberg oder auch jetzt in NRW. Allerdings geht man davon aus, dass die Privatwirtschaft weniger Gebrauch davon macht und dass vor allem die F&ouml;rderung in den bisherigen Bereichen verstetigt werden kann, und die Besch&auml;ftigungstr&auml;ger, die im ABM-Gesch&auml;ft gro&szlig; geworden sind, sich  dann nach 2004 immer mehr Ein- Euro-Jobber haben zuweisen lassen, kein schlechtes Gewissen mehr haben m&uuml;ssen.<\/p><p>Die gro&szlig;e Schw&auml;che der Idee von Sell liegt darin, dass er zwar eine berechtigte Kritik an den Widerspr&uuml;chen und Ausw&uuml;chsen der bestehenden Besch&auml;ftigungsf&ouml;rderung entwickelt, bei der L&ouml;sung  des Problems aber weder die entrechtete Position der Hartz IV-Bezieher ber&uuml;cksichtigt, noch den massiven Rationalisierungs- bzw. Stellenabbautendenzen im ersten Arbeitsmarkt &ndash; sowohl im &ouml;ffentlichen als auch im privatwirtschaftlichen Sektor &ndash; irgendetwas entgegensetzen will. Im Gegenteil, er kapituliert offen vor dieser Entwicklung und spricht zwar den durch Rationalisierung &bdquo;versunkenen Arbeitsmarkt&ldquo; &ndash; das Eindampfen notwendiger Dienstleistungen, die Einbu&szlig;e  an Lebensqualit&auml;t, den offensichtlichen Mangel an Personal in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen &ndash; an, will diesen wegrationalisierten Arbeitsmarkt aber nicht mehr mit regul&auml;rer Arbeit beheben, sondern fordert: der &ouml;ffentlich gef&ouml;rderten Besch&auml;ftigung m&uuml;sse und  k&ouml;nne die Aufgabe zugeschrieben werden, &bdquo;einen Ersatz f&uuml;r einen Teil von dem zu stellen, was wegrationalisiert worden ist, was aber nicht  durch den Vorgang des Abschaffens an sich auch hinf&auml;llig geworden ist&ldquo;. <\/p><p>Daraus ergibt sich logischerweise ein Dammbruch gegen&uuml;ber der bisherigen F&ouml;rderphilosophie. Weil ja regul&auml;re Helfer- und Dienstleistungsarbeit ersetzt werden soll, muss die Arbeit m&ouml;glichst marktnah werden, m&ouml;glichst so &bdquo;normal&ldquo; wie regul&auml;re Arbeit. <\/p><p>So m&uuml;hsam wie bisher die Verdr&auml;ngung regul&auml;rer Arbeit im &ouml;ffentlichen und sozialen Sektor einged&auml;mmt werden konnte, so offen kann sie nun in allen unterfinanzierten Bereichen ihren Lauf nehmen. Im  ersten Arbeitsmarkt der gemeinn&uuml;tzigen und sozialen Dienstleistungen wurde schon unter den bisherigen Einschr&auml;nkungen  gnadenlos regul&auml;re Arbeit verdr&auml;ngt durch das Hintereinanderschalten befristeter Eins&auml;tze oder durch die &Uuml;bernahme ganzer Arbeitsfelder wie Garten- und Landschaftsbau durch gef&ouml;rderte Besch&auml;ftigungsfirmen.  Auch wenn man in den meist verarmten Kommunen, die B&uuml;rgerarbeit nutzen, genauer hinsieht: da k&ouml;nnten viele vorher eingesparte Schulhausmeister, Ordnungskr&auml;fte und Servicedienstleister genauso gut regul&auml;r besch&auml;ftigt werden, wenn man betrachtet, was sie leisten. Wenn aber jetzt freie und l&auml;ngerfristige Bet&auml;tigung am ersten Arbeitsmarkt gef&ouml;rdert werden, dann sind alle Schleusen ge&ouml;ffnet. Kein Personalrat oder Betriebsrat kann dem Einsatz solcher Kr&auml;fte mehr widersprechen, selbst wenn er es m&ouml;chte und den Wegfall von regul&auml;ren Arbeitspl&auml;tzen nachweisen kann. <\/p><p>Nat&uuml;rlich ist eine Besch&auml;ftigung in marktnahen T&auml;tigkeitsbereichen erstrebenswert, aber sie wird, wie noch zu zeigen sein wird, nicht unter Marktbedingungen stattfinden.