{"id":2034,"date":"2007-01-22T09:06:50","date_gmt":"2007-01-22T08:06:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2034"},"modified":"2016-01-19T10:26:56","modified_gmt":"2016-01-19T09:26:56","slug":"kommerzfernsehen-menschenverachtung-als-programm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2034","title":{"rendered":"Kommerzfernsehen: Menschenverachtung als Programm"},"content":{"rendered":"<p>Wer sich je einmal die mitt&auml;glichen oder vorabendlichen &bdquo;Talk-Shows&ldquo; oder die sog. &bdquo;Reality-TV&ldquo;-Sendungen der privaten Sender angesehen hat, kann nur den Eindruck gewinnen, dass die Kommerz-Fernsehsender die niedrigsten und primitivsten Instinkte ihrer (meist noch jungen) Zuschauer ansprechen, um damit ihre Einschaltquoten zu steigern und die Werbung zu verkaufen. Das gilt inzwischen auch f&uuml;r die Massensendungen des Abendprogramms, etwa f&uuml;r die Sendung &bdquo;Deutschland such den Superstar&ldquo;. Ein entsetzter Vater hat uns dazu eine Zusammenstellung geschickt.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>So was gucken wir nat&uuml;rlich nicht, aber was glaubst Du, was diese Menschenverachtung in den K&ouml;pfen der Jungen und M&auml;dchen anrichtet, die an diesem Mist teilnehmen oder ihn sich anschauen? gb<\/strong><\/p><p><strong>Medienw&auml;chter r&uuml;gt Bohlens Entgleisungen<\/strong><\/p><p>Die Dem&uuml;tigungen, die Dieter Bohlen in der neuen Staffel von &ldquo;Deutschland sucht den Superstar&rdquo; allw&ouml;chentlich gegen Casting-Kandidaten losl&auml;sst, bescheren dem Sender RTL nicht nur Traumquoten, sondern auch heftigen &Auml;rger: In einem Brief an RTL-Chefin Anke Sch&auml;ferkordt kritisiert Norbert Schneider, Direktor der NRW-Landesanstalt f&uuml;r Medien, nun: &ldquo;Es ist &uuml;berfl&uuml;ssig, und es ist sch&auml;dlich, wenn der Privatfunk in Deutschland seine Akzeptanz mit Mitteln zu erreichen versucht, die in die N&auml;he verletzter Menschenw&uuml;rde geraten.&rdquo; Bohlens Entgleisungen, am vergangenen Mittwoch von 7,31 Millionen RTL-Zuschauern verfolgt, seien &ldquo;uns&auml;glich und sollten in einem Haus wie RTL nicht folgenlos bleiben&rdquo;, fordert der Medienw&auml;chter. Bei RTL hie&szlig; es dazu in der vergangenen Woche, man wolle sich ernstgemeinter Kritik stellen, andererseits sei es Teil des Konzepts der Sendung, auch &ldquo;skurrile&rdquo; Elemente des Castings zu zeigen. Die Show liefert RTL derzeit Marktanteile von &uuml;ber 20 Prozent.<br>\n(spiegel-vorabmeldung)<\/p><p><strong>TV-Spiefilm onlineausgabe<\/strong><\/p><p>Mit seinen Kommentaren macht Dieter Bohlen in der vierten Staffel der Castingshow &ldquo;Deutschland sucht den Superstar&rdquo; stets einige der Kandidaten l&auml;cherlich. Kirche und Politiker reagieren mit Entsetzen auf die deftigen Spr&uuml;che des 52-j&auml;hrigen Musikers. <\/p><p>Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, fordert vorbildliches Verhalten von Bohlen in dessen Casting-Show. &ldquo;Wer Menschen verachtet, beleidigt Gott&rdquo;, erkl&auml;rte Bischof Huber der Berliner &ldquo;B.Z.&rdquo; Der Juror der RTL-Castingshow missachte mit seinem Verhalten die &ldquo;einfachsten Umgangsformen&rdquo; und verletze die W&uuml;rde des Menschen. Huber forderte Bohlen auf, seiner Verantwortung als Vorbild gerecht zu werden. <\/p><p>Bischof Huber griff auch den Sender an. Beleidigungen und F&auml;kaliensprache d&uuml;rften auch bei RTL keinen Raum haben. Nach Ausstrahlung der zweiten Folge am vergangenen Samstag hatten die ersten Kirchenvertreter und Politiker Bohlens Spr&uuml;che scharf kritisiert. Die stellvertretende FDP-Vorsitzende Cornelia Pieper attackierte RTL in der &ldquo;Bild am Sonntag&rdquo;. Laut Pieper handele der Sender grob fahrl&auml;ssig: &ldquo;Gerade