{"id":19161,"date":"2013-11-05T12:51:39","date_gmt":"2013-11-05T11:51:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19161"},"modified":"2019-06-02T11:28:24","modified_gmt":"2019-06-02T09:28:24","slug":"public-private-partnership-seit-15-jahren-eine-spur-des-scheiterns","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19161","title":{"rendered":"Public Private Partnership: Seit 15 Jahren eine Spur des Scheiterns"},"content":{"rendered":"<p>Die CDU\/CSU lehnt bisher in den Koalitionsverhandlungen Steuererh&ouml;hungen f&uuml;r die hohen Einkommensbezieher und auf Kapitaleinkommen strikt ab. Wie allerdings die Wohltaten des Betreuungsgeldes oder der Ausbau der &bdquo;M&uuml;tterrente&ldquo;, wie zus&auml;tzliche Investitionen in Bildung und in die zunehmend verrottende Infrastruktur oder wie eine Entlastung der klammen St&auml;dte und Gemeinden unter dem Regime der &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; finanziert werden sollen, das ist eine offene Frage. Schon in der Vergangenheit war die &ouml;ffentlich-private Partnerschaft (PPP), eine Form der Privatisierung &ouml;ffentlicher Investitionen und Leistungen der Daseinsvorsorge, ein h&auml;ufig eingesetztes Instrument zur vordergr&uuml;ndigen Entlastung der verschuldeten &ouml;ffentlichen Kassen.  Eine Gro&szlig;e Koalition d&uuml;rfte auf die schon unter der rot-gr&uuml;nen Bundesregierung  vorangetriebene PPP als vermeintlichen  Ausweg aus dem Finanzierungsdilemma zur&uuml;ckgreifen.  <strong>Werner R&uuml;gemer<\/strong> belegt an Hand konkreter Beispiele, wie intransparent, teuer und unflexibel dieses Instrument zur Auslagerung von Schulden aus den &ouml;ffentlichen Haushalten tats&auml;chlich ist.<br>\n<!--more--><br>\nDas Privatisierungskonstrukt Public Private Partnership (PPP) wurde von der Tory-Regierung unter Margret Thatcher entwickelt und von Labour unter Tony Blair und Gordon Brown seit 1998 fl&auml;chendeckend in Gro&szlig;britannien praktiziert. 2011 bilanzierte ein Untersuchungsausschuss des englischen Parlaments: PPP ist intransparent, teuer, unflexibel wegen der jahrzehntelangen Laufzeiten und ein Instrument zur Auslagerung von Schulden aus den &ouml;ffentlichen Haushalten. Die Bundesregierung unter Gerhard Schr&ouml;der &uuml;bernahm das Modell ab 1999. 2005 wurde ein &bdquo;Gesetz zur Beschleunigung der Umsetzung von &Ouml;ffentlich Privaten Partnerschaften und zur Verbesserung der Rahmenbedingungen f&uuml;r &Ouml;ffentlich Private Partnerschaften&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.bdi.eu\/download_content\/RechtUndOeffentlichesAuftragswesen\/OEPP_Beschleunigungsgesetz_2005.pdf\">verabschiedet [PDF &ndash; 93 KB]<\/a>.  Der Bundesrechnungshof und die Landesrechnungsh&ouml;fe kamen in einer <a href=\"http:\/\/www.orh.bayern.de\/files\/ORH\/Aufgaben\/Zusammenarbeit\/Bund%20und%20Laender\/Gemeinsamer%20Erfahrungsbericht%20OEPP-Projekte.pdf\">gemeinsamen Stellungnahme im September 2011 [PDF &ndash; 978 KB]<\/a>  zu &auml;hnlichen Ergebnissen wie der englische Untersuchungsausschuss. Trotzdem empfiehlt auch die Europ&auml;ische Kommission PPP weiter als Heilmittel f&uuml;r die durch die Bankenkrise zus&auml;tzlich <a href=\"http:\/\/ec.europa.eu\/research\/era\/pdf\/partnering_communication.pdf\">verschuldeten &ouml;ffentlichen Haushalte in der EU [PDF &ndash; 53.4 KB]<\/a>. Dagegen w&auml;chst selbst in Unternehmenskreisen die Kritik. So hie&szlig; es im Wirtschaftsmagazin &bdquo;impulse&ldquo; in der Titelstory &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.impulse.de\/unternehmen\/die-selbstbediener\">Die Selbstbediener<\/a>&ldquo;: &bdquo;Bei Public Private Partnerships verdienen Konzerne, Banken und Berater das gro&szlig;e Geld. Gemeinsam mit der &ouml;ffentlichen Hand haben sie ein intransparentes System geschaffen, von dem vor allem sie selbst profitieren &ndash; zulasten von Mittelstand und Verbrauchern.