<br>\nUnd was den Einsatz in der Privatwirtschaft angeht: Die Ersetzung regul&auml;r organisierter Arbeit wird nicht dadurch besser, dass man das, was bisher Kommunen und soziale Einrichtungen schon missbr&auml;uchlich praktiziert haben, nun auch noch der Privatwirtschaft erlauben will. Die von Sell und von der Politik geforderte &bdquo;Normalisierung&ldquo; der gef&ouml;rderten Verh&auml;ltnisse soll nur die reibungslose Ausweitung solcher Stellen  bef&ouml;rdern und das schlechte Gewissen der Akteure beruhigen.<\/p><p>Entschieden werden soll in Zukunft &uuml;ber die Zuweisung nur noch durch den nicht mehr kontrollierten &bdquo;<strong>lokalen Konsens<\/strong>&ldquo; der Akteure (&bdquo;Tr&auml;gerversammlungen&ldquo;). Auch wenn  Gewerkschaften und Arbeitgeber den Einsatz kritisch sehen sollten, sind ihnen mit dem Wegfall des Kriteriums der Zus&auml;tzlichkeit die Argumente genommen worden  und sie sollen nach den Planungen auch keine Vetoposition mehr behalten, die sie allerdings in der Vergangenheit sowieso wenig genutzt haben. Die Einw&auml;nde solch &bdquo;r&uuml;ckst&auml;ndiger&ldquo; Branchen wie des Handwerks, dass das alles von lokalen Abh&auml;ngigkeiten gepr&auml;gt ist und erfahrungsgem&auml;&szlig; von den ehrenamtlichen Beir&auml;ten nicht zu &uuml;berpr&uuml;fen ist, verhallt da ungeh&ouml;rt. Von kommunaler Seite kommt dagegen uneingeschr&auml;nkte Begeisterung f&uuml;r den Vorschlag, weil endlich der letzte Rechtfertigungszwang wegf&auml;llt. Genau dieses Modell haben die Parteien ohne Abstriche aufgenommen. <\/p><p>Alle, die sich ein Wiederaufleben der Zust&auml;nde wie fr&uuml;her bei den AB- Ma&szlig;nahmen erhoffen, die allseits beliebt waren, aber wegen des Kostenaufwands abgeschafft wurden, sei gesagt, dass es sich hier um eine umgekehrte Version dieses Instruments handelt, sozusagen &bdquo;ABM verkehrt&ldquo;: w&auml;hrend dieses Instrument fr&uuml;her am Anfang der F&ouml;rderung einer beruflichen Integration oder des Berufseinstiegs stand, ist es in dem neuen Modell ausdr&uuml;cklich f&uuml;r das Ende der F&ouml;rderkette geplant und ist nat&uuml;rlich strikten Wirtschaftlichkeits&uuml;berlegungen, die praktisch nur noch am Einsparen des aktuell gezahlten Existenzminimums ausgerichtet sind, unterworfen. <\/p><p><strong>Stigmatisierung der Zielgruppe.<\/strong><\/p><p>Und das Modell hat einen zweiten, gravierenden Nachteil: Wenn das Einsatzgebiet nicht mehr beschr&auml;nkt ist, muss die Zielgruppe beschr&auml;nkt werden und das f&uuml;hrt zu Suche nach Kriterien zur <strong>Selektion der Zielgruppe<\/strong>.<\/p><p>Sell dr&uuml;ckt das so aus: &bdquo;Die zuk&uuml;nftige Ausgestaltung der &ouml;ffentlich gef&ouml;rderten Besch&auml;ftigung&hellip; w&uuml;rde also um eine den personenbezogenen F&ouml;rderungsbedarf abzubildende Lohnkostensubventionierung zentriert werden&ldquo;, und das bewirkt direkt eine neue, diesmal auf die Person bezogene Stigmatisierung, die in den politischen Programmen bereits sehr realistisch angesprochen ist. Es m&uuml;ssen ja die zu erwartenden Mitnahmeeffekte unterbunden werden, deshalb m&uuml;ssen die besonders stark Benachteiligten vorher ausgesiebt werden. Der F&ouml;rderung gehen deshalb die <strong>Erfassung und die Bewertung des Grades als &bdquo;Minderleister&ldquo;<\/strong> voraus. Beide Parteien wollen die Begutachtung auch