{"id":19807,"date":"2014-01-03T09:38:54","date_gmt":"2014-01-03T08:38:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19807"},"modified":"2015-10-14T14:26:53","modified_gmt":"2015-10-14T12:26:53","slug":"30-jahre-kommerzfernsehen-der-niedergang-des-wirkmaechtigsten-mediums","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19807","title":{"rendered":"30 Jahre Kommerzfernsehen \u2013 Der Niedergang des wirkm\u00e4chtigsten Mediums"},"content":{"rendered":"<p>Am 1. Januar 1984  startete in Ludwigshafen mit dem Kabelpilotprojekt Ludwigshafen der erste private Fernsehsender in Deutschland, die Programmgesellschaft f&uuml;r Kabel- und Satellitenrundfunk (PKS)  aus der ein Jahr sp&auml;ter &ndash; im Jahre 1985 &ndash; Sat.1 wurde. Einen Tag danach nahm RTL Plus &ndash; damals noch aus Luxemburg &ndash; seinen Sendebetrieb auf.<br>\nDie damals beginnende Kommerzialisierung des Fernsehens (auch von ARD und ZDF) hat das kollektive Bewusstsein, die Kultur, das politische Engagement und vor allem die Sozialisation (die Bildung) der jungen Menschen mehr ver&auml;ndert, als die meisten anderen Ver&auml;nderungen in unserer Gesellschaft. Von <strong>Wolfgang Lieb<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nVor der Einf&uuml;hrung des Kommerzfernsehens bis zur &bdquo;geistig moralischen Wende&ldquo; durch Helmut Kohl ab Oktober 1982 waren Albrecht M&uuml;ller und ich  im Kanzleramt auch mit der Medienpolitik befasst. Albrecht M&uuml;ller konnte als Leiter der Planungsabteilung Kanzler Schmidt lange davon abhalten, &ouml;ffentliches Geld f&uuml;r die Verkabelung des Landes einzusetzen.<\/p><p>Schmidt pl&auml;dierte sogar damals in der &bdquo;Zeit&ldquo; f&uuml;r einen <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/1978\/22\/Plaedoyer-fuer-einen-fernsehfreien-Tag\">&bdquo;fernsehfreien Tag&ldquo;<\/a>. Wir beide haben uns schon sehr fr&uuml;h intensiv mit den Folgen der Kommerzialisierung des Fernsehens befasst. Man konnte doch l&auml;ngst im Ausland beobachten, welche Idee hinter den werbefinanzierten Sendern steckte und stecken musste: &bdquo;Der K&ouml;der muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler&ldquo;, auf diese zynische Formel brachte das Helmut Thoma, der fr&uuml;here Chef von RTL &ndash; dem Konkurrenzsenders von Kirchs SAT.1 &ndash; und rechtfertigte damit z.B. die Busendarbietungen in der Sendung &bdquo;Tutti-Frutti&ldquo;. (Wenn man heute n&auml;chtens durch das Sendeangebot zappt, dann wirkt Tutti-Frutti von damals allerdings geradezu als Hort der Pr&uuml;derie.)<\/p><p>&Uuml;ber negativen Auswirkungen des Kommerzfernsehens war alles bekannt. Das hat die &bdquo;Christlichen Demokraten&ldquo;, die ansonsten ihr hohes Lied auf Sitte und Anstand und auf die heile Familie gesungen haben, aber nicht daran gehindert, die Kommerzialisierung des Fernsehens mit aller Macht voranzutreiben. Die Ministerpr&auml;sidenten der CDU\/CSU-regierten L&auml;nder dr&auml;ngten den damaligen sozialdemokratischen Bundeskanzler Helmut Schmidt, mehrere hundert Millionen f&uuml;r die Verkabelung von zw&ouml;lf deutschen St&auml;dten auszugeben; was angesichts der damals beschr&auml;nkten Frequenzen im &Auml;ther (es gab noch keine Satelliten und noch keine