{"id":1976,"date":"2007-01-02T08:51:57","date_gmt":"2007-01-02T07:51:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1976"},"modified":"2007-01-02T08:51:57","modified_gmt":"2007-01-02T07:51:57","slug":"hinweise-des-tages-295","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1976","title":{"rendered":"Hinweise des Tages"},"content":{"rendered":"<p><!--more--><\/p><ol>\n<li><strong>H&ouml;here Steuereinnahmen lassen das Defizit der &ouml;ffentlichen Haushalte von 75,1 auf 36,6 Milliarden Euro schrumpfen.<\/strong><br>\nDie Beitragseinnahmen der gesetzlichen Sozialversicherung legten im ersten Dreivierteljahr 2006 um 5,8 Prozent auf 290,5 Milliarden Euro zu, bei einem Anstieg der Gesamteinnahmen von 4,5 Prozent.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/de.news.yahoo.com\/29122006\/12\/steuersegen-laesst-oeffentliches-defizit-deutlich-schrumpfen.html\">Yahoo Nachrichten<\/a>\n<p><em>Anmerkung: Der R&uuml;ckgang des Defizits der &ouml;ffentlichen Haushalte und die gestiegenen Beitragseinnahmen der gesetzlichen Sozialversicherung sind ein Beleg f&uuml;r die im Beitrag von Albrecht M&uuml;ller vom 29.12.06 dargelegte These, dass der Abbau &ouml;ffentlicher Schulden in vergleichbaren L&auml;ndern in der Regel immer nur dann funktioniert hat, wenn es gelungen ist, einen wirklichen Aufschwung, der diesen Namen verdient, &uuml;ber mehrere Jahre durchzuhalten.<\/em><\/p><\/li>\n<li><strong>Die Krankenkassen haben die Pharmaindustrie in Verdacht den gesetzlichen Herstellerrabatt auszuhebeln.<\/strong><br>\n&ldquo;Es ist die Gesch&auml;ftemacherei mit der Gesundheit, es sind die hohen Preise, es sind die Marketingkampagnen und die Bestechung von &Auml;rzten&rdquo;, so urteilt der renommierte Gesundheitsexperte Gerd Glaeske &uuml;ber die deutsche Pharmaindustrie.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.berlinonline.de\/berliner-zeitung\/print\/politik\/616272.html\">Berliner Zeitung<\/a><\/li>\n<li><strong>Hartz IV-Nachbarn als Grund f&uuml;r eine Mietminderung<\/strong><br>\nDer 13. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Stuttgart hat in einem Urteil vom 21.12.2006 entschieden, dass Qualit&auml;t und Quantit&auml;t des Besucherverkehrs von Mitmietern als Mangel im Rahmen eines gewerblichen Mietverh&auml;ltnisses bewertet werden k&ouml;nnen. Eine Mietsache sei m&auml;ngelbehaftet, wenn der Besucherverkehr in &bdquo;qualitativer Hinsicht&ldquo; durchschnittlichen Anforderungen nicht gerecht werde.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.olg-stuttgart.de\/servlet\/PB\/menu\/1203801\/index.html?ROOT=1182029\">Oberlandesgerichts Stuttgart<\/a>\n<p><em>Anmerkung: Vielleicht sollte man k&uuml;nftig nicht mehr von Unterschicht, sondern bei Langzeitarbeitslosen oder Drogens&uuml;chtigen von Parias, also den Unber&uuml;hrbaren sprechen, die von der Gesellschaft ausgeschlossen sind.<\/em><\/p><\/li>\n<li><strong>Jean-Claude Juncker: Wir sehen unt&auml;tig zu, wie sich die Arbeitnehmer von der Europ&auml;ischen Union abwenden.