w&auml;hrend der &uuml;ber mehrere Jahre geplante F&ouml;rderdauer fortsetzen. Das ist deshalb zwingend, weil die H&ouml;he des Lohnzuschusses f&uuml;r den Arbeitgeber, der &bdquo;individuelle Minderleistungsausgleich&ldquo; davon abh&auml;ngig ist. Das ist beiden Parteien auch klar: Dreh- und Angelpunkt ist f&uuml;r sie die Einhaltung der Zielgruppe, ein sorgf&auml;ltiges Auswahlverfahren und die regelm&auml;&szlig;ige &Uuml;berpr&uuml;fung der Anspruchsvoraussetzungen. <\/p><p>Nach dem Willen der SPD sollen die Arbeitgeber, &bdquo;einen Nachteilsausgleich erhalten als Ersatz  f&uuml;r die attestierte eingeschr&auml;nkte Produktivit&auml;t der Arbeitskr&auml;fte&ldquo; bei den Gr&uuml;nen richtet sich die H&ouml;he des Zuschusses  nach &ldquo;der Leistungsf&auml;higkeit des Leistungsberechtigten&ldquo; und bei DPWV\/FDP nach dem &bdquo; Schweregrad des Vermittlungsproblems&ldquo;.<\/p><p>Auch &uuml;ber das Verfahren wie man diese &bdquo;Indikatoren f&uuml;r die H&ouml;he des Nachteilsausgleichs&ldquo; ermitteln will, ist man sich weitgehend einig: Bei der SPD wird &bdquo;die eingeschr&auml;nkte Leistungsf&auml;higkeit der Gef&ouml;rderten&ldquo; &bdquo;vom Jobcenter in Zusammenarbeit mit dem berufspsychologischen Service der Agenturen oder von einer unabh&auml;ngigen dritten Institution attestiert und regelm&auml;&szlig;ig &uuml;berpr&uuml;ft&ldquo; evtl. auch von den Berufsf&ouml;rderwerken. Die Gr&uuml;nen wollen zur Ermittlung der Leistungsf&auml;higkeit ein einzelfallbezogenes Verfahren  etablieren, &bdquo;wie es sich z.B. bei Leistungen des Nachteilsausgleichs f&uuml;r Schwerbehinderte bew&auml;hrt hat&ldquo;. Wegen der multiplen Problemlagen sollen neben den Fallmanagern der psychologische Dienst der Arbeitsagentur ggfls. eine spezielle Kommission unter Einbeziehung der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer des Jobcenters oder externe Dritte herangezogen werden.<\/p><p>Die Semantik, n&auml;mlich &bdquo;Grad des Vermittlungsproblems&ldquo; oder &bdquo;Nachteilsausgleich&ldquo;, erinnert fatal ans Behindertenrecht, zumal manche auch noch von &bdquo;Handicaps&ldquo; und &bdquo;assistierter Besch&auml;ftigung&ldquo; oder besserer Kooperation mit Behindertenwerkst&auml;tten sprechen, und die SPD gleich die Schwerbehinderten, die eigentlich genug andere F&ouml;rderm&ouml;glichkeiten haben sollten, in die Zielgruppe einbezieht.<\/p><p>Ansonsten soll die Zielgruppe mindestens 24 Monate Arbeitslosigkeit vorweisen. Fachleute wissen aus der Statistik, dass das nicht automatisch besonders &bdquo;unproduktive&ldquo; Menschen sein m&uuml;ssen, sondern dass sich darunter viele &uuml;ber 50-J&auml;hrige oder auch Personen, die Kinder erziehen, oder Langzeitarbeitslose aus  ung&uuml;nstig gelegenen Regionen befinden. <\/p><p>Zus&auml;tzlich sollen sie zwei Vermittlungshemmnisse haben. Als solche gelten aber schon Faktoren wie Alter, famili&auml;re Verpflichtung oder Migrationshintergrund, was &uuml;ber die Leistungsf&auml;higkeiten ebenfalls nichts aussagen muss. Als zweites Vermittlungshemmnis k&ouml;nnen Krankheiten, Verschuldung aufgrund der Schwierigkeit mit den niedrigen SGB II- Leistungen zu leben, oder berufliche Qualifikationsr&uuml;ckst&auml;nde, die sich einfach aus den Zeitablauf ergeben k&ouml;nnen, hinzukommen. Und dann kommt noch das psychologische Gutachten, das fehlende Frustrationstoleranz, Anpassungsf&auml;higkeit