{"id":20546,"date":"2014-01-31T15:02:07","date_gmt":"2014-01-31T14:02:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=20546"},"modified":"2015-10-14T17:03:44","modified_gmt":"2015-10-14T15:03:44","slug":"guter-aber-kommentierungswuerdiger-monitor-beitrag-zum-freihandelsabkommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=20546","title":{"rendered":"Guter aber kommentierungsw\u00fcrdiger Monitor-Beitrag zum Freihandelsabkommen"},"content":{"rendered":"<p>In seiner gestrigen Sendung hat sich das WDR-Magazin Monitor dankenswerterweise einmal mit den sogenannten Studien <a href=\"http:\/\/www.wdr.de\/tv\/monitor\/sendungen\/2014\/0130\/freihandelsabkommen.php5\">besch&auml;ftigt<\/a>, auf deren Basis dem kommenden europ&auml;isch-amerikanischen Freihandelsabkommen TTIP sagenhafte Auswirkungen zur Wirtschafts- und Arbeitsplatzentwicklung zugeschrieben werden. Die NachDenkSeiten haben sich bereits im letzten Juni ausf&uuml;hrlich mit der Bertelsmann-ifo-Studie <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17671\">besch&auml;ftigt<\/a>, die nun auch Monitor aufgespie&szlig;t. Seltsamerweise bel&auml;sst es Monitor jedoch bei einer Kritik an der Politik und fasst die Autoren der Studie mit Glac&eacute;handschuhen an. Von <strong>Jens Berger<\/strong><br>\n<!--more--><br>\n<div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/2M2a_O-cdjk\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><br>\n<em>Monitor-Beitrag &bdquo;Freihandelsabkommen: Das M&auml;rchen vom Jobmotor&ldquo;<\/em><\/p><blockquote><p>[&hellip;] In Deutschland werden trotzdem beeindruckende Zahlen in Umlauf gebracht. Jobschwemme, ein ungeheurer Effekt auf dem Arbeitsmarkt. Doch kaum jemand hat bisher hinterfragt, was hinter den sch&ouml;nen Zahlen steckt. Wie kommen Wissenschaftler dazu? Da wird zum Beispiel vorausgesetzt, dass der Handel mit den USA um fantastische 80 Prozent zunimmt, dass es keine Wechselkursschwankungen gebe. In einer Studie wird sogar ein v&ouml;llig unrealistisches Binnenmarktszenario zu Grunde gelegt, so, als w&uuml;rden die USA alle europ&auml;ischen Gesetze &uuml;bernehmen.<br>\nUnd jetzt kommt es: Der Hauptautor s&auml;mtlicher deutschen Studien, Gabriel Felbermayr vom ifo-Institut, h&auml;lt unterm Strich die Effekte des Freihandelsabkommen selbst f&uuml;r gar nicht so gro&szlig;.<br>\nProf. Gabriel Felbermayr, ifo-Institut: &bdquo;Die Grundbotschaft, die auch da schon klar sein musste f&uuml;r jeden, der das liest, ist, dass a) die Besch&auml;ftigungseffekte nicht negativ sein werden, in allen Szenarien sind sie positiv. Und dass sie b) auch im optimistischsten Szenario klein sind. Da reden wir von 0,4 Prozent der Besch&auml;ftigung.&ldquo;<br>\nMoment! Der Hauptautor der Studien gibt zu, dass das Abkommen wenig bringt? Ja, sagt er, aber es sei die Politik, auch das Wirtschaftsministerium, die die kleinen Zahlen als &bdquo;Jobwunder&ldquo; verkauft.<br>\nProf. Gabriel Felbermayr, ifo-Institut: &bdquo;Werfen Sie dem Bundesministerium ruhig vor, dass die Informationspolitik nicht so ausbalanciert ist, wie sie h&auml;tte sein k&ouml;nnen. Das k&ouml;nnen Sie auch der Kommission vorwerfen, da w&uuml;rde ich sagen, ja, hinter einem solchen Vorwurf steckt was.