{"id":1974,"date":"2007-01-02T08:30:49","date_gmt":"2007-01-02T07:30:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1974"},"modified":"2019-07-23T11:27:07","modified_gmt":"2019-07-23T09:27:07","slug":"michael-hartmann-die-exzellenzinitiative-ein-paradigmenwechsel-in-der-deutschen-hochschulpolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1974","title":{"rendered":"Michael Hartmann: Die Exzellenzinitiative \u2013 ein Paradigmenwechsel in der deutschen Hochschulpolitik"},"content":{"rendered":"<p>Als im Januar 2004 die rot-gr&uuml;ne Bundesregierung unter Gerhard Schr&ouml;der erstmals &uuml;ber ein Programm zur Schaffung von Eliteuniversit&auml;ten in Deutschland sprach, l&ouml;ste sie einen enormen Medienwirbel aus. Die Tatsache, dass ausgerechnet die Sozialdemokratie &ndash; auf dem Bildungssektor traditionell f&uuml;r das Prinzip der Chancengleichheit zust&auml;ndig &ndash; den Begriff der Elite enttabuisierte, sorgte f&uuml;r gr&ouml;&szlig;te Verwunderung. Die Reaktionen f&uuml;hrten schnell zur offiziellen Umbenennung der geplanten Initiative. Sie hie&szlig; fortan &bdquo;Exzellenzinitiative.&ldquo; Damit sollte signalisiert werden, dass es keinesfalls um die Privilegierung einzelner Universit&auml;ten, sondern um einen allgemeinen Leistungswettbewerb gehen solle. Alle Hochschulen h&auml;tten im Grundsatz die gleichen Chancen; jede Universit&auml;t, die in der ersten Runde des Wettbewerbs verliere, k&ouml;nne in der zweiten zu den Gewinnern z&auml;hlen, so die &ouml;ffentlich immer wieder zu h&ouml;renden &Auml;u&szlig;erungen von den Bef&uuml;rwortern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.<br>\nDer Eliteforscher Michael Hartmann hat uns diesen Beitrag, der in der Zeitschrift f&uuml;r Sozialwissenschaft &bdquo;Leviathan&ldquo; abgedruckt ist, zur Verf&uuml;gung gestellt.<br>\n<!--more--><br>\nSchon ein erster genauerer Blick auf die etymologischen Wurzeln des Wortes Exzellenz muss jedoch skeptisch stimmen. &bdquo;Excellentia&ldquo;, der lateinische Ursprung steht sowohl f&uuml;r herausragende Leistung bzw. Qualit&auml;t als auch f&uuml;r eine herausgehobene h&ouml;here Stellung. Diese Doppelbedeutung hat sich im franz&ouml;sischen &bdquo;excellence&ldquo; &uuml;ber all die Jahrhunderte erhalten. Mit dem Wort &bdquo;excellence&ldquo; werden in Frankreich auch heute noch ausgezeichnete Leistungen und hohe W&uuml;rdentr&auml;ger in Diplomatie wie Kirche gleicherma&szlig;en bezeichnet. Die N&auml;he zum Elitebegriff ist hier auch sprachlich un&uuml;bersehbar. Elite bedeutet aber gerade nicht, dass alle die gleiche Chance haben; gemeint ist damit vielmehr eine dauerhafte Absonderung einer kleinen Gruppe vom Rest, von der Masse, eine Absonderung, die nicht ausschlie&szlig;lich, ja nicht einmal &uuml;berwiegend auf Leistung zur&uuml;ckzuf&uuml;hren ist, sondern in hohem Ma&szlig;e auf Herkunft und die damit verkn&uuml;pfte Einbindung in Macht- und Herrschaftsstrukturen (Hartmann 2002, 2004). <\/p><p>Wird die Entwicklung im Hochschulbereich hierzulande ebenfalls in diese Richtung laufen? Wird einer kleinen Zahl von Universit&auml;ten die Kennzeichnung Exzellenz oder Elite und der damit verbundene Status dauerhaft zuteil werden, ohne dass das offizielle Kriterium Leistung daf&uuml;r allein oder auch nur vorrangig ausschlaggebend ist?  Was bedeutet das f&uuml;r die soziale Zug&auml;nglichkeit und die Leistungsf&auml;higkeit des deutschen Universit&auml;tssystems? Diesen Fragen soll im Folgenden nachgegangen werden.<\/p><p><strong>Elite- und Massenuniversit&auml;ten<\/strong><\/p><p>Wenn im universit&auml;ren Kontext von Exzellenz die Rede ist, so ist zun&auml;chst nur eines klar. Begrifflich bedeutet Exzellenz den Abschied von der das deutsche Universit&auml;tssystem traditionell pr&auml;genden Vorstellung, dass alle Universit&auml;ten im Grundsatz gleich sind. Wenn man einige heraushebt, so ist das nur m&ouml;glich um den Preis, dass die anderen herabgestuft werden. Die einen sind exzellent, die anderen nicht. Nicht mehr hohe Qualit&auml;t in der Breite ist das wesentliche Ziel der Hochschulpolitik, sondern &bdquo;Weltklasse&ldquo; bei einzelnen Institutionen, den sog. &bdquo;Leuchtt&uuml;rmen&ldquo; der Wissenschaft. Noch vor Bekanntgabe der ersten Ergebnisse des Exzellenzwettbewerbs hat die ZEIT vom 17. November 2005 in einem Artikel dessen zentrale Wirkung mit dem treffenden Satz beschrieben: &bdquo;Der Wettstreit wird das auf Gleichheit beruhende Universit&auml;tssystem endg&uuml;ltig zerschlagen.&ldquo; <\/p><p>Zu diesem Zeitpunkt waren solche Feststellungen allerdings die Ausnahme. Einige Monate sp&auml;ter sah das schon anders aus. Nachdem die Exzellenzinitiative politisch durchgesetzt war und die Ergebnisse der ersten Runde eine  massive Konzentration erfolgreicher Antr&auml;ge auf relativ wenige Universit&auml;ten zeigten, wurden auch die &ouml;ffentlichen Stellungnahmen zusehends deutlicher. So hat der scheidende DFG-Pr&auml;sident Ernst-Ludwig Winnacker in seiner Abschiedsrede auf der Jahresversammlung der DFG am 31. Mai 2006 den aus seiner Sicht entscheidenden Effekt der Exzellenzinitiative klar benannt, indem er sagte, die Initiative sei mit den bisherigen F&ouml;rderungen &uuml;berhaupt nicht zu vergleichen, da sie die gesamte deutsche &bdquo;Hochschul- und Forschungslandschaft in ungeahnter Weise ver&auml;ndern&ldquo; werde. Der von Ex-Bundespr&auml;sident Herzog 1997 geforderte &bdquo;Ruck&ldquo; habe in Hochschulen und Wissenschaft &bdquo;nun in Form eines Erdbebens stattgefunden.&ldquo; Die zwischen den Universit&auml;ten bereits bestehenden Qualit&auml;tsunterschiede w&uuml;rden durch die Exzellenzinitiative weiter wachsen. Neben &bdquo;reinen Forschungsuniversit&auml;ten, die sich auch in der Ausbildung an den Anforderungen moderner wissenschaftlicher Forschung ausrichten, wird es solche geben, die dies nur ansatzweise und in einzelnen F&auml;chern versuchen, solche, die diesen Anspruch erst gar  nicht anstreben, und solche, die ihre St&auml;rke eher in der Praxisorientierung suchen&ldquo;, so Winnackers Res&uuml;mee (Winnacker 2006: V, IXf.). <\/p><p>Der Prorektor der Universit&auml;t Heidelberg, Jochen Tr&ouml;ger, hat denselben Sachverhalt in einem Interview mit der Heidelberger Studentenzeitung &bdquo;ruprecht&ldquo; im Juni 2006 plastisch an einem Beispiel verdeutlicht: &bdquo;Eine Universit&auml;t wie M&uuml;nchen macht Top-Forschung, eine Universit&auml;t wie Oldenburg macht fachbezogen Hochschulausbildung von Leuten, die auch gebraucht werden&ldquo;, so sein knappes Fazit. Die Wortwahl l&auml;sst erkennen, welche Vorstellungen bei den voraussichtlichen Gewinnern in diesem Wettbewerb vorherrschen. Es gibt exzellente Wissenschaftler und &bdquo;Leute, die auch gebraucht werden&ldquo;, sprich eine Elite und das Fu&szlig;volk. Sein Vorg&auml;nger hat das vor zwei Jahren in seiner Begr&uuml;ndung harter universit&auml;tsinterner Auswahlverfahren genauso ausgedr&uuml;ckt, als er davon sprach, dass &bdquo;Elite&ldquo; und &bdquo;Masse&ldquo; eben nicht zusammenpassen.<\/p><p>Welches Grundprinzip die Exzellenzinitiative dominiert, war vor Verk&uuml;ndung der Wettbewerbsresultate schon unmissverst&auml;ndlich in dem bereits erw&auml;hnten ZEIT-Artikel zu lesen. Dort hie&szlig; es: &bdquo;Im Zuge der Exzellenzinitiative wird das Matth&auml;us-Prinzip k&uuml;nftig so stark in der Wissenschaft durchschlagen wie noch niemals zuvor.&ldquo; Wer hat, dem wird gegeben.  So lautet die Logik des gesamten Wettbewerbs. Die erfolgreichen Antr&auml;ge konzentrieren sich denn auch auf eine relativ kleine Zahl der insgesamt ca. 100 deutschen Universit&auml;ten. Das gilt f&uuml;r die dritte F&ouml;rderlinie, f&uuml;r die sich von vornherein nur 27 Universit&auml;ten beworben hatten, von denen dann 10 in die engere Auswahl gekommen sind; und es gilt auch f&uuml;r die Auswahl der Graduiertenschulen und die Exzellenzcluster, an der sich (bei 135 bzw. 157 Bewerbungen) wesentlich mehr Hochschulen beteiligt haben. Von den 39 Graduiertenschulen, die die erste Runde &uuml;berstanden haben, sind 18 an nur acht Universit&auml;ten angesiedelt (allein acht an den beiden M&uuml;nchener Universit&auml;ten und der RWTH Aachen).  