{"id":1981,"date":"2007-01-04T11:14:32","date_gmt":"2007-01-04T10:14:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1981"},"modified":"2016-01-19T11:44:51","modified_gmt":"2016-01-19T10:44:51","slug":"spiegel-interview-mit-dem-staatsoberhaupt-der-neoliberale-stammtisch-unter-sich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1981","title":{"rendered":"Spiegel-Interview mit dem Staatsoberhaupt: Der neoliberale Stammtisch unter sich"},"content":{"rendered":"<p>Wenn Bundespr&auml;sident Horst K&ouml;hler, der Chefredakteur des Spiegels Stefan Aust, und der Leiter des Berliner B&uuml;ros, Gabor Steingart zusammensitzen, dann sind neoliberale &bdquo;Reformer&ldquo; unter sich. Da wird, wie Tom Schimmeck in der <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/pt\/2006\/12\/30\/a0317.1\/textdruck\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.taz.de\/pt\/2006\/12\/30\/a0317.1\/textdruck\">taz<\/a> schrieb, den Schwachen mal so richtig Druck gemacht und den M&auml;chtigen devot am Bauch gekrault. Ein solches <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/0,1518,457052,00.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/0,1518,457052,00.html\">Interview<\/a> hat auch sein Gutes: Unser Bundesaufsichtsratsvorsitzender wird so richtig aus seiner ideologischen Reserve gelockt. Hier ein paar Kostproben.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Erste Kostprobe:<\/strong><\/p><blockquote><p>SPIEGEL: &hellip; Anl&auml;sslich des CDU-Parteitages in Dresden &auml;u&szlig;erten Sie sich sehr kritisch zu einem Vorschlag des nordrhein-westf&auml;lischen Ministerpr&auml;sidenten J&uuml;rgen R&uuml;ttgers, die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes f&uuml;r &Auml;ltere zu erh&ouml;hen. Haben Sie sich da nicht zu weit ins politische Tagesgesch&auml;ft vorgewagt?<\/p>\n<p>K&ouml;hler: Arbeitslosigkeit ist das soziale Grundproblem in Deutschland. Und diese Arbeitslosigkeit hat sich auch aufgrund von politischen Vers&auml;umnissen &uuml;ber Jahrzehnte aufgebaut und verfestigt. Mit der Reformpolitik der vergangenen Jahre war eine arbeitsmarktpolitische Kurskorrektur verbunden, die jetzt zu wirken beginnt. Dazu hat auch der Paradigmenwechsel bei der Auszahlung des Arbeitslosengeldes beigetragen.<\/p><\/blockquote><p>Anmerkung: K&ouml;hler hat Recht, die &bdquo;Arbeitslosigkeit hat sich aufgrund von politischen Vers&auml;umnissen aufgebaut und verfestigt&ldquo;. Nur was waren das f&uuml;r Vers&auml;umnisse?<br>\nIm letzten Jahr der Kanzlerschaft Helmut Schmidts 1981 lag die Arbeitslosigkeit bei 5,5%, sie stieg ab 1982 &ndash; nach der Regierungs&uuml;bernahme von Helmut Kohl &ndash; auf 7,5% mit einem ersten H&ouml;hepunkt im Jahre 1985 mit 9,3%.<br>\nMit dem Einigungsboom Anfang der 90er Jahre sank die Quote wieder auf 6,2%.<br>\n1990 wurde K&ouml;hler zum Staatssekret&auml;r im Finanzministerium berufen. Er war also selbst in verantwortlicher Position als der Einigungsboom abgew&uuml;rgt und die Wirtschaft von 1993 bis heute ein <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1679\">miserables Wachstum von 1,2% hat<\/a>.