{"id":19255,"date":"2013-11-14T10:30:56","date_gmt":"2013-11-14T09:30:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19255"},"modified":"2019-04-29T12:43:22","modified_gmt":"2019-04-29T10:43:22","slug":"neoliberales-zitierkartell-mit-fragwuerdigen-zahlen-gegen-mindestloehne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19255","title":{"rendered":"Neoliberales Zitierkartell \u2013 mit fragw\u00fcrdigen Zahlen gegen Mindestl\u00f6hne"},"content":{"rendered":"<p>In den letzten Wochen h&auml;ufen sich Presseartikel und wissenschaftliche Arbeiten, in denen nachdr&uuml;cklich gegen die Einf&uuml;hrung eines allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland Stellung bezogen wird. Man k&ouml;nnte den Eindruck bekommen, dass hier von einer gro&szlig;en Zahl an Akteuren regelrecht eine Kampagne losgetreten wurde. Eines der in vielen Artikeln und Arbeiten immer wiederkehrenden Argumente lautet, dass ein Mindestlohn von 8,50 Euro im internationalen Vergleich sehr hoch bzw. zu hoch sei. Als Beleg daf&uuml;r wird in vielen dieser Texte, offen oder verdeckt, direkt oder indirekt, auf eine einzige, am Institut der deutschen Wirtschaft entstandene Studie Bezug genommen. Diese Quelle aber ist &auml;u&szlig;erst kritisch zu sehen. Von <strong>Patrick Schreiner<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19255#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>]<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Mindestl&ouml;hne &ndash; was das Institut der deutschen Wirtschaft sagt<\/strong><\/p><p>Worum geht es? Seit etwa zehn Jahren wird in Deutschland intensiv &uuml;ber das F&uuml;r und Wider eines allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns diskutiert. Je n&auml;her 2013 die Bundestagswahl r&uuml;ckte, desto intensiver wurde diese Debatte &ndash; mit einem erneuten H&ouml;hepunkt im Zuge der aktuellen Koalitionsverhandlungen zwischen CDU\/CSU und SPD. Seit langer Zeit warnt auch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) vor der Einf&uuml;hrung von Mindestl&ouml;hnen. Das &uuml;berrascht nicht: Schlie&szlig;lich ist das <a href=\"http:\/\/www.iwkoeln.de\/de\/institut\">IW<\/a>) <a href=\"https:\/\/lobbypedia.de\/wiki\/Institut_der_deutschen_Wirtschaft\">ein arbeitgebernahes Wirtschaftsforschungsinstitut<\/a>. <\/p><p>Als IW-Experte in Sachen Mindestlohn tritt immer wieder <a href=\"http:\/\/www.iwkoeln.de\/de\/wissenschaft\/expertenliste\/detail\/12914\">Dr. Hagen Lesch<\/a> auf, der auf der Webseite des IW als &bdquo;Leiter Kompetenzfeld Strukturwandel, Verteilung, Lohnfindung&ldquo; vorgestellt wird. Dabei &auml;u&szlig;ert er sich regelm&auml;&szlig;ig kritisch zu Mindestl&ouml;hnen, beispielsweise bei der FDP (<a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=nztSDk56xQw\">Video<\/a> &ndash; seine Ausf&uuml;hrungen zum Thema dieses Artikels beginnen ab Minute 3:04). Interessant ist f&uuml;r die nachfolgenden Ausf&uuml;hrungen eine Studie, die Lesch im Januar 2013 gemeinsam mit zwei Kollegen (<a href=\"http:\/\/www.iwkoeln.de\/de\/wissenschaft\/expertenliste\/detail\/95880\">Moritz Heumer und Christoph Schr&ouml;der<\/a>) erstellt und in der IW-Zeitschrift &bdquo;IW-Trends&ldquo; ver&ouml;ffentlicht hat: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.iwkoeln.de\/de\/studien\/iw-trends\/beitrag\/moritz-heumer-hagen-lesch-christoph-schroeder-mindestlohn-einkommensverteilung-und-armutsrisiko-104565\">Mindestlohn, Einkommensverteilung und Armutsrisiko<\/a>&ldquo;. Eines der Argumente, das Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der darin gegen einen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn anf&uuml;hren, ist, dass ein Mindestlohn von 8,50 Euro im Vergleich mit den allgemeinen gesetzlichen Mindestl&ouml;hnen in anderen L&auml;ndern ein sehr hohes bzw. zu hohes Niveau bedeuten w&uuml;rde. Um dies nachzuweisen, greifen sie auf den so genannten &bdquo;Kaitz-Index&ldquo; zur&uuml;ck, einen im Grunde durchaus angemessenen Indikator, der die Vergleichbarkeit von Mindestl&ouml;hnen gew&auml;hrleisten soll. Ich zitiere Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der 2013, S. 5:<\/p><blockquote><p>\n<em>Die Dimension der geforderten Mindestlohnh&ouml;he l&auml;sst sich durch einen weiteren internationalen Vergleich darstellen. Der Kaitz-Index gibt Auskunft &uuml;ber den relativen Wert des Mindestlohns (Lesch, 