weil diese Sendung viele Kinder und Jugendliche anschauen, ist das absolut verantwortungslos. Ich appelliere an RTL, solche menschenverachtenden Bohlen-&Auml;u&szlig;erungen k&uuml;nftig zu verhindern&rdquo;. <\/p><p><strong>&ldquo;Du bist Schei&szlig;e&rdquo;<\/strong><\/p><p>Der evangelische Bischof Christoph K&auml;hler kritisierte ebenfalls die derben Spr&uuml;che Dieter Bohlens: &ldquo;Ich kann nur an die Vernunft aufgekl&auml;rter Menschen appellieren, sich nicht durch den Kot ziehen zu lassen, der ihnen da vorgesetzt wird. Kandidaten, die dort antreten, stellen sich einem Musikwettbewerb und nicht mehr. Beleidigungen k&ouml;nnen zu schweren pers&ouml;nlichen Verletzungen f&uuml;hren.&rdquo;<\/p><p>Bohlen hatte Bewerber bei den Castingshows unter anderem als &ldquo;Schei&szlig;e&rdquo; bezeichnet. <strong>RTL wies die Vorw&uuml;rfe generell zur&uuml;ck. Es sei nicht Aufgabe des Senders &ldquo;Erziehungsaspekten gerecht zu werden&rdquo;.<\/strong><\/p><p>Sind Ihnen die Spr&uuml;che Dieter Bohlens zu flach? Machen Sie <a href=\"http:\/\/blog.tvspielfilm.de\/rewind\/archives\/721\">hier<\/a> einen besseren Vorschlag. TV SPIELFILM wird Dieter die besten Beitr&auml;ge zuschicken. (<em>TVS\/ddp\/dpa<\/em>)<\/p><p><strong>Bild,  14.1. FDP-Vize-Chefin: Bohlens Spr&uuml;che sind menschenverachtend<\/strong><br>\nVon M. BETZ und A. HELLEMANN<br>\nK&ouml;ln &ndash; <strong>Er macht sein brutales Versprechen wahr. Juror Dieter Bohlen (52) hatte vor dem Beginn der vierten Staffel der Castingshow &bdquo;Deutschland sucht den Superstar&ldquo; (RTL) angek&uuml;ndigt: &bdquo;Diesmal gibt&rsquo;s von mir so harte Spr&uuml;che wie noch nie.&ldquo;<\/strong><\/p><p>Das bekamen gestern Abend wie auch zum Start am Mittwoch die Kandidaten hautnah zu sp&uuml;ren:<br>\n&bdquo;Was ist der Unterschied zwischen euch und einem Eimer Schei&szlig;e? Der Eimer!&ldquo;&ndash; &bdquo;Wenn man deine Stimmb&auml;nder in S&auml;ure schmei&szlig;en w&uuml;rde, w&auml;re das ein gel&ouml;stes Problem.&ldquo; &ndash; &bdquo;Du klingst, als ob du eine Klob&uuml;rste im Arsch h&auml;ttest.&ldquo;<\/p><p><strong>Mit seiner beleidigenden F&auml;kalsprache l&ouml;st Bohlen einen Sturm der Emp&ouml;rung aus. Politiker und Kirchenvertreter sind entsetzt. In Internetforen fordern Zuschauer, Bohlen vom Schirm zu nehmen.<\/strong><\/p><p>Kai Gehring, jugendpolitischer Sprecher der Gr&uuml;nen, empfindet das Verhalten des Musik-Profis als Zumutung: &bdquo;D&uuml;mmer, dreister, Bohlen. Der Verbalradikalismus gegen&uuml;ber jungen Bewerbern hat auf der Mattscheibe nichts verloren. Wie sich Herr Bohlen in einer Musiksendung geb&auml;rdet, ist eine Zumutung f&uuml;r alle Zuschauer.&ldquo;<\/p><p><strong>Der stellvertretende Vorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands, Bischof Christoph K&auml;hler:<\/strong><br>\n&bdquo;Ich kann nur an die Vernunft aufgekl&auml;rter Menschen appellieren, sich nicht durch den Kot ziehen zu lassen, der ihnen da vorgesetzt wird. Kandidaten, die dort antreten, stellen sich einem Musikwettbewerb und nicht mehr.&ldquo;<br>\nDer Geistliche warnt: &bdquo;Beleidigungen k&ouml;nnen zu schweren pers&ouml;nlichen Verletzungen f&uuml;hren.&ldquo; F&uuml;r die stellvertretende FDP-Vorsitzende Cornelia Pieper muss mit Bohlens Entgleisungen Schluss sein. <\/p><p>Die Bildungspolitikerin: &bdquo;Gerade weil diese Sendung viele Kinder und Jugendliche anschauen, ist das absolut verantwortungslos. Ich appelliere an RTL, solche menschenverachtenden Bohlen-&Auml;u&szlig;erungen k&uuml;nftig zu verhindern. Den Sender fordere ich auf, auf die Qualit&auml;t der deutschen Sprache und den Erziehungsaspekt dieser Show zu achten.