{"id":2068,"date":"2007-02-01T10:23:35","date_gmt":"2007-02-01T09:23:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2068"},"modified":"2020-01-29T13:24:34","modified_gmt":"2020-01-29T12:24:34","slug":"nachtrag-zu-strategie-der-meinungsmache-die-wirtschaft-boomt-und-null-bock-auf-job-vom-31-januar-2007","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2068","title":{"rendered":"Nachtrag zu Strategie der Meinungsmache: \u201eDie Wirtschaft boomt\u201c und \u201eNull Bock auf Job\u201c vom 31. Januar 2007."},"content":{"rendered":"<p>Einer unserer Nutzer schickt uns <a href=\"?p=2061\">zum gestrigen Tagebucheintrag<\/a> eine sehr informative Mail mit seinen eigenen praktischen Erfahrungen.<br>\n<!--more--><br>\nHier der Text: <\/p><p>&bdquo;Seit l&auml;ngerem f&auml;llt schon auf, dass die ein bisschen besser verlaufende Konjunktur zu einem Boom hochstilisiert und in der Regel auch den Reformen zugeschrieben wird. Jetzt bringt der WDR in einer Ank&uuml;ndigung f&uuml;r &bdquo;Hart aber fair&ldquo; mit Frank Plasberg &ndash; der Fernsehtipp auf der WDR-Startseite vom 30.1. &ndash; eine Erkl&auml;rung daf&uuml;r ins Spiel, dass trotz des angeblichen Booms noch zu viele Menschen arbeitslos sind: &bdquo;Null Bock&ldquo; &ndash; also selbst schuld. Beide Behauptungen sind h&ouml;chst fragw&uuml;rdig. Sie sind vermutlich Teil der fortw&auml;hrenden Gehirnw&auml;sche.<\/p><p>Ihre Annahmen sind nicht nur v&ouml;llig zutreffend, sondern sie bewahrheiten sich f&uuml;r viele Betroffene t&auml;glich in &auml;u&szlig;erst deprimierender Weise! Die og. Meinungsmache stellt dabei allerdings nur die &ouml;ffentliche, mediale &ldquo;Begleitmusik&rdquo; dar f&uuml;r eine gut verzahnte Vorgehensweise von Wirtschaft, BA und ARGEn gegen Arbeitslose, insbesondere gegen &auml;ltere Langzeitarbeitslose dar. In diesem Zusammenhang ist auch das Programm &ldquo;Arbeit 50 Plus&rdquo; nicht nur kaum mehr als ein weiteres &ldquo;soziales Feigenblatt&rdquo;, sondern vielmehr ein zus&auml;tzliches Zwangsinstrument zur Abqualifizierung Arbeitssuchender, um sie mittels Zwangsma&szlig;nahmen aus der Arbeitslosenstatistik heraus in Niedriglohnjobs oder &ldquo;1&euro; &ndash; Arbeitsgelegenheiten&rdquo; zu bef&ouml;rdern.<\/p><p>Ich kann in diesem Zusammenhang hier allerdings nur pers&ouml;nliche Erfahrungswerte f&uuml;r den Bereich IT und Telekommunikation &ndash; im weitesten Sinne! &ndash; im T&auml;tigkeitsfeld &ldquo;Vertrieb&rdquo; aus dem Rhein-Main Gebiet geben, gehe aber davon aus, da&szlig; es in anderen Arbeitsbereichen und Regionen &auml;hnlich, und z.T. noch sehr viel schlechter aussieht.<br>\n<strong><br>\nPopanz &ldquo;Arbeitsmarkt&rdquo;:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Die in den Internet-Jobb&ouml;rsen &ndash; &ldquo;jobscout24.de&rdquo;,&rdquo;monster.de&rdquo;,  &ldquo;wordldwidejobs.de&rdquo; u.v.a. direkt von Unternehmen offerierten Stellenangebote sind gr&ouml;&szlig;tenteils- &uuml;ber 80% &ndash; seit &uuml;ber 2 Jahren nur st&auml;ndig aktualisierte &ldquo;Fakes&rdquo;, die realiter v&ouml;llig gegenstandslos sind, da die dort ausgeschriebenen Stellen offensichtlich nie besetzt werden;  gleiches trifft auf die der BA und den ARGEn vorliegenden Stellenangebote zu. Auf Bewerbungen und Anfragen bei den enstpr.  