{"id":19286,"date":"2013-11-18T09:53:54","date_gmt":"2013-11-18T08:53:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19286"},"modified":"2015-10-12T14:43:58","modified_gmt":"2015-10-12T12:43:58","slug":"runter-mit-der-eeg-umlage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19286","title":{"rendered":"Runter mit der EEG-Umlage?"},"content":{"rendered":"<p>Aus den laufenden Koalitionsverhandlungen (Arbeitsgruppe Altmaier\/Kraft) dringt &uuml;ber die Medien der eine oder andere Aspekt nach drau&szlig;en. Allerdings hat man aus den Medienberichten &uuml;ber die Arbeitsgruppe Energie noch nicht den Eindruck, dass bei der anstehenden Reform der k&uuml;nftigen F&ouml;rderung und der Drosselung der Verg&uuml;tungssummen und der Entlastung der Stromverbraucher der gro&szlig;e Wurf gelingen wird. <strong>Ernst E. Neuer<\/strong> gibt einen &Uuml;berblick &uuml;ber die energiepolitische Debatte. Dabei komme offenbar niemand auf den Gedanken, dass die Deckung der Verg&uuml;tungssummen nicht zwingend durch eine Umlage erfolgen muss.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Renaissance des Sozialen in der Energiepolitik<\/strong><\/p><blockquote><p>\n<em><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/koalitionsverhandlungen-quaelen-durch-die-reizthemen-a-931072.html\">SPON:<\/a> Die Chefverhandler der Energiegruppe demonstrieren Einigkeit: &ldquo;Sauber, bezahlbar, sicher&rdquo; (Peter Altmaier, CDU) beziehungsweise &ldquo;sicher, bezahlbar, &ouml;kologisch&rdquo; (Hannelore Kraft, SPD) m&uuml;sse die Energiewende sein, sagen beide.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Auff&auml;llig an diesen &Auml;u&szlig;erungen ist:<\/p><ol type=\"a\">\n<li>Die Identit&auml;t der Kriterien: Die Energiewende, die offenbar  alle Koalition&auml;re weiterhin verfolgen, soll &bdquo;sauber&ldquo; bzw. &bdquo;&ouml;kologisch&ldquo;, &bdquo;bezahlbar&ldquo; und &bdquo;sicher&ldquo; sein <\/li>\n<li>Die Reihenfolge der Kriterien: Herr Altmaier nennt &ndash; als Umweltminister &ndash; das &bdquo;sauber&ldquo; zuerst, Frau Kraft  &ndash; als Ministerpr&auml;sidenten von NRW &ndash; das &bdquo;sicher&ldquo;  zuerst, weil ihr eine hohe Verf&uuml;gbarkeit f&uuml;r die Industrie wichtig ist  und oder weil sie (mit der in ihrem Land ans&auml;ssigen Stromwirtschaft) das Risiko sieht, dass &bdquo;in Deutschland das Licht ausgeht&ldquo;  (RWE-Chef Peter Terium).<\/li>\n<li>Das Auftauchen des Begriffs &bdquo;bezahlbar&ldquo; bei beiden, an zweiter Stelle.<\/li>\n<\/ol><p>&Uuml;brigens hat Ex-RWE Chef Grossmann <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/atomdebatte-rwe-chef-grossmann-sauber-bezahlbar-und-sicher-1.982694\">die gleichen Begriffe wie Herr Altmaier schon 2010 gebraucht<\/a>. Wenn dies eine negative Image-Kampagne gegen einen raschen Ausbau der Erneuerbaren Energien war, ist sie sehr erfolgreich gewesen. Diese Zielformulierung findet sich mittlerweile genauso in Papieren der Gr&uuml;nen und Brosch&uuml;ren der Verbraucherverb&auml;nde etc., wie eine Internet-Recherche mit den drei Begriffen rasch zeigt. <\/p><p>Das &bdquo;bezahlbar&ldquo; ist historisch gesehen eine Wiederauferstehung, hatte doch die deutsche Energiepolitik  das Ziel einer &bdquo;billigen&ldquo; Energieversorgung, das noch zu den im Energiewirtschaftsgesetz von 1935 genannten Zielen geh&ouml;rte, l&auml;ngst beiseitegelegt. Nachdem die kWh in Deutschland im Vergleich zu einem Ei (ein beliebter Vergleich in der BRD noch in den 1960ern) doch immer