{"id":1971,"date":"2007-01-02T07:48:47","date_gmt":"2007-01-02T06:48:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1971"},"modified":"2016-01-19T11:57:39","modified_gmt":"2016-01-19T10:57:39","slug":"die-reformen-greifen-aber-wo-greifen-sie-hin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1971","title":{"rendered":"Die Reformen greifen! Aber wo greifen sie hin?"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Die Reformen der vergangenen Jahre beginnen zu greifen&ldquo; sagte der Bundespr&auml;sident in seiner Weihnachtsansprache und &auml;hnlich die Bundeskanzlerin in ihrer Neujahrsansprache  Die Reformen greifen aber &uuml;berwiegend den Normalverdienern und den &Auml;rmeren in die Tasche. Wie sich aus den Belastungen f&uuml;r die B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger im Jahre 2007 mehr Wachstum, mehr Besch&auml;ftigung oder eine Sicherung der sozialen Sicherungssysteme ergeben sollte, das gilt bei unseren &bdquo;Reformern&ldquo; als eine Frage der besseren Vermittlung dieser &bdquo;Reformen&ldquo;. Doch wie sollte den B&uuml;rgern etwas vermittelt werden k&ouml;nnen, was nicht vermittelbar ist, weil ein Zusammenhang zwischen den belastenden &bdquo;Reformen&ldquo; und einer Verbesserung der k&uuml;nftigen Entwicklung nicht erkenn- oder nachvollziehbar ist? Wolfgang Lieb.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>1. Erh&ouml;hung der Mehrwertsteuer<\/strong><br>\nAb dem 1. Januar tritt die &bdquo;gr&ouml;&szlig;te Steuererh&ouml;hung aller Zeiten&ldquo; (BILD) in Kraft: Die Erh&ouml;hung der Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent ist der gr&ouml;&szlig;te Brocken. Sie allein soll dem Fiskus im n&auml;chsten Jahr 19,4 Milliarden Euro zus&auml;tzlich bescheren. Je ein Drittel geht an Bund, L&auml;nder und Arbeitslosenversicherung, die damit die Senkung des Beitragssatzes finanziert.<br>\nDa die Mehrwertsteuer auf den Nettowert aufgeschlagen wird, werden Waren und Dienstleistungen im Prinzip um 2,6 Prozent teurer.<br>\nDie Mehrwertsteuererh&ouml;hung bezahlen zwar alle Verbraucherinnen und Verbraucher, sie belastet aber insbesondere Menschen, die den relativ gr&ouml;&szlig;ten Teil ihres verf&uuml;gbaren Einkommens &bdquo;verkonsumieren&ldquo; (m&uuml;ssen), n&auml;mlich vor allem Arbeitnehmer, Rentner, Arbeitslose, Sch&uuml;ler und Studenten.<\/p><p>Nun wird <a href=\"?p=318\">immer wieder behauptet<\/a>, dass die Mehrwertsteuererh&ouml;hung durch die gleichfalls zum neuen Jahr in Kraft tretenden Senkung der Arbeitslosenversicherung von 6,6 auf 4,2 Prozent des Bruttolohns ausgeglichen w&uuml;rde. &bdquo;Mehr Netto in der Tasche&ldquo; sagt die Bundeskanzlerin. <\/p><p>Richtig ist daran, dass etwa ein Prozentpunkt der Mehrwertsteuererh&ouml;hung (etwa 6 Milliarden Euro) zur Senkung des Arbeitslosenbeitrags um einen Prozentpunkt f&uuml;r die Arbeitgeberseite aufgewandt wird. Ein weiterer Prozentpunkt (der Anteil, der auf die Arbeitnehmer entf&auml;llt) wird aus &bdquo;&Uuml;bersch&uuml;ssen&ldquo; der Bundesanstalt f&uuml;r Arbeit aufgebracht. Diese &bdquo;&Uuml;bersch&uuml;sse&ldquo; von inzwischen &uuml;ber 11 Milliarden Euro im Jahre 2006 wiederum sind jedoch vor allem durch K&uuml;rzungen der Bezugsdauer beim Arbeitslosengeld und durch massive Einschnitte bei arbeitsmarktpolitischen Wiedereingliederungs- und Qualifizierungsma&szlig;nahmen der Bundesagentur entstanden.