Digitalisierung) die technische Voraussetzung f&uuml;r die Programmvermehrung und damit f&uuml;r die Kommerzialisierung des Fernsehens war. (Jedoch keineswegs eine rechtliche Notwendigkeit, wie f&auml;lschlicherweise immer behauptet wurde.) <\/p><p>Nach der &bdquo;geistig moralischen&ldquo; Wende mit Helmut Kohl, ab September 1982, wurden dann Milliarden (von 10 Milliarden war die Rede) an &ouml;ffentlichen Geldern f&uuml;r die Verkabelung und f&uuml;r die Propaganda zugunsten der Kommerzialisierung des Fernsehens freigegeben und zugleich &ndash; auch unter dem massiven Druck der privaten Printmedien &ndash; die politischen Entscheidungen getroffen, die wirkm&auml;chtige &ouml;ffentliche Meinungsbildung &uuml;ber das Fernsehen dem (Werbe-)Markt zu &uuml;berlassen.<\/p><p>Woran schon Konrad Adenauer am Bundesverfassungsgericht scheiterte, n&auml;mlich ein &bdquo;Adenauer-Fernsehen&ldquo; einzuf&uuml;hren, hat dann &ndash; mit der Vermehrung der &Uuml;bertragungsm&ouml;glichkeiten &uuml;ber Kabel &ndash; Leo Kirch zusammen mit seinem Freund Helmut Kohl durchgesetzt: Die Hofberichterstattung f&uuml;r die CDU im Fernsehen. (Etwa mit den devoten Interviews &bdquo;Zur Sache Kanzler&ldquo;.) <\/p><p>Dieser CDU-Gef&auml;lligkeitsberichterstattung blieb SAT.1 auch nach Kirchs Pleite im Jahre 2002 treu, bis hin zu Johannes B. Kerners PR-Interview mit dem damaligen Verteidigungsminister zu Guttenberg vor der Kulisse der Soldaten in Afghanistan und nicht zuletzt mit der Berufung von Edmund Stoiber (CSU) in den Beirat von Pro Sieben SAT.1. (Seit 2011 Vorsitzender des Beirats.) Schon 1988 <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-13532215.html\">schrieb Stoiber<\/a> an Franz Josef Strau&szlig;: &bdquo;Unsere Politik bez&uuml;glich RTL-plus war immer darauf ausgerichtet, eine Anbindung von RTL an das konservative Lager zu sichern beziehungsweise ein Abgleiten nach links zu verhindern&ldquo;.<\/p><p>Der Deal zwischen Kirch und Kohl war folgender: Ich (Kirch) gebe Dir (Kohl) Deine exklusiven Interviews auf SAT.1 und Du (Kohl) gibst mir Milliardensubventionen, damit ich (Kirch) &uuml;ber meine Fernsehkan&auml;le mit meinen Ramschfilmen, mit Soft-Pornos und Sensations- und Massenunterhaltung die Bev&ouml;lkerung ruhig stelle und dabei viel Geld verdiene. (Siehe dazu: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2439\">Wege zum Geld: Politiker haben das Land umgekrempelt<\/a>)<\/p><p>Kohl war aber nicht nur beim Einstieg von Kirch ins Kommerzfernsehen f&uuml;r Kirch aktiv. Nach einem Bericht von Panorama intervenierte er z.B. in Br&uuml;ssel, als der damalige Wettbewerbskommissar van Miert versuchte, die Zusammenarbeit von Leo Kirchs Medien-Reich mit Telekom und Premiere aus wettbewerbsrechtlichen Gr&uuml;nden zu stoppen.<\/p><p><strong>&bdquo;Niemand zahlt 800.000 Mark f&uuml;r nichts&ldquo;<\/strong><\/p><p>Als kleines &bdquo;Dankesch&ouml;n&ldquo; hat dann Leo Kirch nachtr&auml;glich, dem Altkanzler Kohl von 1999 bis 2002 j&auml;hrlich umgerechnet etwa 400.000 Euro f&uuml;r &bdquo;Beratert&auml;tigkeiten&ldquo; spendiert und auch der verkabelnde damalige Postminister Christian Schwarz-Schilling (CDU) (&uuml;ber seine Firma Schwarz-Schilling GmbH), der fr&uuml;here Verteidigungsminister Rupert Scholz (CDU) und der fr&uuml;here Vizekanzler und Wirtschaftsminister, J&uuml;rgen M&ouml;llemann (FDP) waren <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1150\">vertraglich mit Leo Kirch verbandelt<\/a>.