{"id":19727,"date":"2013-12-19T18:19:56","date_gmt":"2013-12-19T17:19:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19727"},"modified":"2019-07-09T11:23:49","modified_gmt":"2019-07-09T09:23:49","slug":"kunst-und-meinungsfreiheit-zweierlei-mass","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19727","title":{"rendered":"Kunst- und Meinungsfreiheit \u2013 Zweierlei Ma\u00df"},"content":{"rendered":"<p>Erfolgreich hat FIFA-Pr&auml;sident Sepp Blatter die Ver&ouml;ffentlichung einer Karikatur von ihm verhindert. Ein Z&uuml;richer Bezirksgericht hat zugunsten Blatters entschieden. Demnach darf der Karikaturist &ndash; ausgerechnet ein D&auml;ne &ndash; seine Zeichnungen, die angeblich Blatters &bdquo;Ehre&ldquo; verletzen sollen, nicht ver&ouml;ffentlichen. Laut dem verantwortlichen Richter darf der Zeichner sich in diesem Fall nicht auf die K&uuml;nstlerfreiheit berufen, da er den FIFA-Pr&auml;sidenten unter anderem auf &bdquo;privater Ebene&ldquo; angreift, ihn mit &bdquo;rassistischem Gedankengut&ldquo; in Verbindung bringt und durch sein Werk den Ruf des Weltfu&szlig;ballverbandes FIFA &bdquo;empfindlich&ldquo; herabsetzt. Ein Gastartikel von <strong>Emran Feroz<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nDes Weiteren wurde noch hinzugef&uuml;gt, dass die Publikation eine &bdquo;Aneinanderreihung unn&ouml;tig herabw&uuml;rdigender Darstellungen&ldquo; beinhalte. Aufgrund all dieser genannten Punkte wurde ein Publikationsverbot erlassen. Sollte sich der K&uuml;nstler nicht daran halten, droht ihm ein Bu&szlig;geld von bis zu 10.000 Franken. Es ist &auml;u&szlig;erst fragw&uuml;rdig, dass die Karikatur eines Sepp Blatters &ndash;  einer prominenten Person, die stets im Rampenlicht steht und hier und da auch f&uuml;r den ein oder anderen Skandal sorgt &ndash; verboten wird, w&auml;hrend die Missachtung der religi&ouml;sen Gef&uuml;hle von &uuml;ber einer Milliarde Muslime &ndash; aber vor allem auch jene deutscher, d&auml;nischer, ja, europ&auml;ischer Muslime &ndash; vor nicht allzu langer Zeit mit der Kunst- und Meinungsfreiheit begr&uuml;ndet wurde und immer noch wird.<\/p><p>Im Jahr 2005 ver&ouml;ffentlichte die d&auml;nische Jyllands-Posten jene umstrittenen Karikaturen, die den islamischen Propheten Mohammad darstellen sollen. Unter dem Namen &bdquo;Das Gesicht Mohammads&ldquo; sorgten die Zeichnungen des ebenfalls d&auml;nischen Karikaturisten Kurt Westergaard weltweit f&uuml;r Schlagzeilen. W&auml;hrend gl&auml;ubige Muslime emp&ouml;rt waren und einige wenige Radikale Westergaard mit dem Tod bedrohten, berief man sich nicht nur in D&auml;nemark, sondern auch hierzulande auf K&uuml;nstlerfreiheit sowie auf das Recht der freien Meinungs&auml;u&szlig;erung. Wie die Karikaturen aus der Jyllands-Posten aussahen, wei&szlig; auch heute noch jeder. Vor allem die Darstellung der b&auml;rtigen Fratze mit Turban in Form einer brennenden Lunte blieb vielen im Ged&auml;chtnis. Auf dem Bombenturban konnte man das islamische Glaubensbekenntnis &ndash; die Schahada &ndash; lesen. <\/p><p>Sepp Blatter ist weder ein Prophet, noch hat er &uuml;ber eine Milliarde Anh&auml;nger. Er steht nur an der Spitze eines Verbandes, der seit einiger Zeit nicht nur f&uuml;r positive Schlagzeilen sorgt. Trotzdem darf man ihn nicht karikieren. Beleidigt, entehrt oder wie auch immer man das nennen mag, wurden nicht Millionen von Menschen oder eine gesamte Gemeinschaft, sondern nur er und &ndash; im &bdquo;schlimmsten Fall&ldquo; &ndash; die FIFA. So sieht das auch das Gericht. Dieser Grund reichte allerdings aus, um all die Freiheiten, von denen man sonst schw&auml;rmt, sprich, Meinungs-, Presse- und vor allem die K&uuml;nstlerfreiheit, aufzuheben.