Von den 41 noch im Wettbewerb befindlichen Exzellenzclustern vereinigen diese drei Hochschulen sogar neun auf sich. Weitere 14 Cluster entfallen auf noch sieben Universit&auml;ten, auf ganze 10 Universit&auml;ten also fast 60 Prozent. <\/p><p>Diese Konzentration zeigt deutlich, wohin die im Exzellenzwettbewerb zu vergebenden Mittel flie&szlig;en werden. Es hat sich eine Spitzengruppe von 10 bis 20 Universit&auml;ten herausgebildet, die fast die gesamten F&ouml;rdermittel absch&ouml;pfen werden. Rechnet man die Graduiertenschulen nicht mit (die bei einer Summe von 1 Mio. Euro pro Jahr gegen&uuml;ber den beiden anderen F&ouml;rderungstypen weit abfallen), dann sind nur 28 Universit&auml;ten &uuml;berhaupt in die zweite Runde des Wettbewerbs gelangt. Endg&uuml;ltig ausgew&auml;hlt wird eine noch kleinere Zahl. Die Masse der deutschen Universit&auml;ten wird nicht nur beim Exzellenzwettbewerb au&szlig;en vor bleiben, sie muss schon jetzt mit dem Etikett leben, allenfalls sehr eingeschr&auml;nkt forschungsf&auml;hig zu sein. <\/p><p>Das deutsche Universit&auml;tswesen steht vor einer dauerhaften Aufspaltung in zwei Typen von Universit&auml;ten, Forschungs- und Ausbildungsuniversit&auml;ten. An den Ersteren wird die Forschung konzentriert, Letztere werden kaum noch forschen, sondern (wie heute schon die Fachhochschulen) z&uuml;gig auf einen Beruf hin ausbilden. Wie ein solches System aussehen d&uuml;rfte, zeigt eine ungew&ouml;hnlich klare Aussage des fr&uuml;heren Berliner Wissenschaftssenators George Turner im Tagesspiegel vom 5. M&auml;rz 2006: &bdquo;Offiziell bleibt es dabei: Die Fachhochschulen sollen ausgebaut werden. Heimlich aber hat man sich von diesem Ziel verabschiedet, indem &sbquo;bis zu zehn&rsquo; Spitzenuniversit&auml;ten besonders gef&ouml;rdert werden sollen. Das hei&szlig;t im Klartext: Der Rest der Universit&auml;ten wird zwar f&ouml;rmlich nicht zur&uuml;ckgestuft, de facto aber in die untere Liga eingeordnet. &hellip; Die Universit&auml;ten, welche nicht den Sprung in die &sbquo;1.Liga&rsquo; schaffen &ndash; und das wird die &uuml;berwiegende Mehrheit sein &ndash;, und die Fachhochschulen werden n&auml;her zusammenger&uuml;ckt. Auch wenn es kaum vorstellbar ist, dass es nur in f&uuml;nf Bundesl&auml;ndern so genannte Elite-Universit&auml;ten geben soll, und es deshalb denkbar ist, dass die Vorgabe &sbquo;bis zu zehn&rsquo; ins Wanken geraten k&ouml;nnte &ndash; von den knapp hundert staatlichen Universit&auml;ten werden die meisten zusammen mit den Fachhochschulen dem &sbquo;Rest&rsquo; angeh&ouml;ren.&ldquo; [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><p>Die fl&auml;chendeckende Ersetzung der alten Uni-Abschl&uuml;sse Diplom und Staatsexamen zugunsten von Bachelor und Master ist eine wichtige Voraussetzung f&uuml;r diese Aufspaltung. Die in erster Linie f&uuml;r die studentische Ausbildung zust&auml;ndigen Massenuniversit&auml;ten sollen die Masse der Bachelor-Absolventen schnell durch das Studium schleusen, um den zu erwartenden Studierendenberg ohne zus&auml;tzliche Personalstellen bew&auml;ltigen zu k&ouml;nnen. Da nach dem Willen der meisten Wissenschaftsminister weniger als die H&auml;lfte, in der Regel nur um die 30 Prozent der Studierenden nach dem Bachelor noch weiter an der Universit&auml;t bleiben sollen, ist f&uuml;r eine (mehr oder minder) gro&szlig;e Mehrheit der Studierenden ein Einblick in wissenschaftliche Forschung gar nicht mehr vorgesehen. Einzig kleinen auserw&auml;hlten Gruppen wird der Blick in die Forschung vor dem ersten berufsqualifizierenden Abschluss gew&auml;hrt. Die anderen m&uuml;ssen bis zum Masterstudium warten. Doch auch hier wird sich die Spaltung weiter fortsetzen. Wie die klassischen Technischen Hochschulen (die sog. T9) schon beschlossen haben, werden sie den Bachelor als Zugangsberechtigung zum Master nur dann ohne weitere Pr&uuml;fungen anerkennen, wenn er an einer ihrer Mitgliedshochschulen gemacht worden ist. Das hei&szlig;t, die sich selbst zur Elite z&auml;hlenden Universit&auml;ten beginnen schon jetzt, sich gegen&uuml;ber den anderen abzuschotten. <\/p><p><strong>Die Geistes- und Sozialwissenschaften als gro&szlig;e Verlierer<\/strong><\/p><p>Die Aufspaltung der Hochschullandschaft betrifft nicht nur die Universit&auml;ten als Ganze, sie geht auch mit einer Verschiebung der Relationen zwischen den f&uuml;nf gro&szlig;en Wissenschaftsgebieten (Geistes-, Sozial-, Ingenieur- und Naturwissenschaften sowie Medizin) einher. Seit die Ergebnisse der ersten Runde des Exzellenzwettbewerbs ver&ouml;ffentlicht worden sind, herrscht unter den Geistes- und Sozialwissenschaftlern Entt&auml;uschung bis Entsetzen. Die Bilanz ist ern&uuml;chternd. Ein einziges Projekt mit erkennbar geisteswissenschaftlichem Schwerpunkt hat bei den Exzellenzclustern die erste Runde &uuml;berstanden, und mit gutem Willen z&auml;hlen bestenfalls vier von insgesamt 41 ausgew&auml;hlten Clustern zum weiteren Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften. &Uuml;ber ein Drittel der im ersten Durchlauf positiv bewerteten Cluster entf&auml;llt demgegen&uuml;ber auf die Medizin und jeweils ein gutes Viertel auf die Natur- und Ingenieurwissenschaften. Die Verteilung der Mittel ist damit noch deutlich ungleichgewichtiger als in den Hochschuletats, wo die Geistes- und Sozialwissenschaften schon jetzt massiv benachteiligt sind. Sie bekommen, obwohl bei ihnen ungef&auml;hr doppelt so viele Studierende eingeschrieben sind wie in den Natur- und Ingenieurwissenschaften, nur halb so viel Geld. Im Exzellenzwettbewerb ist es nicht einmal mehr ein F&uuml;nftel.<\/p><p>Im Nachhinein entlarven sich Aussagen des Wissenschaftsrats und der DFG, die der Beruhigung skeptischer Geistes- und Sozialwissenschaftler dienen sollten, als weitgehend folgenloses Gerede. Was n&uuml;tzt es, wenn unmittelbar vor der Entscheidung von der Koordinatorin der DFG f&uuml;r die Exzellenzcluster mitgeteilt wird, dass man angenehm &uuml;berrascht sei von der hohen Zahl der Antragsskizzen aus den Geisteswissenschaften, (insgesamt immerhin ein Viertel der 157 Antr&auml;ge), und darauf auch besonders stolz, weil der DFG immer vorgeworfen werde, &bdquo;die Geisteswissenschaften bei der F&ouml;rderung von Drittmitteln im Vergleich zu anderen Disziplinen zu vernachl&auml;ssigen&ldquo;. Letztlich best&auml;tigt die Entscheidung ja diesen Eindruck. Es ist genau das eingetreten, was die Skeptiker bef&uuml;rchtet haben. In der zweiten F&ouml;rderlinie spielen die Geistes- und Sozialwissenschaften kaum eine Rolle. Die zwei Wochen sp&auml;ter ver&ouml;ffentlichte Erkl&auml;rung des Wissenschaftsrats, die &bdquo;St&auml;rkung der Geisteswissenschaften in den Universit&auml;ten&ldquo; sei sein &bdquo;zentrales Anliegen&ldquo;, &auml;ndert daran aber nichts. Sie bleibt ein Lippenbekenntnis. <\/p><p><strong>Leistungs- oder Matth&auml;usprinzip?<\/strong><\/p><p>Die erw&auml;hnte Abschiedsrede des DFG-Pr&auml;sidenten Winnacker enth&auml;lt zwei interessante Passagen, die sich mit den beiden zentralen Einw&auml;nden gegen die Exzellenzinitiative besch&auml;ftigen: Handelt es sich beim Exzellenz-Wettbewerb wirklich um einen fairen Leistungswettbewerb? Und wie sehen die Folgen f&uuml;r die soziale Zug&auml;nglichkeit der deutschen Hochschulen aus? Angesichts der eindeutigen Resultate der ersten Runde verzichtet Winnacker hier auf die zuvor stets obligatorische Bemerkung, dass selbstverst&auml;ndlich jede Universit&auml;t eine Chance habe, und r&auml;umt eine gravierende Verzerrung der Wettbewerbsbedingungen ein. Die unterschiedliche finanzielle Ausgangslage in den einzelnen Bundesl&auml;ndern sorge daf&uuml;r, dass &bdquo;kein wirklicher Wettbewerb um Ressourcen aller Art, auch nicht um Ressourcen f&uuml;r die Forschung stattfinden&ldquo; k&ouml;nne und die Universit&auml;ten im S&uuml;den der Republik einen entscheidenden Vorteil bes&auml;&szlig;en. Nachdem die Exzellenzinitiative politisch durchgesetzt ist, kann man jetzt offensichtlich realistischere Aussagen treffen. Winnacker wirft sogar die Frage nach den Spielregeln auf, weil es immer nur dieselben seien, die gew&auml;nnen. Seine L&ouml;sung:  eine Gebietsreform. Erst eine Reduzierung  auf wenige Bundesl&auml;nder k&ouml;nne &bdquo;das Verh&auml;ltnis Sieger\/Verlierer in der Forschungsf&ouml;rderung&ldquo; wirklich umkehren (Winnacker 2006: VI).