{"id":20781,"date":"2014-02-19T16:49:58","date_gmt":"2014-02-19T15:49:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=20781"},"modified":"2015-10-15T14:45:43","modified_gmt":"2015-10-15T12:45:43","slug":"vom-abbau-der-konfrontation-in-europa-zum-wiederaufbau-der-konfrontation-die-toten-von-kiew-sind-die-opfer-dieses-wahnsinns","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=20781","title":{"rendered":"Vom Abbau der Konfrontation in Europa zum Wiederaufbau der Konfrontation. Die Toten von Kiew sind die Opfer dieses Wahnsinns."},"content":{"rendered":"<p>Auf der Basis einer dpa-Meldung hat meine Regionalzeitung, &bdquo;Die Rheinpfalz&ldquo; am 18. Februar &uuml;ber das Treffen der ukrainischen Oppositionsf&uuml;hrer Klitschko und Jazenjuk mit der Bundeskanzlerin berichtet. Da ist davon die Rede, die Ukraine brauche &bdquo;eine europ&auml;ische&ldquo; Perspektive, es wird von &bdquo;proeurop&auml;ischer&ldquo; Opposition geschrieben. In anderen Texten wird wie selbstverst&auml;ndlich davon erz&auml;hlt, der Konflikt in der Ukraine r&uuml;hre daher, dass die Russen den Ukrainern nicht erlauben wollten, sich f&uuml;r Europa zu entscheiden. Und selbstverst&auml;ndlich schwingt immer mit: Wir hier im Westen sind die Guten, dort im Osten sind die B&ouml;sen. Der Konflikt hat das Zeug zu einem B&uuml;rgerkrieg und birgt zusammen mit anderen &auml;hnlich arrangierten Konflikten nach meiner Einsch&auml;tzung auch das Risiko eines &Uuml;bergreifens auf andere Staaten wie Wei&szlig;russland oder Russland selbst und damit das Risiko eines dritten Weltkrieges, jedenfalls eines ma&szlig;losen Blutvergie&szlig;ens. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8695\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-20781-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140121_Konfrontation_in_Europa_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140121_Konfrontation_in_Europa_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140121_Konfrontation_in_Europa_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140121_Konfrontation_in_Europa_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=20781-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140121_Konfrontation_in_Europa_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"140121_Konfrontation_in_Europa_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Ich muss zu Anfang anmerken, dass meine Abneigung gegen kriegerische und kriegs&auml;hnliche Gewalt auf der Erfahrung mit Krieg und der fr&uuml;hen politischen Sozialisation in einer ersten Friedensbewegung zu Beginn der F&uuml;nfzigerjahre gr&uuml;ndet. Ich wiederhole dazu einiges, was ich in den NachDenkSeiten z.B. <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19743\">hier<\/a> und auch in einem <a href=\"http:\/\/www.br.de\/radio\/bayern2\/sendungen\/eins-zu-eins-der-talk\/albrecht-mueller-100.html\">Gespr&auml;ch mit dem Bayerischen Rundfunk<\/a> berichtet habe. Die Forderung &bdquo;Nie wieder Krieg&ldquo; war keine dummdreiste Nachkriegsparole, sondern die ernst genommene Erfahrung mit den Schrecken eines Krieges. <\/p><p><strong>Statt Verst&auml;ndigung der Roll-Back-Versuch und Kalter Krieg &hellip;<\/strong><\/p><p>Es gab damals, zu Beginn der F&uuml;nfzigerjahre, den Versuch &ndash; in Deutschland von Seiten des sp&auml;teren Bundespr&auml;sidenten Heinemann &ndash; , die Konfrontation zwischen Ost und West nicht zu versch&auml;rfen, sondern abzubauen. Aber dieser Versuch fand in den F&uuml;nfzigerjahren bei uns und im Westen insgesamt keine Mehrheit. Stattdessen wurde der Versuch gemacht, den Einfluss der &bdquo;Russen&ldquo; zur&uuml;ckzudr&auml;ngen. Das Konzept ma&szlig;geblicher Kr&auml;fte in den USA und auch bei uns war das so genannte &bdquo;Roll Back&ldquo;, dieser Gedanke war vor allem verbunden