oder im Routinetest ermittelte Intelligenzdefizite festh&auml;lt, vielleicht auch noch Depressionen oder Partnerschaftsprobleme &ndash; und schon ist der &bdquo;Minderleister&ldquo; oder die &bdquo;Minderleisterin&ldquo; mit den &bdquo;schweren gesundheitlichen und\/oder sozialen Einschr&auml;nkungen&ldquo;  und  &bdquo;multiplen Vermittlungshemmnissen&ldquo; identifiziert. Eine &bdquo;Win-Win-Situation&ldquo; vielleicht f&uuml;r Beh&ouml;rden , Gutachter, Verb&auml;nde und Arbeitgeber, aber was &bdquo;gewinnen&ldquo; die Betroffenen?<\/p><p>Wie bei denen jetzt der Grad der Produktivit&auml;tseinschr&auml;nkung oder der Leistungsminderung festgestellt werden soll, das bleibt bisher im Dunkeln. Wahrscheinlich haben die &bdquo;KodiaK- Teams&ldquo; (Kompetenzdiagnostik f&uuml;r Kundenprofile) der Bundesagentur  bereits an Versuchsstandorten Verfahren entwickelt, &uuml;ber die aber bisher nichts an die &Ouml;ffentlichkeit dringt.<\/p><p>Diese Auswahl folgt immer einem Defizitansatz und eine Person muss zun&auml;chst m&ouml;glichst weit abgewertet werden im Sinne einer, attestierten, in den Jobcenterakten f&uuml;r 10 Jahre und mehr dokumentierten sozialen Behinderung, bevor sie in den &bdquo;Genuss&ldquo; der F&ouml;rderung kommen soll. Ich halte das f&uuml;r diskriminierend und f&uuml;r stigmatisierend.<\/p><p>F&uuml;r die Menschen mit wirklich schweren pers&ouml;nlichen und berufsbezogenen Einschr&auml;nkungen, (Suchtabh&auml;ngige, Verhaltensauff&auml;llige, ohne jede Qualifikation und Berufserfahrung) gab es fr&uuml;her die Ein&ndash;Euro-Jobs, die man zwischenzeitlich in gro&szlig;er Zahl f&uuml;r qualifizierte und arbeitserfahrene Arbeitslose zweckentfremdet hat. Und die sind  jedenfalls auch bei Stefan Sell f&uuml;r diese Gruppen weiterhin vorgesehen.<\/p><p>Nur die Gr&uuml;nen wollen auch Suchtkranke, Obdachlosigkeitserfahrene und Menschen mit schweren pers&ouml;nliche Krisen aufnehmen, &bdquo;weil all das einzeln, h&auml;ufig aber auch kumuliert  urs&auml;chlich daf&uuml;r ist, dass die personale Integrit&auml;t dieser Menschen  in physischer, psychischer  und\/oder sozialer Hinsicht versehrt ist.&ldquo; <\/p><p>Und all diese armen Menschen sollen ganz freiwillig an den Ma&szlig;nahmen teilnehmen d&uuml;rfen.<br>\nDie <strong>Freiwilligkeit<\/strong> der Teilnahme wird  zwar von beiden Parteien und anderen Akteuren versprochen, aber das ist f&uuml;r mich genauso glaubw&uuml;rdig wie das Versprechen im Jahre 2002, die &bdquo;Arbeitslosenhilfe&ldquo; nicht abzuschaffen. Beide Parteien docken mit ihren Modellen an  &sect;16 e  SGB II an, einem &auml;hnlich strukturierten F&ouml;rderzuschuss, der bisher nur in wenigen tausend F&auml;llen genutzt wurde und von Besch&auml;ftigungstr&auml;gern wegen des nur bis zu 75%igen Lohnkostenzuschusses eher gemieden wurde. Und diese Ma&szlig;nahmen sind wie alle F&ouml;rderma&szlig;nahmen im SGB II nicht freiwillig, sondern der gesetzlichen Sanktionsdrohung unterworfen. Der Wegfall von Sanktionen  m&uuml;sste also zumindest ausdr&uuml;cklich geregelt werden und das geschieht weder im  gr&uuml;nen Gesetzentwurf noch l&auml;sst die SPD in einem weiteren Gesetzesentwurf erkennen, dass  sie das regeln will.