<\/strong><br>\nDaher brauchen wir nicht nur eine W&auml;hrungs-, sondern auch eine Sozialunion. Wir m&uuml;ssen uns auf Mindeststandards im Arbeitsrecht verst&auml;ndigen. Auf eine Grenze, die kein Staat nach unten durchbrechen darf.<br>\nWir brauchen zum Beispiel Mindestregeln beim K&uuml;ndigungsschutz. Wir m&uuml;ssen festlegen, unter welchen Umst&auml;nden befristete Arbeitsvertr&auml;ge entstehen k&ouml;nnen und unter welchen nicht. Mich &auml;rgert zunehmend, dass man denkt, der typische Arbeitsvertrag w&auml;re ein befristeter. Wenn mein Vater nur einen befristeten Arbeitsvertrag gehabt h&auml;tte, dann h&auml;tte ich nicht auf die Universit&auml;t gehen k&ouml;nnen. Das hire and fire-System schr&auml;nkt das Recht der Arbeitnehmer auf Grundsicherheit massiv ein.<br>\nWir brauchen Mindestl&ouml;hne und ein Grundeinkommen f&uuml;r alle sowie auch eine Harmonisierung in vielen steuerlichen Bereichen.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/pt\/2006\/12\/30\/a0127.1\/textdruck\">taz<\/a><\/li>\n<li><strong>Tom Schimmeck: Spiegel-Aust, FAZ-Schirrmacher, Springer-D&ouml;pfner sind sich einig. Man feiert sich gegenseitig.<\/strong><br>\nDen Schwachen ordentlich Druck machen und den M&auml;chtigen devot den Bauch kraulen. Warum macht der Spiegel einen auf neoliberal?<br>\n&ldquo;Ehrlich gesagt&rdquo;, sagt Aust, &ldquo;das ist so ein bisschen wie fr&uuml;her der Satz &acute;Geh doch nach dr&uuml;ben&rsquo;. Neoliberal? Ich wei&szlig; gar nicht, was das eigentlich hei&szlig;t. Realistisch zu sein, zwei und zwei zusammenz&auml;hlen zu k&ouml;nnen? Was ist daran neoliberal?&rdquo;<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/pt\/2006\/12\/30\/a0317.1\/textdruck\">taz<\/a>\n<p><em>Anmerkung: Ein lesenswerter Beitrag &uuml;ber den Niedergang des einstigen &bdquo;Sturmgesch&uuml;tzes der Demokratie&ldquo;.<\/em><\/p><\/li>\n<li><strong>Verfassungsrichter Udo di Fabio: Marktliberale Umdeutung des Sozialstaatsgebots des Grundgesetzes<\/strong><br>\nDas Grundgesetz darf nicht im Sinn einer axiomatischen Pr&auml;misse so verstanden werden, als habe der einzelne a priori gegen die Gemeinschaft einen Anspruch auf Existenzsicherung. Es gebe eine &bdquo;eigene Pflicht zum Erfolg&ldquo;. Der Sozialstaat stehe auch in der ausgepr&auml;gten Pflicht, &bdquo;die Kraft einer wettbewerblichen Leistungsgesellschaft erhalten, und das hei&szlig;t auch, die Wirtschaft zu f&ouml;rdern.&ldquo;<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/RubBF7CD2794CEC4B87B47C719A68C59339\/Doc~E8F4EC3DB52F4407394A9F1D9CE1108DB~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">FAZ.Net<\/a>\n<p><em>Anmerkung: In einem Interview mit der S&uuml;ddeutschen Zeitung vom 21. November 2006 hat  Deutschlands h&ouml;chster Richter, CSU-Mitglied Hans-J&uuml;rgen Papier, argumentierte, dass der Begriff &bdquo;Sozialstaat&ldquo; gar nicht im Grundgesetz vorkomme und deshalb das Adjektiv &bdquo;sozial&ldquo; im Sinne eines Freiheitsrechtes, d.h. als ein Abwehrrecht gegen&uuml;ber dem Staat verstanden werden m&uuml;sse. Hat nun auch der Richter des zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts, Udo di Fabio, seine marktliberale Interpretation des Sozialstaatsgebots des Grundgesetzes dargelegt:<br>\nAm Pers&ouml;nlichkeits- und Freiheitsbild des Grundgesetzes gemessen, ist deshalb eine Politik dann sozial gerecht, wenn sie soziale Existenzsicherung so ausgestaltet, dass der Wiedereintritt in Arbeitsverh&auml;ltnisse m&ouml;glich, notwendig und attraktiv wird.