<\/p><p>So zutreffend Winnackers Kritik am bundesdeutschen F&ouml;deralismus sein mag [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>], den entscheidenden Punkt benennt er damit nicht. Selbst wenn es weniger Bundesl&auml;nder g&auml;be und die Unterschiede zwischen ihren Hochschuletats geringer ausfielen als derzeit, h&auml;tte das Prinzip des Exzellenzwettbewerbs, die Starken zu st&auml;rken, im Endeffekt die gleiche Wirkung. Das Beispiel Bayern als eines der reichen Bundesl&auml;nder zeigt das deutlich. Unter den Gewinnern befinden sich, das war auch vorher jedem informierten Beobachter klar, die beiden M&uuml;nchener Universit&auml;ten; unter den Verlierern sind, auch das hat man wissen k&ouml;nnen, die Neugr&uuml;ndungen der 1970er Jahre wie Bamberg, Bayreuth oder Passau. Die Ausgangsbedingungen sind einfach viel zu unterschiedlich, von der finanziellen Ausstattung &uuml;ber die Tradition (inkl. der traditionellen Beziehungen zu den wichtigen Drittmittelgebern) bis hin zum wissenschaftlichen Umfeld (Max-Planck-Institute, Fraunhofer- Institute etc.). <\/p><p>Wenn Winnacker darauf verweist, dass auch heute schon fast die H&auml;lfte der DFG-F&ouml;rdergelder an nicht einmal 20 Universit&auml;ten flie&szlig;t, so zeigt das die historisch gewachsenen Differenzen. &Uuml;ber die tats&auml;chliche Leistungsf&auml;higkeit sagt es jedoch weit weniger aus, als die Zahlen auf den ersten Blick vermuten lassen. Ulrich Teichler demonstriert dies in seinem Buch &bdquo;Hochschulstrukturen im Umbruch&ldquo; sehr eindr&uuml;cklich anhand der DFG-Mittelvergabe der Jahre 1999 bis 2001. Damals gingen 32 Prozent dieser Mittel an die in diesem Ranking f&uuml;hrenden zehn Universit&auml;ten, weitere 25 Prozent an die n&auml;chsten zehn, d.h. 57 Prozent an die besten 20 Universit&auml;ten, gerade einmal halb so viel an die n&auml;chsten 20 Universit&auml;ten und nur ganze acht Prozent an die auf den Pl&auml;tzen 41 bis 50 rangierenden &ndash; scheinbar ein klarer Beleg f&uuml;r die enormen Leistungsunterschiede im deutschen Universit&auml;tssystem. Ber&uuml;cksichtigt man aber die Zahl der jeweils besch&auml;ftigten Wissenschaftler und rechnet nicht pro Hochschule, sondern pro Wissenschaftler, so ergibt sich ein weit weniger eindeutiges Bild. Zwar liegen die ersten zehn Universit&auml;ten mit ca. 61.000 Euro pro Kopf auch dann noch deutlich vorn, der Unterschied zu den Universit&auml;ten auf den Pl&auml;tzen 41 bis 50, die es auf ca. 32.000 Euro bringen, f&auml;llt aber nur halb so hoch aus, wie die generellen Anteile es vermuten lie&szlig;en. L&auml;sst man die ersten zehn Universit&auml;ten au&szlig;er Betracht, verringern sich die Differenzen noch einmal sp&uuml;rbar. Sie liegen dann nur noch zwischen ca. 46.000 Euro f&uuml;r die zweitbeste und 32.000 Euro f&uuml;r die f&uuml;nfte Gruppe. Bei Ber&uuml;cksichtigung der F&auml;cherverteilung w&uuml;rden die Unterschiede sogar noch weiter abnehmen. Teichler zeigt das am Beispiel Nordrhein-Westfalens, wo um die Jahrtausendwende, gewichtet man die F&auml;chergruppen, unter den multidisziplin&auml;ren Universit&auml;ten die am wenigsten erfolgreiche pro Kopf immerhin noch 70 Prozent der Mittel einwerben konnte, die der erfolgreichsten zuteil wurden (Teichler 2005: 269). <\/p><p>F&uuml;r riesige oder entscheidende Leistungsunterschiede sprechen diese Zahlen nicht. Teichler ist in seiner Einsch&auml;tzung zuzustimmen, dass die Differenzen innerhalb der einzelnen Fakult&auml;ten in der Regel viel gr&ouml;&szlig;er seien als die Unterschiede zwischen den Fakult&auml;ten oder gar den Hochschulen. Nicht ganze Fakult&auml;ten oder Hochschulen seien als exzellent beurteilt worden, sondern immer nur einzelne Wissenschaftler. In Zukunft, so Teichler, sei unter rein wissenschaftlichen Gesichtspunkten sogar damit zu rechnen, dass die Bedeutung der wissenschaftlichen Kooperation vor Ort und damit der Stellenwert der Hochschulen als Ganzen aufgrund der zunehmenden Spezialisierung und der dramatisch beschleunigten und erleichterten  Kommunikationsm&ouml;glichkeiten noch weiter zur&uuml;ckgehen werde. Versuche,  Fakult&auml;ten oder gar Hochschulen nach Qualit&auml;t in Rangordnungen zu bringen, &auml;hnelten daher immer mehr einem &bdquo;Glasperlenspiel&ldquo; (ebd.: 338f.).<\/p><p>Die Exzellenzinitiative macht nun aber genau das. Sie stellt auf der Ebene der kompletten Universit&auml;ten grunds&auml;tzliche Unterschiede fest zwischen &bdquo;exzellent&ldquo; auf der einen und &bdquo;durchschnittlich&ldquo; auf der anderen Seite, sprich zwischen Elite und Masse, zementiert sie in einem Ranking und weitet sie auf Dauer weiter aus. Die von Winnacker angesprochenen knapp 20 Universit&auml;ten werden im Rahmen der Initiative nicht nur fast die H&auml;lfte, sondern vermutlich &uuml;ber 90 Prozent der zu vergebenden Mittel auf sich vereinigen. Zudem, und das ist der wichtigere Punkt, wird der Exzellenzwettbewerb die Rangfolge verewigen. Er schafft erst jene grundlegenden Unterschiede, die zu messen er vorgibt.<\/p><p>Die Hochschulen, die jetzt nicht zu den Gewinnern z&auml;hlen, werden sich auch in Zukunft unwiderruflich im Hintertreffen befinden. Das gilt zun&auml;chst ganz unmittelbar finanziell, denn die L&auml;nder werden ja nicht nur ihren 25prozentigen Anteil an den Kosten der Exzellenzinitiative, sollten Universit&auml;ten aus ihrem Bundesland erfolgreich sein, finanzieren m&uuml;ssen, sie m&uuml;ssen nach dem R&uuml;ckzug des Bundes aus dem Hochschulbau auch an diesem Punkt eine gr&ouml;&szlig;ere finanzielle Last tragen als bislang. Au&szlig;erdem m&uuml;ssen die im Wettbewerb siegreichen Universit&auml;ten ab 2012 wieder mit den eigenen Mitteln haushalten, weil dann die Finanzierung &uuml;ber die Exzellenzinitiative ausl&auml;uft. Um das Niveau halten zu k&ouml;nnen, werden sie ab diesem Zeitpunkt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit mehr Landesmittel bekommen. Bei realistischer Betrachtung bedeutet das: Um diese zus&auml;tzlichen Gelder aufbringen zu k&ouml;nnen, m&uuml;ssen die L&auml;nder woanders sparen. Allen augenblicklichen Verlautbarungen zum Trotz d&uuml;rfte das auf Kosten der Verlierer des Wettbewerbs gehen. Dass anders lautende offizielle Aussagen vorrangig der Beruhigung dienen und in der Regel nur recht wenig mit der Realit&auml;t zu tun haben, zeigen die Erfahrungen der letzen Jahre. Jeder Hochschulangeh&ouml;rige kann inzwischen ein trauriges Lied &uuml;ber gebrochene Hochschulpakte und andere nicht eingehaltene Vereinbarungen zwischen Landesregierungen und Hochschulen singen. <\/p><p>Zu den unmittelbaren finanziellen Folgen des neuen Verteilungsprinzips kommen jene Auswirkungen hinzu, die es auf die Mittelverteilung auf L&auml;nderebene hat. Die Hochschulen, die zu den Gewinnern z&auml;hlen, werden dabei ungleich bessere Karten haben als der Rest. Wie das zuk&uuml;nftige Verteilungsprinzip sich auswirken wird, l&auml;sst die seit 2004 g&uuml;ltige leistungsorientierte Mittelverteilung in Nordrhein-Westfalen erahnen. Alle Sachmittel &ndash; jeder f&uuml;nfte Euro, der aus Landesmitteln an die Hochschulen flie&szlig; &ndash; werden in NRW heute nach diesem Prinzip verteilt. W&auml;hrend fr&uuml;her die Anzahl der Wissenschaftler und der Umfang der eingeworbenen Drittmittel mit jeweils 20 Prozent gleich gewichtet wurden, geht der erstgenannte Faktor jetzt nur noch mit 7,5 Prozent in die Berechnung ein, die Drittmittel dagegen mit 27,5 Prozent. Das f&auml;llt um so schwerer ins Gewicht, als heute zus&auml;tzlich zu den Sachkosten f&uuml;r Forschung und Lehre auch die Mittel f&uuml;r allgemeine Aufgaben wie etwa die Bibliotheken oder das Rechenzentrum sowie die Verwaltungs- und Energiekosten aus diesem Etat bezahlt werden m&uuml;ssen. Am st&auml;rksten profitieren von diesem in NRW praktizierten Modell der Mittelverteilung wird die RWTH Aachen, auf die &uuml;ber ein Viertel der Drittmitteleinnahmen aller 25 nordrhein-westf&auml;lischen Hochschulen entf&auml;llt. Verlierer werden in erster Linie die Neugr&uuml;ndungen und die fr&uuml;heren Gesamthochschulen sein. Der Rektor der Universit&auml;t Wuppertal hat die Folgen f&uuml;r seine Hochschule im Januar dieses Jahres mit den Worten charakterisiert, dass Wuppertal &bdquo;Jahr f&uuml;r Jahr mit &sbquo;Kellertreppeneffekt&rsquo;, wie bei negativer Zinseszinsberechnung, erhebliche Mittel&ldquo; verliere, die dann anderen Hochschulen zugute k&auml;men. Es sei &bdquo;eine Umverteilung im Land&ldquo;, die jetzt stattfinde. Diese Entwicklung wird durch die Exzellenzinitiative weiter beschleunigt und verst&auml;rkt.