{"id":192,"date":"2005-06-10T11:30:31","date_gmt":"2005-06-10T10:30:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=192"},"modified":"2016-03-14T09:24:32","modified_gmt":"2016-03-14T08:24:32","slug":"verdienen-an-leeren-kassen-oder-opp-und-die-berater-frosche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=192","title":{"rendered":"Verdienen an leeren Kassen oder: \u00f6pp und die (Berater-) Fr\u00f6sche"},"content":{"rendered":"<p>Von Donnerstagskreis, Vereinigte Linke in der Berliner SPD<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Erkennen und Gestalten &ndash; Nr. 27 <\/strong><\/p><p><strong>Motto:<\/strong><\/p><blockquote><p>Rerum cognoscere causas &ndash; der Dinge Wesen ergr&uuml;nden<\/p>\n<div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div>\n<p class=\"reference\">Vergil\/J.W.Goethe<\/p>\n<\/blockquote><blockquote><p>Der Mangel an Urteilskraft ist eigentlich das, was man Dummheit nennt; und einem solchen Gebrechen ist gar nicht abzuhelfen.<\/p>\n<div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div>\n<p class=\"reference\">Immanuel Kant<\/p>\n<\/blockquote><p><strong>Verdienen an leeren Kassen<br>\noder: &ouml;pp und die (Berater-) Fr&ouml;sche<br>\n<\/strong><\/p><p>Die Berliner SPD kann stolz sein:<br>\nFranz M&uuml;ntefering und die Bundestagsfraktion haben sich bei Anette Fugmann-Heesing bedankt &ndash; schriftlich. Die hatte &bdquo;dienstlich&rdquo; als Vertreterin der Berliner Beratungsdienste Stobbe, Sachs, Nymoen GbR der Bundestagsfraktion geholfen, die Voraussetzungen f&uuml;r ein neues Finanzierungsmodell zu erarbeiten. Es soll den notleidenden Kommunen helfen, ihre verfallenden Bildungseinrichtungen zu erneuern und zu pflegen.<br>\nDas Modell firmiert unter dem Begriff ppp oder &ouml;pp. <\/p><p>Was ist &ouml;pp? Der Begriff der &bdquo;&ouml;ffentlich-privaten Partnerschaft&rdquo; &ndash; englisch: Public Privat Partnership (ppp) &ndash; meint die verschiedenen Formen privater Kapitalbeteiligung an der Finanzierung und Verwaltung von Infrastrukturen und Leistungen des &ouml;ffentlichen Sektors.<br>\nUnd wie dies in der Wirklichkeit aussieht, erfahren wir aus einem Modell, das &ndash; mit Dietrich Stobbes Ratschlag &ndash; in Offenbach (Hessen) umgesetzt wurde. Der dortige Landrat Peter Walter erkl&auml;rt stolz, dass ab 1.1.05 alle 90 Schulen im Kreis Offenbach von zwei privaten Unternehmen bewirtschaftet und saniert werden. Im Gegenzug hat sich die Gemeinde vertraglich verpflichtet, im Laufe von 15 Jahren 780 Millionen &euro; an die Privatfirmen Hochtief AG (49 Schulen f&uuml;r 410 Millionen &euro;) und die facility management Firma SKE (41 Schulen f&uuml;r 370 Mill. &euro;) zu zahlen. Daf&uuml;r verspricht Hochtief der Gemeinde alle Schulen innerhalb von 5 Jahren zu sanieren. <\/p><p><strong>Nun k&ouml;nnte man meinen, dass es sich um nichts anderes handelt, als um eine besonders teuere Vorfinanzierung:<\/strong><br>\nDenn nat&uuml;rlich strecken die Bau- und Facility -Firmen das Geld, das sie f&uuml;r das Bauen, Renovieren und Verwalten der Geb&auml;ude brauchen, nicht selbst vor. Das Geld kommt vielmehr aus dem &bdquo;Kapitalmarkt&rdquo;. Und da Geld nicht verschenkt wird, entstehen hohe Kosten!