{"id":2001,"date":"2007-01-11T08:27:48","date_gmt":"2007-01-11T07:27:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2001"},"modified":"2016-01-19T11:13:37","modified_gmt":"2016-01-19T10:13:37","slug":"greisenland-in-der-ard-der-verfilmte-methusalem-komplex","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2001","title":{"rendered":"\u201eGreisenland\u201c in der ARD \u2013 der verfilmte Methusalem-Komplex"},"content":{"rendered":"<p>Leere Wohnungen, Immobilien zu verschenken, Gastst&auml;tten leer, Alte auf Parkb&auml;nken, Kinder werden zu Kinderg&auml;rten und Schulen aus der gesamten Region angekarrt, aus Schulen werden Altersheime &ndash; das waren die Bilder:<br>\nDie Rente ist nicht sicher, die bezahlbare Gesundheit wird geringer, einen Generationenvertrag gibt es nicht mehr. Das Tempo der Alten ist das Ma&szlig; der Gesellschaft. Die Masse der Alten gibt die Regeln vor. Demografie ist einer der wichtigsten Einflussfaktoren f&uuml;r die n&auml;chsten Jahre. Eine Gesellschaft mit zu hohem Altersdurchschnitt verliert. Wenn eine Gesellschaft &uuml;beraltert, dann gibt es eine Katastrophe &ndash; das sind die Aussagen eines Fernsehst&uuml;cks der ARD vom 10.01.07.<br>\nDemografischer Alarmismus mit der suggestiven Kraft von Bild und Ton. Wolfgang Lieb.<br>\n<!--more--><br>\nDie &bdquo;Vergreisung&ldquo; und &bdquo;&Uuml;beralterung&ldquo; Deutschlands, hat Florian D&ouml;ring als Horrorgem&auml;lde f&uuml;r unsere Zukunft an die Wand gemalt bzw. auf den Bildschirm geworfen.<br>\nDie 40-J&auml;hrigen h&auml;tten sich verweigert, vor allem die Frauen dieses Alters h&auml;tten sich gegen Kinder entschieden. Dabei hatten sie es doch so gut: Sie hatten Wohlstand, politischen Neuanfang mit Willy Brandt, Vollbesch&auml;ftigung, die Schule verlor ihre Schrecken.<br>\nGr&uuml;nde f&uuml;r den Geburtenr&uuml;ckgang seien gute Bildung (&bdquo;wer wollte machte Abitur, dank des Baf&ouml;Gs war Vieles m&ouml;glich&ldquo;), Selbstverwirklichung und Frauenemanzipation (&bdquo;Emma&ldquo;). Der Job bestimme das Leben. Das &bdquo;Ich&ldquo; sei die Maxime der heute 40-j&auml;hrigen.<\/p><p>Der Club der Greisen sei das Netzwerk der Zukunft und deshalb h&auml;tten alle &bdquo;Zukunftsthemen&ldquo; eine Mehrheit gegen sich. Wer sich retten k&ouml;nne, rette sich ins Ausland (an den Genfer See zum Segeln, wie der interviewte Anwalt).<br>\nDie Senioren w&uuml;rden attraktiv f&uuml;r Parteien, die an die Macht wollten. Altenlobbyismus werde zum Pflichtprogramm f&uuml;r die Parteien. Das Interesse der Greisen gelte dem Absichern.<br>\nDas Greisentempo sei das Ma&szlig;, die Masse der Alten gebe die Regeln vor. Eine Gesellschaft mit zu hohem Altersdurchschnitt &bdquo;verliere&ldquo;. Der Zukunftsmarkt seien St&uuml;tzstr&uuml;mpfe (meinte ein Analyst).<br>\nGanz Deutschland verwandelt sich in ein Altersheim.<\/p><p>Der Film tut erstens so, als sei die Entwicklung unausweichlich. Die demografischen Modellannahmen, werden als sichere Prognosen genommen. Es wird so getan als laufe man mit Sicherheit in eine Greisen-Falle. Dass &bdquo;wir&ldquo; in den letzten f&uuml;nfzig Jahren mehr &bdquo;vergreist&ldquo; sind, als in den Zukunfts-Modellen unterstellt wird, und dass es dabei zumindest nicht schlechter geworden, ist dabei v&ouml;llig uninteressant. Dass es auch in Zukunft eine Steigerung der Produktivit&auml;t geben wird, mit der die weniger werdenden Jungen einen gr&ouml;&szlig;eren Kuchen schaffen k&ouml;nnen, der jung und alt ein ausk&ouml;mmliches Dasein erm&ouml;glichte, wenn der Ertrag allen zugute k&auml;me &ndash; kein Gedanke daran. Alle &ouml;konomischen und sozio&ouml;konomischen Ver&auml;nderungen werden au&szlig;er Acht gelassen. Demografie wird zum alles entscheidenden Einflussfaktor. &bdquo;Bestandserhaltung&ldquo; wird zum Zyklop, zum ein&auml;ugigen tumben Riesen &ndash; wie in der griechischen Sage dereinst Polyphem, noch dazu geblendet von der &bdquo;Aktion demografischer Wandel&ldquo; der Bertelsmann Stiftung und dem gleichfalls von dieser Stiftung bestimmten &bdquo;Forum demografischer Wandel des Bundespr&auml;sidenten&ldquo;, <a href=\"http:\/\/daserste.ndr.de\/pages\/std\/t_cid-3460798_.html\">wie die ARD in ihren Links als Informationsquellen selbst angibt<\/a>.