billiger geworden war und immer weniger Minuten (berechnet nach dem Verh&auml;ltnis zum Durchschnitt-Stundenlohns) f&uuml;r eine kWh gearbeitet werden mussten, hatte man in den Energieprogrammen den Begriff &bdquo;billig&ldquo;  durch &bdquo;wirtschaftlich&ldquo;  ersetzt, was den &Ouml;konomen besser passt, aber etwas anderes bedeutet. Weil nahezu 100% der Haushalte an das Stromnetz angeschlossen waren, verschwand auch der Begriff &bdquo;ausreichende Versorgung&ldquo; aus dem Zielspektrum. Damit war sp&auml;testens seit den 1970ern die sozialpolitische Dimension der Stromversorgung nicht mehr politisch relevant.<\/p><p>Nun ist &bdquo;das Soziale&ldquo; in der Energiepolitik wieder da, in Form von &bdquo;bezahlbar&ldquo;, und es wird vor allem mit der Energiewende in Verbindung gebracht, genauer gesagt mit dem F&ouml;rder- und Finanzierungssystem der Erneuerbaren Energien gem&auml;&szlig; EEG. Die k&uuml;nftigen Koalition&auml;re, d.h. die k&uuml;nftige Bundesregierung erkl&auml;rt damit offiziell, dass es einen Konflikt gibt zwischen sozial und klimapolitischen Zielen &ndash; und niemandem f&auml;llt das weiter auf! <\/p><p>Die Position der Sozialpolitiker, die bislang den Ausbau der Erneuerbaren  bef&uuml;rwortet haben wird immer schwieriger. Verbraucherverb&auml;nde versuchen das Problem in den gr&ouml;&szlig;eren Zusammenhang steigender Energiekosten mit dem <a href=\"http:\/\/www.vzbv.de\/cps\/rde\/xbcr\/vzbv\/Energiewende-broschuere-vzbv-2012.pdf\">Ausweg Energieeffizienz zu stellen [PDF &ndash; 2.9 MB]<\/a>.  Doch auch der Hinweis auf die relativ h&ouml;heren Belastungen durch Heizkosten- oder Benzinkostensteigerungen verf&auml;ngt anscheinend nicht. Die Strompreise bleiben  im Fokus der Debatte. <\/p><p>Sozialverb&auml;nde pl&auml;dieren glattweg f&uuml;r eine &Auml;nderung der Strompreisbildung und f&uuml;r Sozialtarife, da eine Kompensation durch erh&ouml;hte Hartz-IV-S&auml;tze nur einen Teil der Betroffenen erreiche. <\/p><p>Seit einigen Monaten werden in den Medien sogar noch die Nutznie&szlig;er und Zahler des EEG konfrontiert, n&auml;mlich gutverdienende Investoren und Landwirte auf der einen und wehrlose Stromkunden auf der anderen. (Capital vom 20.06.2013:  Die gr&uuml;nen Gl&uuml;cksritter.)  Das EEG versch&auml;rft demnach die Einkommensverteilung. <\/p><p>Diese anhaltende Diskussion &uuml;ber  Strompreise und die &bdquo;Bezahlbarkeit&ldquo;,  die auch in der internationalen Presse ihren Niederschlag findet,  schadet dem Ansehen der Energiewende im Ausland mehr und mehr.  Deutschland war  noch vor kurzem das leuchtende Beispiel, dass erneuerbare Energien nicht nur theoretisch substantielle Beitr&auml;ge zur Stromversorgung liefern k&ouml;nnen, wenn man nur die Anreize richtig setzt. Mit der beispielhaften Steigerung des Anteils an Erneuerbaren Energien und dem Beitrag zu stark fallenden Solarmodulpreisen und anderen Anlagenkosten hat Deutschland auch die T&uuml;ren aufgesto&szlig;en zum Ausbau der jetzt in vielen L&auml;ndern stattfindet. Die Technologien zur Nutzung von Erneuerbaren werden auch in der Entwicklungspolitik beim Ziel des &bdquo;<em>access to modern energy<\/em>&ldquo;  einbezogen unter Beachtung der &bdquo;<em>affordability<\/em>&ldquo; , z.B. im Rahmen des UN Programms <em>Sustainable Energy for All<\/em> (SE4All). Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit steht dabei an vorderster Front. Sie kann sich aber angesichts der oben dargestellten Diskussion immer weniger auf das F&ouml;rder- und Finanzierungsmodell  in Deutschland berufen und arbeitet vor Ort l&auml;ngst mit neuen angepassten Konzepten.