<\/p><p>Hochtiefgesch&auml;ftsf&uuml;hrer Bernward Kulle: <\/p><blockquote><p>F&uuml;r die Sanierung der 49 Schulen nehmen wir eigenes Geld und das der uns finanzierenden Banken in die Hand, ca. 100 &ndash; 130 Millionen &euro; in den ersten Jahren.&rdquo;<\/p><\/blockquote><p>Man darf ruhig nachrechnen. 100 &ndash;130 Millionen &euro; &bdquo;nehmen die Firmen in den ersten teuren Jahren der Renovierung &bdquo;in die Hand&rdquo;. 410 Millionen &euro; bekommen sie in 15 Jahren. Da wird man neugierig! Jedenfalls wundert nicht mehr, dass Banker und Wirtschaftswissenschaftler &bdquo;&ouml;pp&rdquo; als <strong>den<\/strong> Wachstumsmarkt der Zukunft f&uuml;r Banken und Versicherungen bezeichnen. Sie erwirtschaften sich ihre Gewinne durch weitere unn&ouml;tig hohe Verschuldung des Staates, also der Allgemeinheit.<br>\nUnd da sich der Vorgang sehr kompliziert gestaltet, braucht man auch viele Berater: Anw&auml;lte, Steuerberater, Betriebswirte vereint in der Boom-Branche der Consulting-Firmen, wie Bilfinger-Berger und Freshfields-Bruckhaus-Deringer oder BBD. <\/p><p><strong>Fazit:<\/strong> Es gibt also auf der Banker-Seite und auf der Beraterseite und auf der Seite der gro&szlig;en Baukonzerne ein gemeinsames Interesse: <strong>Geld vom Staat!<\/strong><\/p><p><strong>Offenbach konkret: <\/strong><br>\nAuf 30 Millionen &euro; beziffert Landrat Peter Walter die Beratungskosten. Das geheime Vertragswerk hat mehrere Tausend Seiten.<br>\nHauptgesch&auml;ftsf&uuml;hrer Herr Kulle von Hochtief &uuml;ber den Verhandlungspartner: &ldquo;Sie m&uuml;ssen wissen, Herr Walter hat ja in seiner Karriere vorher die Kripo in Frankfurt geleitet, einschlie&szlig;lich des Gl&uuml;cksspielreferates und er war ein gewiefter und professioneller Verhandlungsf&uuml;hrer.&rdquo;<br>\nUns macht dieses Lob von Herrn Kulle misstrauisch. <\/p><p><strong>Noch einmal:<\/strong><br>\n30 Millionen &euro; haben allein die Berater in Offenbach kassiert!<br>\nWichtig f&uuml;r diese Beraterfirmen sind Politiker, die f&uuml;r sie den sachunkundigen und juristisch nicht vorgebildeten Kolleginnen und Kollegen in den Kommunen erkl&auml;ren, wie g&uuml;nstig der 40 Aktenordner umfassende, geheime Vertrag, den auch sie nicht kennen, gerade f&uuml;r ihre Gemeinde ist.<br>\nDiese Aufgabe haben in Hessen Dietrich Stobbe und Anette Fugmann-Heesing &uuml;bernommen &ndash; Hessen ist die politische Heimat von Anette Fugmann-Heesing. <\/p><p><strong>Aber auch Berlin ist bereits in ihrem Visier:<\/strong><br>\nIm &bdquo;Leitantrag&rdquo; des Landesvorstandes zum &bdquo;arbeitsmarktpolitischen Landesparteitag der Berliner SPD&rdquo; am 04.12.2004 wurde der folgenden Satz untergebracht:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Hier sind auch neue Modelle zu entwickeln und zu erproben, die einen Ausgleich zwischen Investitionsnotwendigkeiten und Investitionsm&ouml;glichkeiten des Landes Berlins schaffen, wie beispielsweise bei der Schulsanierung, Parkpflege oder anderer vergleichbarer Bereiche.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Au&szlig;er dem Donnerstagskreis fiel das in seiner scheinbaren Harmlosigkeit niemandem auf. Wir wissen allerdings aus Offenbach, dass durch solche &bdquo;harmlosen Beschl&uuml;sse&rdquo; die Weichen gestellt werden. Am Ende beruft man sich dann auf &bdquo;einm&uuml;tige Parteitagsbeschl&uuml;sse&rdquo;. <\/p><p>Schwer hatte es das Duo Stobbe\/Fugmann-Heesing nicht, das &ouml;pp-Modell zur Sanierung hessischer Schulen zu erarbeiten. Denn beide hatten in Berlin ein sehr &auml;hnliches Modell kennen &ndash; und offenbar lieben &ndash; gelernt:<\/p><p><strong>Das Berliner Modell der Wohnungsbauf&ouml;rderung.