<\/p><p>Die Sieger des Exzellenz-Wettbewerbs werden in den n&auml;chsten Jahren ihre &uuml;berlegene Position auch bei der Konkurrenz um die guten Wissenschaftler und die guten Studierenden ausbauen k&ouml;nnen. Dank ihrer sp&uuml;rbar besseren finanziellen Ausstattung und des betr&auml;chtlichen Imagegewinns werden sie bei beiden Gruppen deutlich an Attraktivit&auml;t zulegen. Sie haben die besten Chancen, sich bei den jetzt &uuml;blich gewordenen hochschulinternen Auswahlverfahren die leistungsst&auml;rksten Studierenden herauszufiltern. Auf diesem Wege k&ouml;nnen sie gleichzeitig noch ein zweites Ziel erreichen, die Zahl der Studienpl&auml;tze sp&uuml;rbar zu reduzieren. Sollte es zudem gelingen, die Kapazit&auml;tsverordnung abzuschaffen, w&auml;re es ihnen sogar m&ouml;glich, exklusive Elitestudieng&auml;nge mit einer ganz kleinen Zahl von Studierenden einzurichten, ohne die bisherigen Beschr&auml;nkungen beachten zu m&uuml;ssen. Klein und fein, so hei&szlig;t die neue Devise. Der Rektor der Universit&auml;t Mannheim, der Jurist Wolfgang Arndt, h&auml;lt konsequenterweise die Forderung, die Hochschulkapazit&auml;ten wegen des zu erwartenden drastischen Anstiegs der Studierendenzahl auszubauen, f&uuml;r unsinnig und &uuml;berfl&uuml;ssig, weil sich die Massenuniversit&auml;t &bdquo;v&ouml;llig &uuml;berlebt&ldquo; habe. Kurt von Figura, der Pr&auml;sident der Universit&auml;t G&ouml;ttingen, will die Zahl der Studierenden an seiner Hochschule mittelfristig sogar sogleich um ein Drittel reduzieren, um ihr Profil als forschungsintensive und medizinisch-naturwissenschaftlich ausgerichtete Universit&auml;t sch&auml;rfen zu k&ouml;nnen. <\/p><p>Die Einf&uuml;hrung von Studiengeb&uuml;hren unterst&uuml;tzt diese Entwicklung, weil sie auf Dauer zu einer Differenzierung der Geb&uuml;hren je nach Hochschule f&uuml;hren wird. Wohin die weitere Entwicklung gehen wird, deutet der erste Gesetzesentwurf zum Studienbeitragsgesetz aus Hessen an. Er sah vor, dass die Hochschulen ab dem WS 2007\/08 f&uuml;r alle nichtkonsekutiven Masterstudieng&auml;nge (ab dem WS 2010\/11 auch f&uuml;r die konsekutiven), alle Promotionsstudieng&auml;nge und alle Nicht-EU-Ausl&auml;nder bis zu 1.500 Euro verlangen k&ouml;nnen. Zwar haben die massiven Proteste an den hessischen Hochschulen im endg&uuml;ltigen Gesetzentwurf eine direkte Umsetzung dieser Vorstellungen verhindern k&ouml;nnen, die Pl&auml;ne bleiben aber in den Schubladen der Ministerien. Eine zuk&uuml;nftige Eliteuniversit&auml;t wird in Zukunft erheblich h&ouml;here Geb&uuml;hren verlangen k&ouml;nnen als eine &bdquo;normale&ldquo; Massenuniversit&auml;t [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] und nach dem Vorbild der USA daf&uuml;r g&uuml;nstigere Studienbedingungen bieten. Die Massenuniversit&auml;ten dagegen m&uuml;ssten mit noch schlechteren Bedingungen als schon heute aufwarten, w&auml;ren daf&uuml;r aber auch preisg&uuml;nstiger als die Topadressen. Die Aufspaltung der Hochschullandschaft w&uuml;rde noch weiter vorangetrieben.<\/p><p>Die Verlierer des Exzellenzwettbewerbs werden in jeder Hinsicht an Boden einb&uuml;&szlig;en. Von einer neuen Chance &bdquo;beim n&auml;chsten Mal&ldquo; kann deshalb keine Rede sein. Wenn Politiker und Vertreter der federf&uuml;hrenden Wissenschaftsorganisationen (Wissenschaftsrat und DFG) immer wieder betonen, dass &ndash; da ausschlie&szlig;lich die Leistung entscheide &ndash; eine Hochschule, die jetzt nicht unter den Gewinnern sei, durch eigene Anstrengung das Ziel durchaus noch erreichen k&ouml;nne, so hat das mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun. Von einer m&ouml;glichen Umkehrung des Verh&auml;ltnisses zwischen Gewinnern und Verlierern kann keine Rede sein. Wer einmal oben ist, wird in der Regel oben bleiben. Die Eliteuniversit&auml;ten in den anderen f&uuml;hrenden Industriel&auml;ndern zeigen das sehr deutlich (Hartmann 2004: 109 ff.).<\/p><p>Dasselbe gilt auch mit Blick auf die einzelnen Fachdisziplinen. Von gleichen Chancen kann auch hier nicht die Rede sein. Daf&uuml;r haben die Kriterien des Exzellenzwettbewerbs schon gesorgt. Die in der Bund-L&auml;nder-Vereinbarung als entscheidend geforderte &bdquo;internationale Sichtbarkeit&ldquo; l&auml;sst sich in den Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie der Medizin, in denen internationale Gro&szlig;projekte allt&auml;glich sind, in denen weltweit bekannte Preise (wie vor allem der Nobelpreis) vergeben werden und in denen die nationale Sprache und Kultur keine oder allenfalls eine sehr untergeordnete Rolle spielen, sehr viel leichter herstellen als in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Auch l&auml;sst sich die in derselben Vereinbarung als wichtige Voraussetzung angef&uuml;hrte &bdquo;wirtschaftliche Relevanz&ldquo; von ihnen ungleich einfacher nachweisen. Dass der DFG-Pr&auml;sident Ernst-Ludwig Winnacker schon vor der Antragstellung davon sprach, die Exzellenzcluster sollten &bdquo;weitgehend dem Modell der DFG-Forschungszentren&ldquo; entsprechen, h&auml;tte hellh&ouml;rig machen k&ouml;nnen. Von den derzeit gef&ouml;rderten Zentren kommt n&auml;mlich kein einziges aus dem Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften.<\/p><p>Wenn der Historiker Ulrich Herbert, einer der Geisteswissenschaftler in der Kommission, im Tagesspiegel vom 27. Januar 2005 offen sagt, die Exzellenzinitiative sei &bdquo;nicht der Ort, an dem die St&auml;rken der Geisteswissenschaften sichtbar werden&ldquo;, und gleichzeitig ihre Leistungsf&auml;higkeit im internationalen Vergleich mit den Worten r&uuml;hmt, &bdquo;nirgendwo in der Welt ist die Dichte und Qualit&auml;t der F&auml;chergruppe so hoch wie in Deutschland&ldquo;, dann wird eines deutlich: die Geistes- wie auch die Sozialwissenschaften sind nicht an ihrer mangelnden Qualit&auml;t gescheitert, sondern an den strukturellen Vorgaben des gesamten Wettbewerbs. Der &ouml;ffentliche Anspruch der Initiative, bei ihr gehe es ausschlie&szlig;lich um die Leistung und um nichts anderes, entspricht offensichtlich nicht der Realit&auml;t, denn niemand kann ernsthaft behaupten, die medizinische Forschung hierzulande sei mehr als dreimal so leistungsstark wie die in den gesamten Geistes- und Sozialwissenschaften. <\/p><p><strong>Die Eliteuniversit&auml;ten in den USA<\/strong><\/p><p>Die USA mit ihrem traditionell hierarchisch sehr tief gestaffelten Hochschulsystem und ihren in der &ouml;ffentlichen Meinung fest verankerten Rankings zeigen sehr deutlich, wie sich der mit der Exzellenzinitiative auch in Deutschlands Hochschulsystem Einzug haltende Mechanismus auf Dauer auswirken wird. Seit die Zeitschrift U.S. News &amp; World Report Mitte der 1980er Jahre das erste Ranking ver&ouml;ffentlicht hat, haben Harvard, Princeton und Yale als die drei reichsten Hochschulen des Landes fast durchweg die ersten drei Pl&auml;tze belegt. Einzig Stanford und das California Institut of Technology (CalTech) haben diese Phalanx einmal durchbrechen und sich an der Spitze platzieren k&ouml;nnen. Auch auf den &uuml;brigen Pl&auml;tzen gab es in der Regel nur einen Wechsel zwischen den immer gleichen Universit&auml;ten, darunter stets alle acht Ivy-League-Hochschulen. So pendelt die University of Pennsylvania z.B. kontinuierlich zwischen den Pl&auml;tzen vier und zehn und Cornell zwischen den Pl&auml;tzen neun und vierzehn. Bemerkenswerte Ver&auml;nderungen gab es in den beiden vergangenen Jahrzehnten nur zwei. Zum einen ist die Zahl der &ouml;ffentlichen Einrichtungen unter den Top-Universit&auml;ten kontinuierlich gesunken. Waren anfangs noch sechs unter den ersten 20 vertreten, findet sich jetzt keine einzige mehr dort. Berkeley rangiert als beste staatliche Hochschule seit Jahren auf Platz 21. An die Stelle der staatlichen Einrichtungen sind private Universit&auml;ten wie CalTech (1987 noch auf Platz 21), Emory (1987 noch auf Platz 25) oder die damals unter den Top 25 &uuml;berhaupt noch nicht vertretenen Universit&auml;ten Notre Dame und Vanderbilt ger&uuml;ckt. Zum anderen waren Ende der 1990er Jahre mit Stanford sowie CalTech und dem Massachusetts Institut of Technology (MIT) gleich drei stark technisch ausgerichtete Universit&auml;ten zeitweise unter den besten sechs zu finden. Beide Entwicklungen haben im Kern dieselbe Ursache, die den jeweiligen Hochschulen zur Verf&uuml;gung stehenden finanziellen Ressourcen. Der Niedergang der staatlichen Universit&auml;ten erfolgte parallel zur deutlichen Reduzierung der staatlichen Hochschuletats, und der Aufstieg von Stanford, noch mehr aber der von CalTech und MIT, war mit dem High-Tech- und Internet-Boom der sp&auml;ten 1990er Jahre und den daraus resultierenden Einnahmem&ouml;glichkeiten (vor allem in Form von Spenden erfolgreicher Absolventen in den einschl&auml;gigen Branchen) untrennbar verkn&uuml;pft. Auch in