<\/p><p>Da zu der andauernden Strompreisdiskussion noch die Statistik der steigenden Treibhausgasemissionen der deutschen Kraftwerke 2012 und 2013 hinzukommt, wird die deutsche Energiewende sogar zum Ziel von Gesp&ouml;tt.  So mokierte sich zum Beispiel der Oxford Energie-&Ouml;konom Dieter Helm (Autor von <em>The Carbon Crunch<\/em>) auf den Weltbank Nachhaltigkeitstagen 2013 in Washington vor einem Publikum von hochrangigen Energiepolitikern aus Entwicklungsl&auml;ndern, dass Deutschland sehr viel Geld ineffizient f&uuml;r Erneuerbare in der Stromerzeugung ausgibt, wobei die Treibhausgas-Emissionen sogar steigen. Man mag sich dar&uuml;ber &auml;rgern und diese typisch angels&auml;chsische Zuspitzung unfair finden, da  dies auch damit zusammenh&auml;ngt, dass Deutschland kurzfristig mehrere Kernkraftwerke stillgelegt hat. Dass die Kohlekraftwerke in Deutschland im Rahmen ihrer Emissionsrechte fahren, darauf weist Helm nat&uuml;rlich nicht kritisch hin. <\/p><p>Fair oder nicht, die derzeitige Entwicklung in Deutschland und die Diskussion dar&uuml;ber liefern Argumente f&uuml;r diejenigen, die immer schon einen Konflikt zwischen Umweltschutz und Wirtschaftswachstum gesehen haben, wobei sie jetzt auch noch Klimaschutz und Bezahlbarkeit  dagegen stellen.  Und so sind die deutschen Vertreter letzter Woche zur Klimakonferenz nach Warschau gefahren, nicht als Vertreter eines strahlenden Vorbildlandes, sondern als Verteidiger einer Energiewende, die besser ist, als sie im Moment scheint. <\/p><p><strong>Wie konnte es dazu kommen?<\/strong><\/p><p>Um darauf eine kurze Antwort zu versuchen:  Das seit &uuml;ber 20 Jahren bestehende System der Einspeiserechte f&uuml;r Strom aus Erneuerbaren Energien bei festen Verg&uuml;tungstarifen, dessen Finanzierung &uuml;ber eine Umlage auf die verkaufte kWh gesichert wird, hat ein Reihe von St&auml;rken und Vorteilen, die dazu verleitet haben, es immer breiter und mehr zu nutzen und auch auszunutzen. Dabei ist die Kehrseite der Medaille, die Umlage und ihre langfristige Entwicklung zun&auml;chst wenig beachtet worden. Nur die Unternehmen haben aufgepasst und  Rabatte f&uuml;r die exportorientierte Wirtschaft sichern k&ouml;nnen.  <\/p><p>Als die Umlage sich zu sp&uuml;rbaren Preiserh&ouml;hungen zu summieren begann, ist das Thema Strompreissteigerungen (angeblich vor allem aufgrund der Umlage)  immer gr&ouml;sser geworden. Die Ma&szlig;nahmen-Diskussion hat sich aber auf die Verg&uuml;tungsseite und speziell die Einspeise-S&auml;tze  konzentriert, was auch zu deren &ndash; zu sp&auml;ten &ndash; &Auml;nderung gef&uuml;hrt hat, die Preissteigerung aber nicht aufh&auml;lt. Au&szlig;erdem wurde diese Diskussion &uuml;berlagert durch die grunds&auml;tzliche Diskussion &uuml;ber das F&ouml;rdersystem Einspeisetarife. Der &bdquo;Systemwechsel&ldquo;  der immer wieder verlangt wird (z.B. <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2013-09\/oekostrom-strompreis-reform\">seitens des RWI, von der Mehrheit des Sachverst&auml;ndigenrats, jetzt auch von der Monopolkommission<\/a>) verspricht jedoch allenfalls eine Drosselung der Verg&uuml;tungssummen in der Zukunft. In Bezug auf die Umlageseite selbst geht es seit Monaten nur noch darum, wie stark Gro&szlig;verbraucher beteiligt werden k&ouml;nnen, was an der Problematik ein wenig, aber nichts entscheidend &auml;ndert.   