<\/strong><\/p><p>Berlin (West) befand sich in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in einer schwierigen Situation. Die Stadt litt unter Wohnungsnot. Mit den klassischen Modellen der F&ouml;rderung war &ndash; wie heute &ndash; angesichts knapper Kassen die erforderliche Zahl von Wohnungen nicht zu bauen, ohne in sehr ernste Probleme mit dem Landeshaushalt zu kommen. Da kam &bdquo;man&rdquo; auf <strong>die<\/strong> Idee: <\/p><blockquote><p>Jetzt bauen und sp&auml;ter bezahlen.&rdquo;<\/p><\/blockquote><p>Zusatzeffekt f&uuml;r die Berliner Politik: Die wahren Investitionssummen wurden im j&auml;hrlichen Haushalt nicht ausgewiesen, galten also auch nicht als Verschuldung! Und so geschah es. Die Privaten bauten. Bald zu Wahnsinnspreisen! Die Finanzierung holten sie sich auf dem Kapitalmarkt &ndash; damals noch &uuml;ber normale Bankkredite. Und das Land Berlin &uuml;bernahm die volle Finanzierung f&uuml;r 15 Jahre &ndash; und dann sp&auml;ter f&uuml;r weitere 15 Jahre im Rahmen einer &ldquo;Anschlussf&ouml;rderung&rdquo;. Im jeweiligen Landeshaushalt stehen &ldquo;nur&rdquo; die Jahresraten zur Tilgung der eingegangenen Verpflichtungen.<br>\nDer Donnerstagskreis hat dieses Modell am 23.12.2002 wie folgt gew&uuml;rdigt:<\/p><blockquote><p>Mehr als jede andere politische Ma&szlig;nahme ruiniert die F&ouml;rderung des Berliner Wohnungsbaus den Berliner Haushalt. Selbst die Zahlungen zu Gunsten der Bankgesellschaft Berlin in H&ouml;he von 300 Millionen &euro; j&auml;hrlich nehmen sich gegen die fortlaufenden &bdquo;Schuldendiensthilfen&rdquo; als Folge der F&ouml;rderung des Berliner Wohnungsbaus in H&ouml;he von rund 1.271 Millionen &euro; (2,5 Milliarden DM) pro Jahr fast mager aus.&rdquo;<\/p><\/blockquote><p>Andere haben noch h&auml;rtere Worte gefunden:<br>\nDas System habe er &ndash; so Klaus Riebschl&auml;ger in der Berliner Zeitung vom 30.Juli 2003 &ndash; schon vor zwanzig Jahren als &bdquo;kriminell&rdquo; bezeichnet. Und der damalige Vorsitzende der &Ouml;TV, Dr. Kurt Lange, sprach in einem Artikel vom M&auml;rz 1986 von &bdquo;legaler Wirtschaftskriminalit&auml;t&rdquo;. <\/p><p>Die furchtbaren Folgen tr&auml;gt Berlin noch heute und ist f&uuml;r viele weitere Jahre an die milliardenschweren Verpflichtungserm&auml;chtigungen gebunden, die Politiker vor 15 Jahren gaben. Diese Milliarden w&uuml;rde das Land weitere Jahrzehnte tragen, wenn der Donnerstagskreis hierin unterst&uuml;tzt von Senator Sarrazin nicht in einem Kraftakt &ndash; gegen den erbitterten Widerstand des (damaligen) Bausenators und SPD &ndash; Landesvorsitzenden, Peter Strieder &ndash; die SPD-Fraktion h&auml;tte davon &uuml;berzeugen k&ouml;nnen, wie verbrecherisch die Fortsetzung dieses Systems gewesen w&auml;re. Die Klagen der &ldquo;Partner&rdquo; von damals auf Fortsetzung der Zahlungen des Landes mussten vor Gericht abgewehrt werden. <\/p><p>Alle Parteien von PDS bis FDP begr&uuml;&szlig;ten schlie&szlig;lich im Parlament den Stopp dieses &ldquo;Vorfinanzierungsmodells&rdquo;. Ob sie sich daran auch heute noch erinnern?! <\/p><p><strong>Das