den USA gilt, dass diejenigen im Ranking am besten abschneiden, die &uuml;ber das meiste Geld verf&uuml;gen. <\/p><p>Die aufgrund der historischen Entstehungsbedingungen existierenden Unterschiede &ndash; die Ivy-League-Hochschulen z.B. als traditionelle Ausbildungsst&auml;tten f&uuml;r die Upper Class &ndash;werden durch das inzwischen fest etablierte Ranking von U.S. News &amp; World Report weiter verst&auml;rkt und zementiert. Daf&uuml;r sorgt vor allem die Bedeutung, die dem Prestige, d.h. in erster Linie der Rankingposition, bei der Auswahl der bevorzugten Hochschule mittlerweile zukommt. [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] Das Prestige ist der wichtigste Faktor geworden, noch vor der akademischen Qualit&auml;t. Es spielt eine umso gr&ouml;&szlig;ere Rolle, je renommierter die Universit&auml;t ist. So wird das Prestige in Harvard von &uuml;ber 80 Prozent der Bewerber als sehr oder extrem wichtig bezeichnet, die akademische Qualit&auml;t dagegen nur von zwei Dritteln (Greene\/Greene 1999: 20f., 264 ff.). Der entscheidende Grund hierf&uuml;r ist in der Tatsache zu suchen, dass der Abschluss an einer der im Ranking f&uuml;hrenden Hochschulen sp&auml;ter die besten Berufsaussichten er&ouml;ffnet, und das auch unabh&auml;ngig von der tats&auml;chlichen Qualit&auml;t der Ausbildung. <\/p><p>Die n&auml;mlich ist im Undergraduate-Bereich vielfach weit schlechter, als man angesichts der renommierten Namen vermuten w&uuml;rde (Kirp 2003: 66 ff.; Newman et.al. 2004: 51 ff., 137 ff.). Gro&szlig;e Teile der Lehre werden von Graduate Students und schlecht bezahlten Lehrbeauftragten &uuml;bernommen, an manchen bekannten Universit&auml;ten bis zu 70 Prozent von Letzteren (Kirp 2003: 68; Newman et.al. 2004: 58f.). Die Professoren, vor allem die bekannteren unter ihnen, sehen Undergraduates dagegen in der Lehre kaum. Je renommierter und damit gefragter ein Professor ist, desto h&ouml;her ist die Wahrscheinlichkeit, dass er von einem Teil seiner (sowieso schon nicht sehr umfangreichen) Lehrverpflichtungen freigestellt wird. Das angesehene American Council of Trustees and Alumni hat folgerichtig in einer Untersuchung der Lehrqualit&auml;t von 50 renommierten Hochschulen nur zweien der acht Ivy-League-Institutionen wenigstens eine drei als Note gegeben. Die anderen brachten es nur auf Noten zwischen vier und sechs. Auch Berkeley, Northwestern oder Wisconsin-Madison erhielten s&auml;mtlich eine sechs (Latzer 2004, S. 15, 19, 23). Die &ouml;ffentliche Diskussion interessiere sich nur f&uuml;r den Aufnahmeprozess, d.h. f&uuml;r die Frage, wie man in die Universit&auml;ten gelange, und die beruflichen Karrieren, d.h. die Frage, was man mit den Abschl&uuml;ssen erreichen k&ouml;nne. Das sei ein &bdquo;nationaler Skandal&ldquo;, so formuliert es ein Beobachter drastisch (Fallows 2005: 44f.). Die geringe Beachtung, die der Lehre zuteil wird, ist eine konsequente Folge des Gewichts, das ihr beim Ranking zukommt. Direkt spielt sie &uuml;berhaupt keine Rolle, indirekt nur &uuml;ber die Kriterien Kursgr&ouml;&szlig;e und Verh&auml;ltnis Lehrende\/Studierende. Sie machen zusammen gerade einmal 10 Prozent der Bewertung aus. Das auf den ersten Blick ebenfalls dazu geh&ouml;rende und mit 16 Prozent gewichtigere Kriterium der Abschlussquote sagt seinerseits wenig &uuml;ber die Lehrqualit&auml;t aus. Es reflektiere nur, so Richard Hersh, ehemals Direktor des Harvard Center of Moral Education und Pr&auml;sident angesehener Hochschulen, das Prinzip &bdquo;diamonds in, diamonds out, garbage in, garbage out&ldquo; (Hersh 2005: 230). <\/p><p>Wirklich entscheidend f&uuml;r die Position im Ranking sind zwei Faktoren, die akademische Reputation als Einzelkriterium mit 25 Prozent und die finanziellen Ressourcen mit insgesamt ebenfalls ca. 25 Prozent, die sich auf die Kriterien Bezahlung der Hochschullehrer, Ausgaben pro Studierendem und Spendeneinnahmen verteilen. Beide beg&uuml;nstigen massiv jene Universit&auml;ten, die wie Harvard, Princeton und Yale auf eine lange Tradition in der Ausbildung des Nachwuchses der Upper Class und einen dementsprechend hohen Kapitalstock sowie zahlreiche finanzkr&auml;ftige Spender verf&uuml;gen. Sie haben nicht nur das meiste Geld, sie k&ouml;nnen damit auch im Wettbewerb um die begehrten Wissenschaftler erfolgreicher als die Konkurrenz sein, wie die aktuellen Klagen des vergleichsweise armen und finanziell immer weiter zur&uuml;ckfallenden Berkeley zeigen, und so ihre Reputation [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] kontinuierlich erh&ouml;hen. Finanzkraft und Reputation bilden einen sich stetig verst&auml;rkenden Kreislauf, der mittels der Rankingposition auch den mit 15 Prozent drittwichtigsten Rankingfaktor entscheidend bestimmt und mit einbezieht, die Selektivit&auml;t in der Auswahl der Studierenden. Je finanzkr&auml;ftiger eine Universit&auml;t und je gr&ouml;&szlig;er ihr Renommee, desto h&ouml;her ihre Rankingposition und damit auch die Anzahl von Bewerbern mit exquisiten Testergebnissen in den landesweiten Eignungstests (SAT) sowie der Prozentsatz dieser besonders qualifizierten Bewerber, die letztlich doch eine Absage bekommen. Je h&ouml;her diese Quote, umso besser f&uuml;r das Ranking, was wiederum die Zahl der besonders leistungsstarken, aber auch die der besonders zahlungskr&auml;ftigen Bewerber in die H&ouml;he treibt und damit die finanziellen Ressourcen st&auml;rkt und so weiter und so weiter &ndash; ein perfekter Mechanismus aus Sicht der Gewinner, ein teuflischer aus Sicht der Verlierer. Von gleichen Chancen f&uuml;r alle oder zumindest einen gr&ouml;&szlig;eren Teil der konkurrierenden Hochschulen kann keine Rede sein. Nicht das Leistungsprinzip ist entscheidend, sondern das Matth&auml;usprinzip.<\/p><p><strong>Steigerung der sozialen Selektivit&auml;t<\/strong><\/p><p>Zur Frage, wie sich die Aufspaltung des Universit&auml;tssystems auf die soziale Rekrutierung der deutschen Studierenden auswirken wird, bemerkt Winnacker in seiner Rede zun&auml;chst lapidar, dass diese Entwicklung &bdquo;nicht im Widerspruch zu der berechtigten Forderung stehen [m&uuml;sse], unsere Hochschulen Studierenden aller gesellschaftlichen Schichten zu &ouml;ffnen&ldquo;, und f&auml;hrt fort, dass man gut beraten w&auml;re, &bdquo;allen Absolventen eines Jahrgangs diejenigen Ausbildungsm&ouml;glichkeiten anzubieten, die ihrer jeweiligen intellektuellen Kapazit&auml;t angemessen&ldquo; seien, dass indes das &bdquo;menschliche Potential, um 90 Spitzenuniversit&auml;ten in Deutschland zu bedienen, [aber] schlichtweg nicht vorhanden&ldquo; sei (Winnacker 2006: X). <\/p><p>Auch wenn der letzte Teil dieser Aussage zweifellos richtig ist &ndash; diesen Anspruch erhebt aber niemand und kein Land der Welt k&ouml;nnte ihm gerecht werden &ndash;, stellt sich doch die Frage, welche  Konsequenzen die Exzellenzinitiative f&uuml;r die soziale Zug&auml;nglichkeit der Hochschulen tats&auml;chlich haben wird. Was bedeutet es konkret, dass die beschriebene Entwicklung &bdquo;nicht im Widerspruch&ldquo; zum Anspruch eines offenen Zugangs f&uuml;r alle Schichten stehen m&uuml;sse und allen Absolventen angemessene Ausbildungsm&ouml;glichkeiten anzubieten seien? Auch hier lohnt ein Blick in die USA, das explizite oder zumindest implizite Vorbild f&uuml;r die meisten Umstrukturierungen im deutschen Hochschulwesen, um erahnen zu k&ouml;nnen, wohin die Reise gehen wird bzw. was mit solchen eher kryptischen Formulierungen gemeint ist. <\/p><p>In den USA verteilen sich die Studierenden auf &uuml;ber 4.000 Hochschulen ganz unterschiedlicher Qualit&auml;t, von zweij&auml;hrigen Community Colleges auf dem Niveau deutscher Oberstufen &uuml;ber vierj&auml;hrige &ouml;ffentliche Colleges, die in ihrer Qualit&auml;t von Technikerschulen bis hin zu Berufsakademien reichen, sowie auf staatliche und private Universit&auml;ten auf Fachhochschulniveau bis hin zu den ber&uuml;hmten Leuchtt&uuml;rmen der Wissenschaft. Den deutschen Fachhochschulen vergleichbar sind ungef&auml;hr 250 dieser Einrichtungen, den deutschen Universit&auml;ten ca. 150, die so genannten Doctoral\/Research Universities &ndash; Extensive. Generell gilt dabei die Regel, dass die soziale Zusammensetzung der Studierenden an diesen Hochschulen umso exklusiver ist, je h&ouml;her  sie in der Hierarchie rangieren und je teurer sie sind. Die untere H&auml;lfte der Bev&ouml;lkerung schickt ihre Kinder zu fast 90 Prozent auf jene der &uuml;ber 4.000 Hochschulen, die sich