2004; Schulten, 2012). Ein Mindestlohn von 8,50 Euro je Stunde entspr&auml;che (unter sonst gleichen Bedingungen) bei Vollzeitbesch&auml;ftigten 53 Prozent des Durchschnittslohns und 58 Prozent des mittleren Lohns (Medianlohns). Bei 7,50 Euro je Stunde l&auml;ge der Kaitz-Index bei 47 (Durchschnittslohn) und 51 Prozent (Medianlohn). Mit beiden Relationen l&auml;ge Deutschland im internationalen Vergleich an der Spitze. Frankreich kam 2011 auf 48 und 60 Prozent, das Vereinigte K&ouml;nigreich auf 38 und 47 Prozent sowie die USA auf 28 und 38 Prozent (OECD, 2012). Vor diesem Hintergrund erscheint die derzeit geforderte Mindestlohnh&ouml;he nicht nur recht ambitioniert, sie birgt auch arbeitsmarktpolitische Risiken.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Es ist durchaus richtig und verbreitet, den Kaitz-Index als Indikator zu verwenden (auch wenn er in mancher Hinsicht Schw&auml;chen hat). Er gibt, wie Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der richtig anmerken, die relative H&ouml;he eines Mindestlohns im Verh&auml;ltnis zum Durchschnitts- bzw. Medianlohn eines Landes wieder. (Zur Erl&auml;uterung: Der Medianlohn bezeichnet denjenigen Lohn, der die Menge aller L&ouml;hne in zwei gleich gro&szlig;e H&auml;lften teilt, die eine H&auml;lfte mit allen h&ouml;heren L&ouml;hnen, die andere H&auml;lfte mit allen niedrigeren L&ouml;hnen). Mathematisch gilt: Je h&ouml;her der Durchschnitts- bzw. Medianlohn, desto niedriger wird bei gegebenem Mindestlohn der Kaitz-Index ausfallen. Und entsprechend umgekehrt: Je niedriger der Durchschnitts- bzw. Medianlohn, desto h&ouml;her wird bei gegebenem Mindestlohn der Kaitz-Index ausfallen.<\/p><p>Wenn Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der in obigem Zitat behaupten, dass ein Mindestlohn von 8,50 Euro bei Vollzeitbesch&auml;ftigten 53 Prozent des Durchschnittslohns und 58 Prozent des Medianlohns entspr&auml;che, so liegt dem die Annahme zugrunde, dass der Durchschnittslohn in Deutschland 16,04 Euro und der Medianlohn 14,66 Euro betr&auml;gt. Wissenschaftlich (mindestens) unredlich ist allerdings, dass an keiner Stelle erl&auml;utert wird, wie diese Stundenl&ouml;hne berechnet wurden. Zwar l&auml;sst sich die Datenquelle wohl einigerma&szlig;en ableiten, dazu siehe unten, das Berechnungsverfahren aber bleibt unklar. Die Durchschnitts- und Medianl&ouml;hne werden noch nicht einmal selbst aufgef&uuml;hrt. Lediglich der Kaitz-Index &ndash; 53 Prozent bzw. 58 Prozent &ndash; wird genannt und mit dem Kaitz-Index f&uuml;r (allerdings zu wenige) andere L&auml;nder verglichen. Und dies mit dem Ergebnis, dass ein deutscher Mindestlohn von 8,50 Euro &bdquo;im internationalen Vergleich an der Spitze&ldquo; liegen soll.<\/p><p>Es bestehen durchaus Zweifel an der Korrektheit dieser Zahlen. Drei Hinweise:<\/p><ol>\n<li>Das Institut f&uuml;r Wirtschaftsforschung Halle (IWH) nennt in seiner <a href=\"http:\/\/www.iwh-halle.de\/d\/publik\/presse\/19-13L.pdf\">Pressemeldung 19\/2013 [PDF &ndash; 149 KB]<\/a> einen Median-Stundenlohn f&uuml;r Deutschland; interessant ist diese Berechnung, weil man hier mit dem SOEP die gleiche Datengrundlage verwendet hat, die offenbar auch Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der herangezogen haben (dazu siehe unten). Das IWH kommt zu dem Ergebnis, dass 2011 der Median-Stundenlohn in Deutschland 15,00 Euro betragen habe &ndash; allerdings ohne Sonderzahlungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld und ohne Trinkgelder zu ber&uuml;cksichtigen. W&uuml;rden auch diese einbezogen, so l&auml;ge der Median-Stundenlohn nochmals deutlich h&ouml;her. Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der gehen dem gegen&uuml;ber mit ihrem Median-Stundenlohn von 14,66 Euro von einem offensichtlich viel zu niedrigen Wert aus, zumal sie, um Vergleichbarkeit mit den OECD-Daten zu gew&auml;hrleisten, Sonderzahlungen einbezogen haben m&uuml;ssten. Zus&auml;tzlich zu bedenken ist, dass die L&ouml;hne seit 2011 gestiegen sind, der tats&auml;chliche Median-Stundenlohn heute also h&ouml;her liegt.