{"id":19865,"date":"2014-01-08T09:50:02","date_gmt":"2014-01-08T08:50:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19865"},"modified":"2015-10-14T14:39:31","modified_gmt":"2015-10-14T12:39:31","slug":"bankenabwicklung-und-bail-in-eine-vorlaeufige-bewertung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19865","title":{"rendered":"Bankenabwicklung und Bail-in \u2013 eine vorl\u00e4ufige Bewertung"},"content":{"rendered":"<p>Derzeit wird auf Hochtouren &uuml;ber die zweite S&auml;ule der Bankenunion verhandelt: die Bankenabwicklung. Ma&szlig;geblich daf&uuml;r sind zwei Gesetzestexte: Die Bankenabwicklungsrichtlinie (BRRD) soll EU-weit die Regeln zum Umgang mit Krisenbanken harmonisieren. Zus&auml;tzlich wird &uuml;ber eine Verordnung f&uuml;r einen einheitlichen Abwicklungs-mechanismus f&uuml;r Banken in den Staaten der Bankenunion verhandelt (SRM-VO). Ein Gastartikel von <strong>Axel Troost<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19865#foot_99\" name=\"note_99\">*<\/a>] und <strong>Rainald &Ouml;tsch<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nHintergrund ist die nach wie vor schwelende Bankenkrise in Europa. In den Krisenstaaten sind viele der Banken marode und vergeben aus Eigenkapitalnot und schlechten Konjunkturaussichten (die Sparpolitik der Troika l&auml;sst gr&uuml;&szlig;en) kaum neue Kredite &ndash; was die &Uuml;berwindung der Krise zus&auml;tzlich erheblich erschwert. Das urspr&uuml;ngliche Motiv f&uuml;r die Bankenunion war, diesen Banken den Zugang zu Geldern des ESM zu verschaffen und damit den Teufelskreis zwischen Staats- und Bankschulden zu durchbrechen. Doch dieser Zugang zu Finanzmitteln wurde von der Bundesregierung unterlaufen. Die Banken m&uuml;ssen nun zun&auml;chst einen Bilanz- und Stresstest durch die EZB durchlaufen und festgestellte (Eigen)Kapitall&uuml;cken aus eigener Kraft oder mit Hilfe ihrer klammen Regierung f&uuml;llen. Die neuen Regeln f&uuml;r Krisenbanken werden erst nach und nach wirksam werden.<\/p><p>Die neuen Regeln sehen vier Abwicklungsinstrumente f&uuml;r systemrelevante Banken vor (nicht-systemrelevante Banken sollen normal abgewickelt werden): <\/p><ol>\n<li>Ver&auml;u&szlig;erung eines Unternehmens (oder eines Teils davon); <\/li>\n<li>Schaffung eines Br&uuml;ckeninstituts (vor&uuml;bergehende &Uuml;bertragung von nicht wertgeminderten Verm&ouml;genswerten einer kriselnden Bank auf ein &ouml;ffentlich kontrolliertes Unternehmen); <\/li>\n<li>Ausgliederung von Verm&ouml;genswerten (&Uuml;bertragung von wertgeminderten Verm&ouml;genswerten auf eine Zweckgesellschaft zur Verm&ouml;gensverwaltung, d.h. in   eine &bdquo;Bad Bank&ldquo;); <\/li>\n<li>Bail-in-Ma&szlig;nahmen (die Zuweisung von Verlusten je nach Bevorrechtigung an Anteilsinhaber und Gl&auml;ubiger).<\/li>\n<\/ol><p>Instrument 3, welches dem Bad Bank-Modell entspricht, darf nur mit einem der anderen Instrumente angewendet werden.<\/p><p>Die meisten Ideen aus den europ&auml;ischen Regelungen sind aus der deutschen Gesetzgebung bereits bekannt (Bankentestamente, Abspaltung einer Bad Bank\/Br&uuml;ckenbank, Abwicklungsfonds, Bankenabgabe). Eine wesentliche Neuerung sind die Regelung zur Gl&auml;ubigerbeteiligung (&bdquo;Bail-in&ldquo;, &bdquo;Haftungskaskade&ldquo;). Da die Regeln im Fluss sind und sich die Verhandlungsgrundlagen st&auml;ndig &auml;ndern, soll hier eine vorl&auml;ufige Bewertung vorgenommen werden.