Allenfalls diskutiert man kompensatorische Senkungen anderen Belastungen der Verbraucher wie z.B. die Modifikation der Stromsteuer. Auch die NDS haben sich solche Vorschl&auml;ge kommentiert. (<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16071\">Altmaiers Neuer Versuch<\/a>)<\/p><p>Niemand kommt anscheinend auf den Gedanken, dass die Deckung der Verg&uuml;tungs-summen nicht zwingend durch eine Umlage erfolgen muss. Zumindest wird der Gedanke aus welchen Gr&uuml;nden auch immer nicht &ouml;ffentlich diskutiert. Vielleicht will man die l&auml;stige Subventionsdiskussion vermeiden. Ich will ihn trotzdem zur Debatte stellen und auch Begr&uuml;ndungen und praktische Vorschl&auml;ge liefern, wohl wissend, dass die Umsetzung Mut und Energie erfordert. Eine Gro&szlig;e Koalition sollte eigentlich in der Lage sein auch gr&ouml;&szlig;ere Ver&auml;nderungen zu stemmen. <\/p><p><strong>Der Automatismus der Umlage &uuml;berwindet kritische Widerst&auml;nde zu leicht; hat zu Freigiebigkeit und Einf&uuml;hrung immer neuer F&ouml;rdertatbest&auml;nde durch die Politik verleitet. Die Finanzierung &uuml;ber den Staatshaushalt h&auml;tte die F&ouml;rderung in engeren Grenzen gehalten.<\/strong><\/p><p>Das System der Verg&uuml;tung und Umlage ist schon im Stromeinspeisegesetz 1990, geschaffen worden, &uuml;brigens unter einer schwarzgelben Regierung auf  Betreiben von CSU, B90\/die Gr&uuml;nen und SPD. Dieses System ist im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)  2000 noch einmal festgeschrieben und in allen bisherigen Novellierungen aufrechterhalten worden. Das System ist offensichtlich  verfassungsgem&auml;&szlig;, obwohl man sich wundern kann, dass der Staat ein Grundbedarfs-Produkt und damit seine  Nutzer mit einer  Umlage belasten kann, ohne dass es als eine Verbrauchssteuer gilt.  <\/p><p>Bemerkenswert ist daran auch, dass die H&ouml;he und damit die j&auml;hrlichen Steigerungen nicht von einem demokratischen Gremium verabschiedet werden m&uuml;ssen, sondern sich im Wesentlichen automatisch aus der H&ouml;he der Summe der Einspeise-Verg&uuml;tungen (minus Erl&ouml;sen aus dem Verkauf des EE-Stroms an der B&ouml;rse)  ergibt. Gesetzlich war von Anfang an eine j&auml;hrliche (feste) Degression der Einspeisetarife verankert, die dann 2009 ge&auml;ndert wurde, als die gleitende Degression in Abh&auml;ngigkeit vom Kapazit&auml;tsausbau eingef&uuml;hrt wurden.  Das ist praktisch und sogar sehr elegant, mag aber auch dazu beigetragen haben, dass es (zu) wenig Widerstand gab bzw. zu wenig Druck, die Verg&uuml;tungssumme niedrig zu halten durch raschere Senkung der Einspeisetarife bzw. Mengen-Beschr&auml;nkungen (die es noch im ersten EEG 2000 gab, aber abgeschafft wurde). Die Begrenzung der Umlage hatte  lange keine Lobby. Erst neuerdings geht ein Aufschrei durch die Medien, wenn die neuen Verg&uuml;tungss&auml;tze verk&uuml;ndet werden, sinnigerweise nicht von der Regierung, sondern von der mit der Umsetzung des Mechanismus beauftragten Stromwirtschaft. Wenn statt der Umlage die Verg&uuml;tung steuerfinanziert werden m&uuml;sste, w&uuml;rden der oder die Finanzminister  sich gegen Erh&ouml;hungen wehren und den Mechanismus auf Einsparm&ouml;glichkeiten absuchen, und sie w&auml;re jedes Jahr Gegenstand der Haushaltsdebatte und Budgetverhandlungen, wo sie noch einmal auf dem Pr&uuml;fstand gestellt w&uuml;rde.   <\/p><p><strong>Ein substantieller  Teil der nachhaltigen Verg&uuml;tungssumme ist auf das unerwartet starke Wachstum der PV-Solarkapazit&auml;t zur&uuml;ckzuf&uuml;hren,  das man je nach Position als &uuml;berragenden Erfolg oder als klimapolitisch und versorgungspolitisch wenig effizient betrachten kann. Somit ist die Umlage Opfer des Erfolgs der Einspeiseregelung geworden.<\/strong><\/p><p>In den Jahren seit 2009 sind die Verg&uuml;tungssumme und die Umlage dramatisch angestiegen, da ein extrem hoher Kapazit&auml;tszuwachs an PV-Solaranlagen bei noch hohen Einspeises&auml;tzen stattfand.  Alle Welt war fasziniert davon, sodass die Bef&uuml;rchtungen, dass  dies noch f&uuml;r lange Zeit die Verg&uuml;tungssumme hochtreiben w&uuml;rde, wenig Geh&ouml;r fanden, auch da sie mit der Forderung nach Abschaffung des festen Einspeisetarifsystems verbunden war.  Die Diskussion war damit von der Umlage abgelenkt. Die Novellierung des EEG im Jahre 2009 mit der Flexibilisierung war nicht ausreichend um die Zuwachsraten nachhaltig zu mindern, auch weil die PV-Modulpreise schneller fielen als gedacht. <\/p><p><strong>In einer weiteren Konsequenz des sich verselbst&auml;ndigten Gesamtmechanismus sind dann die Einnahmen aus der EE-Stromvermarktung gefallen und der von der Umlage zu deckende Betrag sehr rasch angestiegen.<\/strong><\/p><p>Die Sch&ouml;pfer und Bewahrer des Systems (Politiker quer durch die Parteien)  hatten nicht vorausgesehen,  dass die immer h&ouml;heren Erzeugungsmengen an Erneuerbaren an der Stromb&ouml;rse nur zu sinkenden Preisen verkauft werden konnten. Damit stieg und steigt der Umlagebedarf, da die Einnahmen aus der EE-Stromvermarktung fielen und fallen, auch wenn die Verg&uuml;tungssumme selbst nicht mehr rasch anstieg. Hinzukam der Effekt sinkender B&ouml;rsenpreise durch die Vermarktung von Erzeugungsmengen aus inflexiblen fossilen Kraftwerken, die zur Kapazit&auml;tssicherung und Ausgleich von variablen EE Einspeisungen ben&ouml;tigt werden.<\/p><p><strong>Durch die EE Einspeisung entsteht ein weiterer Kostensenkungseffekt an der B&ouml;rsen, der sogenannte Merit-Order-Effekt, an dem die EE als Verursacher nicht profitieren.<\/strong><\/p><p>Vor einigen Jahren haben kluge Beobachter festgestellt, dass durch den Verzicht auf die auf der Angebotsseite gem&auml;&szlig; Merit Order (<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14101\">dazu hier<\/a>)  teureren Erzeugungskapazit&auml;ten eine Senkung der Spotpreise an der Stromb&ouml;rse erzielt wird, von dem K&auml;ufer  profitieren. Dieser Effekt wird und die vorgenannten B&ouml;rsenpreis-Senkungseffekte  m&uuml;ssten theoretisch zu einer Senkung des Teils der Strompreise gef&uuml;hrt haben, der durch die Erzeugung bestimmt wird  und daher wieder allen Stromverbrauchen zugutekommen m&uuml;sste. In welchem Umfang das geschieht, und ob alle Verbraucher daran partizipieren, oder nur die Gro&szlig;abnehmer und diejenigen die den Stromanbieter wechseln, ist nicht klar. Wie dem auch sei, der Verg&uuml;tungssumme und der Umlage wird das nicht zugute gerechnet, womit die Umlage dann umso mehr als Preistreiber dargestellt werden kann  <\/p><p><strong>Schlie&szlig;lich hat die Verwaltung zugelassen, dass immer mehr Wirtschaftsbetriebe in den Genuss von Ausnahmeregelungen gekommen sind, was wie schon erw&auml;hnt, die Umlage f&uuml;r die restlichen Abnehmer erh&ouml;ht.<\/strong><\/p><p>Die zust&auml;ndigen Beh&ouml;rden haben in den letzten Jahren zunehmend gro&szlig;z&uuml;gige Ausnahmen gew&auml;hrt, die den privilegierten Betrieben eine massive Rabattierung erlauben. Aus 18% des Stromverbrauchs wurden 2011 laut Bundesnetzagentur nur 0,3% Umlage erl&ouml;st.  