mit dem amerikanischen Au&szlig;enminister Dulles. Es kam im weiteren Verlauf des auf beiden Seiten massiv gef&uuml;hrten Kalten Krieges zu gef&auml;hrlichen Situationen. <\/p><p><strong>&hellip; Und dann der erfolgreiche Versuch der Verst&auml;ndigung und mit dem Abbau der Konfrontation auch der Wandel im Inneren des fr&uuml;heren Ostblocks<\/strong><\/p><p>Mit der Friedens- und Vertragspolitik ist dann der Abbau der Konfrontation zwischen Ost und West eingeleitet worden und gelungen und darauf bauend dann auch die innere Ver&auml;nderung in den Staaten des ehemaligen Ostblocks einschlie&szlig;lich Russlands.<\/p><p>Diese positive Erfahrung wird heute nicht mehr ernst genommen. Schon die nahe liegende Konsequenz, die Milit&auml;rb&uuml;ndnisse Warschauer Pakt und die NATO aufzul&ouml;sen, fand sich als Ziel nur noch im SPD-Grundsatzprogramm vom Dezember 1989. Politische Realit&auml;t wurde diese Zielvorstellung nicht. <\/p><p>Heute wird ein neues, nur ein bisschen anders gelagertes, Roll Back versucht. Das Gezerre darum, ob die Ukraine europ&auml;isch sein soll oder unter russischem Einfluss, ist Ausdruck des Aufbaus einer neuen und &ndash; wie ich meine &ndash; gef&auml;hrlichen Konfrontation. Der normale Berichterstatter im deutschen Fernsehen oder in den deutschen Zeitungen ist schon so einge&uuml;bt in die neue Konfrontation, dass die entsprechenden Begriffe wie &bdquo;pro-europ&auml;isch&ldquo; oder &ldquo;nicht-europ&auml;isch&rdquo; unreflektiert in die Fernseh-  und Printberichte flie&szlig;en. Der normale Reporter und die normale Reporterin &ndash; wie gestern Abend zum Beispiel die Berichterstatterin des ZDF heute journal aus Moskau &ndash; denken ganz selbstverst&auml;ndlich in den Schablonen der Sch&uuml;tzengr&auml;ben einer neuen Konfrontation. Es ist beachtlich, wie schnell und nachhaltig diese Gehirnpr&auml;gung stattgefunden hat.<\/p><p>Manche der heute &uuml;blichen Berichte und Kommentare erinnern mich an das Denken und Reden aggressiver Vertreter der Jungen Union in den f&uuml;nfziger und sechziger Jahren. J&uuml;rgen Wohlrabe zum Beispiel redete so, als ich ihn zum ersten Mal im Jahre 1960 auf dem Gel&auml;nde der Freien Universit&auml;t Berlin reden h&ouml;rte. Damals gab es in Deutschland immerhin noch Gegenstimmen. Heute hat man den Eindruck, das Freund-Feind-Denken und die Einteilung in Gut und B&ouml;se seien die beherrschenden Denkmuster in der &ouml;ffentlichen Diskussion.<\/p><p><strong>In der Ukraine gibt es Unrecht von Seiten der Regierenden. Es gibt Menschenrechtsverletzungen. Es gibt Zweifel in das Funktionieren der Demokratie. Aber wo gibt es das alles nicht?<\/strong><\/p><p>In den USA gibt es die Todesstrafe. Aus meiner Sicht eine grundlegende Verletzung der Menschenrechte. Dort gibt es nicht nur in Guantanamo die Aussetzung des Rechtsstaats. Das Grundrecht auf sozialen Ausgleich und auf Gerechtigkeit wird in nahezu allen westlichen Staaten verletzt. Bei uns und in vielen anderen L&auml;ndern des Westens gibt es dank der mit viel Geld und publizistischer Macht durchgesetzten Gleichschaltung des Denkens in den Kategorien der neoliberalen Ideologie de facto keine Chance zu einer politischen Alternative, die diesen Namen verdient. Das Menschenrecht der Jugendlichen auf Arbeit und eine berufliche Zukunft wird in Griechenland, in Spanien und anderen L&auml;ndern von der verordneten Wirtschaftskrise au&szlig;er Kraft gesetzt &ndash; vor allem auch dank deutschen Einflusses. Europa hat Berlusconi hingenommen, Europa nimmt die Bedrohung demokratischer Verh&auml;ltnisse in Ungarn hin, Europa und der Westen st&uuml;tzen die &bdquo;Musterdemokratien&ldquo; der Golfstaaten und Saudi-Arabiens. Wir lassen uns bespitzeln und bespitzeln andere.