<\/p><p><strong>Zum Bail-in<\/strong><\/p><p>Das zuk&uuml;nftig wohl wichtigste Abwicklungsinstrument ist das sogenannte Bail-in. Es soll daf&uuml;r sorgen, dass zun&auml;chst Eigent&uuml;mer und ungesicherte Gl&auml;ubiger f&uuml;r Verluste und Kosten der Stabilisierung einer Bank aufkommen m&uuml;ssen &ndash; im Gegensatz zum Bail-out, d.h. dem Herauspauken der Gl&auml;ubiger durch externe Finanzhilfen. Beim Bail-in werden an die Bank gerichtete Forderungen abgeschrieben oder umgewandelt. Bereits bestehende Eigentumsrechte an der Bank w&uuml;rden dabei verw&auml;ssert oder gar annulliert. Die Gl&auml;ubiger m&uuml;ssen auf Forderungen verzichten und erhalten daf&uuml;r ggfs. Eigentums-rechte an der Bank. Durch die Umwandlung von Fremdkapital zu Eigenkapital kann die Bank somit rekapitalisiert werden.<\/p><p>Ein Beispiel f&uuml;r Bail-in ist die Bankenrettung in Zypern, wo z.B. bei der &bdquo;Bank of Cyprus&ldquo; Einlagen oberhalb von 100.000 Euro etwa zur H&auml;lfte gegen (weitgehend wertlose)  Aktien umgetauscht wurden.<\/p><p>In der deutschen Bankenrettung wurde die Beteiligung von Aktion&auml;ren und Gl&auml;ubigern tunlichst vermieden, die Kosten der Krise vorwiegend dem Steuerzahler aufgeb&uuml;rdet. Seit 2010 k&ouml;nnen zwar im Zuge eines Sanierungsverfahrens nach dem Kreditreorganisationsgesetz Forderungen an eine Bank in Eigenkapital gewandelt werden. Die Gl&auml;ubiger m&uuml;ssen dies aber mehrheitlich und gesondert nach Gl&auml;ubigergruppen beschlie&szlig;en.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Angesichts der Freiwilligkeit dieser Regelung w&auml;re es weltfremd, bei systemrelevanten Banken, bei denen der Staat erpressbar ist, auf diesem Weg eine substanzielle Gl&auml;ubigerbeteiligung zu erwarten. Aus deutscher Sicht ist das Bail-in-Instrument daher weitgehend neu.<\/p><p><strong>Haftungskaskade<\/strong><\/p><p>Das Bail-in-Instrument unterscheidet nach verschiedenen Gl&auml;ubigergruppen. Einige Verbindlichkeiten sind vollst&auml;ndig vom Bail-in ausgenommen, andere werden nach einer festen Reihenfolge (Haftungskaskade) herangezogen. Dar&uuml;ber gibt es bei den Verhandlungsparteien des Trilogs &ndash; also EU-Kommission, Europ&auml;ischer Rat und Europ&auml;isches Parlament &ndash; unterschiedliche Vorstellungen. Ob es bis zur Europawahl noch zu einer Einigung kommen wird, ist unsicher.<\/p><p>Vom Bail-in ausgenommen sind gesicherte Schuldverschreibungen wie Pfandbriefe und bestimmte Verbindlichkeiten mit kurzer Laufzeit (je nach Sicht der Trilog-Parteien          7 Tage bzw. ein Monat). Einlagen sind bis zu einem Volumen von 100.000 Euro gesch&uuml;tzt (alles andere w&uuml;rde der gesetzlichen Einlagensicherung zuwiderlaufen). Auch Angestellte, Lieferanten und Dienstleister werden gesch&uuml;tzt. <\/p><p>Die verbleibenden Gl&auml;ubiger werden nach einer Haftungskaskade herangezogen, &uuml;ber deren genaue Reihenfolge sich Kommission, Rat und Europaparlament nach wie vor nicht einig sind (vgl. Abbildung 1).[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Es lohnt sich, ihre unterschiedlichen Vorschl&auml;ge anzuschauen. <\/p><p><strong>Abbildung 1: Vorschl&auml;ge zur Haftungskaskade aus Sicht der europ&auml;ischen Institutionen (EU-Kommission, Europ&auml;ischer Rat, Europaparlament (Ausschuss f&uuml;r Wirtschaft und W&auml;hrung), aktuelle Beihilferegelungen). Stand: 18.10.2013<\/strong><\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/140106_bail-in_1.