{"id":2050,"date":"2007-01-26T08:27:18","date_gmt":"2007-01-26T07:27:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2050"},"modified":"2016-01-17T11:22:59","modified_gmt":"2016-01-17T10:22:59","slug":"auszug-aus-machtwahn-seite-23-24-zum-versagen-in-der-makrookonomischen-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2050","title":{"rendered":"Auszug aus \u201eMachtwahn\u201c Seite 23-24 zum Versagen in der makro\u00f6konomischen Politik"},"content":{"rendered":"<p><!--more--><br>\nEines l&auml;sst sich mit diesen Zahlen zweifelsfrei feststellen: Unsere Leistungs- und Zahlungsbilanz und damit unsere Wettbewerbsf&auml;higkeit auf den internationalen M&auml;rkten begrenzte unseren Handlungsspielraum f&uuml;r eine bessere Konjunktur sicher nicht.<br>\nAuch die Entwicklung der L&ouml;hne und der sogenannten Lohnst&uuml;ckkosten behinderte uns nicht. Eher im Gegenteil: Die Reall&ouml;hne und Lohnst&uuml;ckkosten sind in Deutschland, anders als in vergleichbaren L&auml;ndern, gefallen &ndash; mit ein Grund daf&uuml;r, dass der private Verbrauch und damit auch die Binnennachfrage so schwach ausgefallen sind. Wer jahrelang Lohnzur&uuml;ckhaltung &uuml;ben musste und inflationsbereinigt weniger Geld im Portemonnaie hat, der gibt auch weniger aus.<br>\nDie Zahlen der OECD zeigen: Gerade in der Phase, als Bundeskanzler Schr&ouml;der und die rot-gr&uuml;ne Regierung in besonderer Weise auf die Reformpolitik setzten und stolz waren auf die &Uuml;berwindung des angeblichen Reformstaus, fiel die Bilanz der Reformpolitik besonders tr&uuml;be aus.<br>\nIn derselben Zeit haben unsere Partner in der Welt und in &shy;Europa eine andere Politik verfolgt. Keines der erfolgreicheren L&auml;nder, weder die USA noch Gro&szlig;britannien noch Schweden, &shy;haben es bei Reformen belassen. Jedes dieser L&auml;nder hat noch in den neunziger Jahren und bis ins erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts hinein die wirtschaftliche Stagnation immer nur mit einer Kombination von sogenannten angebots&ouml;konomischen Ma&szlig;nahmen einerseits und einer expansiven Nachfragebeschleunigung andererseits &uuml;berwunden. Diese L&auml;nder haben auch zun&auml;chst jeweils eine sehr viel h&ouml;here Neuverschuldung hingenommen, als bei uns &uuml;blich: In Gro&szlig;britannien wurde 1992 und 1993 eine Neuverschuldung von 6,5 Prozent (1992) beziehungsweise fast 8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts geplant hingenommen, in Schweden betrug sie 1993 11,4 Prozent und 1994 9,3 Prozent, in den USA 1992 5,8 Prozent und 1993 5,0 Prozent. Kein Land hat eine tiefe Rezession &uuml;berwunden, ohne vor&uuml;bergehend kreditfinanzierte Wachstumsprogramme aufzulegen. Kein Land hat seine Schulden ohne Wachstum abgebaut.<br>\nDer amerikanische Nobelpreistr&auml;ger f&uuml;r Wirtschaft, Robert &shy;Solow, hat sich in einem Interview mit der Wirtschaftswoche vom 9. September 2004 vornehm zur&uuml;ckhaltend &uuml;ber die deutschen &Ouml;konomen und Politiker ge&auml;u&szlig;ert, auch dazu, worauf es in unserem Land heute ankomme:<\/p><blockquote><p>Die deutsche Wirtschaft schw&auml;chelt nun schon seit einer Dekade. Wenn ich ein Manager w&auml;re, w&uuml;rde ich meine Produktion auch nicht ausweiten, solange die M&auml;rkte nicht erkennbar expandieren.<\/p><\/blockquote><p>An dieser klaren Erkenntnis gehe man in Deutschland jedoch st&auml;ndig vorbei, und zwar partei&uuml;bergreifend und angefeuert von einer &ouml;konomischen Wissenschaft und Publizistik, &uuml;ber die Solow sagte: &raquo;Klar, Makropolitik&laquo; &ndash; also die Politik zur Ankurbelung oder D&auml;mpfung einer Konjunktur &ndash; &raquo;beherrscht vermutlich niemand perfekt. Aber mir scheint offensichtlich: In Deutschland k&ouml;nnte man sie wesentlich besser machen&laquo;.<br>\nUnd Jim O&rsquo;Neill, der Chef&ouml;konom der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs, riet in einem Interview mit der Zeit vom August 2004 dazu, die Binnenkonjunktur in Deutschland massiv anzuschieben und nichts zu tun, was diese Eigendynamik behindern k&ouml;nnte. Das sei schon wegen der immer gegebenen Gefahr eines Dollar-Einbruchs, die aufgrund des extrem hohen und weiter steigenden Leistungsbilanzdefizits der USA noch zunehme, und wegen des daraus dann vermutlich folgenden Exporteinbruchs dringend geboten. Der National&ouml;konom berichtete, dass seine deutschen Fachkollegen bei Konferenzen dar&uuml;ber diskutierten, es m&uuml;ssten in Deutschland die Steuern gesenkt werden, womit er grunds&auml;tzlich keine Probleme habe; aber dann stellte sich heraus, dass sie die Unternehmenssteuern senken und die Mehrwertsteuer erh&ouml;hen wollten. Das fand er absurd und sagte deshalb in dem Interview deutlich:<\/p><blockquote><p>Weil die Reichen von ihren Einkommen relativ weniger f&uuml;r Konsum ausgeben als die Armen, muss die Fiskalpolitik bei den unteren Einkommensgruppen ansetzen. Dieser Aspekt wird von vielen deutschen &Ouml;konomen und Politikern vernachl&auml;ssigt.<\/p><\/blockquote><p>In Deutschland jedoch verhallte der Rat dieser Experten ungeh&ouml;rt, und auch die OECD-Daten schien niemand zur Kenntnis zu nehmen.<br>\nWo waren da eigentlich die Spitzen der Ministerialb&uuml;rokratie? So k&ouml;nnte man als B&uuml;rger mit Recht fragen. Wir bezahlen Staatssekret&auml;re, Abteilungsleiter, Unterabteilungsleiter, Referatsleiter, Pressereferenten und Ghostwriter &ndash; wozu haben sie geraten, als das Scheitern der Reformen offenbar wurde? Wo waren sie in all den Jahren des Niedergangs unserer &Ouml;konomie? Die Fragen sind berechtigt. Die Eliten in den einschl&auml;gigen Ministerien m&uuml;ssten den politisch Verantwortlichen zumindest vern&uuml;nftige Ratschl&auml;ge geben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[132,14,30],"tags":[1695,300],"class_list":["post-2050","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ungleichheit-armut-reichtum","category-veroffentlichungen-der-herausgeber","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-machtwahn","tag-mueller-albrecht"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2050","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2050"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2050\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30280,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2050\/revisions\/30280"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2050"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2050"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2050"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}