<br>\nDazu kommt, dass in allen Modellen, wie heute schon bei der B&uuml;rgerarbeit, ein mindestens 6-monatiges Vorpr&uuml;fungsverfahren stattfinden soll, in dem &bdquo;verst&auml;rkte vermittlerische Unterst&uuml;tzung&ldquo; erfolgen soll. Das hei&szlig;t: verst&auml;rkt geforderte Arbeitsbem&uuml;hungen, h&auml;ufige Meldetermine, verst&auml;rkte Ma&szlig;nahmezuweisungen, um vorrangig auf dem ersten Arbeitsmarkt &ndash; in all seinen unver&auml;ndert prek&auml;ren Bereichen &ndash;  unterzukommen. Und all das bis hin zur psychologischen und &auml;rztlichen Begutachtung ist im SGB II sanktionsbewehrt (daher kommen die vielen Sanktionen im Moment) und wird es bleiben, so lange, wie nichts an der Ideologie des &bdquo;Forderns&ldquo; ge&auml;ndert wird. Es spricht deshalb viel daf&uuml;r, dass das Versprechen von &bdquo;Freiwilligkeit&ldquo; der Beruhigung der &Ouml;ffentlichkeit dienen soll, die sich erfahrungsgem&auml;&szlig;, wenn die Programme erst angelaufen sind, nicht mehr daf&uuml;r interessiert. <\/p><p><strong>Tariflohn oder Mindestlohn und wenn ja, wie viel am Ende ?<\/strong><\/p><p>Zu vierf&uuml;nftel sozialversichert soll die Arbeit sein, d.h. ohne Arbeitslosenversicherung, damit nach zwei bis f&uuml;nf Jahren regul&auml;rer T&auml;tigkeit  ein &bdquo;Dreht&uuml;reffekt&ldquo; zur Arbeitslosenversicherung vermieden wird (SPD), sehr wohl aber die Angst vor erneutem Hartz IV Bezug bestehen bleibt.<\/p><p>Beide Parteien k&uuml;ndigen an, dass ann&auml;hernd Tariflohn gezahlt werden &ndash; sollte! Aber ein Rechtsanspruch darauf ist wieder nirgendwo geregelt. Angek&uuml;ndigt  wurde das bei der B&uuml;rgerarbeit auch schon, nur gezahlt wird &ndash; unter tatkr&auml;ftiger Unterst&uuml;tzung des Ministeriums &ndash; nirgendwo. (Spindler: B&uuml;rgerarbeit- Ein problematisches arbeits- und sozialrechtliches Experimentierfeld, in: <a href=\"http:\/\/www.bund-verlag.de\/zeitschriften\/soziale-sicherheit\/ausgabe\/2012\/7\/Kurz-gefasst-10006603\/\">Soziale Sicherheit  7\/2012 S. 258 f.<\/a> .  Wieder fallen Stichworte zur Beruhigung der &Ouml;ffentlichkeit. Wirklich geregelt werden nur die Anspr&uuml;che der Tr&auml;ger auf  Bezuschussung, nicht die Anspr&uuml;che der Besch&auml;ftigten. Das w&auml;re aber besonders wichtig, wenn auch noch in die Privatwirtschaft vermittelt werden soll. Es geht da nicht nur romantisierend um den &bdquo;kleinen Handwerker&ldquo; vor Ort, sondern um die Packhallen von Zalando, Amazon, um Callcenter, Putzfirmen, Wachdienste und Leiharbeitsfirmen. Mindestens soll es alternativ im Falle des Regierungseintritts ein gesetzlicher Mindestlohn von 8.50 Euro sein. Der w&uuml;rde allerdings &ndash; und auch das nicht mehr lange &ndash;  erst bei einem Stundenumfang von 40 Stunden ausreichen, und der bleibt auch unklar.<\/p><p>Aber der bisherige und auch zuk&uuml;nftige Eingliederungstitel der Bundesagentur w&uuml;rde selbst f&uuml;r die sparsamsten Varianten nur schwer ausreichen und deshalb kommt hier der sog. Passiv-Aktiv Transfer (PAT) ins Spiel, der bedeutet, dass der Arbeitslose sozusagen seinen Lohn selbst finanzieren soll, und zwar aus Regelsatz, Unterkunftskosten und den minimalen Kranken- und Pflegeversicherungsbeitr&auml;gen, bzw. dass Bund und Kommunen &uuml;ber Jahre ihren ersparten Anteil in den Lohnzuschuss einzahlen m&uuml;ssen, wobei sie sicherlich ihre Anteile so niedrig wie m&ouml;glich halten wollen. <\/p><p><strong>Effekte des Passiv-Aktiv Transfers (PAT)<\/strong><\/p><p>Der PAT ist nichts anderes als das, was man sich selbst durch die Hartz Reform eingebrockt hat: Vorher waren die F&ouml;rderzust&auml;ndigkeiten der Kommunen f&uuml;r die Sozialhilfe und des Bundes f&uuml;r die Arbeitslosenhilfe eindeutig und man braucht keine komplizierte Finanzierungsakrobatik.