<\/p><p>Und die ver&ouml;ffentlichte Meinung unseres Landes ist &ndash; mit wenigen Ausnahmen &ndash; alles andere als plural. Sie ist in vielen f&uuml;r die Gestaltung unseres Landes und auch unserer Au&szlig;enpolitik und unseres Umgangs mit anderen V&ouml;lkern entscheidenden Fragen gleichgerichtet, von strategisch ausgedachten Kampagnen gepr&auml;gt und einseitig. Ein Musterbeispiel f&uuml;r diese anti-demokratische Verfassung unserer Medien ist die aktuelle Berichterstattung aus Kiew. Schuld am blutigen Konflikt sind in der &uuml;berw&auml;ltigenden Mehrheit der Berichte die Regierung und der Pr&auml;sident. Sie haben mit der Gewalt angefangen. Der deutsche Au&szlig;enminister Steinmeier hat sich diese Version heute Nacht schon zu eigen gemacht und damit zu einem Einheitsbrei der Meinungen innerhalb der Europ&auml;ischen Union beigetragen. Typisch daf&uuml;r war eine halbe Stunde im Deutschlandfunk zwischen 12:00 Uhr und 12:30 Uhr: Frau Adler mit bekannter Einseitigkeit und dann noch &ndash; wie schon gestern Abend im ZDF-heute journal und heute bei SpiegelOnline &ndash; der Pfarrer der evangelischen Kirche in Kiew, Ralf Haska. Der wei&szlig; vom H&ouml;rensagen seiner Freunde ganz genau, was abl&auml;uft. Im Deutschlandfunk kam dann noch der Europa-Abgeordnete Brok zur Sprache und selbstverst&auml;ndlich wurde verschwiegen, dass dieser Abgeordnete im Dienste von Bertelsmann steht. <\/p><p><strong>In der Ukraine Ist ein neuer Versuch des Roll Back gestartet worden, auch mit deutscher Unterst&uuml;tzung.<\/strong><\/p><p>Das Ritual verlangt von mir zun&auml;chst festzustellen, dass ich den dortigen Pr&auml;sidenten nicht f&uuml;r einen lupenreinen Menschenfreund und Demokraten halte. Aber seine jetzige Macht geht auf Wahlen zur&uuml;ck, vermutlich auch keine besonders demokratischen Wahlen. Sind sie das bei der Wahl von George W. Bush in den USA gewesen? Und in anderen L&auml;ndern wie Italien?<\/p><p>Der feine demokratische Westen hat ganz selbstverst&auml;ndlich in die inneren Angelegenheiten der Ukraine eingegriffen. Die CDU nahe Adenauer Stiftung hat den Oppositionspolitiker Klitschko aufgebaut. Die USA ma&szlig;en sich an, auf dem Personaltableau der Ukraine nach eigenem Gusto die ihr genehmen Personen zu setzen und zu verschieben. Lesen Sie dazu bitte die &Uuml;bersetzung des Mitschnitts des Telefongespr&auml;chs zwischen dem Botschafter der USA in der Ukraine Pyatt und Frau Nuland, der im State Departement der USA zust&auml;ndigen Diplomatin f&uuml;r Europa und Eurasien. Dieses Gespr&auml;ch &ndash; siehe Anlage 1 &ndash; ist am allerwenigsten wegen des ber&uuml;hmten &bdquo;Fuck EU&ldquo; interessant, sondern wegen der erkennbaren Selbstverst&auml;ndlichkeit, mit der sich Regierungsvertreter der USA mit der Besetzung von &ouml;ffentlichen &Auml;mtern in fremden L&auml;ndern besch&auml;ftigen. <\/p><p>Noch bei der Schadensbegrenzung zu diesem Mitschnitt funktioniert im &uuml;brigen die kampagnenm&auml;&szlig;ig aufgebaute Public Relations der westlichen Seite: um von dem Inhalt des Mitschnitts abzulenken, wurde versucht, die ukrainische Staatsf&uuml;hrung selbst zum Schuldigen zu machen. Ich w&uuml;rde das nicht erw&auml;hnen, wenn mir gegen&uuml;ber nicht gleich zwei Personen betont h&auml;tten, dieser Mitschnitt sei von der russischen, wahlweise ukrainischen Seite gestreut, d.h. ver&ouml;ffentlicht worden. Damit sollte wohl insinuiert werden, dass die Ver&ouml;ffentlicher die B&ouml;sen sind und nicht jene, die sich anma&szlig;en, das Personaltableau fremder V&ouml;lker zu bestimmen. In der allgemeinen &Ouml;ffentlichkeit funktioniert auch diese Manipulation.<\/p><p>Wie einseitig die Betrachtung der Vorg&auml;nge in der Ukraine sind, k&ouml;nnte man erkennen, wenn man die Frage danach stellt, wie die Urteile ausfielen, wenn sich bei uns im Westen zutr&uuml;ge, was in der Ukraine geschieht:<\/p><p>Nehmen Sie an, eine russische oder eine arabische oder eine t&uuml;rkische Stiftung w&uuml;rde einen deutschen oder amerikanischen Oppositionspolitiker ausbilden und finanzieren. Es w&auml;re die H&ouml;lle los. Man w&uuml;rde es als antidemokratischen Eingriff werten.