{"id":1928,"date":"2006-12-11T07:37:12","date_gmt":"2006-12-11T06:37:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1928"},"modified":"2016-01-21T11:07:24","modified_gmt":"2016-01-21T10:07:24","slug":"spd-politiker-hans-peter-bartels-will-die-politikverdrossenheit-mit-einem-institut-fur-die-didaktik-der-demokratie-eindammen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1928","title":{"rendered":"SPD-Politiker Hans-Peter Bartels will die Politikverdrossenheit mit einem Institut f\u00fcr die Didaktik der Demokratie eind\u00e4mmen."},"content":{"rendered":"<p>Weil sich &bdquo;viele vom Gang der Dinge in ihren demokratischen Institutionen&ldquo; distanzierten, w&uuml;rden sie in einem &bdquo;fundamentalen Punkt den Feinden der Freiheit recht&ldquo; geben, <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,452552,00.html\">meint MdB Bartels<\/a> und spricht von einem &bdquo;Extremismus der Mitte&ldquo;. Den Grund f&uuml;r die Verdrossenheit gegen&uuml;ber der gegenw&auml;rtigen Politik, sieht Bartels in der &bdquo;Ahnungslosigkeit&ldquo; &uuml;ber das bestehende Regierungssystem. Deshalb brauchten wir &bdquo;einen neuen Anlauf zu einer systematischen, verbindlichen Bildung und Erziehung zur Demokratie als Lebensform.&ldquo; Fazit: Wenn wir erst einmal ein &bdquo;Institut f&uuml;r die Didaktik der Demokratie&ldquo; h&auml;tten, dann w&uuml;rde die Mehrheit dem &bdquo;Gang der Dinge&ldquo; &uuml;ber die Umverteilung von unten nach oben, &uuml;ber die Hartz-Gesetze, &uuml;ber die Verunsicherung und die drastische K&uuml;rzung der Renten und &uuml;ber die anderen &bdquo;Reformen&ldquo; unverdrossen zustimmen. Zustimmung zur Politik der regierenden Parteien ist f&uuml;r Bartels wohl gleichbedeutend mit Zustimmung zur Demokratie? Unseren Leser Reinhard Bauske hat diese Logik zu einer Glosse gereizt.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Wider die Politikverdrossenheit<\/strong><\/p><p>Von Reinhard Bauske<\/p><p>Es begann damit, dass Franz M&uuml;ntefering, Genosse und Arbeitsminister, sich beklagte, es sei unfair, dass er an seinen Aussagen von vor der Wahl gemessen werde. Diese Aussage f&uuml;hrte in den Medien zu &ndash; je nach Richtung &ndash; leicht ironischen bis heftigen Kommentaren. Deshalb durfte diese Aussage so &sbquo;platt&rsquo; und &sbquo;aus dem Bauch&rsquo; gesagt nat&uuml;rlich nicht stehen bleiben. Dr. phil. Bartels &ndash; wie &bdquo;M&uuml;nte&ldquo; mit 35 f&uuml;r die SPD in den Bundestag gew&auml;hlt &ndash; sollte deshalb argumentativen Flankenschutz gew&auml;hren und die Sache mal politologisch aufarbeiten. Ergebnis dieser akademischen Bem&uuml;hungen war ein Essay, der jetzt im Zentralorgan der &sbquo;Neuen Sozialdemokratie&rsquo;, bei Spiegel-Online erschien.<\/p><p>Schon ahnend, worauf die Sache hinausl&auml;uft, habe ich mir dennoch die M&uuml;he gemacht, diesen &sbquo;Versuch &uuml;ber die Ursachen der Politikverdrossenheit&rsquo; zu lesen. Und tats&auml;chlich: mit Hilfe einiger wohlfeiler Zitate und Zahlen &ndash; wof&uuml;r hat man schlie&szlig;lich Politikwissenschaft studiert &ndash; kommt Dr. phil. Bartels zum Res&uuml;mee: der W&auml;hler ist zu dumm f&uuml;r die Demokratie! Dieses sagt er nat&uuml;rlich nicht so direkt, sondern f&uuml;hrt diverse Erhebungen und Umfragen auf, die zu beweisen scheinen, dass die Mehrheit der B&uuml;rger die Institutionen und Mechanismen der parlamentarischen Demokratie nur unzureichend kennen. (Wobei er geschickt davon ablenkt, dass der B&uuml;rger nicht mit der Demokratie an sich unzufrieden