&ldquo;<br>\nAus dem Monitor-Beitrag &bdquo;Freihandelsabkommen: Das M&auml;rchen vom Jobmotor&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>So, so, Professor Gabriel Felbermayr wirft dem Bundeswirtschaftsministerium also eine &bdquo;nicht so ausbalancierte Informationspolitik&ldquo; vor. Wer w&uuml;rde ihm da wiedersprechen? Aber wie sieht es mit den Verantwortlichen f&uuml;r die Studie selbst aus?<\/p><p>Auf der eigenes von der Bertelsmann-Stiftung ins Leben gerufenen Internetseite <a href=\"http:\/\/www.ged-shorts.de\/\">GEDShort<\/a>, auf der kr&auml;ftig f&uuml;r das Freihandelsabkommen getrommelt wird, wird ebenfalls vollkommen undifferenziert aus dem Rechenbeispiel zitiert, das ich in meinem Artikel als &bdquo;Ultra-Szenario&ldquo; bezeichne und das auf komplett abstrusen Annahmen beruht. Vor allem, wenn es um die angeblich entstehenden Arbeitspl&auml;tze geht, berufen sich die Macher der Studie in ihren bunten <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=mWJif8KoDuw\">Imagefilmchen<\/a> auf eben dieses Szenario. Auch in der <a href=\"http:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/cps\/rde\/xchg\/bst\/hs.xsl\/nachrichten_118581.htm\">Pressemeldung<\/a>, die ungefiltert von den meisten Medien nachgeplappert wurde (und wird), bezieht man sich auf dieses Szenario.<\/p><blockquote><p>Die Studie rechnet mit 160.000 zus&auml;tzlichen Arbeitspl&auml;tzen in allen Qualifikationsgruppen, falls EU und USA sich darauf einigen, Handelshemmnisse umfassend abzubauen.<br>\nPressemeldung Bertelsmann-Stiftung<\/p><\/blockquote><p>Mit anderen Worten: Wenn das Bundeswirtschaftsministerium eine &bdquo;nicht so ausbalancierte Informationspolitik&ldquo; verfolgt, dann gilt dies genau so f&uuml;r die Macher der Studie. Auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, kann es ja durchaus sein, dass Gabriel Felbermayr seinen eigenen &bdquo;Forschungsergebnisse&ldquo; nicht traut und keineswegs gl&uuml;cklich &uuml;ber die Interpretation seiner Zahlen ist. Dann w&auml;re es jedoch seine Pflicht, offen zu widersprechen. Mir ist jedoch kein Fall bekannt, in dem Felbermayr oder ein anderer ifo-Forscher sich &ouml;ffentlich gegen die abstrusen Zahlen aus der eigenen Studie ausgesprochen hat. <\/p><p>Schade, dass Monitor hier keine Kritik &uuml;bt. Nicht nur die Politik, sondern auch und vor allem die Auftragsforschungen von Think Tanks &aacute; la Bertelsmann-Stiftung und Wirtschaftsforschungsinstituten &aacute; la ifo sind daf&uuml;r verantwortlich, dass bei der Diskussion um das Freihandelsabkommen mit manipulierten Zahlen operiert wird.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/8565a49dbc37409bb3d1e5202080743a\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In seiner gestrigen Sendung hat sich das WDR-Magazin Monitor dankenswerterweise einmal mit den sogenannten Studien <a href=\"http:\/\/www.wdr.de\/tv\/monitor\/sendungen\/2014\/0130\/freihandelsabkommen.php5\">besch&auml;ftigt<\/a>, auf deren Basis dem kommenden europ&auml;isch-amerikanischen Freihandelsabkommen TTIP sagenhafte Auswirkungen zur Wirtschafts- und Arbeitsplatzentwicklung zugeschrieben werden. 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