<\/li>\n<li>Wie <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/11_6255.htm\">Dr. Thorsten Schulten<\/a> vom Wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) in der Hans-B&ouml;ckler-Stiftung in einer <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/pm_wsi_ta_2013_11_06.pdf\">Pressemeldung [PDF &ndash; 610 KB]<\/a> zeigt, w&auml;re ein Mindestlohn von 8,50 Euro auch nach Zahlen der Besch&auml;ftigungsstatistik der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit (BA) im Vergleich zu anderen L&auml;ndern keineswegs hoch. 2011 betrug der Medianlohn f&uuml;r Vollzeitbesch&auml;ftigte laut BA 2.829 Euro. Dies entspricht bei einer 40-Stunden-Woche einem Median-Stundenlohn von 16,35 Euro. Bei einer 39,1-Stunden-Woche (der tats&auml;chlichen durchschnittlichen Arbeitszeit von Vollzeitbesch&auml;ftigten laut Statistischem Bundesamt) entspricht dies sogar einem Median-Stundenlohn von 16,73 Euro. Beide Werte sind deutlich h&ouml;her als die von Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der genannten 14,66 Euro. Auch hierbei ist zu bedenken, dass die L&ouml;hne seit 2011 nochmals angestiegen sind, der Median-Stundenlohn heute also h&ouml;her liegt.<\/li>\n<li>Das Statistische Bundesamt weist f&uuml;r das 2. Quartal 2013 f&uuml;r vollzeitbesch&auml;ftigte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einen durchschnittlichen Stundenlohn von 22,86 Euro aus. In diese Zahl flie&szlig;en allerdings keine Daten von Betrieben mit weniger als 10 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein, und auch bestimmte Branchen werden nicht ber&uuml;cksichtigt. Da gerade kleine Betriebe in der Regel niedrigere L&ouml;hne zahlen, d&uuml;rfte dieser Durchschnitts-Stundenlohn damit zu hoch sein. Dennoch: Der hohe Wert legt zumindest die Vermutung nahe, dass der durchschnittliche Stundenlohn in Deutschland deutlich h&ouml;her ist, als Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der mit ihrem Durchschnitts-Stundenlohn von 16,04 Euro behaupten.<\/li>\n<\/ol><p>Wenn Median- und Durchschnittslohn in Deutschland aber h&ouml;her sind, als Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der angeben, so w&auml;re ein Stundenlohn von 8,50 Euro im internationalen Vergleich keineswegs im oberen Bereich oder gar &bdquo;an der Spitze&ldquo;, sondern eher im mittleren oder unteren Bereich angesiedelt. <\/p><ul>\n<li>F&uuml;r den Median-Stundenlohn betr&auml;gt der Kaitz-Index auf Basis der genannten WSI-Zahlen 52 Prozent bzw. 50,8 Prozent &ndash; wohlgemerkt, im Jahr 2011; durch die seither gestiegenen L&ouml;hne liegt der Kaitz-Index 2013 tats&auml;chlich nochmals niedriger. Gegen&uuml;ber den von Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der behaupteten 58 Prozent ist dies ein doch sehr deutlicher Unterschied.<\/li>\n<li>Der Kaitz-Index f&uuml;r den durchschnittlichen Stundenlohn betr&auml;gt auf Basis der genannten Zahlen des Statistischen Bundesamts 37,2 Prozent. Selbst wenn man ber&uuml;cksichtigt, dass die vom Statistischen Bundesamt berechneten Stundenl&ouml;hne &uuml;berh&ouml;ht sind, besteht gegen&uuml;ber den von Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der behaupteten 53 Prozent noch genug Spielraum, um letztere zu bezweifeln.<\/li>\n<\/ul><p>Wie k&ouml;nnte aber die Abweichung der IW-Zahlen zustande kommen? Warum erhalten Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der g&auml;nzlich andere Ergebnisse? Um diese Frage zu beantworten, w&auml;re es wichtig, die Berechnungsweise der IW-Zahlen zu kennen. Die aber wird in der IW-Studie so gut wie gar nicht offengelegt. Es finden sich lediglich einige methodische Anmerkungen, deren Relevanz f&uuml;r die Berechnung des Kaitz-Index unklar bleibt (ich zitiere Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der 2013, S. 3-4):<\/p><blockquote><p>\n<em>Grundlage der Lohnschichtung bildet das Sozio-oekonomische Panel (SOEP). Das SOEP ist eine j&auml;hrlich stattfindende Haushaltsbefragung, an der etwa 20.000 Personen teilnehmen. [&hellip;] F&uuml;r die hier interessierenden Fragen ist die Entwicklung am aktuellen Rand entscheidend. Dazu steht die 28. Befragungswelle des SOEP mit Angaben f&uuml;r das Jahr 2011 zur Verf&uuml;gung (SOEP, 2012). In der hier verwendeten Stichprobe sind alle abh&auml;ngig besch&auml;ftigten Arbeitnehmer enthalten, also auch Studenten oder Rentner, die gegen Entgelt gearbeitet haben &ndash; dies sind 9.837 Personen. Die Anzahl der Antworten im SOEP erlaubt die Hochrechnung der L&ouml;hne f&uuml;r 32,7 Millionen abh&auml;ngig Besch&auml;ftigte.