{"id":1966,"date":"2006-12-28T11:45:23","date_gmt":"2006-12-28T10:45:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1966"},"modified":"2016-01-19T16:27:03","modified_gmt":"2016-01-19T15:27:03","slug":"gefahr-fur-die-demokratie-kommt-nicht-nur-von-den-glatzen-aus-meckpo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1966","title":{"rendered":"Gefahr f\u00fcr die Demokratie kommt nicht nur von den Glatzen aus MeckPo, mindestens so sehr aus G\u00fctersloh."},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Politiker sorgen sich um Demokratie in Ostdeutschland&ldquo; &ndash; so lautet die &Uuml;berschrift &uuml;ber einem <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,456764,00.html\">Bericht von SpiegelOnline<\/a> &uuml;ber ein Tagesspiegel-Gespr&auml;ch mit dem Ministerpr&auml;sidenten von Sachsen-Anhalt Wolfgang B&ouml;hmer. Er sieht in Ostdeutschland schwerwiegende Defizite in Bezug auf das Demokratieverst&auml;ndnis der B&uuml;rger. Es m&uuml;sse deutlich gemacht werden, &bdquo;dass Demokratie m&uuml;hsamer ist als Diktatur&ldquo;.<br>\nIn dem Artikel wird dann noch mit Berufung auf eine Forsa-Umfrage die gro&szlig;e Sorge &uuml;ber das Anwachsen rechtsextremer Tendenzen in Teilen Ostdeutschlands ausgedr&uuml;ckt. Ich will diese Entwicklung nicht verharmlosen. Aber die mindestens so gro&szlig;e Bedrohung der Demokratie in unserem Land folgt daraus, dass die Macht und die politischen Entscheidungen in unserem Land nur noch von gro&szlig;en wirtschaftlichen Interessen und ihrer neoliberalen Ideologie bestimmt sind. G&uuml;tersloh, der Sitz der Bertelsmann Stiftung, ist Symbol dieser antidemokratischen Entwicklung. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nWenn Sie bei uns die Rubrik <a href=\"?cat=27\">Sachfragen\/Krake Bertelsmann<\/a> anklicken, dann bekommen Sie einen Eindruck von der Machtf&uuml;lle, die allein bei Bertelsmann und seinen Unterorganisationen angesammelt ist. Bertelsmann ist jedoch nur Teil eines gro&szlig;en Netzwerkes, zu dem eine Reihe anderer Unternehmen, Stiftungen und so genannten Initiativen geh&ouml;ren. Beispielhaft sei auf die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft verwiesen, deren Gr&uuml;ndung auf die &bdquo;Einsicht&ldquo; der Metall- und Elektroarbeitgeber zur&uuml;ckgeht, dass der Wunsch der Mehrheit des Volkes nach sozialstaatlichen Regelungen und einer starken Rolle des Staates bei der Grundversorgung nicht dem Willen der Wirtschaft entspricht und dass deshalb mit viel Geld und der dann gegr&uuml;ndeten Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft Propaganda gemacht werden solle, um das Volk im Interesse der Wirtschaft umzuerziehen. <a href=\"?p=60\">&bdquo;Revolution von oben&ldquo;<\/a> nannte das der &bdquo;Stern&ldquo; in einer immerhin noch beachtlich kritischen Analyse.<br>\nDie bestimmenden Kreise der Wirtschaft (nicht die Wirtschaft in ihrer Breite) bestimmen, wo es langgeht. Mit Demokratie und demokratischer Willensbildung hat dies nicht mehr viel zu tun.<br>\nIch h&auml;tte statt &bdquo;G&uuml;tersloh&ldquo; auch &bdquo;Schloss Bellevue&ldquo; nennen k&ouml;nnen, den Sitz des Bundespr&auml;sidenten. Wolfgang Lieb hat in einem NachDenkSeiten-Beitrag &uuml;ber die Weihnachtansprache des Bundespr&auml;sidenten herausgesch&auml;lt, <a href=\"?p=1964\">wie antidemokratisch das Denken und Handeln Horst K&ouml;hlers ist<\/a>. Er messe &bdquo;gute Politik&ldquo; nicht an der ann&auml;herungsweisen Umsetzung des politischen Willens des Parlaments oder gar der W&uuml;nsche und Vorstellungen der Mehrheit der und B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger, hei&szlig;t es dort.