bestenfalls auf dem Niveau von Berufsakademien bewegen. Nahezu jedes zweite dieser Kinder geht sogar nur auf eines der Zwei-Jahres-Colleges. Auf die teuren Privatuniversit&auml;ten schaffen es gerade einmal drei Prozent von ihnen. Vom Nachwuchs aus reichen Familien geht dagegen jeder f&uuml;nfte dorthin (Hartmann 2005b: 441f.). Die soziale Zusammensetzung der Studierenden sieht entsprechend aus. An den genannten ca. 150 Research Universities stammen weniger als 10 Prozent aus der unteren H&auml;lfte der Bev&ouml;lkerung, 74 Prozent kommen aus dem oberen Viertel (Carnevale\/Rose 2004: 106; CollegeBoard 2004: 33). Die Rekrutierung ist damit sozial erheblich selektiver als an den deutschen Universit&auml;ten, wo allerdings auch bereits zwei Drittel der Studierenden aus dem oberen Drittel der Bev&ouml;lkerung stammen. Die privaten Eliteuniversit&auml;ten sind noch sehr viel exklusiver. Vier von f&uuml;nf Studierenden kommen dort aus dem oberen F&uuml;nftel der Gesellschaft. Jeder f&uuml;nfte stammt sogar aus den obersten zwei Prozent mit Familienjahreseinkommen von mehr als 200.000 Dollar. Die oberen zwei Prozent der Bev&ouml;lkerung stellen damit genau so viele Studierende wie die unteren vier F&uuml;nftel (Hartmann 2005b: 454; Hill et.al. 2004: 6). <\/p><p>An den US-Eliteuniversit&auml;ten sorgen neben den sehr hohen Studienkosten (Hartmann 2005b) vor allem die Auswahlprozeduren f&uuml;r die massive soziale Selektivit&auml;t. Die Entscheidung &uuml;ber Aufnahme oder Ablehnung erfolgt nach zwei zentralen Kriterien: der in erster Linie durch die SAT-Scores gemessenen intellektuellen Leistungsf&auml;higkeit und der Pers&ouml;nlichkeit der Bewerber. Das zweite Kriterium wurde in den 1920er Jahren zun&auml;chst in Harvard, Princeton und Yale eingef&uuml;hrt (wie eine Untersuchung der Aufnahmeprozesse an diesen Hochschulen w&auml;hrend des 20. Jahrhunderts zeigt, Karabel 2005). Angesichts des gro&szlig;en Erfolgs j&uuml;discher Bewerber, die ihren Anteil an den Studierenden auf ein F&uuml;nftel hatten steigern k&ouml;nnen, drohte die Abwanderung traditioneller Upper-Class-Kinder, wie sie an der Columbia University schon zu beobachten war. Man ging man deshalb von dem zuvor fast ausschlie&szlig;lich auf intellektuelle Leistung orientierten Auswahlmodus ab. Der Charakter wurde zum neuen zentralen Kriterium. Auf diese Art konnte man sicherstellen, dass der Anteil der j&uuml;dischen Studierenden die Marke von 10 Prozent nicht nennenswert &uuml;berstieg und die Studienpl&auml;tze auch weiterhin vorwiegend an den Nachwuchs aus den wohlhabenden Familien des Landes vergeben wurden. Das erschien angesichts der zum Teil heftigen Proteste vieler Alumni erforderlich, wollte man nicht riskieren, dass der Spendenfluss sp&uuml;rbar abnahm. <\/p><p>Bis heute hat sich an diesem Prinzip trotz der seit den 1970er Jahren wieder st&auml;rkeren Betonung intellektueller Leistungen im Grundsatz nichts ge&auml;ndert. Karabel schildert das sehr eindr&uuml;cklich. Offiziell betont werden (wie von dem die gesamten 1990er Jahre amtierenden Pr&auml;sidenten von Harvard, Neil Rudenstine) erw&uuml;nschte Eigenschaften wie Charakter, Energie, Neugier und Entschlossenheit. Was die f&uuml;r die Kandidatenauslese zust&auml;ndigen Alumni und Admissions-Committee-Mitglieder indes tats&auml;chlich pr&auml;mieren, ist vor allem eines: &Uuml;bereinstimmung mit ihren eigenen Einstellungen, Verhaltens- und Denkweisen, d.h. letztlich soziale &Auml;hnlichkeit. [<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] Karabel zitiert aus den Protokollen der Admissions Committees dieser Zeit Passagen, die &uuml;berdeutlich zeigen, wie oberfl&auml;chlich und von pers&ouml;nlichen Vorurteilen oder Vorlieben gepr&auml;gt die Beurteilungen zum Teil zustande kommen. So sind dort Kommentare zu finden wie &bdquo;klein mit gro&szlig;en Ohren&ldquo; oder &bdquo;ein junger Mann mit Igel-Haarschnitt&ldquo;, Kommentare, die kaum etwas Substanzielles &uuml;ber die offiziell betonten Charaktereigenschaften verraten. Besonders klar offenbart sich das Ausleseprinzip in folgender Bewertung: &bdquo;Diese junge Frau k&ouml;nnte eine der intelligentesten Bewerberinnen im Kandidatenpool sein, doch gibt es mehrere Hinweise auf Sch&uuml;chternheit und der Alumni IV [Interviewer] ist negativ&ldquo; (Karabel 2005: 509f.). Wen man sich vorstellt, wie sich jemand in einem solchen Auswahlgespr&auml;ch pr&auml;sentiert, der aus einer Farmer- oder Arbeiterfamilie stammt und zudem vielleicht auch noch aus einer kleineren Stadt im Mittleren Westen der USA, dann l&auml;sst sich unschwer erahnen, woher die kritisierte Sch&uuml;chternheit r&uuml;hrt. Das Kind eines Wall-Street-Bankiers oder eines Professorenehepaars d&uuml;rfte da ganz anders auftreten, weil es in der Regel nicht nur die Codes dieser Kreise seit Kindesbeinen verinnerlicht hat, sondern weil auch sein Wissen um die konkreten Prozeduren des Verfahrens gr&ouml;&szlig;er und seine Angst entsprechend geringer ist. [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] Von gleichen Chancen f&uuml;r alle Bewerber kann also selbst dann nicht gesprochen werden, wenn man die je nach sozialer Herkunft sehr unterschiedlichen Voraussetzungen f&uuml;r den Erwerb intellektueller F&auml;higkeiten au&szlig;er Betracht l&auml;sst. Klassenzugeh&ouml;rigkeit wirkt im Bewerbungsprozess nicht nur indirekt, sondern auch ganz unmittelbar.<\/p><p>Winnackers Aussage, die mit der Exzellenzinitiative verkn&uuml;pfte Entwicklung m&uuml;sse nicht im Widerspruch zum Anspruch auf soziale &Ouml;ffnung der Hochschulen stehen und jedem m&uuml;sse die seinen intellektuellen F&auml;higkeiten angemessene Ausbildungsm&ouml;glichkeit angeboten werden, wirkt angesichts der US-amerikanischen Erfahrungen wenig &uuml;berzeugend und beruhigend. Auch in Deutschland wird die Hierarchisierung der Hochschullandschaft auf Dauer dazu f&uuml;hren, dass sich die Studierenden an den zuk&uuml;nftigen Elite- und Forschungsuniversit&auml;ten erheblich st&auml;rker als heute aus b&uuml;rgerlichen und akademischen Familien rekrutieren und die Kinder aus der &uuml;brigen Bev&ouml;lkerung an den Massenuniversit&auml;ten und (wie schon heute) den Fachhochschulen zu finden sein werden. Das bedeutet f&uuml;r sie dann &bdquo;angemessene Ausbildungsm&ouml;glichkeit&ldquo;. Die soziale Selektivit&auml;t wird insgesamt zweifelsohne zunehmen. Daf&uuml;r werden nach dem Muster der USA vor allem individuelle Aufnahmeprozeduren [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>], eventuell in Kombination mit der Einf&uuml;hrung kostenpflichtiger Aufnahmetests [<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>], und steigende Studiengeb&uuml;hren sorgen. Eliteuniversit&auml;ten haben eben vor allem eine gesellschaftliche Funktion. Sie sorgen f&uuml;r die Stabilisierung der gegebenen gesellschaftlichen Machtverh&auml;ltnisse und damit auch der Strukturen sozialer Ungleichheit.<\/p><p><strong>Eliteuniversit&auml;ten &ndash; ein Weg zu h&ouml;herer wissenschaftlicher Leistung oder ein Irrweg?<\/strong><\/p><p>Aber selbst wenn man sich ausschlie&szlig;lich auf das Argument konzentriert, das die Bef&uuml;rworter der Exzellenzinitiative als wesentlich f&uuml;r die Etablierung von Eliteuniversit&auml;ten anf&uuml;hren &ndash; die versprochene Steigerung der wissenschaftlichen Leistungsf&auml;higkeit des Hochschulsystems &ndash; offenbart der Blick &bdquo;&uuml;ber den gro&szlig;en Teich&ldquo; gravierende Schw&auml;chen des Konzepts. Das Vorbild der US-Spitzenuniversit&auml;ten ist n&auml;mlich auch in dieser Hinsicht nicht so gl&auml;nzend, wie es dargestellt wird, und, was noch wichtiger ist, auch nicht so einfach kopierbar. Was den ersten Punkt angeht, so sieht es in den USA gerade in den (in der hiesigen Diskussion immer besonders betonten) Natur- und Ingenieurwissenschaften bei weitem nicht so rosig aus, wie gemeinhin angenommen wird. Die Hochschulabschl&uuml;sse in diesen Disziplinen haben in den USA zwischen 1975 und 2000 nur noch um ein Drittel zugenommen. In den meisten gr&ouml;&szlig;eren Industriel&auml;ndern waren es dagegen zwischen 100 und 500 Prozent. Die USA sind in diesem Punkt folgerichtig vom 3. auf den 15., d.h. den drittletzten Platz zur&uuml;ckgefallen. Die Folgen lassen sich anhand der wichtigen wissenschaftlichen Ver&ouml;ffentlichungen aus diesem Bereich schon jetzt erkennen. Deren Anzahl ist in den USA seit Anfang der 1990er Jahre nicht mehr gestiegen, hat in Westeuropa dagegen um gut 60 Prozent zugenommen. Westeuropa hat die USA inzwischen deutlich &uuml;berfl&uuml;gelt (Bowen et.al. 2005: 48f., 58f.). Ber&uuml;cksichtigt man, dass vor allem an den US-Eliteuniversit&auml;ten &uuml;ber die H&auml;lfte der Natur- und Ingenieurwissenschaftler aus dem Ausland kommt, [<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>] f&auml;llt die Bilanz noch schlechter aus; denn ihre Ver&ouml;ffentlichungen z&auml;hlen, so lange sie in den USA t&auml;tig sind, f&uuml;r die USA mit. Das ist die Kehrseite des Elitesystems. Zum einen lenkt es die Studierenden in die F&auml;cher, die die h&ouml;chsten Einkommen und damit die besten M&ouml;glichkeiten zur Amortisierung der extrem hohen Studienkosten versprechen, und das sind Economics, Law and Medicine. Zum anderen untergr&auml;bt die enorme Konzentration der Mittel an wenigen Hochschulen das Niveau an den meisten anderen.