{"id":1918,"date":"2006-12-05T16:03:30","date_gmt":"2006-12-05T15:03:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1918"},"modified":"2016-01-21T11:15:51","modified_gmt":"2016-01-21T10:15:51","slug":"neue-unterrubrik-kapitalmarkt-informationen-zu-heuschrecken-etc","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1918","title":{"rendered":"Neue Unterrubrik Kapitalmarkt &#8211; Informationen zu \u201eHeuschrecken\u201c etc."},"content":{"rendered":"<p>In der Rubrik Sachfragen finden Sie ab heute eine Unterrubrik Kapitalmarkt. Dort werden wir Artikel, Hinweise und Kommentare zur T&auml;tigkeit von Investoren, zum Ausverkauf der so genannten Deutschland AG, zum Shareholder-Value-Denken etc. dokumentieren. Zum Hintergrund: In der &ouml;ffentlichen Debatte um das Wirken der Investoren wird gelegentlich daraufhingewiesen, die schlimmen F&auml;lle, bei denen Investoren gesunde Unternehmen mit Schulden belasten und in Schwierigkeiten bringen, seien die Ausnahmen. Wir k&ouml;nnen das nicht beurteilen, aber wir k&ouml;nnen zu Ihrer Urteilsbildung Berichte &uuml;ber m&ouml;glichst viele F&auml;lle sammeln. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nDabei sind wir selbstverst&auml;ndlich auch offen f&uuml;r die Dokumentation positiv zu bewertender &Uuml;bernahmen von deutschen Unternehmen durch Investoren.<br>\nDie fortlaufende Dokumentation wird nicht alle unsere Leser interessieren. Aber wir hoffen auch bei diesen auf Verst&auml;ndnis f&uuml;r diesen neuen Schwerpunkt.<\/p><p>Ich beginne heute mit der Dokumentation einiger E-Mails und einzelner Vorg&auml;nge. Die E-Mails erhielt ich aufgrund meines Tagebucheintrags zum Verramschen des DSD (<a href=\"?p=1911\">&ldquo;Wie kommt man schnell zu viel Geld?&rdquo;<\/a>).<\/p><p>Die E-Mails sind informativ genauso wie die darin enthaltenen Links. Hier die Texte des Nutzers der NachDenkSeiten:<\/p><blockquote><p>Hallo Herr M&uuml;ller,<\/p>\n<p>die Vorg&auml;nge bei dem Dualen System Deutschland sind sicher anr&uuml;chig, weil sich hier offenbar Insider mit Hilfe von Gef&auml;lligkeitsgutachten und &uuml;berforderten Aufsichtsgremien bereichert haben. Doch der eigentlich politische Skandal der Beteiligungsbranche liegt in anderen Sachverhalten.<\/p>\n<p>Zur Verdeutlichung wie einige private equity Investoren (es gibt durchaus seri&ouml;se Vertreter!) arbeiten, h&auml;nge ich eine <a href=\"upload\/pdf\/FTD_0608_Investoren_saugen_Firmen_aus.pdf\">Darstellung aus der FTD vom 9. August 2006 [PDF &ndash; 168 KB]<\/a> an. Unter Einsatz einer vergleichsweise geringen Summe<br>\nEigenkapital wird &uuml;berwiegend mit Fremdkapital (deshalb leveraged buy out) finanziert ein Unternehmen erworben. Die aufgenommenen Kredite mu&szlig; das Unternehmen verzinsen und zur&uuml;ckzahlen. Da aber die private equity Investoren Risiken scheuen, beschlie&szlig;en sie als Gesellschafter innerhalb kurzer Zeit nach &Uuml;bernahme Sonderaussch&uuml;ttungen, welche teilweise bereits h&ouml;her sind als der eingesetzte Eigenkapitalanteil. Damit ist ein Gewinn auf das eingesetzte Kapital in jedem Fall gesichert. Da die Unternehmen kein Geld f&uuml;r diese Sonderaussch&uuml;ttung in der Kasse haben, m&uuml;ssen hierf&uuml;r weitere Kredite aufgenommen werden. In Summe resultiert eine exorbitant hohe Verschuldung, f&uuml;r deren Zins- und Kapitaldienst massive Rationalisierungsma&szlig;nahmen (Umschreibung f&uuml;r Abbau von Arbeitspl&auml;tzen) durchgef&uuml;hrt werden (m&uuml;ssen).