{"id":20542,"date":"2014-01-31T12:24:19","date_gmt":"2014-01-31T11:24:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=20542"},"modified":"2019-04-29T09:59:40","modified_gmt":"2019-04-29T07:59:40","slug":"ukraine-der-qualitaetsjournalismus-versagt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=20542","title":{"rendered":"Ukraine: Der Qualit\u00e4tsjournalismus versagt"},"content":{"rendered":"<p>Der Gro&szlig;teil der deutschen Medienlandschaft berichtet seit Ende November nahezu unver&auml;ndert oberfl&auml;chlich und erschreckend einseitig &uuml;ber die Lage in der Ukraine.<br>\nDie Bilder gleichen sich. Junge M&auml;nner mit Helmen und Sturmhauben posieren vor einer Barrikade in der Kiewer Innenstadt. Die Berichte zu den Bildern bleiben ebenfalls austauschbar. Viele deutsche Journalisten begn&uuml;gen sich damit, die Lage im Stadtzentrum zu schildern und den Forderungskatalog der Oppositionspolitiker vorzutragen. Dar&uuml;ber hinaus mangelt es dem hiesigen Qualit&auml;tsjournalismus zum Thema Ukraine jedoch an Inhalten, Erkl&auml;rungen, Zusammenh&auml;ngen &ndash; kurz an Recherche. Viele wichtige Fragen werden gar nicht erst gestellt. Nur an pers&ouml;nlichen Meinungen der Korrespondenten mangelt es selten. Von <strong>Stefan Korinth<\/strong><\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1478\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-20542-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140131_Ukraine_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140131_Ukraine_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140131_Ukraine_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140131_Ukraine_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=20542-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140131_Ukraine_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"140131_Ukraine_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die Sympathie der Medienschaffenden ist klar verteilt. Das zeigt bereits die Wortwahl: Janukowitsch &bdquo;droht&ldquo; seinem Volk oder er &bdquo;peitscht&ldquo; Gesetze durch das Parlament. F&uuml;r Angela Merkel und ihren Umgang mit der Koalitions-Mehrheit ein undenkbarer Begriff. Hat sich eine Bezeichnung unter den Journalisten einmal eingeb&uuml;rgert, steht sie fest. Janukowitschs bewaffnete Gegner in Flecktarn-Uniformen sind &bdquo;Demonstranten&ldquo; oder  &bdquo;Aktivisten&ldquo;. Vitali Klitschko ist oft &bdquo;besorgt&ldquo; und &bdquo;hat Angst&ldquo;.<\/p><p>Die pers&ouml;nlichen Meinungen deutscher Korrespondenten in Kiew scheinen &ndash; entgegen jeglicher journalistischer Ideale &ndash;fester Bestandteil der Berichte zu sein. &bdquo;Mein Bauchgef&uuml;hl sagt mir, die Demonstranten bleiben heute Nacht ruhig&ldquo;, prophezeite etwa Phoenix-Reporterin Britta Hilpert eines Abends. &bdquo;Janukowitschs Angebot an die Opposition ist vergiftet&ldquo;, wusste ntv-Mann Dirk Emmerich am 26. Januar zu deuten. <\/p><p><strong>Alle Korrespondenten wohnen am Maidan<\/strong><\/p><p>Viel Meinung, wenig Information &ndash; warum ist das so? Ein Erkl&auml;rungsbaustein hierbei ist banal: Alle Korrespondenten wohnen direkt am Maidan Nesaleschnosti (Unabh&auml;ngigkeitsplatz) &ndash; etwa im prestigetr&auml;chtigen Hotel &bdquo;Ukraina&ldquo;. Der Gro&szlig;teil der Live-Schalten erfolgt auf der Hotelterrasse mit dem Platz im Hintergrund. Die Korrespondenten sehen tagelang vor allem den Maidan voller Zelte und Demonstranten. Sie bewegen sich von dort kaum weg. Ein bestimmter Eindruck entsteht und verfestigt sich.<\/p><p>Wenige Korrespondenten und viele Fotografen haben es immerhin f&uuml;nf Minuten weiter zur Gruschewski-Stra&szlig;e vor das Dynamo-Stadion geschafft. Dort stehen seit Wochen die brennenden Barrikaden, die immer wieder b&uuml;rgerkriegs&auml;hnliche Motive abgeben.