<\/em><\/p>\n<p><em>Da nur das Monatseinkommen erfragt wird, muss der Stundenlohn errechnet werden. Dies geschieht auf der Basis von Angaben zur regelm&auml;&szlig;ig geleisteten tats&auml;chlichen Arbeitszeit ohne Fehlzeiten. F&uuml;r die Verwendung der tats&auml;chlichen Arbeitszeit spricht, dass der effektive Stundenlohn berechnet wird. Dieser kann unter dem vertraglich vereinbarten Stundenlohn liegen, beispielsweise, wenn unbezahlte Mehrarbeit anf&auml;llt und nicht abgegolten wird. Die tats&auml;chliche Arbeitszeit liegt im Durchschnitt um sechs Stunden &uuml;ber der vertraglich vereinbarten. Entsprechend f&auml;llt der durchschnittliche Stundenlohn auf Basis der tats&auml;chlichen Arbeitszeit mit 15,09 Euro niedriger aus als der durchschnittliche Stundenlohn bei der vereinbarten Arbeitszeit (16,66 Euro). [&hellip;] Dabei werden Auszubildende, Wehr- und Zivildienstleistende, Arbeitnehmer in Behindertenwerkst&auml;tten, Ein-Euro-Jobber, Arbeitslose in Arbeitsbeschaffungsma&szlig;nahmen oder mit Erwerbseinkommen sowie Besch&auml;ftigte, die Altersteilzeit mit Nullstunden in Anspruch nehmen, nicht ber&uuml;cksichtigt.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Diese Ausf&uuml;hrungen bilden in der IW-Studie ausdr&uuml;cklich die Grundlage der Berechnung der &bdquo;Lohnschichtung&ldquo;, also eines anderen Sachverhalts, gehen aber zugleich unmittelbar der Berechnung des Kaitz-Index voraus. Da &ndash; wie oben ausgef&uuml;hrt &ndash; Angaben zur Datengrundlage f&uuml;r letzteren fehlen, liegt die Vermutung nahe, dass Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der bei der Berechnung der Stundenl&ouml;hne zur Bestimmung  des Kaitz-Index weitgehend wie bei der Berechnung der &bdquo;Lohnschichtung&ldquo; vorgegangen sind, also insbesondere auch SOEP-Zahlen verwendet haben. Da sie allerdings angeben, f&uuml;r den Kaitz-Index analog zu den internationalen OECD-Daten korrekterweise nur Vollzeitbesch&auml;ftigte ber&uuml;cksichtigt zu haben, m&uuml;sste mindestens ein Unterschied zwischen der im zweiten Zitat beschriebenen Datengrundlage (die ja auch &bdquo;Studenten oder Rentner&ldquo; sowie offenbar Teilzeitkr&auml;fte enth&auml;lt) und der f&uuml;r den Kaitz-Index herangezogenen Datengrundlage bestehen, n&auml;mlich eben die Beschr&auml;nkung bei letzterer auf Vollzeitbesch&auml;ftigte.<\/p><p>Grunds&auml;tzlich sind nun mehrere M&ouml;glichkeiten denkbar, um einen niedrigen Durchschnitts- und Median-Lohn zu berechnen (und damit zu einem hohen Kaitz-Index zu kommen); die vermutlich wichtigsten sind:<\/p><ol>\n<li>Das oben aufgef&uuml;hrte Zitat zur Datenbasis legt die Vermutung nahe, dass in der IW-Studie nicht das gesamte Jahresgehalt, sondern lediglich das monatliche Grundgehalt (also ohne Sonderzahlungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld) herangezogen wurde. Da letztere in Deutschland eine gro&szlig;e Rolle spielen und auch die OECD in ihren Daten das gesamte Jahreseinkommen einschlie&szlig;lich Sonderzahlungen zugrunde legt, vergleichen Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der m&ouml;glicherweise &Auml;pfel mit Birnen. Sollte dem so sein, so erreichen sie damit, dass der m&ouml;gliche Mindestlohn in Deutschland, verglichen mit anderen L&auml;ndern, h&ouml;her aussieht, als er tats&auml;chlich ist.<\/li>\n<li>Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der rechnen &ndash; nach E-Mail-Auskunft einer IW-Mitarbeiterin &ndash; nicht auf Basis von Stundenl&ouml;hnen, sondern auf Basis von Monatsl&ouml;hnen. Dies erfordert, den angedachten Mindestlohn (8,50 Euro je Stunde) in den entsprechenden Monatslohn umzurechnen. Es ist aber nicht ersichtlich, von wie vielen Wochenstunden bzw. Monatsstunden Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der bei dieser Rechnung ausgegangen sind. Sollte mit unrealistisch vielen Stunden gerechnet worden sein, so w&uuml;rde dies zu einem (zu) hohen Kaitz-Index f&uuml;hren.<\/li>\n<li>Sollten Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der &ndash; entgegen der Auskunft einer IW-Mitarbeiterin &ndash; doch auf der Basis von Stundenl&ouml;hnen gerechnet haben, so w&uuml;rde das eben wiedergegebene Zitat nahelegen, dass auch zur Berechnung des Kaitz-Index nicht die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit, sondern die tats&auml;chliche (effektive) Arbeitszeit herangezogen wurde. Damit w&auml;re eine Vergleichbarkeit mit den OECD-Zahlen nicht mehr gegeben. Sollte dem so sein, so vergleichen Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der einmal mehr &Auml;pfel mit Birnen und erreichen als Ergebnis, dass der m&ouml;gliche Mindestlohn in Deutschland gegen&uuml;ber dem Mindestlohn anderer L&auml;nder h&ouml;her aussieht, als er tats&auml;chlich ist.