{"id":19751,"date":"2013-12-23T09:45:34","date_gmt":"2013-12-23T08:45:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19751"},"modified":"2015-10-14T11:26:48","modified_gmt":"2015-10-14T09:26:48","slug":"die-edel-mafia-der-pluenderer-und-ausbeuter-und-ihrer-regierungsamtlichen-und-ehedem-regierungsamtlichen-helfer-dirigiert-den-kampagnenteil-unserer-medien-und-regiert-die-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19751","title":{"rendered":"Die Edel-Mafia der Pl\u00fcnderer und Ausbeuter und ihrer regierungsamtlichen und ehedem regierungsamtlichen Helfer dirigiert den Kampagnenteil unserer Medien und regiert die Welt"},"content":{"rendered":"<p>Eine friedliche Weihnachtsstimmung will bei mir partout nicht aufkommen und ich kann sie Ihnen beim besten Willen nicht vermitteln, weil wir gerade wieder einmal Zeuge eines ungeheuerlichen Vorgangs geworden sind: Wer &uuml;ber viel Geld und publizistische Kraft verf&uuml;gt, kann nicht nur die wesentlichen politischen Entscheidungen bestimmen, er kann auch aus kriminellen Pl&uuml;nderern von Volksverm&ouml;gen Freiheitshelden machen. Und aus den vermutlich &uuml;ppig bezahlten Helfern im Weichbild der PR-Agenturen werden Helden im Kampf f&uuml;r die Menschenrechte und die Freiheit. Es geht um Michail Chodorkowski und um Genschers und der Bundesregierung gro&szlig;artige Hilfe f&uuml;r diesen rechtskr&auml;ftig verurteilten Pl&uuml;nderer und &bdquo;Freiheitshelden&ldquo;. Von <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nJens Berger schrieb am 20. Dezember unter dem Titel <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19739\">&bdquo;Guter Oligarch, b&ouml;ser Putin&ldquo;<\/a> einen informativen Artikel &uuml;ber Chodorkowskis Betr&uuml;gereien, &uuml;ber seine Methoden zur Pl&uuml;nderung russischer Staatsbetriebe und seinen Versuch, westlichen Konzernen beim Zugriff auf Russlands Ressourcen den Weg zu ebnen. Jens Berger hat mir zur weiteren Information noch eine Reihe Links und Hinweise gemailt. Sie finden diese in Anlage 1, wenn Sie sich noch umfassender informieren wollen. <\/p><p>Jens Berger fragt in seinem Beitrag, warum die deutschen Medien im Fragenkomplex um Chodorkowski und Putin eine derart &bdquo;marktkonforme&ldquo; Position einnehmen. An dieser Bemerkung setze ich an und f&uuml;hre die &Uuml;berlegungen weiter. Das Wort &bdquo;marktkonform&ldquo; kennzeichnet n&auml;mlich nicht ausreichend das Verhalten der deutschen Medien und der involvierten Personen. <\/p><p><strong>Die Edel-Mafia<\/strong><\/p><p>Der Beantwortung der Frage nach den Ursachen und Motiven des nahezu gleich gerichteten Verhaltens der deutschen Medien kommt man dann n&auml;her, wenn man in Rechnung stellt, dass die Spitzenverdiener und Spitzenverm&ouml;genden inzwischen auf ein Netz von Meinungsmachern, Lobbyisten, Rechtsanw&auml;lten und anderen Helfern zur&uuml;ckgreifen k&ouml;nnen, das sie auch bei schlimmen Verst&ouml;&szlig;en gegen Gesetz und Moral vor Sanktionen sch&uuml;tzen und aus den F&auml;ngen der Justiz und der rechtsstaatlichen Verfolgung retten k&ouml;nnen. Wer viel Geld hat, kann sein Volk ausnehmen. Und wenn er erwischt wird, dann sorgt die Internationale der Ausbeuter f&uuml;r den Freikauf und die begleitende Propagandaarbeit.<\/p><p>Zwischenbemerkung: Die Analyse &uuml;ber das Wirken der Oberschicht-Mafia wird oft dadurch verdeckt, dass wie im konkreten Fall Russlands und Putins die Menschenrechte und die Freiheitsrechte von Menschen oft verletzt werden und schon deshalb die Emp&ouml;rung &uuml;ber diese Vorg&auml;nge Glauben und Unterst&uuml;tzung findet. Damit wird auch der Blick auf das skandal&ouml;se Verhalten vieler deutscher Medien verdeckt.