<\/p><p>&bdquo;Niemand zahlt 800 000 Mark oder 300 000 Mark, dazwischen lagen ja wohl die Vertr&auml;ge, f&uuml;r nichts. Das kann ich mir nicht vorstellen. Da muss es also Interessen gegeben haben, die verflochten worden sind&ldquo;, kommentierte das der rheinland-pf&auml;lzische Ministerpr&auml;sident in gebotener Vorsicht. (Panorama 15.5.2003.)<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/140103_kohl_kirch.png\" alt=\"Kohl, Kirch\" title=\"Kohl, Kirch\"><\/p><p>Die pers&ouml;nliche Verbindung von Kohl und Kirch war so eng, dass der Altkanzler ihn sogar zum Trauzeugen bei seiner zweiten Eheschlie&szlig;ung bestellte.<\/p><p>Kurz nachdem die Kohl-Regierung Leo Kirch den roten Teppich ausgelegt hat, passten sich die &bdquo;Roten&ldquo; mal wieder an. Der damalige Bundesgesch&auml;ftsf&uuml;hrer der SPD, Peter Glotz, wollte &bdquo;den Fu&szlig; in die T&uuml;r schieben&ldquo; und das Privatfernsehen &bdquo;mitgestalten&ldquo;. So wurde gesteuert und finanziert vom Bertelsmann-Konzern mit Hilfe von Wolfgang Clement (damals noch Chef der D&uuml;sseldorfer Staatskanzlei) und dessen sp&auml;terem Medienberater, RTL- Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer  Helmut Thoma, der Sender RTL in Nordrhein-Westfalen (und sp&auml;ter auch noch VOX) angesiedelt &ndash; sozusagen als &bdquo;sozialdemokratisches Gegengewicht&ldquo; (kein Witz!) zu dem Kohl-Sender SAT.1.<\/p><p>Die RTL Group ist inzwischen zu einem der Hauptgewinnbringer der Bertelsmann AG geworden. Der Bertelsmann Konzern geh&ouml;rt wiederum zu Dreiviertel der Bertelsmann Stiftung, die sich ja so gern das Image eines Bildungsf&ouml;rderers geben m&ouml;chte. Schaut man sich allerdings die Nachmittags-Sendungen von RTL an, dann tragen diese geradezu zu Unbildung, ja zu Verrohung der Jugendlichen bei. Von den dort gebotenen negativen Verhaltensvorbildern sind nach wissenschaftlichen Untersuchungen vor allem Kinder aus sog. bildungsfernen Schichten betroffen, die statistisch auch mehr fernsehen. Selbst in Nachmittagsprogrammen mit hohen Einschaltquoten von Jugendlichen werden Filme mit brutalen Gewaltdarstellungen angeboten. Und nicht zuletzt werden die Gewinne dadurch gemacht, dass mit psychologischer ausgekl&uuml;gelter Werbung, die gerade auf Jugendliche und Kinder abzielt, gewissenlos deren Identit&auml;tssuche ausgenutzt wird.<\/p><p>Man mag es tragisch nennen, dass der Patriarch und Einzelk&auml;mpfer Leo Kirch, nachdem im Jahre 2002 eine &Uuml;bernahme der Kirch-Gruppe durch den Springer-Konzern aus kartellrechtlichen Gr&uuml;nden scheiterte und der Axel Springer Verlag &uuml;ber eine dreiviertel Milliarde Euro zur&uuml;ckforderte, zahlungsunf&auml;hig wurde und sein &bdquo;Lebenswerk&ldquo; damit vollends zusammenbrach. Wenn aber Fernsehen nur noch als Gesch&auml;ft betrachtet wird, war es eben auch nur konsequent, dass die &bdquo;Heuschrecke&ldquo; Haim Saban sich 2003 &uuml;ber das Opfer hermachte. Doch diesem amerikanischen Investor, war das Gesch&auml;ft offenbar auch nicht