Schema der &bdquo;Berliner Wohnungsbauf&ouml;rderung&rdquo; und das der &bdquo;&ouml;pp&rdquo;-Modelle ist gleich, die Ausgangssituation fast identisch:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Die Finanznot der Kommunen,<\/li>\n<li>die Forderungen der B&uuml;rger nach Behebung eines unbestreitbaren und akuten Mangels,<\/li>\n<li>das Dilemma der Bauindustrie &ndash; damals in der eingemauerten Stadt, heute angesichts der investitionshemmenden sogenannten &bdquo;Sparpolitik&rdquo; in ganz Deutschland,<\/li>\n<li>das Beziehungsgeflecht von Politik und &ldquo;Wirtschaft&rdquo;.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Auch die handelnden &bdquo;Personen&rdquo; gleichen einander: <\/strong><\/p><ul>\n<li>Kurzsichtige Politiker, die zur Sicherung der Wiederwahl die Zukunft verkaufen,<\/li>\n<li>die Bauindustrie und ihre Interessenvertreter,<\/li>\n<li>die finanzierenden und am Gesch&auml;ft verdienenden Banken,<\/li>\n<li>die enge Zusammenarbeit von Politik und Geld, um durch Beziehungen an die Geldt&ouml;pfe zu kommen,<\/li>\n<li>die Risikoverteilung zu Lasten der Kommunen,<\/li>\n<li>die Verschleierung der Verschuldung im aktuellen Haushalt der Kommunen &ndash; nun auch wegen der Maastricht-Kriterien. Die Finanzierung, die &uuml;ber die Jahre ausschlie&szlig;lich die Kommune zu tragen hat, wird n&auml;mlich nicht der &ouml;ffentlichen Hand zugeschrieben, sondern der privaten Projektgesellschaft! Ein Buchungstrick mit dem Ziel der Verschleierung!<\/li>\n<\/ul><p><strong>Ge&auml;ndert haben sich einige Rahmenbedingungen<\/strong>, die freilich das Grundschema nicht ber&uuml;hren:<br>\n<strong>Die Botschaften des ideologischen &Uuml;berbaus<\/strong> &ndash; langfristig von der Bertelsmannstiftung, der K&ouml;rberstiftung, der Hanns-Martin-Schleyer-Stiftung und anderen Stiftungen der Deutschen Industrie erarbeitet und mit viel Geld immer wieder &bdquo;verkauft&rdquo; &ndash; sind kritiklos verbreitetes &bdquo;Allgemeingut&rdquo; der politischen Eliten geworden, obgleich sie ersichtlich falsch sind:<\/p><ul>\n<li>Private machen alles besser und billiger.<\/li>\n<li>Steuern senken schafft Arbeitspl&auml;tze.<\/li>\n<li>Das Verf&auml;lschen und Verw&auml;ssern klarer &ndash; und teilweise grundgesetzlich gesch&uuml;tzter &ndash; Werte und Begriffe:<br>\nAus Gleichheit wird &bdquo;Chancengleichheit&rdquo; (die jede Lotterie erf&uuml;llt), aus dem grundgesetzlichen Sozialstaatsgebot wird der &bdquo;Gew&auml;hrleistungsstaat&rdquo;, aus dem &bdquo;Recht auf Bildung&rdquo; wird das (k&auml;ufliche) &bdquo;Produkt Bildung&rdquo;, dessen Wert an der Verwertbarkeit der Menschen gemessen wird. So verwirtschaftet sich Politik.<\/li>\n<\/ul><p>Auch die Dimension ist neu: <strong>Es geht um Gesch&auml;fte in ganz Deutschland.<\/strong> Die Beteiligten sind m&auml;chtiger als sie es in der eingemauerten Stadt waren. Es sind nur gro&szlig;e Firmen, die auf diese Auftr&auml;ge spekulieren, es sind Banken und Versicherer, die einsteigen wollen. Und nat&uuml;rlich stehen die Beraterindustrie und die &bdquo;think-tanks&rdquo; der Privatindustrie hinter solchen Kampagnen. F&uuml;r Neoliberale geht es um den Kern ihrer Botschaft, viel Geld!<br>\n<strong>Aber die Not ist real &ndash; und damit das &bdquo;Erpressungspotential&rdquo; gegen&uuml;ber den Kommunen.