<\/p><p>Die Gr&uuml;nde f&uuml;r den Geburtenr&uuml;ckrang der letzten Jahre werden auf subjektive Einstellungen &ndash; Bildung, Selbstverwirklichung, Emanzipation &ndash; reduziert.<br>\nKeinerlei Nachdenken dar&uuml;ber, warum die jungen Leute aus der im Film exemplarisch dargestellten Gemeinde Breitenbach im Harz fliehen &ndash; k&ouml;nnte es vielleicht daran liegen, dass sie keine Arbeit bzw. keine Existenz mehr finden, wie der zitierte Gastwirt bef&uuml;rchtet?<br>\nHat das Kinderkriegen damit zu tun, dass der B&uuml;rgermeister (er steht f&uuml;r die Politik) eines Dorfes das Babysitting &uuml;bernimmt? Hat es nicht vielmehr vielleicht etwas damit zu tun, dass der &bdquo;Job das Leben bestimmt&ldquo; und zwar &bdquo;von 9 bis 21 Uhr&ldquo; und dass die Leute mehr und mehr glauben, sie k&ouml;nnten sich Kinder finanziell nicht leisten?<\/p><p>Als L&ouml;sungsangebote bietet der Film nur Gemeinschaftswohnprojekte und &bdquo;Age-Explorer&ldquo; an (Ger&auml;te mit denen die J&uuml;ngeren ein Leben im Alter vorausempfinden k&ouml;nnen). Das bleibt an D&uuml;rftigkeit &uuml;brig, wenn man nur noch durch die &bdquo;&Uuml;beralterung&ldquo; als Blickwinkel hat.<\/p><p>Vermutlich haben die Filmemacher noch nie dar&uuml;ber nachgedacht was &bdquo;&Uuml;ber&ldquo;-Alterung schon in der Alltagssprache bedeutet:<br>\n &bdquo;&uuml;ber&ldquo; als Vorsilbe steht im Deutschen h&auml;ufig, um ein Nicht-Gleichgewicht, eine unerw&uuml;nschte\/sch&auml;dliche Nicht-Normalit&auml;t auszudr&uuml;cken. &bdquo;&Uuml;ber-fl&uuml;ssig&ldquo; ist urspr&uuml;nglich das, was nicht mehr ins Glas passt, was also &uuml;ber-l&auml;uft und damit verloren geht. &bdquo;&Uuml;ber-h&ouml;hte&ldquo; Preise sind solche, die  nicht dem Preis-Leistungsverh&auml;ltnis entsprechen; der Kunde also &uuml;bers Ohr gehauen wird. Ein &bdquo;&uuml;ber-f&uuml;llter&ldquo; Bus macht einen normalen Personentransport unangenehm und gef&auml;hrlich. <\/p><p>Man kommt kaum umhin anzunehmen, dass der Fernsehbeitrag, wenn er von &Uuml;ber-alterung der deutschen Bev&ouml;lkerung spricht, eine A-Normalit&auml;t bezeichnen will. Es ist nicht normal, wenn so viele Leute nach ihrem Berufleben l&auml;nger leben und damit l&auml;nger in den Genuss ihres erworbenen Anspruchs auf Rente und Pension kommen.<br>\n(Diesen Gedanken habe ich von Josef J. Martin, einem unserer Leser.) <\/p><p>Die unausgesprochene Botschaft dieses Filmes ist: Dieses &bdquo;&Uuml;ber-wuchern&ldquo; der Gesellschaft durch die Alten muss zur&uuml;ck geschnitten werden. <\/p><p>Und die ausgesprochene Botschaft: Frauen bildet Euch nicht mehr so sehr, die Emanzipation war ein Irrweg und Selbstverwirklichung ist eine S&uuml;nde wider den Biologismus und schuld daran, dass die Gesellschaft &bdquo;verliert&ldquo;. <\/p><p>Ihr Kinder &bdquo;verweigernden&ldquo; 40-J&auml;hrigen seid Schuld an der kommenden Katastrophe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leere Wohnungen, Immobilien zu verschenken, Gastst&auml;tten leer, Alte auf Parkb&auml;nken, Kinder werden zu Kinderg&auml;rten und Schulen aus der gesamten Region angekarrt, aus Schulen werden Altersheime &ndash; das waren die Bilder:<br \/> Die Rente ist nicht sicher, die bezahlbare Gesundheit wird geringer, einen Generationenvertrag gibt es nicht mehr. Das Tempo der Alten ist das Ma&szlig; der Gesellschaft.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2001\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[155,158,183,11],"tags":[1546,1544],"class_list":["post-2001","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-demografische-entwicklung","category-generationenkonflikt","category-medienkritik","category-strategien-der-meinungsmache","tag-ard","tag-kampagnenjournalismus"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2001","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2001"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2001\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30340,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2001\/revisions\/30340"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2001"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2001"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2001"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}