{"id":19670,"date":"2013-12-16T11:23:47","date_gmt":"2013-12-16T10:23:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19670"},"modified":"2015-10-14T10:58:59","modified_gmt":"2015-10-14T08:58:59","slug":"spd-macht-asmussen-zum-staatssekretaer-politischer-offenbarungseid-zur-freude-der-banken-lobby","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19670","title":{"rendered":"SPD macht Asmussen zum Staatssekret\u00e4r &#8211; Politischer Offenbarungseid zur Freude der Banken-Lobby"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt Nachrichten, die sind derart abstrus, dass man sich am liebsten noch einmal vergewissern will, ob heute vielleicht doch nicht der 1. April ist. Die Meldung, dass Andrea Nahles als designierte Bundesministerin f&uuml;r Arbeit und Soziales ausgerechnet das EZB-Direktoriumsmitglied J&ouml;rg Asmussen zu ihrem neuen politischen Staatssekret&auml;r macht, geh&ouml;rt zweifelsohne dazu. Vordergr&uuml;ndig spielt hier nat&uuml;rlich die Frage eine Rolle, warum Nahles einen bekennenden Marktliberalen in eine der wichtigsten Schl&uuml;sselpositionen des Arbeitsministeriums beruft. Wer hinter die Kulissen blickt, erkennt jedoch schnell, dass es bei dieser Personalentscheidung um viel mehr geht. Der Wechsel Asmussens von Frankfurt nach Berlin nutzt vor allem den deutschen Finanzinstituten, ihre Interessen in der geplanten Banken-Union umzusetzen. Von <strong>Jens Berger<\/strong><br>\n<!--more--><br>\n&Uuml;ber J&ouml;rg Asmussen muss eigentlich nicht mehr viel gesagt werden. Schon mehrfach haben sich die NachDenkSeiten kritisch mit Asmussen besch&auml;ftigt. Leser, denen der Name Asmussen nichts sagt, seien hier noch einmal der 2011 erschienene Artikel <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10706\">&bdquo;EZB-Personalwechsel: Zwischen Skylla und Charybdis&ldquo;<\/a> und der 2009 erschienene Artikel <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/30\/30616\/1.html\">&bdquo;Schattenmann unter Beschuss&ldquo;<\/a> zur Lekt&uuml;re empfohlen. Kurz und leicht zugespitzt k&ouml;nnte man J&ouml;rg Asmussen wohl am ehesten als mittelm&auml;&szlig;igen &Ouml;konomen bezeichnen, der durch und durch von der marktliberalen Ideologie &uuml;berzeugt ist und &uuml;ber seine gesamte Karriere hinweg die Interessen der deutschen Finanzinstitute vertreten hat. Asmussens Verm&auml;chtnis sind die 480 Mrd. Euro, mit denen der Steuerzahler f&uuml;r die Verluste deutscher Banken haftet. <\/p><p><strong>Karrieresprung oder Abstellgleis?<\/strong><\/p><p>Nun will Asmussen im Arbeitsministerium &bdquo;zusammen mit Andrea Nahles eine moderne Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik umsetzen&ldquo;, <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/ezb-direktorium-deutschland-wird-eine-nachbesetzung-machen\/9221636-2.html\">wie das Handelsblatt meldet<\/a>. Nun kann sich nat&uuml;rlich jeder, der Asmussens Vorstellungen kennt, denken, was der ehemalige Notenbanker unter &bdquo;modern&ldquo; versteht. Das Bundesministerium f&uuml;r Arbeit und Soziales bietet ein Einfallstor f&uuml;r die neoliberale Axt, die sich &uuml;ber die noch vorhandenen Reste des Sozialstaates hermachen will. So gesehen ist J&ouml;rg Asmussen der richtige Mann am richtigen Ort. Wof&uuml;r brauchen die Wirtschaftsverb&auml;nde eigentlich noch Lobbyisten, wenn