<\/p><p><strong>Meldungen wie beispielsweise die beiden folgenden von Spiegel online von gestern und vorgestern mit den &Uuml;berschriften<\/strong> <em>&bdquo;Sch&ouml;ne, freie, wilde Welt&ldquo;<\/em> und <em>&bdquo;Mission Freiheit&ldquo;<\/em> kann man nur erkl&auml;ren, wenn man annimmt, dass diese Medienorgane bzw. Zumindest die schreibenden Journalisten im Public Relations-Netz organisiert sind. Mit freien, unabh&auml;ngigen Journalisten ist eine solche verbl&ouml;dende Agitation nicht machbar:<\/p><p><strong>Chodorkowski in Berlin: Sch&ouml;ne, freie, wilde Welt<\/strong><br>\nVon Veit Medick<br>\nEben noch im Straflager, jetzt bedr&auml;ngt von Fotografen und Journalisten &ndash; f&uuml;r Michail Chodorkowski bringt die Freiheit gewaltige Ver&auml;nderungen. Geduldig beantwortet er auf einem turbulenten Termin in Berlin Fragen, aber es wird klar: Er braucht Zeit, um sich an sein neues Leben zu gew&ouml;hnen. &hellip;<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/chodorkowski-gibt-in-berlin-erste-pressekonferenz-in-freiheit-a-940552.html\">SPIEGEL Online<\/a><\/p><p><strong>Genscher und der Fall Chodorkowski: Mission Freiheit<\/strong><br>\n&ldquo;Berlin verf&uuml;gt &uuml;ber Kan&auml;le, die Briten und Amerikaner nicht haben&rdquo;: Dass der Kreml-Kritiker Chodorkowski freikam, ist in gro&szlig;em Ma&szlig; deutscher Geheimdiplomatie zu verdanken. Neue Details zeigen, wie es zum Sinneswandel von Russlands Pr&auml;sident Putin kam. &hellip;<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/hans-dietrich-genscher-geheimverhandlungen-ueber-chodorkowski-a-940458.html\">SPIEGEL Online<\/a><\/p><p>Auch die gleichgerichtete Kennzeichnung des Betr&uuml;gers Chodorkowski als &bdquo;Kreml-Kritiker&ldquo; und die Unterschlagung anderer Kennzeichnungen wie &bdquo;Betr&uuml;ger&ldquo; oder &bdquo;Geldw&auml;scher&ldquo; ist nur denkbar, wenn man eine Gleichschaltung durch Public Relations Agenturen annimmt. Eine so umfassende Selbst-Gleichschaltung der meisten deutschen Medien ist nicht vorstellbar.<\/p><p>Der ehemalige Au&szlig;enminister Genscher ist h&ouml;chstwahrscheinlich ebenfalls Teil dieses Public Relations-Netzes. Er selbst ist der Ehrenvorsitzende des Aufsichtsrats der einschl&auml;gigen PR Agentur <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/WMP_Eurocom\">WMP Eurocom<\/a>. F&uuml;r Chodorkowski sind seit Jahren auch andere Agenturen und gute Anw&auml;lte t&auml;tig. Das kann man sich leisten, wenn man Millionen, ja Milliarden, angeh&auml;uft hat.<\/p><p>Die PR Agenturen entwickeln die Strategien der Meinungsmache und beeinflussen den Kampagnenteil der Medien. Das reicht. Andere Teile der Medien k&ouml;nnen durchaus vern&uuml;nftige und zufrieden stellende Arbeit leisten. Damit erh&ouml;hen und festigen sie die Glaubw&uuml;rdigkeit der Medien f&uuml;r die gut bezahlten Kampagnen.