&ldquo; Die folgenden gescheiterten Projekte sind eine kleine Auswahl. Die meisten waren von der PPP-Lobby mit Preisen (&bdquo;<a href=\"http:\/\/www.bppp.de\/bppp.php\/cat\/40\/title\/\">Innovationspreis PPP<\/a>&ldquo; u.&auml;.) hochgelobt worden.<\/p><p><strong>1999: Berliner Wasserbetriebe (BWB)<\/strong><br>\nMit dem Verkauf von 49,9 Prozent der Berliner Wasserbetriebe (BWB) an RWE und Veolia beginnt die Geschichte des <a href=\"http:\/\/berliner-wassertisch.net\/assets\/files\/BWB-Studie_Alexis_Passadakis%20-%20erste%20Auflage.pdf\">Scheiterns von PPP-Projekten in Deutschland [PDF &ndash; 242 KB]<\/a>. F&uuml;r den Verkauf erhielt Berlin 1,6 Milliarden Euro und wollte damit seinen Haushalt sanieren. Im geheim gehaltenen Vertragswerk erwarben die Privaten f&uuml;r 30 Jahre das Recht, die Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung zu &uuml;bernehmen und einen garantierten Gewinn herauszuziehen. Dazu bauten sie mit Zustimmung des Senats 2.000 Arbeitspl&auml;tze ab, fuhren die Investitionen zur&uuml;ck und erh&ouml;hten die Wasser- und Abwasserpreise zur <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/PresseService\/Presse\/Pressemitteilungen\/2011\/04\/PD11_170_322.html\">Spitzenstellung in Deutschland<\/a>. Wegen der Gewinngarantie sch&ouml;pften sie wesentlich mehr Gewinne ab als der Mehrheitseigent&uuml;mer Berlin, sie haben schon jetzt den Kaufpreis herausgeholt. Der Berliner Wassertisch erzwang gegen den Senat und gegen die Gro&szlig;medien einen Volksentscheid: Das geheime Vertragswerk muss offengelegt werden! Die &uuml;ber 650.000 Berliner machten mit ihrer <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!65816\/\">Mehrheit den Entscheid zum Gesetz<\/a>. Die Berliner Landesregierung gestaltete allerdings in einem Geheimverfahren den R&uuml;ckkauf der Investorenanteile zulasten der Steuerzahler.<\/p><p><strong>2000: Warnow-Tunnel Rostock<\/strong><br>\nBefl&uuml;gelt von der Wende und dem Glauben an die &Uuml;berlegenheit privater Investoren f&ouml;rderte die Bundesregierung den <a href=\"http:\/\/www.kuk.de\/content\/pro\/1999-0513\/1999-0513-d.pdf\">Bau des Warnow-Tunnels in Rostock [PDF &ndash; 246 KB]<\/a>. Der franz&ouml;sische Baukonzern Bouygues und der australische Investor Macquarie sollten den Tunnel bauen, 30 Jahre betreiben und durch die Mautgeb&uuml;hren bezahlt werden. Danach sollte er an die Stadt &uuml;bergehen. Deutsche Bank und NordLB gaben Kredite, Bundesregierung und Europ&auml;ische Union subventionieren das Projekt. Professor Hans-Wilhelm Alfen, der deutsche PPP-Guru, sch&ouml;nte die Bedarfszahlen und tat so, als w&auml;ren die Werften noch genauso ausgelastet wie zu DDR-Zeiten: Statt der &bdquo;erwarteten&ldquo; Zahl der Durchfahrten war es dann nur die H&auml;lfte. Die Investoren erzwangen deshalb die Verl&auml;ngerung des Vertrags von 30 auf 50 Jahre und verdoppelten die Geb&uuml;hren. Bouygues stieg aus, nahm seinen Gewinn mit und &uuml;berlie&szlig; die Zahlungsverpflichtungen der staatlichen Projektgesellschaft Warnowquerung GmbH &amp; Co KG.