Das hat sich angesichts der weiteren Ausnahmeregelungen noch  versch&auml;rft, sodass Haushalte und nicht-privilegierte Betriebe immer mehr zahlen und immer gr&ouml;&szlig;ere Anteile decken.<\/p><p>Es hat also in der Vergangenheit eine ganze Reihe von Entwicklungen gegeben, die sich zuungunsten des Umlagebetrags und insbesondere zuungunsten der nicht-privilegierten Stromverbraucher ausgewirkt haben. Diese Wirkungen hat man hingenommen und  hat die Kosten weiterer F&ouml;rdertatbest&auml;nde noch draufgesattelt. <\/p><p>Dies hat jetzige Umlageregelung erst ungerecht gemacht, so praktisch und elegant sie ist, und stellt die Erneuerbaren Energien an den &ouml;ffentlichen Dauerpranger. Das gegenw&auml;rtige Gesamtsystem der Kostenzuordnung ist auch nicht verursachungsgerecht, da die eigentlichen Verursacher der Klima- und Umweltprobleme, die fossilen Energietr&auml;ger, <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/foerderung-der-energiebranche-oettinger-schoent-subventionsbericht-1.1793957\">nach wie vor in erheblichem Ma&szlig;e direkt subventioniert<\/a> und nicht mit ihren volkswirtschaftlichen Kosten belastet werden, gerade auch angesichts der sehr niedrigen Preise f&uuml;r Treibhausgas-Emissionsrechte. Dass man, statt  die Verursacher (fossile Energietr&auml;ger) zu belasten,  die Probleml&ouml;sung (die EE durch die EEG-Verg&uuml;tungen) entlastet, ist zwar kein Versto&szlig; gegen die  umwelt&ouml;konomischen Lehrbuchprinzipien. Da aber die Umlage auf die Stromverbrauchern mittlerweile als Kosten der EE dargestellt werden und nicht als Kosten zur Vermeidung von Klimawandel, von Luftverschmutzung und Vermeidung von Risiken der Kernenergie, und damit doch wieder gegen den weiteren Ausbau der Erneuerbaren wirksam werden, funktioniert es nicht mehr lehrbuchm&auml;&szlig;ig. Zwar wirken die Preissignale f&uuml;r die Investoren im Sektor nach wie vor zugunsten der EE. Die Identifikation der Umlage mit den EE ist jedoch so, dass sie im politischen Raum unter Druck und, wie oben gezeigt, in Schein-Konflikte mit sozialpolitischen  und klimapolitischen Zielen geraten &ndash; national und international. <\/p><p><strong>Vorschlag:<\/strong><\/p><p>Man sollte die beschriebenen  Entwicklungen Punkt f&uuml;r Punkt analysieren und bewerten, und kompensieren. Wo das nicht  im System m&ouml;glich ist, sollte man Zusch&uuml;sse aus dem Staatshaushalt in Betracht ziehen.<\/p><p>In dem Punkte der Privilegierungen von Betrieben scheint die kommende Koalition schon etwas beschlossen zu haben. Was auch immer das ist, es wird nicht reichen, um die Umlage auf den Strompreis f&uuml;r die Haushalte und Betriebe zu senken, allenfalls mag das den Anstieg zu bremsen. <\/p><p>Hinzu kommen sollte ein j&auml;hrlichen Zuschuss zur Deckung der Verg&uuml;tungssummen aus Bundes-Steuermitteln, kalkuliert aus der Bewertung der aufgez&auml;hlten Punkte. Der Gesamtwert kann durchaus &uuml;ber 10 Mrd. Euro liegen, was den k&uuml;nftigen Umlagebedarf in etwa halbieren w&uuml;rde. Damit k&ouml;nnte die Umlage auf den  Stromverbrauch f&uuml;r alle deutlich niedriger ausfallen. <\/p><p>Angesichts des Wunschkatalogs von steuerfinanzierten Leistungen und Investitionen  der sich gerade in den Koalitionsverhandlungen ansammelt, kommt so  ein Vorschlag nat&uuml;rlich jetzt zur Unzeit. Im Unterschied zu den anderen Vorschl&auml;gen ist dies jedoch einer der eine Entlastung der B&uuml;rger als Stromverbraucher der Belastung als Steuer- B&uuml;rger gegen&uuml;berstellt.