<\/p><p><strong>Erg&auml;nzung zur PR-Arbeit von Au&szlig;enminister a.D. Genscher:<\/strong><\/p><p>Er hat auch schon f&uuml;r die Maschmeyer R&uuml;rup AG gearbeitet und in der Bild-Zeitung einen gemeinsamen Auftritt mit Gerhard Schr&ouml;der, Walter Riester, Bert R&uuml;rup und Maschmeyer gehabt:<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/edelmafia.jpg\" alt=\"Genscher, Gerhard Schr&ouml;der, Walter Riester, Bert R&uuml;rup und Maschmeyer\" title=\"Genscher, Gerhard Schr&ouml;der, Walter Riester, Bert R&uuml;rup und Maschmeyer\"><\/p><p><strong>Die Pl&uuml;nderung von Verm&ouml;gen ist attraktiver und ergiebiger als die normale Ausbeutung<\/strong><\/p><p>Wenn z.B. wie <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/betrugsverdacht-gegen-roehn-klinikum-ag-die-angst-der-putzkraft-1.1846219\">gemeldet<\/a> die Rh&ouml;n Kliniken den versprochenen Lohn dadurch unterlaufen, dass sie ihre Putzkr&auml;fte l&auml;nger und ohne Lohn arbeiten lassen, dann ist das schlimm. Eine solche Ausbeutung erreicht aber in der Regel nicht die Dimension des Raubs von Verm&ouml;gen und der Inanspruchnahme des Steuerzahlers zur Begleichung der Wettschulden der Spekulanten.<\/p><p>Raub und Pl&uuml;nderung hatten in der letzten zwei Jahrzehnten verschiedene Formen angenommen, und immer spielten Public Relations und Lobbyarbeit zur Erleichterung und  Rechtfertigung des Raubs eine zentrale Rolle:<\/p><ul>\n<li>So wurde die Privatisierung &ouml;ffentlicher Unternehmen wie Post und Telekom mit einem Riesenaufwand an Propaganda begleitet.<\/li>\n<li>So wurde der steuerfreie Zugriff von Hedgefonds, Private Equity und anderer so genannter Investoren auf einzelne Unternehmen von Boss bis M&auml;rklin begleitet von der Agitation f&uuml;r die Aufl&ouml;sung der Deutschland AG und geschmiert mit der Befreiung der Gewinne beim Verkauf von Unternehmen und Unternehmensteilen zum 1.1.2002.<\/li>\n<li>So wurde die Rettung der Banken erleichtert von der penetrierten Behauptung, jede Bank sei systemrelevant. Die Inanspruchnahme der Steuerzahler zur Begleichung der Wettschulden von Spekulanten ist ein beachtlicher Vorgang und nur zu erkl&auml;ren dadurch, dass die notwendige Propaganda vorweg und parallel dazu massiv gelaufen ist.<\/li>\n<li>\nSo gab es keinen nachhaltigen Protest und schon gar keine Intervention der Politik gegen Boni und Verg&uuml;tungen in unvorstellbaren H&ouml;hen. So hat die US-Investmentbank Goldman Sachs in 2010 f&uuml;r das Krisenjahr 2009 16,2 Milliarden Dollar f&uuml;r Verg&uuml;tungen\/Boni an die Mitarbeiter ausgesch&uuml;ttet. Jeder der 32.500 Mitarbeiter erhielt damit durchschnittlich 498.000 Dollar. Beim Goldman Sachs-Chef sollen es 100 Millionen gewesen sein. Mit solchen Summen lassen sich ohne Schwierigkeiten und ohne pers&ouml;nliche Einschr&auml;nkung PR-Kampagnen finanzieren. Die damals begleitende Kampagne verbreitete die Botschaft, dass das Wirken der Investmentbanker etwas Besonderes und volkswirtschaftlich so produktiv sei, dass sich Politiker tunlichst darum bem&uuml;hen sollten, ihr Land zu einem so genannten &bdquo;Finanzplatz&ldquo; auszubauen. Diese Agitation hat in Deutschland schon bei Bildung der Gro&szlig;en Koalition im Jahr 2005 die Feder gef&uuml;hrt. Im Koalitionsvertrag wird dem Aufbau des Finanzplatzes Deutschland besondere Aufmerksamkeit gewidmet.<\/li>\n<li>Und auch der Verkauf der ostdeutschen Banken an die westdeutschen Banken f&uuml;r einen Appel und ein Ei wurde von Public Relations gest&uuml;tzt. Im konkreten Fall durch systematisch betriebenes Verschweigen des Vorgangs. Dieses Rechercheergebnis des Berliner Tagesspiegel <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/meinung\/kommentare\/schulden-ohne-suehne\/v_print\/620948.html?p=\">&bdquo;Schulden ohne S&uuml;hne &ndash; 15 Jahre W&auml;hrungsunion: Wie sich westdeutsche Banken auf unsere Kosten an fiktiven DDR-Krediten bereicherten&ldquo;<\/a> haben die meisten Medien bis heute nicht wahrgenommen und schon gar nicht weiterverfolgt.