{"id":1964,"date":"2006-12-27T10:49:27","date_gmt":"2006-12-27T09:49:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1964"},"modified":"2016-01-19T16:29:47","modified_gmt":"2016-01-19T15:29:47","slug":"weihnachten-unter-dem-stern-des-wettbewerbs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1964","title":{"rendered":"Weihnachten unter dem Stern des Wettbewerbs"},"content":{"rendered":"<p>Selbst in seiner <a href=\"http:\/\/www.bundespraesident.de\/-,2.634808\/Weihnachtsansprache-von-Bundes.htm\">Weihnachtsansprache<\/a> f&auml;llt unserem Bundespr&auml;sidenten keine wichtigere Botschaft ein, als dass  wir &bdquo;in einem internationalen Qualit&auml;tswettbewerb&ldquo; stehen, &bdquo;der alle Bereiche unseres Zusammenlebens betrifft: Welcher Nation gelingt es am besten, die sch&ouml;pferischen Kr&auml;fte ihrer Menschen zu wecken? Wie offen ist eine Gesellschaft f&uuml;r Neues?&ldquo;<br>\nDie &bdquo;Qualit&auml;t von Politik&ldquo; misst K&ouml;hler am Erfolg im internationalen Wettbewerb und nicht etwa an einer Wirtschaftspolitik die Wohlstand f&uuml;r alle schafft. Er misst &bdquo;gute Politik&ldquo; nicht an der ann&auml;herungsweisen Umsetzung des politischen Willens des Parlaments oder gar der W&uuml;nsche und Vorstellungen der Mehrheit der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger. &bdquo;Gute Politik&ldquo; hat aus der K&ouml;hlerschen Sicht eines Diktats des Wettbewerbs nichts mit aufkl&auml;rerischer Vernunft, nichts mit Fortschritt als Verwirklichung humaner Ideale oder gar mit Emanzipation im Sinne einer Befreiung der Menschen von irrationalen Zw&auml;ngen zu tun. Wolfgang Lieb.<br>\n<!--more--><br>\nNein, im Wettbewerb werden eben nur &bdquo;St&auml;rken und Schw&auml;chen&ldquo; gemessen. Die St&auml;rken der anderen sind die Orientierungsgr&ouml;&szlig;en &bdquo;f&uuml;r Neues&ldquo; bei uns. Die &bdquo;Qualit&auml;t von Politik&ldquo; bemisst sich f&uuml;r K&ouml;hler daran, wie gut und wie erfolgreich sie den Wettbewerb auf allen Feldern organisiert. Politik hat f&uuml;r unseren Bundespr&auml;sidenten vor allemauf den Wettbewerb ausgerichtet zu sei, ja sie ist dem Wettbewerb geradezu nach- bzw. untergeordnet: &bdquo;Deshalb geht es bei diesem Wettbewerb <strong>auch (!)<\/strong> um die Qualit&auml;t von Politik.&ldquo; Die politisch Handelnden haben wie Unternehmensvorst&auml;nde daf&uuml;r zu sorgen, dass unser Land wie ein weltweit agierendes Unternehmen im Wettbewerb mit anderen besteht und sich m&ouml;glichst gegen andere durchsetzt.<\/p><p>Das Messen von St&auml;rken und Schw&auml;chen, also das Benchmarking ist f&uuml;r unseren &bdquo;Bundesaufsichtsratsvorsitzenden&ldquo; letztlich die Grundlage f&uuml;r gute Politik: &bdquo;Gute Politik &ndash; das hei&szlig;t zun&auml;chst einmal Aufrichtigkeit bei der Einsch&auml;tzung unserer St&auml;rken und Schw&auml;chen. Das hei&szlig;t Mut, sich Ziele zu setzen und sich daran auch messen zu lassen. Und das hei&szlig;t Stetigkeit und Stimmigkeit im Handeln.&ldquo;<br>\nBei einem solchen Politikverst&auml;ndnis geht es nicht mehr um die &bdquo;Stimmigkeit&ldquo; des Regierungshandelns mit des Volkes Willen, nicht einmal mehr um die Zusammenf&uuml;hrung von unterschiedlichen gesellschaftlichen  Interessen zu einem Allgemeininteresse. Nein, die Ziele der Politik ergeben sich aus dem Vergleich von St&auml;rken und Schw&auml;chen mit anderen L&auml;ndern.