<\/p><p>Doch das war es auch schon. Andere Teile der Hauptstadt oder des Landes werden von Journalisten so gut wie gar nicht aufgesucht. Die geringe Zahl von Reportagen aus dem Rest der Ukraine verweisen auf einen eklatanten Mangel an journalistischer Motivation. Nicht genug, dass erst&uuml;rmte Gebietsverwaltungen nur vom H&ouml;rensagen bekannt sind. Auch Hintergrundberichte etwa &uuml;ber die soziale Situation oder Ansichten von Ukrainern au&szlig;erhalb des Kiewer Stadtzentrums fehlen.<\/p><p>Reporter stehen sich in der Innenstadt auf den F&uuml;&szlig;en und best&auml;tigen sich ihre Meinungen gegenseitig &ndash; einen differenzierten Blick auf die Stimmung im Land kann es so nicht geben.<\/p><p><strong>Keine Analyse, wenig Recherche<\/strong><\/p><p>Redaktionen h&auml;tten zudem die Pflicht, bestimmte Sachverhalte des derzeitigen Konfliktes inhaltlich zu erl&auml;utern. Das ginge vor allem mit Recherche. Doch seit Beginn der Berichterstattung gibt es hierbei nur wenige Fortschritte.<\/p><p>Ein Beispiel: Ausl&ouml;ser der Kiewer Demonstrationen war die pr&auml;sidiale Weigerung das Assoziierungsabkommen mit der EU zu unterschreiben. Doch was beinhaltet der Vertrag eigentlich? Welche &bdquo;Reformen&ldquo; verlangt die EU? Was w&auml;ren die Folgen f&uuml;r das Land? Was leistet die EU dabei? Und was genau ist das russische Gegenangebot der Zollunion? Warum kann die Ukraine nicht beide Vertr&auml;ge unterzeichnen? Der deutsche Medienkonsument wird allein gelassen.<\/p><p><strong>Wer wei&szlig; schon, wof&uuml;r die Parteien stehen?<\/strong><\/p><p>Das Parteiensystem der Ukraine ist gerade mal 22 Jahre alt und dementsprechend instabil und schnelllebig. Umso wichtiger zu erfahren, wof&uuml;r die Parteien politisch eigentlich stehen. Auch hier besteht immer noch eine Menge Informationsbedarf. Die Medien haben diese Aufkl&auml;rungsarbeit  bislang konsequent unterlassen. Leser, H&ouml;rer und Zuschauer m&uuml;ssen mit der Unterteilung &bdquo;pro-russisch&ldquo; und &bdquo;pro-westlich&ldquo; zufrieden sein.<\/p><p>In deutschen Medien erl&auml;utern keine Politologen oder Osteuropaexperten, welches der Wahlb&uuml;ndnisse konservative, wirtschaftsliberale oder eher soziale Politik-Ziele verfolgt. Mehr als die Wikipedia-Lebensl&auml;ufe der F&uuml;hrungsfiguren finden sich auch in den &bdquo;Hintergrundinformationen&ldquo; selten. Kein Experte erz&auml;hlt beispielsweise davon, dass es in der Ukraine an fortschrittlichen linken Parteien mangelt. <\/p><p>F&uuml;r die Einsch&auml;tzung der Lage w&auml;re es zudem gut zu wissen, welche wichtigen Gesetzes&auml;nderungen Janukowitschs &bdquo;Partei der Regionen&ldquo; in den letzten Jahren vorgenommen und wer finanziell davon profitiert hat. Oder was eigentlich unter der &bdquo;Orangenen Regierung&ldquo; passierte. Dass Vorg&auml;ngerpr&auml;sident Juschtschenko 2010 mit einem Ergebnis von f&uuml;nf Prozent abgew&auml;hlt wurde. Oder woher Vitali Klitschkos junge Partei &bdquo;Ukrainische demokratische Allianz f&uuml;r Reformen&ldquo; kommt. In Deutschland wissen die wenigsten, wie die Programmpunkte des fr&uuml;heren Boxers lauten. Dabei k&ouml;nnte die Konrad-Adenauer-Stiftung hierbei sogar Antworten in deutscher Sprache liefern. [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><p><strong>Faschisten k&auml;mpfen nicht f&uuml;r Europa<\/strong><\/p><p>Derzeit arbeitet Klitschko mit der &bdquo;Swoboda&ldquo; zusammen. Dass es sich hierbei um eine rechtsradikale Partei handelt, machten viele Medien erst in den letzten Tagen verdruckst bekannt. Noch weniger bekannt ist, dass Swoboda Verbindungen zu anderen neo-faschistischen Gruppierungen in Europa wie der ungarischen Jobbik und der NPD hat. Parteichef Tjahnibok ist ein Antisemit &ndash; das Simon-Wiesenthal-Center gibt dar&uuml;ber gern Auskunft. [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Swoboda-Anh&auml;nger verehren Stepan Bandera, einen Nazi-Kollaborateur und M&ouml;rder, als Nationalhelden. [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] Welche Historiker werden dazu interviewt?