<\/li>\n<li>Unklar ist, wie Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der &bdquo;Vollzeit&ldquo; definieren. Auf SOEP-Daten lassen sich grunds&auml;tzlich mehrere Definitionen von &bdquo;Vollzeit&ldquo; anwenden, die zu unterschiedlichen Durchschnitts- und Median-L&ouml;hnen f&uuml;hren. Dabei ist anzunehmen, dass eine sehr breite Definition von Vollzeit niedrigere Durchschnitts- bzw. Median-L&ouml;hne zum Ergebnis hat.<\/li>\n<li>Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der verwenden Daten aus dem Jahr 2011. Sie geben keinerlei Hinweis darauf, dass sie die seither eingetretenen Lohnsteigerungen ber&uuml;cksichtigt h&auml;tten &ndash; als ihr Text im Januar 2013 erschien, war seit 2011 immerhin ein Jahr vergangen. Auf veraltete Daten zur&uuml;ckzugreifen, sorgt aber f&uuml;r (zu) niedrige Durchschnitts- und Median-Stundenl&ouml;hne und damit f&uuml;r einen hohen Kaitz-Index. <\/li>\n<\/ol><p>Zu erg&auml;nzen w&auml;re zudem:<\/p><ul>\n<li>Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der haben das SOEP als Datengrundlage gew&auml;hlt. Schon diese Wahl l&auml;sst einen eher niedrigen Durchschnitts- bzw. Median-Stundenlohn und damit einen eher hohen Kaitz-Index erwarten. Aus verschiedenen methodischen Gr&uuml;nden kommt das SOEP diesbez&uuml;glich immer zu niedrigeren Werten als etwa das Statistische Bundesamt oder die Bundesagentur f&uuml;r Arbeit, die im Regelfall die verl&auml;sslicheren Daten liefern.<\/li>\n<li>Die Zahlen der OECD zum Kaitz-Index der Mindestl&ouml;hne verschiedener L&auml;nder sind mit gro&szlig;er Vorsicht zu genie&szlig;en. Eine echte Vergleichbarkeit zwischen einzelnen L&auml;ndern k&ouml;nnen sie aufgrund ihrer unzureichenden Datenbasis nur eingeschr&auml;nkt gew&auml;hrleisten. So ist eine Differenz von wenigen Prozentpunkten ohne Aussagekraft.<\/li>\n<\/ul><p>Zusammengefasst: Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der machen in weiten Teilen nicht transparent, wie sie zu ihren Daten kommen und welche Berechnungsverfahren und Annahmen sie hinsichtlich der genannten Punkte gew&auml;hlt haben. Es ist schlicht und einfach nicht nachzuvollziehen, wie sie vorgegangen sind. Die Vermutung dr&auml;ngt sich allerdings auf, dass sie m&ouml;glicherweise in mehrfacher Hinsicht unkorrekt gearbeitet haben. <\/p><p>Um Klarheit in dieser Frage zu erhalten, habe ich am 26. September und am 13. Oktober jeweils eine gleichlautende Mail an Hagen Lesch und eine IW-Kollegin geschrieben. In diesem Schreiben habe ich die Bitte formuliert, mir Auskunft &uuml;ber das Verfahren und die Datengrundlage zur Berechnung der IW-Zahlen zu geben und unter anderem Punkte angesprochen, die ich auch oben aufgef&uuml;hrt habe oder die mit oben aufgef&uuml;hrten Punkten zusammenh&auml;ngen. Diese Mails blieben unbeantwortet. (Vorausgegangen war ein kurzer Mailwechsel mit jener eben genannten IW-Kollegin, die aber nicht jede meiner Fragen abschlie&szlig;end beantworten konnte und mir f&uuml;r diesen Fall anbot, ich k&ouml;nne Hagen Lesch direkt anschreiben.)<\/p><p>Am 11. November habe ich Hagen Lesch und seine Kollegin erneut angeschrieben und ihnen eine fr&uuml;here Fassung dieses Artikels vorab per E-Mail zugesandt. Datengrundlage und Berechnungsverfahren hat man auch daraufhin nicht offengelegt.<\/p><p>Das best&auml;tigt den Verdacht, dass man hier intransparent agiert. Und dies best&auml;rkt wiederum den Verdacht, dass hier sogar unkorrekt gearbeitet wurde.<\/p><p><strong>&hellip; und andere schreiben ab<\/strong><\/p><p>Bis hierhin handelt es sich bei meinem Artikel lediglich um einen Bericht &uuml;ber drei Wissenschaftler, die in einer Studie m&ouml;glicherweise unkorrekt gearbeitet haben und von denen zumindest einer offensichtlich nicht bereit ist, die Datengrundlage und die Berechnungsverfahren transparent zu machen. Und doch geht es hier um mehr als nur das. Dieser Sachverhalt erlangt n&auml;mlich dadurch eine besondere Brisanz, dass in einer beachtlichen Zahl weiterer Texte die hier kritisierten Behauptungen von Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der &ndash; offenbar ungepr&uuml;ft &ndash; &uuml;bernommen wurden.