{"id":19798,"date":"2014-01-02T14:15:01","date_gmt":"2014-01-02T13:15:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19798"},"modified":"2019-07-09T11:23:22","modified_gmt":"2019-07-09T09:23:22","slug":"flirt-nach-rechts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19798","title":{"rendered":"Flirt nach rechts"},"content":{"rendered":"<p>Mit dem Slogan &bdquo;Wer betr&uuml;gt, fliegt&ldquo; will die CSU im Wahljahr 2014 gegen Armutsmigranten aus Osteuropa Stimmung machen und damit vor allem bei rechtskonservativen W&auml;hlern punkten. Dass dieser Stammtischjargon nun auch deutsche Gro&szlig;parteien erreicht hat, ist mehr als bedenklich. Wie sich das Ganze entwickeln k&ouml;nnte, zeigt ein Blick ins Nachbarland &Ouml;sterreich. Ein Gastartikel von <strong>Emran Feroz<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nDort umwirbt die rechtspopulistische FP&Ouml; unter Parteiobmann Heinz-Christian Strache schon seit Jahren die W&auml;hler immer wieder mit Slogans, die sich ganz offen gegen bestimmte Bev&ouml;lkerungs- und Religionsgruppen oder andere Minderheiten richten. &bdquo;Mehr Mut f&uuml;r unser Wiener Blut&ldquo;, &bdquo;Herr im eigenen Haus bleiben&ldquo; und &bdquo;Wien darf nicht Istanbul werden&ldquo;, sind in diesem Fall nur Beispiele, die zur harmloseren Sorte geh&ouml;ren. Nat&uuml;rlich gab es auch Spr&uuml;che wie &bdquo;Daham statt Islam&ldquo; oder &bdquo;Heimatliebe statt Marokkaner-Diebe&ldquo;. Auch ein Bild &ndash; allerdings kein Wahlplakat &ndash; mit der Aufschrift &bdquo;Isst du Schwein, darfst du rein&ldquo; machte vor einigen Jahren auf FP&Ouml; nahen Webseiten sowie auf Straches Facebook-Seite die Runde. Als der Parteiobmann von Zeit-im-Bild-Moderator Armin Wolf darauf angesprochen wurde, wich er wie gewohnt aus. <\/p><p>All diese Spr&uuml;che, all die Hetze kam jedoch nicht erst von heute auf morgen. Sie hat erst Fu&szlig; gefasst, nachdem sie salonf&auml;hig gemacht wurde. Anfangs griffen die Rechtspopulisten auf harmlosere Spr&uuml;che zur&uuml;ck, die trotzdem skandal&ouml;s genug waren. Im Fall des nun aktuellen CSU-Slogans verh&auml;lt es sich nicht anders. Der kurze Satz basiert &ndash; wie man es eben von europ&auml;ischen Rechtspopulisten gewohnt ist &ndash; nicht auf Fakten. Er vermittelt den Eindruck, dass alle Zuwanderer aus dem Osten dem Staat nur auf der Tasche liegen und diesen &bdquo;betr&uuml;gen&ldquo; wollen. <\/p><p>Dass es mehr als genug Einwanderer aus Osteuropa gibt, die sehr gut qualifiziert sind und tats&auml;chlich auf ehrliche Art und Weise in Deutschland Arbeit suchen wollen &ndash; weil ihnen Br&uuml;ssel das nun mal erm&ouml;glicht hat &ndash; wird von Seehofer und Co. gerne unter den Tisch gekehrt. Abgesehen davon, dass die sich als christlich bezeichnende Partei gerade zur Weihnachtszeit mit dieser Hetze gegen Migranten angefangen hat und diese auf solch eine &ndash; anders kann man es meiner Meinung nach nicht bezeichnen &ndash; sch&auml;bige Art und Weise diffamiert, ist der Slogan ein Eigentor in jeglicher Hinsicht.<\/p><p>Die Gr&uuml;nde liegen auf der Hand. Auf diese wurde vor allem in sozialen Netzwerken zur&uuml;ckgegriffen, um &uuml;ber die Partei zu spotten. W&auml;hrend man n&auml;mlich mit dem Finger auf andere zeigt, gibt es in der eigenen Partei oder im parteinahen Umfeld so einige &bdquo;Betr&uuml;ger&ldquo;, die dann ebenfalls &bdquo;fliegen&ldquo; m&uuml;ssten. An vorderster Stelle w&auml;re da zum Beispiel ein Karl Theodor zu Guttenberg, der sich nach der Plagiatsaff&auml;re rund um seine Dissertation selbst dazu entschloss, zu fliegen. Allerdings nur von seinem Ministeramt. <\/p><p>Ein weiterer Mann, der der CSU nahe steht, ist Uli Hoene&szlig;. Nachdem der Steuerskandal des Bayern-Chefs bekannt wurde, schwieg Horst Seehofer anfangs. Es fiel ihm schwer, &uuml;ber seinen Freund, den er nach eigenen Aussagen auch sehr bewundert, ein Urteil zu f&auml;llen. Einige Zeit sp&auml;ter forderte er einen &bdquo;anst&auml;ndigen Umgang&ldquo; f&uuml;r den Millionenbetr&uuml;ger. Auch der Fall von Vetternwirtschaft um CSU-Abgeordnete im bayrischen Landtag