Arbeitgebern erh&auml;lt man i.d.R. &uuml;berhaupt keine Antworten, oder lapidare Bescheide des Inhaltes, die Stellen seien &ldquo;inzwischen besetzt&rdquo;.  Sie werden jedoch dennoch st&auml;ndig weiter ausgeschrieben!<\/li>\n<li>Die einschl&auml;gigen Unternehmen der Branche &ndash; deren gr&ouml;&szlig;te und bekannteste in diesem Zusammenhang keinesfalls Ausnahmen darstellen &ndash; fallen in diesem Zusammenhang besonders auf, sie schalten st&auml;ndig bis zu einem Dutzend &ldquo;aktiver&rdquo; Stellenangebote, dies alledings seit anderthalb Jahren, und stets die selben! Gleiches gilt f&uuml;r die meisten IT- und TK Hardware-Hersteller und Anbieter, sowie H&auml;ndler und einschl&auml;gige Dienstleister der Branche.     <\/li>\n<li>Mehr als die H&auml;lfte des gesamten og. Stellenangebotes wird von mehr oder minder bekannten, regionalen und &uuml;berregionalen Personalberatungs- und Zeitarbeitsfirmen geschaltet, deren Antwort- und R&uuml;ckmeldefreudigkeit hinsichtlich der an sie &uuml;bermittelten Bewerbungen de facto gegen Null geht. <\/li>\n<li>Gut 30% aller Job-Angebote der Branche wenden sich ausschlie&szlig;lich an Hochschulabg&auml;nger, und offerieren &ldquo;Trainee&rdquo;- oder &ldquo;Praktikum&rdquo;- Jobs.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Trugbild &ldquo;Qualifikation&rdquo;:<\/strong><\/p><ul>\n<li>F&uuml;r die meisten ausgeschriebenen, angeblich &ldquo;offenen&rdquo; Stellen  werden au&szlig;erordentlich hohe, gr&ouml;&szlig;tenteils schon absurd anmutende Qualifikationsnachweise verlangt; hervorragender Hochschulabschlu&szlig;, mehrj&auml;hrige und nachweislich sehr erfolgreiche Berufst&auml;tigkeit, sowie ein pers&ouml;nliches &ldquo;Netzwerk&rdquo; an Beziehungen zu millionenschweren Kunden stehen neben Jugendlichkeit, hoher Belastbarkeit und &ldquo;Dynamik&rdquo; als Ausschlu&szlig;kriterien im Anforderungsprofil. Welches derartige, h&ouml;chst erfolgreiche &ldquo;Genie&rdquo; sollte daher seinen Arbeitsplatz wechseln wollen&hellip;.?. <\/li>\n<li>Selbst eher einfache Vertriebs- und Verkaufst&auml;tigkeiten sind hiervon betroffen! Ein Vierteljahrhundert Berufserfahrung und ein kaufm&auml;nnischer Berufsabschlu&szlig; z&auml;hlen hingegen nichts mehr.<\/li>\n<\/ul><p><strong>&ldquo;Arbeit 50 Plus&rdquo; &ndash; oder Minus? <\/strong><\/p><ul>\n<li>In Gespr&auml;chen mit den entspr. ARGE-Mitarbeitern der Arbeitsvermittlung &ndash; viele von ihnen sind &ldquo;externe&rdquo; Freiberufler, auf &ldquo;Erfolgsbasis&rdquo; bezahlt! &ndash; hat sich best&auml;tigt, da&szlig; die og., unter &ldquo;Popanz Arbeitsmarkt&rdquo; geschilderten Verh&auml;ltnisse tats&auml;chlich so zutreffen. <\/li>\n<li>Viele von ihnen erkennen, da&szlig; praktisch alle ihre Versuche einer &ldquo;Vermittlungst&auml;tigkeit&rdquo; sinnlos sind, da es tats&auml;chlich ganz einfach nichts zu vermitteln gibt. <\/li>\n<li>Haben sie sich einer Weile dieser &ldquo;Scheint&auml;tigkeit&rdquo; ergebnislos  hingegeben, verlassen sie meist frustriert die ARGE. Dies geschieht sehr h&auml;ufig, und erkl&auml;rt z.T. die dortige personelle Fluktuation und das teilweise totale organisatorische Chaos- als zwangsl&auml;ufige Folgeerscheinung.