<\/p><p>Schlimmer ist aber, dass der PAT als Kostendeckel wirkt. Regelsatz, Unterkunft und ein bisschen Sozialversicherungsbeitrag reichen nicht, um regul&auml;re Arbeit zu bezahlen. Allein die dann f&auml;llig werdende Rentenversicherung und die Erwerbst&auml;tigenfreibetr&auml;ge machen bei einem Mindestlohn schon &uuml;ber 600 Euro aus, bei Tarifl&ouml;hnen eher mehr. Und ob die Kommunen wirklich ausreichende Mietzahlungen &uuml;bernehmen ist nicht gesichert. Das wird nie sauber durchgerechnet und f&uuml;hrt zu Verh&auml;ltnissen, wie sie bei der B&uuml;rgerarbeit schon praktiziert werden: man senkt die Stundenzahl, um die  Leute f&uuml;r Nettol&ouml;hne in der H&ouml;he von Regelsatz und Unterkunft arbeiten zu lassen, was entweder zu einem Workfare-Modell f&uuml;hrt oder sie zu Daueraufstockern macht. (Spindler: B&uuml;rgerarbeit a.a.O  S. 258)<br>\nDas hei&szlig;t, so lange der PAT im Hintergrund wirkt, ist es h&ouml;chst unwahrscheinlich dass es &uuml;berhaupt einen existenzsichernden Lohn gibt, vor allem wenn die Anspr&uuml;che gegen die Arbeitgeber nicht eindeutig geregelt sind.<\/p><p><strong>Die Alternative<\/strong><\/p><p>Richtig ist, dass der Aufbau von  zus&auml;tzlichen Stellen auf dem ersten Arbeitsmarkt notwendig ist. Aber wenn wieder mehr Helferberufe ben&ouml;tigt werden, die man leichtsinnigerweise wegrationalisiert hat, dann m&uuml;ssen diese Berufsbilder entwickelt, ausgebildet und regul&auml;r bezahlt werden. Das kostet etwas mehr Geld, hat aber langfristige Perspektive und hinterl&auml;sst weniger Arbeitslose, daf&uuml;r wieder mehr selbstbewusste B&uuml;rger, Menschen, die wieder eine langfristige Berufsidentit&auml;t und Berufserfahrung entwickeln k&ouml;nnen und nicht nach entw&uuml;rdigenden Prozeduren Arbeit als Gnadenakt zugeteilt bekommen.  Das l&auml;sst sich nicht von heute auf morgen wiedereinf&uuml;hren, sondern ben&ouml;tigt, wie z.B. in den skandinavischen L&auml;ndern ein neues Konzept bei der Finanzierung von &ouml;ffentlichen und sozialen Dienstleistungen. Gegebenenfalls lassen sich auch durch vor&uuml;bergehende, nicht diskriminierende F&ouml;rderma&szlig;nahmen (wie fr&uuml;her ABM) solche Felder gezielt aufsp&uuml;ren und entwickeln. Wer Langzeitarbeitslose aktuell unterst&uuml;tzen will, kann dies bei einem Teil auch durch die Anerkennung frei gew&auml;hlter ehrenamtlicher T&auml;tigkeit (nicht nur in einer sozialen<br>\nEinrichtung, sondern auch beispielsweise in einer Erwerbsloseninitiative) erreichen. Aber wer den Arbeitsplatzabbau durch 200 000 langfristige F&ouml;rderma&szlig;nahmen unter den unver&auml;nderten Bedingungen der Zumutbarkeit und Sanktionsdrohung verfestigt, mit denen man selbst bei gutem Willen die Betroffenen nur dem&uuml;tigen kann, versperrt diesen Weg auf lange Zeit. <\/p><p><strong>Hinweis:<\/strong> Professorin Helga Spindler hat uns freundlicherweise diesen Beitrag zur Verf&uuml;gung gestellt. Er ist jetzt auch in Forum sozial, Heft 2, 2013, S. 40 &ndash; 44 erschienen. <\/p><p><strong>Zum Thema dieses Beitrags siehe auch:<\/strong><\/p><p><strong>Die n&uuml;tzliche Armut<\/strong><br>\nKonferenz zur Armut heute: Begriffliche Bestimmung, Tiefenschau und Alternativen gegen die Fortf&uuml;hrung eines n&uuml;tzlichen Zustands.