<\/p>\n<p>Wenn das Unternehmen nach erfolgreicher Rationalisierung weiterverkauft wird (B&ouml;rsengang oder Ver&auml;u&szlig;erung an andere Fonds) flie&szlig;t der Ver&auml;u&szlig;erungsgewinn den Investoren steuerfrei zu.<\/p>\n<p>Zur Verdeutlichung dieses Vorgehens ein <a href=\"upload\/pdf\/private_equity_ksm.pdf\">Beispiel [PDF &ndash; 96 KB]<\/a>:<br>\nDer Fonds Cognetas LLP erwirbt im Februar 2005 den Automobilzulieferer KSM Castings f&uuml;r 155 Mio mit einem Einsatz von 49 Mio Eigenkapital, welches teilweise als Gesellschafterdarlehen gew&auml;hrt wird. Im August 2005 werden 20 Mio als R&uuml;ckzahlung des Gesellschafterdarlehens ausgesch&uuml;ttet. Im September 2006 wird eine weitere &ldquo;Rekapitalisierung&rdquo; vorgenommen im Rahmen derer weitere 82 Mio an den Fonds ausgesch&uuml;ttet werden, f&uuml;r die das Unternehmen sich neu verschulden mu&szlig;, Nettoverschuldung steigt von 1,3X EBITDA auf 3X EBITDA.<\/p>\n<p>In kapp 18 Monaten haben die Investoren also auf das eingesetzte Kapital von 49 Mio bereits 102 Mio zur&uuml;ckerhalten und besitzen nach wie vor das gesamte Unternehmen, dessen Kaufpreis 155 Mio betragen hatte. Dagegen ist die in Ihrem Beispiel DSD angef&uuml;hrte Rendite &ldquo;peanuts&rdquo;.<\/p>\n<p>Was haben nun die &uuml;bernommenen Unternehmen von solchen &Uuml;bernahmen?<\/p>\n<p>Auch hierzu ein <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/news\/printpage.aspx?_p=200034&amp;_t=ftprint&amp;_b=1177527\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.handelsblatt.com\/news\/printpage.aspx?_p=200034&amp;_t=ftprint&amp;_b=1177527\">aktuelles Beispiel<\/a> (jeden Tag finden Sie im Wirtschaftsteil der Zeitungen neue Beispiele):<\/p>\n<p>Gem&auml;&szlig; diesem Bericht des Handelsblattes vom 1. Dezember 2006  werden bei dem B&ouml;rsengang der Symrise f&uuml;r 1,4 Mrd Euro Aktien verkauft. 700 Mio aus dem Verkauf neuer Aktien, dieses Geld flie&szlig;t dem Unternehmen zu und wird zur Tilgung von Krediten gleich an die Kreditgeber weitergereicht, welche den Kauf der Symrise durch den Finanzinvestor EQT von der Bayer AG mitfinanziert hatten, im Rahmen dessen dem Unternehmen 1,4 Mrd Schulden aufgeb&uuml;rdet worden<br>\nwaren &ndash; bei einem Jahresumsatz von kanpp 1,2 Mrd. Gleichzeitig verkauft der Finanzinvestor EQT einen Teil seiner Anteile an Symrise f&uuml;r weitere 700 Mio.<\/p>\n<p>In Summe flie&szlig;en dem Unternehmen Symrise durch den gr&ouml;&szlig;ten B&ouml;rsengang des Jahres 2006 also keinerlei Mittel f&uuml;r das operative Gesch&auml;ft zu! Symrise wird weitere Rationalisierungsprogramme auflegen m&uuml;ssen, um den &ldquo;Wersteigerungserwartungen&rdquo; der B&ouml;rse zu gen&uuml;gen.<\/p>\n<p>Der Finanzinvestor EQT zahlt auf die jetzt erl&ouml;sten 7oo Mio keine Steuern, ebensowenig wie die Bayer AG in Leverkusen bei Verkauf seines Tochterunternehmens Harrman&amp;Reimer, welches heute Symrise hei&szlig;t, keine Steuern auf den Erl&ouml;s aus dem Verkauf zu zahlen hatte. Ver&auml;u&szlig;erungsgewinne hatte die rot-gr&uuml;ne Bundesregierung zuvor steuerfrei gestellt. Dabei ist es sicher nur ein Zufall, dass der beim Finanzminister Eichel f&uuml;r diese Steuerreform zust&auml;ndige Staatssekret&auml;r Zitzelsberger bis zum Wechsel in die Regierung Schr&ouml;der Leiter der Steuerabteilung der Bayer AG war.