{"id":19177,"date":"2013-11-07T09:00:52","date_gmt":"2013-11-07T08:00:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19177"},"modified":"2013-11-07T09:00:52","modified_gmt":"2013-11-07T08:00:52","slug":"hinweise-des-tages-2002","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19177","title":{"rendered":"Hinweise des Tages"},"content":{"rendered":"<p>Hier finden Sie einen &Uuml;berblick &uuml;ber interessante Beitr&auml;ge aus anderen Medien und Ver&ouml;ffentlichungen. Wenn Sie auf &ldquo;weiterlesen&rdquo; klicken, &ouml;ffnet sich das Angebot und Sie k&ouml;nnen sich aussuchen, was Sie lesen wollen. (RS\/WL)<br>\n<!--more--><br>\nHier die &Uuml;bersicht. Sie k&ouml;nnen mit einem Klick aufrufen, was Sie interessiert.<\/p><ol>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19177#h01\">Koalitionsverhandlungen: Berichte aus den Arbeitsgruppen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19177#h02\">Innenminister Friedrich greift nach Maut-Daten<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19177#h03\">Rabattschlacht in vollem Gange<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19177#h04\">Mindestlohn<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19177#h05\">Charit&eacute;-Tochter unter Verdacht: Hat die CFM Betriebsr&auml;te unzul&auml;ssig beeinflusst?<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19177#h06\">Infinus soll 25.000 Anleger betrogen haben<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19177#h07\">Das Einmaleins der sch&auml;dlichen Export&uuml;bersch&uuml;sse<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19177#h08\">Der transatlantische Freihandelsbluff<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19177#h09\">Informationsdominanz der USA: Im Zeitalter der Metadaten<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19177#h10\">Buchbesprechung: &ldquo;Schmutzige Kriege. Amerikas geheime Kommandoaktionen&rdquo;<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19177#h11\">Sonderweg der Kirchen &ndash; Sozialethiker warnt vor einem Glaubw&uuml;rdigkeitsproblem<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19177#h12\">Stuttgart 21: Dietrichs Pyrrhussieg<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19177#h13\">Profitcenter Universit&auml;t<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19177#h14\">Zwischenbilanz Ganztagsgrundschulen: Betreuung oder Rhythmisierung?<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19177#h15\">Kinofilm zur Bildung: Die neuen Schulver&auml;chter<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19177#h16\">R&uuml;ckkehr nach Fukushima undenkbar<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19177#h17\">Bill de Blasio ist neuer B&uuml;rgermeister von New York<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19177#h18\">Arafat und der 18-fache Polonium-Wert<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19177#h19\">Eine Jugend als Jude im Wedding: Wir zogen jeden Tag in den Krieg<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19177#h20\">Heute vor 100 Jahren wurde in Albert Camus in Algerien geboren<\/a><\/li>\n<\/ol><p><em><strong>Vorbemerkung:<\/strong> Wir kommentieren, wenn wir das f&uuml;r n&ouml;tig halten. Selbstverst&auml;ndlich bedeutet die Aufnahme in unsere &Uuml;bersicht nicht in jedem Fall, dass wir mit allen Aussagen der jeweiligen Texte einverstanden sind. Wenn Sie diese &Uuml;bersicht f&uuml;r hilfreich halten, <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19177&amp;email=1\">dann weisen Sie doch bitte Ihre Bekannten auf diese M&ouml;glichkeit der schnellen Information hin<\/a>.<\/em><\/p><ol>\n<li><a name=\"h01\"><\/a><strong>Koalitionsverhandlungen: Berichte aus den Arbeitsgruppen<\/strong><br>\nQuelle 1: <a href=\"http:\/\/www.spd.de\/scalableImageBlob\/111418\/data\/20131105_bericht_koav-data.pdf\">SPD.de [PDF &ndash; 264 KB]<\/a><br>\nQuelle 2: <a href=\"http:\/\/www.spd.de\/scalableImageBlob\/111420\/data\/20131103_eckpunktepapier_ag_aussenpolitik-data.pdf\">Eckpunktepapier AG Au&szlig;enpolitik, SPD.de [PDF &ndash; 153 KB]<\/a><br>\nQuelle 3: <a href=\"http:\/\/www.spd.de\/linkableblob\/111432\/data\/20131105_gesamtdokument_ag_wirtschaft.pdf\">Eckpunktepapier AG Wirtschaft, SPD.de [PDF &ndash; 183 KB]<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung WL:<\/strong> Die SPD wollte ja angeblich nur in eine Gro&szlig;e Koalition gehen, wenn es einen echten Politikwechsel gibt. Aber was erfahren wir bisher aus den Koalitionsverhandlungen, es sind kleine Br&ouml;ckchen, &uuml;ber die wirklich wichtigen Fragen einer anderen Wirtschafts- und Europapolitik, &uuml;ber einen Abbau der Exportorientierung, &uuml;ber die Verbesserung der Binnennachfrage, &uuml;ber eine wirkliche Pflegereform, &uuml;ber eine bessere Rentenpolitik etc. erfahren wir nichts.<\/em><\/p><\/li>\n<li><a name=\"h02\"><\/a><strong>Innenminister Friedrich greift nach Maut-Daten<\/strong><br>\nVon Reisenden auf deutschen Autobahnen k&ouml;nnten demn&auml;chst umfassende Bewegungsprofile erstellt werden. Nach Pl&auml;nen von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sollen Sicherheitsbeh&ouml;rden k&uuml;nftig auf Millionen Datens&auml;tze aus dem Mautsystem zugreifen k&ouml;nnen. Dies geht aus einem Forderungskatalog der Union f&uuml;r die Arbeitsgruppe Innen und Justiz der Koalitionsverhandlungen hervor. Das Papier liegt SPIEGEL ONLINE vor.<br>\nBislang d&uuml;rfen die Mautdaten des Betreiberkonsortiums Toll Collect ausschlie&szlig;lich zur Bezahlung der Lkw-Autobahngeb&uuml;hren genutzt werden. Die Union bem&auml;ngelt, dass eine Weitergabe an andere &Auml;mter strikt untersagt ist&hellip;<br>\nFriedrich will nun die strenge Zweckbindung aufheben und so die Daten den Sicherheitsbeh&ouml;rden zug&auml;nglich machen.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/ueberwachung-innenminister-friedrich-fordert-zugriff-auf-maut-daten-a-931952.html\">Spiegel Online<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung WL:<\/strong> Es k&ouml;nnte also dazu kommen, was schon von Anfang an zu bef&uuml;rchten war: Toll Collect als Instrument zur Erfassung von Bewegungsprofilen. Und was f&uuml;r LKWs m&ouml;glich ist d&uuml;rfte bald auch f&uuml;r PKWs gelten.<\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/131107_01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.harmbengen.de\/Zeitungscartoons.html\">Harm Bengen<\/a><\/p><\/li>\n<li><a name=\"h03\"><\/a><strong>Rabattschlacht in vollem Gange<\/strong><br>\nDie deutsche Industrie wehrt sich gegen &Uuml;berlegungen aus dem Bundesumweltministerium, die milliardenschweren Rabatte bei den &Ouml;kostrom-F&ouml;rderkosten zusammenzustreichen.<br>\nDer Pr&auml;sident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans J&uuml;rgen Kerkhoff, warnte vor einer &ldquo;reinen Umverteilung der Kosten durch Einschnitte in die Entlastungen der energieintensiven Industrien&rdquo;. Dies sei keine L&ouml;sung. Auch der Chemie-Verband VCI schlug Alarm&hellip;<br>\nUnternehmen mit einem besonders hohen Stromverbrauch zahlen derzeit nur 0,05 Cent &Ouml;kostrom-Umlage je Kilowattstunde, Normalb&uuml;rger hingegen im laufenden Jahr 5,23 Cent. Durch die Ausweitung der Industrie-Rabatte steigen f&uuml;r sie die Kosten. Insgesamt belaufen sich die Privilegien f&uuml;r die Unternehmen derzeit auf etwa f&uuml;nf Milliarden Euro bei rund 2300 Firmen.<br>\nDie jetzt diskutierten &Auml;nderungen bei der &Ouml;kostrom-Umlage sind auch eine Reaktion auf ein sogenanntes Beihilfeverfahren von Seiten der EU. Die Br&uuml;sseler Kommission hat die Ausnahmen f&uuml;r die Industrie bei der &Ouml;kostromf&ouml;rderung schon l&auml;nger im Visier. Mit einer Entscheidung von Wettbewerbskommissar Joaqu&iacute;n Almunia wird in K&uuml;rze gerechnet.