<\/p><p>Man mag dagegen einwenden: dass das ja nur eine &bdquo;linke Tasche &ndash; rechte Tasche&ldquo;   Transaktion w&auml;re. Dazu  w&auml;re  zu sagen, dass die Auswirkungen f&uuml;r den einzelnen Haushalt und andere Steuerobjekte davon abhingen, welche Steuer erh&ouml;ht w&uuml;rde,  und  wie sich diese Besteuerung im Vergleich zur Umlage  auswirken w&uuml;rde.  Aus sozialpolitischer Sicht  w&auml;re bei einer Mehrwertsteuererh&ouml;hung vermutlich nichts gewonnen, da diese die unteren Einkommensschichten m&ouml;glicherweise noch st&auml;rker trifft als die Umlage. Bei einer Erh&ouml;hung des Einkommensteuerspitzensatzes hingegen  schon.  Damit w&uuml;rde man die derzeit hei&szlig; diskutierte Steuererh&ouml;hungsthematik noch einmal befeuern.<\/p><p>In dieser Diskussion darf nicht &uuml;bersehen werden, dass das System der Einspeiseregelung das  Steueraufkommen gerade des Bundes langfristig erh&ouml;ht, nicht zuletzt durch die Mehrwertsteuer, die ja auch auf die Umlage gezahlt wird. Die weiterlaufenden Einspeise-Verg&uuml;tungen f&uuml;r bestehende Anlagen erh&ouml;hen mittel- und langfristig auch das Aufkommen aus der Einkommensteuer. Wenn, wie vermutet wird, die EE-Erzeugungsanlagen, besonders die in den Jahren 2009 bis 2012 in Dienst gingen, betr&auml;chtliche Gewinne f&uuml;r die Betreiber und Eigent&uuml;mer mit sich bringen, auch indem sie gut funktionieren, dann m&uuml;sste daf&uuml;r auch Einkommensteuern f&auml;llig werden. <\/p><p>Weitere Einw&auml;nde gegen den Zuschuss des Fiskus zur Deckung der EEG-Verg&uuml;tungen betr&auml;fen  vermutlich den rechtlichen Charakter,  Organisation und Zust&auml;ndigkeiten. Da man m&ouml;glicherweise einen steuerfinanzierten Mechanismus nicht mehr einfach dem Management innerhalb des Stromsektors &uuml;berlassen k&ouml;nnte,  m&uuml;sste man u.U.  einen Sonderfonds oder  Sonderverm&ouml;gen des Bundes einrichten. <\/p><p>Das k&ouml;nnte allerdings wiederum eine Chance sein. Falls die anstehende gro&szlig;e Reform der EE-F&ouml;rderung  ein neues (hoffentlich f&uuml;r die Energiewende und den Klimaschutz effektives, kosteneffizientes etc.) System hervorbringt, k&ouml;nnte die Einbringung des bisherigen Systems in einen Sonderfonds, der alle bisher entstandenen Anspr&uuml;che deckt  und nach deren Deckung auch aufgel&ouml;st werden kann, eine klare  L&ouml;sung f&uuml;r die nach derzeitigem EEG errichteten Altanlagen darstellen. Dies w&uuml;rde auch erlauben, neben dem Staatszuschuss und der verbleibenden Umlage weitere Ressourcen f&uuml;r Deckungsbeitr&auml;ge der EEG-Verg&uuml;tung zu nutzen, wie z.B. die Stromsteuer oder auch Einnahmen aus der Versteigerung der Treibhausgas-Emissionsrechte oder aus einer Kohlenstoffsteuer, falls der EU-Emissionsrechtehandel nicht &uuml;berleben sollte. <\/p><p>Aus den laufenden Koalitionsverhandlungen (Arbeitsgruppe Altmaier\/Kraft) dringt &uuml;ber die Medien der eine oder andere Aspekt nach drau&szlig;en. Allerdings hat man aus den Medienberichten &uuml;ber die Arbeitsgruppe Energie noch nicht den Eindruck, dass bei der anstehenden Reform der k&uuml;nftigen F&ouml;rderung und der Drosselung der Verg&uuml;tungssummen und der Entlastung der Stromverbraucher der gro&szlig;e Wurf gelingen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus den laufenden Koalitionsverhandlungen (Arbeitsgruppe Altmaier\/Kraft) dringt &uuml;ber die Medien der eine oder andere Aspekt nach drau&szlig;en. 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