profitabel genug, so dass er die Sender bald andere Finanzinvestoren abstie&szlig;. Der n&auml;chste Heuschreckenschwarm mit Permira und KKR nagte die Pro-Sieben-Sat.1-Gruppe auf das ab, was das werbefinanzierte Fernsehen letztlich ist: Eine &bdquo;Plattformen f&uuml;r den Kommerz, wobei es hier nicht einmal mehr um Kunden, sondern <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/medien\/ran-an-die-rendite-das-ende-des-privaten-fernsehens-1461721.html\">nur noch um Anleger geht<\/a>&ldquo;. Inzwischen ist er Medienkonzern an der B&ouml;rse. <\/p><p><strong>Fernsehen, das wirkm&auml;chtigste Medium<\/strong><\/p><p>219 Minuten betrug die durchschnittliche t&auml;gliche Fernsehnutzung der Deutschen <a href=\"http:\/\/de.rapidtvnews.com\/nachrichten\/21582-tv-nutzung-sinkt-2013\">im Jahr 2013<\/a>. Selbst 3 bis 13-j&auml;hrige Kinder verbringen eineinhalb Stunden am Tag <a href=\"http:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/1525\/umfrage\/durchschnittliche-fernsehdauer-pro-tag\/\">vor der Glotze<\/a>. Fernsehen ist nach wie vor das wirkm&auml;chtigste Medium.  <\/p><p>Die Kommerzialisierung des Fernsehens (auch von ARD und ZDF) hat das kollektive Bewusstsein, die Kultur, das politische Engagement und vor allem die Sozialisation (die Bildung) der jungen Menschen mehr ver&auml;ndert, als die meisten anderen Ver&auml;nderungen in unserer Gesellschaft. Kommerzfernsehen lebt von der Flucht in die Ablenkung und Unterhaltung von beruflich oder sozial gestressten Menschen. Es ist &Uuml;berwachung durch Ruhigstellung, wie sich bezeichnenderweise auch noch die Sendung &bdquo;Big Brother&ldquo; nannte. Es liefert Quote durch Tote und Sex, es befriedigt Sensationslust und Voyeurismus (Dschungelcamp) und spielt zum Wohlgefallen der gesellschaftlich Privilegierten die abgeh&auml;ngten sozialen Schichten und die noch &Auml;rmeren gegeneinander aus (Hartz IV &bdquo;Sozialfahnder&ldquo;-Show). Wie die Welt von SAT.1 aussieht, dazu muss man nur einmal die Homepage aufrufen, das sagt mehr als tausend Worte.<\/p><p>Sogenannte Reality-Formate nahmen nach einen Programmbericht der Landesmedienanstalten im Jahre 2011 fast die H&auml;lfte des Gesamtprogramms ein.  Umgerechnet auf Programmstunden bedeutet das, dass VOX und RTL an einem durchschnittlichen Tag jeweils etwa neun Stunden mit Reality-Formaten bestreiten, bei Sat.1 sind es <a href=\"http:\/\/www.die-medienanstalten.de\/fileadmin\/Download\/Publikationen\/Programmbericht\/2011\/Programmbericht_2011_web.pdf\">etwa sieben Stunden [PDF &ndash; 2.2 MB]<\/a>.<\/p><p>Wer sich je einmal die mitt&auml;glichen oder vorabendlichen &bdquo;Soaps&ldquo; oder die sog. &bdquo;Reality-TV&ldquo;-Sendungen der privaten Sender angesehen hat, kann nur den Eindruck gewinnen, dass die Kommerz-Fernsehsender die niedrigsten und primitivsten Instinkte ihrer (meist noch jungen) Zuschauer ansprechen, um damit ihre Einschaltquoten zu steigern und die Werbung zu verkaufen. Das gilt inzwischen auch f&uuml;r die Massensendungen des Abendprogramms, etwa f&uuml;r die Sendung &bdquo;Deutschland such den Superstar&ldquo; oder die Casting Show &bdquo;Germany next Top Model&ldquo;. (Siehe dazu <a href=\"http:\/\/www.otto-brenner-stiftung.de\/otto-brenner-stiftung\/aktuelles\/hohle-idole.html\">&bdquo;Hohle