&ldquo;<br>\nStaatlich vermittelte Transfereinkommen d&uuml;rften kein Einkommensniveau erreichen, das einen Anreiz daf&uuml;r biete, &bdquo;die Aufnahme von Arbeit auszuschlagen&ldquo;. G<br>\nWenn staatlich vermittelte Transfereinkommen das Einkommensniveau regelm&auml;&szlig;iger Arbeit erreichen oder &uuml;berschreiten, entsteht ein unerw&uuml;nschtes, ein negatives Anreizsystem, ein Anreiz daf&uuml;r, die Aufnahme von Arbeit auszuschlagen.<br>\nMan m&ouml;chte hinzuf&uuml;gen: Gleichg&uuml;ltig wie hoch das Einkommensniveau regelm&auml;&szlig;iger Arbeit auch immer sein mag. Sozialtransfers m&uuml;ssen immer deutlich niedriger sein als ein Hungerlohn.<br>\nSozialstaat als existenzieller Arbeitszwang &ndash; verhungern oder arbeiten, egal was und egal zu welchem Lohn.<br>\nVor m&ouml;glichen k&uuml;nftigen Entscheidungen &uuml;ber die Vereinbarkeit von weiteren K&uuml;rzungen von Sozialleistungen mit dem Sozialstaatsgebot des Grundgesetzes kann einem nur noch grauen.<\/em><\/p><\/li>\n<li><strong>Studie der Uni Frankfurt: Bei der Armut gibt es eine erhebliche Dunkelziffer. Es gibt ein Potential von 10 Millionen B&uuml;rgern mit Anspruch auf Alg II bzw. Sozialgeld.<\/strong><br>\nDie Zahl der bed&uuml;rftigen Bedarfsgemeinschaften &uuml;bersteigt die Zahl der Bedarfsgemeinschaften mit tats&auml;chlichem Leistungsbezug erheblich &ndash; bei Bezugnahme auf 2005 um 1,2 Mio., bei Bezugnahme auf 2006 um 0,9 Mio. Einheiten. Hier deutet sich eine erhebliche Dunkelziffer der Armut &ndash; also der Nicht-Inanspruchnahme zustehender Leistungen &ndash; an.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf_fof\/S-2006-863-4-3\">Armut in Deutschland. Bev&ouml;lkerungsgruppen unterhalb der Alg II &ndash; Grenze<\/a><\/li>\n<li><strong>Nicht einmal 41 Prozent der Bundesb&uuml;rger finanzieren ihren Lebensunterhalt noch selbst.<\/strong><br>\nDas Volk murrt, die Kritik am Steuer- und Abgabenstaat wird lauter. Denn schon jetzt arbeiten die Deutschen die H&auml;lfte des Jahres f&uuml;r den Staat, f&uuml;r die anderen. Jeder zweite verdiente Euro geht durch die Umverteilungsmaschinerie.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub6B15D93102534C72B5CF6E7956148562\/Doc~EEC02353591194496A4843DA85B143B27~ATpl~Ecommon~Scontent.html%20\">FAZ<\/a>\n<p><em>Anmerkung: Die Demagogie der FAZ gegen den Sozialstaat geht auch im Neuen Jahr weiter. Die Aussage, dass nicht einmal 41 Prozent der Bundesb&uuml;rger ihren Lebensunterhalt noch selbst finanzieren ist schlicht falsch. Siehe dazu NachDenkSeiten:  <a href=\"?p=1618\">&bdquo;41% der Deutschen leben vom Staat&ldquo;<\/a><br>\nAuch die Aussage, dass die Deutschen die H&auml;lfte des Jahres f&uuml;r den Staat arbeiten ist eine Irref&uuml;hrung. M&uuml;ssten die Menschen weniger f&uuml;r ihre Krankenversicherung oder ihre Rente bezahlen, wenn sie nicht in die gesetzliche Rente, sondern in eine private Versicherung zahlen m&uuml;ssten?