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/140106_bail-in_1_small.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p><em>RF: Resolution Funds = Abwicklungsfonds; DGS: Deposit Guarantee Scheme = Einlagensicherungs-system; TA: Total Assets = Gesamtverm&ouml;genswerte. Quelle: EU-Kommission.<\/em><\/p><p>Umstritten ist zum einen, wann Einlagen, die nicht der gesetzlichen Einlagensicherung unterliegen, herangezogen werden und ob anstelle der gesch&uuml;tzten Einlagen die zugeh&ouml;rigen nationalen Einlagensicherungssysteme einen Beitrag zu leisten haben.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] Anders als bei Bankanleihen, wo sich der K&auml;ufer &uuml;ber Risiken bewusst sein sollte und seine Anlagen breit streuen kann, steht bei Einlagen nicht die Rendite, sondern die Aufbewahrungsfunktion im Vordergrund. Bahnt sich nun eine Krise an, d&uuml;rfte ein signifikanter Teil der Anleger seine Einlagen vorzeitig abziehen (gerade diejenigen, die gute Kontakte in die Finanzwelt oder Regierung haben) oder auf unterschiedliche Konten st&uuml;ckeln, so dass sie von der Einlagensicherung gesch&uuml;tzt w&auml;ren. <\/p><p>Aus der zypriotischen Bankenabwicklung ist bekannt, wie willk&uuml;rlich das Abrasieren von Einlagen mit mehr als 100.000 Euro sein kann (z.B. wenn nach einem Hausverkauf oder der Auszahlung einer Lebensversicherung vor&uuml;bergehend gr&ouml;&szlig;ere Betr&auml;ge auf ein Konto gehen oder wenn ein Tourismusbetrieb in der Saison hohe Einnahmen bei der Bank parkt, um au&szlig;erhalb der Saison Geh&auml;ltern auszuzahlen). Wegen dieser Willk&uuml;r ist eine weitergehende Ausnahme von Einlagen sinnvoll. Der Zugriff auf hohe Verm&ouml;gen w&auml;re besser durch Verm&ouml;gensteuern bzw. -abgaben zu bewerkstelligen. <\/p><p>Umstritten ist zum anderen auch, wann der Abwicklungsfonds (s.u.) angezapft werden darf. Laut einer Einigung des Europ&auml;ischen Rates von Ende Juni 2013 m&uuml;ssen Aktio-n&auml;re und Gl&auml;ubiger mindestens 8 Prozent der Gesamtverbindlichkeiten geschultert haben, bevor der Abwicklungsfonds einspringen darf. Dessen Beitrag soll dann zun&auml;chst auf 5 Prozent der Gesamtverbindlichkeiten begrenzt werden, bevor danach die sonstigen ungesicherten Gl&auml;ubiger herangezogen werden m&uuml;ssten. Bei Kommission und Europaparlament k&auml;me der Abwicklungsfonds erst nach einem Bail-in an die Reihe (laut EP w&uuml;rde das Bail-in in einer systemischen Krise aber ausfallen).<\/p><p>Bestimmte Verbindlichkeiten k&ouml;nnen nach Ermessen der nationalen Aufsicht vom Bail-in ausgenommen werden. Im Gegenzug m&uuml;ssten jedoch andere Gl&auml;ubiger einen h&ouml;heren Beitrag erbringen oder der Abwicklungsfonds einspringen. Eine gewisse Flexibilit&auml;t ist sinnvoll, um ungewollte H&auml;rten oder &Uuml;bersprungeffekte zu vermeiden. Zugleich schaffen Ausnahmen aber auch wieder ein Einfallstor f&uuml;r einflussreiche Interessen-gruppen oder nationale Egoismen.<\/p><p>Die Bail-in-Regeln sollen ab 2016 greifen. Der Kommissionsentwurf hatte urspr&uuml;nglich 2018 vorgesehen. Bis dahin gelten die Beihilferegelungen der Kommission (die zum    1. August 2013 versch&auml;rft wurden).<\/p><p>Damit das Bail-in-Instrument &uuml;berhaupt greift, m&uuml;ssen die Institute nat&uuml;rlich gen&uuml;gend Bail-in-f&auml;hige Verbindlichkeiten vorhalten. Dies soll durch eine noch vorzuschreibende Mindestquote erreicht werden (&bdquo;Mindestverlustabsorptionskapazit&auml;t&ldquo;).