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/energie-rabatte104.html\">Tagesschau.de<\/a>\n<p><strong>Dazu: Kraft will Industrie-Rabatte retten<\/strong><br>\nGleich am Mittwochmorgen l&auml;dt Kraft eiligst zum Pressegespr&auml;ch in die D&uuml;sseldorfer Staatskanzlei. Die wichtigste Botschaft: Das zitierte Papier sei alt und nicht Gegenstand der Verhandlungen. Kraft sagt, das Papier aus dem Umweltministerium stamme aus der Zeit, als Altmaier vor einem Dreivierteljahr seine Strompreisbremse vorgeschlagen habe. Die scheiterte im Bundesrat, unter anderem am Widerstand von NRW. Bei den Verhandlungen in der Energie-Arbeitsgruppe der m&ouml;glichen Koalition&auml;re spiele das Papier &ldquo;keine Rolle&rdquo;. Fast zeitgleich dementierte auch Peter Altmaier die Berichte.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www1.wdr.de\/themen\/politik\/energiewende304.html\">WDR<\/a><\/p>\n<p><em><strong>Anmerkung:<\/strong> Die nordrhein-westf&auml;lische Ministerpr&auml;sidentin entpuppt sich immer mehr als Lobbyistin der Energiewirtschaft und der Industrie. Mit einer Gro&szlig;en Koalition sieht es d&uuml;ster aus f&uuml;r eine Energiewende. Nach Frau Kraft d&uuml;rfen die Verbraucher ruhig in diesem Jahr 5 und im n&auml;chsten Jahr 7 Milliarden Subventionen f&uuml;r die Wirtschaft zahlen.<\/em><\/p><\/li>\n<li><a name=\"h04\"><\/a><strong>Mindestlohn<\/strong>\n<ol type=\"a\">\n<li><strong>Mindestlohn: 8,50 Euro pro Stunde sind kein europ&auml;ischer Spitzenwert<\/strong><br>\nEntgegen anderslautenden Medienberichten w&uuml;rde Deutschland mit der Einf&uuml;hrung eines gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro pro Stunde keinen europ&auml;ischen Spitzenplatz einnehmen. Zu diesem Ergebnis kommt das WSI in der Hans-B&ouml;ckler-Stiftung in einem aktuellen Vergleich der Mindestl&ouml;hne in Europa. Deutschland l&auml;ge mit einem Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde noch deutlich unterhalb des Mindestlohnniveaus in anderen westeurop&auml;ischen Staaten. Dies gilt erst recht, wenn man die entsprechende Kaufkraft des Mindestlohns ber&uuml;cksichtigt. Auch gemessen am Medianlohn, dem mittleren Stundenlohn, den Besch&auml;ftigte erhalten, stellen 8,50 Euro keineswegs einen ungew&ouml;hnlich hohen Wert da.<br>\nVon den insgesamt 21 EU-Staaten, die &uuml;ber einen gesetzlichen Mindestlohn verf&uuml;gen, liegt dieser in f&uuml;nf Staaten oberhalb von 8,50 Euro. Hierzu geh&ouml;ren Luxemburg mit einem Spitzenwert von 11,10 Euro, sowie Belgien, die Niederlande und Frankreich mit Werten zwischen 9,07 und 9,43 Euro. Selbst im krisengeplagten Irland liegt der Mindestlohn mit 8,65 Euro noch oberhalb der in Deutschland derzeit diskutierten Marke.<br>\nWeitere Einzelheiten im Netz unter:<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/2877_44650.htm\">WSI<\/a> \n<p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/131107_02.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/131107_02_small.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/pm_wsi_ta_2013_11_06.pdf\">WSI, die Pressemeldung im Wortlaut mit drei Grafiken [PDF &ndash; 610 KB]<\/a><\/p><\/li>\n<li><strong>Mindestlohn: Die FAS erfindet sich die Wirklichkeit<\/strong><br>\nAm Sonntag durfte sich Christian Siedenbiedel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) eine ganze Zeitungsseite &uuml;ber den von SPD, Union und Gewerkschaften anvisierten Mindestlohn von 8,50 Euro ausbreiten. Er nannte das &ldquo;Faktencheck&rdquo;. Das klingt bei ihm in der FAS dann unter anderem so: &ldquo;Zum einen gibt es L&auml;nder wie Frankreich, in denen der Mindestlohn Arbeitspl&auml;tze kostet. Zum anderen kann man das Beispiel England unterschiedlich deuten: Wenn man das neoklassische Modell verteidigen will, kann man sagen, in England liegt der Mindestlohn mit umgerechnet 7,42 Euro eben unter dem Gleichgewichtslohn, deshalb ist nicht viel passiert &ndash; in Frankreich liegt er mit 9,43 Euro dar&uuml;ber, deshalb gibt es dort etwa eine hohe Jugendarbeitslosigkeit. Genau so prognostiziert es die Theorie.&rdquo; 1. Frage: Warum aber liegt in England dann die Jugendarbeitslosigkeit nach der aktuellsten, am 31. Oktober ver&ouml;ffentlichten Meldung des europ&auml;ischen Amts f&uuml;r Statistik, Eurostat, mit 20,9 Prozent gar nicht soweit unter der Jugendarbeitslosigkeit Frankreichs mit 26,1 Prozent? 2. Frage: Und warum liegt die Jugendarbeitslosigkeit in Zypern, eines der wenigen L&auml;nder in der EU, die wie Deutschland keinen fl&auml;chendeckenden Mindestlohn haben (1), bei 43,9 Prozent? 3. Frage: Warum ist in Luxemburg, dem Land mit dem h&ouml;chsten gesetzlichen Mindestlohn, die Jugendarbeitslosigkeit geringer als in Rum&auml;nien, dem Land mit dem niedrigsten Mindestlohn (1)? 4. Frage: Und zu guter letzt, warum sollte die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Frankreich am Mindestlohn liegen, gilt der Mindestlohn in Frankreich doch ausdr&uuml;cklich nicht f&uuml;r Jugendliche?<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.wirtschaftundgesellschaft.de\/2013\/11\/zitat-des-tagesmindestlohnfas-christian-siedenbiedel-erfindet-sich-die-wirklichkeit\/\">Wirtschaft und Gesellschaft<\/a><\/li>\n<li><strong>&ldquo;Ein Sklavenleben&rdquo; &ndash; wie die Putz-Branche Mindestlohn umgeht<\/strong><br>\n&ldquo;Jedesmal wenn es eine tarifliche Lohnerh&ouml;hung gibt, werden unsere Arbeitszeiten gek&uuml;rzt&rdquo;, sagt Dietrich, &ldquo;dann muss eine komplette Krankenhaus-Station eben in drei statt dreieinhalb Stunden geschafft werden&rdquo;. Eine ganze Station pro Putzfrau. 20 bis 25 Zimmer wischen, B&auml;der putzen, Duschen, Toiletten. Und das unter den Hygiene-Bedingungen eines Krankenhauses. &ldquo;Aber man schafft das nicht. Es ist zeitlich nicht zu schaffen. Also bleibt uns nichts anderes als der K&ouml;lsche Wisch, ab durch die Mitte eben. Mit schlechtem Gewissen&rdquo;, sagt Dietrich.<br>\nUm den Job behalten zu k&ouml;nnen, w&uuml;rden viele Frauen einfach jeden Tag unbezahlt l&auml;nger putzen. Besser ein schlechter Job als gar keiner. Es ist die Angst, die diese Branche pr&auml;gt. Und das, obwohl sie sich offiziell sogar an einen Mindestlohn von neun Euro die Stunde h&auml;lt. Die Realit&auml;t jedoch ist oft eine andere&hellip;<br>\nSelbst der Innungsverband des Geb&auml;udereiniger-Handwerks best&auml;tigt, dass solche &ldquo;Vorw&uuml;fe nicht neu und zum Teil wahrscheinlich berechtigt sind&rdquo;.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.derwesten.de\/region\/rhein_ruhr\/ein-sklavenleben-wie-die-putz-branche-mindestlohn-umgeht-id8635347.html#plx682296937\">Der Westen<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li><a name=\"h05\"><\/a><strong>Charit&eacute;-Tochter unter Verdacht: Hat die CFM Betriebsr&auml;te unzul&auml;ssig beeinflusst? <\/strong><br>\nSeit der Ausgr&uuml;ndung der Charit&eacute;-Tochter CFM herrscht Streit: Zuerst k&auml;mpften die Mitarbeiter monatelang gegen Billigl&ouml;hne, jetzt besteht der Verdacht, dass die Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung der CFM Betriebsr&auml;te durch Lohnerh&ouml;hungen unzul&auml;ssig beeinflusst hat.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.rbb-online.de\/klartext\/archiv\/20131106_2215\/charite-tochter-unter-verdacht.html\">RBB<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung des Co-Autors Hermann M&uuml;ller:<\/strong> Die fristlose K&uuml;ndigung eines Betriebsrates k&ouml;nnte sich f&uuml;r die Charit&egrave; Faciliy Management GmbH (CFM) &ndash; eine Tochter der Charit&eacute; mit rund 2.500 Mitarbeitern &ndash; als Bumerang erweisen. Das Mitglied im Betriebsrat soll nach Darstellung der CFM w&auml;hrend einer Betriebsversammlung behauptet haben, &bdquo;die Gesch&auml;ftf&uuml;hrung hat Teile des Betriebsrates gekauft&ldquo;. Der Betroffene bestreitet diese Formulierung, doch Recherchen von Ursula Sieber und mir f&uuml;r das RBB Fernsehmagazins KLARTEXT st&uuml;tzen genau diesen Verdacht, der dem Betriebsrat zur Last gelegt wird.