{"id":20685,"date":"2014-02-13T09:39:46","date_gmt":"2014-02-13T08:39:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=20685"},"modified":"2019-03-02T17:03:52","modified_gmt":"2019-03-02T16:03:52","slug":"ttip-internationale-megakonzerne-verhindern-die-soziale-und-oekologische-gestaltung-der-globalisierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=20685","title":{"rendered":"TTIP: Internationale Megakonzerne verhindern die soziale und \u00f6kologische Gestaltung der Globalisierung"},"content":{"rendered":"<p>Die geplante &bdquo;Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft&ldquo; zwischen den USA und der EU  ist heftig umstritten. Das K&uuml;rzel  TTIP (Transatlantic Trade- and Investmentpartnership) taucht bereits auf den Plakaten nicht nur der Globalisierungskritiker auf. Zwei Positionen stehen sich ziemlich unvers&ouml;hnlich gegen&uuml;ber. Die Bef&uuml;rworter eines entgrenzten Freihandels betonen die Wohlfahrtsgewinne f&uuml;r alle durch sinkende Preise, mehr an Wirtschaftswachstum und neue Arbeitspl&auml;tze. Die Kritiker dieser Globalisierung mit abgeschmolzenen arbeits- und verbraucherbezogenen, sozialen sowie &ouml;kologischen Mindeststandards bef&uuml;rchten den Machtgewinn internationaler Konzerne gegen&uuml;ber dem Schutz von Verbraucherinnen und Verbrauchern und Besch&auml;ftigten.  Die modellhaft skizzierbaren Vorteile einer grenz&uuml;berschreitenden Liberalisierung der M&auml;rkte durch den Abbau protektionistischer H&uuml;rden und damit sinkender Preise werden durchaus gesehen. In der Realit&auml;t der international monopolistischen Konkurenz dominieren jedoch die einzelwirtschaftlichen Gewinninteressen zu Lasten breiter Wohlstandsgewinne.  Von <strong>Rudolf Hickel<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=20685#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>], mit einer Anmerkung von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9232\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-20685-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140114_TTIP_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140114_TTIP_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140114_TTIP_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140114_TTIP_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=20685-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140114_TTIP_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"140114_TTIP_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Kurze Fassung erschien in der TAZ am 11. 2. 2014<\/em><\/p><p>Wie ist die erst einmal durch die EU ausgesetzte transatlantische &Ouml;ffnung der M&auml;rkte zu bewerten?  Gibt es zu dieser Globalisierung, die durch die Interessen der internationalen Konzerne zum Wegkonkurrieren von Mindeststandards vorangetrieben wird, eine Alternative? <\/p><p><strong>Die Schwerpunkte der geplanten USA-EU-M&auml;rkte&ouml;ffnung<\/strong><br>\nWorum geht es? Innerhalb der transatlantischen Megazone sollen die Regelungen von ausl&auml;ndischen Investoren in deren Heimatland im Gastland gelten. Fallen die Standards im Heimatland niedriger aus, dann m&uuml;ssen diese im Partnerland anerkennt werden. Der geplante Abbau der Handelsbarrieren durch Z&ouml;lle, Quoten und teure grenz&uuml;berschreitende Mehrfachkontrollen steht auch auf der Agenda. Da sich die relevanten Z&ouml;lle zwischen USA und EU durchschnittlich in der EU auf 5,2% und in den USA auf 3,5% belaufen, ist abgesehen von wenigen h&ouml;heren Z&ouml;llen (EU- Agrarprodukte bis zu 205%, USA Textilien 42%,  Schuhe und Leder 56%)  der Liberalisierungsbedarf vergleichsweise niedrig. Im Zentrum der Grenz&ouml;ffnung stehen vielmehr die