{"id":19921,"date":"2014-01-14T11:57:35","date_gmt":"2014-01-14T10:57:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19921"},"modified":"2015-10-14T14:51:43","modified_gmt":"2015-10-14T12:51:43","slug":"der-fall-prokon-es-ist-an-der-zeit-den-grauen-markt-fuer-finanzprodukte-endlich-abzuschaffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19921","title":{"rendered":"Der Fall Prokon \u2013 Es ist an der Zeit, den grauen Markt f\u00fcr Finanzprodukte endlich abzuschaffen"},"content":{"rendered":"<p>Die drohende Insolvenz des Windparkbetreibers Prokon erhitzt die Gem&uuml;ter. Mit Prokon droht einem Unternehmen, das seit mehreren Jahren auf den Warnlisten der Verbrauchersch&uuml;tzer steht, nun die Pleite. Es dr&auml;ngt sich dabei der Verdacht auf, dass das Gesch&auml;ftsmodell von Prokon in frappierender Weise einem klassischen Schneeballsystem gleicht. Derart dubiose Finanzprodukte geben sich auf dem unregulierten Markt f&uuml;r Finanzprodukte, dem sogenannten &bdquo;grauen Markt&ldquo;, ein Stelldichein. Der letzte Versuch, den grauen Markt st&auml;rker zu regulieren, <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/33\/33291\/1.html\">scheiterte im Jahre 2010<\/a> an der Blockade der FDP. Nach dem Regierungswechsel spr&auml;che eigentlich nichts dagegen, die bereits 2010 vom Finanzministerium geplanten Gesetze zur Regulierung des grauen Finanzmarktes nun umzusetzen. Warum geschieht dies nicht? Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8874\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-19921-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140114_Prokon_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140114_Prokon_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140114_Prokon_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140114_Prokon_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=19921-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140114_Prokon_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"140114_Prokon_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Wieder einmal raubt eine drohende Insolvenz zehntausenden gutgl&auml;ubigen Anlegern den Schlaf. Wieder einmal zeigt sich, dass exorbitant hohe Zinsversprechen, die an exotische Finanzprodukte gekn&uuml;pft sind, das Papier nicht wert sind, auf dem sie stehen. So gesehen w&auml;re der Fall Prokon ein Fall von vielen. Doch der Fall Prokon ist dennoch etwas besonderes: Prokons Zielgruppe waren offenbar vor allem ansonsten sehr kritische Verbraucher, die den Banken nicht mehr &uuml;ber den Weg trauten. Vor allem im Sog der Finanzkrise konnte Prokon mit einer Art &bdquo;Anti-Establishment-Marketing&ldquo; zahlreiche Kunden f&uuml;r sich gewinnen. Damals wie heute geh&ouml;rte die scharfe Kritik an den &bdquo;Banken und Gro&szlig;konzernen&ldquo; zur Vermarktungsstrategie von Prokon. Es ging ja schlie&szlig;lich auch um ein l&ouml;bliches und gesellschaftlich sinnvolles Projekt &ndash; die Energiewende. Auch heute sieht sich Prokon nicht als T&auml;ter, sondern als Opfer. Die kritischen Berichte der Medien werden von den Verantwortlichen als &bdquo;Kampagne&ldquo; gedeutet. Welch&acute; bittere Ironie.<\/p><p>Das Gesch&auml;ftsmodell von Prokon war sp&auml;testens seit 2007 &ndash; formulieren wir es vorsichtig, um juristisch nicht angreifbar zu sein &ndash; fragw&uuml;rdig. 96% des Kapitals von Prokon stammen aus sogenannten Genussrechten, die der Konzern mittels einer sehr gro&szlig; angelegten Marketingkampagne von 75.000 Anlegern eingesammelt hat. Dabei d&uuml;rften wohl nur die wenigsten Anleger &uuml;berhaupt verstanden haben, was Genussrechte &uuml;berhaupt sind. Bei Genussrechten handelt es sich um eine Art Mischung aus Anleihe und Aktie, die vor allem die negativen Eigenschaften beider Instrumente b&uuml;ndelt. Wer Genussrechte h&auml;lt, hat sich &bdquo;still&ldquo; am Unternehmen beteiligt und verzichtet &ndash; anders als bei der Aktie &ndash; auf jegliche Mitsprache. Anders als Anleihen und Kredite werden Kapitalbeteiligungen &uuml;ber Genussrechte grunds&auml;tzlich nachrangig behandelt. Geht ein Unternehmen in die Insolvenz, werden also zun&auml;chst s&auml;mtliche offenen Forderungen aus der Insolvenzmasse bezahlt und das Geld was ggf. &uuml;brig bleibt, d&uuml;rfen sich dann die Besitzer der Genussrechte teilen. Das Risiko eines Totalverlusts ist bei Genussrechten also stets gegeben. Genussrechte sind somit ein hoch riskantes Produkt, das vergleichsweise selten eingesetzt wird und an das aufgrund des hohen Risikos meist auch hohe Zinsversprechen gebunden sind. In der Regel greifen Unternehmen zu diesem Instrument, wenn sie keine Chance haben, an regul&auml;re Kredite zu kommen.