<\/li>\n<li>Diejenigen &ldquo;Vermittler&rdquo; die in den ARGEn verbleiben, sind meist selbst ehem. &ldquo;Hartz-IV&rdquo; Empf&auml;nger und heilfroh, &uuml;berhaupt einen Job ergattert zu haben. Sie verst&auml;rken i.d.R. den Druck auf die Arbeitssuchenden mit allen Mitteln, um ihre Erfolgsquote zu erf&uuml;llen. Diese Mittel sind: 1&euro;-Jobs, Minijobs, Hungerlohn-Jobs, sowie Arbeitsplatzangebote, die weitab vom Wohnsitz der Arbeitssuchenden liegen.<\/li>\n<li>So erweist sich &ldquo;Arbeit 50 Plus&rdquo; gerade f&uuml;r qualifizierte, &auml;ltere Arbeitssuchende als eine ausweglose Rutsche in den Niedriglohn, als da z.B. w&auml;ren: &ldquo;Security-Jobs&rdquo; am Flughafen f&uuml;r 5,25&euro;\/Stunde brutto, &ldquo;Streckensicherheits-Jobs&rdquo; bei der Bahn, sowie Hilfst&auml;tigkeiten bei der M&uuml;llentsorgung &ndash; alle zum gleichen &ldquo;Tarif&rdquo;. Dieser resultiert &ndash; nicht ganz zuf&auml;llig &ndash; in einem Monatseinkomen, das 2-4 &euro; &uuml;ber dem Alg-II Leistungssatz nebst Wohnkostenzuschu&szlig; liegt. &ldquo;1&euro;-Jobs&rdquo; werden den Arbeitssuchenden durch die zus&auml;tzlichen 160&euro; &ldquo;Nebenverdienst&rdquo; zu Hartz-IV,  und eine kostenlose &Ouml;PNV-Monatskarte schmackhaft gemacht. <\/li>\n<li>Den Druck verst&auml;rken die Leistungsabteilungen der ARGEn zus&auml;tzlich und best&auml;ndig, indem sie Alg-II Folgeantr&auml;ge nur mit mehrmonatiger Verz&ouml;gerung bearbeiten, und die hiervon Betroffenen damit in allergr&ouml;&szlig;te Existenznot bringen. Sie erlassen Bewilligungsbescheide meist nur noch in Folge einstweiliger gerichtlicher Verf&uuml;gungen. <\/li>\n<li>Die somit verursachten Leistungszahlungs-Ausf&auml;lle sorgen daf&uuml;r, da&szlig; eigentlich &ldquo;gesch&uuml;tztes Verm&ouml;gen&rdquo; von den Betroffenen angegriffen werden mu&szlig;. Dies f&uuml;hrt dann zu weiteren Komplikationen &ndash; wer somit  gezwungen ist, Gegenst&auml;nde seines privaten Besitzes zu verkaufen, wird wegen dieser &ldquo;Einnahmen&rdquo; sofort kriminalisiert, und mit Leistungssperren bedroht.           <\/li>\n<\/ul><p>Da&szlig; hier ein radikaler &ldquo;Umbau&rdquo; unserer Gesellschaft im Gange ist, das erschlie&szlig;t sich wohl der Mehrheit der B&uuml;rger erst bei W&uuml;rdigung aller hierf&uuml;r relevanten sozio-&ouml;konomischen Vorg&auml;nge. <\/p><p>Dieser &ldquo;Umbau&rdquo; geht Hand in Hand mit einer &ldquo;Entprofessionalisierung&rdquo; der Arbeitswelt, wie sie schon an anderer Stelle in den &ldquo;NachDenkSeiten&rdquo; sehr treffend beschrieben wurde. Zur Lohn- und Einkommensdr&uuml;ckerei ist praktisch jedes Mittel recht &ndash; w&auml;hrend f&uuml;r die Karrieren und die Jobsicherheit der F&uuml;hrungskader deutscher Unternehmen &ndash; des mittleren und des Top-Managements &ndash; offenbar schon &ldquo;das Erz&auml;hlte reicht&rdquo;, gilt f&uuml;r die Mehrzahl der Arbeitnehmer &ndash; und gerade auch f&uuml;r die, die es wieder werden wollen, da&szlig; &ldquo;das Erreichte nicht mehr z&auml;hlt&rdquo;.