{"id":1961,"date":"2006-12-27T09:12:46","date_gmt":"2006-12-27T08:12:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1961"},"modified":"2016-01-19T16:34:28","modified_gmt":"2016-01-19T15:34:28","slug":"volksvertreter-sind-nicht-reprasentativ-fur-das-volk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1961","title":{"rendered":"Volksvertreter sind nicht repr\u00e4sentativ f\u00fcr das Volk"},"content":{"rendered":"<p>Eine repr&auml;sentative Umfrage des Allensbach-Meinungsforschungsinstituts <a href=\"http:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/cps\/rde\/xchg\/SID-0A000F0A-D0515F44\/bst\/hs.xsl\/nachrichten_36181.htm\">im Auftrag der Bertelsmann Stiftung<\/a> unter Parlamentariern belegt, dass die Einsch&auml;tzungen &uuml;ber soziale Gerechtigkeit oder &uuml;ber eine gerechte Einkommensverteilung unserer Parlamentarier mit denen in der Bev&ouml;lkerung nur noch wenig miteinander zu tun haben. Bertelsmann zeigt sich zufrieden. Karl-Heinz Heinemann hat sich dar&uuml;ber seine Gedanken gemacht.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Unsere gew&auml;hlten Parlamentarier, eine verkannte Minderheit<\/strong><\/p><p>Von Karl-Heinz Heinemann<\/p><p>Nur alle paar Jahre haben wir normalen B&uuml;rger die M&ouml;glichkeit, unsere politische Meinung in einer Wahlentscheidung auszudr&uuml;cken. Die Abgeordneten dagegen, die wir dann gew&auml;hlt haben, k&ouml;nnen sich st&auml;ndig im Parlament &ouml;ffentlich zu Wort melden, und mit unserem Mandat im R&uuml;cken k&ouml;nnen sie ihre Auffassung  als die ihrer W&auml;hler ausgeben.<br>\nSchaut man auf die Sitzverteilung und die Fraktionsst&auml;rken, so wei&szlig; man, welche Auffassungen in den Parlamenten vertreten werden, sollte man meinen. Eine Meinungsumfrage unter Parlamentariern, die ja eigentlich daf&uuml;r bezahlt werden, Tag f&uuml;r Tag ihre Meinung als die unsere kundzutun, erscheint da so absurd wie ein Katechismusunterricht unter Kardin&auml;len.<br>\nDie Bertelsmann-Stiftung glaubt das offenbar nicht. Und deshalb hat sie eine Meinungsumfrage unter Parlamentariern in Auftrag gegeben.<br>\nUnd die Zweifel waren berechtigt, so stellt sich heraus. In der zentralen Frage der sozialen Gerechtigkeit in Deutschland vertreten die Abgeordneten v&ouml;llig andere Auffassungen als die von ihnen vertretenen W&auml;hlerinnen und W&auml;hler.<br>\nBefragt wurde eine repr&auml;sentative Stichprobe von Abgeordneten aus Landtagen, dem Bundestag und dem Europaparlament. &Uuml;ber alle Parteien hinweg sind gut 60 Prozent von ihnen mit der Verteilung von Einkommen und Verm&ouml;gen in Deutschland hoch zufrieden. In der Bev&ouml;lkerung sind das hingegen nur 28 Prozent. Das gibt die Bertelsmann-Stiftung auch freim&uuml;tig in ihrer Pressemitteilung bekannt. Um zu erfahren, welche Unterschiede es zwischen den Parteien gibt, muss man sich allerdings die Studie aus dem Internet herunterladen. Dass 88 Prozent der PDS-Vertreter die Verm&ouml;gen ungerecht verteilt finden erstaunt weniger, als dass f&uuml;nf Prozent von ihnen die Verteilung von Besitz und Einkommen bei uns f&uuml;r v&ouml;llig in Ordnung halten. Die Linke ist damit die einzige Partei, in der Parlamentarier und W&auml;hler das gleiche &uuml;ber die Verteilungsgerechtigkeit denken. Von den CDU\/CSU-Mandatstr&auml;gern finden 83 Prozent die Verteilung gerecht, auch das wundert einen nicht, aber von ihren Anh&auml;ngern sind es nur 38 Prozent. &Auml;hnlich sieht es bei der SPD aus: Die H&auml;lfte