<br>\nBenchmarking ist f&uuml;r ihn das Verfahren, um politische Handlungsweisen zu beurteilen und zu verbessern. Wenn dann in einem solchen Benchmark Schw&auml;chen ausgemacht werden, dann bedarf es nur noch &bdquo;Mut&ldquo; diese Schw&auml;chen auszumerzen und &bdquo;Stetigkeit und Stimmigkeit im Handeln&ldquo; um wieder wettbewerbsf&auml;hig zu werden. &Uuml;ber die &bdquo;Stimmigkeit im Handeln&ldquo; zur St&auml;rkung der Wettbewerbsf&auml;higkeit soll dann der &bdquo;unerl&auml;ssliche&ldquo; und &bdquo;faire Streit&ldquo; in der Demokratie stattfinden. Und eigentlich nur noch dar&uuml;ber.<\/p><p>Am Bestehen des Wettbewerbs messen sich &bdquo;Erfolg und Misslingen&ldquo;. Und: &bdquo;Erfolge verdienen Anerkennung&ldquo; kosteten sie auch, was sie wollen, und verlangten sie auch Opfer von noch so Vielen. Denjenigen, &bdquo;die Misserfolg haben&ldquo;&hellip; &bdquo;reichen wir&hellip;die Hand&hellip;damit sie sich wieder aufrichten.&ldquo; Also richtet euch wieder auf, die ihr vom globalen Wettbewerb an den Rand gedr&auml;ngt wurdet!<\/p><p><strong>Benchmarking und Wettbewerb<\/strong>, das sind die schlichten politischen Botschaften unseres Bundespr&auml;sidenten, die er in seiner Weihnachtsansprache verk&uuml;ndet.<\/p><p>Nun wird K&ouml;hler ja nicht nachgesagt, dass seine Reden gedankliche H&ouml;henfl&uuml;ge auszeichnen, aber immerhin wird st&auml;ndig behauptet, er habe gro&szlig;en &ouml;konomischen Sachverstand. Das <a href=\"http:\/\/www.manager-magazin.de\/unternehmen\/artikel\/0,2828,437923,00.html\">manager-magazin<\/a> hat K&ouml;hler &ndash; wohlgemerkt in einem Ranking &ndash; sogar als den &bdquo;&ouml;konomisch kompetentesten deutschen Politiker&ldquo; gerankt.<br>\nWohin diese Kompetenz gef&uuml;hrt hat k&ouml;nnen wir alle an der falschen Finanzierung der Einheit Deutschlands und in deren Gefolge am drastischen Anstieg der Staatsverschuldung und an den Folgen der Privatisierungspolitik der Treuhand f&uuml;r die Wirtschaft in den neuen L&auml;ndern ablesen. Daf&uuml;r trug K&ouml;hler als Staatssekret&auml;r im Finanzministerium ein erhebliches Ma&szlig; an Verantwortung.<br>\nUnter anderem wird seine Wirtschaftskompetenz auf seine Erfahrungen aus seinem fr&uuml;heren Amt als gesch&auml;ftsf&uuml;hrendem Direktor des Internationalen W&auml;hrungsfonds (IWF) verwiesen.<br>\nAus dieser T&auml;tigkeit stammt wohl auch K&ouml;hlers Vorliebe f&uuml;r Benchmarks &ndash; ein beliebtes Konzept internationaler Wirtschaftsorganisationen wie der Weltbank oder der OECD, um weltweit ihre wirtschaftsliberalen Konzepte durchzusetzen. Auch die Propagandisten der sog. Strukturreformen im Inland, wie die Bertelsmann Stiftung mit ihren zahllosen Rankings, oder die &bdquo;Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft&ldquo; bedienen sich regelm&auml;&szlig;ig Benchmarks, um St&auml;rken und Schw&auml;chen &ndash; meist sind es die Schw&auml;chen &ndash; des &bdquo;Standortes&ldquo; Deutschland herauszustellen, um daraus ihre Forderungen nach &bdquo;Strukturreformen&ldquo; abzuleiten, damit Deutschland wieder aus dem Tal der Tr&auml;nen komme. <\/p><p>Solche Benchmarks gelten unter den meisten Wirtschaftswissenschaftlern als ziemlich simple Verfahren: Man hat ein regional begrenztes Problem vor Augen, etwa die Arbeitslosigkeit in Deutschland, und sucht nun in anderen Regionen, wo dieses Problem in geringerem Ma&szlig;e auftritt, nach m&ouml;glichst vielen Indikatoren, die anzeigen k&ouml;nnten, warum es dort besser geht. Also zum Beispiel die Abschaffung des K&uuml;ndigungsschutzes nach d&auml;nischem Vorbild (wobei nat&uuml;rlich unterschlagen wird, dass man als Arbeitsloser dort achtzig Prozent seines Nettogehalts erh&auml;lt).