<br>\nBei K&ouml;hlers Wechsel als Sparkassendirektor war die Arbeitslosenquote mit 8% wieder deutlich h&ouml;her bis sie dann im letzten Jahr Kohls 1997 auf 10,8 Prozent anwuchs<br>\nNur nach den Hartz-Reformen der Schr&ouml;der-Regierung ist sie nochmals auf 11% angestiegen. (Zur Zeitreihe der Arbeitslosenstatistik siehe <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/indicators\/d\/lrarb01ad.htm\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.destatis.de\/indicators\/d\/lrarb01ad.htm\">Statistisches Bundesamt<\/a>)<br>\nDer Aufbau und die Verfestigung der Arbeitslosigkeit fand also statt, obwohl seit 1982  die neoliberalen wirtschaftspolitischen Konzepte aus dem legend&auml;ren <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=346#more-346\">Lambsdorff-Papier<\/a> St&uuml;ck f&uuml;r St&uuml;ck umgesetzt wurden.<br>\nSeit gut 24 Jahren wird also die gleiche angebotsorientierte Wirtschaftspolitik getrieben, seit einem Vierteljahrhundert gibt es einen Sozialabbau nach dem anderen und dennoch hat sich die Arbeitslosigkeit &bdquo;aufgebaut und verfestigt&ldquo;.<br>\nNach jeder erdenklichen Logik m&uuml;sste man eigentlich schlie&szlig;en: Das schwerste &bdquo;politische Vers&auml;umnis&ldquo; ist, dass geleugnet wird, dass die angebotsorientierte Wirtschaftspolitik in Reinform gescheitert ist.<br>\nNicht so unser Bundespr&auml;sident: Er behauptet in dem Interview, wir st&uuml;nden bei der &bdquo;grundlegende Erneuerung Deutschland&ldquo; &bdquo;erst am Anfang&ldquo;. (Siehe unten)<br>\nWo hat die &bdquo;Reformpolitik der vergangenen Jahre&ldquo; mit ihrer &bdquo;arbeitsmarktpolitischen Kurskorrektur&ldquo; &bdquo;zu wirken&ldquo; begonnen? Dazu das <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/presse\/deutsch\/pm2007\/p0010031.htm\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.destatis.de\/presse\/deutsch\/pm2007\/p0010031.htm\">Statistische Bundesamt<\/a> vom 2. Januar 2007: &bdquo;W&auml;hrend im Jahr 2005 &uuml;berwiegend die F&ouml;rderung der Selbstst&auml;ndigkeit (Ich-Ags, WL) von Bedeutung war, z&auml;hlten im Jahr 2006 im Vergleich zum Vorjahr die Arbeitsgelegenheiten nach der Mehraufwandsvariante (sogenannte 1-Euro-Jobs) zu dem zahlenm&auml;&szlig;ig bedeutendsten Instrument der Besch&auml;ftigung schaffenden Ma&szlig;nahmen.&ldquo;<br>\nDie Wirkung der vom Bundespr&auml;sident so gelobten Arbeitsmarktreformen besteht also vor allem in dem zunehmenden existenziellen Druck sog. &bdquo;Arbeitsgelegenheiten&ldquo; anzunehmen.<br>\nDenn wenn K&ouml;hler von dem &bdquo;Paradigmenwechsel bei er Auszahlung des Arbeitslosengeldes&ldquo; spricht, dann kann er wohl nur die eingef&uuml;hrten Sanktionen bei der Ablehnung einer Arbeitsgelegenheit meinen. K&ouml;hler vertritt also das Konzept, die Arbeitslosigkeit durch den Druck auf die Arbeitslosen zu bek&auml;mpfen.<\/p><p><strong>Zweite Kostprobe:<\/strong><\/p><blockquote><p>\nSPIEGEL: Ist das Reformtempo nach der Wahl unter der Gro&szlig;en Koalition schneller oder langsamer geworden?<\/p>\n<p>K&ouml;hler: Die Gro&szlig;e Koalition hat vor allem mit der F&ouml;deralismusreform und der Rente mit 67 Handlungsf&auml;higkeit bewiesen. Damit kn&uuml;pft sie an die historisch wichtige Kurskorrektur der fr&uuml;heren Bundesregierung an, die unter dem Titel Agenda 2010 stand. Ich halte diese Linie f&uuml;r richtig.