<\/strong><\/p><ul>\n<li>Ein tats&auml;chliches und begr&uuml;ndetes Bed&uuml;rfnis nach Verbesserung der Situation in den Schulen, den Jugendeinrichtungen, der sozialen Infrastruktur- gem&auml;&szlig; dem Verfassungsauftrag ist so offenbar, dass man sich f&uuml;r Deutschland sch&auml;men muss,<\/li>\n<li>\neine Bauindustrie, in der nunmehr seit Jahren mangels selbsttragenden Wachstums und als Folge der rigorosen Sparpolitik der Kommunen, die Auftr&auml;ge fehlen, so dass gro&szlig;e Firmen wie Holzmann oder Walter Bau, trotz Lohndumping Pleite gehen,<\/li>\n<li>&uuml;ber 5 Millionen Arbeitslose, darunter viele Bauarbeiter,<\/li>\n<li>die Verlockungen der &ldquo;Haushaltsgestaltung&rdquo; f&uuml;r die Finanzpolitiker angesichts eingeschr&auml;nkter M&ouml;glichkeiten,<\/li>\n<li>die vielen gewerbsm&auml;&szlig;igen &bdquo;Berater&rdquo;, darunter viele Politiker, die ihren ehemaligen &ndash; manchmal auch aktuellen &ndash; Kollegen mit ihren Gesch&auml;ften in den Ohren liegen.<\/li>\n<\/ul><p>Daneben gibt es Sorgen durch die geplante Novellierung des Deutschen Vergaberechts nach den Richtlinien der EU:<br>\nAlle Liefer- und Dienstleistungsauftr&auml;ge und Bauauftr&auml;ge ab 5,9 Millionen &euro; sollen europaweit ausgeschrieben werden.<br>\nDies greift massiv in die M&ouml;glichkeiten der Kommunen ein, selbstbestimmt die Leistungen der Daseinsvorsorge an kommunale oder regionale Unternehmen zu &uuml;bertragen. <\/p><p>Der Investitionsbedarf allein bei den Schulen wird bis 2009 in Deutschland auf 79,3 Mrd. &euro; beziffert. <strong>Das ist ein Riesengesch&auml;ft.<\/strong><br>\nK&ouml;nnten die Kommunen diese Auftr&auml;ge an die regionalen Handwerksbetriebe vergeben, w&uuml;rden tats&auml;chlich Arbeitspl&auml;tze geschaffen und den Gemeinden geholfen. Das w&auml;re auch eine echte F&ouml;rderung des Mittelstands, von der die Parteien sonst immer nur reden.<br>\nEine Aufgabe f&uuml;r den Bundeskanzler: Seine Initiative gemeinsam mit anderen Nationen, die Maastricht &ndash; Kriterien neu zu gewichten, zielt auf einen richtigen Weg. Fazit: Es gibt einen akuten Bedarf, der auch befriedigt werden muss, will Deutschland in der Bildungspolitik nicht den Kontakt zur Weltspitze verlieren, den es auch f&uuml;r seine Wirtschaft braucht. <\/p><p><strong>W&auml;re da nicht &ouml;pp doch ein vertretbarer Weg, um die Aufgaben zu erf&uuml;llen und zu finanzieren?<\/strong><br>\nUm die g&uuml;nstigste Finanzierung dieser Investitionen geht es den Bef&uuml;rwortern f&uuml;r &Ouml;PP, wie sie selbst erkl&auml;ren, gar nicht &ndash; kann es auch nicht gehen. Denn der Zins, den eine Kommune f&uuml;r Kredite zahlt, wird immer g&uuml;nstiger sein als der Zins f&uuml;r ein privates Unternehmen &ndash; schon wegen der erh&ouml;hten Bonit&auml;ts- und Projektrisiken der Privaten.<br>\nDa offensichtlich ist, dass jedes &ouml;pp-Modell erschreckend viel teurer ist als die Kreditaufnahme, bem&uuml;hen sich seine Bef&uuml;rworter neben der Ideologie von der &Uuml;berlegenheit des privaten Wirtschaftens auf die Kosten zu dr&uuml;cken:<br>\nDamit die Konditionen der Banken f&uuml;r die Kredite privater Konzerne wie HochTief billiger werden, wird von den &Ouml;PP -Bef&uuml;rworten in der SPD verlangt:<\/p><ol>\n<li>Die Kommune soll Kreditb&uuml;rgschaften stellen!