<\/p><p>Diese totale Verlagerung der politischen Macht an die herrschenden Kreise und deren Ideologie bedroht unsere Demokratie sehr viel mehr als die M&uuml;he demokratischer Willensbildung, auf die sich der Ministerpr&auml;sident von Sachsen-Anhalt bezog. Das ist &auml;hnlich wie die g&auml;ngige Behauptung, wir litten unter der f&ouml;deralen Struktur unseres Landes, das Alibi, das sich die herrschenden Kreise aussuchen, wenn sie die Erfolglosigkeit und das Desaster ihrer politischen Linie verdr&auml;ngen wollen. Sie verweisen dann auf das angebliche Umsetzungsproblem. Das mag von Bedeutung sein, aber es ist nicht unser Hauptproblem. <\/p><p><strong>Unser Hauptproblem ist die konzeptionelle Schw&auml;che und die einseitige Interessenausrichtung der herrschenden Politik. Die Inhalte der Politik sind das Desaster.<\/strong> <\/p><p>Zum Beispiel: <\/p><ul>\n<li>Den Menschen im Osten sind von Helmut Kohl bl&uuml;hende Landschaften versprochen worden. Wo sind sie denn &ndash; von den Ausnahmen abgesehen, die von den Milliarden &ouml;ffentlicher Investitionen profitiert haben? Was ist denn getan worden, um Betriebe zu erhalten? Das meiste ist abgewickelt worden. Mit der W&auml;hrungsumstellung, dem Verscherbeln der ostdeutschen Banken an die westdeutschen Banken und der Praxis der Treuhand wurde dieser Prozess des totalen industriellen Niedergangs willentlich oder aus Dummheit versch&auml;rft. Siehe dazu auch <a href=\"?p=620\">NachDenkSeiten vom 3. Juli 2005<\/a><\/li>\n<li>Der f&uuml;r die Praxis der Vereinigung beider Teile und ihrer wirtschaftlichen Entwicklung wichtige wirtschaftliche Boom wurde 1992\/93 abgebrochen. Aus rein ideologischen Gr&uuml;nden der herrschenden Geldpolitiker bei der Bundesbank und der Fiskalpolitiker in der damaligen Bundesregierung. Darunter leiden wir bis heute: mit extrem hoher und im Osten &uuml;berdurchschnittlich hoher Arbeitslosigkeit und einem j&auml;hrlichen Verlust von Wertsch&ouml;pfung in H&ouml;he von 700 Milliarden &euro; bezogen auf das Jahr 2005.<\/li>\n<li>Als erkennbar wurde, wie einzelne Bundesl&auml;nder und viele Regionen in diesen ostdeutschen Bundesl&auml;ndern von der Gesamtentwicklung abgeh&auml;ngt werden, haben die Verantwortlichen nicht etwa ihre Anstrengungen versch&auml;rft sondern begonnen, ein wichtiges Versprechen des Grundgesetzes in die Unverbindlichkeit aufzul&ouml;sen: das Versprechen, f&uuml;r einigerma&szlig;en gleiche Lebensbedingungen innerhalb des Bundesgebietes zu sorgen. So einfach machen sich dass unsere Eliten.<\/li>\n<li>Den Menschen in Ostdeutschland mutet man zu, dass ihre Jugend nach Westen pendelt, um Arbeit zu finden. Und dann wundert man sich, dass diese Jugend und die zur&uuml;ckbleibenden Alten verbittert und nicht besonders angetan sind von diesen Zumutungen. Und sie verlieren Vertrauen in die neue Demokratie.<\/li>\n<li>Mit dem Erw&uuml;rgen des wirtschaftlichen Aufschwungs ist das Heer der Arbeitslosen und Perspektivlosen versch&auml;rft worden &ndash; mit der marktwirtschaftlich zu erwartenden Konsequenz, dass der Lohn jener, die als Arbeitnehmer nach Arbeit suchen und Teil der geschaffenen &bdquo;Reservearmee&ldquo; sind, stagniert und sinkt.<\/li>\n<li>Nicht genug, diese Entwicklung eines massiven Auseinanderdriftens der Einkommen und Verm&ouml;gen wurde mit der Steuerpolitik versch&auml;rft. Die Steuern auf hohe Einkommen und Unternehmenseinkommen wurden mehrfach gesenkt. Bis in die letzten Tage. Siehe dazu die Nummer 4 und 10 der <a href=\"?p=1965\">Hinweise von heute<\/a>.<\/li>\n<li>Den kleinen Einkommen werden die Lasten aufgebrummt. Zum Jahresbeginn werden diese dies mit der mutwillig erh&ouml;hten Mehrwertsteuer noch mehr zu sp&uuml;ren bekommen. Und dann werden sich amtierende Ministerpr&auml;sidenten und andere Funktionstr&auml;ger wieder wundern, warum die Betroffenen ihr Heil bei anderen &bdquo;Eliten&ldquo;, bei den Rechtsradikalen, suchen.