<\/p><\/blockquote><p>Anmerkung: Dass K&ouml;hler  ein Vertreter der &Uuml;bertragung des Wettbewerbsprinzips in der Politik ist, hat er uns nicht erst in seiner <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1964\">Weihnachtsansprache<\/a> als seine Botschaft verk&uuml;ndet, kein Wunder also dass er auch den Wechsel vom kooperativen zum <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=267\">Wettbewerbsf&ouml;deralismus<\/a> begr&uuml;&szlig;t.<br>\nDass er vor allem die Rente mit 67 als Gro&szlig;tat der Gro&szlig;en Koalition hervorhebt, beweist nur einmal mehr, dass seine Vorstellung von &bdquo;Reformen&ldquo; nur die weitere K&uuml;rzung von Sozialleistungen zum Ziel haben. Kein Wort vom Bundespr&auml;sidenten, dass damit zumindest die hohe Gefahr einer weiteren dramatischen <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1910\">Rentenk&uuml;rzung verbunden ist<\/a>, keine &ndash; wenigstens vorsichtige &ndash; Warnung davor, dass die Rente mit 67 zu mehr sozialer <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1391\">Ungleichheit f&uuml;hren k&ouml;nnte<\/a>. Solche Bedenken kommen ihm bei seinem Reformeifer erst gar nicht in den Sinn.<\/p><p>Dass K&ouml;hler f&uuml;r eine Fortsetzung, ja eher noch f&uuml;r eine Versch&auml;rfung des Agenda-Kurses eintritt, ist bekannt. Warum er &bdquo;diese Linie  f&uuml;r richtig&ldquo;  h&auml;lt, ist f&uuml;r ihn keinerlei Begr&uuml;ndung wert.<\/p><p><strong>Dritte Kostprobe: <\/strong><\/p><blockquote><p>SPIEGEL: Wird sie (diese Linie) gen&uuml;gend fortgesetzt?<\/p>\n<p>K&ouml;hler: Es ist zu fr&uuml;h f&uuml;r ein endg&uuml;ltiges Urteil.<\/p>\n<p>SPIEGEL: Da sind Sie also noch nicht &uuml;berzeugt?<\/p>\n<p>K&ouml;hler: Die notwendige grundlegende Erneuerung Deutschlands haben wir noch nicht geschafft. Da stehen wir erst am Anfang. Wir haben allen Grund, uns &uuml;ber den starken Wirtschaftsaufschwung zu freuen. Vor allem die deutsche Industrie hat ihre<br>\nWettbewerbsf&auml;higkeit deutlich verbessert. Das ist aber kein Grund, sich schon wieder zur&uuml;ckzulehnen.<\/p>\n<p>SPIEGEL: Im Augenblick muss man den Eindruck haben, dass die guten Wirtschaftszahlen eher zur Selbstzufriedenheit der politischen Klasse beitragen.<\/p>\n<p>K&ouml;hler: Das ist Ihre Benotung. Ich sage, wir sollten den Aufschwung nutzen, um weiter voranzukommen: zum Beispiel bei der nachhaltigen Absenkung der Lohnnebenkosten, bei der Neugestaltung der Finanzbeziehungen zwischen Bund und L&auml;ndern und bei einer nationalen Kraftanstrengung f&uuml;r Bildung sowie Forschung und Entwicklung. Im Aufschwung steckt eine Chance f&uuml;r alle.<\/p><\/blockquote><p>Dazu statt einer Anmerkung: Das war fast wortw&ouml;rtlich auch die Neujahrsbotschaft der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverb&auml;nde (BDA): <a href=\"http:\/\/www.bda-online.de\/www\/bdaonline.nsf\/id\/30FD1C23D9CB03FDC1257258003FA9AD?Open&amp;ccm=400085&amp;L=DE&amp;markedcolor\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bda-online.de\/www\/bdaonline.nsf\/id\/30FD1C23D9CB03FDC1257258003FA9AD?Open&amp;ccm=400085&amp;L=DE&amp;markedcolor\">&bdquo;Die Politik muss die gute gesamtwirtschaftliche Entwicklung 2007 endlich f&uuml;r durchgreifende strukturelle Reformen f&uuml;r Senkung von Lohnzusatzkosten und einen beweglicheren Arbeitsmarkt nutzen&ldquo;.<\/a><\/p><p>Haben wir mit erwarteten rd. 2 Prozent wirklich den von K&ouml;hler behaupteten &bdquo;starken Wirtschaftsaufschwung&ldquo;? Sind die Prognosen f&uuml;r 2007 nicht schon wieder deutlich niedriger?