<br>\nDer Vergleich der einzelnen Benchmarks kann durchaus erkenntnisleitende Hypothesen liefern,  wenn diese nicht korinthenpickerisch betrachtet, sondern im Lichte einer &ouml;konomischen Theorie mit Substanz, auf kausale und funktionale Zusammenh&auml;nge und auf ihre Wirkungskreisl&auml;ufe &uuml;berpr&uuml;ft w&uuml;rden.<br>\nDoch um Letzteres geht es beim Benchmarking &uuml;blicherweise gerade nicht. Es geht in aller Regel um die weitgehend theorielose Aneinanderreihung m&ouml;glichst vieler miteinander verbundener oder auch unverbundener Befunde. Heiner Flassbeck, der Direktor der UN Konferenz f&uuml;r Handel und Entwicklung (UNCTAD) urteilt dar&uuml;ber so: &bdquo;Was als &acute;Schwachstellenanalyse&ldquo; ausgegeben wird, ist ein wildes Sammelsurium von Daten, Vorurteilen und Voreingenommenheiten, die sich in massiven Widerspr&uuml;chen niederschlagen.&ldquo;<br>\nEiner dieser &ndash; von den Autoren meist v&ouml;llig unterschlagenen &ndash; Widerspr&uuml;che ist zum Beispiel, dass die &ouml;konomisch relativ erfolgreichen skandinavischen Staaten mit ihren h&ouml;chsten Staatsquoten eigentlich die &bdquo;marktwirtschaftliche Demokratie&ldquo; l&auml;ngst erdrosselt haben m&uuml;ssten.<br>\nSelbst das Ifo-Institut des ziemlich marktradikalen Professor Hans-Werner Sinn hat in einer Studie nachgewiesen, dass solche Rankings kaum etwas dar&uuml;ber aussagen, <a href=\"?p=1635\">wie gut oder schlecht es tats&auml;chlich um die Wachstumsaussichten in den bewerteten Staaten steht<\/a>.<\/p><p>Aber solche Kritik kann unseren Bundespr&auml;sident nicht nachdenklich stimmen. Er unterzieht sich nicht der geringsten M&uuml;he, die &bdquo;St&auml;rken und Schw&auml;chen&ldquo; unseres Landes auf ihre Urs&auml;chlichkeiten zu analysieren. So ist f&uuml;r ihn auch der leichte Aufschwung in Deutschland nicht &ndash; wie f&uuml;r die meisten &Ouml;konomen &ndash; eine Folge des weltwirtschaftlichen Wachstums, er behauptet vielmehr ohne jede Begr&uuml;ndung einfach, dass die Reformen &bdquo;greifen&ldquo; w&uuml;rden:<br>\n&bdquo;Die Zahl der Arbeitslosen geht endlich zur&uuml;ck. Die Investitionen der Unternehmen steigen. Unsere Produkte sind weltweit gefragt, und die Reformen der vergangenen Jahre beginnen zu greifen.&ldquo; An dieser Schlussfolgerung st&ouml;rt ihn noch nicht einmal die Tatsache, dass Deutschland schon lange vor der &bdquo;Reformpolitik&ldquo; Exportweltmeister gewesen ist. Solche Widerspr&uuml;chlichkeiten k&ouml;nnen seinen Glauben nicht ersch&uuml;ttern, dass <a href=\"http:\/\/www.stern.de\/politik\/deutschland\/:Horst-K%F6hler-Ohne-Streit\/579028.html\">&ldquo;unser Land noch am Anfang des Reformprozesses&rdquo; stehe<\/a>.<\/p><p>Die &bdquo;M&uuml;he&ldquo; der Reformen habe sich gelohnt, meint K&ouml;hler und lobt: &bdquo;Viele haben zu der guten Entwicklung beigetragen. Ich danke allen herzlich daf&uuml;r.&ldquo; Der Dank des Vaterlandes ist also denjenigen, denen die &bdquo;M&uuml;he&ldquo; &ndash; genauer gesagt &ndash; denen Opfer  abverlangt wurden, immerhin gewiss. <\/p><p>Das Konzept des Benchmarkings und das Denken in Kategorien der volkswirtschaftlichen Wettbewerbsf&auml;higkeit sind gleicherma&szlig;en inhaltsleer und wertblind. Der bekannte amerikanische &Ouml;konom Paul Krugmann kritisiert diese Ideologie des Standortwettbewerbs in seinem 1999 erschienen Buch als &bdquo;Mythos vom globalen Wirtschaftskrieg&ldquo;.