<\/em><br>\n<em>So erhielt eine Betriebsr&auml;tin, die 2011 Mitarbeiter vom Streik abgehalten haben soll, ihn sogar f&uuml;r illegal erkl&auml;rt haben soll, in zeitlicher N&auml;he zur Arbeitsniederlegung eine Gehaltserh&ouml;hung um 50 Prozent. Auf unsere Anfrage bestritt die CFM, es bestehe ein Zusammenhang zwischen dem Streik und der Lohnerh&ouml;hung. Ein Interview lehnte die CFM ebenso ab wie die Charit&eacute; als Mehrheitsgesellschafterin. Dagegen &uuml;bt die Gewerkschaft Verdi scharfe Kritik.<\/em><br>\n<em>Die umstrittene CFM wurde 2006 gegr&uuml;ndet, sie besch&auml;ftigt Mitarbeiter aus medizinfernen Berufen wie Reinigung, Service, Technik Bau, Wachschutz, Transport, teilweise zu Niedrigl&ouml;hnen. Immer wieder gab es heftige Auseinandersetzungen um Leiharbeiter, befristete Arbeitsvertr&auml;ge, Minijobs, schlechte Bezahlung. Mitarbeiter beklagen eine Klima der Angst und Einsch&uuml;chterung, Kritik wird nur hinter vorgehaltener Hand ge&uuml;bt. Die Charit&eacute; h&auml;lt 51 Prozent der Anteile, die restlichen Anteile halten Vamed (Tochter von Fresenius), Dussmann und Hellmann Logostics.<\/em><\/p><\/li>\n<li><a name=\"h06\"><\/a><strong>Infinus soll 25.000 Anleger betrogen haben<\/strong><br>\nDie Finanzfirmengruppe Infinus soll Anleger im gro&szlig;en Stil betrogen haben. Bei Razzien wurde Beweismaterial sichergestellt und sechs Deutsche festgenommen. Bei den Vorw&uuml;rfen geht es um ein Volumen von 400 Millionen Euro&hellip;.<br>\n&bdquo;Der Fall Infinus hat aber auch eine &uuml;bergeordnete Komponente: Er zeigt einmal mehr deutlich die Missst&auml;nde am so genannten grauen Kapitalmarkt. Der ist ein regelrechtes Eldorado f&uuml;r Anlagebetr&uuml;ger. Gerade Privatanleger werden hier Jahr f&uuml;r Jahr konsequent &uuml;bers Ohr gehauen und verlieren Milliardensummen. In vielen Bereichen des grauen Markts hat der Gesetzgeber viel zu lange weggeschaut&ldquo;, sagt Anwalt Nieding.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/finanzen\/recht-steuern\/anleger-und-verbraucherrecht\/finanzdienstleister-infinus-soll-25-000-anleger-betrogen-haben\/9036296.html\">Handelsblatt<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung WL:<\/strong> Das Handelsblatt fragt zu Recht: Wo war eigentlich die Finanzaufsicht?<\/em><\/p><\/li>\n<li><a name=\"h07\"><\/a><strong>Das Einmaleins der sch&auml;dlichen Export&uuml;bersch&uuml;sse<\/strong><br>\nDie Nettoexporte entsprechen den volkswirtschaftlichen Ersparnissen abz&uuml;glich der Investitionen. Warum nur geht diese einfache Identit&auml;t in der Debatte &uuml;ber problematische Export&uuml;bersch&uuml;sse immer vergessen? Was l&auml;sst sich aus den obigen Identit&auml;ten mit Bezug auf die Debatte &uuml;ber die Au&szlig;enhandels&uuml;bersch&uuml;sse zum Beispiel von Deutschland folgern?<br>\nExport&uuml;bersch&uuml;ssen stehen immer Import&uuml;bersch&uuml;sse (bzw. Leistungsbilanzdefizite) anderer L&auml;nder gegen&uuml;ber.<br>\nLeistungsbilanzdefizite bedeuten f&uuml;r die betroffenen L&auml;nder eine geringere Nachfrage nach der inl&auml;ndischen Produktion zugunsten jener der L&auml;nder mit Export&uuml;bersch&uuml;ssen und damit eine h&ouml;here Arbeitslosigkeit. Verhindert werden kann die h&ouml;here Arbeitslosigkeit nur, wenn eine gesteigerte Nachfrage durch eine steigende private und &ouml;ffentliche Verschuldung zu einem &uuml;berm&auml;&szlig;igen und nicht nachhaltigen Wachstum f&uuml;hrt.<br>\nExport&uuml;bersch&uuml;sse widerspiegeln eine ungen&uuml;gende Binnennachfrage.<br>\nDen Bewohnern eines Landes mit Export&uuml;bersch&uuml;ssen kommen nicht alle Fr&uuml;chte ihrer Arbeit zugute.<br>\nExport&uuml;bersch&uuml;sse sind nicht Ausdruck einer besonderen Leistungsf&auml;higkeit oder Produktivit&auml;t der Unternehmen eines Landes.<br>\nDie Leistungsf&auml;higkeit ist zentral f&uuml;r die Wettbewerbsf&auml;higkeit, was die Exporte erh&ouml;hen kann. &Uuml;bersch&uuml;sse sind aber nicht die Konsequenz der Leistungsf&auml;higkeit, sondern des Umstands, dass deren Fr&uuml;chte unzureichend den Konsumenten im Inland zugutekommen.<br>\nExport&uuml;bersch&uuml;sse sind kein Hinweis auf den Vorteil des internationalen Handels bzw. komparativer Kostenvorteile, wie das Beat Kappeler absurderweise in seiner Kolumne in der NZZ am Sonntag suggeriert hat. Der Vorteil des internationalen Handels gem&auml;&szlig; dieser auf David Ricardo zur&uuml;ckgehenden Theorie liegt in der Konzentration jedes Landes auf jene Bereiche, in denen es (relativ zu anderen Bereichen) am produktivsten ist. Aber der Zweck des Handels ist immer, etwas f&uuml;r das Verkaufte einzutauschen und nicht, Devisen durch Export&uuml;bersch&uuml;sse anzusammeln, und dadurch das Ausland mit Krediten zu versorgen.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/blog.fuw.ch\/nevermindthemarkets\/index.php\/33571\/das-einmaleins-der-schaedlichen-exportueberschuesse\/\">Never Mind The Markets<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h08\"><\/a><strong>Der transatlantische Freihandelsbluff<\/strong><br>\n&bdquo;Bis zu 400.000 neue Arbeitspl&auml;tze&ldquo;, verhie&szlig; Angela Merkels noch gesch&auml;ftsf&uuml;hrender Wirtschafts-R&ouml;sler schon im Juli, wenn man das Vorhaben nur &bdquo;ambitioniert&ldquo; vorantreibe. Nach Meinung der Kanzlerin w&auml;re das &bdquo;ein Riesenschritt nach vorne&ldquo;. Auch US-Pr&auml;sident Barack Obama erwartet zus&auml;tzlich &bdquo;Hunderttausende von Jobs auf beiden Seiten des Atlantiks&ldquo;.&nbsp; Eine &bdquo;Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft&ldquo;, im englischen Akronym TTIP genannt, soll das Wunder vollbringen, eine Art Superfreihandelszone vom Pazifik ostw&auml;rts bis zum Schwarzen Meer. Wenn diese erst mal vereinbart sei, so k&uuml;ndete EU-Handelskommissar Karel Gucht, &bdquo;k&ouml;nnten wir unsere Wirtschaft um 119 Milliarden Euro pro Jahr ankurbeln&ldquo;. Das entspreche &bdquo;einem j&auml;hrlichen Zusatzeinkommen von 500 Euro pro Familie&ldquo;, sei also &bdquo;eine Art Konjunkturpaket, ohne dass daf&uuml;r Steuergelder aufgebracht werden m&uuml;ssen&ldquo;. Das klingt gut. Aber wie wollen die Wirtschaftsstrategen das anstellen? Der transatlantische Handel ist ja nicht gerade unterentwickelt. Es k&ouml;nnte jedoch noch viel mehr sein, behauptet die transatlantische Allianz der Wirtschaftslobbyisten. Denn noch immer werden Europa und die USA &auml;rgerlicherweise getrennt regiert. Darum gibt es eine F&uuml;lle unterschiedlicher Vorschriften. Das kostet. Au&szlig;erdem gibt es viele Auflagen, um die B&uuml;rger vor Aussp&auml;hung, Betrug oder Gesundheitssch&auml;den zu sch&uuml;tzen. Auch behalten sich viele EU-L&auml;nder vor, ihre staatlichen Auftr&auml;ge an Bedingungen zu kn&uuml;pfen, etwa die Tarifbindung der L&ouml;hne. Und dann betreiben sie auch noch die Daseinsvorsorge &ndash; von der Bildung bis zur Gesundheitsversorgung &ndash; in staatlicher Regie, anstatt dies dem Markt zu &uuml;berlassen. All diese &bdquo;nicht-tarif&auml;ren Handelsbarrieren&ldquo; wollen die EU-Kommission und die US-Regierung nun wegverhandeln. Fragt sich nur, wie das Jobs schaffen soll. EU-Kommissar Gucht verweist dazu auf eine eigens erstellte Studie internationaler &Ouml;konomen. Doch deren Lekt&uuml;re ger&auml;t zur Enth&uuml;llung. Denn selbst im besten Fall erwarten die Autoren nach Abschluss des geplanten Megavertrags eine Steigerung der EU-Wirtschaftsleistung um gerade mal 0,5 Prozent. Das sind jene 119 Milliarden Euro, die der Kommissar verspricht. Dumm nur, das dieser Vorgang mindestens zehn Jahre dauern soll. &ndash; Da liegt der Verdacht nahe, dass ganz andere Interessen im Spiel sind.