<\/p><p><strong>Abwicklungsfonds<\/strong><\/p><p>An letzter Stelle der Haftungskaskade (laut Vorstellung des Rates auch schon fr&uuml;her) kommt der Abwicklungsfonds zum Einsatz. Dieser soll aus j&auml;hrlichen Beitr&auml;gen der Banken gespeist werden (&bdquo;Bankenabgabe&ldquo;). Zus&auml;tzlich k&ouml;nnen in stark begrenztem Umfang Sonderbeitr&auml;ge erhoben werden, wenn der Fonds ausgesch&ouml;pft ist. Vorge-sehen ist auch, dass Verluste des Abwicklungsfonds durch sp&auml;tere Zahlungen aus der Bankenabgabe nach und nach abgetragen werden.<\/p><p>Laut einem Kompromissvorschlag des Rates sollen die bereits bestehenden bzw. noch zu errichtenden nationalen Abwicklungsfonds innerhalb von zehn Jahren &bdquo;zu einem gesamteurop&auml;ischen Instrument ausgebaut werden, in dem nationale Abschottungen fallen&ldquo;. Die nationalen Fonds sollen dazu in j&auml;hrlichen 10-Prozent-Schritten zu einem gemeinsamen Fonds verschmelzen. Die nationalen Kammern sollen solange nur f&uuml;r die Banken des eigenen Landes zur Verf&uuml;gung stehen, daf&uuml;r aber zuerst in Anspruch genommen werden. Die vergemeinschaftete Kammer ist f&uuml;r alle Banken in der Bankenunion vorgesehen. Die Verschmelzung soll in einer separaten intergouvernementalen Vereinbarung beschlossen werden. Die genauen Details sind noch zu regeln.<\/p><p>Der Fonds soll laut Willen der Kommission binnen zehn Jahren ein Zielvolumen von einem Prozent der gesicherten Einlagen der teilnehmenden Banken erreichen, das entspricht einem Volumen von ca. 55 Mrd. Euro. Auf Deutschland d&uuml;rften davon etwa 10 Mrd. Euro entfallen. Die Gr&ouml;&szlig;e des Fonds ist aber noch umstritten.<\/p><p>In Deutschland gibt es bereits seit Ende 2010 einen Abwicklungsfonds (den Restrukturierungsfonds). Statt urspr&uuml;nglich erhofften 1,2 Mrd. Euro j&auml;hrlich flossen in den vergangenen drei Jahren nur die H&auml;lfte der Betr&auml;ge. Um den europ&auml;ischen Fonds recht-zeitig zu f&uuml;llen, m&uuml;ssten daher die Bankgewinne oder die Bankenabgabe erh&ouml;ht werden. Letzteres k&ouml;nnte gerade die Sparkassen und Genossenschaftsbanken treffen, die aktuell von der Bankenabgabe weitgehend ausgespart sind, weil sie vom Abwicklungsfonds auch kaum profitieren k&ouml;nnen.<\/p><p><strong>Letztsicherungsmechanismus<\/strong><\/p><p>Wenn weitere Gelder ben&ouml;tigt werden, soll ein Letztsicherungsmechanismus einspringen. Dabei sollen zun&auml;chst die Nationalstaaten haften. Erst wenn sie nicht dazu in der Lage sind, soll der ESM Finanzmittel bereitstellen (unter Auflagen). Dies ist besonders f&uuml;r die &Uuml;bergangszeit relevant, d.h. solange keine oder nur wenig Gelder im Abwicklungsfonds liegen. In welcher Form der ESM angezapft werden kann, ist nach wie vor umstritten &ndash; auch wenn bis zu 60 Mrd. Euro der ESM-Mittel f&uuml;r Bankenrekapitalisie-rungen vorgesehen sind. <\/p><p>Angesichts von ca. 4,5 Billionen Euro, die in der Finanzkrise in der EU an Beihilfen (Finanzspritzen und B&uuml;rgschaften) bewilligt worden sind, wird aber klar, dass es auf europ&auml;ische Ebene damit keinen wirksamen gemeinsamen Letztsicherungsmechanismus geben wird.<\/p><p><strong>Reichweite des Vorschlags<\/strong><\/p><p>Die EU-Kommission behauptet nachgerechnet zu haben, dass durch Bail-in und Abwicklungsfonds die meisten Bankenpleiten abgefangen werden k&ouml;nnten, ohne dass Gelder oder Garantien der Steuerzahler (bzw. des ESM) ben&ouml;tigt w&uuml;rden.