<\/p><p>Swoboda will die Ukraine zur Atommacht aufbauen. In ihrem Parteiprogramm [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] fordert sie, den Schusswaffenbesitz f&uuml;r alle &bdquo;geistig gesunden&ldquo; Einheimischen zu legalisieren und &bdquo;Ukrainophobie&ldquo; als Straftat einzuf&uuml;hren. [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] Swoboda ist gegen sexuelle und ethnische Vielfalt. Diese Partei k&auml;mpft ganz sicher nicht f&uuml;r die europ&auml;ische Integration. Der Mediennutzer erf&auml;hrt das aber nicht.<\/p><p>Erfahren hat er hingegen in so ziemlich jedem Medium, dass &bdquo;Berkut&ldquo; auf Deutsch &bdquo;Steinadler&ldquo; bedeutet. Tiefgr&uuml;ndige Recherchen sehen anders aus.<\/p><p><strong>&bdquo;In Deutschland w&auml;re der Minister sofort zur&uuml;ckgetreten&ldquo;<\/strong><\/p><p>Als ein Video von einem nackten und von Polizisten gedem&uuml;tigten Verhafteten auftauchte, wusste phoenix-Korrespondentin Britta Hilpert am 25. Januar: &bdquo;In Deutschland w&auml;re der Innenminister bei so einem Fall sofort zur&uuml;ckgetreten.&ldquo; Vergleiche wie dieser mit den hiesigen Verh&auml;ltnissen w&auml;ren an anderer Stelle der Berichterstattung zur Einordnung f&uuml;r den Zuschauer ebenfalls hilfreich gewesen. F&uuml;r Gesetze wie das Vermummungs- oder Bewaffnungsverbot bei Demonstrationen wurde Janukowitsch als Diktator bezeichnet, der aus der Ukraine einen Polizeistaat mache. Das mag sein, doch in Deutschland und zahlreichen anderen EU-Staaten finden sich solche Gesetze ebenfalls. Verurteilt wird hierzulande kein Politiker daf&uuml;r.<\/p><p>Nach den einm&uuml;tigen medialen Reaktionen auf weit weniger Gewalt bei Demonstrationen hierzulande ist eines klar: Dieselben Korrespondenten w&uuml;rden die gleichen Taten von oppositionellen Stra&szlig;enk&auml;mpfern in der Bundesrepublik v&ouml;llig anders beurteilen als derzeit in der Ukraine. Zudem wei&szlig; jeder Journalist, dass die deutsche Polizei in so einem Fall auch &bdquo;hart durchgreifen&ldquo; w&uuml;rde. Brennende Barrikaden, besetzte Ministerien und patrouillierende Nazi-Schl&auml;ger im Berliner Regierungsviertel? Der deutsche Sicherheitsapparat w&uuml;rde sich das keinen Tag lang ansehen.<\/p><p>Massenverhaftungen und Anklagen wegen Landfriedensbruch und versuchtem Totschlag w&auml;ren die Folge. Jeder Journalist wei&szlig; das. Doch keiner der Kiewer Korrespondenten spricht es aus. Das hier mit zweierlei Ma&szlig; gemessen wird, ist offensichtlich und mit journalistischen Selbstanspr&uuml;chen nicht zu vereinbaren. An dieser Stelle geht es auch nicht mehr nur um Qualit&auml;tsm&auml;ngel &ndash; nein hier werden ethische Grundregeln verletzt.<\/p><p>Der Unterschied zwischen PR-Leuten und Journalisten ist, dass Letztere sich um Neutralit&auml;t und Aufkl&auml;rung bem&uuml;hen. Von Kiew aus verbreiten deutsche Korrespondenten jedoch eine erkennbar einseitige Sichtweise und machen sich damit zum Handlanger politischer Interessen.