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/meinung\/handelszone-ttip-der-transatlantische-freihandelsbluff\/9037908.html\">Tagesspiegel<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:<\/strong> Es war einmal ein anderes Projekt, genannt der Europ&auml;ische Binnenmarkt, das seinerzeit in &auml;hnlicher Weise mit gro&szlig;en Versprechungen vorangetrieben wurde. In zahlreichen wissenschaftlichen Studien wurden die zu erwartenden positiven mikro- und makro&ouml;konomischen Auswirkungen propagiert. Die Beseitigung nichttarif&auml;rer Handelshindernisse, die gegenseitige Anerkennung von Normen und Standards statt langwieriger Harmonisierungsbem&uuml;hungen, die Liberalisierung des Dienstleistungssektors und des &ouml;ffentlichen Beschaffungswesens w&uuml;rden mehr Wettbewerb nach sich ziehen, den Unternehmen Gr&ouml;&szlig;envorteile bescheren, Effizienz und Produktivit&auml;t steigern, Preise und Kosten senken, die Spezialisierung entlang komparativer Vorteile f&ouml;rdern und damit Wachstumseffekte bewirken. Die Liberalisierung der G&uuml;ter-, Dienstleistungs- und Faktorm&auml;rkte sollte laut Cecchini-Bericht (1988) im Wesentlichen &uuml;ber Kostendegressionseffekte innerhalb einer sechsj&auml;hrigen &Uuml;bergangszeit (1993-99) ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von mindestens 4,5% und 1,8 Mio. zus&auml;tzliche Arbeitspl&auml;tze gegen&uuml;ber dem status-quo schaffen. Die Mehrheit quantitativ-empirischer Studien kann f&uuml;r diesen Zeitraum keinen langfristigen Wachstumseffekt nachweisen. Wenn es denn Kostendegressionseffekte in der gewerblichen Wirtschaft gegeben hat, so wurden sie an den Verbraucher nicht weitergegeben, wie im neoklassischen Modell vorgesehen. Daf&uuml;r spricht die beklagte oligopolistische Struktur der M&auml;rkte. Wie hei&szlig;t es im Zwischenbericht zum Binnenmarkt des oben zitierten Herrn Monti: &bdquo;&hellip;. Im wirklichen Leben l&auml;uft es aber nur selten so glatt.&ldquo; (Monti 1997). Auch dieses Mal behauptet Aart De Geus, Vorstandschef der Bertelsmann-Stiftung, auf der Grundlage einer Ifo-Studie: &ldquo;Gewinnen w&uuml;rden nicht nur Gro&szlig;konzerne, sondern insbesondere der Mittelstand.&rdquo; Die Einkommen w&uuml;rden fast durchg&auml;ngig steigen. Nur musste die EU-Kommission auch beim Binnenmarktprojekt einr&auml;umen, zu ihrer gro&szlig;en Entt&auml;uschung h&auml;tten Gro&szlig;unternehmen eher als Klein- und Mittelbetriebe von den Chancen des Binnenmarktes profitiert. Was Wunder, der erhoffte st&auml;rkeren Preis- oder Qualit&auml;tswettbewerb trat nicht ein. Generell zogen die Unternehmen es vor, ihre Konkurrenten zu &uuml;bernehmen, als sich auf einen neuen europ&auml;ischen Wettbewerb einzulassen. Machen wir uns nicht vor, wie seinerzeit das Gro&szlig;kapital, welches im European Round Table of Industrialists (ERT) das Binnenmarktprojekt initiierte, dann auch am meisten von dem Projekt profitierte, so wird auch dieses Mal die Gro&szlig;e Industrie beiderseits des Atlantiks den Kuchen unter sich aufteilen. &ndash; Da n&uuml;tzt es auch nichts, dass die US-Regierung bzw. das US-Finanzministerium die merkantilistische Ausrichtung deutscher Politik nicht ganz geheuer ist.<\/em><\/p><\/li>\n<li><a name=\"h09\"><\/a><strong>Informationsdominanz der USA: Im Zeitalter der Metadaten<\/strong><br>\nMitten im Ger&ouml;ll, unter sengender Hitze hat die Regierung das gr&ouml;&szlig;te weltweit bekannte Rechenzentrum errichtet. Das Geb&auml;ude tr&auml;gt den sperrigen Namen &raquo;Intelligence Community Comprehensive National Cybersecurity Initiative Data Center&laquo;, zu deutsch etwa &raquo;&Uuml;bergreifendes Geheimdienstzentrum f&uuml;r die nationale Cybersicherheit&laquo;. Der Name ist Programm.&nbsp; Die National Security Agency (NSA), als Auslandsgeheimdienst zust&auml;ndig f&uuml;r die &Uuml;berwachung und Analyse elektronischer Kommunikation, braucht die Anlage f&uuml;r ihre uferlosen Abh&ouml;rprogramme. Sie gilt als zuk&uuml;nftige &raquo;Cloud&laquo;, als Datenwolke des Milit&auml;rs. Gemeint ist die M&ouml;glichkeit eines gigantischen zentralen Speichers, auf den aus der Ferne zugegriffen werden kann. Verarbeitet werden Informationen von Spionagesatelliten, abgeh&ouml;rten &Uuml;berseekabeln oder jene Daten, die Anbieter von Internetdiensten freiwillig oder unfreiwillig &uuml;ber ihre Nutzer herausgeben. Nach unterschiedlichen Angaben ist die Anlage bis zu 150000 Quadratmeter gro&szlig;. Nach einem gern bem&uuml;hten Vergleich entspricht das 20 Fu&szlig;ballfeldern. Die erwarteten Stromkosten sind immens, die Rede ist von 40 Millionen US-Dollar pro Jahr, die f&uuml;r die 65 Megawatt &ndash; was in etwa dem Verbrauch von 20000 deutschen Durchschnittshaushalten entspricht &ndash; zu Buche schlagen. Zudem werden jede Minute 4500 Liter K&uuml;hlwasser f&uuml;r Server und Computer ben&ouml;tigt. Was die rund zwei Milliarden Dollar teure Rechenfabrik leisten soll, hatte das US-Verteidigungsministerium schon 2007 verk&uuml;ndet: die Verarbeitung von Datenmengen im Yottabyte-Bereich. F&uuml;r den gew&ouml;hnlichen Internetnutzer sind dies schier unvorstellbare Dimensionen. Ein Beispiel: 2015 soll der globale Internetverkehr 1000 Exabyte betragen, was eine Billion Gigabyte bzw. einem Zettabyte entspr&auml;che. Das neue Datenzentrum ist f&uuml;r die tausendfache Menge ausgelegt&hellip;<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2013\/10-23\/054.php\">junge Welt<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h10\"><\/a><strong>Buchbesprechung: &ldquo;Schmutzige Kriege. Amerikas geheime Kommandoaktionen&rdquo;<\/strong><br>\nDer amerikanische Journalist Jeremy Scahill berichtet in seinem aktuellen Buch von Todeslisten, Spezialkommandos und Geheimgef&auml;ngnissen der USA. Er kommt in &ldquo;Schmutzige Kriege&rdquo; zu dem Schluss: Was unter der Regierung Bush begann, wurde unter seinem Nachfolger Obama perfektioniert. &ldquo;Schmutzige Kriege&rdquo; ist eine Mischung aus Dokudrama und investigativer Reportage auf &uuml;ppigen 600 Seiten. Das Buch polarisierte die Meinungen in Amerika &ndash; und landete weit oben auf den Bestsellerlisten. Scahill ist nicht nur ein akribischer Rechercheur, sondern auch ein routinierter Erz&auml;hler. Sein Buch folgt zwei Str&auml;ngen, die er chronologisch begleitet und am Ende zusammenf&uuml;hrt. Da ist zum einen die Geschichte von Anwar al-Awlaki, dem islamischen Extremisten und Hassprediger. Awlaki war der erste amerikanische Staatsb&uuml;rger, den die Regierung gezielt t&ouml;ten lie&szlig;. Und da ist zum anderen die Geschichte eines US-Sonderkommandos, das die Eliteeinheiten verschiedener Teilstreitkr&auml;fte b&uuml;ndelt: das Joint Special Operations Command, kurz: JSOC. Die Schw&auml;che des Buches ist es, dass der Autor keine wirkliche Alternative f&uuml;r eine Terrorbek&auml;mpfung im 21. Jahrhundert anbietet, sondern sich in der moralischen Verurteilung gen&uuml;gt. Seine St&auml;rke ist, dass es aufkl&auml;rt, entbl&ouml;&szlig;t und ern&uuml;chtert &ndash; und sich dabei &uuml;ber weite Strecken so packend, wie ein Agentenkrimi liest. &ldquo;Schmutzige Kriege&rdquo; d&uuml;rfte so manches anti-amerikanische Vorurteil n&auml;hren und kommt selbst ganz unamerikanisch daher. Weil es in Jeremy Scahills Geschichte n&auml;mlich keine Helden gibt, sondern nur mehr oder weniger raffinierte Schurken.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.dradio.de\/dlf\/sendungen\/andruck\/2309768\/\">Deutschlandradio<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h11\"><\/a><strong>Sonderweg der Kirchen &ndash; Sozialethiker warnt vor einem Glaubw&uuml;rdigkeitsproblem<\/strong><br>\nBeim Arbeitsrecht gehen die Kirchen einen Sonderweg: Besch&auml;ftigte d&uuml;rfen nicht streiken und m&uuml;ssen sich zum Teil weitgehende Vorschriften f&uuml;r ihr Privatleben gefallen lassen. Die Argumente daf&uuml;r sind wenig stichhaltig. Zu diesem Ergebnis kommt Prof. Dr. Hartmut Kre&szlig;, Professor f&uuml;r Sozialethik an der Universit&auml;t Bonn.<br>\n&ldquo;Gott kann man nicht bestreiken&rdquo; &ndash; so brachte die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe 2010 ihre Haltung zum Streikrecht f&uuml;r kirchliche Besch&auml;ftigte auf den Punkt. Hartmut Kre&szlig; hat das F&uuml;r und Wider dieser Haltung er&ouml;rtert. Der Professor an der Evangelisch-Theologischen Fakult&auml;t der Universit&auml;t Bonn hat sich in einem Gutachten f&uuml;r die Hans-B&ouml;ckler-Stiftung mit den Besonderheiten des kirchlichen Arbeitsrechts auseinandergesetzt. Er stellt fest, &ldquo;dass die Kirchen f&uuml;r ihren Binnenbereich und daher auch f&uuml;r ihr Arbeitsrecht bis heute die Grund- und Menschenrechte nicht anerkennen&rdquo;. Seiner Analyse zufolge ist diese Position weder sozial- und rechtsethisch noch theologisch zu rechtfertigen.