&ldquo;<\/p><p><strong>Was sagt RTL zu den Vorw&uuml;rfen? <\/strong><br>\n<strong>Tom S&auml;nger, Unterhaltungs-Chef von RTL: &bdquo;Es kann nicht Aufgabe der Unterhaltungssendung ,DSDS&lsquo; sein, Menschen auf den rechten Weg zu bringen und Erziehungsaspekten gerecht zu werden.&ldquo;<\/strong><\/p><p>Das sieht SPD-Medienpolitiker Marc Jan Eumann, Landtagsabgeordneter in NRW, anders: &bdquo;Der Sender tr&auml;gt die Verantwortung, dass solche Gossensprache nicht Schule macht. Da muss RTL auf seinen Mitarbeiter Bohlen einwirken. Denn Dieter Bohlen verst&ouml;&szlig;t gegen den Kanon der guten Sitten.&ldquo; <\/p><p>Bundestagsabgeordnete Rita Pawelski (CDU), Kultur- und Medienexpertin: &bdquo;Ich habe wegen der Primitivit&auml;t von Dieter Bohlen abgeschaltet. Seine Bemerkungen gehen unter die G&uuml;rtellinie und haben im Fernsehen nichts verloren.&ldquo;<\/p><p>Nicht nur Bohlen, auch RTL stellt die Bewerber gnadenlos blo&szlig;. Beim Auftritt der nicht ganz schlanken Kandidatin Nicole (21) wurden ihre Schritte mit schweren Stampfger&auml;uschen unterlegt, der Stuhl &auml;chzte unter ihrem Gewicht. RTL gibt offen zu, dass das Lustigmachen &uuml;ber die Kandidaten zum Konzept der Talent-Show geh&ouml;rt.<br>\nRTL-Mann S&auml;nger: &bdquo;,DSDS&lsquo; polarisiert, provoziert und zeigt witzige, skurrile Casting-Situationen. Alles, auch die nachtr&auml;glich eingef&uuml;gten Comedy-Elemente, sind durch die realen Situationen beim Casting entstanden und davon inspiriert.&ldquo;<\/p><p>Die veralberten Kandidaten d&uuml;rfte das kaum tr&ouml;sten. Nicole ist von der RTL-H&auml;me tief getroffen, sagte gestern zu BamS: &bdquo;Wenn ich gewusst h&auml;tte, dass sich bei ,DSDS&lsquo; &uuml;ber mein &Auml;u&szlig;eres so lustig gemacht wird, w&auml;re ich auf keinen Fall angetreten. Das alles hat mich verletzt.&ldquo;<\/p><p><strong>&ldquo;Bohlens neue Hammer-Spr&uuml;che&rdquo;: Bild listet auf der Homepage 34 Spr&uuml;che auf, u.a.:<\/strong><\/p><p>&bdquo;Das einzige, was du mit deinen Stimmb&auml;ndern machen kannst, ist sie in S&auml;ure schmei&szlig;en.Dann haben wir ein gel&ouml;stes Problem.&ldquo;<\/p><p>&bdquo;Eins hast du: Du hast deinen eigenen Stil. Aber den find ich absolut schei&szlig;e.&ldquo;<\/p><p>&bdquo;Ich hab vorhin Schnitzel gegessen mit Gurkensalat. Der Gurkensalat war musikalischer als Du. Du kannst nicht singen, Mensch!&ldquo;<\/p><p>&bdquo;Deine Stimmb&auml;nder im M&uuml;lleimer &ndash; das w&auml;re artgerechte Haltung.&ldquo;<\/p><p><strong>Anmerkung WL:<\/strong> Was soll dagegen das Elternhaus oder die Schule noch ausrichten?<br>\nWozu haben wir Rundfunkgesetze, die auch beim Privatfernsehen noch von einem Informations- und Bildungsauftrag des Rundfunks sprechen?<br>\nWo bleibt die Kritik der Medienforscher?<br>\nMan muss wissen, Kommerzfernsehen finanziert sich &uuml;ber Werbung. Der werbetreibenden Wirtschaft ist offenbar jedes Fernsehumfeld recht, um an Menschen heranzukommen &ndash; auch das primitivste und menschenverachtendste. Werbung ist das Ma&szlig; aller Programminhalte bei den &ldquo;Privaten&rdquo;, sie bestimmt,  was ins Programm kommt.<br>\nSolche Sendungen sind deshalb auch Ausdruck f&uuml;r das zynische Verh&auml;ltnis, der werbetreibenden Wirtschaft zur Gesellschaft. Kommerzfernsehen ist das Propagandafernsehen einer kommerzialisierten Gesellschaft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer sich je einmal die mitt&auml;glichen oder vorabendlichen &bdquo;Talk-Shows&ldquo; oder die sog. &bdquo;Reality-TV&ldquo;-Sendungen der privaten Sender angesehen hat, kann nur den Eindruck gewinnen, dass die Kommerz-Fernsehsender die niedrigsten und primitivsten Instinkte ihrer (meist noch jungen) Zuschauer ansprechen, um damit ihre Einschaltquoten zu steigern und die Werbung zu verkaufen. 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