Idole, Was Bohlen, Klum und Katzenberger so erfolgreich macht&ldquo;<\/a>). <\/p><p>Kein Wunder, dass RTL, ProSieben, Sat.1, Vox und RTL&ldquo; bei den 14- bis 49-J&auml;hrigen die h&ouml;chsten Marktanteile haben. <\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/140103_02.jpg\" alt=\"RTL und Sat.1 sind Verlierer des Jahres\" title=\"RTL und Sat.1 sind Verlierer des Jahres\"><\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/meedia.de\/fernsehen\/rtl-und-sat1-die-verlierer-des-jahres\/2014\/01\/02.html?utm_campaign=NEWSLETTER_MITTAG&amp;utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email\">MEEDIA<\/a><\/p><p>Ich bin mir bewusst, dass ich mir mit dieser Kritik an den Kommerzsendern wiederum heftige Kritik bei den j&uuml;ngeren Fernsehzuschauern einhandle. Diese Kritik erfahre ich sogar von meiner eigenen Tochter, die eben nach einem stressigen Pauktag ihres Studiums, abends nur noch vor dem Fernseher &bdquo;chillen&ldquo; m&ouml;chte. Meine Kritik richtet sich jedoch nicht gegen die jungen Leute, sondern sie richtet sich gegen ein Bildungssystem (G8-Gymnasium und Paukstudien) und vor allem auch gegen eine Lebenswelt, in der Menschen systematisch &bdquo;ausgepowert&ldquo; werden, so dass sie keine Kraft mehr haben, sich mit politischen oder gesellschaftlichen Problemen oder &uuml;berhaupt mit anspruchsvolleren Themen zu besch&auml;ftigen und eben in ein bisschen anspruchslose Entspannung fl&uuml;chten. &ldquo;Am&uuml;sement ist die Verl&auml;ngerung der Arbeit unterm Sp&auml;tkapitalismus. Es wird von dem gesucht, der dem mechanisierten Arbeitsprozess ausweichen will, um ihm von neuem gewachsen zu sein&rdquo;, <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/38\/38405\/1.html\">analysierten<\/a> schon vor vierzig Jahren Frankfurter Soziologen.<\/p><p><strong>Die Anpassung der &ouml;ffentlich-rechtlichen Sender<\/strong><\/p><p>Man mag das Fernsehen der &ouml;ffentlich-rechtlichen Sender anfangs der 80er Jahre  als betulich, bildungsbeflissen oder selbstgef&auml;llig kritisiert haben, aber es war jedenfalls ein Fernsehen, das seinen grundgesetzlichen Programmauftrag einigerma&szlig;en erf&uuml;llt hat &ndash; n&auml;mlich pluralistische Meinungsbildung und kulturelle Vielfalt zu gew&auml;hrleisten und einen Bildungsauftrag zu erf&uuml;llen. Seit der Einf&uuml;hrung des Kommerzfernsehens herrscht weniger dieser gesetzliche Programmauftrag sondern vor allem das Gesetz des Wettbewerbs um Einschaltquoten und damit der Zwang zur Anpassung an die Kommerzsender auch f&uuml;r die damals so &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/leo-kirch-und-helmut-kohl-geburtshelfer-des-privatfernsehens-1.1120406\">br&auml;sigen&ldquo;<\/a> ARD und ZDF. Auch die &ouml;ffentlich-rechtlichen Sender bieten mehr und mehr leicht Verdauliches, Familienserien, Ratesendung; Informationssendungen werden gek&uuml;rzt und Dokumentationen auf Mitternacht verlegt, Anspruchsvolleres wird in Minderheitensender verdr&auml;ngt. (Siehe dazu <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12591\">&bdquo;Die Quote ein Hindernis f&uuml;r die Erf&uuml;llung des &ouml;ffentlichen-rechtlichen Programmauftrags?