<\/p><p><strong>2001: Herren-Tunnel L&uuml;beck<\/strong><br>\nAm 16.10.2001 baggerte der schleswig-holsteinische Verkehrsminister Bernd Rohwer (CDU) das erste Loch f&uuml;r den Herren-Tunnel und verk&uuml;ndete: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.stadtzeitung.luebeck.de\/archiv\/artikel\/id\/12729\">Das ist ein Modellfall f&uuml;r eine gelungene privatwirtschaftliche Finanzierung<\/a>.&ldquo; Die IHK schw&auml;rmte vom &bdquo;Projekt des 21. Jahrhunderts&ldquo;. Die Bundesregierung subventionierte allerdings auch diesen Tunnel systemwidrig mit 77 Millionen Mark der 176 Millionen Gesamtkosten. Das kam dem Investoren-Duo der beiden gr&ouml;&szlig;ten deutschen Baukonzerne Hochtief und Bilfinger Berger zugute: Sie verk&uuml;ndeten, dass die angestrebte Rendite zwischen 12 und 15 Prozent liege. Auch hier sagte PPP-Guru Prof. Alfen gutachterlich Benutzerzahlen voraus, die sich schnell als illusion&auml;r erwiesen. Deshalb verdreifachten die Investoren die Maut, sogar die Stadt muss nun f&uuml;r Linienbusse Maut bezahlen, und die Investoren setzten die Verl&auml;ngerung des Vertrags von 30 auf 40 Jahre durch. <\/p><p><strong>2002: World Conference Center Bonn (WCCB)<\/strong><br>\nIm Februar 2002 schlossen die Bundesregierung, die NRW-Landesregierung und die Bonner Oberb&uuml;rgermeisterin einen Staatsvertrag &uuml;ber die Ansiedlung eines Internationalen Kongresszentrums Bundeshaus Bonn, das der UNO und anderen Veranstaltern dienen und die  lokale Wirtschaft f&ouml;rdern sollte. Bonn suchte einen privaten Investor, der das Kongresszentrum bauen und 30 Jahre betreiben sollte. Mithilfe von zwei Dutzend Beraterfirmen fand die Allparteienmehrheit im Bonner Stadtrat unter F&uuml;hrung der SPD-Oberb&uuml;rgermeisterin Dieckmann den koreanisch-amerikanischen Investor SMI Hyundai. Er bekam die Grundst&uuml;cke geschenkt und Subventionen von Bund und L&auml;ndern. Der Investor wurde als &bdquo;Retter Bonns&ldquo; gefeiert. 2008 war Richtfest, 2009 war der Investor pleite, sein behaupteter Zusammenhang mit dem Hyundai-Konzern erwies sich als vorget&auml;uscht. Kurz vorher gab ihm die Sparkasse K&ouml;lnBonn noch einen 100 Millionen Euro-Kredit f&uuml;r den Weiterbau, die Stadt b&uuml;rgte daf&uuml;r. Die Investoren, die sich selbst bereichert hatten, fl&uuml;chteten ins Ausland. Im September dieses Jahres mussten der Bund und NRW nochmals 17 Millionen zuschie&szlig;en um den Bau fertigstellen zu k&ouml;nnen. Noch immer sitzen Bonner Subunternehmer auf unbezahlten Rechnungen. Einige Mitt&auml;ter wurden verhaftet und verurteilt. Die gut verdienenden Berater kamen meist ohne Strafe davon. <\/p><p><strong>2003: LKW-Maut (Toll Collect)<\/strong><br>\nDie Projektgesellschaft Toll Collect sollte laut Vertrag mit der SPD-gr&uuml;n gef&uuml;hrten Bundesregierung ab 1.8.2003 mithilfe von Satellitentechnik auf den Autobahnen eine streckenbezogene LKW-Maut erheben und durch einen Anteil aus den Mauteinnahmen bezahlt werden. Der 17.000-Seiten Vertrag, ausgehandelt von der Kanzlei Freshfields, ist auch hier geheim. Den Bundestagsabgeordneten und der &Ouml;ffentlichkeit sind wichtige Details unbekannt, etwa wie das Konsortium aus Daimler, Telekom und Cofiroute die mautbezogenen Daten weiterverwertet. Als das System zun&auml;chst 16 Monate lang nicht funktionierte und