<br>\nHat sich die &bdquo;Wettbewerbsf&auml;higkeit&ldquo; tats&auml;chlich durch die Agenda 2010 verbessert? Die Bundesrepublik ist seit Jahren Exportweltmeister, schon lange bevor Schr&ouml;der &uuml;berhaupt an seine Agenda auch nur gedacht hat.<\/p><p><strong>Vierte Kostprobe:<\/strong><\/p><blockquote><p>SPIEGEL: Armut beginnt laut den jetzt vorgelegten Zahlen im Falle einer vierk&ouml;pfigen Familie in Deutschland bei einem verf&uuml;gbaren Einkommen von 1798 Euro netto. Eine Frau, die heute an einer Kaufhauskasse sitzt und mit ihrem Verdienst ihre Familie durchbringt, hat weniger als ein Hartz-IV-Empf&auml;nger. F&uuml;hren wir hier die richtige Diskussion, wenn wir &uuml;ber eine Aufstockung der Lohnersatzleistungen reden?<\/p>\n<p>K&ouml;hler: Es ist jedenfalls eine Diskussion, die sich noch nicht gen&uuml;gend der Realit&auml;t und der Ehrlichkeit verpflichtet sieht. Ich empfinde Hochachtung f&uuml;r die Frau an der Kaufhauskasse. Was sie an Steuern zahlt, finanziert auch den Sozialstaat. Menschen wie sie sollten nicht das Gef&uuml;hl haben m&uuml;ssen: Eigentlich ist es &ouml;konomisch irrational f&uuml;r mich, &uuml;berhaupt noch arbeiten zu gehen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Nach dem j&uuml;ngsten <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/presse\/deutsch\/pk\/2006\/eu_silc_i.pdf\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.destatis.de\/presse\/deutsch\/pk\/2006\/eu_silc_i.pdf\">Armuts-Bericht des Statistischen Bundesamtes [pdf &ndash; 2,8MB]<\/a> vom 5. Dezember 2006 beginnt die Armutsgef&auml;hrdung bei einer vierk&ouml;pfigen Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren tats&auml;chlich &ndash; wie die Spiegel-Leute sagen &ndash;  bei 1798 Euro pro Monat.<br>\nHaben die Herren vom Spiegel aber einmal nachgerechnet, was zwei Erwachsenen und zwei Kindern nach Abzug der Miete noch pro Kopf zum Leben bleibt? K&ouml;nnen gerade solche Journalisten, die sich von ihren j&auml;hrlichen Aussch&uuml;ttungen einen Porsche oder einige Rennpferde leisten k&ouml;nnen, &uuml;berhaupt vorstellen, was ein paar hundert Euro pro Kopf im Monat f&uuml;r ein Leben bedeutet?<\/p><p>Nun setzen aber die Spiegel-Interviewer noch einen drauf und bedienen sich eines miesen demagogischen Tricks: Nach dem sie die beachtliche Zahl von 1798  Euro eingef&uuml;hrt haben, legen sie den Lesern die Assoziation nahe, als seien dies der Betrag, den &bdquo;ein Hartz-IV-Empf&auml;nger&ldquo; bek&auml;me.<\/p><p>Wie vor einigen Monaten der stellvertretende Chefredakteur des Sterns, Ulrich J&ouml;rges, sehen nun auch die Austs und die Steingarts den Kommunismus ausgebrochen. <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1668\">Helga Spindler hat auf den NachDenkSeiten<\/a> diese Demagogie entlarvt:<br>\nNach einer Statistik, die die Arbeitsagentur im Januar 2006 unter dem Titel: &bdquo;Geldleistungen an Bedarfsgemeinschaften&ldquo; ins Netz gestellt hat, gibt es 5,3% von 2.777.322 Millionen ausgewerteten Haushalten, wo Eltern 2 Kinder haben. Und bei gerade mal  0,1 Prozent (!) von diesen Haushalten sind &ndash; etwa wegen erh&ouml;hter Mietkosten oder Sonderaufwendungen &ndash; laufende Nettozahlungen in einer solchen Gr&ouml;&szlig;enordnung von an die zweitausend Euro ausgewiesen. <\/p><p>Was aber den Vergleich mit der &bdquo;Frau an der Kaufhauskasse&ldquo; noch mieser macht, ist die Tatsache, dass bei der von den Spiegel-Leuten angef&uuml;hrten Verk&auml;uferin &ndash; im Gegensatz zu den &Uuml;bertreibungen bei den Hartz IV-Empf&auml;ngern &ndash; die Transferleistungen f&uuml;r deren Kinder und deren Anspr&uuml;che auf Aufstockungsleistungen nach dem Sozialgesetzbuch nicht mit hinzu gerechnet werden, die ihr zus&auml;tzlich als Alleinverdienerin in einer vierk&ouml;pfigen Familie nach Gesetz zust&uuml;nden.