<\/p><p>Im Falle der 1,5 Milliarden Muslime war das anders. Auf die Idee, die Ver&ouml;ffentlichung der sogenannten Mohammad-Karikaturen zu verhindern, kam niemand. Laut dem Z&uuml;richer Gericht bringt die Karikatur Blatters ihn mit Rassismus in Verbindung und stellt ihn unn&ouml;tig herabw&uuml;rdigend dar. War genau dies nicht auch bei den sogenannten Mohammad-Karikaturen der Fall? Wurde dabei der islamische Prophet nicht als Terrorist, Frauenfeind und Barbar dargestellt? War dies etwa nicht ebenfalls &bdquo;unn&ouml;tig herabw&uuml;rdigend&ldquo;? &#8232;&#8232;Des Weiteren erw&auml;hnt das Gericht den Ruf der FIFA und meint, dass dieser nachhaltig gesch&auml;digt worden w&auml;re. Abgesehen davon, dass der Ruf der FIFA aufgrund von Dingen wie den Zust&auml;nden in Katar, die man v&ouml;llig zu Recht als ausbeuterische Sklavenarbeit bezeichnet, ohnehin schon teilweise im Eimer ist, ist es eine Tatsache, dass genau das, was das Gericht bef&uuml;rchtet, mit der gesamten muslimischen Glaubensgemeinschaft geschah, nachdem damals die Karikaturen ver&ouml;ffentlicht wurden. Man kann nicht leugnen, dass die Zeichnungen Westergaards dazu beitrugen, dass noch mehr Menschen ihren Vorurteilen gegen&uuml;ber Muslimen freien Lauf lie&szlig;en, pauschalisierten und jeden Turbantr&auml;ger &ndash; ob es nun ein Muslim war oder gar ein indischer Sikh &ndash; mit Terrorismus in Verbindung brachten.<\/p><p>Davon wollte man weder damals etwas wissen, noch will man es heute. 2010 wurde Kurt Westergaard mit dem deutschen Medienpreis M100 ausgezeichnet. Angela Merkel lobte ihn und verteidigte seine Arbeit. &bdquo;Europa ist ein Ort, in dem ein Zeichner so etwas darf&ldquo;, meinte sie auf der damaligen Festrede. Heute wei&szlig; man: Europa ist ein Ort, in dem ein Zeichner nicht Sepp Blatter karikieren darf, w&auml;hrend es gleichzeitig erlaubt ist, eine gesamte Glaubensgemeinschaft ins L&auml;cherliche ziehen, indem man unter anderem auch Zeichnungen publiziert, die zeigen, wie ein betender Muslim von einem Hund bestiegen wird. Aber wehe dem, der sich an die Ehre des FIFA-Chefs vergreift. <\/p><p>Aufgrund dieser Tatsache ist es nicht verwunderlich, dass sich nicht wenige muslimische Staatsb&uuml;rger von der Kunst- und Meinungsfreiheit hintergangen f&uuml;hlen. Diese halten n&auml;mlich oftmals nur dann her, wenn Muslime auf irgendeine Art und Weise angegriffen werden. Man stelle sich vor, Kurt Westergard h&auml;tte eine Fratze mit schwarzem Hut und gro&szlig;er Nase gezeichnet. Obendrein w&auml;re auf dem Hut noch ein Davidsstern sichtbar gewesen. Die Karikatur w&auml;re zu Recht als antisemitisch bezeichnet worden. An eine Publikation h&auml;tte niemand gedacht, geschweige denn, vom Wort K&uuml;nstlerfreiheit in diesem Kontext Gebrauch zu machen.<\/p><p>Nur beim Islam und bei den Muslimen ist es anders. Getarnter Fremdenhass, Doppelmoral und Pauschalisierungen &ndash; oftmals verpackt mit all den Freiheiten, auf die man vorgibt, so viel Wert zu legen &ndash; sind zum Alltag geworden. Dies wurde nicht nur in Sachen Karikaturen und K&uuml;nstlerfreiheit deutlich. Auf dem islamfeindlichen Blog &bdquo;Politicall Incorrect&ldquo; (PI-News) wird seit Jahren gehetzt. 2011 meinte die Bundesregierung nach einer Kleinen Anfrage der Linkspartei, dass der Blog nicht rechtsextremistisch sei, sondern lediglich &bdquo;islamkritisch&ldquo;. Da Islamkritik mit Meinungsfreiheit verbunden ist, war damit das Thema beendet. Ein Blick in PI-News beweist jedoch das Gegenteil. Nicht nur User, sondern auch Autoren schmei&szlig;en mit den absurdesten Pauschalisierungen und und Ressentiments gegen &bdquo;das Fremde&ldquo; und vor allem gegen Muslime um sich. <\/p><p>Kunst- und Meinungsfreiheit sind wichtige Werte, die auf dieser Welt nicht selbstverst&auml;ndlich sind. Nachdem man jedoch immer wieder mit zweierlei Ma&szlig; von ihnen Gebrauch macht, braucht man sich nicht wundern, wenn sie von manchen nicht mehr ernst genommen werden. Auch die Grenzen dieser Freiheiten werden immer wieder deutlich. Solange man jedoch &bdquo;nur&ldquo; Muslime beleidigt, sie beschimpft und ihre Gef&uuml;hle verletzt, fehlt von diesen Grenzen jede Spur.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erfolgreich hat FIFA-Pr&auml;sident Sepp Blatter die Ver&ouml;ffentlichung einer Karikatur von ihm verhindert. Ein Z&uuml;richer Bezirksgericht hat zugunsten Blatters entschieden. Demnach darf der Karikaturist &ndash; ausgerechnet ein D&auml;ne &ndash; seine Zeichnungen, die angeblich Blatters &bdquo;Ehre&ldquo; verletzen sollen, nicht ver&ouml;ffentlichen. 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