<\/p>\n<p>Vor wenigen Wochen hat die Bayer AG ein weiteres Tochterunternehmen an Finanzinvestoren verkauft, HCStark f&uuml;r steuerfreie 1,3 Mrd Euro. Derweil verzweifelt die Stadt Leverkusen an ihrem desolaten Haushalt, immer mehr Einrichtungen m&uuml;ssen geschlossen werden. Ironie am Rande: der<br>\nOberb&uuml;rgermeister der Stadt Leverkusen Ernst K&uuml;chler hat als damaliger SPD Bundestagsabgeordneter die segensreiche rot-gr&uuml;ne Steuerreform mit beschlossen.<\/p><\/blockquote><p><strong>Dazu hatte ich geschrieben:<\/strong><\/p><p>Sehr interessante Hinweise. Nur eine bescheidene Frage:<br>\nMuss man den Vorgang DSD harmlos sehen, um das andere schlimm zu finden?<br>\nImmerhin hatte da doch auch der Gesetzgeber massiv mit zugearbeitet.<\/p><p><strong>Darauf die Antwort:<\/strong><\/p><blockquote><p>Die Vorg&auml;nge bei der DSD werden durch die von mir angef&uuml;hrten Beispiele sicher nicht relativiert, <strong>worauf es mir ankommt ist, dass die private equity Branche mit politisch gewollten Privilegien ausgestattet worden ist und damit deren T&auml;tigkeiten ganz legal sind<\/strong>. Der Fall DSD ist mehr ein Fall f&uuml;r das Strafrecht, &auml;hnlich wie der Fall TMD Friction, &uuml;ber den Sie <a href=\"?p=1880\">in den Nachdenkseiten bereits berichtet haben<\/a> in welchem ebenfalls Price Waterhouse Cooper mit einem nicht stichhaltigen Gef&auml;lligkeitsgutachten einen Steuererlass in H&ouml;he von 200 Mio Euro zu begr&uuml;nden sucht und damit die Kreditausfallrisiken von den Mezzanine Kreditgebern auf die &Ouml;ffentliche Hand &uuml;bertr&auml;gt.<br>\nDie private equity Fonds hingegen stehen unter dem Schutz des Gesetzgebers.<\/p>\n<p>Gestatten Sie mir noch einen Hinweis zu den hier wichtigen Krediten:<br>\nDie Bedingungen an eine Kreditvergabe durch Banken sind gesetzlich stark reglementiert worden, Banken d&uuml;rfen Kredite an Unternehmen nur noch bei Einhaltung strenger Kriterien vergeben, Stichwort Basel II, worunter vor allem mittelst&auml;ndische Familienunternehmen sehr leiden. Deshalb werden die von den private equity Fonds eingesetzten Fremdkapitalmittel auch nicht<br>\ndurch Banken vergeben sondern durch spezielle Fonds. Das ganze l&auml;uft unter &ldquo;Mezzanine Darlehen&rdquo;, also einer Kreditart, welcher man bilanziell Eigenkapitalcharakter zuschreiben kann, nur so sind die exorbitant hohen Verschuldungsgrade der &uuml;bernommenen Firmen zu verstehen. Keine Bank d&uuml;rfte ein Unternehmen mit Darlehen derart voll pumpen. Banken und Sparkassen sind allerdings als Vertriebspartner f&uuml;r derartige Fonds t&auml;tig. Investoren in Mezzanine Fonds sind Versicherungen, Pensionskassen (vor allem angels&auml;chsische) hedge Fonds und in erheblichem Umfange auch Privatinvestoren, also der gleiche Kreis, welcher in private equity fonds investiert.<\/p>\n<p>Eine detailliertere Beschreibung dieser Kreditgesch&auml;fte hat vor einigen Monaten <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/RubBF53424976DC438985BBA461C86C95A7\/Doc~E5D55CA7A589E4000B33AF64BA572FDA0~ATpl~Ecommon~Sspezial.