<\/p><p>Dieses Problem wird in den USA durch den weltweiten Einkauf von Spitzenwissenschaftlern aus allen Bereichen, speziell aus den Natur- und Ingenieurwissenschaften, zumindest entsch&auml;rft; ein Weg, der in Deutschland nicht gangbar sein wird. Das US-Modell ist aufgrund unzureichender finanzieller Ressourcen nicht kopierbar. Um in der Konkurrenz um begehrte Wissenschaftler mit Harvard &amp; Co, mithalten zu k&ouml;nnen, wird trotz Exzellenzinitiative auch in Zukunft das n&ouml;tige Geld fehlen. Das r&auml;umen selbst engagierte Bef&uuml;rworter der laufenden Umstrukturierungen im deutschen Hochschulsystem ein. So verglich beispielsweise der Leiter des CHE, Detlev M&uuml;ller-B&ouml;ling, im August letzten Jahres in der Zeitschrift &bdquo;Karriere&ldquo; die Unterschiede in der Finanzkraft zwischen Stanford und der FU Berlin sehr anschaulich mit der zwischen Bayern M&uuml;nchen und Alemannia Aachen, damals noch in der 2. Bundesliga. Hans Weiler, fr&uuml;herer Stanford-Professor und einflussreicher Berater der Bundesregierung und vieler L&auml;nderregierungen in Hochschulfragen, &auml;u&szlig;erte sich im Tagesspiegel vom 21. M&auml;rz 2006 &auml;hnlich. Er wies auf die schlichte Tatsache hin, dass Stanford f&uuml;r seine ca. 16.000 Studierenden ein j&auml;hrlicher Etat zur Verf&uuml;gung stehe, der dem gesamten Hochschuletat des reichsten Bundeslandes, Baden-W&uuml;rttemberg, entspreche. Von Konkurrenz auf Augenh&ouml;he kann man angesichts solcher Relationen ganz gewiss nicht sprechen. <\/p><p>Das aber hei&szlig;t, dass man hierzulande die trotz der zahllosen Sparma&szlig;nahmen immer noch vorhandene hohe Qualit&auml;t in der Breite zu opfern bereit ist, ohne einen auch nur halbwegs ad&auml;quaten Ersatz bieten zu k&ouml;nnen. Die Minderheit der Universit&auml;ten, die zu den Gewinnern der jetzigen Entwicklung z&auml;hlt, d&uuml;rfte den Verlust an Forschungskapazit&auml;t, der dem Rest droht, nicht kompensieren k&ouml;nnen. Eine kleine Universit&auml;t im Osten der Republik wird dann keine Chance mehr haben, einen Spitzenwissenschaftler in ihren Mauern zu beherbergen, wie es die TU Ilmenau mit dem MP3-Erfinder Karlheinz Brandenburg heute noch kann. F&uuml;r die Ausbildungsqualit&auml;t gilt das in noch viel st&auml;rkerem Ma&szlig;e. Wenn man in den zust&auml;ndigen Ministerien glaubt oder hofft, mit den bisherigen Mitteln [<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>] die bevorstehende Zunahme der Studierenden um ca. 30 Prozent ohne Qualit&auml;tseinbu&szlig;en bew&auml;ltigen und die &uuml;bergro&szlig;e Mehrheit Kosten sparend in Bachelor-Kurzzeitstudieng&auml;ngen durch die Universit&auml;ten schleusen zu k&ouml;nnen, erliegt man einem schwerwiegenden Irrtum. Die geplante Reduzierung der Studierendenzahlen an vielen der zuk&uuml;nftigen Elite- oder Forschungsuniversit&auml;ten wird das Problem sogar noch weiter versch&auml;rfen, so dass bei den Absolventen insgesamt mit einer sp&uuml;rbaren Abnahme des Niveaus zu rechnen ist. <\/p><p>Au&szlig;erdem wird die Hierarchisierung der Universit&auml;ten nach US-Muster auch eine Hierarchisierung der Arbeitsmarktchancen zur Folge haben. Bislang ist es in Deutschland aufgrund der relativ ausgeglichenen Qualit&auml;t der universit&auml;ren Ausbildung egal, wo man studiert hat, wenn es um die Bewerbung f&uuml;r eine Stelle geht. Das haben eigene Untersuchungen zu den Karriereverl&auml;ufen verschiedener Akademikergruppen, vor allem aber eine Analyse der Berufsverl&auml;ufe von promovierten Ingenieuren, Juristen und Wirtschaftswissenschaftlern zwischen 1955 und 1999 eindeutig gezeigt (Hartmann 2002: 106f., 2005a: 265). Alle Universit&auml;ten gelten bei den Personalverantwortlichen (noch) als gleichwertig. Das gilt selbst f&uuml;r die Karriereverl&auml;ufe von Topmanagern. So hat z.B. der neue Vorstandsvorsitzende von DaimlerChrysler, Dieter Zetsche, 1982 an der Gesamthochschule Paderborn (inzwischen Universit&auml;t Paderborn) promoviert. Ob jemand seinen Abschluss an einer der zuk&uuml;nftigen Elite- oder Forschungsuniversit&auml;ten wie M&uuml;nchen, Heidelberg oder Aachen gemacht hat oder an einer Neugr&uuml;ndung der 1970er Jahre wie Dortmund, Oldenburg oder Passau, spielt noch keine Rolle. Das wird in Zukunft anders sein. Wie in den USA, Frankreich, Gro&szlig;britannien oder Japan wird ma&szlig;geblich der Name der Hochschule T&uuml;ren &ouml;ffnen oder verschlie&szlig;en. Die Entscheidung &uuml;ber die zuk&uuml;nftigen Berufswege wird dann auch im Hochschulsystem (wie bisher schon in der Schule) sehr fr&uuml;hzeitig gef&auml;llt, intellektuelles Potenzial damit verschenkt. Dazu kommt der in sozialer Hinsicht gravierendste Punkt: die zu erwartende deutliche Zunahme an sozialer Selektivit&auml;t. Alles in allem ist deshalb zutiefst zu bezweifeln, ob der jetzt beschrittene Weg der richtige ist. <\/p><p>Der Glaube oder die Hoffnung, durch Konzentration der vorhandenen Mittel auf wenige Universit&auml;ten dem Problem der Unterfinanzierung des gesamten Hochschulsystems beikommen zu k&ouml;nnen, dazu die mittlerweile auch im Hochschulbereich dominierenden &ouml;konomistischen Denkmuster &ndash; Winnacker spricht in seiner Rede von Forschungsergebnissen als Produkten, &bdquo;die sich an einem Markt bew&auml;hren m&uuml;ssen (Winnacker 2006: V) &ndash; f&uuml;hren in jeder Hinsicht in die Irre. Wissenschaftliche Konkurrenz ist nicht vergleichbar mit der Konkurrenz zwischen Unternehmen und wissenschaftliche Erkenntnisse sind keine Waren, die sich wie Autos oder Fernseher auf einem Markt verkaufen lassen m&uuml;ssen. Als generelles Fazit bleibt: Die Exzellenzinitiative kann die realen Probleme an den Hochschulen durch die ihr zuteil werdende mediale Aufmerksamkeit allenfalls kaschieren, einen Beitrag zu ihrer L&ouml;sung bietet sie nicht. Sie wird diese Probleme vielmehr ganz im Gegenteil sogar noch versch&auml;rfen.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Literatur:<\/strong> <\/p><p>BMBF (Bundesministerium f&uuml;r Bildung und Forschung) (2005): Grund- und Strukturdaten 2005. Berlin<br>\nBourdieu, Pierre (2004): Der Staatsadel. Konstanz<br>\nBowen, William G. \/ Kurzweil, Martin A. \/ Tobin, Eugene M. (2005): Equity and Excellence in American Higher Education. Charlottesville<br>\nCarnevale, Anthony P. \/ Rose, Stephen J. (2004): Socioeconomic Status, Race\/Ethnicity, and Selective College Admissions, in: Kahlenberg, Richard D. (Ed.), America&rsquo;s Untapped Ressource: Low-Income Students in Higher Education. New York, 101-156<br>\nCollegeBoard (2004): Education Pays 2004. Washington, D.C.<br>\nFallows, James (2005): College Admissions: A Substitute for Quality? in: Hersh, Richard H. \/ Merrow, John (Eds.), Declining by Degrees: Higher Education at Risk. New York, 39-46<br>\nGreene, Howard\/ Greene, Matthew (1999): Inside the Top Colleges. Realities of Life and Learning in America&rsquo;s Elite Colleges. New York<br>\nHartmann, Michael (2002): Der Mythos von den Leistungseliten. Spitzenkarrieren und soziale Herkunft in Wirtschaft, Politik, Justiz und Wissenschaft. Frankfurt a. M.<br>\nHartmann, Michael (2004): Elitesoziologie. Eine Einf&uuml;hrung. Frankfurt a. M.