<\/p><p>Nichts gegen Wettbewerb, weder im Sport und schon gar nichts gegen den Wettbewerb zwischen Unternehmen und ihren jeweiligen Produkten auf dem Markt. Der Wettbewerb hat zwischen den Marktteilnehmern eine unersetzbare steuernde Funktion. Das Wettbewerbsprinzip jedoch immer st&auml;rker auf die Gesellschaft und den Staat zu &uuml;bertragen, birgt riesige Gefahren f&uuml;r den Zusammenhalt des politischen Gemeinwesens und f&uuml;r die Demokratie insgesamt.<br>\nDazu braucht man sich nur einmal kurz auf die Prinzipien oder Motive zu besinnen, die hinter einer wettbewerbsgesteuerten im Unterschied zu einer demokratisch (politischen) gestalteten Gesellschaft stehen.<\/p><ul>\n<li>Man wird wohl kaum bestreiten k&ouml;nnen, dass hinter dem Wettbewerb das Motiv des <strong>Eigennutzes<\/strong> steht, w&auml;hrend die demokratische Gesellschaft f&uuml;r das <strong>Gemeinn&uuml;tzige<\/strong> oder sogar f&uuml;r das Solidarische steht.<\/li>\n<li>Wettbewerb richtet sich gegen die jeweils anderen Wettbewerber und ist diesen gegen&uuml;ber tendenziell <strong>destruktiv<\/strong> (der St&auml;rkere setzt sich durch), w&auml;hrend die demokratische Gesellschaft und immer auch das Ganze im Auge haben sollte und von daher eher <strong>konstruktiv<\/strong> ist. Die Mitglieder der Gesellschaft sind auch f&uuml;reinander da oder zumindest aufeinander angewiesen.<\/li>\n<li>Wettbewerb lebt von der <strong>Konkurrenz<\/strong>, ein demokratisches Gemeinwesen aber auch von der <strong>Kooperation<\/strong>.<\/li>\n<li>Wettbewerb misst sich am Anderen, er ist von au&szlig;en gesteuert. Triebkr&auml;fte sind also eher <strong>extrinsische Motive<\/strong>. Ein demokratisches Gemeinwesen lebt aber auch von der <strong>intrinsischen Motivation<\/strong> seiner B&uuml;rger, einer Motivation die auch Anreizen folgt, die jenseits der &ouml;konomischen liegen und auch inneren, wertbezogenen Antrieben Raum gibt.<\/li>\n<li>Wettbewerb schielt auf den <strong>kurzfristigen Erfolg<\/strong>. Ein Staat muss auch die <strong>l&auml;ngerfristigen Interessen<\/strong> der Gesamtbev&ouml;lkerung im Auge haben.<\/li>\n<li>Der Wettbewerb schafft <strong>&auml;u&szlig;ere, fremdbestimmte Zw&auml;nge<\/strong>, Demokratie macht aber <strong>Selbstbestimmung, Teilhabe<\/strong> oder wenigstens <strong>Mitbestimmung<\/strong> aus.<\/li>\n<li>Es wird doch geradezu als Kult gepflegt, dass im einzelwirtschaftlichen Wettbewerb immer auch <strong>autorit&auml;re Entscheidungen<\/strong> der &bdquo;Unternehmensf&uuml;hrer&ldquo; verlangt und erwartet werden, die Gesellschaft, der Staat oder die L&auml;nder untereinander, sind jedoch keine einzelwirtschaftlich agierende Unternehmen mit einem Unternehmer oder Managern an der Spitze, sondern sie sind jedenfalls nach unserer Verfassung <strong>demokratisch<\/strong> konstituiert.<\/li>\n<li>Wettbewerb <strong>h&auml;lt Ungleichheit aus<\/strong>, ja braucht sie geradezu als Antriebskraft, eine Gesellschaft bricht jedoch auseinander, wenn <strong>zuviel Ungleichheit<\/strong> herrscht.<\/li>\n<li>Wettbewerb ist tendenziell am <strong>raschen Gewinn orientiert<\/strong>, eine offene demokratische Gesellschaft, die ihre Zukunft langfristig gestalten will, verlangt jedoch gerade mehr <strong>Spielraum f&uuml;r das Neue<\/strong>, das Unsichere, das sich nicht sofort und kalkulierbar in Profit Niederschlagende &ndash; man denke doch nur an Bildung und Forschung.