im Bundeshaushalt etwa 4 Milliarden fehlten, klagte der Verkehrsminister auf Schadenersatz, Zinsen und Konventionalstrafe. Das 2004 eingerichtete private Schiedsgericht hat bis heute keine Entscheidung gef&auml;llt. CSU-Verkehrsminister Ramsauer verhandelt bis heute geheim mit den Investoren und stellte ihnen nach Presseberichten in Aussicht, mindestens 4,5 der insgesamt 7 Milliarden Euro, die in der Bundeskasse fehlen, <a href=\"http:\/\/www.berliner-zeitung.de\/wirtschaft\/maut-system-toll-collect-bund-dealt-mit-konzernen,10808230,24602184.html\">zu erlassen<\/a>. Allein f&uuml;r die erfolglose Rechtsberatung zahlte die Bundesregierung bis 2012 97 Millionen Euro an private Berater, teilweise dieselben, die den Vertrag ausgehandelt hatten. <\/p><p><strong>2004: Erlebnisbad Atlantis Dorsten<\/strong><br>\nIm Sommer 2004 ging die Projektgesellschaft Atlantis Freizeit GmbH in die Insolvenz. Der Investor sollte das Freizeitbad sanieren und eine Saunalandschaft anbauen, die Stadt sollte 35 Jahre lang einen Zuschuss zahlen. Der Investor hatte mit gesch&ouml;nten Besucherzahlen und einem viel zu weit gefassten Einzugsgebiet kalkuliert und erh&ouml;hte die Eintrittspreise &ndash; daraufhin kamen aber noch weniger Besucher. Er hinterlie&szlig; nach zweieinhalb Jahren eine technisch vielfach mangelhafte Anlage. Dorsten gr&uuml;ndete den st&auml;dtischen B&auml;derbetrieb Atlantis und musste verlustreich neu anfangen. Seitdem l&auml;uft der Betrieb einwandfrei.<\/p><p><strong>2005: 90 Schulen Landkreis Offenbach<\/strong><br>\nMit allen 90 Schulen des Landkreises Offenbach ist es das gr&ouml;&szlig;te Schul-PPP-Projekt in Deutschland. Die Investoren Hochtief und SKE (Vinci, Frankreich) sollen von 2005 bis 2020 die Schulen sanieren und betreiben. Die PPP-L&ouml;sung sollte um 18,5 Prozent g&uuml;nstiger sein, bescheinigten f&uuml;r etwa 30 Millionen Euro die Berater wie BBD und Ernst &amp; Young, die Kanzlei Freshfields erhielt mindestens 7 Millionen Beraterhonorar. Durch Nachforderungen der Investoren stieg die Anfangsmiete von j&auml;hrlich 52 Millionen Euro (2005) auf 73 Millionen (2010). Die anf&auml;nglich vereinbarte Gesamtsumme aller Mieten w&uuml;rde sich so von 780 Millionen auf 1,3 Milliarden erh&ouml;hen. Um die Mieten zahlen zu k&ouml;nnen, werden u.a. einige hundert Arbeitspl&auml;tze in der Landkreisverwaltung abgebaut.<\/p><p><strong>2006 Rathaus Gladbeck<\/strong><br>\n2006 wurde das neue Rathaus der Stadt Gladbeck er&ouml;ffnet. Es wurde als erstes PPP-Verwaltungsgeb&auml;ude in NRW gelobt. Nach dem PPP-Muster baute der Investor Hochtief das Rathaus und vermietet es bis 2031 an die Stadt. Damit schnell und billig gereinigt werden kann, d&uuml;rfen die Besch&auml;ftigten im B&uuml;ro keine Pflanzen aufstellen. Die Mieten im Gesamtwert von etwa 100 Millionen Euro wurden an eine Bank verkauft (Forfaitierung mit Einredeverzicht) und verteuern die M&auml;ngelbeseitigung zulasten der Stadt. F&uuml;r das eingebaute Restaurant fanden sich nacheinander drei P&auml;chter, die alle nach kurzer Zeit aufgaben: Eine ausreichende Zahl an G&auml;sten kam an dieser Stelle nicht zustande. Jetzt stehen die R&auml;ume leer, f&uuml;r die die Stadt trotzdem Miete zahlen muss. Wie bei anderen PPP-Projekten muss die verschuldete Stadt f&uuml;r die Bezahlung der Mieten Kredite aufnehmen. Die daf&uuml;r anfallenden Zinsen gehen nicht in die &bdquo;g&uuml;nstige&ldquo; PPP-Kalkulation