<br>\nHartmann, Michael (2005a): Eliten und das Feld der Macht, in: Colliot-Th&eacute;l&egrave;ne, Catherine \/ Fran&ccedil;ois, Etienne \/ Gebauer, Gunter (Hrsg.), Pierre Bourdieu: Deutsch-franz&ouml;sische Perspektiven. Frankfurt a. M., 255-275<br>\nHartmann, Michael (2005b): Studiengeb&uuml;hren und Hochschulzugang: Vorbild USA? In Leviathan, 33, 439-463<br>\nHersh, Richard H. (2005): Afterword. What Difference does a College Make? In: Hersh, Richard H. \/ Merrow, John (Eds.), Declining by Degrees: Higher Education at Risk. New York, 229-232<br>\nHill, Catherine \/ Winston, Gordon \/ Boyd, Stephanie (2004): Affordability: Family Incomes and Net Prices at Highly Selective Private Colleges and Universities. Discussion Paper: Williams Project on the Economics of Higher Education. Williamstown<br>\nJanson, Kerstin \/ Schomburg, Harald \/ Teichler, Ulrich (2006): Wissenschaftliche Wege zur Professur oder ins Abseits? Studie des INCHER f&uuml;r das German Academic International Network. Kassel<br>\nKarabel, Jerome (2005): The Chosen. Boston<br>\nKirp, David L. (2003): Shakespeare, Einstein, and the Bottom Line. The Marketing of Higher Education. Cambridge\/Mass.<br>\nLatzer, Barry: The Hollow Core. Failure of the General Education Curriculum. Washington D.C: American Council of Trustees and Alumni 2004<br>\nM&uuml;ller, Ulrich \/ Ziegele, Frank \/ Langer, Markus (2006): Studienbeitr&auml;ge: Regelungen der L&auml;nder im Vergleich. Arbeitspapier Nr. 78 des CHE (Centrum f&uuml;r Hochschulentwicklung). G&uuml;tersloh<br>\nNewman, Frank \/ Couturier, Lara \/ Scurry, Jamie (2004): The Future of Higher Education. Rhetoric, Reality, and the Risks of the Market. San Francisco<br>\nTeichler, Ulrich (2005): Hochschulstrukturen im Umbruch. Eine Bilanz der Reformdynamik seit vier Jahrzehnten. Frankfurt a. M.<br>\nWinnacker, Ernst-Ludwig (2006): Im Wettbewerb um neues Wissen: Exzellenz z&auml;hlt, in: forschung. Das Magazin der Deutschen Forschungsgemeinschaft 2\/2006, V-XI<br>\nWolfe, Tom (2005): Foreword, in: Hersh, Richard H. \/ Merrow, John (Eds.), Declining by Degrees: Higher Education at Risk. New York, ix-xi<\/p><p>Der Aufsatz ist in der Zeitschrift f&uuml;r Sozialwissenschaft &bdquo;Leviathan&ldquo; 4 \/ 2006 S. 447ff. abgedruckt <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Eine gemeinsame Erkl&auml;rung der Pr&auml;sidenten der Humboldt Universit&auml;t in Berlin, der Universit&auml;t Wien und der Universit&auml;t Z&uuml;rich im Juli 2006 weist in dieselbe Richtung, wenn sie davon spricht, dass europaweit von den heute existierenden ca. 1.000 Volluniversit&auml;ten in den n&auml;chsten Jahren nur noch rund 300 &uuml;brig bleiben werden, und in diesem Zusammenhang explizit die Exzellenzinitiative erw&auml;hnt.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] In diesem Zusammenhang ist erw&auml;hnenswert, dass der gro&szlig;e Erfolg Baden-W&uuml;rttembergs mit vier von zehn Universit&auml;ten in der Endrunde der dritten F&ouml;rderlinie auch darin begr&uuml;ndet liegt, dass das Land zu den Exporteuren von Studierenden geh&ouml;rt. An seinen Universit&auml;ten werden 7,2 Prozent weniger Personen ausgebildet als es der Anzahl der im Land erworbenen Hochschulzugangsberechtigungen entspr&auml;che. In Nordrhein-Westfalen ist es genau umgekehrt (BMBF 2005: 198). Die Universit&auml;ten in Baden-W&uuml;rttemberg haben schon in der Vergangenheit die Maxime verfolgt, lieber weniger Studierende auszubilden und so bessere Bedingungen zu Lasten und auf Kosten anderer Bundesl&auml;nder zu bieten.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] In der j&uuml;ngsten Untersuchung des CHE zu den Studiengeb&uuml;hren in Deutschland lautet eines der zentralen Bewertungskriterien denn auch, dass den Hochschulen m&ouml;glichst viel Spielraum zur Gestaltung der Studiengeb&uuml;hren einger&auml;umt werden m&uuml;sse, um &bdquo;so unter den Hochschulen Wettbewerb und Profilierung f&ouml;rdern&ldquo; zu k&ouml;nnen. Als &bdquo;Best Law&ldquo; gilt dem CHE dementsprechend, wenn die Landessregierungen die Entscheidung &uuml;ber die Erhebung und H&ouml;he von Studiengeb&uuml;hren den einzelnen Hochschulen ohne jede Vorbedingung &uuml;berlassen (M&uuml;ller et.al. 2006: 6, 14).<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Der ber&uuml;hmte Schriftsteller Tom Wolfe hat die Bedeutung von Ranking und Prestige treffend mit folgenden Worten charakterisiert: &bdquo; The matter of how this third-rate news magazine, forever swallowing the dust from the feet of Time and Newsweek, managed to jack itself up to the eminence of ringmaster of American college education, forcing both parents and college administrators to jump through their hoops and rings of fire, is a long and perfectly ludicrous story that would inevitably reduce one to helpless laughter and distract us from the matter at hand. In any event, the result was that parents caught up in the madness of it all &ndash; and, as I say, it had become, and remains, a pandemic &ndash; were utterly consumed by a single passion: getting in &hellip; preferably Harvard, or, if not Harvard, Yale; or, if not Yale, Princeton; or, if not Harvard, Yale, or Princeton, then &hellip;&ldquo; (Wolfe 2005: xf.).<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Die Bewertung erfolgt durch eine Umfrage unter Pr&auml;sidenten, Kanzlern und den Leitern der f&uuml;r die Auswahl der Bewerber zust&auml;ndigen Admissions Committees an US-Hochschulen.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Vgl. zur Wirksamkeit solcher Mechanismen in Elitebildungseinrichtungen Bourdieu 2004 und beim Zugang zu Elitepositionen Hartmann 2002 und 2004.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Vgl. dazu Hartmann 2002: 117 ff.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Der soziale Selektionsgehalt von Auswahlgespr&auml;chen tritt zuweilen offen zutage. So wurde am Institut f&uuml;r Politikwissenschaften der TU Darmstadt im Auswahlverfahren gefragt: &bdquo;Welche ausl&auml;ndischen Tageszeitungen lesen Sie?&ldquo;. In welchen Haushalten werden schon Zeitungen wie die New York Times oder die International Herald Tribune gelesen. Zumeist bleibt dieser Aspekt allerdings verborgen und wird erst bei genauerem Hinsehen erkennbar, wie z.B. im neuen Auswahlprozess desselben Instituts. Weil die allermeisten der erhofften und auch ausgew&auml;hlten &bdquo;Elitestudierenden&ldquo; andere Universit&auml;ten vorgezogen haben, erfolgt die Auswahl jetzt in einem weniger zeitaufwendigen Verfahren durch eine Kombination von Abiturnoten und der Bewertung eines Bewerbungsschreibens, in dem die Wahl des Fachs und des Studienorts begr&uuml;ndet werden soll. Vor allem die Begr&uuml;ndung des Studienorts beg&uuml;nstigt aber auch weiterhin eindeutig die Bewerber aus Akademikerfamilien. Da sich kaum jemand ausschlie&szlig;lich f&uuml;r die TU Darmstadt bewerben d&uuml;rfte, kommt es im Grunde darauf an, schriftlich ein Interesse vorzuspiegeln, dass in dieser Weise gar nicht existiert. Es werden letztlich Formulierungsk&uuml;nste und die Kenntnis universit&auml;rer Spielregeln abgefragt, ein Punkt, der den Nachwuchs aus den sog. &bdquo;bildungsfernen&ldquo; Familien erheblich benachteiligt. <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] Der Vizepr&auml;sident der FU Berlin, Werner V&auml;th, denkt angesichts der deutlichen Zunahme von Bewerbungen (h&auml;ufig Mehrfachbewerbungen) inzwischen laut &uuml;ber diese M&ouml;glichkeit nach. In den USA ist das inzwischen an vielen Universit&auml;ten gang und g&auml;be. Bei Summen von durchschnittlich 100 Dollar ergibt sich bei mehreren Bewerbungen durchaus eine Gesamtsumme, die f&uuml;r Kinder aus &auml;rmeren Familien die Zahl m&ouml;glicher Bewerbungen sp&uuml;rbar einschr&auml;nkt.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Im letzten Jahrzehnt entfiel &uuml;ber ein Drittel der in den USA erfolgten Promotionen auf Ausl&auml;nder. In den Natur- und Ingenieurwissenschaften waren es bis zu 50 Prozent, in einzelnen F&auml;chern wie etwa der Elektrotechnik sogar zwei Drittel (Janson et.al 2006: 40).<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] 2004 sind die staatlichen Mittel f&uuml;r die Hochschulen erstmals seit 1996 sogar auch nominal gesunken, von 17,8 Mrd. auf 17,1 Mrd. Euro, ein R&uuml;ckgang um immerhin vier Prozent.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als im Januar 2004 die rot-gr&uuml;ne Bundesregierung unter Gerhard Schr&ouml;der erstmals &uuml;ber ein Programm zur Schaffung von Eliteuniversit&auml;ten in Deutschland sprach, l&ouml;ste sie einen enormen Medienwirbel aus. Die Tatsache, dass ausgerechnet die Sozialdemokratie &ndash; auf dem Bildungssektor traditionell f&uuml;r das Prinzip der Chancengleichheit zust&auml;ndig &ndash; den Begriff der Elite enttabuisierte, sorgte f&uuml;r gr&ouml;&szlig;te Verwunderung. 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