<br>\nWenn es um arbeitsrechtliche Fragen geht, berufen sich die Kirchen auf ihr Selbstverwaltungsrecht und die Glaubensfreiheit, schreibt der Wissenschaftler. Infolgedessen habe sich eine Art Nebenrechtsordnung entwickelt &ndash; mit Konsequenzen f&uuml;r zahlreiche Besch&auml;ftigte. Zusammengenommen sind die Kirchen der zweitgr&ouml;&szlig;te Arbeitgeber nach dem Staat. Ihrem Leitbild zufolge sollen kirchliche Arbeitgeber und Besch&auml;ftigte partnerschaftlich zusammenwirken und Entscheidungen im Konsens treffen. F&uuml;r die Tariffindung etwa ist eine parit&auml;tisch besetzte Kommission zust&auml;ndig. Streiks w&uuml;rden diesem Konzept nach kirchlicher Lesart zuwiderlaufen: Durch sie drohe &ldquo;Kampf und Konfrontation&rdquo;.<br>\nDer Autor h&auml;lt diese Ansicht f&uuml;r wenig &uuml;berzeugend. Denn als Arbeitgeber verzichte die Kirche keinesfalls auf Druckmittel wie Disziplinarma&szlig;nahmen oder Entlassungen, die wenig mit dem christlichen Ideal der Liebe und Vers&ouml;hnung zu tun h&auml;tten. Dieses Ideal einseitig gegen das Streikrecht zu wenden, sei unstimmig &ndash; zumal die Arbeitnehmer bei Interessenkonflikten in der Regel in der schw&auml;cheren Position seien. Auch dass Arbeitsniederlegungen gegen das Gebot der N&auml;chstenliebe versto&szlig;en, weil sie die karitative oder diakonische T&auml;tigkeit unterbrechen, bezweifelt der Theologe. Denn zum einen richteten sich Streiks gegen Missst&auml;nde bei den Arbeitsbedingungen, die der Motivation und damit der praktizierten N&auml;chstenliebe der Besch&auml;ftigten schaden. Sie k&ouml;nnten also auch den Adressaten sozialer Einrichtungen nutzen. Zum anderen h&auml;tten bestreikte Einrichtungen beispielsweise die M&ouml;glichkeit, Versorgungsl&uuml;cken durch Not- und Vertretungsdienste zu vermeiden.<br>\nKre&szlig; sieht das kirchliche Streikverbot auch deshalb kritisch, weil es pauschal f&uuml;r s&auml;mtliche Mitarbeiter gilt &ndash; obwohl sie zum Teil gar nicht Kirchenmitglieder sind und dieselbe Arbeit verrichten wie Besch&auml;ftigte in nichtkirchlichen Einrichtungen&hellip;<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.lifepr.de\/inaktiv\/hans-boeckler-stiftung\/Sozialethiker-warnt-vor-Glaubwuerdigkeitsproblemen\/boxid\/452483\">Pressmitteilung der Hans-B&ouml;ckler-Stiftung auf life PR<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h12\"><\/a><strong>Stuttgart 21: Dietrichs Pyrrhussieg<\/strong><br>\nDas Urteil im Rechtsstreit zwischen dem Kommunikationsb&uuml;ro Stuttgart 21 und der &ldquo;Stuttgarter Zeitung&rdquo; ist verk&uuml;ndet. Als Sieger darf sich Projektsprecher Wolfgang Dietrich f&uuml;hlen. Zumindest vorl&auml;ufig, es sei denn, der Zeitungsverlag geht in Berufung. Doch erreicht hat der Lautsprecher des umstrittenen Bahnprojekts Stuttgart 21 durch den Prozess nur wenig. Gewachsen ist daf&uuml;r die Erkenntnis, wie kritische Journalisten bedr&auml;ngt werden, w&auml;hrend die Kritisierten ungeschoren davonkommen.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.kontextwochenzeitung.de\/editorial\/136\/dietrichs-pyrrhussieg-1827.html\">Kontext: Wochenzeitung<\/a>\n<p><strong>Hinweis:<\/strong> Diese Woche neu in der Kontext:Wochenzeitung u.a.:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Die biologische L&ouml;sung:<\/strong> Noch kann der &Uuml;berlebende Enrico Pieri hoffen, dass sich ein deutsches Gericht mit dem SS-Massaker in Sant&rsquo;Anna di Stazzema besch&auml;ftigt. Wie Kontext aus Justizkreisen erfahren hat, steht im laufenden Klageerzwingungsverfahren eine Entscheidung unmittelbar bevor. Doch wer lebt noch, wer ist verhandlungsf&auml;hig?<\/li>\n<li><strong>Das Schweigen des T&auml;ters:<\/strong> &bdquo;Die letzte Hoffnung ist hinter diesem Tor aus gelbem Holz.&ldquo; So beginnt der Turiner Journalist Niccol&ograve; Zancan seinen Artikel &uuml;ber einen 90-J&auml;hrigen, der hinter dieser T&uuml;r im brandenburgischen Wollin lebt. Der Mann ist ein in Italien rechtskr&auml;ftig verurteilter M&ouml;rder.<\/li>\n<li><strong>Vorbeugend in Haft:<\/strong> Wer einmal eine Torte warf, dem traut man nicht. Vor allem, wenn die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit anstehen. Das bekam die Stuttgarter Gewerkschafterin Ariane R. (30) zu sp&uuml;ren. Am Morgen des 3. Oktober geriet sie in &bdquo;Unterbindungsgewahrsam&ldquo;.<\/li>\n<li><strong>Wohin mit dem Geld?:<\/strong> Verkehrte Welt beim Bahnprojekt Stuttgart 21: Trotz Mehrkosten in Milliardenh&ouml;he musste Bahnvorstand Volker Kefer sich zuletzt rechtfertigen, bislang zu wenig Geld f&uuml;r den Tiefbahnhof ausgegeben zu haben.<\/li>\n<li><strong>Vom Glauben abgefallen:<\/strong> Wem heute noch glauben? Dem Fernsehen, dem Radio oder den Zeitungen? Die Berichterstattung &uuml;ber Stuttgart 21 ist ein Lehrst&uuml;ck &uuml;ber den Verlust der Glaubw&uuml;rdigkeit von Medien. Der Medienwissenschaftler Horst P&ouml;ttker erkl&auml;rt, warum das so ist.<\/li>\n<li><strong>&ldquo;Juden sind wie alle Menschen &ndash; es gibt viele verschiedene&rdquo;<\/strong>: Stolpersteine erinnern uns heute an die von den Nazis ermordeten Juden. &Uuml;ber die bereits 1945 neu gegr&uuml;ndete j&uuml;dische Gemeinde wissen indes die wenigsten etwas. Wobei sich l&auml;ngst nicht alle Stuttgarter Juden &uuml;ber die Glaubensgemeinschaft definieren.<\/li>\n<li><strong>Die Einmischer:<\/strong> Walter Sittler und Gerd Leipold, der Schauspieler und der langj&auml;hriger Greenpeace-Chef, vom Taksimplatz nach Island gereist, um die kleinen Revolutionen zu studieren. Daraus ist das Buch entstanden. Kontext ver&ouml;ffentlicht einen Auszug, in dem Sittler schildert, wie er zum Einmischer wurde.<\/li>\n<li><strong>Wald des Jahres:<\/strong> Der Sch&ouml;nbuch zwischen Stuttgart, T&uuml;bingen und Herrenberg ist zwar das gr&ouml;&szlig;te zusammenh&auml;ngende Waldgebiet im mittleren Neckarraum, aber nur der kleinste Naturpark Deutschlands. Dieses Kleinod wird im M&auml;rz kommenden Jahres zum &ldquo;Wald des Jahres&rdquo; gek&uuml;rt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Kontext:Wochenzeitung ab heute im Kiosk am Samstag als Beilage der taz.\n<\/p><\/li>\n<li><a name=\"h13\"><\/a><strong>Profitcenter Universit&auml;t<\/strong><br>\nTh&uuml;ringer Hochschulen m&uuml;ssen eigene Einnahmen generieren und planen wegen fehlender Mittel Stellenabbau und Streichung von Studieng&auml;ngen.<br>\nDas Th&uuml;ringer Ministerium f&uuml;r Bildung, Wissenschaft und Kultur unter Christoph Matschie (SPD) behauptet, von 2012 bis 2015 insgesamt 121 Millionen Euro mehr f&uuml;r die Hochschulen des Freistaates auszugeben als in der vorhergehenden Vierjahresperiode. Studierendenrat, Mitarbeiter und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sprechen von einer faktischen K&uuml;rzung.<br>\nBei einem Gesamtvolumen von 1,56 Milliarden Euro liegt die Steigerung bei gerade einmal 1,9 Prozent pro Jahr. Aber allein die Strompreise haben sich von 2010 bis 2013 um 23 Prozent erh&ouml;ht. In diesem Jahr gab es zudem eine bescheidene Tariferh&ouml;hung von 2,65 Prozent; f&uuml;r 2014 stehen weitere 2,95 Prozent an.<br>\nWohin die Th&uuml;ringer Hochschulen die zu kurze Finanzierungsdecke ziehen, bleibt ihnen im Namen der Hochschulautonomie selbst &uuml;berlassen. Ministerium und Hochschulleitungen hatten im Dezember 2012 sogenannte Ziel- und Leistungsvereinbarungen ausgehandelt. F&uuml;r die Universit&auml;t Jena sieht der Plan vorrangig &raquo;kurzfristige Einsparungen von ca. 10 Prozent gegen&uuml;ber der Zuweisung 2011&laquo; vor &ndash; trotz der angeblichen Erh&ouml;hung der Grundfinanzierung. &raquo;Strategie 2020&laquo; nennt sich die Selbstverpflichtung zum Kaputtsparen.