<\/li>\n<li>Die Kommune soll bez&uuml;glich der Forderungen der Bank auf das Recht der Einrede verzichten!<\/li>\n<li>Die KFW soll &ouml;ffentliche F&ouml;rdermittel f&uuml;r Private geben.<\/li>\n<\/ol><p>&ldquo;Alles wurde beim Pilotprojekt in Offenbach genutzt&rdquo;, beteuert Dr. Michael B&uuml;rsch MdB und Vorsitzender der Projektarbeitsgruppe &Ouml;PP der SPD Bundestagsfraktion. <\/p><p><strong>Dieses Modell kennen wir. Es hei&szlig;t Bankenskandal! <\/strong><\/p><p>Das Land muss alles bezahlen und &uuml;bernimmt alle Risiken, hat aber keinen Einfluss auf das Gesch&auml;ft und seine Erledigung.<br>\nEtwas anderes bedeutet der Verzicht auf Einreden n&auml;mlich nicht. So schlecht die Renovierung auch sein mag, so j&auml;mmerlich das Facility-Management auch arbeiten mag, die Kommune zahlt, zahlt selbst dann, wenn sie die Einrichtung gar nicht mehr ben&ouml;tigt.<br>\nWochenlang wurde in Offenbach um die &ldquo;Risikoverteilung&rdquo; gefeilscht. Nicht umsonst hat der Vertrag in Offenbach mehrere tausend Seiten. Das Ergebnis bleibt geheim. &Ouml;ffentlich wird nur die &bdquo;Meinung&rdquo; der Vertragspartner, dass durch die &ldquo;Effizienzgewinne&rdquo; alles viel g&uuml;nstiger ist, als es w&auml;re, wenn die Kommune Bauherr bliebe. Berlin wei&szlig;, dass diese &bdquo;Zusicherungen&rdquo; das Papier nicht wert sind, auf das sie geschrieben werden. Es gab diese Zusicherung bei dem Verkauf der Wasserbetriebe, der Bewag, der Gasag, es gab das Versprechen von &bdquo;Riesengewinnen&rdquo; der Bankgesellschaft. Und bezahlt haben die B&uuml;rger den &bdquo;Glauben&rdquo; der Politiker mit Milliarden-Zusch&uuml;ssen! <\/p><p><strong>Wir stellen fest:<br>\n&bdquo;&ouml;pp&rdquo; kostet immer mehr als ein Kredit, den die Kommune aufnimmt, um ihre Aufgaben selbst zu erledigen. Etwas ertr&auml;glicher werden die zus&auml;tzlichen Kosten, wenn die Kommune auf alles verzichtet, was sie gegen schlechte Arbeit, unn&ouml;tigen Aufwand und weggefallene Aufgaben geltend machen k&ouml;nnte. Dieser Verzicht kostet am Ende aber noch mehr als das dadurch ersparte Geld. Auch das wissen wir.<\/strong><\/p><p><strong>Und worin liegt dann der Reiz von &bdquo;&ouml;pp&rdquo;?<\/strong><br>\nGanz wichtig sei der Vorteil einer &bdquo;&ouml;pp L&ouml;sung&rdquo; bei der Finanzierung: <\/p><blockquote><p>Die Finanzierung wird &uuml;berwiegend der privaten Projektgesellschaft, nicht der &ouml;ffentlichen Hand zugeschrieben. Das ist f&uuml;r &ouml;ffentliche Investoren, deren Kreditspielraum ausgesch&ouml;pft ist, ein beachtlicher Aspekt&rdquo;!<\/p><\/blockquote><p><strong>Die Verschleierung der Verschuldung ist der einzige Vorteil der Kommunen und ihrer Politiker.<\/strong><br>\nDiesem scheinbaren Vorteil steht aber nicht nur entgegen, dass hier eine teure L&ouml;sung gew&auml;hlt wird.<br>\n<strong>Vielmehr drohen auch andere Gefahren und Nachteile:<\/strong><\/p><ul>\n<li>&Ouml;PP wird immer von gro&szlig;en Konzernen vorangetrieben, denn das Portfolio muss mindestens 30-50 Mio. &euro; betragen. Sonst lohnen sich auch die Berater nicht mehr.<br>\nDie Einbindung des Mittelstandes erfolgt bei diesen Projekten &ndash; wenn &uuml;berhaupt &ndash; nur durch Submissionsvertr&auml;ge. Das bedeutet f&uuml;r die regionalen Handwerker mit Arbeitspl&auml;tzen vor Ort, dass sie von den Gro&szlig;unternehmen total abh&auml;ngig und damit erpressbar werden. Am Ende wundern sich dann die Politiker &uuml;ber die vielen ausl&auml;ndischen Arbeitskr&auml;fte, die legal oder illegal in den Einrichtungen der &ouml;ffentlichen Hand arbeiten. Dabei haben sie das alles selbst veranlasst!