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.faz.net\/s\/RubBF53424976DC438985BBA461C86C95A7\/Doc~E5D55CA7A589E4000B33AF64BA572FDA0~ATpl~Ecommon~Sspezial.html\">die FAZ publiziert<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub09A305833E12405A808EF01024D15375\/Doc~E3F03A4AF9AE9433A9FE3496CE205FC12~ATpl~Ecommon~Scontent.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub09A305833E12405A808EF01024D15375\/Doc~E3F03A4AF9AE9433A9FE3496CE205FC12~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">Ebenfalls in der FAZ beschrieben<\/a> sind die verheerenden Konsequenzen der private equity Aktivit&auml;ten f&uuml;r das einst florierende Chemie-Unternehmen Cognis.<\/p><\/blockquote><p>Und hier ein Link zu einem Bericht der FAZ &uuml;ber den Finanzstabilit&auml;tsbericht der Deutschen Bundesbank: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/RubBF53424976DC438985BBA461C86C95A7\/Doc~E305D73123D5C49458FED26B297F986A2~ATpl~Ecommon~Scontent.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.faz.net\/s\/RubBF53424976DC438985BBA461C86C95A7\/Doc~E305D73123D5C49458FED26B297F986A2~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">Bundesbank besorgt &uuml;ber Praktiken von Private Equity<\/a>.<\/p><p>Und ein <a href=\"upload\/pdf\/Bundesbank_private_equity.pdf\">Kasten aus dem Finanzstabilit&auml;tsbericht [PDF &ndash; 124 KB]<\/a>.<\/p><p>Und der Bericht der FAZ zu einem weiteren Fall:<\/p><p><strong>&Uuml;bernahmen<\/strong><br>\n<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/RubBF53424976DC438985BBA461C86C95A7\/Doc~E99B246075A5C4944A48257203CBB2193~ATpl~Ecommon~Scontent.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.faz.net\/s\/RubBF53424976DC438985BBA461C86C95A7\/Doc~E99B246075A5C4944A48257203CBB2193~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">Blackstone kauft amerikanischen B&uuml;rokonzern Equity Office<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Rubrik Sachfragen finden Sie ab heute eine Unterrubrik Kapitalmarkt. Dort werden wir Artikel, Hinweise und Kommentare zur T&auml;tigkeit von Investoren, zum Ausverkauf der so genannten Deutschland AG, zum Shareholder-Value-Denken etc. dokumentieren. Zum Hintergrund: In der &ouml;ffentlichen Debatte um das Wirken der Investoren wird gelegentlich daraufhingewiesen, die schlimmen F&auml;lle, bei denen Investoren gesunde Unternehmen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1918\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[35],"tags":[285,243,1455],"class_list":["post-1918","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aufbau-gegenoeffentlichkeit","tag-hedgefonds","tag-in-eigener-sache","tag-private-equity"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1918","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1918"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1918\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30418,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1918\/revisions\/30418"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1918"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1918"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1918"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}