{"id":19642,"date":"2013-12-12T09:14:29","date_gmt":"2013-12-12T08:14:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19642"},"modified":"2015-10-14T10:22:33","modified_gmt":"2015-10-14T08:22:33","slug":"ueber-den-schwachsinn-staatlicher-pensionsfonds-millionenverluste-durch-die-finanzkrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19642","title":{"rendered":"\u00dcber den Schwachsinn staatlicher Pensionsfonds \u2013 Millionenverluste durch die Finanzkrise"},"content":{"rendered":"<p>Wie bei der gesetzlichen Rente gilt auch f&uuml;r die Altersversorgung von Beamten die Kapitaldeckung als Heilsbringer aus der angeblichen &bdquo;Demografie-Falle&ldquo;. Eine hartn&auml;ckige Recherche des K&ouml;lner Stadt-Anzeigers brachte nun einen dreistelligen Millionenverlust bei der Versorgungsr&uuml;cklage zur Sicherung der Beamtenpensionen in Nordrhein-Westfalen ans Licht. Wie schon bei den privaten Lebensversicherungen oder der Riester-Rente wurde auch bei der staatlichen kapitalgedeckten Altersvorsorge die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Einmal abgesehen davon, dass mit staatlichen Versorgungsr&uuml;cklagen in gesamtwirtschaftlich sch&auml;dlicher Weise Schulden von der rechten in die linke Tasche geschoben werden, hat man das mit spekulativen Finanzm&auml;rkten verbundene Risiko der (schuldenfinanzierten) Kapitalanlagen schlicht nicht wahr haben wollen. Es w&auml;re interessant zu erfahren, welche Verluste der Bund und die L&auml;nder mit ihren Pensionsfonds durch die Finanzkrise insgesamt erlitten haben. Wer f&uuml;r den Schwachsinn staatlicher Pensionsfonds bluten muss, ist allerdings jetzt schon sicher. Von <strong>Wolfgang Lieb<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nSeit Jahren werden Horrorgem&auml;lde &uuml;ber die zuk&uuml;nftigen Belastungen der &Ouml;ffentlichen H&auml;nde durch Versorgungsleistungen an Beamte  im Ruhestand an die Wand gemalt. So werden etwa die zu erwartenden Kosten f&uuml;r Pensionen und Beihilfen der heute aktiven Beamten und Ruhest&auml;ndler allein bei Bund, Post und Bahn <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article118847155\/Beamte-kosten-den-Bund-mehr-als-465-Milliarden-Euro.html\">auf 465,4 Milliarden Euro hochgerechnet<\/a> &ndash; gerade so, als w&uuml;rde die Wirtschaft und damit die Steuereinnahmen in den kommenden Jahrzehnten nicht mehr wachsen. <\/p><p>Wie bei der umlagefinanzierten gesetzlichen Rente redet man auch bei der Beamtenversorgung von einer &bdquo;Demografie-Falle&ldquo;. Dieser Falle k&ouml;nne man nur entgehen, wenn man entweder das Versorgungsniveau drastisch senkt (so z.B., wie auch schon bei der <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9322\">Rente der Versicherungslobbyist<\/a> <a href=\"http:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.pensionslasten-beamte-in-der-demografiefalle.ad37d886-98b4-479e-a09c-1cc843db9860.html\">Bernd Raffelh&uuml;schen<\/a>) oder aber indem sog. Versorgungsr&uuml;cklagen angelegt werden. Mit solchen Versorgungsfonds soll auch die Altersversorgung von Beamten vom bisherigen Umlageverfahren &ndash; d.h. der Finanzierung aus dem laufenden Haushalt &ndash; auf eine Kapitaldeckung umgestellt werden. <\/p><p>Sowohl der Bund als auch alle L&auml;nder haben in den letzten Jahren solche Pensionsfonds per Gesetz eingef&uuml;hrt. Teilweise finanziert werden solche Versorgungsr&uuml;cklagen in der Regel durch eine j&auml;hrliche Absenkung des Besoldungs- und Versorgungsniveau der Beamten und Pension&auml;re, dar&uuml;ber hinaus werden etwa die ruhegehaltsf&auml;higen Dienstbez&uuml;ge prozentual verringert oder die H&ouml;chstgrenze der Beamtenbez&uuml;ge und die H&ouml;he der Witwenversorgung abgesenkt.