sogenannten nicht tariflichen Handelshemmnisse. Dazu z&auml;hlen politisch gewollte Regulierungen zur Produktqualit&auml;t und den Produktionsbedingungen. Die viel zitierten Beispiele offenbaren die Zielsetzung: Das in den USA mit Hormonen behandelte Fleisch sowie die mit Chlor desinfizierten H&uuml;hner sind derzeit zum Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher in der EU verboten. F&uuml;r Lebensmittel, die  gentechnisch behandelte Pflanzen enthalten, sieht die EU im Unterschied zu den USA eine Mitteilungspflicht auf der Verpackung vor. Die durch die EU-Kommission mit Unterst&uuml;tzung der Bundeskanzlerin drohende Zulassung von gentechnisch ver&auml;ndertem Mais passt in dieses Konzept transatlantischer Deregulierung. Wenn dieses Konzept des grenzenlosen Handels realisiert sein sollte, gibt es diese Kontroversen nicht mehr. Nach der gewollten gegenseitigen Anerkennung bieten k&uuml;nftig die US-Unternehmen zu ihren niedrigen Standards in Europa an. Wegen der nicht geltenden EU-Qualit&auml;tsstandards ist bei dem US-Produkt mit niedrigen Preisen zu rechnen. Zu erwarten ist ein Wettbewerb, innerhalb dessen die gesch&uuml;tzten teueren Produkte in der EU verdr&auml;ngt werden. Der Preis f&uuml;r die billigeren Produkte sind die gesundheitlichen Risiken. Dieses Herunterkonkurrieren von Produktstandards wird auch vor arbeitsrechtlichen, sozialen und &ouml;kologischen Mindestregulierungen der Produktion nicht Halt machen. Ein Beispiel: Produkte mit niedrigen Preisen infolge tariflich nicht gesch&uuml;tzter Besch&auml;ftigter aus den USA drohen deutsche G&uuml;ter und Dienstleistungen auf der Basis von h&ouml;heren Tarifabschl&uuml;ssen zu verdr&auml;ngen. Allerdings ger&auml;t die USA auch in einigen Bereichen, in denen deren Regulierungen st&auml;rker als in der EU ausfallen, unter den Druck, die Standards abzusenken (Bankensektor).  <\/p><p>Zur Agenda dieser transatlantischen Liberalisierung z&auml;hlt auch die &Ouml;ffnung des &ouml;ffentlichen Besch&auml;ftigungssektors. Die Folgen f&uuml;r die Art des Wettbewerbs sind im USA-EU-Raum absehbar. Die strategisch handelnden Gro&szlig;konzerne werden sich durchsetzen. Durch die monopolistische Konkurrenz ohne Grenzen geraten am Ende die binnenwirtschaftlich und regional agierenden kleinen und mittleren Unternehmen unter massiven Druck. Wo bleiben die Verfechter einer dekonzentrierten, sozialen Marktwirtschaft als Leitbild der Globalisierung?<\/p><p><em><strong>Politische Regulierungen als &bdquo;Investitionsbremsen&ldquo; bei der weltweiten Marktentfesselung gescholten<\/strong><\/em><br>\nDas geplante transatlantische Abkommen geht jedoch &uuml;ber die &Ouml;ffnung der tarif&auml;ren und nicht-tarif&auml;ren Hemmnisse weit hinaus. Sprachlich auf Sympathiegewinn angelegt wird eine transatlantische &bdquo;Investitionspartnerschaft&ldquo; hinzugef&uuml;gt. Zum Schutze der ausl&auml;ndischen Investoren im Gastland wird zwischen der &bdquo;direkten&ldquo; und &bdquo;indirekten&ldquo; Enteignung von ausl&auml;ndischen Investoren im jeweiligen Gastland unterschieden. W&auml;hrend im direkten Fall der Staat ein Unternehmen enteignet, f&uuml;hlt sich ein Unternehmen durch die staatlich gewollte Einschr&auml;nkung seiner Entscheidungsautonomie &bdquo;indirekt&ldquo; enteignet. So wird beispielsweise durch besch&auml;ftigungsbezogene, soziale und &ouml;kologische Produktionsauflagen die Verf&uuml;gungsgewalt &uuml;ber das unternehmerische Eigentum bewusst politisch-demokratisch eingeschr&auml;nkt. Als Klagetatbestand kann auch Politikwechsel etwa im Energiebereich z&auml;hlen. So wird mit Energiewende das Gesch&auml;ftsmodell der bisherigen Energiekonzerne ver&auml;ndert. Dies