ein. <\/p><p><strong>2007 Digitales B&uuml;rgerportal W&uuml;rzburg<\/strong><br>\nIm Mai 2007 unterschrieb die W&uuml;rzburger CSU-Oberb&uuml;rgermeisterin den Vertrag mit Arvato, einer Tochtergesellschaft des TV- und Medienkonzerns Bertelsmann. Arvato sollte nach dem Muster e-government ein digitales B&uuml;rgerportal installieren, damit die B&uuml;rger per Internet mit der Stadtverwaltung bei Antr&auml;gen, Dokumentenerstellung usw. kommunizieren. Damit sollten auch Arbeitspl&auml;tze eingespart werden. Mithilfe des Modellprojekts wollte Bertelsmann auch bei anderen St&auml;dten zum Zuge kommen. Doch die Besch&auml;ftigten halfen nicht mit beim Abbau ihrer Arbeitspl&auml;tze. Es konnte z.B. nicht gekl&auml;rt werden, wie sich die B&uuml;rger f&auml;lschungssicher einloggen. Der Landesdatenschutzbeauftragte stellte fest: Die Datensicherheit ist nicht gew&auml;hrleistet. 2010 k&uuml;ndigte den Vertrag und forderte Nachzahlungen. Erst im September 2013 endete der privat und geheim durchgef&uuml;hrte Streit mit einem au&szlig;ergerichtlichen Vergleich. Die Stadt zahlt einen Betrag an Arvato, der &ouml;ffentlich nicht bekannt gegeben wurde.<\/p><p><strong>2008 Gesundheits- und B&auml;derpark Leimen<\/strong><br>\nDer PPP-Vertrag umfasste die Sanierung des Freizeit- und des Hallenbads und 30 Jahre Betrieb. Im Mai 2008, bereits ein Jahr nach Er&ouml;ffnung, erkl&auml;rte die Tochtergesellschaft des Investors, die s.a.b. aqua balance Gesundheits- und B&auml;derpark Leimen GmbH &amp; Co KG, gegen&uuml;ber der Stadt Leimen (Baden W&uuml;rttemberg): Es ergibt sich ein erhebliches Defizit, die Besucherzahlen sind niedriger als &bdquo;erwartet&ldquo;. Die Stadt m&uuml;sse zus&auml;tzlich zur vereinbarten Jahresmiete von 420.000 Euro noch 480.000 Euro dazuzahlen. Falls die Stadt nicht zustimme, werde das Bad geschlossen, die Stadt m&uuml;sse dann das Entgelt auszahlen, das bis 2037 angefallen w&auml;re. Diese Forderung ist m&ouml;glich auf Grundlage der PPP-&uuml;blichen &bdquo;Forfaitierung mit Einredeverzicht&ldquo;. Schlie&szlig;lich stieg s.a.b. aus und die Stadt &uuml;bernahm alle Verpflichtungen. s.a.b. ist nach einigen anderen solcher gescheiterten B&auml;derprojekte inzwischen pleite. Ex-Verteidigungsminister Scharping, der eine PPP-Beratungsfirma betreibt, war &uuml;brigens Mitglied im Beirat von s.a.b.<\/p><p><strong>2009: Messehallen K&ouml;ln<\/strong><br>\n2009 entschied der Europ&auml;ische Gerichtshof (EuGH), dass der Vertrag der Stadt K&ouml;ln mit dem Investor, der Oppenheim-Esch-Holding, unwirksam ist und abgewickelt werden muss: Der Auftrag war auf Anraten der Berater von Ernst &amp; Young nicht europaweit ausgeschrieben worden. K&ouml;ln hatte unter F&uuml;hrung des CDU-Oberb&uuml;rgermeisters die Bank beauftragt, neue Messehallen zu errichten und 30 Jahre an die st&auml;dtische Messegesellschaft zu vermieten. Die Miete h&auml;tte sich auf insgesamt mindestens 800 Millionen summiert, w&auml;hrend eine Eigenrealisierung etwa nur die H&auml;lfte gekostet h&auml;tte. Der jetzige SPD-Oberb&uuml;rgermeister verhandelt die Vertragsaufl&ouml;sung bisher so, dass die verm&ouml;genden Anleger des von der Bank gegr&uuml;ndeten Immobilienfonds (Madeleine Schickedanz, Thomas Middelhoff, Mitglieder Oppenheim-Familie&hellip;) nicht aussteigen und nicht auf ihre Steuervorteile verzichten m&uuml;ssen. So wird die verschuldete Stadt bisher insgesamt mit einem dreistelligen