<\/li>\n<li>Die gro&szlig;en Unternehmen wie HochTief werden die Forderungen an die Kommune von 15 Jahren mittels Asset-Backed-Securities (ABS) zu Geld machen. Dazu gr&uuml;ndet man &ndash; wie in Offenbach &ndash; eine sogenannte &bdquo;Zweckgesellschaft&rdquo;. Banken kaufen dieser rechtlich selbst&auml;ndigen Zweckgesellschaft die Forderungen ab, die diese gegen die Kommune vertragsgem&auml;&szlig; besitzt. Die Betreiberfirmen (hier HochTief) achten dann darauf, dass diese Zweckgesellschaft nicht mehr zu ihrem Konsolidierungskreis geh&ouml;rt.<br>\nDamit haftet der Verk&auml;ufer nur noch f&uuml;r den rechtlichen Bestand und nicht mehr f&uuml;r die Einbringbarkeit der Forderungen. Es wird eine Trennung zwischen Verk&auml;ufer und den zu verkaufenden Bilanzaktiva erreicht.<br>\nIm Gegenzug zum Verkauf der Forderungen erhalten die Unternehmer vom Finanzdienstleister (Banken) die ausstehenden Rechnungssummen. Die Finanzdienstleister ihrerseits b&uuml;ndeln diese Forderungen und machen marktf&auml;hige Papiere daraus, die als Anleihen am Kapitalmarkt angeboten werden.<\/li>\n<\/ul><p>Dies klingt nicht nur undurchsichtig &ndash; es ist auch gef&auml;hrlich, wie wir aus allen solchen Gesch&auml;ften wissen.<br>\nUnsere Erfahrungen haben uns gelehrt, dass Privatisierung stets zu einer Verschlechterung der Leistungen gef&uuml;hrt hat und zu einer Entmachtung der Politik. Und wer glaubte, sich damit aus der Verantwortung schleichen zu k&ouml;nnen, wurde entt&auml;uscht. Die B&uuml;rger machen die Politik zu Recht verantwortlich &ndash; und die hat nicht einmal mehr die M&ouml;glichkeit, Fehler zu korrigieren.<br>\nDas kommunale Handwerk wird ausgeschaltet und h&auml;ufig in die Pleite getrieben. Die Arbeitslosigkeit w&auml;chst. Die langfristige Verschuldung knebelt ganze k&uuml;nftige Generationen. <\/p><p><strong>Nachwort<\/strong><br>\nDamit wir uns richtig verstehen: &ouml;pp-Vorhaben besitzen f&uuml;r viele, die daran verdienen, viel Charme. Jedes Projekt ist einmalig. Chancen und Risiken m&uuml;ssen jedes Mal neu definiert werden. Und das erfordert viele Berater.<br>\nNeben Banken und Baufirmen sind hier die Nutznie&szlig;er dieses Finanzierungsmodells zu finden. Und wie ihre wirklichen Auftraggeber haben sie die Feinde ihrer Projekte ausgemacht.<br>\nLandrat Walter, wir erinnern uns an ihn als Gl&uuml;cksspielexperten, benennt die Feinde: Absurde Widerst&auml;nde g&auml;be es dort, wo ein hoher gewerkschaftlicher Organisationsgrad vorhanden sei. Dort w&uuml;rden, so Walter, Begriffe wie &bdquo;privat&rdquo; und &bdquo;Markt&rdquo; stigmatisiert. Sozialdemokraten, die auf die Ziele ihrer Partei pochen, hat Herr Walter offenbar schon gar nicht mehr erlebt.<\/p><p><strong>Damit kommen wir zu den Zielen von &ouml;pp jenseits der Zahlen. <\/strong><br>\nBerlins ehemaliger B&uuml;rgermeister und Schulsenator Walter Rasch (FDP), nennt &ouml;pp den K&ouml;nigsweg zur &bdquo;Entstaatlichung&rdquo;. Hat er Recht? Oder dr&auml;ngt &ouml;pp mit seinen jahrzehntelangen Festlegungen Parlamente auf allen Ebenen &uuml;ber viele Wahlperioden hinweg aus der Verantwortung f&uuml;r Haushalt und Kontrolle der Verwaltung? Wird damit nicht die Demokratie in Bund, L&auml;ndern und Gemeinden ausgeh&ouml;hlt und letztlich aufgehoben?