sie ihre &uuml;berzeugtesten Eiferer auch direkt in den Schl&uuml;sselpositionen der Ministerien positionieren k&ouml;nnen? <\/p><p>F&uuml;r Asmussen selbst, ist dieser Karriereschritt jedoch ein Schritt zur&uuml;ck. Bis zum Herbst 2011 war Asmussen verbeamteter Staatssekret&auml;r im Finanzministerium. Nach dem R&uuml;cktritt von J&uuml;rgen Stark aus der Spitze der EZB ernannte die Bundesregierung Asmussen zu dessen Nachfolger. Nach Willen Berlins h&auml;tte Asmussen J&uuml;rgen Stark bei der EZB nicht nur als Direktoriumsmitglied, sondern auch als Chef&ouml;konom beerben sollen. Dieser vermessene Wunsch scheiterte jedoch am Widerstand des EZB-Direktoriums. Die &bdquo;Bef&ouml;rderung&ldquo; ins EZB-Direktorium verringerte &ndash; so paradox dies klingen mag &ndash; Asmussens Einfluss. Im EZB-Direktorium wirkte er anfangs eher wie ein &bdquo;Freak&ldquo;, der seinen fachlich wesentlich kompetenteren Kollegen wenig bis nichts entgegensetzen konnte. Doch sein Elan versiegte schon bald. Vielfach wirkte er lustlos und ausgebrannt und &uuml;berlie&szlig; in letzter Zeit die Rolle des &bdquo;Enfant terrible&ldquo; lieber seinem Freund, dem Bundesbankchef Jens Weidmann. <\/p><p><strong>Bankenunion im Fokus<\/strong><\/p><p>Ein lustloser und zunehmend &bdquo;konzilianter&ldquo; (Zitat: Dow Jones Newswire) Asmussen nutzt jedoch weder den geldpolitischen Falken in der Bundesbank noch den deutschen Banken. Nachdem die Monetaristen der Bundesbank den Kampf und die geldpolitische Deutungshoheit innerhalb der EZB mit Ach und Krach verloren haben, r&uuml;ckte im letzten Jahr ein anderes Schlachtfeld in den Fokus &ndash; die geplante Bankenunion. F&uuml;r die deutschen Banken ist es ein echter Albtraum, k&uuml;nftig von einer zentralen Banken&uuml;berwachung, die bei der EZB angegliedert ist, kontrolliert zu werden. Wenn die deutschen Banken schon von der EZB &uuml;berwacht werden m&uuml;ssen, dann wenigstens unter der Regie eines Deutschen, der gut mit ihnen vernetzt ist. Asmussen hatte jedoch nie eine Chance, diese Position zu bekleiden. Auch diesen Kampf haben die Deutschen verloren. Anfang der Woche wurde die Franz&ouml;sin Dani&egrave;le Nouy zur Leiterin der neuen EZB-Bankenaufsicht gew&auml;hlt. Nun geht es vor allem darum, wer bei der Bankenaufsicht Stellvertreter von Nouy wird. <\/p><p>Gesucht wird ein EZB-Direktoriumsmitglied mit Erfahrung bei der Banken&uuml;berwachung. Und damit ist J&ouml;rg Asmussen endg&uuml;ltig aus dem Spiel. Seine einzigen Sporen auf diesem Gebiet &bdquo;verdiente&ldquo; er sich als Aufsichtsratsmitglied der IKB und der KfW &ndash; das ist beileibe keine sinnvolle Erw&auml;hnung in einem Bewerbungsschreiben. Hinter vorgehaltener Hand gelten stattdessen der Portugiese Vitor Constancio und der Belgier Peter Praet als Favoriten auf den Posten des Stellvertreters der EZB-Bankenaufsicht. <\/p><p><strong>Sabine Lautenschl&auml;ger &ndash; &bdquo;Unsere&ldquo; Frau in Frankfurt<\/strong><\/p><p>Da ist es nat&uuml;rlich kein Zufall, dass die Bundesregierung laut einer <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/ezb-direktorium-lautenschlaeger-mit-besten-chancen-auf-asmussen-nachfolge\/9221636.html\">Meldung des Handelsblatts<\/a> nun die bisherige Bundesbank-Vizechefin Sabine Lautenschl&auml;ger als Nachfolgerin f&uuml;r J&ouml;rg Asmussen