<\/p><p>So macht sich hierzulande auch immer mehr eine &ldquo;amerikanische&rdquo;  Organisation von Unternehmens- und Arbeitsstrukturen breit, die den einzelnen Arbeitnehmer in ein betrieblich-organisatorisches Umfeld stellt, das ihm kaum mehr fachliche und soziale Orientierung bietet, daf&uuml;r um so mehr &Uuml;berraschungen hinsichtlich der an ihn gestellten Anforderungen und Belastungen bereith&auml;lt &ndash; so gelten z.B. 60-80 Arbeitsstunden pro Woche als Minimum.<br>\nMenschenverachtende, insektennhaft anmutende, kaum mehr durchschaubare &ldquo;Matrix-Organisationen&rdquo; sorgen einerseits f&uuml;r h&ouml;chste Arbeitsteiligkeit, andererseits jedoch f&uuml;r multi-funktionelle und Abteilungs-&uuml;bergreifende Aufgabenbereiche der einzelnen Mitarbeiter, die sich &ndash; untereinander heftigst konkurrierend! &ndash; gen&ouml;tigt sehen, gleich mehreren Vorgesetzten und deren widerspr&uuml;chlichen Vorstellungen gerecht zu werden.<br>\nKombiniert mit best&auml;ndigem, allgegenw&auml;rtigem Erfolgsdruck durch ein &Uuml;berwachungs-Raster aus &ldquo;Performance Rating und Scoring&rdquo; und &ldquo;Training on the Job&rdquo; wird das &ldquo;Humankapital&rdquo; unter h&ouml;chstem Existenzdruck &ndash; gleich Laborratten! &ndash; durch ein vom Management institutionalisiertes Labyrinth leistungssteigernder Zwangsma&szlig;nahmen getrieben, das mit dem angloamerikanischen Begriff &ldquo;Rattenrennen&rdquo; (Rat-Race) nicht ganz zuf&auml;llig treffend beschrieben wird.<\/p><p>Damit diese Institutionaliserung des &ldquo;Rattenrennens&rdquo; als oberstes Prinzip einer neuen Arbeitswelt&rdquo; auch wirklich funktioniert, muss es letztendlich auch zum gesellschaftlichen Grundprinzip erhoben werden, und als &ldquo;Normalit&auml;t&rdquo; hingenommen, den Alltag der Menschen mehrheitlich bestimmen. Klar ist, da&szlig; bei diesem &ldquo;Rattenrennen&rdquo; nur noch Kandidaten an den Start gehen d&uuml;rfen, die hinreichend jugendlich, gesund, &ldquo;dynamisch&rdquo; &ndash; will hei&szlig;en: r&uuml;cksichtslos-ehrgeizig und dar&uuml;ber hinaus grenzenlos willig (und billig!) sind. Was sonst noch an Qualifikation und Voraussetzungen z&auml;hlt, ist bestenfalls schmalbandiges Fachwissen. Hohe Allgemeinbildung sowie breit angelegte Berufs- und Lebenserfahrungen von Job-Kandidaten stellen eher St&ouml;rfaktoren f&uuml;r das &ldquo;Management&rdquo; dar, das alleine f&uuml;r das &ldquo;Denken&rdquo; zust&auml;ndig ist und schon in der m&ouml;glichen Kritikf&auml;higkeit seines untergebenen Humankapitals&rdquo; ernsthafte Probleme sieht. Denn das &ldquo;Humankapital&rdquo; soll genau so reibungs- und problemlos nutz- und einsetzbar sein &ndash; grenzenlos &ldquo;formbar und flexibel&rdquo; &ndash; wie