<br>\nBerlin hat Erfahrung mit &ouml;pp. Die Errichtung des &bdquo;Steglitzer Kreisels&rdquo; war so ein Modell! Viele Sozialdemokraten sind dar&uuml;ber gest&uuml;rzt! Nun w&uuml;rde der &bdquo;Kreisel&rdquo; nachtr&auml;glich zu einem &bdquo;Aufbruch zu neuen Ufern&rdquo;. Wolf Jobst Siedler war dies eine Betrachtung unter der &Uuml;berschrift &bdquo;Korrupt im Kopf&rdquo; wert &ndash; in der FAZ vom 17.11.1986. Man kann wohl auch das Tempodrom &ndash; Desaster in diese Reihe stellen &ndash; und nat&uuml;rlich den Bankenskandal.<\/p><p>Das Publikum vergisst schnell, denken die immergleichen Akteure. <\/p><blockquote><p>Der Erfolg ist der Lehrmeister der Dummen.&rdquo;<\/p>\n<div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div>\n<p class=\"reference\">&hellip;sagt Livius<\/p>\n<\/blockquote><p> Der Misserfolg soll &ndash; auch auf die Dummen &ndash; angeblich die gleiche Wirkung haben. Zweifel daran sind angebracht. Um zu erkennen, dass man abermals f&uuml;r dumm verkauft werden soll, bedarf es eines Restes an Urteilskraft.<br>\nWir k&ouml;nnen nur an Erfahrungen erinnern und die Gefahren aufzeigen. Die Schlussfolgerungen muss jeder selbst ziehen &ndash; wenn er dazu in der Lage ist. Sonst gilt, was Kant in dem als Motto f&uuml;r diese Brosch&uuml;re gew&auml;hlten Zitat sagt. <\/p><p>Ein anderes vielzitiertes Wort f&uuml;r das &Uuml;berwinden von Hindernissen hei&szlig;t: <\/p><blockquote><p>Wer den Sumpf trocken legen will, darf nicht die Fr&ouml;sche fragen.&rdquo;<\/p><\/blockquote><p> Das gilt auch, wenn die Fr&ouml;sche als Berater auftreten. Der Sumpf, der hier trocken gelegt werden soll, ist den Berlinern bekannt. <\/p><p>Man kann sich leicht vorstellen, wie &ouml;pp in Berlin auftritt, wenn auf oder nach dem Bildungsparteitag die Fata Morgana der Sanierung der Berliner Schulen aus dem Nichts leerer Haushaltskassen aufsteigt. Wir ahnen die Retter und Propheten. Und wir werden sie im Auge behalten und ihre Botschaften genau betrachten. <\/p><p>Berlin, im M&auml;rz 2005 <\/p><p>Gerlinde Schermer &ndash; Dr. Konstanze Kube &ndash; Jan Flach &ndash; Thomas Rudek &ndash; Hans-Georg Lorenz\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Donnerstagskreis, Vereinigte Linke in der Berliner SPD<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[136,127,144,191],"tags":[413,1142],"class_list":["post-192","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-banken-boerse-spekulation","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-private-public-partnership","category-spd","tag-schlanker-staat","tag-wohnungswirtschaft"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/192","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=192"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/192\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32092,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/192\/revisions\/32092"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=192"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=192"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=192"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}