ist, sondern mit konkretem Regierungshandeln.) Es bestehe also ein erheblicher Mangel an Ausbildung. Und daraus schlie&szlig;t er messerscharf, dass wir ein &sbquo;Institut f&uuml;r die Didaktik der Demokratie&rsquo; in Berlin (unter Bundeshoheit?) ben&ouml;tigen. Da soll dann wohl festgelegt werden, was und wie viel der Bundesb&uuml;rger &uuml;ber Demokratie wissen muss. <\/p><p>Wenn ich diese Argumentationsweise auf das &sbquo;normale&rsquo; Leben &uuml;bertrage hei&szlig;t das z.B.: wer nicht wei&szlig;, welche Zutaten Wurst enth&auml;lt, darf auch keine Aussagen zu ihrer Qualit&auml;t machen! Um bei der Wurst zu bleiben: den B&uuml;rger interessieren weder die Zutaten noch irgendwelche &sbquo;Mechanismen&rsquo;! An der Wurst interessiert ihn, ob sie ihm schmeckt und an der Regierung  &ndash; nicht der Demokratie &ndash; interessiert ihn, ob sie seine Bed&uuml;rfnisse und Interessen ber&uuml;cksichtigt.<br>\nWie geht es weiter?<br>\nMan kann den Gedanken mit der staatlich verordneten didaktischen Schulung in Demokratie auch noch weiter spinnen. Da w&auml;re dieses Institut dann nur der erste Schritt. Darauf m&uuml;ssten nat&uuml;rlich verbindliche Lehrpl&auml;ne folgen. Und als 3. Schritt w&auml;re dann die Wahlqualifikationspr&uuml;fung denkbar &ndash; sozusagen die &bdquo;allgemeine Wahlreife&ldquo;. Mit der Folge: wer nicht besteht, darf nicht w&auml;hlen und muss sich nachschulen lassen. Wir leben aber in Zeiten des B&uuml;rokratieabbaus und des &sbquo;schlanken Staates&rsquo;, da wird sich also sehr schnell jemand finden, der feststellt, dass die Ergebnisse bei dieser Wahlqualifikationspr&uuml;fung eng korrelieren mit dem Einkommen und der formalen Bildung der Pr&uuml;flinge. Zur Verwaltungsvereinfachung empfiehlt es sich daher, das Wahlrecht vom Einkommen (und Verm&ouml;gen) und &ndash; was meist miteinander korrespondiert &ndash; vom Bildungsgrad abh&auml;ngig zu machen. Da es allerdings in einer Demokratie nicht hinnehmbar ist, dass der nur von &sbquo;Transferleistungen&rsquo; abh&auml;ngige B&uuml;rger gar nicht mehr w&auml;hlen kann, muss es ein &sbquo;gewichtetes&rsquo; Wahlrecht geben. Zur Feststellung der Gewichte ist wiederum Einkommen und Verm&ouml;gen ein verl&auml;sslicher Ma&szlig;stab (Motto: wer viel hat, hat auch viel zu verlieren und verh&auml;lt sich daher entsprechend verantwortungsvoll).<br>\n(Die alten Griechen nannten das dann Timokratie, was sich ja fast so anh&ouml;rt wie Demokratie.)<\/p><p>Hier w&auml;re noch anzumerken, dass nat&uuml;rlich nicht das versteuerte Einkommen oder nur das Inlands-Verm&ouml;gen zum Ma&szlig;stab gemacht werden darf. Dies w&uuml;rde die Leistungstr&auml;ger, die sich ja h&auml;ufig auch mit kreativer Buchf&uuml;hrung auskennen, unangemessen benachteiligen.<br>\nEin &auml;hnliches Verfahren w&auml;re nat&uuml;rlich auch bei Meinungsumfragen anzuwenden, um nicht zu verf&auml;lschten Ergebnissen durch die ewig Unzufriedenen zu kommen. Binnen kurzen h&auml;tten wir wieder eine starke Unterst&uuml;tzung der Regierenden und damit auch eine hohe Akzeptanz der Demokratie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weil sich &bdquo;viele vom Gang der Dinge in ihren demokratischen Institutionen&ldquo; distanzierten, w&uuml;rden sie in einem &bdquo;fundamentalen Punkt den Feinden der Freiheit recht&ldquo; geben, <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,452552,00.html\">meint MdB Bartels<\/a> und spricht von einem &bdquo;Extremismus der Mitte&ldquo;. 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