auch andere Formen des Produktivkapitals, also Produktionsanlagen und Maschinen. Nutzen bis zur Verschlei&szlig; &ndash; oder Rentabilt&auml;tsgrenze, kaufen zum niedrigsten, verkaufen zum h&ouml;chsten Preis, oder nach Gebrauch einfach ausrangieren und wegwerfen &ndash; ohne jede weitere Verpflichtung. Nur die Kapitalrendite z&auml;hlt. &Auml;ltere, kranke, oder gar pflegebed&uuml;rftige Menschen stehen dem nur noch im Wege, sie sind &ldquo;Humanlasten&rdquo; &ndash; da nicht mehr &ldquo;vernutzbar&rdquo;. Diese &ldquo;Ausmusterungs-Phase&rdquo; haben schon gut 10 Millionen &ldquo;Weggeworfene&rdquo; hinter sich, und es werden t&auml;glich mehr.<\/p><p>Nachfolgend zwei pers&ouml;nliche Erlebnisse (von vielen!) aus dem ewigen Jobkandiaten-Dasein eines 55-j&auml;hrigen &ldquo;Weggeworfenen&rdquo;, der seit 3 Jahren versucht, dem von Kurt Beck (SPD) als &ldquo;Unterschicht&rdquo; entdeckten Abfallbeh&auml;lter menschlicher Exisenz zu entkommen:<br>\n<strong><br>\nVorstellungsgespr&auml;ch mit Abqualifizierung:<\/strong><\/p><p>Die Eckdaten des Arbeitsplatzangebotes eines gr&ouml;&szlig;eren Hard- und Software Vertriebsfirma waren:<\/p><ul>\n<li>Telefonvertrieb (Call-Center)<\/li>\n<li>Aufbau eines eigener Kundenstamms per Neu-Akquise <\/li>\n<li>T&auml;gl. mind. 30 ausgehende Telefonate oder 3 Stunden Telefont&auml;tigkeit (elektronisch kontrolliert \/ &uuml;berwacht!)<\/li>\n<li>&ldquo;50-Stunden-Woche&rdquo; (kontrolliert \/ &uuml;berwacht!) <\/li>\n<\/ul><p>Meine 25-j&auml;hrige berufliche Historie, branchentypischen Kenntnisse und Erfahrungen wurden als gut befunden, es wurde aber sofort klar gemacht,  da&szlig; hierauf nicht der geringste Wert gelegt wird &ndash; da &ldquo;nicht notwendig&rdquo; und dank &ldquo;modernerer&rdquo; Vertriebsweisen inzwischen &ldquo;kalter Kaffee&rdquo;. Es z&auml;hle vielmehr nur, &ldquo;am Telefon verkaufen zu k&ouml;nnen&rdquo;. Den Umkehrschlu&szlig;, da&szlig; dies scheinbar umso besser geht, je weniger ein Verk&auml;ufer wisse- den habe ich nat&uuml;rlich f&uuml;r mich behalten. Es stellte sich nach dem Einstellungsgespr&auml;ch &ndash; das ich einem externen Peronalberater verdankte &ndash; auch heraus, da&szlig; mein Lebensalter eigentlich um 10 Jahre &uuml;ber der vom Unternehmen gew&uuml;nschten Grenze lag. Ich war also wohl nur &ldquo;F&uuml;llmaterial&rdquo;, damit er zu diesem Termin sein Soll von vier Kandidaten vorstellen konnte. Vorstellungsgespr&auml;ch &ndash; &ldquo;Top-Job: Tagel&ouml;hner&rdquo;<\/p><p>Nach &uuml;ber 4 Monaten Kooperation mit einer bekannten (und m.E. seri&ouml;sen) Zeitarbeitsfirma wurde ein Bewerbungsgespr&auml;ch mit einem &ldquo;Start-Up&rdquo; Unternehmen angebahnt &ndash; T&auml;tigkeit: &ldquo;projektweise&rdquo; Vertriebsunterst&uuml;tzung bei Gro&szlig;kunden. Es stellte sich sehr schnell heraus, da&szlig; es um um nichts anderes als um eine &ldquo;Call-Center&rdquo; &ndash; Variante ging, best&uuml;ckt mit einer S&ouml;ldnertruppe aus freiberuflichen &ldquo;Vertriebs-Spezialisten&rdquo;, die irgendwelche