<br>\nWenn man also die Entlastung auf der Arbeitnehmerseite bei den Arbeitslosenversicherungsbeitr&auml;gen genauer unter die Lupe nimmt, kommt man zu dem Schluss, dass hier &ldquo;innerhalb der Klasse&rdquo; umverteilt wird. Die Arbeitnehmer zahlen ein Prozent weniger Beitr&auml;ge um den Preis, dass die Leistungen &bdquo;ihrer&ldquo; <a href=\"?p=1480\">Arbeitslosenversicherung verschlechtert werden<\/a>.<br>\nHinzu kommt: Wenn es durch die Senkung des Arbeitslosenversicherungsbeitrags unter dem Strich zu einer Entlastung k&auml;me, dann w&auml;ren von den rund 80 Millionen Einwohnern nur die 26 Millionen Erwerbst&auml;tigen, die Beitr&auml;ge zur Arbeitslosenversicherung abf&uuml;hren, davon beg&uuml;nstigt. (Wenn es denn &uuml;berhaupt zutr&auml;fe, dass die Arbeitslosenbeitr&auml;ge st&auml;rker sinken als die Krankenkassen- und Rentenbeitr&auml;ge steigen.)<br>\nAllein die 20 Millionen Rentnerinnen und Rentner sind aber ausschlie&szlig;lich von h&ouml;heren Krankenkassenbeitr&auml;gen und Zuzahlungen betroffen, denn sie zahlen h&ouml;here Abgaben, weil sie jedenfalls von der Senkung der Arbeitslosenbeitr&auml;ge nicht profitieren.<\/p><p>Bei der Senkung der Arbeitslosenversicherungsbeitr&auml;ge wird somit letztlich nur die Arbeitgeberseite um sechs Milliarden Euro entlastet. Damit sollen &ndash; so die Behauptung &ndash; die Lohnnebenkosten gesenkt werden. Diese Entlastung bezahlen aber wiederum die Verbraucherinnen und Verbraucher &uuml;ber die Mehrwertsteuererh&ouml;hung. <\/p><p>Aber nehmen wir die Behauptung, die Senkung der Lohnnebenkosten schafften wirklich mehr Wachstum einmal ernst und rechnen nach:<br>\nSelbst in personalintensiven Betrieben schlagen die Sozialabgaben nicht so zu Buch wie allgemein behauptet. Die <a href=\"upload\/pdf\/sachf_lohnn_060429.pdf\">Handwerkskammern in Bayern [PDF &ndash; 64 KB]<\/a> etwa veranschlagten 2003 die Kosten f&uuml;r eine Handwerkerstunde auf 43 Euro. Davon sind 4,70 Euro (= 10,9 %) Sozialabgaben (Rest: 13,60 Euro Betriebskosten und Gewinn, 12,30 Euro Bruttolohn, 6,50 Euro tarifliche und freiwillige Sozialleistungen und 5,90 Euro Mehrwertsteuer). W&uuml;rde man die Sozialabgaben gar um 2 Prozentpunkte senken, w&uuml;rde dies die Kosten einer Handwerkerstunde um ganze 25 Cent senken. Die Nachfrage nach Handwerkerleistungen w&uuml;rde das jedenfalls kaum erh&ouml;hen.<br>\nSoviel zum Mythos der Lohnnebenkosten und zum &bdquo;Greifen&ldquo; der Reformen. Im &Uuml;brigen, wer Lohnnebenkosten senkt, senkt eigentlich die L&ouml;hne, denn die sog. Nebenkosten sind <a href=\"?p=735\">Teil des Lohnes<\/a>.<br>\nSiehe auch Albrecht M&uuml;ller: <a href=\"?p=249\">Die Lohnnebenkosten sind zu hoch<\/a>.