<\/p><p>(Anmerkung: Es folgt nun eine kommentierte Liste von 12 Texten. Wer es schneller und einfacher mag, &uuml;berspringe diese Liste und schaue sich die am Ende meines Artikels eingef&uuml;gte Grafik an.)<\/p><p><strong>1.<\/strong> Die &bdquo;Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft&ldquo; (INSM), f&uuml;r die das IW eine Webseite &bdquo;Wirtschaft und Schule &ndash; Das Lehrerportal der INSM&ldquo; mit Inhalten beliefert. Dort findet sich, als neutral maskiert, ein tendenzi&ouml;ser Artikel &uuml;ber die aktuelle <a href=\"http:\/\/www.wirtschaftundschule.de\/aktuelle-themen\/arbeitsmarkt-berufsorientierung\/mindestlohn\/die-mindestlohn-diskussion\/\">Mindestlohn-Diskussion<\/a>. &Uuml;ber diesen Artikel, den ich in meinem Blog <a href=\"http:\/\/www.annotazioni.de\">annotazioni.de<\/a> schon vor einiger Zeit im Detail analysiert und <a href=\"http:\/\/www.annotazioni.de\/post\/1228\">kritisiert<\/a> habe, bin ich &uuml;berhaupt erst auf die IW-Studie von Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der gesto&szlig;en. Ich empfehle einen Blick auch in die Kommentare zu meinem Beitrag.<\/p><p><strong>2.<\/strong> Aber auch in anderen Ver&ouml;ffentlichungen der INSM werden die obenstehend kritisierten Behauptungen aus Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der 2013 wiedergegeben, etwa in einer Pressemeldung vom 1. M&auml;rz 2013 &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.presseportal.de\/pm\/39474\/2425407\/mindestlohn-im-bundesrat-gut-gemeint-schlecht-gemacht-gegenteil-bewirkt\">Mindestlohn im Bundesrat: Gut gemeint, schlecht gemacht, Gegenteil bewirkt<\/a>&ldquo;.<\/p><p><strong>2.1<\/strong> Der ehemalige FDP-Bundestagsabgeordnete Dr. Heinrich Kolb hat in einer zu Protokoll gegebenen <a href=\"http:\/\/www.heinrich-kolb.de\/files\/hkolb\/uploads\/documents\/rede_vom_27.06.2013_zu_protokoll_mindestlohn.pdf\">Bundestags-Rede [PDF &ndash; 81.9 KB]<\/a> den entscheidenden Satz von den 8,50 Euro als 53 Prozent des durchschnittlichen Lohns, was im internationalen Vergleich ein hoher Wert sei, wortw&ouml;rtlich aus der eben genannten Pressemeldung der INSM abgeschrieben. <\/p><p><strong>3.<\/strong> Die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) hat in ihrem &bdquo;Lexikon der Sozialen Marktwirtschaft&ldquo; einen mindestlohnkritischen <a href=\"http:\/\/www.kas.de\/wf\/de\/71.12803\/\">Artikel<\/a> von <a href=\"http:\/\/www.lotharfunk.de\/person.html\">Prof. Lothar Funk<\/a> ver&ouml;ffentlicht, der sich auf Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der bezieht und behauptet, dass ein Mindestlohn von 8,50 Euro 53 Prozent des durchschnittlichen Stundenlohnes &bdquo;von fachlich qualifizierten Besch&auml;ftigten&ldquo; entspreche. Woher er die irrige Einschr&auml;nkung auf &bdquo;fachlich qualifizierte Besch&auml;ftigte&ldquo; nimmt, bleibt das Geheimnis des Autors.<\/p><p><strong>4.<\/strong> Im IW Policy Paper &bdquo;<a href=\"http:\/\/de.slideshare.net\/johanneschrist33\/mindestlohn-beschftigungs\">Mindestlohn &ndash; Besch&auml;ftigungsrisiken gr&ouml;&szlig;er als behauptet<\/a>&ldquo; &uuml;bernahm Prof. Thomas Schuster, laut <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Thomas_Schuster\">Wikipedia<\/a> &bdquo;Gastforscher&ldquo; am IW, die Zahlen zum Kaitz-Index aus Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der 2013.<\/p><p><strong>5.<\/strong> Das Institut f&uuml;r Weltwirtschaft (ifw) an der Uni Kiel hat in seinem Konjunkturbericht <a href=\"https:\/\/www.ifw-kiel.de\/wirtschaftspolitik\/konjunkturprognosen\/konjunkt\/2013\/Konjunkturprognosen_Deutschland_6-13.pdf\">&bdquo;Deutsche Konjunktur im Sommer 2013&ldquo; [PDF &ndash; 1.1 MB]<\/a> die 58 Prozent als Wert des Kaitz-Index aus Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der 2013 &uuml;bernommen (S. 33).<\/p><p><strong>5.1<\/strong> Auch in einem mindestlohnkritischen Artikel in der Zeitschrift &bdquo;Wirtschaftsdienst&ldquo;, Ausgabe 8\/2013, wurden die Behauptungen von Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der wiedergegeben. Verfasst wurde er von Dominik Groll und Dr. Stefan Kooths, beide t&auml;tig am Institut f&uuml;r Weltwirtschaft der Uni Kiel. Da beide an der unter Punkt 5 genannten Publikation aus dem ifw beteiligt waren, haben sie hier offenbar Inhalte aus ihrem eigenen Beitrag &uuml;bernommen und wiederverwertet.