<\/p><p>So gesehen, sind die sechs bis acht Prozent &bdquo;Garantiezins&ldquo;, die von Prokon angeboten wurden, keinesfalls ungew&ouml;hnlich hoch. Andere Formen von Risikokapital sind bedeutend teurer. Bei anderen Formen des Risikokapitals wei&szlig; der Anleger jedoch auch, auf was er sich da einl&auml;sst. Wenn ein Unternehmen wie Prokon sich nahezu ausschlie&szlig;lich &uuml;ber Risikokapital finanziert, m&uuml;sste man sich als Anleger die Frage stellen, ob das Unternehmen wirklich so solide ist, um auf 96% des eingesetzten Kapitals bis zu acht Prozent Zinsen bezahlen zu k&ouml;nnen. Offenbar war Prokon keinesfalls so solide und ver&ouml;ffentlichte zudem seine Gesch&auml;ftszahlen &ndash; wenn &uuml;berhaupt &ndash; nur versp&auml;tet und ungenau. Die gro&szlig;e St&auml;rke des Unternehmens scheint vielmehr die Akquise neuer Investoren gewesen zu sein. Da dr&auml;ngt sich nat&uuml;rlich der Verdacht auf, dass Prokon ein klassisches Schneeballsystem betreibt, bei dem die Zinsen der &bdquo;alten&ldquo; Investoren mit dem eingesetzten Kapital der &bdquo;neuen&ldquo; Investoren bezahlt werden. Neu ist dieser Verdacht freilich nicht. Bereits im Jahre 2010 zitierte die taz in einem auch <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Warnung-vor-gruenen-Geldanlagen\/!48604\/\">ansonsten sehr lesenswerten Artikel<\/a> einen Prokon-Insider mit dem Satz:<\/p><blockquote><p>\n<em>&ldquo;Prokon betreibt ein Schneeballsystem, das in wenigen Jahren komplett crashen und zu einem der gr&ouml;&szlig;ten Skandale der deutschen Windbranche werden k&ouml;nnte.&rdquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Die taz ist mit ihren Warnungen kein Einzelfall. Bereits <a href=\"http:\/\/www.test.de\/Prokon-Genussrechte-Windige-Werbung-1852031-0\/\">seit 2010 warnte<\/a> auch die Stiftung Warentest vor dem Finanzierungsmodell der Firma Prokon. Ein Jahr sp&auml;ter wurde Prokon <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/nord\/artikel\/?dig=2011\/03\/30\/a0028&amp;cHash=b9b7b5e3b5\">schlie&szlig;lich gerichtlich untersagt<\/a>, ihr Finanzierungsmodell als &bdquo;sicher&ldquo; zu bewerben, ohne dabei auf die Risiken hinzuweisen. Zuvor hatte Prokon die Genussrechte in Marketingveranstaltungen als &bdquo;gr&uuml;nes Sparbuch&ldquo; mit acht Prozent Zinsen beworben, als &bdquo;rundum sichere Sache&ldquo;, als &bdquo;Alternative zur Sparanlage, Ausbildungsversicherung und Riestervorsorge&ldquo;. <\/p><p>Nun w&auml;re es freilich einfach, den leichtgl&auml;ubigen und uninformierten Investoren Vorhaltungen zu machen. Nat&uuml;rlich sollte bekannt sein, dass ein hoher Zins immer(!) mit einem hohen Risiko einhergeht. W&auml;ren Unternehmen &aacute; la Prokon wirklich solide, k&ouml;nnten sie sich Eigen- oder Fremdkapital n&auml;mlich wesentlich g&uuml;nstiger besorgen. Warum sollte ein Unternehmen auch freiwillig acht Prozent zahlen, wenn es das n&ouml;tige Kapital auch f&uuml;r vier Prozent bek&auml;me? <\/p><p>Eine &bdquo;Anlegerschelte&ldquo; w&uuml;rde jedoch zu kurz greifen. Der Staat hat nun einmal die Pflicht, auch leichtgl&auml;ubige und uninformierte Anleger zu sch&uuml;tzen. Bei dubiosen Anbietern, die sich &uuml;ber Finanzinstrumente wie Genussrechte oder geschlossene Fonds finanzieren, sind ihm da jedoch beide H&auml;nde gebunden. Leicht zugespitzt k&ouml;nnte man sagen, dass Finanzprodukte, die &uuml;ber den grauen Markt vertrieben werden, schlechter kontrolliert werden als jeder D&ouml;ner. Das hei&szlig;t auch, dass ein Unternehmen wie Prokon, das 1,3 Mrd. Euro Anlegergelder &uuml;ber riskante Finanzprodukte eingesammelt hat, momentan nicht sch&auml;rfer reguliert wird, als jede kleine Imbissbude. <\/p><p>Dabei w&auml;re es sehr einfach, hier Abhilfe zu schaffen. Der Gesetzgeber m&uuml;sste nur daf&uuml;r sorgen, dass der Vertrieb von Finanzprodukten generell und ausnahmslos unter das Kreditwesengesetz gestellt wird und damit unter die Kontrollpflicht der BaFin f&auml;llt. Genau dies hatte das Bundesfinanzministerium bereits 2010 gefordert. Die geplante Gesetzesnovelle scheiterte jedoch am <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/33\/33291\/1.html\">Veto<\/a> des damals FDP-gef&uuml;hrten Wirtschaftsministeriums. Die FDP ist erst einmal Geschichte und es ist anzunehmen, dass Sigmar Gabriel als neuer Wirtschaftsminister kein Veto einlegen wird. Worauf warten die Gro&szlig;koalition&auml;re? Ist der Fall Prokon nicht eine Steilvorlage, um ein l&auml;ngst &uuml;berf&auml;lliges Gesetz jetzt endlich zu verabschieden?<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/6984ce5d6c634c58a0917652bac1e331\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die drohende Insolvenz des Windparkbetreibers Prokon erhitzt die Gem&uuml;ter. Mit Prokon droht einem Unternehmen, das seit mehreren Jahren auf den Warnlisten der Verbrauchersch&uuml;tzer steht, nun die Pleite. 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