ist der Grund, warum Vattenfall gegen die Energiewende mit dem endg&uuml;ltigen Ausstieg aus Atomstrom gegen die Bundesrepublik Deutschland klagt. Im Falle der indirekten Enteignung sollen ausl&auml;ndische Konzerne in der EU zumindest auf Schadenersatz klagen k&ouml;nnen. Dadurch wehren sich privatwirtschaftliche Megainvestoren aus dem Ausland gegen nationalstaatliche bzw. auf EU-Ebene demokratisch vereinbarte Produktionsregeln f&uuml;r Unternehmen. Wie heute schon viele Konflikte zeigen, ist mit einer Flut von Prozessen zu rechnen. Im transatlantischen B&uuml;ndnis entscheidet nicht nationale Gerichtsbarkeit oder die EU-Justiz &uuml;ber die Klagen. Vielmehr sind eigenst&auml;ndige justizfreie Schiedsgerichte vorgesehen. Sollte das TTIP zustande kommen, sind k&uuml;nftig Klagen gegen das Verbot von Fracking zur &ouml;kologisch umstrittenen Erschlie&szlig;ung von Gas im Gestein zu erwarten. Der Logik dieser Schiedsgerichtsbarkeit zufolge stehen die Lohnfindung mit dem deutschen Tarifvertragssystem, die Mindestl&ouml;hne,  ja die unternehmerische  Mitbestimmung unter dem Verdacht, f&uuml;r die USA-Investoren ein &bdquo;Investitionshemmnis&ldquo;, gegen das geklagt wird,  zu sein. Notorische Kritiker dieser Regulierungen in Deutschland und der EU, die auf diese neoliberale Marktentfesselung setzen, sch&ouml;pfen gro&szlig;e Hoffnungen auf diesen Umweg &uuml;ber die transatlantische Markt&ouml;ffnung.<\/p><p><em><strong>Die undemokratischen Schiedsgerichte richten <\/strong><\/em><br>\nBei Lichte besehen f&uuml;hrt der Schutz der ausl&auml;ndischen Megainvestoren  vor indirekter Enteignung zu einer Enteignung der nationalstaatlichen Demokratie. Das zeigt sich an der geplanten Einrichtung von Schiedsstellen zur vorgesehenen Konfliktsregulierung. Diese au&szlig;erhalb des nationalen und internationalen Rechts stehenden Schiedsstellen sollen mit einem Vertreter des betroffenen Konzerns, einem Repr&auml;sentanten des Staats sowie einem neutralen Dritten gebildet werden. Hinzu kommt ein vernetztes System von Rechtsanwaltsb&uuml;ros. Die &uuml;ber 500 Schiedsstellen, die seit den letzten Jahren bereits weltweit t&auml;tig sind, haben sich verselbst&auml;ndigt und dienen Investoren im aggressiven Wettbewerb. <\/p><p><em><strong>Versprochene Wohlfahrtseffekte vernachl&auml;ssigbar<\/strong><\/em><br>\nSelbst der mit dem Thema wenig Befasste erkennt die gro&szlig;en Risiken dieser Liberalisierung. Deshalb wird massiv versucht, die Wohlstand mehrenden Effekte durch h&ouml;heres Wirtschaftswachstum und mehr Arbeitspl&auml;tze herauszustreichen. Allerdings zeigen die vielen makro&ouml;konomischen Studien im Auftrag der EU und der USA, dass selbst bei optimistischer Sicht die Wohlfahrtseffekte extrem gering ausfallen. Der  US-Denktank, das &bdquo;Center for Economic und Policy&ldquo;, kommt zu auffallend geringen Wachstums- und Besch&auml;ftigungseffekten. Auf den Zeitraum von 15 Jahren hochgerechnet wird der Langfristwachstumseffekt mit zus&auml;tzlichen 0,48 % Prozentpunkten (durchschnittlich pro Jahr ca. 0,034) beim Bruttoinlandsprodukt in der EU, in den USA sind es zus&auml;tzlich 0,39 Prozentpunkte bei der Produktion (Jahresdurchschnittlich 0,028). Die auff&auml;llig optimistisch ausgefallene  Bertelsmannstudie sch&auml;tzt den Arbeitsplatzzuwachs in Deutschland in 15 Jahren auf 181 092  neue Jobs (pro Jahr 12 935). Dabei reduziert sich der Gesamtzuwachs nach der makro&ouml;konomischen Studie des Ifo-Instituts nur noch auf 68 590 neue Jobs (pro Jahr  1801). Bereits die unterschiedliche Bandbreite an Ergebnissen der Untersuchungen zu den Wachstums- und Jobeffekten zeigen, dass hier eine gro&szlig;e Sch&auml;tzunsicherheit besteht. Dabei