{"id":2019,"date":"2007-01-16T17:47:44","date_gmt":"2007-01-16T16:47:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2019"},"modified":"2016-01-19T10:48:53","modified_gmt":"2016-01-19T09:48:53","slug":"ein-gluck-fur-die-demokratische-meinungsbildung-dass-jauch-nicht-auch-noch-im-offentlich-rechtlichen-rundfunk-auftritt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2019","title":{"rendered":"Ein Gl\u00fcck f\u00fcr die demokratische Meinungsbildung, dass Jauch nicht auch noch im \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk auftritt"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Wichtigtuer&ldquo;, &bdquo;Profilneurotiker&ldquo;, &bdquo;Gremlins&ldquo;, &bdquo;Irrlichter&ldquo; &bdquo;drittklassige Bedenkentr&auml;ger&ldquo;, &bdquo;Heckensch&uuml;tzen&ldquo;, &bdquo;nachgeordnetes Niederwild&ldquo;, so beschimpft, G&uuml;nther Jauch in einem <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/gesellschaft\/0,1518,459553,00.html\">Spiegel-Interview<\/a> die Mitglieder der Kontroll-&bdquo;Gremien&ldquo; der &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk-Anstalten. Weil einige von ihnen es wagten, Bedenken dagegen anzumelden, dass und vor allem unter welchen Bedingungen die ARD-&bdquo;Platzhirsche&ldquo; Jauch und seine Firma I&amp;U TV mit der Produktion des sonntagabendlichen Polit-Talks beauftragen wollten. Was muss Deutschlands &bdquo;glaubw&uuml;rdigster Werbetr&auml;ger&ldquo; und der nach einer Umfrage von &bdquo;Frau im Spiegel&ldquo; &bdquo;beliebteste Deutsche&ldquo; f&uuml;r ein Verst&auml;ndnis von einem demokratisch kontrollierten Rundfunk haben? Ein Gl&uuml;ck, dass solche &bdquo;freie&ldquo; Journalisten mit einem derart ver&auml;chtlichen Verh&auml;ltnis zu einem demokratisch organisierten Rundfunk, nicht auch noch politische Sendungen moderieren. Wolfgang Lieb.<br>\n<!--more--><br>\nDer &ouml;ffentlich-rechtliche Rundfunk ist &bdquo;Faktor&ldquo; und &bdquo;Medium&ldquo; der demokratischen Meinungsbildung und unterliegt deshalb der Kontrolle der &bdquo;gesellschaftlich relevanten Gruppen&ldquo;. So legt das Bundesverfassungsgericht die Rundfunkfreiheit nach Artikel 5 unseres Grundgesetzes aus. Und nur wegen dieser &bdquo;demokratiekonstituierenden&ldquo; Bedeutung darf von jedem B&uuml;rger, der ein Rundfunkger&auml;t &bdquo;bereitstellt&ldquo; eine Geb&uuml;hr abverlangt werden.<br>\nDer &ouml;ffentlich-rechtliche Rundfunk hat nach unserer Verfassung einen Bildungs- und Aufkl&auml;rungsauftrag und er soll ein konstitutives Element einer demokratischen Meinungsbildung sein.<br>\nDeshalb sollen und m&uuml;ssen die Vertreter der &bdquo;relevanten&ldquo; gesellschaftlichen Gruppen (von Unternehmern, Gewerkschaften, Kirchen, Kulturschaffenden, Sport- oder Wohlt&auml;tigkeitsverb&auml;nden) ein W&ouml;rtchen mitzureden haben, wenn aus dem Geld der Geb&uuml;hrenzahler zweistellige Millionenbetr&auml;ge f&uuml;r einen Talk-Master und seine Firma ausgegeben werden sollen und wenn es darum geht, daf&uuml;r Sorge zu tragen, dass der vom Grundgesetz aufgegebene Programmauftrag des &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunks erf&uuml;llt wird.<\/p><p>Man mag und muss an den Rundfunkr&auml;ten, wie an Parlamenten Vieles kritisieren. Aber viele unsere der Pressefreiheit, der &bdquo;Freiheit von zweihundert reichen Leuten&ldquo; (Paul Sethe) dienenden Printmedien-Journalisten versuchen eine solche demokratisch organisierte Meinungsbildung als ein Relikt aus &bdquo;grauer Vorzeit&ldquo; (Jauch) darzustellen. Aus eigener Anschauung wei&szlig; ich, dass solche &bdquo;Bedenkentr&auml;ger&ldquo; in den Rundfunkgremien in ihrer Mehrzahl vermutlich ein gr&ouml;&szlig;eres Verantwortungsgef&uuml;hl gegen&uuml;ber der Funktion eines freien und unabh&auml;ngigen Journalismus im demokratischen Staat haben, als es der &bdquo;Medienstar&ldquo; G&uuml;nther Jauch in seiner w&uuml;tenden Attacke offenbart.<\/p><p>F&uuml;r den RTL-Rateonkel und den &bdquo;Yellow-TV&ldquo;-Journalisten Jauch ist diese gesellschaftliche Kontrolle oder &ndash; in seinen Worten &ndash;  dieser &bdquo;Gremienvorbehalt&ldquo; das Wort des Jahres 2006.