<\/p><p>Im &bdquo;Wirtschaftsdienst&ldquo; werden regelm&auml;&szlig;ig aktuelle wirtschaftspolitische Themen aus wissenschaftlicher Perspektive, aber kurz und verst&auml;ndlich dargestellt. In der Leserschaft finden sich viele Politikerinnen und Politiker sowie Journalistinnen und Journalisten, es handelt sich also um eine durchaus auch au&szlig;erhalb der Wissenschaft sehr einflussreiche Publikation. Umso bedenklicher ist es vor diesem Hintergrund, was Groll\/Kooths dort unter Verweis auf die Quelle Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der 2013 schreiben (und dies auch noch durch eine Abbildung illustrieren), ich zitiere Groll\/Kooths 2013, S. 545:<\/p><blockquote><p>\n<em>Auch w&auml;re der Mindestlohn relativ zum Medianlohn (sogenannter Kaitz-Index) mit 58% sehr hoch. Deutschland st&uuml;nde im Vergleich der OECD-Staaten hinter der T&uuml;rkei (71%), Frankreich (60%), Neuseeland (59%) und Slowenien (58%) an f&uuml;nfter Stelle; in Gro&szlig;britannien betr&auml;gt der Mindestlohn 47% des Medianlohns und in den USA nur 38% [&hellip;].<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Groll\/Kooths haben hier schlicht nichts anderes getan, als den fragw&uuml;rdigen, von Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der 2013 berechneten Kaitz-Index (bezogen auf den Medianlohn) f&uuml;r Deutschland zu &uuml;bernehmen und (zwei Seiten sp&auml;ter zus&auml;tzlich in Tabellenform) um weitere OECD-Daten zu erg&auml;nzen &ndash; OECD-Daten, auf die in geringerem Umfang auch Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der schon zur&uuml;ckgegriffen hatten, um einen Vergleich mit einem m&ouml;glichen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro in Deutschland durchzuf&uuml;hren. <\/p><p>In zwei F&auml;llen haben nun wiederum Dritte die fragw&uuml;rdigen Zahlen und\/oder Behauptungen von Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der 2013 nicht aus der Originalquelle, sondern allem Anschein nach indirekt aus dem &bdquo;Wirtschaftsdienst&ldquo;-Artikel von Groll\/Kooths 2013 &uuml;bernommen:<\/p><p><strong>5.1.1<\/strong> Dr. Sebastian Braun vom Institut f&uuml;r Weltwirtschaft an der Uni Kiel in einer tendenziell mindestlohnkritischen, wenn auch betont abw&auml;genden <a href=\"http:\/\/www.landtag.ltsh.de\/infothek\/wahl18\/umdrucke\/1500\/umdruck-18-1581.pdf\">Stellungnahme [PDF &ndash; 546 KB]<\/a> gegen&uuml;ber dem schleswig-holsteinischen Landtag.<\/p><p><strong>5.1.2<\/strong> Barbara B&ouml;ttcher, Gilles Moec und Stefan Schneider von Deutsche Bank Research in einer deutlich gegen die Einf&uuml;hrung eines allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns gerichteten Publikation <a href=\"http:\/\/www.dbresearch.de\/PROD\/DBR_INTERNET_DE-PROD\/PROD0000000000323087.PDF\">&bdquo;Mindestlohn von EUR 8,50: Eine falsche Weichenstellung&ldquo; [PDF &ndash; 290 KB]<\/a>. <\/p><p>Neben Groll\/Kooths 2013 sind in zwei weiteren Artikeln die fragw&uuml;rdigen Zahlen und\/oder Behauptungen von Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der 2013 offenbar aus dem unter Punkt 5 genannten Konjunkturbericht des ifw &uuml;bernommen worden:<\/p><p><strong>5.2<\/strong> In einem mindestlohnkritischen Artikel &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.shz.de\/schleswig-holstein\/politik\/streit-um-zahlen-was-kostet-der-mindestlohn-id3960531.html\">Streit um Zahlen: Was kostet der Mindestlohn?<\/a>&ldquo; auf shz.de, einem Portal schleswig-holsteinischer Zeitungen, werden Groll\/Kooths w&ouml;rtlich zitiert mit Einsch&auml;tzungen zur angeblichen H&ouml;he des Kaitz-Index eines Mindestlohns von 8,50 Euro. Ob sich dieser Artikel auch in gedruckten Regionalzeitungen fand, konnte ich nicht &uuml;berpr&uuml;fen.<\/p><p><strong>5.3<\/strong> Die Journalistin Silke Wettach in einem <a href=\"http:\/\/www.wiwo.de\/politik\/europa\/schuldenkrise-oekonomie-nobelpreistraeger-pissarides-zweifelt-am-euro\/8986078.html\">mindestlohnkritischen Artikel<\/a> &uuml;ber den &Ouml;konomie-&bdquo;Nobelpreistr&auml;ger&ldquo; Christopher Pissarides auf wiwo.de, der Webseite der Zeitschrift &bdquo;Wirtschaftswoche&ldquo;. Sie bezeichnet die Zahlen als &bdquo;Sch&auml;tzungen des Kieler Instituts f&uuml;r Weltwirtschaft&ldquo;, was nahelegt, dass sie dem Konjunkturbericht des ifw (Punkt 5) entnommen sind.