<\/p><p>Heiner Flassbeck hat schon im Jahre 2008 &ndash; anl&auml;sslich der Einrichtung eines bayerischen Staatsfonds &ndash; geurteilt, dass <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3077\">damit &bdquo;der Unverstand fr&ouml;hliche Urst&auml;nd&ldquo; feiere<\/a>. Er hat auf die &bdquo;aberwitzige Idee&ldquo; hingewiesen, dass der Staat, statt durch Pensionsverpflichtungen anwachsende Ausgaben auf eine Zukunft mit einem erh&ouml;hten Wachstum und h&ouml;heren Steuereinnahmen zu verlagern, schon heute (schuldenfinanziert) mehr Geld als sonst ausgegeben m&uuml;sse, um einen solchen Pensionsfonds aufzubauen. Wenn man das &uuml;ber l&auml;ngere Zeit mache, seien zwar vielleicht in ferner Zukunft die Pensionslasten des Staates geringer als heute (eindimensional) errechnet, der kleine Haken bei der Geschichte sei allerdings, dass auch die Staatsverschuldung in Zukunft um den Betrag h&ouml;her sei, um den der Staat in den Pensionsfonds einbezahlt habe. Der Staat habe also Geld nur aus der rechten Tasche genommen und in die linke geschoben und das Ganze noch als Zukunftsvorsorge verkauft.<br>\n(Im &Uuml;brigen sind Schuldzinsen in aller Regel h&ouml;her als Einnahmen aus Kreditzinsen.)<\/p><p>&Uuml;ber dieses blo&szlig;e &bdquo;Karussellgesch&auml;ft&ldquo; hinaus, entstehe aber &ndash; so Flassbeck weiter &ndash; gesamtwirtschaftlich betrachtet noch ein zus&auml;tzlicher Schaden.  Durch das Ansparen von Versorgungsr&uuml;cklagen, k&ouml;nne der Staat bei den laufenden Ausgaben &ndash; also bei &ouml;ffentlichen Investitionen oder bei den Konsumausgaben &ndash; weniger ausgeben. Der Staat k&ouml;nne dementsprechend weniger in die Zukunft investieren oder wenigstens durch eine h&ouml;here Besoldung seiner Staatsdiener die Kaufkraft im Inland steigern. Beides schw&auml;cht fortlaufend das j&auml;hrliche Wirtschaftswachstum.<br>\n(Siehe dazu im Detail Heiner Flassbeck &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3077\">Leibhaftige Finanzminister sind nicht f&auml;hig, in gesamtwirtschaftlichen Zusammenh&auml;ngen zu denken<\/a>&ldquo;) <\/p><p>Dass das angesparte Geld im Inland angelegt worden w&auml;re, war nicht mehr als eine Hoffnung, die sich als tr&uuml;gerisch erwiesen hat.<\/p><p>Nun k&ouml;nnte man vielleicht immer noch argumentieren, es handle sich bei den Versorgungsr&uuml;cklagen um ein Null-Summen-Spiel: Wenigstens spare der Staat das Geld an, dass er k&uuml;nftig f&uuml;r die Versorgungsleistungen ausgeben m&uuml;sste. Doch selbst das ist, wie jetzt eine Enth&uuml;llung in Nordrhein-Westfalen zeigt, eine Rechnung, die ohne den Wirt gemacht  wurde. <\/p><p>Wie der <a href=\"http:\/\/www.ksta.de\/newsticker\/land-nrw-verliert-168-millionen-euro-mit-griechischen-anleihen,15189532,25582862.html\">K&ouml;lner Stadt-Anzeiger berichtete<\/a>, hat das Land 2004 und 2005 f&uuml;r die Versorgungsr&uuml;cklage zur Sicherung der Beamtenpensionen griechische Anleihen mit einem Nennwert von 332 Millionen Euro gekauft. Davon seien im Oktober 2012 aber nur 164 Millionen Euro zur&uuml;ckgeflossen. Mehr als die H&auml;lfte, n&auml;mlich 168 Millionen Euro, seien verloren. Der gr&ouml;&szlig;ere Teil dieser Papiere mit einem Nennwert von 220 Millionen Euro war unter anderem von dem Schuldenschnitt f&uuml;r griechische Staatsanleihen betroffen. Das Land konnte f&uuml;r diese Papiere nur noch einen Verkaufspreis von 52 