<\/p><p><strong>2. Senkung der Pendlerpauschale<\/strong><br>\nFahrten zwischen Wohnung und Arbeitsst&auml;tte k&ouml;nnen k&uuml;nftig nicht mehr als Werbungskosten geltend gemacht werden. Dies gilt auch f&uuml;r den &ouml;ffentlichen Nahverkehr. Arbeitnehmer erhalten nur noch die unver&auml;nderte Arbeitnehmerpauschale von 920 Euro im Jahr, falls sie keine h&ouml;heren Kosten einzeln nachweisen k&ouml;nnen. Bisher gab es 30 Cent pro Entfernungskilometer und Arbeitstag. Ausnahme: Ab dem 21. Kilometer werden weiterhin 30 Cent pro Kilometer als Sonderausgabe anerkannt. (Umstritten ist, ob dies mit dem Grundgesetz vereinbar ist; erste Verfassungsklagen sind angek&uuml;ndigt.)<br>\nDiese Belastung kumuliert sich mit einer <strong>Erh&ouml;hung der Bahnpreise<\/strong>. Im Regionalverkehr steigen die Preise um 3,9 Prozent. (Bei Fernreisen um durchschnittlich 5,6 Prozent.)<br>\nBelastet werden also vor allem &bdquo;normale&ldquo; Arbeitnehmer, die doch gerade eine der st&auml;ndig wiederholten Forderungen der &bdquo;Reformer&ldquo; erf&uuml;llen, n&auml;mlich die nach einer h&ouml;heren Mobilit&auml;t der Besch&auml;ftigten. Wie sollte also durch diese &bdquo;Bestrafung&ldquo; der Mobilit&auml;t ein Anreiz zu mehr Besch&auml;ftigung entstehen?<\/p><p><strong>3. Sparerfreibetrag<\/strong><br>\nZinsen und Dividenden sind k&uuml;nftig statt bis zu 1370 Euro nur noch bis zu 750 Euro im Jahr f&uuml;r Ledige und statt bis zu 2740 Euro nur noch bis zu 1500 Euro f&uuml;r Verheiratete pro Jahr steuerfrei.<br>\nDer Sparerfreibetrag soll einen Anreiz vor allem f&uuml;r den Kleinsparer sein, etwas Geld f&uuml;r die Verm&ouml;gensbildung oder f&uuml;r die Altersvorsorge beiseite zu legen. Wie eine Senkung dieses Freibetrags die Forderung der &bdquo;Reformer&ldquo; nach mehr Eigenverantwortung und mehr Eigenvorsorge unterst&uuml;tzen soll, bleibt ihr Geheimnis.<\/p><p><strong>4. H&auml;usliche Arbeitszimmer<\/strong><br>\nDie Ausgaben f&uuml;r die Nutzung eines h&auml;uslichen Raumes als Arbeitszimmer k&ouml;nnen nur noch dann geltend gemacht werden, &ldquo;wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Bet&auml;tigung bildet&rdquo;. Bisher musste es hierf&uuml;r nur zu mehr als 50 Prozent dienen.<br>\nVor allem Lehrer, Richter oder Nebenberufler sind davon betroffen.  <\/p><p><strong>5. Sonntags-, Feiertags- und Nachtzuschl&auml;ge<\/strong><br>\nBis zu einem Stundenlohn von 50 Euro bleiben diese Zuschl&auml;ge weiterhin steuerfrei. Dagegen m&uuml;ssen Sozialbeitr&auml;ge entrichtet werden, wenn der Stundenlohn mehr als 25 Euro betr&auml;gt.<br>\nDiese &bdquo;Reform&ldquo; trifft einen Gro&szlig;teil der 19,3 Millionen oder 51 Prozent der Arbeitnehmer die <a href=\"?p=633\">regelm&auml;&szlig;ig an Sonn- und Feiertagen oder in der Nacht arbeiten<\/a>. Wie dadurch die Forderung der &bdquo;Reformer&ldquo; nach einer h&ouml;heren zeitlichen Flexibilit&auml;t der Arbeitnehmer gef&ouml;rdert werden soll, ist gleichfalls nur schwer &bdquo;vermittelbar&ldquo;.