war kein Thema f&uuml;r Seehofer und andere W&uuml;rdentr&auml;ger. Kein einziges Mal wurde mit dem Finger auf sie gezeigt. <\/p><p>&Auml;hnlich verh&auml;lt es sich mit der FP&Ouml; und anderen rechtspopulistischen Parteien. Immer wieder sucht man sich einen S&uuml;ndenbock &ndash; meistens Einwanderer, T&uuml;rken, Muslime oder die EU &ndash; und will damit von den eigenen Missst&auml;nden und Fehlern ablenken. Das Paradebeispiel hierf&uuml;r ist die Korruptionsaff&auml;re um den Bankkonzern Hypo Alpe Adria, an der die Freiheitlichen in K&auml;rnten ma&szlig;geblich beteiligt sind. Wie gewohnt, wird das Thema seitens der Parteif&uuml;hrung in Wien unter den Tisch gekehrt, w&auml;hrend man die verantwortlichen Parteimitglieder ausnahmslos verteidigt. &Uuml;brigens: Der Begriff Hypo Alpe Adria ist auch der CSU bekannt. In Bayern kam es diesbez&uuml;glich ebenfalls schon zu einigen Debakeln und Skandalen, die die Christsozialen betreffen. <\/p><p>Die CSU ist (noch) nicht rechtspopulistisch. Allerdings weist sie rechtspopulistische Tendenzen auf, die bedenklich und zu kritisieren sind. Diese fallen nicht nur in Sachen Einwanderung auf, sondern auch in Bezug auf den Umgang mit Muslimen sowie anderen Themen wie der doppelten Staatsb&uuml;rgerschaft.<\/p><p>Vor geraumer Zeit versuchte ein engagierter &bdquo;J&uuml;ngling&ldquo; der Jungen Union mit mir zu diskutieren. Er wollte mir erkl&auml;ren, dass die Scharia ein islamisches Gesetzbuch sei, indem die Steinigung vorgeschrieben wird. Ich erkl&auml;rte ihm, dass es im Islam weder eine Art Gesetzbuch gibt und dass die Praxis der Steinigung kein einziges Mal im Koran vorkommt, sondern &ndash; zu seinem Entsetzen &ndash; im Alten Testament. Der zweite Punkt, auf den er einging, war die doppelte Staatsb&uuml;rgerschaft. &bdquo;Ich will hier nicht noch mehr T&uuml;rken haben und fremd im eigenen Land werden&ldquo;, meinte er. Selbiges dachte er auch &uuml;ber bulgarische und rum&auml;nische Migranten. F&uuml;r ihn waren sie alle nur eine Last. Leute, die man hier nicht braucht. An Zahlen und Fakten war er auch in diesem Fall nicht interessiert.<\/p><p>Als &Ouml;sterreicher hatte ich das Gef&uuml;hl, vor einem FP&Ouml;-Politiker zu sitzen. Da sa&szlig; ein Typ, der permanent auf den Tisch h&auml;mmerte, wirres Zeug von sich gab und vor Islamisten, Rum&auml;nen, Bulgaren und T&uuml;rken warnte. Nicht nur mir, sondern allen anderen Anwesenden im Raum wurde schnell bewusst, dass eine Diskussion mit einem solch ideologiezerfressenen Menschen sinnlos ist. Die Antwort auf die Frage, wo er sich dieses Wissen angeeignet hat, blieb er mir schuldig. Ich hoffe, dass es nicht seine Parteiveranstaltungen waren. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem Slogan &bdquo;Wer betr&uuml;gt, fliegt&ldquo; will die CSU im Wahljahr 2014 gegen Armutsmigranten aus Osteuropa Stimmung machen und damit vor allem bei rechtskonservativen W&auml;hlern punkten. Dass dieser Stammtischjargon nun auch deutsche Gro&szlig;parteien erreicht hat, ist mehr als bedenklich. Wie sich das Ganze entwickeln k&ouml;nnte, zeigt ein Blick ins Nachbarland &Ouml;sterreich. Ein Gastartikel von <strong>Emran<\/strong><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19798\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[192,159,123,145],"tags":[582,340],"class_list":["post-19798","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-cducsu","category-fremdenfeindlichkeit-rassismus","category-kampagnentarnworteneusprech","category-sozialstaat","tag-seehofer-horst","tag-zuwanderung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19798","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=19798"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19798\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":53246,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19798\/revisions\/53246"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=19798"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=19798"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=19798"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}