<\/p><p><strong>Wichtige Fragen werden nicht gestellt<\/strong><\/p><p>Der einseitige Blick vieler deutscher Journalisten auf die Verfehlungen der Janukowitsch-Administration verhindert, dass sie weiteren Sachverhalten nachgehen. Ein Beispiel: Wenn Menschen f&uuml;r den Pr&auml;sidenten auf die Stra&szlig;e gehen, wird zu Recht sofort und jedes Mal dar&uuml;ber informiert, dass sie aus anderen Landesteilen nach Kiew &bdquo;gekarrt&ldquo; wurden und Geld erhalten haben. [<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] Bilder der Buskolonne werden gezeigt, O-T&ouml;ne eingefangen, nachgehakt &ndash;  journalistische Arbeit, wie sie sein sollte. Wer aber erfahren will, dass oppositionelle Demonstranten und milit&auml;risch organisierte Faschistengruppen wie die &bdquo;UNA-UNSO&ldquo; [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] oder der &bdquo;Narodna-Block&ldquo; ebenfalls mit Bussen absolut geplant und ja irgendwie auch finanziert aus den westlichen Regionen nach Kiew kommen, wird in deutschen Quellen kaum etwas finden. [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>]<\/p><p>Wichtige Fragen etwa danach, wie sich gewaltt&auml;tige Protestierer finanzieren und organisieren bleiben aus unerfindlichen Gr&uuml;nden ungekl&auml;rt. &bdquo;Wei&szlig; Gott wo einer auf die Schnelle so viele Reifen herkriegt&ldquo;, schrieb FAZ-Korrespondent Konrad Schuller &uuml;ber den Nachschub von Autoreifen f&uuml;r brennende Barrikaden. [<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>] Schuller m&uuml;sste der Frage mit eigenen Recherchen nachgehen, anstatt auf g&ouml;ttliche Eingebung zu hoffen. Die Verweise anderer Korrespondenten auf freiwillige Spenden allein sind wenig glaubw&uuml;rdig. Schon gar nicht, wenn gleichzeitig Oligarchen wie etwa Petro Poroschenko die Revolte unterst&uuml;tzen. Er k&uuml;ndigte bspw. am 25. Januar auf der Maidan-B&uuml;hne an, alle durch Demonstranten angerichteten Sch&auml;den innerhalb eines Tages reparieren zu lassen.<\/p><p>Die Wahrheit geht bei gewaltt&auml;tigen Konflikten meist als erste verloren. Dieses Wissen und das journalistische Neutralit&auml;tsgebot sollten f&uuml;r einen vorsichtigen Umgang mit Informationen in einer Situation wie derzeit in der Ukraine sorgen. Trotzdem werden Behauptungen der Janukowitsch-Gegner schnell &uuml;bernommen und oft ohne Quellenangabe verbreitet. Im Gegensatz dazu ignorieren nahezu alle deutschen Medien Behauptungen der Gegenseite. Beispiele hierf&uuml;r sind die Angaben zu Toten oder Verletzten. [<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>] Sowohl was Opferzahlen als auch Todesumst&auml;nde angeht, gibt es unterschiedliche Angaben. Von dieser Widerspr&uuml;chlichkeit erf&auml;hrt der deutsche Medienkonsument jedoch wegen der einseitigen Vorauswahl nichts.<\/p><p><strong>Immer die gleichen Interviewpartner<\/strong><\/p><p>Ebenso einseitig erscheint die Auswahl der Gespr&auml;chspartner. O-T&ouml;ne von ukrainischen Passanten gibt es fast nur von Demonstranten auf dem Maidan und von den Barrikaden. Was ist so schwierig daran, in einen anderen Stadtteil zu fahren und mit den Menschen dort zu sprechen? Gro&szlig;e M&auml;rkte wie im Kiewer Bezirk Trojeschtschina und an den Metro-Stationen Petriwka oder Lisova b&ouml;ten problemlos Gelegenheit hierf&uuml;r. Auch andere Teile des Landes sind nicht tabu. Dass solche Reisen kein Ding der Unm&ouml;glichkeit sind, hat FAZ-Korrespondent Konrad Schuller gezeigt &ndash; wenn auch mit der erwartbaren Parteilichkeit. [<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>]<\/p><p>Wie oben bereits angedeutet, ist die Zahl der interviewten Experten vergleichsweise gering. Sehr problematisch ist erneut die einseitige Auswahl von Gespr&auml;chspartnern, die &uuml;berwiegend selbst als Akteure mit eigenen Interessen in den Konflikt verstrickt sind. Dies sind etwa Vitali Klitschko, Jewgenija Timoschenko und Gabriele Baumann (Konrad-Adenauer-Stiftung).