<\/p><p>Die Spiegel-Leute betreiben eben ihr &uuml;bliches Gesch&auml;ft des Sch&uuml;rens der Vorurteile, wonach die Sozialleistungen zu hoch und die Armutsgrenze noch viel niedriger angesetzt werden m&uuml;sste. <\/p><p>(Um es ganz b&ouml;sartig zu sagen: Vermutlich haben Sie sich nach dem Interview sich erst einmal einen geg&ouml;nnt und im Cafe &bdquo;Einstein&ldquo; unter den Linden in Berlin eine Spesenrechnung gemacht, die in etwa dem Betrag der Regelleistung eines Hartz IV-Empf&auml;ngers ausmachte. Taxikosten noch nicht eingerechnet.)<\/p><p>Aber nun gut, das kann man noch als den allt&auml;glichen Zynismus unserer Edel-Journalisten abtun. Erschreckender ist, wie unser Bundespr&auml;sident auf diese Frage antwortet. Was meint er denn damit, dass die &bdquo;Diskussion, &hellip; sich noch nicht gen&uuml;gend der Realit&auml;t und der Ehrlichkeit verpflichtet sieht&ldquo;. Meint er damit, dass Hartz IV noch weiter gesenkt werden muss? Meint er, dass sich die Sozialleistungen mit einem deutlichen Abstand an die Niedrigstl&ouml;hne nach unten angepasst werden m&uuml;ssten? <\/p><p>Im n&auml;chsten Satz beweist der Bundespr&auml;sident, dass er voll auf die Frage seiner gleichgesinnten Interviewer  hereingefallen ist: Bei aller gespielten &bdquo;Hochachtung f&uuml;r die Frau an der Kaufhauskasse&ldquo; vergisst er, dass sie als eine Frau die eine vierk&ouml;pfige Familie durchbringen m&uuml;sste, mit Sicherheit nicht auch noch Steuern bezahlen und den Sozialstaat finanzieren muss. Dieser Hinweis passt aber eben so gut ins Tremolo.<\/p><p>Dazu muss man wissen: Spiegel-Interviews sind autorisierte Interviews, d.h. sie werden dem Interviewpartner vor Abdruck vorgelegt und wenn man im Gespr&auml;ch etwas Unsinniges gesagt haben sollte &ndash; was jedem passieren kann -, dann kann man das ohne weiteres korrigieren.<br>\nSo wie es da steht, muss es K&ouml;hler also gesagt haben, und da es nicht wenigstens sein Sprecher korrigiert hat, ist anzunehmen, dass so auch im Schloss Bellevue inzwischen gedacht wird. Andernfalls m&uuml;sste er eigentlich seinen Sprecher entlassen.<\/p><p>Hat unser Bundespr&auml;sident, der sich doch nun bei der Verweigerung seiner Unterschrift unter vom Bundestag verabschiedeten Gesetzen schon zum  wiederholten Male zum obersten Verfassungsh&uuml;ter aufgeschwungen hat, eigentlich noch einen Begriff von der Unantastbarkeit der W&uuml;rde des Menschen wie sie das Grundgesetz in der Pr&auml;ambel garantiert?  Nimmt er nicht mehr wahr, dass ein F&uuml;rsorgesystem, wie es die Sozialhilfe oder heute das Arbeitslosengeld II ist, zielgenau f&uuml;r diejenigen da ist, die nicht genug Einkommen und Verm&ouml;gen haben, um w&uuml;rdevoll zu existieren und die dazu wom&ouml;glich noch eine Familie haben, die man ja nicht je nach Einkommenslage flexibel entlassen kann?