<\/p><p><strong>6. Kindergeld<\/strong><br>\nVom Geburtsjahr 1983 an wird das Kindergeld von 154 Euro pro Monat nur noch maximal bis zum 25. statt wie bisher bis zum 27. Geburtstag gezahlt, wenn sich das Kind in Schul-, Berufsausbildung oder Studium befindet. Gleiches gilt f&uuml;r die Steuerfreibetr&auml;ge. F&uuml;r die Jahrg&auml;nge 1980 bis 1982 gibt es &Uuml;bergangsregelungen. (Wer diese Voraussetzungen nicht mehr erf&uuml;llt, der kann bis zu 7680 Euro als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung bei der Steuer ansetzen, wenn das Kind maximal 624 Euro eigene Eink&uuml;nfte und nur ein geringes Verm&ouml;gen hat.)<\/p><p>Die Absenkung der Altersgrenzen wirkt sich besonders negativ auf die benachteiligten Gruppen unseres Bildungssystems aus. Junge Menschen aus bildungsfernen Bev&ouml;lkerungsschichten und viele aus Arbeitnehmerhaushalten werden h&auml;ufig<br>\neine qualifizierte Ausbildung nicht bis zum 25. Lebensjahr vollendet haben. Somit<br>\ndroht eine weitere Einschr&auml;nkung der Chancengleichheit.<br>\nNimmt man noch hinzu, dass in den meisten L&auml;ndern Studiengeb&uuml;hren geplant oder schon eingef&uuml;hrt sind, so entpuppt sich das Gerede vom &bdquo;vorsorgenden Sozialstaat&ldquo;, der vor allem durch mehr Chancengleichheit bei der Bildung hergestellt werden soll, als ziemlich leeres Geschw&auml;tz.<\/p><p><strong>7. Renten<\/strong><br>\nWer 2007 neu in Rente geht, muss 54 Prozent seiner gesetzlichen Rente versteuern. F&uuml;r Neurentner bis 2005 waren es 50 Prozent, 2006 bereits 52 Prozent. Arbeitnehmer k&ouml;nnen 28 statt bisher 24 Prozent ihres Teils der Rentenbeitr&auml;ge bei der Steuer absetzen.<br>\nHinzu kommt, dass die Rentenversicherungsbeitr&auml;ge von 19,5 auf 19,9 Prozent des Bruttolohnes steigen.<br>\nBelastet werden &uuml;berwiegend die ohnehin unter den permanenten K&uuml;rzungen leidenden Rentner.<\/p><p><strong>8. Versicherungssteuer<\/strong><br>\nDiese Steuer steigt wie die Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent. Dies betrifft alle Sachversicherungen, etwa die Kfz- und die private Haftpflichtversicherung. Lebens- und Krankenversicherungen sind dagegen nicht mit der Steuer belastet. In der Feuerversicherung erh&ouml;ht sich der Satz von 11 auf 14 Prozent. Die Versicherungen k&ouml;nnen diese Zusatzbelastung an ihre Kunden weitergeben. F&uuml;r eine zus&auml;tzliche Kostensteigerung bei Schadensf&auml;llen, etwa Unf&auml;llen, sorgt die steigende Mehrwertsteuer.<br>\nAuch diese Steuererh&ouml;hung belastet &uuml;berwiegend die privaten Haushalte.<\/p><p><strong>9. Lebensversicherungen<\/strong><br>\nBei Abschluss einer neuen Kapitallebens- oder privaten Rentenversicherung wird nur noch ein Zins von 2,25 statt von 2,75 Prozent garantiert.<br>\nDabei wird doch von den &bdquo;Reformern&ldquo; st&auml;ndig davon geredet, wie wichtig und vor allem auch <strong>wie sicher<\/strong> und rentabel die private Vorsorge ist, um Altersarmut zu vermeiden. Diese wird von den Bef&uuml;rwortern der Privatvorsorge f&auml;lschlicherweise der gesetzlichen Rente zugeschrieben.