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Die durch Pl&uuml;nderung gewonnenen Betr&auml;ge erlauben eine gro&szlig;z&uuml;gige Finanzierung des Treibens der Edel-Mafia<\/strong><\/p><p>Jens Berger schrieb in seinem zitierten Beitrag, Chodorkowskis Bank Menatep habe sich im Rahmen der Privatisierung die Filetst&uuml;cke der russischen &Ouml;lindustrie unter den Nagel gerissen. Mit einem Einsatz von 42 Millionen US-$ habe der Russe sein Unternehmen Jukos zusammen geschmiedet, dessen gesch&auml;tzter Wert dann 42 Milliarden US$ betrug. Mit den erzielten Gewinnen kann man leicht weltweite Kampagnen finanzieren.<\/p><p>Hinzu kommt die m&ouml;gliche personelle Verflechtung. Im Artikel des zweiten Links der Anlage 1 erfahren wir, dass beispielsweise der fr&uuml;here FDP-Politiker Herr Otto Graf Lambsdorff der Bank Menatep verbunden war. <\/p><p>Mit der Einschaltung von Politikern mit Namen wie Graf Lambsdorff oder Hans Dietrich Genscher ist es dann ein Leichtes, auch amtierende Politikerinnen und Politiker vor den Karren der Mitglieder der Edel-Mafia zu spannen. So wurde im konkreten Fall die Bundeskanzlerin, der amtierende deutsche Au&szlig;enminister Westerwelle und die deutsche Botschaft in Moskau zu Helfershelfern des &bdquo;Freiheitshelden&ldquo; Chodorkowski gemacht. Auf diese Weise sind auch wir Steuerzahler an der Befreiung dieses Putin-Opfers beteiligt.<\/p><p>Die Edel-Mafia k&uuml;mmert sich weltweit um die Menschenrechte, so auch im Falle der Ukrainischen Politikerin Timoschenko. Um die Verletzung der Menschenrechte jedes zweiten griechischen jungen Erwachsenen, die ohne Arbeit und berufliche Perspektive sind, wie auch um die rechtzeitige Wahrung der Menschenrechte jener Selbstm&ouml;rder in den s&uuml;dlichen L&auml;ndern der EU, die sich wegen der durch die Wirtschaftskrise ausgel&ouml;sten &ouml;konomischen Schwierigkeiten umbrachten, k&uuml;mmert sich die Edel-Mafia nicht. Sie beklagt nicht einmal verbal die ma&szlig;gebliche Beteiligung der deutschen Bundesregierung an der Verelendung von Millionen Menschen. Auch um die Menschenrechte der gefolterten und ohne Prozess auf Guantanomo Inhaftierten hat sich die Edelmafia selbstverst&auml;ndlich nicht gek&uuml;mmert. Menschenrechte gelten vor allem f&uuml;r die finanziell kr&auml;ftige Oberschicht. Chodorkowski ist der typische Fall.<\/p><p>Das ist eine bedrohliche Entwicklung, die die Grundlagen demokratischen Lebens ersch&uuml;ttert. Wir sind nicht mehr gleich vor dem Gesetz, auch nicht ann&auml;hernd gleich. Und die Ungleichheit und die mangelnde Chancengleichheit werden beklatscht von der Mehrheit unserer Medien. Die gegenl&auml;ufige und hoch respektable Arbeit der verbliebenen unabh&auml;ngigen und kritischen Journalistinnen und Journalisten wird davon leider &uuml;berlagert.<\/p><p><strong>P.S.: In Anlage 2 finden Sie eine Erg&auml;nzung zum Artikel von Albrecht M&uuml;ller: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19743\">&bdquo;Aufbau einer neuen Konfrontation zwischen West und Ost. Oder: Der R&uuml;ckfall in die Vierziger und F&uuml;nfzigerjahre.&ldquo;<\/a><\/strong> <\/p><p>Dieser Vorgang geh&ouml;rt in den weiteren Kontext der zuvor beschriebenen T&auml;tigkeit der herrschenden Mafia.<\/p><p><strong>Anlage 1<\/strong><\/p><p><strong>Mail von Jens Berger an Albrecht M&uuml;ller mit weiteren Hinweisen Jens Bergers auf die Machenschaften Chodorkowskis und die Verkn&uuml;pfung zu Politikern im Westen:<\/strong><\/p><p>Hier (auf die Schnelle) noch ein paar Infos zu Chodorkowski. Auf dieser Seite findest Du eine meines Erachtens sehr gute <a href=\"http:\/\/www.netstudien.de\/Russland\/chodorkowski.htm#.UrQ5HI3Gldo\">Zusammenfassung zur Person<\/a> (leider ohne Quellen).