&ldquo;<\/a>) <\/p><p>Wie wichtig die Quote inzwischen geworden ist, kann jeder Fernsehzuschauer selbst beobachten, etwa wenn er pro Woche inzwischen f&uuml;nf Talk-&bdquo;Shows&ldquo; ertragen muss und dies noch als ein &bdquo;Mehr an Information&ldquo; angepriesen wird.<\/p><p><strong>Statt mehr Vielfalt, mehr Einfalt und mehr vom Gleichen<\/strong><\/p><p>Statt mehr Vielfalt gibt es mit Einf&uuml;hrung der Kommerzsender im Fernsehen heute mehr Einfalt, mehr vom Gleichen und das auf teilweise erschreckend niedrigem Niveau.<\/p><p>Es gibt ja durchaus noch Kultur im &ouml;ffentlich-rechtlichen TV, und darauf verweisen die Verantwortlichen in jeder Debatte: die Literatur- und Kulturmagazine wie etwa &bdquo;Lesezeichen&ldquo;, &bdquo;aspekte&ldquo;, &bdquo;ttt&ldquo;, &bdquo;Druckfrisch&ldquo; etc. Solche Sendungen haben ihre Nischen, aber durchwegs erst gegen Mitternacht, zumeist auf 30-40 Minuten begrenzt. Dagegen und davon &uuml;berlagert steht aber l&auml;ngst der immer irrsinniger werdende Wahn, die marktbeherrschenden Privaten, vor allem RTL und SAT1, nachzuahmen, im Quotenrennen mitzulaufen &ndash; und so das Porzellan zu zerschlagen, von denen man auf lange Sicht noch speisen m&uuml;sste, wenn man an die eigene Daseinsberechtigung glaubte. <\/p><p>Die &ouml;ffentlich-rechtlichen  Anstalten haben sich den privaten Medienkonzernen an den Hals geworfen. Man denke nur an die Bambi-Verleihung, eine Werbesendung des Burda-Konzerln oder an die Benefiz-Show &bdquo;Ein Herz f&uuml;r Kinder&ldquo; oder die Preisverleihung der &bdquo;Goldenen Kamera&ldquo;,  Werbeveranstaltungen f&uuml;r die Medienmacht des Springer-Konzerns. <\/p><p>Die Folge von 30 Jahre Kommerzfernsehen: Eine st&auml;ndige Verletzung des gesetzlichen Auftrags der &Ouml;ffentlich-Rechtlichen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 1. Januar 1984 startete in Ludwigshafen mit dem Kabelpilotprojekt Ludwigshafen der erste private Fernsehsender in Deutschland, die Programmgesellschaft f&uuml;r Kabel- und Satellitenrundfunk (PKS) aus der ein Jahr sp&auml;ter &ndash; im Jahre 1985 &ndash; Sat.1 wurde. Einen Tag danach nahm RTL Plus &ndash; damals noch aus Luxemburg &ndash; seinen Sendebetrieb auf.<br \/> Die damals beginnende Kommerzialisierung<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19807\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[127,41,182,28],"tags":[661,1255,1589,1159,295,1588],"class_list":["post-19807","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-medienanalyse","category-medienkonzentration-vermachtung-der-medien","category-privatisierung","tag-clement-wolfgang","tag-einschaltquote","tag-glotz-peter","tag-kirch-leo","tag-kohl-helmut","tag-private-medien"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19807","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=19807"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19807\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19816,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19807\/revisions\/19816"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=19807"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=19807"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=19807"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}