<\/p><p><strong>10. Einschr&auml;nkung der Absetzbarkeit  von Steuerberatungskosten<\/strong><br>\nDie Steuerberatungskosten k&ouml;nnen Arbeitnehmer nur noch eingeschr&auml;nkt (z.B. bei Eink&uuml;nften aus Zins und Pacht) als Werbungskosten von der Steuer absetzen.<br>\nDie Unternehmen k&ouml;nnen ihre Steuerminderungen also weiter als Betriebskosten absetzen, die Arbeitnehmer k&ouml;nnen sich des Rates der Steuerberater nur noch auf eigene Kosten und ohne steuerliche Entlastung bedienen.<\/p><p><strong>11. Beimischungsgebot von Bio-Sprit<\/strong><br>\nMineral&ouml;lkonzerne m&uuml;ssen ab diesem Jahr dem Dieselkraftstoff 4,4 Prozent Biodiesel und dem Benzin 1,2  Prozent Biomethanol beimischen. Damit verteuert sich &ndash; einmal abgesehen von der Beutelschneiderei der Mineral&ouml;lkonzerne &ndash; der Spritpreis um 2 bis 3 Cent. Dazu wird nat&uuml;rlich noch die Mehrwertsteuererh&ouml;hung draufgeschlagen.<\/p><p>Man k&ouml;nnte diese Ma&szlig;nahme ja noch als F&ouml;rderung von regenerativen Energien begr&uuml;&szlig;en, wenn nicht gleichzeitig nach dem Energiesteuergesetz energieintensive Industrien k&uuml;nftig von der Energie- und Stromsteuer befreit w&uuml;rden und im Gegenzug der Umstieg von den begrenzten fossilen zu regenerativen Energietr&auml;gern erschwert w&uuml;rde, weil die <a href=\"?p=1121\">Steuerfreiheit f&uuml;r Biokraftstoffe abgeschafft und Pflanzen&ouml;l sowie Biodiesel besteuert werden<\/a>.<\/p><p><strong>12. Krankenkassenbeitr&auml;ge<\/strong><br>\nTrotz der mehrfachen Gesundheits-&bdquo;Reformen&ldquo; mit dem Versprechen der Senkung der Krankenkassenbeitr&auml;ge steigen f&uuml;r 45 von 50 Millionen Kassenpatienten die Beitr&auml;ge der Kassen um bis zu 1,6 Prozent auf bis zu 16,7 Prozent. Dabei bezahlen ausschlie&szlig;lich die Arbeitnehmer (und nicht die Arbeitgeber) einen Sonderbeitrag von 0,9 Prozent.<br>\nSo treibt man vor allem junge Erwerbst&auml;tige mit geringem Gesundheitsrisiko in die H&auml;nde der privaten Krankenversicherer und erh&ouml;ht damit die Risiken der gesetzlichen Krankenkassen noch mehr.<\/p><p><strong>Reichensteuer als gerechter sozialer Ausgleich?<\/strong><br>\nWer mehr als 250 000 (Verheiratete 500 000) Euro zu versteuerndes Einkommen hat, der muss f&uuml;r den &uuml;berschie&szlig;enden Betrag 45 statt 42 Prozent Einkommensteuer zahlen. Einschlie&szlig;lich Solidarit&auml;tszuschlag werden knapp 3,2 Prozentpunkte zus&auml;tzlich abgezogen.<br>\nDas erkl&auml;rte Ziel dieser Steuer&auml;nderung, <em>&bdquo;finanziell leistungsst&auml;rkere Bev&ouml;lkerungsschichten entsprechend st&auml;rker als bisher zur Finanzierung &ouml;ffentlicher Leistungen und zur Konsolidierung der &ouml;ffentlichen Haushalte&ldquo;<\/em> heranzuziehen, betrifft allerdings nur Arbeitnehmer mit Spitzenverdiensten, w&auml;hrend Unternehmer und Selbstst&auml;ndige au&szlig;en vor bleiben. Deshalb erwartet der Finanzminister auch nur noch einen Betrag von 300 Mio. EUR (2007) aus dieser &Auml;nderung.