<\/p><p>Und als kleiner Schmunzler am Rande: Auch ein anderer FDP-Mann hat von BMC (=Chodorkowski) Geld genommen: <a href=\"http:\/\/www.manager-magazin.de\/unternehmen\/artikel\/a-271989.html\">Otto Graf Lambsdorff<\/a> (Mitglied im Advisory Board der russischen Bank Chodorkowskis Menatep)<\/p><p>Und hier noch ein paar Zitate aus alten SPIEGEL-Artikeln:<\/p><blockquote><p>Juli 2002<\/p>\n<p>Chodorkowski gestaltet diese neuen Freir&auml;ume &auml;u&szlig;erst kreativ &ndash; pl&ouml;tzlich, da der marktwirtschaftliche Geist aus der Flasche ist, wei&szlig; keiner, wer ihn stoppen sollte. Der Jungunternehmer l&auml;sst ab 1987 Matrjoschka-Puppen mit Gorbatschow-Portr&auml;ts herstellen, verkauft dann Brandy &ndash; gelegentlich etwas verschnitten, wie er zugibt -, verlegt sich schlie&szlig;lich auf den h&ouml;chst lukrativen Import von Computern. &ldquo;Wissentlich brach ich kein Gesetz&rdquo;, sagt er in der R&uuml;ckschau vorsichtig. Galten beispielsweise Zollbestimmungen eines Staates, der zu existieren aufh&ouml;rte &ndash; wenn neue, russische, noch nicht geschrieben waren? [&hellip;]<\/p>\n<p>Jetzt ist MBC im Big Business. Sein Kreditinstitut kauft auch mit Geld aus dem Ausland sowie mit gro&szlig;en Staatskrediten, die ihm wundersam gew&auml;hrt werden, russische Metallurgiebetriebe und Chemiewerke. Als Gorbatschow 1990 eine Reihe neuer Wirtschaftsf&uuml;hrer in den Kreml bittet, geh&ouml;rt Chodorkowski dazu, tauscht die Jeans gegen einen Anzug. 27 ist er, nun schon ein &uuml;berzeugter Kapitalist. Und ein Jahr sp&auml;ter auch politisch auf der richtigen Seite: Beim Putsch der Altkommunisten verteidigt er an Boris Jelzins Seite das russische Parlament und den neuen Kurs. [&hellip;]<\/p>\n<p>&ldquo;Chodorkowski hat als einer der Ersten begriffen, welchen Vorteil es bringt, in Regierungsleute zu investieren.&rdquo;<\/p>\n<p>Die Menatep-Bank kann es sich bald leisten, die strengen Regeln f&uuml;r Gesch&auml;fte in harter W&auml;hrung mit dem Ausland zu ignorieren. Wom&ouml;glich werden dabei Parteigelder im gro&szlig;en Stil in den Westen verschoben. [&hellip;]<\/p>\n<p>Chodorkowski mag es nicht, wenn man ihn als Oligarchen bezeichnet, &ldquo;dieses herabsetzende Wort, was bedeutet es schon?&rdquo; Aber die H&auml;rte und Skrupellosigkeit, mit der er sich im Dezember 1995 Jukos sichert, muss jeden der anderen Neokapitalisten, die sich Staatsverm&ouml;gen zu Schleuderpreisen unter den Nagel gerissen haben, vor Neid erblassen lassen.<\/p>\n<p>Der Staat braucht damals dringend Geld. MBC schafft es, dass seine Bank die Versteigerung der Jukos-Aktienmehrheit durchf&uuml;hren darf &ndash; und trickst ausl&auml;ndische Interessenten wie inl&auml;ndische Konkurrenz aus. F&uuml;r die Aktienmehrheit bei Jukos hat Chodorkowski nicht mehr als 410 Millionen Dollar bezahlt &ndash; ein Spottpreis, den er zudem gr&ouml;&szlig;tenteils nicht bar auf den Tisch legt, sondern &uuml;ber zuk&uuml;nftige &Ouml;llieferungen an den Staat finanziert. [&hellip;]<\/p>\n<p>Die Oligarchen organisieren und finanzieren Jelzins Wahlkampf. Sie stellen ihm ihre Massenmedien praktisch exklusiv zur Verf&uuml;gung, heuern amerikanische PR-Profis an. &ldquo;Man kann uns vorwerfen, dass wir Standards der Fairness verletzt haben, aber angesichts der Alternative haben wir das Beste f&uuml;r unser Land getan&rdquo;, sagt MBC. Sicher auch das Beste f&uuml;r sich selbst.