werden systematisch die Verluste an Jobs durch die Verdr&auml;ngung bisheriger Produktion nicht angemessen erfasst. Schlie&szlig;lich steckt im Zugewinn an gesamtwirtschaftlicher Produktion ein wichtiger Qualit&auml;tsverlust:  Hormonbehandeltes Fleisch verdr&auml;ngt &uuml;ber den niedrigen Preis die bisher nach Gesundheitsanforderungen regulierten Produkte. Quantitatives Wachstum geht mit Qualit&auml;tsverlusten f&uuml;r die Verbraucherinnen und Verbraucher einher. Auch deshalb lohnen sich die gesamtwirtschaftlich versprochenen Wohlfahrtseffekte aus der transatlantischen Partnerschaft nicht. <\/p><p><em><strong>Wer sind die Verlierer, wer die Gewinner?<\/strong><\/em><br>\nDie Verlierer und Gewinner sind eindeutig zuordenbar. Verlierer sind die Besch&auml;ftigten, die Verbraucherinnen und Verbraucher sowie die Umwelt und der au&szlig;erhalb  der Konkurrenz stehende &ouml;ffentliche Sektor. Den Verlierern stehen einzig und allein die multinationalen Konzerne als Gewinner gegen&uuml;ber. Sie setzen auf allerdings riskante riesige Absatzm&auml;rkte. Dazu geh&ouml;rt die M&ouml;glichkeit der grenzenlosen Direktinvestitionen im transatlantischen Handels- und Investitionsraum. Die hier verfolgte einseitige Interessenpolitik gegen soziale und &ouml;kologische Schutzrechte erkl&auml;rt auch den Ausschluss von Gewerkschaften, Verbraucher- und Umweltverb&auml;nden sowie anderer Nicht-Regierungsorganisationen aus den Entscheidungszentren. Ihre Rolle ist auf das Anh&ouml;rungsrecht reduziert. Mangelnde demokratische Legitimation, Intransparenz und machtvolle Geheimnistuerei haben bisher die Entscheidungsfindung gepr&auml;gt. Die hoch offiziellen Beratungen werden von &uuml;ber 600 Vertretern der Wirtschaftslobby zusammen mit politischen Repr&auml;sentanten vorangetrieben. Durchgesetzt werden soll eine  Globalisierung, bei der die Gro&szlig;investoren die Produkt- und Produktionsbedingungen dominieren. Arbeitsbezogene, soziale und &ouml;kologische Standards werden als Kostenfaktoren zu dezimieren versucht. <\/p><p><em><strong>Globalisierung: Gestaltung statt Entfesselung der M&auml;rkte<\/strong><\/em><br>\nGegen diese Globalisierung unter dem Druck monopolistischer Konkurrenz steht das politisch gestaltende Modell des fairen Handels und Investierens &uuml;ber die Grenzen hinweg. Hier wird die Harmonisierung von Arbeits-, Sozial- und Umweltrechten in einem Regelsystem f&uuml;r die Weltwirtschaft angestrebt. In einem ersten Schritt sollten einheitliche Mindeststandards, die von keinem Land unterschritten werden d&uuml;rfen, festgelegt werden. <\/p><p>Die EU hat auch nach der massiven Kritik das Projekt gestoppt. Dieser Stopp, den auch DIE GR&Uuml;NEN sowie die LINKE in Deutschland fordern, reicht jedoch nicht aus. Gesamtwirtschaftlich, arbeits- und produktorientiert sowie sozial und &ouml;kologisch kann auf das gesamte Projekt ohne die Umsetzung von Mindeststandards verzichtet werden. Den vernachl&auml;ssigbaren gesamtwirtschaftlichen Sch&auml;den steht der Zugewinn aus der Weiterentwicklung des Welthandels zur Steigerung der &ouml;kologischen, gesundheitsbezogenen, sozialen und besch&auml;ftigungsorientierten Qualit&auml;t in allen L&auml;ndern gegen&uuml;ber. Die transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft verdient das Schicksal des &bdquo;Multilateralen Investitionsabkommen&ldquo; (MAI). Der Versuch der OCED von 1996, mit einem Abkommen zum Schutz der profitablen Investoren nationalstaatlich demokratisch legitimierte Regelungen bis hin zur Mitbestimmung zu demontieren, ist erfolgreich gescheitert. <\/p><p><em><strong>Anmerkung Jens Berger:<\/strong> Rudolf Hickel nennt &ndash; vollkommen zu Recht &ndash; zahlreiche Beispiele, bei denen US-Konzerne vom Freihandelsabkommen profitieren w&uuml;rden. Das ist jedoch gleich aus zweierlei Hinsicht nur die halbe Wahrheit und kann schnell in der Art und Weise falsch verstanden werden, dass das geplante Freihandelsabkommen einseitig die US-Konzerne beg&uuml;nstigt.