durch Kostendruck entstandenen Vertriebsl&uuml;cken bei IT- und TK Anbietern billig f&uuml;llen sollte. Von &ldquo;Zeitarbeit&rdquo; und einem &ldquo;existenz sichernden Einkommen&rdquo; war auch seitens dieses &ldquo;Arbeitgebers&rdquo; dann erwartungsgem&auml;&szlig; nicht mehr die Rede. Aufgrund meines langj&auml;hriger Berufserfahrungs-Hintergrundes in der Branche w&uuml;rde man mir &ndash; vermutlich in wenigen Monaten &ndash; gerne die Gelegenheit f&uuml;r ein 2-t&auml;giges &ldquo;Probearbeiten&rdquo;  geben! Ansonsten sei es so, da&szlig; w&auml;hrend der Weihnachts-, Winter-, Sommer- und Herbsturlaubszeit das Gesch&auml;ft praktisch &ldquo;ruhe&rdquo;, weshalb man nur Freiberufler &ndash; tageweise und auf Abruf &ndash; &ldquo;besch&auml;ftigen&rdquo; k&ouml;nne. Diese betrachte man einfach als &ldquo;Resource&rdquo; &auml;hnlich wie Druckerpapier! Denn selbst Zeitarbeitsvertr&auml;ge seinen &ldquo;zu unflexibel&rdquo;. Die Regel sei daher, pro Monat 2 bis max. 3 Wochen Arbeit an &ldquo;freie&rdquo; Mitarbeiter zu vergeben &ndash; je nach Auftragslage.  Das auf dieser &ldquo;freiberuflichen Basis&rdquo; zu erwartende Monatseinkommen f&uuml;r &ldquo;Resourcen&rdquo; liege &ndash; je nach Auftragslage &ndash; zwischen Null und einem nicht n&auml;her definierbaren Betrag (!). Auch m&uuml;&szlig;ten die &ldquo;freien Mitarbeiter&rdquo; irgendwie nachweisen k&ouml;nnen, da&szlig; sie auch f&uuml;r andere Unternehmen t&auml;tig sind, um sog. Scheinselbst&auml;ndigkeit&rdquo; zu vermeiden.  <\/p><p><strong>Fazit:<\/strong><\/p><p>Dies sind nur zwei Beispiele von mehrenen Dutzend, und diese wiederum sind nur die Quintessenz aus mehreren Hundert Bewerbungen, von denen h&ouml;chstens 2% in &ldquo;konkrete&rdquo; Bewerbungsgespr&auml;che &ndash; meist der obigen Art! &ndash; m&uuml;ndeten. <\/p><p>Wenn ich von meiner pers&ouml;nlichen beruflichen Qualifikation und langj&auml;hrigen Erfahrung nach &uuml;ber 35 Jahren Arbeit ausgehe &ndash; die es mir offenbar niemals mehr erm&ouml;glichen, in meinem Leben irgend eine auch nur halbwegs anst&auml;ndig bezahlte, menschenw&uuml;rdige Arbeit zu finden &ndash; dann darf ich erst gar nicht daran denken, wie es wohl Menschen mit geringerer Qualifikation ergeht. Deren Lebensumst&auml;nde m&uuml;ssen doch von einer erm&uuml;denden, zerm&uuml;rbenden und verzweifelten Vergeblichkeit ihres Daseins und einer noch d&uuml;stereren Ahnung k&uuml;nftigen Alterselends gekennzeichnet sein!  <\/p><p>Was sich hier meiner ganz pers&ouml;nlichen Wahrnehmung auftut, ist ein Blick auf die entsetzliche Vernichtung von Millionen menschlicher Existenzen, nicht nur einer politisch gewollten und gef&ouml;rderten Massenarmut, sondern eines k&uuml;nftigen Lebens unter h&ouml;llischer Existenzangst f&uuml;r die Mehrheit der Bev&ouml;lkerung. Wie lange kann so etwas andauern, ohne da&szlig; unsere Gesellschaft v&ouml;llig auseinanderf&auml;llt? Ist sie imstande, derartige &ldquo;amerikanische Verh&auml;ltnisse&rdquo; oder Schlimmeres &ndash; &ldquo;Weimarer Zust&auml;nde&rdquo; &ndash; auf Dauer auszuhalten?