<\/p>\n<p>Jelzin gewinnt, die Tycoons und der Pr&auml;sident sind nun zusammengeschwei&szlig;t. Seine Macht h&auml;ngt fest an ihrem Reichtum, an ihrer Unterst&uuml;tzung. Je mehr Jelzin k&ouml;rperlich zerf&auml;llt, desto wichtiger werden die Wirtschaftsbosse &ndash; und desto dreister. Beresowski pl&auml;diert im Oligarchen-Kreis f&uuml;r eine &ldquo;Regierung der Konzerne&rdquo;. [&hellip;]<\/p>\n<p>Sollte jemand klagen und Akten einsehen wollen, so erlebt er einen herben R&uuml;ckschlag. Unter mysteri&ouml;sen Umst&auml;nden st&uuml;rzt im Mai 1999 ein Lastwagen mit 607 Kisten von Dokumenten der Menatep-Bank in den Fluss Dubna.<\/p>\n<p>Auch bei Jukos passieren merkw&uuml;rdige Dinge. Chodorkowski gibt neue Aktien aus und verringert so die Macht seines amerikanischen Gro&szlig;investors Kenneth Dart. Die neuen Papiere und viele alte Aktien geraten an undurchsichtige Offshore-Gesellschaften, die Chodorkowski angeblich nur zu diesem Grund gegr&uuml;ndet hat &ndash; praktisch die gesamten Firmenanteile wandern so ins Ausland. F&uuml;r westliche Kreditgeber bleibt in Russland nur der Zugriff auf eine leere H&uuml;lle. &ldquo;Wie man eine &Ouml;lgesellschaft stiehlt&rdquo; nennt der amerikanische Analyst James Fenkner die Aktion; Chodorkowskis Vorgehen sei &ldquo;unglaublich unversch&auml;mt&rdquo; gewesen. [&hellip;]<\/p>\n<p>MBC ist seinen letzten ernsthaften Konkurrenten um die Macht bei Jukos los. Und wandelt sich, fast &uuml;ber Nacht, vom Saulus zum Paulus. Als h&auml;tte er nie von schmutzigen Tricks geh&ouml;rt oder sie gar angewendet, predigt er nun Durchl&auml;ssigkeit, Regeltreue und westliches &ldquo;Corporate Governance&rdquo; f&uuml;r seinen Konzern.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-23061458.html\">SPIEGEL Online<\/a><\/p><\/blockquote><blockquote><p>Mai 2000<\/p>\n<p>Am eintr&auml;glichsten war der Erwerb ganzer Konzerne. Daf&uuml;r erfand ein Konsortium von Gro&szlig;banken einen phantastischen Trick: Es lieh 1995 der klammen Administration neun Billionen Rubel (damals knapp zwei Milliarden Dollar) f&uuml;r ihre dringendsten Ausgaben. Daf&uuml;r verpf&auml;ndete die Regierung ihre Anteile an Gro&szlig;betrieben, die den Banken anheim fielen, wenn der Staat binnen drei Jahren den Mammutkredit nicht zur&uuml;ckzahlte. In vier von elf F&auml;llen tilgte er nicht. Die &Ouml;lkonzerne Sidanko und Sibneft sowie die Firma Jukos gingen an vier Gro&szlig;bankiers.<\/p>\n<p>Das n&auml;chste Gl&uuml;cksrad hie&szlig; Versteigerung. Als gro&szlig;e Unternehmen zwecks Privatisierung zur Auktion gingen, durften Banken die Gebote annehmen und konnten &ndash; in Kenntnis der Offerten &ndash; selbst mitbieten. Sie w&auml;hlten die zugelassenen Bieter aus und bevorzugten dabei eigene Tochterfirmen.<br>\nNach dem Urteil des deutschen Russland-Experten Wolfgang Kartte war der Jukos-Konzern auf dem Weltmarkt mit seinen &Ouml;lreserven gut 40 Milliarden Dollar wert. 45 Prozent der Jukos-Anteile fielen drei Banken f&uuml;r ganze 159 Millionen Dollar zu (Umsatz 1997: knapp sechs Milliarden Dollar). Einziger Konkurrent war ein Konsortium in derselben Zusammensetzung, unter anderem Namen, das 150 Millionen Dollar geboten hatte. &ldquo;Wo sonst auf der Welt&rdquo;, so Jukos-Chef Michail Chodorkowski, &ldquo;kann man so viel Geld verdienen wie in Russland?