{"id":19241,"date":"2013-11-13T12:11:57","date_gmt":"2013-11-13T11:11:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19241"},"modified":"2015-10-12T14:30:16","modified_gmt":"2015-10-12T12:30:16","slug":"manager-gehaelter-spd-und-union-wollen-fdp-vorschlag-umsetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19241","title":{"rendered":"Manager-Geh\u00e4lter \u2013 SPD und Union wollen FDP-Vorschlag umsetzen"},"content":{"rendered":"<p>Wie die <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/grosse-koalition-aktionaere-sollen-manager-gehaelter-festlegen-1.1816985\">S&uuml;ddeutsche gestern meldete<\/a>, sind sich SPD und Union bei ihren Koalitionsverhandlungen offenbar dar&uuml;ber einig, eine gesetzliche &Auml;nderung bei der Festlegung der Managergeh&auml;lter durchzuf&uuml;hren. Man wolle umsetzen, dass &bdquo;k&uuml;nftig die Aktion&auml;re &uuml;ber die Managergeh&auml;lter entscheiden und nicht mehr der Aufsichtsrat&ldquo;. Was sich auf den ersten Blick wie eine sinnvolle &Auml;nderung anh&ouml;ren mag, ist bei genauerer Betrachtung jedoch bereits heute m&ouml;glich. Unter dem Strich w&uuml;rde eine solche Regelung jedoch die der Rechte der Gewerkschaften beschneiden. Kein Wunder, schlie&szlig;lich greift dieser Entschluss 1:1 auf ein Positionspapier der FDP zur&uuml;ck. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDie Hauptversammlung der Aktion&auml;re entscheidet schon heute direkt &uuml;ber die Bez&uuml;ge des Aufsichtsrats einer Aktiengesellschaft und das System der Verg&uuml;tungen &ndash; aber nicht die H&ouml;he &ndash; des Vorstands, also des operativen Top-Managements. Die H&ouml;he der Vorstandsbez&uuml;ge wird vom Aufsichtsrat der AG festgelegt, der durch das Mitbestimmungsgesetz parit&auml;tisch mit Vertretern der Kapitalseite, also den Besitzern des Unternehmens, und Vertretern der Arbeitnehmerseite besetzt ist, die meist von den Gewerkschaften gestellt werden. Folgt man dem Vorschlag von SPD und Union, w&uuml;rde also k&uuml;nftig ausschlie&szlig;lich die Kapitalseite die Bez&uuml;ge des Top-Managements festlegen, w&auml;hrend bislang hier auch die Arbeitnehmerseite ein Mitspracherecht hat.&nbsp;<\/p><p>Die M&ouml;glichkeit, die Geh&auml;lter und Boni des Top-Managements festzulegen, besitzen die Aktion&auml;re &uuml;brigens schon heute &ndash; wenn auch nur indirekt. Seit 2009 k&ouml;nnen die Aktion&auml;re explizit &uuml;ber das Verg&uuml;tungssystem abstimmen. Interessanterweise scheinen die Aktion&auml;re jedoch mit den &bdquo;Gehaltsexessen&ldquo; keine nennenswerten Probleme zu haben. Es ist bis dato nur ein einziger Fall bekannt (<a href=\"http:\/\/www.welt.de\/finanzen\/article8191205\/Die-Wut-der-Aktionaere-ueber-die-Vorstandsgehaelter.html\">HeidelbergCement<\/a>), bei dem die Hauptversammlung der Aktion&auml;re das Verg&uuml;tungssystem des Vorstands gekippt hat. Das ist aber auch nicht sonderlich &uuml;berraschend. Bei der Hauptversammlung der Aktion&auml;re haben schlie&szlig;lich nicht die Kleinaktion&auml;re das Sagen, sondern die gro&szlig;en Anteilseigner, darunter die Banken und Fonds, an die die allermeisten Kleinaktion&auml;ren ihr Stimmrecht automatisch abtreten. <\/p><p>Da stellt sich nat&uuml;rlich unweigerlich die Frage, was SPD und Union mit ihrem Vorschlag &uuml;berhaupt bewirken wollen? Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass die Aktion&auml;re, die auch bislang (mit einer einzigen Ausnahme) jedes mal dem vorgeschlagenen Verg&uuml;tungssystem zugestimmt haben, anders entscheiden w&uuml;rden, wenn sie nicht nur dem Verg&uuml;tungssystem, sondern auch der im Verg&uuml;tungssystem festgelegten H&ouml;he der Geh&auml;lter und Boni zustimmen d&uuml;rften. Von den Aktion&auml;ren von VW oder der Deutschen Bank gab es beispielsweise auch in der Vergangenheit keine nennenswerte Kritik an den achtstelligen Bez&uuml;gen der Vorstandsvorsitzenden Winterkorn und Ackermann. Und der Bonus von 80 Millionen Euro, den der Investmentbanker Christian Bittar von seinem Arbeitgeber Deutsche Bank erhalten hat, w&auml;re durch die geplante Gesetzesinitiative noch nicht einmal ber&uuml;hrt, da Bittar in keinem der Organe der AG sitzt, sondern ein normaler Angestellter ist. <\/p><p>Was SPD und Union heute mit einer Hoffnung auf eine &bdquo;gewisse Zur&uuml;ckhaltung bei der Festlegung der Geh&auml;lter&ldquo; verkaufen, wurde von der FDP vor wenigen Monaten mit dem Argument lanciert, <a href=\"http:\/\/www.fdp.de\/Aktionaersrechte-staerken\/4296c17295i1p406\/index.html\">man wolle die &bdquo;Eigentumsrechte st&auml;rken&ldquo;<\/a>. Auf eine gewisse Weise ist es schon tragisch, dass eine schwarz-rote Koalition ein Gesetz umsetzen will, das im Kern auf einer FDP-Forderung basiert. Und ob die Geh&auml;lter und Boni des Top-Managements zur&uuml;ckgehen, wenn k&uuml;nftig die Arbeitnehmerseite gar nicht mehr mitbestimmen darf und stattdessen ausschlie&szlig;lich die Kapitalseite das Sagen hat, darf zumindest bezweifelt werden.<\/p><p>Dabei ginge es auch anders. Es w&auml;re bei einer Regulierung der Manager-Geh&auml;lter vor allem wichtig, die H&ouml;he der Boni gesetzlich zu begrenzen. Die diesbez&uuml;gliche EU-Initiative, weist hier den richtigen Weg. So sollen Boni verboten werden, die mehr als doppelt so hoch sind wie das Festgehalt. W&uuml;rde man diese Initiative in Deutschland umsetzen, w&auml;re dies ein richtiger und wichtiger Schritt nach vorn. Und dabei geht es weniger um die absolute H&ouml;he der Bez&uuml;ge, sondern vielmehr um fragw&uuml;rdige Anreize, die durch die Boni geschaffen werden. Wenn sich die Boni auf kurzfristige Ziele, wie den Aktienkurs oder die Quartals- bzw. Jahresbilanz, beziehen, so widerspricht dies einer nachhaltigen und langfristigen Strategie, bei der oft kurz- und mittelfristig schlechtere Zahlen in Kauf genommen werden m&uuml;ssen.<\/p><p>Wenn es um die H&ouml;he der gesamten Bez&uuml;ge geht, greift ohnehin nur das Steuersystem als wirkungsvolle Regulation. Sollte der Gesetzgeber beispielsweise der Ansicht sein, dass kein Manager mehr als 500.000 Euro pro Jahr verdienen solle, k&ouml;nnte er hier gleich doppelt ansetzen: Auf Seiten des Arbeitgebers k&ouml;nnte er eine Regelung verabschieden, nach der Managerbez&uuml;ge von mehr als 500.000 Euro steuerlich nicht mehr als Ausgaben absetzbar sind. Dies h&auml;tte zweifelsohne einen Lenkungseffekt, da die hohen Geh&auml;lter dann direkt aus der Rendite der Aktion&auml;re abflie&szlig;en w&uuml;rden. Und selbstverst&auml;ndlich k&ouml;nnte der Gesetzgeber sich zus&auml;tzlich auch noch &uuml;ber die Einkommensteuer einen Gro&szlig;teil der Top-Geh&auml;lter zur&uuml;ckholen. Bei einem Spitzensteuersatz von 75%, wie er in Frankreich umgesetzt werden soll, w&uuml;rden drei Viertel der Gehaltssumme, die eine bestimmte Schwelle &uuml;berschreitet, dem Fiskus zugef&uuml;hrt. Bei einer solchen Steuerquote w&auml;ren exzessive Geh&auml;lter kein gesellschaftliches Problem mehr. Doch davon wollen weder die SPD noch CDU etwas wissen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/a308ec5034b14c9687ee6f97a3336431\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie die <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/grosse-koalition-aktionaere-sollen-manager-gehaelter-festlegen-1.1816985\">S&uuml;ddeutsche gestern meldete<\/a>, sind sich SPD und Union bei ihren Koalitionsverhandlungen offenbar dar&uuml;ber einig, eine gesetzliche &Auml;nderung bei der Festlegung der Managergeh&auml;lter durchzuf&uuml;hren. 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