ihrer Abgeordneten ist mit dem Status quo bei den Verm&ouml;gensverh&auml;ltnissen zufrieden, aber nur ein Viertel ihrer Anh&auml;nger. Klar: Das Establishment&ndash; so h&auml;tte man fr&uuml;her gesagt &ndash; entfremdet sich von der Basis. Auch bei den Gr&uuml;nen. Nur da glaubt die etablierte Basis zu mehr als einem Viertel, dass der Unterschied von Oberstudienratsgehalt und Anwaltseink&uuml;nften zu Hartz IV in Ordnung geht, w&auml;hrend sich nur 14 Prozent bei den politisch korrekten gr&uuml;nen Abgeordneten zu dieser Auffassung bekennen.<br>\nDie Bertelsm&auml;nner sind  mit den Abgeordneten zufrieden. Denn die, vor allem die jungen, denken modern, stellen die Lobbyisten aus G&uuml;tersloh fest. F&uuml;r die Mehrheit der Mandatstr&auml;ger hat soziale Gerechtigkeit nichts mit Hilfe f&uuml;r sozial Schwache zu tun, sondern mit der M&ouml;glichkeit, an Bildung und Arbeit teilhaben zu k&ouml;nnen, und diese Chance hat ja fast jeder, glauben sie.  Dass so viele ihre M&ouml;glichkeiten nicht nutzen, das ist wohl wieder was ganz anderes.<br>\nPartei &uuml;bergreifend halten die Volksvertreter das skandinavische Wohlfahrtststaatsmodell f&uuml;r beispielhaft, w&auml;hrend selbst weite Teile der CDU-Vertreter das Modell der US-amerikanischen Gesellschaft f&uuml;r abschreckend halten. Die Rentenversicherung sei ungerecht, Krankenkasse und Rente sollten st&auml;rker &uuml;ber Steuern finanziert werden, meint ebenfalls eine partei&uuml;bergreifende Mehrheit. Und noch mehr Parlamentarier wollen gleichzeitig Steuern und Abgaben senken. Da kann man ja schon fast Mitleid mit den Finanzministern bekommen, die sich mit einem politischen Kindergarten herumplagen m&uuml;ssen, mit Abgeordneten, die nicht verstanden haben, dass mehr Ausgaben auch aus irgendwelchen Steuern und Abgaben finanziert werden m&uuml;ssen.<br>\nJedenfalls haben wir der Bertelsmann-Stiftung zu danken daf&uuml;r, dass sie endlich einmal die Meinung dieser offenbar verkannten Minderheit, der Abgeordneten erforschen lie&szlig;. In den &ouml;ffentlichen Reden im Parlament oder gar aus Parteiprogrammen erf&auml;hrt man sie ja offenbar nicht. Die Tagesthemen sollten regelm&auml;&szlig;ig nicht nur einen Deutschlandtrend ver&ouml;ffentlichen, sondern einen Abgeordnetentrend, damit wir mal erfahren, was die von uns Gew&auml;hlten so denken.<\/p><p><strong>Anmerkung WL:<\/strong> Und noch ein Beispiel f&uuml;r die Ungereimtheit im politischen Denken unserer Parlamentarier: Partei- und generationen&uuml;bergreifend sind 70 Prozent aller Parlamentarier daf&uuml;r, die sozialen Si&shy;cherungssysteme st&auml;rker als bisher &uuml;ber Steuern zu finanzieren. Gleichzeitig halten 40 Prozent die derzeitige Steuer- und Ab&shy;gabenquote f&uuml;r zu hoch, w&auml;hrend 46 Prozent aller befragten Politiker diese f&uuml;r angemes&shy;sen halten. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine repr&auml;sentative Umfrage des Allensbach-Meinungsforschungsinstituts <a href=\"http:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/cps\/rde\/xchg\/SID-0A000F0A-D0515F44\/bst\/hs.xsl\/nachrichten_36181.htm\">im Auftrag der Bertelsmann Stiftung<\/a> unter Parlamentariern belegt, dass die Einsch&auml;tzungen &uuml;ber soziale Gerechtigkeit oder &uuml;ber eine gerechte Einkommensverteilung unserer Parlamentarier mit denen in der Bev&ouml;lkerung nur noch wenig miteinander zu tun haben. Bertelsmann zeigt sich zufrieden. 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