<\/p><p><strong>&ldquo;Hart aber fair&rdquo;<\/strong><\/p><p>Auch diese Sendung am heutigen Tage vermied es &ndash; wie der Teufel das Weihwasser! &ndash; an den Dogmen des Meinungs-Mainstreams ernsthaft zu r&uuml;tteln. 4 Millionen Arbeitslose und sittenwidrige Hungerl&ouml;hne blieben in der Darstellung der hierf&uuml;r eigentlich Verantwortlichen  &ldquo;alles nur Einzelf&auml;lle&rdquo;. Stattdessen wurde lang und breit das Thema &ldquo;Henrico Frank&rdquo; emotional aufgekocht, und zur Kr&ouml;nung der Abwegigkeit der Diskussion das Thema &ldquo;Schwarzarbeit&rdquo; eingebracht. Kein Wort in diesem Zusammenhang dar&uuml;ber, da&szlig; in- und ausl&auml;ndische Dumpinglohn-Kr&auml;fte von deutschen UNTERNEHMEN besch&auml;ftigt werden, die sich auf diese Weise Kosten- und Wettbewerbsvorteile verschaffen, und ihre Profite maximieren. Auch kein Wort dar&uuml;ber, da&szlig; die &ouml;ffentliche Bezuschussung von Niedrigl&ouml;hnen &ndash; also auch &ldquo;Kombi-L&ouml;hne&rdquo; &ndash; nichts anderes sind, als eine Legalisierung von &ldquo;Schwarzarbeit&rdquo;. Denn: wo liegt denn der &ndash; volkswirtschaftliche &ndash; Unterschied zwischen Schwarzarbeit und subventionierten Niedrigstl&ouml;hnen &ndash; ohne SV-Abgaben, Lohn- und MWSt &ndash; und der &ouml;ffentlich gef&ouml;rderter Niedrigstl&ouml;hne &ndash; ebenfalls ohne SV-Abgaben, Lohn- und MWSt? Richtig, in der Straffreiheit solchen gewinnf&ouml;rderlichen Tuns f&uuml;r die Unternehmen. In beiden F&auml;llen gehen der Staat und Sozialversicherungssysteme leer aus. Eine geradezu dummdreiste &ldquo;Logik&rdquo;, die dem Publikum hier vorgef&uuml;hrt wurde &ndash; neben beschwichtigendem Sozialgefasel der Herren Meyer (CDU) und Heil \/SPD).  &ldquo;Hart&rdquo;, aber keineswegs &ldquo;fair&rdquo;. <\/p><p>Mit freundlichem Gru&szlig; und einem bitte weiter so.&ldquo;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einer unserer Nutzer schickt uns <a href=\"?p=2061\">zum gestrigen Tagebucheintrag<\/a> eine sehr informative Mail mit seinen eigenen praktischen Erfahrungen.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[147,141,123,30],"tags":[2817,288,389,402],"class_list":["post-2068","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitslosgigkeit","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-kampagnentarnworteneusprech","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-hart-aber-fair","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-sozialrassismus","tag-wachstum"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2068","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2068"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2068\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30258,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2068\/revisions\/30258"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2068"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2068"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2068"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}