<\/p><p>Vor allem ist dies aber der CDU-Politiker Elmar Brok. Der EU-Parlamentarier wird fast t&auml;glich interviewt und dabei immer wieder als quasi-objektiver Fachmann vorgestellt. Dabei sind seine Ansichten erkennbar parteiisch und inhaltlich &auml;u&szlig;erst &uuml;berschaubar. Unter anderem durfte er im ZDF und im Deutschlandfunk unwidersprochen Drohungen aussprechen und Behauptungen aufstellen, ohne diese belegen zu m&uuml;ssen. So verd&auml;chtigte er etwa Wladimir Putin, dass dieser eine Art Sowjetunion wiedererrichten will. [<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>]<\/p><p><strong>Am Ende geht es immer um Russland<\/strong><\/p><p>Broks &Auml;u&szlig;erungen aber auch Aussagen von Korrespondenten bedienen auff&auml;llig und fortw&auml;hrend anti-russische Ressentiments. Das standhafte Verweilen auch von Journalisten in Denkschemata des Kalten Krieges ist zwar in gewisser Weise mental beachtlich, aber nicht hilfreich. Bezeichnend sind Freud&rsquo;sche Fehlleistungen von mehreren Zeitungen, die Mykola Asarow als &bdquo;russischen Ministerpr&auml;sidenten&ldquo; bezeichneten oder von ZDF-Mann Klaus Kleber, der in einem Interview nach der Rolle der &bdquo;Sowjetunion&ldquo; fragte. [<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>]<\/p><p>Vielen deutschen Medienschaffenden scheint eine Art russlandfeindlicher Interpretationsrahmen bei der Beurteilung eines au&szlig;enpolitischen Sachverhalts von Vornherein zugrunde zu liegen. Tagesspiegel-Kommentator Christoph von Marschall kl&auml;rt seine Leser &uuml;ber diese deutsche Journalistenweisheit auf: &bdquo;Russland ist kein ehrlicher Makler wie die EU&ldquo;. [<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>]<\/p><p>Zuhauf vorhandene negative Informationen &uuml;ber den vermeintlich pro-russischen Viktor Janukowitsch und seine Partei werden von deutschen Journalisten deswegen gern vervielf&auml;ltigt. Ebenfalls vorhandene Informationen &uuml;ber die politische Opposition sind ihnen aber anscheinend peinlich. Sie passen eben nicht in das vorgestanzte Bild und untergraben so die Interpretationshoheit des Korrespondenten &uuml;ber Gut und B&ouml;se in diesem Land.<\/p><p><strong>Journalistischer Selbstbetrug<\/strong><\/p><p>Die mit der Ukraine befassten Journalisten waren &uuml;ber mehr als zwei Monate hinweg nicht in der Lage, sich einen gr&ouml;&szlig;eren &Uuml;berblick &uuml;ber die Situation im Land zu verschaffen. Bei den wenigen existierenden Reportagen und Info-Bl&ouml;cken reproduzierten sie meist nur Oberfl&auml;chlichkeiten. Schlie&szlig;lich gehen sie Informationen nur einseitig nach, spielen problematische Sachverhalte wohlwollend herunter oder verschweigen sie ganz. Eine an qualitativen Kriterien orientierte Berichterstattung &ndash; differenziert, tiefgr&uuml;ndig und neutral &ndash; findet nicht statt. Der von seinen Machern viel besungene Qualit&auml;tsjournalismus versagt.<\/p><p><em>Zum Autor: Stefan Korinth (31) ist Sozialwissenschaftler und arbeitet als Freier Journalist in Hannover. Er ist mit einer Ukrainerin verheiratet und hat das osteurop&auml;ische Land seit  2007 mehrfach bereist.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Die CDU-nahe Stiftung unterst&uuml;tzte Vitali Klitschko bei der Gr&uuml;ndung seiner Partei &bdquo;UDAR&ldquo; massiv. <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/ukraine-merkel-will-klitschko-zum-praesidenten-aufbauen-a-937853.html\">&bdquo;Merkel k&auml;mpft f&uuml;r Klitschko&ldquo; bei SPON (8. Dezember 2013)<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] <a href=\"http:\/\/www.wiesenthal.com\/atf\/cf\/%7B54d385e6-f1b9-4e9f-8e94-890c3e6dd277%7D\/TT_2012_3.PDF\">&bdquo;Die zehn schlimmsten antisemitischen Beleidigungen 2012&ldquo; auf wiesenthal.com (englisch)<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Der Held der &bdquo;Orangenen Revolution&ldquo; Viktor Juschtschenko ernannte Bandera quasi als letzte Amtshandlung kurz vor der Pr&auml;sidentschaftswahl 2010 noch zum &bdquo;Helden der Ukraine&ldquo;. Der neue Pr&auml;sident Janukowitsch nahm diese Ehrung nach seinem Amtsantritt wieder zur&uuml;ck. Das EU-Parlament und die Bundesregierung warnten andere Parteien noch vor kurzem selbst davor, mit der Swoboda zu koalieren.