<br>\nDeutschland liegt bei der gesamten <a href=\"http:\/\/www.tu-chemnitz.de\/wirtschaft\/vwl2\/downloads\/material\/Staatsquote.pdf%20\">Staatsquote unterhalb des EU-Durschnitts [PDF &ndash; 12 KB]<\/a>. Bei der Quote bei Steuern plus Abgaben liegt Deutschland <a href=\"http:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/lang_de\/DE\/Service\/Broschueren__Bestellservice\/Steuern\/20154,templateId=raw,property=publicationFile.pdf%20\">mit 39,7 Prozent [PDF 1.2 MB]<\/a> im hinteren Mittelfeld, nur noch Spanien, GB, die Schweiz und die USA liegen darunter.<\/em><\/p><\/li>\n<li><strong>Heiner Flassbeck &uuml;ber Journalistische Verantwortung und moderne Wirtschaftspolitik<\/strong><br>\nEr zitiert dazu J.A. Schumpeter: &bdquo;Nur in wirtschaftlichen Dingen h&auml;lt sich jeder f&uuml;r einen berufenen Fachmann und berechtigt, arglos jahrhundertealte Holzwege zu wandeln und mit Unbefangenheit sein allerpers&ouml;nlichstes &ndash; wirtschaftliches oder ideelles &ndash; Interesse f&uuml;r aller Weisheit h&ouml;chsten Schluss zu erkl&auml;ren&ldquo;.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.flassbeck.de\/pdf\/2006\/20.12.2006\/Journalistische%20Verantwortung%20und%20moderne%20Wirtschaftspolitik.pdf\">Heiner Flassbeck [PDF &ndash; 48 KB]<\/a><\/li>\n<li><strong>Mega-Stiftungen gewinnen immer mehr Einfluss und gef&auml;hrden den Staat<\/strong><br>\nStiftungskritiker Rob Reich &uuml;ber das &ldquo;Versagen der Philanthropie&rdquo;: &ldquo;Wir m&uuml;ssen uns politisch engagieren und die Leute w&auml;hlen, die unsere Werte vertreten. Ein Milliard&auml;r dagegen gr&uuml;ndet eine Stiftung und finanziert genau das, was ihn interessiert. Je mehr Geld Du hast, desto mehr Einfluss hast Du mit Deinen Programmen. Und Du kannst das ganze demokratische System umgehen, um Deine Vorstellungen sofort umzusetzen.&rdquo;<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.3sat.de\/3sat.php?\/kulturzeit\/themen\/95429\/index.html\">3sat.Online<\/a>\n<p><em>Anmerkung: Auf diesem Weg, in dem die Reichen &uuml;ber Stiftungen den Staat und die Demokratie unterlaufen k&ouml;nnen und ihre politischen Vorstellungen &bdquo;b&uuml;rgergesellschaftlich&ldquo; durchsetzen, befinden wir uns auch in Deutschland. Statt 5 bis 10 Prozent sollen k&uuml;nftig Spenden an gemeinn&uuml;tzige Einrichtungen (als auch Bertelsmann Stiftung, INSM etc.)  bis zu einer H&ouml;he von 20 Prozent des Einkommens abgezogen werden k&ouml;nnen.<\/em><\/p><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[19],"tags":[],"class_list":["post-1976","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-hinweise-des-tages"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1976","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1976"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1976\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1976"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1976"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1976"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}