<\/p><p>Dazu hat sie 45 europ&auml;ische Banken genauer unter die Lupe genommen, unterschieden nach Gro&szlig;banken (Bilanzsumme gr&ouml;&szlig;er als 300 Mrd. Euro), mittelgro&szlig;en Banken und bei Gro&szlig;banken wiederum danach, ob sie sich st&auml;rker am (Banken)Markt oder &uuml;ber Einlagen refinanzieren. Laut den Vorschl&auml;gen von Kommission und Rat w&auml;ren etwa die H&auml;lfte der Verbindlichkeiten der Banken Bail-in-f&auml;hig, laut dem Vorschlag des EP mit einem st&auml;rkeren Schutz der Einlagen etwa ein Drittel der Verbindlichkeiten (siehe Tabelle 1).<\/p><p>Dem sind die Verluste gegen&uuml;berzustellen, die in einer Finanzkrise anfallen w&uuml;rden (Abbildung 2 zeigt die Verluste von 32 Banken in der Finanzkrise). Laut Kommission und EP w&auml;re ein Puffer von 11 bis 26% (KOM) bzw. 12 bis 23% (EP) vorhanden, bevor bevorzugte Einlagen belangt w&uuml;rden. Laut Europ&auml;ischem Rat l&auml;ge der Puffer bei 22 bis 32%, was zum einen am fr&uuml;heren Einspringen des Abwicklungsfonds, zum anderen an einer anderen Definition der bevorzugten Einlagen liegt. <\/p><p><strong>Tabelle 1: &Uuml;berblick &uuml;ber Bail-in-Kapazit&auml;ten. EP: Europ&auml;isches Parlament; COM: EU-Kommission; CN: Europ&auml;ischer Rat<\/strong><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/140106_bail-in_2.png\" alt=\"\" title=\"\"><br>\nQuelle: EU-Kommission, siehe Fu&szlig;note 2.<\/p><p><strong>Abbildung 2: Staatliche Beihilfen in Form von Rekapitalisierungen oder Entlastungsma&szlig;nahmen von 32 europ&auml;ischen Banken in der aktuellen Finanzkrise (in % der Gesamtverm&ouml;genswerte). Die Banken sind anonymisiert. <\/strong><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/140106_bail-in_3.png\" alt=\"\" title=\"\"><br>\nQuelle: EU-Kommission, siehe Fu&szlig;note 2.<\/p><p>Sp&auml;testens wenn der Abwicklungsfonds in ferner Zukunft einmal gef&uuml;llt sein sollte, w&auml;re das Absorptionspotenzial &ndash; bis zu dem der Steuerzahler ausgespart w&uuml;rde &ndash; damit recht hoch. Doch schlagkr&auml;ftig sind die neuen Regeln vor allem, wenn es um die Schieflage einzelner Institute geht. In einer systemischen Finanzkrise oder bei einer Mega-Bank d&uuml;rften sie nur eingeschr&auml;nkt praktikabel sein. Denn dann geht es darum, eine Massenpanik und Kettenreaktionen zu vermeiden und die Konjunktur zu st&uuml;tzen, was nur der Staat im R&uuml;ckgriff auf (k&uuml;nftige) Steuergelder leisten kann. F&uuml;r eine rechtzeitige Intervention d&uuml;rfte es wenig hilfreich sein, dass die EU-Richtlinie zur Bankenabwicklung den Einsatz von Abwicklungsinstrumenten nur als &bdquo;ultima ratio&ldquo; vorsieht.<\/p><p>Au&szlig;erdem ist damit zu rechnen, dass die Bail-in-Regeln zum Teil durch Vorfeldreak-tionen umgangen oder r&uuml;ckwirkend durch Klagen angefochten werden. Generell ist kritisch zu sehen, dass das Absorptionspotenzial nicht durch wesentlich h&ouml;here Eigenkapitalquoten sondern durch Zugriff auf Bankeinlagen erh&ouml;ht werden soll.