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2013\/11-05\/053.php\">junge Welt<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h14\"><\/a><strong>Zwischenbilanz Ganztagsgrundschulen: Betreuung oder Rhythmisierung?<\/strong><br>\nIm Fokus steht die Frage,  inwiefern jene Organisationsform und Lernkultur von Ganztagsschule gest&auml;rkt  wurde, die besonders geeignet ist, die mit dem Ganztagsmodus verbundenen  Potenziale auszusch&ouml;pfen: die rhythmisierte Ganztagsgrundschule. Hingegen verdeutlicht die differenzierte Betrachtung der durch das  IZBB verteilten F&ouml;rderma&szlig;nahmen, dass in den L&auml;ndern vorwiegend offene Ganztagsschulen gef&ouml;rdert werden. Die Folge dieser Investitionspolitik zeigt sich deutlich: Nur eine sehr  kleine Minderheit der Grundsch&uuml;lerinnen und Grundsch&uuml;ler in Deutschland besucht eine rhythmisierte Ganztagsgrundschule. Angesichts der Tatsache, dass  es aber diesem Schultyp in einem relativ hohen Umfang gelingt, Sch&uuml;lerinnen  und Sch&uuml;ler in zus&auml;tzliche F&ouml;rder- und Betreuungsangebote einzubinden, ist  hier ein weiterer Ausbau zu empfehlen.<br>\nEin Ergebnis der Bilanzierung ist auch,  dass der aktuelle Ausbaustand von Ganztagsgrundschulen &ndash; also unabh&auml;ngig von ihrer Organisationsform &ndash; nach wie vor noch unzureichend fortgeschritten ist&hellip;<br>\nAus sozialpolitischer Perspektive wird die von der KMK betonte sozial- und arbeitsmarktpolitische Bedeutung von Ganztagsschulen unter der leitenden Frage<br>\nbetrachtet, inwiefern es den Ganztagsschulen gelingt, mithilfe des zeitlich umfassenden und geregelten Betreuungsangebots den mitunter schwierig zu vereinenden Familien- und Erwerbsstrukturen der Elternh&auml;user gerecht zu werden.<br>\nWie auf der Grundlage von Forschungsbefunden herauszustellen ist, gelingt es den Ganztagsschulen offenbar in einigen Punkten erfolgreich, verbesserte M&ouml;glichkeiten zur Betreuung von Grundschulkindern anzubieten. Unbestritten ist, dass Ganztagsschulen hinsichtlich der Betreuung und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine entlastende Funktion erf&uuml;llen. Positiv scheint sich dies insbesondere auf die Berufst&auml;tigkeit von M&uuml;ttern auszuwirken&hellip;<br>\nAus bildungspolitischer Perspektive ist zu res&uuml;mieren, dass sich hinsichtlich der Frage, inwiefern es den Ganztagsschulen gelingt, die Kompetenzen der Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler &ndash; insbesondere derer &bdquo;mit Bildungsdefiziten und besonderen Begabungen&ldquo; &ndash; zu f&ouml;rdern, keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Sch&uuml;lerleistungen in den Dom&auml;nen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften an Halb- oder Ganztagsgrundschulen<br>\nnachweisen lassen&hellip;<br>\nLediglich f&uuml;r rhythmisierte Ganztagsgrundschulen l&auml;sst sich die Entwicklung beobachten, dass hier vermehrt flexible Elemente der Zeitgestaltung, elaborierte Unterrichtskonzepte sowie fachbezogene Lerngelegenheiten umgesetzt werden&hellip;<br>\nVor diesem Hintergrund ist es nicht nur w&uuml;nschenswert, den Ausbau von rhythmisierten und voll gebundenen Ganztagsgrundschulen weiter zu forcieren, sondern auch die Potenziale dieser Modelle gezielt den Eltern und Kindern zu verdeutlichen.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.aktionsrat-bildung.de\/fileadmin\/Dokumente\/Gutachten_Zwischenbilanz-Ganztagsgrundschulen.pdf\">Aktionsrat Bildung [PDF &ndash; 3.2 MB]<\/a> \n<p><em><strong>Anmerkung WL:<\/strong> Rhythmisierte Ganztagsschule hei&szlig;t, dass nicht nur vormittags Unterricht und nachmittags Freizeitbetreuung und Hausaufgaben&uuml;berwachung stattfindet, sondern Freizeit und Unterricht &uuml;ber den ganzen Tag sozusagen &bdquo;rhythmisch&ldquo; aufeinander abgestimmt sind.<\/em><br>\n<em>Man muss wissen, dass der Aktionsrat Bildung von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft ins Leben gerufen wurde, die sich gerne selbst als <a href=\"http:\/\/www.vbw-bayern.de\/vbw\/%C3%9Cber-uns\/index.jsp\">&bdquo;Die Stimme der Wirtschaft&ldquo; r&uuml;hmt<\/a>. Der Aktionsrat wird finanziell unterst&uuml;tzt vom  Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie. Vorsitzender des Aktionsrats ist  Dieter Lenzen, ehemals umstrittener Pr&auml;sident der vom bertelsmannschen Centrum f&uuml;r Hochschulentwicklung (CHE) und der Financial Times Deutschland zur &bdquo;unternehmerischsten Hochschule Deutschlands&ldquo; gek&uuml;rten Freien Universit&auml;t Berlin. Der autorit&auml;re Wirtschaftsfreund ist Botschafter und einer der Mitgr&uuml;nder der neoliberalen PR-Agentur &bdquo;Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft&ldquo;.<\/em><br>\n<em>Interessant ist, dass sich die Wirtschaft in Bayern f&uuml;r die von der CSU so lange bek&auml;mpfte Ganztagsschule einsetzt. Dennoch sollte man klar sehen, dass es dem Aktionsrat Bildung vor allem um die Bildung von &bdquo;Humankapital&ldquo; geht. Das ist die Motivation, warum die Ganztagsschule propagiert wird.<\/em><\/p><\/li>\n<li><a name=\"h15\"><\/a><strong>Kinofilm zur Bildung: Die neuen Schulver&auml;chter<\/strong><br>\nErst Richard David Precht, jetzt der &bdquo;Alphabet&ldquo;: Kritik an der Schule als Abrichtungsanstalt ist en vogue. Die Argumente sind dabei oft absurd.<br>\nAusgerechnet am Pisa-Vorzeigeland China soll sich also zeigen, welch d&uuml;stere Zukunft uns droht. Die Kamera zeigt Qu Pei, elf Jahre alt, bei seinem Nachhilfelehrer, wie er Fl&auml;cheninhalte berechnet. Die Kamera zeigt die Stille beim Vorentscheid zur internationalen Mathematik-Olympiade. Und dann sehen wir, wie Qu Pei im Schulbus sitzt und ihm die Augen zufallen.<br>\nAus dem Off darf ein Pekinger P&auml;dagogik-Professor &uuml;ber Leistungsdruck und Gleichf&ouml;rmigkeit in Chinas Schulen klagen. &bdquo;Die Mathematik-Olympiade ist ein Desaster f&uuml;r die Jugendlichen&ldquo;, sagt er, w&auml;hrend wir die Teilnehmer auf ihren Bleistiften kauen sehen. &bdquo;In manchen Kinderg&auml;rten bekommen die Kinder sogar schon Hausaufgaben. An diesem Punkt sind wir angelangt.&ldquo;<br>\nSeit vergangener Woche l&auml;uft der Dokumentarfilm &bdquo;Alphabet&ldquo; des &Ouml;sterreichers Erwin Wagenhofer in den Kinos &ndash; und befeuert mit Szenen wie diesen eine Schulverachtung, die sich hierzulande schon l&auml;nger breitmacht. Einmal mehr lautet die schlichte wie falsche Botschaft: Die Schule, wie wir sie kennen, deformiert den Menschen. Sie drillt und dressiert, erstickt Potenziale, zwingt Kinder in einen unheilvollen Wettbewerb und macht nicht kl&uuml;ger und gl&uuml;cklicher, sondern im Zweifel dumm und einfallslos. Die Schule steht der wahren, sch&ouml;nen, guten Bildung im Weg, wie auch immer man sich die jenseits wolkiger Beschw&ouml;rungsformeln konkret vorstellen muss. Schule ist nicht die L&ouml;sung, sondern das Problem. Nicht nur in China, auch bei uns.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Kinofilm-zur-Bildung\/!126895\/\">taz<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung GL:<\/strong> Wieder einmal haben alle Recht und auch Unrecht. Gar nicht weiter kommen wir, wenn wir pers&ouml;nlich werden und einander diverse  Makel unterstellen, statt fundiert zu argumentieren. Auch der taz-Redakteur macht uns kaum kl&uuml;ger. Es ist sehr bedauernswert, dass Zeitungsautoren nicht ihre Quellen darlegen m&uuml;ssen, wie das in Le Mond diplomatique gemacht wird, sondern aus dem Bauch argumentieren d&uuml;rfen. Einige trifft zu (wie die Tatsache, dass der IQ-Wert vom Schulbesuch abh&auml;ngt (Ceci, 1991).<\/em><br>\n<em>Falsch ist der Glaube, dass man sich nicht selbst bilden kann &mdash; wenn die Lernumgebung anregend genug ist und man das Lernen nicht verleidet bekommen hat. Bei beiden Punkten spielt die Schule eine gro&szlig;e (wenn auch nicht immer positive) Rolle.