Millionen Euro erzielen. <\/p><p>Es w&auml;re spannend, zu erfahren, welche Verluste der Bund und die L&auml;nder mit ihren Pensionsfonds im Verlauf der Finanzkrise insgesamt erlitten haben. Vielleicht k&ouml;nnten ja die Fraktionen im Bundestag und in den L&auml;nderparlamenten entsprechende Anfragen an die Regierungen stellen. <\/p><p>Nordrhein-Westfalen d&uuml;rfte nicht nur mit den griechischen Anleihen ein Verlustgesch&auml;ft gemacht haben, sondern auch mit anderen Anlageformen. Genauso d&uuml;rften auch der Bund und andere L&auml;nder durch die Finanzkrise mit ihren Pensionsfonds erhebliche Verluste eingefahren haben.<\/p><p>Das Land Nordrhein-Westfalen w&auml;re jedenfalls besser gefahren, die Beamtenbez&uuml;ge und damit die Kaufkraft von hunderttausenden von Lehrern, Polizisten oder Justizbeamten nicht zugunsten der Versorgungsr&uuml;cklage gesenkt zu haben. Das Land h&auml;tte wirtschaftlich zukunftstr&auml;chtiger in seine maroden Schulen oder in seine kaputten Br&uuml;cken investiert, als sich um diesen Verlustbetrag zus&auml;tzlich zu verschulden und f&uuml;r diese Schulden zus&auml;tzlich auch noch Zinsen bezahlen zu m&uuml;ssen. <\/p><p>Im Ergebnis haben die &ouml;ffentlichen Haushalte nicht nur eine um die durch die Finanzkrise bei den Pensionsfonds eingetretenen Verluste h&ouml;here Verschuldung, sondern sie m&uuml;ssten dar&uuml;ber hinaus diese Verluste in der Zukunft noch ausgleichen, sofern sie die derzeit noch versprochenen Versorgungsbez&uuml;ge k&uuml;nftig &uuml;berhaupt gew&auml;hrleisten wollten. <\/p><p>Unter dem Regime der &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; l&auml;sst sich allerdings ziemlich sicher vorhersagen, wer f&uuml;r den Schwachsinn staatlicher Versorgungsfonds bluten muss:<br>\nEs werden die Staatsdiener sein, n&auml;mlich durch noch weiter gesenkte Altersversorgungsanspr&uuml;che und durch noch h&ouml;here Abz&uuml;ge bei ihrer Besoldung zur Schlie&szlig;ung der Versorgungsl&uuml;cke bei ihrer angeblich ach so sicheren kapitalgeckten Pension.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie bei der gesetzlichen Rente gilt auch f&uuml;r die Altersversorgung von Beamten die Kapitaldeckung als Heilsbringer aus der angeblichen &bdquo;Demografie-Falle&ldquo;. Eine hartn&auml;ckige Recherche des K&ouml;lner Stadt-Anzeigers brachte nun einen dreistelligen Millionenverlust bei der Versorgungsr&uuml;cklage zur Sicherung der Beamtenpensionen in Nordrhein-Westfalen ans Licht. Wie schon bei den privaten Lebensversicherungen oder der Riester-Rente wurde auch bei der<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19642\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[155,50,39],"tags":[364,375,1375,413,392,637,325],"class_list":["post-19642","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-demografische-entwicklung","category-finanzkrise","category-rente","tag-flassbeck-heiner","tag-ksta","tag-pensionen","tag-schlanker-staat","tag-schuldenbremse","tag-staatsanleihen","tag-staatsschulden"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19642","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=19642"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19642\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19644,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19642\/revisions\/19644"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=19642"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=19642"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=19642"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}