<\/li>\n<li>Eine Gesellschaft und eine Staatsform, in der es m&ouml;glich ist, dass einerseits 13 Milliarden &euro; an Gratifikationen f&uuml;r die Investment-Banker eines einzigen Finanzplatzes (im konkreten Fall London, <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/_inc\/_globals\/print.php?em_cnt=1037948&amp;em_ref=\/in_und_ausland\/politik\/aktuell&amp;em_ivw=fr_polstart&amp;em_client=fr&amp;em_site_color=1&amp;em_site_style=1&amp;em_site_template=1&amp;em_site_text=1%20\">siehe FR<\/a>) ausgezahlt werden, und andererseits die Arbeitnehmer der von den Investment-Bankern ausgenommenen Betriebe die massive Verringerung ihrer L&ouml;hne beziehungsweise Erh&ouml;hung ihrer Arbeitszeit ohne Lohnausgleich hinnehmen m&uuml;ssen, ist nicht attraktiv. Wie sollte das auch m&ouml;glich sein?<\/li>\n<\/ul><p>Unser Spitzenpersonal in Politik und Wirtschaft sollte sich endlich diesen massiven Defiziten ihrer Politik zuwenden statt allein die rechtsradikalen Folgen zu beklagen. Der Kampf gegen den Rechtsradikalismus verlangt zu aller erst eine radikale &Auml;nderung der geltenden politischen Linie. Die Reformen haben nichts gebracht. Das war schon im Sommer 2005 offenbar, als Schr&ouml;der und K&ouml;hler den Weg zu Neuwahlen freimachten. Ihre damalige Entscheidung wirkte wie eine Konkursverschleppung. Die Verschleppung aber &auml;ndert nichts an der Tatsache des Konkurses. Die neoliberale Bewegung ist gescheitert.<\/p><p>P.S.: In anderen L&auml;ndern, namentlich in S&uuml;damerika, hat man dies schon erkannt. <\/p><p>Siehe: <\/p><p><strong>Sehnsucht nach Alternativen<\/strong><br>\nIn den Wahlerfolgen der Linken zeigt sich: Die neoliberalen Konzepte f&uuml;r Lateinamerika sind gr&uuml;ndlich gescheitert<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/pt\/2006\/12\/28\/a0168.1\/text\">taz<\/a><\/p><p>und:<\/p><p><strong>Millionen f&uuml;r die Armen<\/strong><br>\nDie Linksregierungen Lateinamerikas haben einen wirtschaftspolitischen Kurswechsel vollzogen &ndash; mit positiven Ergebnissen<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/pt\/2006\/12\/28\/a0178.1\/text\">taz<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Politiker sorgen sich um Demokratie in Ostdeutschland&ldquo; &ndash; so lautet die &Uuml;berschrift &uuml;ber einem <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,456764,00.html\">Bericht von SpiegelOnline<\/a> &uuml;ber ein Tagesspiegel-Gespr&auml;ch mit dem Ministerpr&auml;sidenten von Sachsen-Anhalt Wolfgang B&ouml;hmer. Er sieht in Ostdeutschland schwerwiegende Defizite in Bezug auf das Demokratieverst&auml;ndnis der B&uuml;rger. Es m&uuml;sse deutlich gemacht werden, &bdquo;dass Demokratie m&uuml;hsamer ist als Diktatur&ldquo;.<br \/> In dem Artikel<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1966\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,129,11],"tags":[232,575,479],"class_list":["post-1966","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-lobbyorganisationen-und-interessengebundene-wissenschaft","category-strategien-der-meinungsmache","tag-bertelsmann","tag-ostdeutschland","tag-reservearmee"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1966","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1966"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1966\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30372,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1966\/revisions\/30372"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1966"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1966"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1966"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}