<\/li>\n<li>Wettbewerb mag zu <strong>einzelwirtschaftlicher Effizienz<\/strong> f&uuml;hren, die <strong>volkswirtschaftliche Effizienz<\/strong> misst sich aber auch am Allgemeinwohl und am allgemeinen Wohlstand und daf&uuml;r bedarf es zumindest auch wertender Rahmensetzungen &ndash; z.B. der Prinzipien des Sozialstaats.<\/li>\n<\/ul><p>Um es noch einmal zu sagen: Es geht hier nicht um eine radikale Kritik am Wettbewerb oder gar dessen Ablehnung, dort wo er seinen Sinn und seinen Platz hat. Wenn der Wettbewerbsgedanke jedoch &ndash; wie offenbar bei unserem Bundespr&auml;sidenten &ndash; zum herrschenden Funktionsprinzip f&uuml;r Staat und Gesellschaft wird, dann ger&auml;t die demokratische Substanz in Gefahr.<br>\nVielleicht sp&uuml;rt das K&ouml;hler sogar, wenn er in seiner Ansprache unvermittelt appelliert: &bdquo;Lassen Sie uns gemeinsam auf unsere freiheitliche Demokratie acht geben.&ldquo; Vielleicht ist dieser Appell ein Reflex auf die historische Erfahrung, dass Wettbewerb durchaus ohne Demokratie auskommt. F&uuml;r die Geltung von Wettbewerbsprinzipien ist die Demokratie vielleicht hilfreich, ja vielleicht sogar die ad&auml;quate konstitutionelle Gesellschaftsform, aber Wettbewerb ist keineswegs konstituierend f&uuml;r eine Demokratie. Es ist ja schlie&szlig;lich kein Zufall, dass in den faschistischen Diktaturen von Hitler bis Franco, von der griechischen bis zur portugiesischen Milit&auml;rdiktatur der kapitalistische Wettbewerb weitgehend unangetastet blieb und unter Pinochet in Chile sogar geradezu radikalisiert wurde.<\/p><p>Daran zu erinnern, passt vielleicht nicht zu Weihnachten, aber wenn unser Bundespr&auml;sident mit seiner Weihnachtsansprache den Wettbewerb als die wichtigste Botschaft verk&uuml;ndet, dann muss man wenigstens ihn an dieses Missverh&auml;ltnis erinnern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Selbst in seiner <a href=\"http:\/\/www.bundespraesident.de\/-,2.634808\/Weihnachtsansprache-von-Bundes.htm\">Weihnachtsansprache<\/a> f&auml;llt unserem Bundespr&auml;sidenten keine wichtigere Botschaft ein, als dass wir &bdquo;in einem internationalen Qualit&auml;tswettbewerb&ldquo; stehen, &bdquo;der alle Bereiche unseres Zusammenlebens betrifft: Welcher Nation gelingt es am besten, die sch&ouml;pferischen Kr&auml;fte ihrer Menschen zu wecken? Wie offen ist eine Gesellschaft f&uuml;r Neues?&ldquo;<br \/> Die &bdquo;Qualit&auml;t von Politik&ldquo; misst K&ouml;hler am Erfolg im<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1964\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[96,157,30],"tags":[531,233,312,443,1614],"class_list":["post-1964","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bundespraesident","category-wettbewerbsfaehigkeit","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-koehler-horst","tag-marktliberalismus","tag-reformpolitik","tag-standortwettbewerb","tag-weihnachtsansprache"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1964","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1964"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1964\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30373,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1964\/revisions\/30373"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1964"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1964"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1964"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}