&rdquo;&nbsp;<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-16358511.html\">SPIEGEL Online<\/a><\/p><\/blockquote><blockquote><p>November 2003<\/p>\n<p>Vor allem in den USA fallen dergleichen Angstparolen auf fruchtbaren Boden. Dort hat Chodorkowski mit seinem Ringen um eine Lobby Eindruck gemacht &ndash; er war der erste Russe, der Roh&ouml;l direkt in die USA verschiffte, er war die Schl&uuml;sselfigur bei der Anbahnung der Energiegespr&auml;che, spendete eine Million Dollar f&uuml;r die Library of Congress und traf noch im Juli Energieminister Spencer Abraham.<\/p>\n<p>Chodorkowski war der Mann, der Amerika Zutritt zum Rohstoffparadies Russland versprach.<\/p>\n<p>Als Berater der Carlyle Group, eines regierungsnahen Risikokapital-Unternehmens, dem auch Ex-Au&szlig;enminister James Baker, der britische Ex-Premier John Major und George Bush Sr. zur Seite stehen, hatte sich Chodorkowski tief in das Milieu der amerikanischen Meinungs- und Millionenmacher vorgearbeitet &ndash; ins Milieu der &ldquo;Bushowiki&rdquo;, wie die konservativen Gr&ouml;&szlig;en des milit&auml;risch-industriellen Komplexes der USA in Moskau unter Anspielung auf die &ldquo;Silowiki&rdquo; genannten KGB-Granden genannt werden.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-29136670.html\">SPIEGEL Online<\/a><\/p><\/blockquote><p><strong>Anlage 2<\/strong><\/p><p>Eine Erg&auml;nzung von J&uuml;rgen Karl zum Artikel von Albrecht M&uuml;ller: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19743\">&bdquo;Aufbau einer neuen Konfrontation &hellip;&ldquo;<\/a><\/p><p>Hier ein Hinweis zu Spiegeltiteln bez&uuml;glich Putin und Russland. Darunter einer, der das Motiv der Plakate der CDU und NPD aus der Zeit des Kalten Krieges eindeutig aufgreift und wohl die noch immer existierenden Ressentiments bewusst bedienen will. Ich bin &uuml;berrascht, wie klar die alte Konfrontation hier weiter getrieben wird.<\/p><ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-50746908.html\">Der Konzern des Zaren<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-59099365.html\">Putins Kalter Krieg<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-29054324.html\">Duell um den Kreml<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-15376087.html\">Die Last des Eisernen<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine friedliche Weihnachtsstimmung will bei mir partout nicht aufkommen und ich kann sie Ihnen beim besten Willen nicht vermitteln, weil wir gerade wieder einmal Zeuge eines ungeheuerlichen Vorgangs geworden sind: Wer &uuml;ber viel Geld und publizistische Kraft verf&uuml;gt, kann nicht nur die wesentlichen politischen Entscheidungen bestimmen, er kann auch aus kriminellen Pl&uuml;nderern von Volksverm&ouml;gen Freiheitshelden<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19751\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,183,11],"tags":[964,374,400,1337,420],"class_list":["post-19751","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-medienkritik","category-strategien-der-meinungsmache","tag-chodorkowski-michail","tag-eliten","tag-genscher-hans-dietrich","tag-oligarchen","tag-spiegel"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19751","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=19751"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19751\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19755,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19751\/revisions\/19755"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=19751"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=19751"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=19751"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}