<br>\n&bdquo;Uns geht es doch gut&ldquo; &ndash; beruhigt die Kanzlerin mit Blick auf die grassierende Verelendung in anderen EU-Staaten. &bdquo;Uns&ldquo; &ndash; das sind diejenigen in gut bezahlten und sicheren Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnissen und die ohnehin reichen Gewinner der gro&szlig;en Umverteilung. Und die von allen etablierten Parteien getragene Agenda 2010 habe doch wirtschaftliche Erfolge gebracht, von denen letztlich alle profitieren w&uuml;rden: die Deregulierung der Arbeitswelt, die Verbesserung der internationalen Wettbewerbsf&auml;higkeit und die Konsolidierung der sozialen Sicherungssysteme. Doch  tats&auml;chlich hat sich die Armut<br>\nversch&auml;rft, bei Arbeitslosen, Rentner\/innen und  Grundsicherungsbeziehenden genauso wie bei Arbeitnehmer\/innen. Nicht nur ungelernte Arbeitnehmer\/innen sind betroffen, sondern auch Facharbeiter\/innen in der Leiharbeit, Dienstleister\/innen und Akademiker\/innen. Von der Armut bzw. Mittelk&uuml;rzungen betroffen sind auch die &bdquo;Armutsverwalter&ldquo; in staatlichen Beh&ouml;rden und Sozialleistungstr&auml;ger, die ihrerseits bei ihren Auftr&auml;gen zu wenig zahlen&hellip;&rdquo; Aufruf und Programm bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW zur Tagung\/Konferenz am 23.11.2013 (ganzt&auml;gig) an der Universit&auml;t Wuppertal, Campus Freudenberg, H&ouml;rsaalzentrum, Wuppertal. Mit Prof. Dr. Heinz S&uuml;nker, Prof. Dr. Helga Spindler, Dr. Rudolf Martens, Prof. Dr. Michael Vester, Prof. Dr. Klaus D&ouml;rre, Prof. Dr. Stefan Selke, Gabriele Zimmer (MdEP), Michaela Hofmann, Martin Behrsing, Guido Gr&uuml;ner, Michael B&auml;ttig, Frank J&auml;ger, Kathrin Hartmann, Wolfgang Storz.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.nrw.rosalux.de\/nc\/event\/49135\/die-nuetzliche-armut.html\">Rosa Luxemburg Stiftung NRW<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter der &Uuml;berschrift &bdquo;Sozialer Arbeitsmarkt&ldquo; hat sich eine ungew&ouml;hnliche Allianz von Sozialverb&auml;nden, &uuml;ber die SPD, die Gr&uuml;nen bis hin zur FDP zusammengefunden. Auch in der CDU gibt es Sympathien f&uuml;r ein neues Besch&auml;ftigungsmodell f&uuml;r Langzeitarbeitslose. Freiwillig, existenzsichernd bezahlt und m&ouml;glichst langfristig soll nach diesem Modell Langzeitarbeitslosen am Arbeitsmarkt und zwar am ersten Arbeitsmarkt eine &bdquo;sinnvolle,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19089\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[147,141,140],"tags":[288,394],"class_list":["post-19089","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitslosgigkeit","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-hartz-gesetze-buergergeld-grundsicherung","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-subventionen"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19089","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=19089"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19089\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":53603,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19089\/revisions\/53603"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=19089"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=19089"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=19089"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}