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] <a href=\"http:\/\/en.svoboda.org.ua\/about\/program\/\">Allukrainische Vereinigung Swoboda &ndash; &bdquo;Programm zum Schutz der Ukrainer&ldquo; (englisch)<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] In ihrem Programm fordert die Swoboda zudem, dass nur geb&uuml;rtige Ukrainer Pr&auml;sidenten des Landes werden d&uuml;rfen &ndash; dazu jedoch mindestens die letzten 20 Jahre in der Ukraine gelebt haben. Auf Vitali Klitschko tr&auml;fe beides nicht zu. Janukowitsch wurde von deutschen Medien f&uuml;r ein &auml;hnliches Gesetz, das zehn Jahre Mindestaufenthalt vorsieht, gescholten. Ein anderer Programmpunkt der Swoboda fordert das Verbot der Adoption ukrainischer Kinder durch Ausl&auml;nder. Der russische Pr&auml;sident Putin wurde f&uuml;r das gleiche Gesetz in Russland von deutschen Medien ebenfalls kritisiert.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] <a href=\"http:\/\/www.heute.de\/proteste-in-der-ukraine-demonstration-fuer-und-gegen-janukowitsch-und-eu-31138838.html\">&bdquo;Ukraine: Massen f&uuml;r Janukowitsch auf der Stra&szlig;e&ldquo; bei heute.de (14. Dezember 2013)<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/ukraine776~magnifier_pos-0.html\">&bdquo;Demonstranten st&uuml;rmen Polizeiquartier&ldquo; auf tagesschau.de (26. Januar 2014)<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Eine weichgezeichnete Reportage gibt es immerhin: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/europa\/ukraine-das-erwachen-der-partisanen-12701001.html\">&bdquo;Das Erwachen der Partisanen&ldquo; in FAZ.net (9. Dezember 2013)<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/europa\/kritische-lage-in-kiew-dann-nehmen-sie-anlauf-und-werfen-12769207.html\">&bdquo;Dann nehmen sie Anlauf und werfen&ldquo; in FAZ.net (25. Januar 2014)<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Merkw&uuml;rdig ist etwa, dass die Zahl verletzter Polizisten keine Rolle in den deutschen Medien spielt. Bei gewaltt&auml;tigen Demonstrationen in Deutschland, ist diese Zahl in der Regel eine zentrale Information jeder Meldung. (<a href=\"http:\/\/de.ria.ru\/politics\/20140128\/267724375.html\">Die russische Agentur Ria Novosti spricht von rund 600 verletzten Polizisten.<\/a>)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/europa\/ukraine-gegen-die-moskalen-12775421.html\">&bdquo;Gegen die Moskalen&ldquo; (mit Video) auf FAZ.net (30. Januar 2014)<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/ukraine-brok-weg-nach-europa-bleibt-offen.694.de.html?dram:article_id=275918\">&bdquo;Brok: Weg nach Europa bleibt offen&ldquo; im Deutschlandfunk (29. Januar 2014)<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] heute journal bei zdf.de (27. Januar 2014)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/meinung\/eu-und-ukraine-auf-nach-kiew\/9387252.html\">&bdquo;Auf nach Kiew&ldquo; bei tagesspiegel.de (26. Januar 2014)<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Gro&szlig;teil der deutschen Medienlandschaft berichtet seit Ende November nahezu unver&auml;ndert oberfl&auml;chlich und erschreckend einseitig &uuml;ber die Lage in der Ukraine.<br \/> Die Bilder gleichen sich. 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