<\/em><br>\n<em>Die meisten Kinder m&uuml;ssen heute in einer sehr anregungsarmen Lernumgebung aufwachsen, da unsere Lebensbereiche heute stark getrennt sind. Kinder bekommen heute fast nichts mehr davon mit, was Erwachsene tun. Vor 50 Jahren war das noch ganz anders. Ich konnte auf der Stra&szlig;e vor unserer Wohnung mit Nachbarkindern Fu&szlig;ball bolzen &ndash; heute ist der Verkehr daf&uuml;r viel zu dicht. Ich konnte meiner Mutter beim Kochen und Stricken und meinem Vater beim Hobby-G&auml;rtnern zuschauen und ihn an seinem Arbeitsplatz in einem gro&szlig;en Stahlwerk begleiten. Ich konnte beim Milchholen beim Bauern in den Kuhstall schauen. Wenn ich mich im Unterricht langweilte, konnte ich als 11j&auml;hriger f&uuml;r meinen Lehrer Besorgungen in der Stadt machen, sogar Bankgesch&auml;ft, und mit 13 durfte ich kranke Lehrer im Unterricht vertreten. Dass die meisten Kinder solche Dinge nicht mehr erleben, daf&uuml;r  gibt es gute Gr&uuml;nde &mdash; aber das &auml;ndert wenig an der Tatsache, dass es immer weniger wirkliche Lerngelegenheiten gibt und Kinder daher auf k&uuml;nstliche Surrogate angewiesen sind, die kaum einen Lernwert haben. Daher ist heute die Hautaufgabe der Schule, m&ouml;glichst wirklichkeitsnahe Lerngelegenheiten zug&auml;nglich zu machen oder herzustellen. Ein sehr kleiner Teil von Kindern kann vielleicht auf diese schulischen Lerngelegenheiten verzichten. Die meisten jedoch nicht. Sie k&ouml;nnen auf eine gute Schule und gute Lehrer nicht verzichten (auf schlechte hingegen schon.)<\/em><br>\n<em>Schlechte Schulen und schlechte Lehrer erkennt man leicht daran, dass sie Sch&uuml;lern das Lernen verleiden. Auch wenn sie nur wenigen Kindern das Lernen verleiden, sind sie schlecht, weil diese Kinder meist f&uuml;r ihr ganzes Leben besch&auml;digt sind, wenn sie Abneigung und Angst vorm Lernen haben.<\/em><br>\n<em>Lernen war einmal eine Quelle der Freude (und ist es f&uuml;r viele Kinder weltweit immer noch). Dann wurde es f&uuml;r viele Kinder zu etwas, das mit unangenehmen Gef&uuml;hlen bis hin zu dem Gef&uuml;hl der Verletzung und Dem&uuml;tigung verbunden ist (Prengel 2013; Schumann 2007). Einer der Hauptgr&uuml;nde f&uuml;r diese negative Entwicklung der Schule f&uuml;r viele Kinder ist der steigende Konkurrenzdruck, der durch vergleichende Noten und durch vergleichende Schulleistungstests erzeugt wird (Czerny 2010). Kinder sollen nicht mehr bestimmte Dinge kennen und k&ouml;nnen, sondern sie sollen nur besser als andere sein &mdash; in welcher Hinsicht und auf welchem Niveau auch immer (Kohn 1992; 1999). Wettbewerb als Ersatz f&uuml;r vern&uuml;nftige Bildungsziele zerst&ouml;rt das Lerninteresse der Menschen.<\/em><br>\n<em>Kinder lernen besser ohne diesen Wettbewerb. Wettbewerb f&uuml;hrt nur zu verg&auml;nglichem Pseudolernen.  Aber sie lernen nur, wenn die Lernumwelt anregend ist und die gestellten Aufgaben Spa&szlig; machen. Das ist eine gro&szlig;e Herausforderung vor allem f&uuml;r die Lehrerausbildung.<\/em><\/p><\/li>\n<li><a name=\"h16\"><\/a><strong>R&uuml;ckkehr nach Fukushima undenkbar<\/strong><br>\nIn der N&auml;he des havarierten Atomkraftwerks Fukushima an der japanischen Ostk&uuml;ste hat am Sonntag wieder einmal die Erde gebebt. Die Erdst&ouml;&szlig;e waren noch in Tokio zu sp&uuml;ren. Die Beh&ouml;rden registrierten eine St&auml;rke von 5,0, gaben aber bis Redaktionsschluss keine Auskunft &uuml;ber m&ouml;gliche Sch&auml;den. Am selben Tag hatte die Zeitung Asahi Shimbun erstmals einen f&uuml;hrenden Vertreter der japanischen Regierungskoalition mit der Aussage zitiert, dass wohl nicht alle Fl&uuml;chtlinge der Atomkatastrophe von 2011 in ihre Heimat zur&uuml;ckkehren werden k&ouml;nnen. Demnach sagte Shigeru Ishiba, der Generalsekret&auml;r der regierenden Liberaldemokraten: &ldquo;Es wird die Zeit kommen zu sagen: ,Ihr k&ouml;nnt dort nicht mehr leben, aber ihr erhaltet Entsch&auml;digung.'&rdquo; Die Regierung m&uuml;sse die Gebiete benennen, die wegen der radioaktiven Verseuchung offensichtlich niemals mehr bewohnbar sein w&uuml;rden. Die Frage der R&uuml;ckkehr ist in Japan politisch brisant. Bislang hat die Regierung allen 150.000 Menschen, die vor den Explosionen und der Strahlung geflohen waren, Hoffnung gemacht, eines Tages wieder in ihren Heimatorten leben zu k&ouml;nnen. &ndash; In Fukushima bereitet sich der Kraftwerksbetreiber Tepco gleichzeitig darauf vor, mehr als 400 Tonnen stark strahlenden Atombrennstoff aus dem Kern des Reaktors 4 zu bergen. Forscher warnen aber, die Bergung k&ouml;nne zu einer weiteren Katastrophe f&uuml;hren: Die Brennelemente enthielten so viel radioaktives C&auml;sium wie 5.000 Hiroschima-Bomben, so der Atomwissenschaftler Hiroaki Koide von der Universit&auml;t Kioto.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/archiv\/digitaz\/artikel\/?ressort=wu&amp;dig=2013%2F11%2F04%2Fa0058&amp;cHash=157b299e37e9e36852ddae9b76dec4cc\">taz<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h17\"><\/a><strong>Bill de Blasio ist neuer B&uuml;rgermeister von New York<\/strong><br>\nEine kommentierte Presseschau von Volker Bahl:<br>\nDie soziale Situation in New York wird recht gut in jenem Artikel in der TAZ <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Buergermeisterwahlen-in-New-York-City\/!126831\/\">&ldquo;Big Apple und die soziale Frage&rdquo;<\/a> angegangen: &ldquo;Selbst auf dem H&ouml;hepunkt der Rezession ist der Einzelhandel der am schnellsten wachsende Wirtschaftssektor der Stadt. Aber die Besch&auml;ftigten erhalten meist nur den Mindestlohn &ndash; 7,25 Dollar die Stunde. Hinzu kommen Arbeitszeiten auf Abruf &hellip;.<br>\nZum &Uuml;berleben im teuren New York City ist auch ein gro&szlig;er Teil der Besch&auml;ftigten im Einzelhandel auf staatliche Hilfen angewiesen&hellip;.<br>\nVon der Bronx aus wird die soziale Debatte f&uuml;r New York ins Rollen gebracht, denn dort bringt ein Zusammenschluss aus Kirchenleuten, Gewerkschaften und Gesch&auml;ftsleuten im Jahr 2009 ein 300-Millionen-Projekt f&uuml;r eine neue &ldquo;Mall&rdquo; zu Fall. Die B&uuml;rger-Initiative verlangt, dass Bauherren, die massive &ouml;ffentliche Subventionen erhalten, im Gegenzug verpflichtet werden, &ldquo;Living Wages&rdquo; ( L&ouml;hne, die zum Leben reichen ) zu zahlen.<br>\nBei dieser Auseinandersetzung in der Bronx kristallisieren sich die Spielregeln f&uuml;r ein Gesetz &uuml;ber Livin Wages in New York City heraus.<br>\nGeistliche unterschiedlicher Konfessionen spielen in dieser <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Buergermeisterwahlen-in-New-York-City\/!126831\/\">New Yorkwer Sozialbewegung eine zentrale Rolle&hellip;<\/a><br>\nDurch diese sozialen Bewegungen also wurde New York auf diese &ldquo;<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/bill-de-blasio-new-york-waehlt-demokraten-zum-buergermeister-a-932019.html\">Erdrutschwahlen<\/a>&rdquo; in New York vorbereitet.<br>\nDie Leute hatten jetzt offenbar von dieser <a href=\"http:\/\/www.rp-online.de\/politik\/new-york-superreich-und-bitterarm-1.3795724\">gewaltigen Spaltung in Reiche und Arme die Nase voll<\/a> &ndash; ja, sogar gestrichen voll, <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/politik\/new-york-wahlen-die-nase-gestrichen-voll,1472596,24902924.html\">wie die FR meint<\/a>.<br>\nJa, wer ist denn noch einmal dieser Bill de Blasio, den man bisher noch nicht so kannte &ndash; er war ja vorher nur ein &ldquo;Ombudsmann&rdquo; der Stadt New York, der der Stadt f&uuml;r die <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2013-11\/buergermeister-bill-de-blasio-new-york\">B&uuml;rger auf die Finger guckte<\/a> und konnte so als &ldquo;Anti-Bloomberg&rdquo; ( An der Mittelschicht hatte Bloomberg nur wenig Interesse), der diese &ldquo;Spaltung der Stadt&rdquo; &uuml;berwinden will, <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/wahl-newyork106.html\">die B&uuml;rgermeisterwahlen dieses Mal fulminant gewinnen<\/a>.<\/li>\n<li><a name=\"h18\"><\/a><strong>Arafat und der 18-fache Polonium-Wert<\/strong><br>\nLaut einer Untersuchung von Schweizer Wissenschaftlern ist Jassir Arafat offenbar mit Polonium vergiftet worden. Die Konzentration des radioaktiven Elements war danach bei ihm 18 Mal h&ouml;her als gew&ouml;hnlich. Das heizt die Spekulationen an.