<\/em><\/p><ol>\n<li><em>Was f&uuml;r US-Konzerne auf dem EU-Markt gilt, gilt spiegelbildlich auch f&uuml;r EU-Konzerne auf dem US-Markt. Nehmen wir da nur die Arzneimittelzulassung, die in den USA wesentlich sch&auml;rfer und somit verbraucherfreundlicher reguliert ist als in der EU &ndash; eine Harmonisierung w&auml;re hier ein Milliardengeschenk f&uuml;r die europ&auml;ischen Pharmariesen GlaxoSmithKline (GB), Sanofi-Aventis (F) und AstraZeneca (GB) und Merck (D). Ein besonderes Geschenk f&uuml;r die deutschen Exporteure w&auml;re auch eine Harmonisierung der Produkthaftungsgesetze. Unternehmen wie der Maschinenbauer Stihl kalkulieren hier eine R&uuml;cklage in H&ouml;he von 15% vom US-Umsatz f&uuml;r <a href=\"http:\/\/www.maschinenmarkt.vogel.de\/themenkanaele\/managementundit\/recht\/articles\/66115\/\">Produkthaftungsklagen ein<\/a> &ndash; sollte ein Freihandelsabkommen die US-Produkthaftung auf das EU-Niveau absenken, w&auml;re dies ein Milliardengeschenk an EU-Unternehmen, vor allem an deutsche Exporteure. Es ist also nicht so, dass nur US-Konzerne profitieren w&uuml;rden. Alleine die beiden genannten Beispiele sind vom Volumen her um einiges bedeutsamer als die vielzitierten Chlorh&uuml;hnchen. Warum tauchen sie in keinem TTIP-kritischen Artikel auf?<\/em><\/li>\n<li><em>Die Absenkung des Verbraucherschutzes &ndash; und darum geht ja letztendlich &ndash; nutzt freilich nicht nur den Konzernen aus dem anderen Wirtschaftsraum, sondern auch und vor allem den Konzernen aus dem eigenen Wirtschaftsraum. Oder glauben Sie, dass Wiesenhof keine Chlorh&uuml;hnchen anbieten w&uuml;rde, wenn die Kennzeichnungspflicht wegf&auml;llt? Ob die US-Konzerne sich dann &uuml;berhaupt mit ihren Chlorh&uuml;hnchen gegen die der nieders&auml;chsischen H&uuml;hnerbarone durchsetzen k&ouml;nnen, ist eine weitere Frage. Und auch dies gilt spiegelbildlich. Von einer Absenkung der US-Produkthaftung und einer Verw&auml;sserung der Arzneimittelzulassungskriterien w&uuml;rden auch und vor allem US-Konzerne auf ihrem Heimatmarkt profitieren.<\/em><\/li>\n<\/ol><p><em>Bei TTIP geht es nicht um die Frage, ob US- oder EU-Konzerne profitieren. Unter dem Strich profitieren beide. Die Konfliktlinie ist nicht USA gegen EU, sondern Unternehmen gegen Verbraucher. Und hier sitzt Erika Mustermann mit John Doe in einem Boot. L&auml;sst man alle Details heraus, geht es also um die Frage, ob eine Absenkung des Verbraucherschutzes im Sinne der Verbraucher ist, da dadurch die Preise sinken. Und hier ist zu Recht Zweifel angebracht, zumal &ndash; was Rudolf Hickel vollkommen korrekt erw&auml;hnt &ndash; es bei dem schon jetzt vorhandenen Angebotsoligopol mehr als fraglich ist, ob die sinkenden Kosten &uuml;berhaupt an den Verbraucher weitergegeben werden oder nicht doch nur als Renditesteigerung verbucht werden.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Rudolf Hickel ist &Ouml;konom an der Universit&auml;t Bremen<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die geplante &bdquo;Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft&ldquo; zwischen den USA und der EU ist heftig umstritten. Das K&uuml;rzel TTIP (Transatlantic Trade- and Investmentpartnership) taucht bereits auf den Plakaten nicht nur der Globalisierungskritiker auf. Zwei Positionen stehen sich ziemlich unvers&ouml;hnlich gegen&uuml;ber. 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