<br>\nEr kann nicht verstehen, dass es Leute gibt, die es im Interesse der journalistischen Unabh&auml;ngigkeit f&uuml;r problematisch halten, wenn ein Journalist, der kritisch und eben nicht abh&auml;ngig von Firmen sein sollte, von denen er bezahlt wird, nicht &ndash; wie etwa Beckmann -gleichzeitig Werbetr&auml;ger f&uuml;r private Firmen und deren Interessen sein sollte. Warum wollte Jauch eigentlich seinen Verzicht auf Werbeaktivit&auml;ten nur m&uuml;ndlich aber nicht schriftlich zusichern?<br>\nJauch kann nicht verstehen, dass eine politische Sendung nicht im Zust&auml;ndigkeitsbereich der Unterhaltung bleiben, sondern k&uuml;nftig der politischen Redaktion zugeordnet werden sollte.<br>\n&bdquo;Das h&auml;tte bedeutet, dass sich regelm&auml;&szlig;ig zehn ARD-Chefredakteur &uuml;ber jeden Satz von mir oder meinen G&auml;sten gebeugt h&auml;tten&ldquo;, meint Jauch im Spiegel-Interview. Es sei &bdquo;blanker Unsinn, was Sie unseren Chefredakteuren so alles unterstellen&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.stern.de\/unterhaltung\/tv\/:Vorw%FCrfe-G%FCnther-Jauch-SWR-Intendant-Vo%DF\/580343.html\">sagt dazu SWR-Intendant Vo&szlig;<\/a> in einem offenen Brief zu Recht.<br>\nEinmal davon abgesehen, dass Jauch ein ziemlich merkw&uuml;rdiges Verst&auml;ndnis von der Verantwortung eines Rundfunk-Chefredakteurs  zeigt, hat der denn als Journalist nicht das n&ouml;tige Selbstvertrauen, sich vielleicht auch einmal der Kritik einer politischen Redaktion stellen zu k&ouml;nnen? Ein ziemlich trauriges Bild von einem Journalisten, der doch journalistische Kompetenz f&uuml;r sich in Anspruch nehmen m&ouml;chte.<\/p><p>Es sollte eben bei der Nachfolgesendung von Sabine Christiansen nicht nur um Unterhaltungsjournalismus und schon gar nicht nur um den Verkauf der Marke &bdquo;ARD&ldquo; gehen, was offenbar f&uuml;r die von Jauch so apostrophierten &bdquo;Platzhirsche&ldquo; Jobst Plog, G&uuml;nter Struve und Fritz Pleitgen das Wichtigste war.  Das w&auml;re ein weiterer Schritt weg von der Bildung der &ouml;ffentlichen Meinung hin zum Produkt-Marketing gewesen, bei dem es nur noch auf die Verpackung und nicht mehr um Inhalte geht.<br>\nWenn es beim Fernsehen haupts&auml;chlich nur noch ums Verkaufen, und wie bei den kommerziellen Sendern nur noch um die Einschaltquoten gehen soll, dann braucht man sich auch nicht mehr dar&uuml;ber zu wundern, dass durch dieses wirkm&auml;chtigste Massenmedium immer mehr Menschen verbl&ouml;det werden und unsere Kinder bei Bildungstests immer schlechter abschneiden und so schlie&szlig;lich die F&auml;higkeit zur aktiven Teilhabe an einer demokratischen Gesellschaft abhanden kommt.<\/p><p>Jauch h&auml;lt eben auch  RTL f&uuml;r &bdquo;eine attraktive Frau, manchmal mit etwas zu knappem Rock oder zu viel Rouge auf den Wangen&ldquo;. Bei dieser Art &bdquo;attraktiver Frau&ldquo; ist er besser aufgehoben. <\/p><p>Nebenbemerkung: Typisch f&uuml;r die Debatte um diesen Vorgang ist der Bericht im Spiegel zum Interview mit Jauch: &bdquo;Aus der Jauch&ldquo;. Auf &uuml;ber zwei Seiten geht es mit keinem Satz um die Sendung und um deren Inhalte, sondern nur um Personalgerangel und darum wie viel &bdquo;Kontrolle&ldquo; der Senderverbund ertrage. Es wird die Meinungsbildung innerhalb der ARD kritisiert und h&ouml;hnisch angemerkt: &bdquo;Die ARD soll wieder &ouml;ffentlich-rechtlich riechen, denken und handeln&ldquo;: &bdquo;Grundehrlich, Grundanst&auml;ndig. Grunds&auml;tzlich&ldquo;. Sch&ouml;n w&auml;re es ja.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Wichtigtuer&ldquo;, &bdquo;Profilneurotiker&ldquo;, &bdquo;Gremlins&ldquo;, &bdquo;Irrlichter&ldquo; &bdquo;drittklassige Bedenkentr&auml;ger&ldquo;, &bdquo;Heckensch&uuml;tzen&ldquo;, &bdquo;nachgeordnetes Niederwild&ldquo;, so beschimpft, G&uuml;nther Jauch in einem <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/gesellschaft\/0,1518,459553,00.html\">Spiegel-Interview<\/a> die Mitglieder der Kontroll-&bdquo;Gremien&ldquo; der &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk-Anstalten. 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