im EZB-Direktorium vorschlagen will. Lautenschl&auml;ger hat zwar &ndash; <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/geld\/die-kuenftige-bundesbank-vize-im-gespraech-immer-schoen-hoeflich-bleiben-1.1078449\">das gibt sie selbst zu<\/a> &ndash; keine Ahnung von Geldpolitik, als ehemalige oberste Aufseherin f&uuml;r Gro&szlig;banken bei der Bundesanstalt f&uuml;r Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ist sie jedoch auf dem Papier die Topbesetzung f&uuml;r die vakante Stelle der stellvertretenden Leitung der EZB-Bankenaufsicht. Und ihr Geschlecht d&uuml;rfte im &bdquo;M&auml;nnerverein&ldquo; EZB bei der Besetzung des Postens sicher auch kein Nachteil sein. Ob Frau Lautenschl&auml;ger nicht nur auf dem Papier die richtige Frau f&uuml;r den Posten ist, darf jedoch bezweifelt werden. Ihre Funktion als Leiterin der Abteilung &bdquo;Aufsicht &uuml;ber Gro&szlig;banken und ausgew&auml;hlte Kreditbanken&ldquo; hatte Lautenschl&auml;ger von 2005 bis 2008 inne. Unter ihrer &Uuml;berwachung konnten die deutschen Banken also erst die toxischen Papiere in ihre Bilanzen nehmen, die ihnen am Ende von Lautenschl&auml;gers Amtseid in diesem Ressort um die Ohren flogen und den Steuerzahler eine dreistellige Milliardensumme kosten werden. Daf&uuml;r gilt Lautenschl&auml;ger jedoch als &bdquo;gut vernetzt&ldquo; mit den deutschen Banken und darum geht es ja offenbar letzten Endes.<\/p><p>Die Chancen, dass Europas Banken k&uuml;nftig stellvertretend von einer Deutschen &uuml;berwacht werden, die die Bankenunion noch vor wenigen Monaten <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/schuldenkrise-barroso-bankenunion-auch-ohne-vertragsaenderung-11782806.html\">ablehnte<\/a>, sind durch den Abgang Asmussens ins Arbeitsministerium merklich gestiegen. Insofern erf&uuml;llt Andrea Nahles  durch die grotesk scheinende Nominierung Asmussens &ndash; bewusst oder unbewusst &ndash; die W&uuml;nsche der deutschen Banken. Man kann jedoch davon ausgehen, dass diese Personalie nicht von Nahles, sondern an anderer Stelle beschlossen wurde. Die Frage, wer Staatssekret&auml;r im Arbeitsministerium wird, ist im Vergleich zu den Personalien bei der Banken&uuml;berwachung der EZB f&uuml;r &bdquo;interessierte Kreise&ldquo; Peanuts.<\/p><p>Und was ist mit Asmussen? Angeblich zieht es Asmussen aus privaten Gr&uuml;nden zur&uuml;ck nach Berlin, da er als junger Vater durch den Job bei der EZB in Frankfurt zu wenig Zeit f&uuml;r seine Kinder hat. Es sei ihm geg&ouml;nnt, k&uuml;nftig mehr Zeit mit seinen Kindern verbringen zu d&uuml;rfen. Hoffentlich denkt er auch an andere V&auml;ter, wenn er k&uuml;nftig zusammen mit Andrea Nahles eine moderne Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik umsetzt.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/86e581d63a6a424d8130aca585fe24e5\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt Nachrichten, die sind derart abstrus, dass man sich am liebsten noch einmal vergewissern will, ob heute vielleicht doch nicht der 1. April ist. Die Meldung, dass Andrea Nahles als designierte Bundesministerin f&uuml;r Arbeit und Soziales ausgerechnet das EZB-Direktoriumsmitglied J&ouml;rg Asmussen zu ihrem neuen politischen Staatssekret&auml;r macht, geh&ouml;rt zweifelsohne dazu. 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