<\/p><p>Durch die anderen Regelungen des Steuer&auml;nderungsgesetzes, die &uuml;berwiegend Arbeitnehmer und Rentner belasten, erwartet der Staat hingegen bereits im kommenden Jahr Mehreinnahmen von 2,1 Milliarden Euro, 2008 sollen sie auf rund 4,3 Milliarden Euro steigen, in den folgenden Jahren dann auf &uuml;ber 5 Milliarden Euro.<\/p><p>Der Vollst&auml;ndigkeit halber soll nicht unerw&auml;hnt bleiben, dass es f&uuml;r ein Gruppe der Bed&uuml;rftigen auch eine Verbesserung gibt: <strong>Der Sozialhilfe- oder Alg II-Satz steigt im Osten von 331 Euro auf das West-&bdquo;Niveau&ldquo; von 345 Euro.<\/strong><\/p><p>Aber es gibt doch noch die Wohltat des <strong>Elterngelds<\/strong>.<br>\nF&uuml;r Kinder die im neuen Jahr geboren werden, zahlt der Staat erstmals maximal 14 Monate bis zu 67 Prozent des Nettogehaltes (mindestens 300, maximal 1.800 Euro).<br>\nAllerdings: Rund 155.000 Familien werden 2008 etwa 3.600 Euro weniger im Geldbeutel haben. Sp&uuml;rbare Verbesserungen wird es erst bei einem ausfallenden Verdienst von 1.500 Euro netto geben.<br>\nAuch bei dieser &bdquo;Wohltat&ldquo; gibt es somit ein Missverh&auml;ltnis zwischen einer K&uuml;rzung der Zusch&uuml;sse bei den armen Haushalten, die damit eine Erh&ouml;hung bei besserverdienenden Familien gegenfinanzieren m&uuml;ssen, wobei die Erh&ouml;hung um so gr&ouml;&szlig;er ist, <a href=\"?p=1907\">je reicher der Haushalt vorher war<\/a>.<\/p><p><strong>Ab 1. Januar &bdquo;greifen&ldquo; also eine Vielzahl weiterer &bdquo;Reformen&ldquo;. Sie greifen aber ganz &uuml;berwiegend nur in die Taschen der Normal- und Geringverdiener oder der ohnehin nicht besonders Betuchten, wie bei den Rentnern, bei Studierenden oder bei Familien mit Kindern in Ausbildung.<br>\nDiese Belastungen w&auml;ren als solche schon beklagenswert genug, was diese &bdquo;Reformen&ldquo; aber zur L&ouml;sung der &bdquo;wichtigsten Aufgabe&ldquo; beitragen sollen, n&auml;mlich &bdquo;Arbeit zu schaffen f&uuml;r die Menschen in Deutschland&ldquo; &ndash; so unser oberster &bdquo;Reform&ldquo;- Mahner, Bundespr&auml;sident K&ouml;hler, in seiner Weihnachtsansprache &ndash; das m&uuml;ssten uns unsere Reformer erst einmal &bdquo;vermitteln&ldquo;. Und das d&uuml;rfte ihnen wie in der Vergangenheit auch f&uuml;r die Zukunft ziemlich schwer fallen.<\/strong> <\/p><p><strong>Kein Wunder, dass 82 Prozent aller Deutschen und sogar 90 Prozent der Ostdeutschen meinen, dass mit der gegenw&auml;rtigen Politik <a href=\"http:\/\/www.stern.de\/politik\/deutschland\/forsa\/:Forsa-Umfrage-Die-Regierung-Volk\/579367.html\">&ldquo;auf die Interessen des Volkes keine R&uuml;cksicht&rdquo; genommen wird<\/a>.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Die Reformen der vergangenen Jahre beginnen zu greifen&ldquo; sagte der Bundespr&auml;sident in seiner Weihnachtsansprache und &auml;hnlich die Bundeskanzlerin in ihrer Neujahrsansprache Die Reformen greifen aber &uuml;berwiegend den Normalverdienern und den &Auml;rmeren in die Tasche. 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