<\/p><p>Auf den Gedanke, dass umgekehrt ein Schuh daraus wird und schleunigst Mindestl&ouml;hne eingef&uuml;hrt werden m&uuml;ssten, die eine angemessene Existenzgrundlage erm&ouml;glichten, um wieder einen Abstand zwischen L&ouml;hnen und den Leistungen f&uuml;r das Existenzminimum herzustellen, kommt unser Bundespr&auml;sident nat&uuml;rlich erst gar nicht.<\/p><p>In seiner Logik m&uuml;ssten eben die Sozialleistungen so weit gesenkt werden, dass es &ouml;konomisch rational wird, auch zu Hungerl&ouml;hnen &bdquo;noch arbeiten zu gehen&ldquo;.<\/p><p>Ich will hier abbrechen, dieses Interview im Spiegel weiter zu zitieren und weitere Kostproben dieses Stammtischgespr&auml;ch unter neoliberalen Gesinnungsfreunden zu liefern.<br>\nDas Spiegel-Gespr&auml;ch mit unserem &bdquo;Staatsoberhaupt&ldquo; ist fast durchg&auml;ngig bezeichnend daf&uuml;r, welche Ideologie das Denken unserer &bdquo;Reformer&ldquo; auf der Seite der Medien und bei unseren obersten politischen Repr&auml;sentanten bestimmt und wie sie sich gegenseitig die Stichworte liefern, um sich gegenseitig in ihrer abgehobenen Rolle untereinander zu best&auml;tigen, auf die da unten Druck zu machen und entsprechende Reformen zu propagieren, damit es denen, die da oben das Sagen haben, noch besser geht. <\/p><p>Ein weiteres Beispiel f&uuml;r die Meinung von &uuml;ber achtzig Prozent der Bundesb&uuml;rgerinnen und Bundesb&uuml;rger, dass die Politik und ihre medialen Hofschranzen auf <a href=\"http:\/\/www.stern.de\/politik\/deutschland\/forsa\/:Forsa-Umfrage-Die-Regierung-Volk\/579367.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.stern.de\/politik\/deutschland\/forsa\/:Forsa-Umfrage-Die-Regierung-Volk\/579367.html\">&ldquo;auf die Interessen des Volkes keine R&uuml;cksicht&rdquo;<\/a> nehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn Bundespr&auml;sident Horst K&ouml;hler, der Chefredakteur des Spiegels Stefan Aust, und der Leiter des Berliner B&uuml;ros, Gabor Steingart zusammensitzen, dann sind neoliberale &bdquo;Reformer&ldquo; unter sich. Da wird, wie Tom Schimmeck in der <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/pt\/2006\/12\/30\/a0317.1\/textdruck\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.taz.de\/pt\/2006\/12\/30\/a0317.1\/textdruck\">taz<\/a> schrieb, den Schwachen mal so richtig Druck gemacht und den M&auml;chtigen devot am Bauch gekrault. Ein solches<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1981\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[147,25,96,132],"tags":[531,312,301,479,420],"class_list":["post-1981","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitslosgigkeit","category-lohnnebenkosten","category-bundespraesident","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-koehler-horst","tag-reformpolitik","tag-rentenalter","tag-reservearmee","tag-spiegel"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1981","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1981"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1981\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30355,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1981\/revisions\/30355"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1981"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1981"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1981"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}