<br>\n&hellip; f&uuml;r Arafats Witwe Suha ist der Fall damit klar: Nun sei der wissenschaftliche Beweis erbracht, dass ihr Mann Opfer eines politisch motivierten Mordes geworden sei, sagte sie am Abend: &ldquo;Meine Tochter und ich gehen notfalls zu jedem Gericht auf der Welt um denjenigen bestrafen zu lassen, der dieses Verbrechen begangen hat&rdquo;, so die Arafat-Witwe weiter&hellip;<br>\nDer hochradioaktive Stoff muss laut Gutachten in einem Atomreaktor hergestellt worden sein. Jemand aus Arafats unmittelbarer Umgebung muss ihm das Gift verabreicht haben, so der britische Experte. Deshalb geht er davon aus, dass die franz&ouml;sischen Beh&ouml;rden, die seit Jahren im Todesfall Arafat ermitteln, nun vorgehen wie bei jedem anderen mutma&szlig;lichen Auftragsmord.<br>\nQuelle 1: <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/arafat206.html\">Tagesschau.de<\/a><br>\nQuelle 2: <a href=\"http:\/\/www.aljazeera.com\/investigations\/killing-arafat\/swiss-forensic-report-arafat-death-201311671255163780.html\">Report der Schweizer Wissenschaftler<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h19\"><\/a><strong>Eine Jugend als Jude im Wedding: Wir zogen jeden Tag in den Krieg<\/strong><br>\n&ldquo;F&uuml;r die Deutschen war ich ein Kanake, f&uuml;r die Moslems ein Jude, und f&uuml;r die Juden ein Weddinger Krimineller.&rdquo; Erst Opfer, dann T&auml;ter, dann Auswanderer. Spandau &ndash; Wedding &ndash; Israel. Die Geschichte von Arye Sharuz Shalicar ist eine in drei Akten. Im Wedding der 90er Jahre w&auml;chst er auf &ndash; als Sohn iranischer Juden. Von den meisten muslimischen Jugendlichen wird er daher verachtet und immer wieder gedem&uuml;tigt. Bis er selbst einer von ihnen wird, Mitglied in der t&uuml;rkischen Jugendgang Black Panthers. Spr&uuml;hen, Klauen, Messerstechereien &ndash; Arye macht Weddinger Karriere. Mit Anfang 20 zieht es ihn weg. Nach Israel, wo er heute als Armeesprecher arbeitet. Am Anfang halten die T&uuml;rken und Araber ihn, den Iraner mit den dunklen Haaren, f&uuml;r einen von ihnen. Als er einem Klassenkameraden seinen Davidsstern zeigt, spricht der kein Wort mehr mit ihm. Von einem Tag auf den anderen ist er der verhasste Jude. Sp&auml;ter macht er sich als Sprayer einen Namen, wird Mitglied in einer der gr&ouml;&szlig;ten T&uuml;rkengangs Deutschlands, spricht t&uuml;rkischen Slang: &ldquo;Bis ich in den Wedding gezogen bin, hatte ich ja nie &uuml;ber Identit&auml;t, Religion oder Volkszugeh&ouml;rigkeit nachgedacht. Husseyn hat mehrfach aktiv f&uuml;r mich Partei ergriffen und gesagt: Aro ist einer von uns, behandle ihn als Weddinger. &hellip; Es war so, als h&auml;tte man sein eigenes Land erobert. Nicht nur wir Weddinger, auch die Kreuzberger oder Sch&ouml;neberger: Man hat diese Bezirksidentit&auml;t entwickelt. Es gab ja auch Schl&auml;gereien zwischen den Bezirken. &hellip; Fast jeder Weddinger hatte eine Gaspistole, Messer und Schlagring. Wir waren voll ausger&uuml;stet. Du bist mit 16 rumgelaufen, als ob du jeden Tag im Krieg bist. &hellip; Ich wusste, dass das nicht gut zu Ende gehen w&uuml;rde. Obwohl ich gesp&uuml;rt habe, dass mich vor allem meine Mutter und meine Freundin sehr geliebt haben, musste ich diese T&uuml;r hinter mir zumachen &ndash; f&uuml;r mein &Uuml;berleben. Es w&auml;re nur eine Frage der Zeit gewesen, bis irgendetwas Dramatisches passiert w&auml;re. Man geht ja st&auml;ndig direkt am Abgrund. Einmal falsch reagieren, und man sticht einen ab oder wird selbst abgestochen, einmal bei der falschen Sache dabei sein, und man geht f&uuml;r Jahre ins Gef&auml;ngnis.&rdquo;<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/bezirke\/wedding\/alter-wedding\/eine-jugend-als-jude-im-wedding-wir-zogen-jeden-tag-in-den-krieg\/9003862.html\">taz<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:<\/strong> Ein Interview, das einen ratlos und bedr&uuml;ckt zur&uuml;ckl&auml;sst. Meist sind wir oft genug schon damit &uuml;berfordert, uns mit der Ausgrenzung von Armut, mit Fremdenfeindlichkeit und seiner besonderen Form, mit Antisemitismus, auf einer relativ abstrakten Ebene auseinanderzusetzen. Zum Gl&uuml;ck erleben die meisten von uns nicht, wie auch innerhalb dessen, was wir soziale Brennpunkte nennen, Identit&auml;tsfindung durch radikale, aggressive Abgrenzung abl&auml;uft. Es sollte uns Bildungsb&uuml;rgern zu denken geben, wenn Arye Shalicars Freund, Bruder es in diesem Milieu schafft, die sich anbietende Abgrenzung zum Juden zu &uuml;berwinden bzw. zu ignorieren: &bdquo;Wir leben in Deutschland und sind der letzte Abschaum Berlins. Wir stecken alle im selben Topf. Wir sind alle nur arme Weddinger, ob du, ich oder Aron. Denk mal dr&uuml;ber nach!&ldquo;. Umso schrecklicher, dass wie so wenig tun (k&ouml;nnen), um Johannes Ehrmanns (Tagesspiegel) Formel aufzuheben: &ldquo;Der Wedding: Ersatznation f&uuml;r die Chancen- und Staatenlosen&rdquo;. Und dabei sind das die 90er. Die Sicht auf den Wedding von heute ist nicht weniger erschreckend: &ldquo;Ich schaue mich um. Einige meiner Bekannten sind mittlerweile islamistisch sehr tief abgerutscht. Das sind Menschen, die sehr, sehr gef&auml;hrlich sind. Die w&uuml;rden dich f&uuml;r ihre &Uuml;berzeugungen am hellichten Tag am Ku&rsquo;damm &uuml;ber den Haufen schie&szlig;en. Ich w&uuml;rde nicht immer an alle Orte gehen. &hellip; In den 90ern war es viel Jugendkriminalit&auml;t, Spr&uuml;hen, Schlagen, dieser ganze Quatsch, der eigentlich keinen weitergebracht hat. Heute geht es f&uuml;r die meisten von kleinauf darum: wie mache ich Geld. Mafia-Strukturen haben sich entwickelt. Die Jugendlichen stiefeln nicht mehr in Black-Panthers-Bomberjacke durch die Stra&szlig;en, sondern sind jetzt ins Drogen- oder Waffengesch&auml;ft involviert.&rdquo; Tr&ouml;stlich ist es immerhin, dass Shalicar in einer Institution wie der Bundeswehr, Abstand gewinnen konnte, Zeit zum Nachdenken fand und merkte, dass er den &ldquo;Weg raus schaffen&rdquo; konnte. Aber ist es nicht eine Armutszeugnis f&uuml;r unser Land, wenn Shalicar heute feststellt: &ldquo;Ich f&uuml;hle mich frei. Das klingt komisch bei all den Auseinandersetzungen hier, aber ich habe es lieber, dass es einmal alle drei Jahre kracht, als dass ich im Wedding wohne, wo es jeden Tag krachen konnte. Mein Sicherheitsgef&uuml;hl ist heute viel st&auml;rker als fr&uuml;her in Deutschland.&rdquo; &ndash; Ja, es ist gut, dass Arye Shalicar den Sprung geschafft hat, aber unsere &ldquo;Problemstadtteile&rdquo; gibt es immer noch und es gibt sie sicherlich auch in Israel und anderswo.<\/em><\/p><\/li>\n<li><a name=\"h20\"><\/a><strong>Heute vor 100 Jahren wurde in Albert Camus in Algerien geboren <\/strong><br>\nIn seinem <em>Tagebuch 1951 &ndash; 1959<\/em> findet sich der Eintrag: <em>&bdquo;Zu der Bettlerin, die zudringlich wurde, sagte die Besitzerin des Restaurants, und sie zeigte dabei auf die Langusten essenden G&auml;ste: &ldquo;Versetzen Sie sich doch in die Lage dieser Herrschaften.&ldquo;<\/em><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier finden Sie einen &Uuml;berblick &uuml;ber interessante Beitr&auml;ge aus anderen Medien und Ver&ouml;ffentlichungen. 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(RS\/WL)<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[19],"tags":[],"class_list":["post-19177","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-hinweise-des-tages"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19177","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=19177"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19177\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19181,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19177\/revisions\/19181"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=19177"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=19177"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=19177"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}