Millionenbetrag belastet. <\/p><p><strong>2010 Autobahn A 1 Hamburg &ndash; Bremen<\/strong><br>\nDer auch hier geheime PPP-Vertrag zwischen dem Bundesverkehrsministerium und dem Konsortialf&uuml;hrer Bilfinger Berger umfasst 36.000 Seiten. Er soll die 72 Kilometer-Strecke erneuern, erweitern und 30 Jahre lang betreiben, daf&uuml;r erh&auml;lt er wie bei Toll Collect einen prozentualen Anteil an der LKW-Maut. Der Investor schleuste m&ouml;glichst viele LKWs durch die schmalen Fahrbahnen der Baustellen, um m&ouml;glichst viel Maut erheben zu k&ouml;nnen. So wurde der Autobahnabschnitt zeitweise zur unfalltr&auml;chtigsten Stra&szlig;e in Deutschland. Da im Vertrag nicht gekl&auml;rt wurde, wer f&uuml;r die Verkehrsf&uuml;hrung und die Verkehrszeichen zust&auml;ndig ist, &uuml;bernahm die Bundesregierung die Kosten. Eine neu aufgetragene Fahrbahndecke wurde nach wenigen Monaten br&ouml;selig, Gutachter streiten sich. Dies alles zeigte sich schon zwei Jahre nach Baubeginn. Die eigens vom Investor gegr&uuml;ndete Projektgesellschaft A 1 Mobil GmbH hat gerade mal 26.000 Euro Eigenkapital und kann die Bundesregierung erpressen: Die Projektgesellschaft geht in die Insolvenz, wenn die Bundesregierung auf Nachforderungen nicht eingeht. Der Bundesrechnungshof monierte die Unwirtschaftlichkeit zulasten des Staates.<\/p><p><strong>2011 Elbphilharmonie Hamburg<\/strong><br>\nIm Oktober 2011 stellte der Investor Hochtief die Bauarbeiten ein. Die Hansestadt wollte nicht mehr auf die bisher &uuml;ber einhundert Nachforderungen eingehen, die von den Hochtief-Anw&auml;lten gestellt wurden. Seit Baubeginn haben sich die Kosten f&uuml;r den &ouml;ffentlichen Teil (Konzerts&auml;le) von 77 Millionen Euro auf 399 Millionen erh&ouml;ht. Der Senat hatte sich auf das Gutachten der Vergabespezialistin Dr. Jasper aus der Kanzlei Heuking &amp; Partner verlassen, wonach die Vertr&auml;ge wasserdicht seien. Doch das waren sie nicht, was leicht erkennbar gewesen w&auml;re, denn es wurde mit dem Bau begonnen, als die Planung noch unvollst&auml;ndig war. Der Senat hatte die Stararchitekten Herzog &amp; de Meuron herangezogen; neben drei Konzerts&auml;len haben sie ein F&uuml;nfsterne-Hotel und 47 Luxuseigentumswohnungen geplant, woraus auf dem Kaispeicher 1 am Hafen eine Attraktion von Weltformat entstehen sollte. Der Renditeanteil f&uuml;r Hochtief ist vertraglich festgeschrieben. Im eigens gebildeten parlamentarischen Untersuchungsausschuss wurde der Konzern Hochtief aufgrund seiner inzwischen mehreren hundert Nachforderungen als &bdquo;Anwaltskanzlei mit angeschlossener Bauabteilung&ldquo; bezeichnet. Als die Stadt nicht noch mehr zahlen wollte, stellte Hochtief die Bauarbeiten f&uuml;r anderthalb Jahre ein und verursachte dadurch zus&auml;tzliche Mehrkosten. Nach einer Einigung in Juni 2013 verzichtet Hamburg auf Schadenersatz und muss statt der urspr&uuml;nglichen 77 Millionen Euro nun 521 Millionen bezahlen. Wann die Philharmonie tats&auml;chlich er&ouml;ffnet wird, ist unklar.<\/p><p><strong>Siehe dazu auch die Rubrik &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?cat=28\">Privatisierung<\/a>&ldquo; auf den NachDenkSeiten.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die CDU\/CSU lehnt bisher in den Koalitionsverhandlungen Steuererh&ouml;hungen f&uuml;r die hohen Einkommensbezieher und auf Kapitaleinkommen strikt ab. 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