<\/p><p>Von Wettach bzw. aus der &bdquo;Wirtschaftswoche&ldquo; wiederum haben andere abgeschrieben:<\/p><p><strong>5.3.1<\/strong> Auf evangelisch.de erschien Ende Oktober eine Meldung &bdquo;<a href=\"http:\/\/aktuell.evangelisch.de\/artikel\/89494\/nobelpreistraeger-pissarides-warnt-vor-zu-hohem-mindestlohn\">Nobelpreistr&auml;ger Pissarides warnt vor zu hohem Mindestlohn<\/a>&ldquo;, in der &uuml;ber den Wettach-Artikel berichtet und auch die Behauptung &uuml;bernommen wird, die 8,50 Euro Mindestlohn in Deutschland entspr&auml;chen 58 Prozent des Medianlohns.Es finden sich also zw&ouml;lf Texte, die direkt oder indirekt, offen oder verdeckt fragw&uuml;rdige Zahlen und Daten aus Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der &uuml;bernommen haben. Und das sind gewiss nicht alle entsprechenden Ver&ouml;ffentlichungen, denn meine Recherche beschr&auml;nkte sich lediglich auf eine rasche Internet-Suche. <\/p><p><strong>Fazit<\/strong><\/p><p>Auf diese Weise wabert die Behauptung durchs Land, ein Mindestlohn von 8,50 sei im internationalen Vergleich hoch oder sehr hoch, &bdquo;belegt&ldquo; wird sie mit den immer gleichen Zahlen. Diese Behauptung wird kopiert, in wissenschaftlichen Arbeiten zitiert, in Artikeln wiedergekaut, in Politikerreden weiterkolportiert. Einer schreibt vom anderen ab &ndash; nicht immer unter korrekter Benennung der eigenen Quelle, aber offensichtlich immer ohne diese Quelle inhaltlich und methodisch zu pr&uuml;fen. Und ganz am Anfang steht in jedem dieser F&auml;lle ein intransparenter, m&ouml;glicherweise sogar wissenschaftlich unkorrekter Umgang mit Zahlen und Daten in Heumer\/Lesch\/Schr&ouml;der 2013.<\/p><p>Und wem das alles zu kompliziert war:<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/141114_mindestlohn_mindmap.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/141114_mindestlohn_mindmap_small.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p><strong>Zitierte Quellen:<\/strong><\/p><p>Groll, Dominik \/ Kooths, Stefan (2013): Vor der Bundestagswahl: Argumente f&uuml;r Mindestl&ouml;hne &uuml;berzeugen nicht. In: Wirtschaftsdienst 8\/2013.<br>\nHeumer, Moritz \/ Lesch, Hagen \/ Schr&ouml;der, Christoph (2013): <a href=\"http:\/\/www.iwkoeln.de\/_storage\/asset\/104567\/storage\/master\/file\/2521405\/download\/TR-2013-01-02-Mindestlohn.pdf\">Mindestlohn, Einkommensverteilung und Armutsrisiko [PDF &ndash; 369 KB]<\/a>. In: IW-Trends 1 (2013). (Zugriff: 8.11.2013).<\/p><p>(F&uuml;r weitere verwendete Quellen sei auf die Verlinkungen im Artikel verwiesen.)<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Patrick Schreiner lebt und arbeitet als hauptamtlicher Gewerkschafter in Hannover. In seiner Freizeit betreibt er das private Blog <a href=\"http:\/\/www.annotazioni.de\/\">annotazioni.de<\/a>, das sich mit wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen befasst.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Wochen h&auml;ufen sich Presseartikel und wissenschaftliche Arbeiten, in denen nachdr&uuml;cklich gegen die Einf&uuml;hrung eines allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland Stellung bezogen wird. Man k&ouml;nnte den Eindruck bekommen, dass hier von einer gro&szlig;en Zahl an Akteuren regelrecht eine Kampagne losgetreten wurde. Eines der in vielen Artikeln und Arbeiten immer wiederkehrenden Argumente lautet, dass<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19255\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[141,128,129,12,11],"tags":[453,550,574,317,1026,405],"class_list":["post-19255","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-insm","category-lobbyorganisationen-und-interessengebundene-wissenschaft","category-manipulation-des-monats","category-strategien-der-meinungsmache","tag-hans-boeckler-stiftung","tag-iw","tag-iwh","tag-mindestlohn","tag-soep","tag-statistisches-bundesamt"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19255","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=19255"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19255\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":51303,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19255\/revisions\/51303"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=19255"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=19255"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=19255"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}