<\/p><p>Nach den Erfahrungen der letzten Jahre w&auml;re es naheliegend, durch einen Finanz-T&Uuml;V eine Vielzahl von &bdquo;Finanzinnovationen&ldquo; bewusst zu unterbinden und die Banken auf ihre Kernfunktionen Zahlungsverkehr, Einlagengesch&auml;ft und Finanzierung zu schrumpfen. Banken w&auml;ren dann nicht nur kleiner, sondern ihre Gesch&auml;fte w&auml;ren auch weniger riskant bzw. besser kontrollierbar. Das neue europ&auml;ische Insolvenzregime ist daher eben auch eine Folge der Vers&auml;umnis, das Problem der Systemrelevanz von Banken bisher nicht beseitigt zu haben. Da der neue Abwicklungsmechanismus mitsamt Abwicklungsfonds und Letztsicherung von den gegenw&auml;rtigen Problemen der Banken in den Staaten der Peripherie abkoppelt wurde, d&uuml;rfte sich an der Spaltung der Eurozone in Gl&auml;ubiger- und Schuldnerstaaten hierdurch nur wenig &auml;ndern.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Tim Oliver Brandi und Konrad Gieseler, Banking Resolution und Bail-in &ndash; gesetzliche, euro-p&auml;ische Vorgaben, Zeitschrift f&uuml;r das gesamte Kreditwesen, (18) 2013<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] EU-Kommission: <a href=\"http:\/\/www.thetimes.co.uk\/tto\/multimedia\/archive\/00477\/EC_BAIL-IN_-_compar_477750a.pdf\">&ldquo;Bail-in tool: a comparative analysis of ,the institutions&rsquo; approaches&rdquo; [PDF &ndash; 1.4 MB]<\/a>, Working Paper der EU-Kommission, 18.10.2013,<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Die Kommission nimmt an, dass 50% der Bankeinlagen unter die Einlagensicherung fallen. Die Einlagen von KMU und von Privatpersonen oberhalb von 100.000 Euro werden auf etwa 25% gesch&auml;tzt. Einlagen im Interbankenmarkt sollen zu 66% bzw. 85% eine maximale Laufzeit von 7 Tagen bzw. einem Monat haben.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_99\" name=\"foot_99\">&laquo;*<\/a>] Dr. Axel Troost ist MdB der Linkspartei, Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik und Mitglied im Vorstand des Instituts Solidarische Moderne (ISM). Rainald &Ouml;tsch ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter in Berlin.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Derzeit wird auf Hochtouren &uuml;ber die zweite S&auml;ule der Bankenunion verhandelt: die Bankenabwicklung. Ma&szlig;geblich daf&uuml;r sind zwei Gesetzestexte: Die Bankenabwicklungsrichtlinie (BRRD) soll EU-weit die Regeln zum Umgang mit Krisenbanken harmonisieren. Zus&auml;tzlich wird &uuml;ber eine Verordnung f&uuml;r einen einheitlichen Abwicklungs-mechanismus f&uuml;r Banken in den Staaten der Bankenunion verhandelt (SRM-VO). Ein Gastartikel von <strong>Axel Troost<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19865#foot_99\" name=\"note_99\">*<\/a>]<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19865\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[136,139,22],"tags":[241,672,507,506],"class_list":["post-19865","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-banken-boerse-spekulation","category-euro-und-eurokrise","category-europaische-union","tag-bankenrettung","tag-esmefsf","tag-ezb","tag-troost-axel"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19865","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=19865"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19865\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19867,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19865\/revisions\/19867"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=19865"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=19865"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=19865"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}