<\/p><p>Nehmen Sie an, Deutschland h&auml;tte sich angema&szlig;t, offiziell die Wahl George W. Bushs zum Pr&auml;sidenten wegen der Machenschaften bei der Ausz&auml;hlung der Stimmen als undemokratisch zu kennzeichnen.<\/p><p>Nehmen Sie an, es w&uuml;rde ein Telefongespr&auml;ch zwischen den Verantwortlichen in der russischen Regierung und ihrem Botschafter in Deutschland bekannt, das sichtbar macht, wie intensiv die russische Regierung die Personalauswahl der Regierenden in Deutschland mit bedenkt und mit beeinflusst.<\/p><p>Nehmen Sie an, ein deutscher Oppositionspolitiker w&uuml;rde nach Moskau fliegen und von Putin verlangen, Sanktionen gegen die Mitglieder der deutschen Regierung zu ergreifen.<\/p><p>Das waren doch alles Interventionen, die sich normalerweise keine Regierung bieten lassen kann. Viel wichtiger jedoch: Alle diese Vorg&auml;nge lassen erkennen, dass die jetzt Verantwortlichen in Deutschland &ndash; anders als noch in Zeiten der Vertragspolitik &ndash; nichts davon wissen wollen, dass man Spannungen und Fehlentwicklungen verhindern kann, wenn man die Richtung der inneren Entwicklung ver&auml;ndert. Eine M&ouml;glichkeit, dabei weiterzukommen, ist der Abbau von Spannungen und von Konfrontation. (Zur au&szlig;enpolitischen Neu-Positionierung siehe das bekannte Dokument in Anlage 2.)<\/p><p><strong>Der Westen spiegelt sich im Zerrbild echter und so genannter Diktaturen und sieht wunderbar aus. Auch der t&ouml;dlich gewordene Konflikt in der Ukraine dient der Selbstbespiegelung und Verherrlichung des eigenen Lagers.<\/strong><\/p><p>Wir sehen nur deshalb so musterg&uuml;ltig aus, weil wir uns gegen Diktaturen wie in Syrien oder Libyen und gegen ein unsympathisches Regime wie in der Ukraine und gegen Putin engagieren. Das war schon immer ein eleganter Propagandatrick, durch Angriff und Beschimpfen eines Dritten sich selbst zu glorifizieren. Auch milit&auml;rische Interventionen dienen der Selbstbefriedigung und Selbstbespiegelung. Die USA intervenieren gegen den internationalen Terrorismus und erscheinen so als K&auml;mpfer f&uuml;r die Humanit&auml;t. Gro&szlig;britannien und Frankreich intervenieren gegen den diktatorischen Herrscher Libyens, Gaddafi, und werden so zu K&auml;mpfern f&uuml;r die Menschenrechte. Und jetzt engagiert sich die Europ&auml;ische Union f&uuml;r Sanktionen gegen das Regime in Kiew und erscheint so als ein Hort der Demokratie und Menschenrechte.<\/p><p><strong>Das wirkliche Ende milit&auml;rischer Gewalt und Intervention, in allen seinen Facetten, mit seinen Opfern und Nachteilen und ungel&ouml;sten Problemen, wird selten bedacht.<\/strong><\/p><p>Der Einstieg wird meist gefeiert. Dann ersetzt oft Propaganda den Erfolg f&uuml;r Menschenrechte und Frieden. Wo sind der Frieden und die Demokratie in Libyen geblieben? Wo sind die Menschenrechte und die Frauenrechte in Afghanistan? Ist die milit&auml;rische Intervention in Afghanistan ein Erfolg? Ist die milit&auml;rische Intervention im Irak ein Erfolg? Von dort werden t&auml;glich Dutzende von Menschenopfern gemeldet &ndash; allerdings ohne Bezug auf die Intervention von Briten, US-Amerikanern, Polen und anderer Nationen vor &uuml;ber zehn Jahren. Es ist schon seltsam, Bilanzen der K&auml;mpfer f&uuml;r Menschenrechte und Frieden gibt es meist nicht. Sie bedenken das Ende nicht. Deshalb d&uuml;rfen sie die Erfolge und Misserfolge nicht bilanzieren.<\/p><p><strong>Der Sinn des Krieges &ndash; er macht popul&auml;r, er ist innenpolitisch nutzbar, er besch&auml;ftigt die R&uuml;stungsindustrie.<\/strong><\/p><p>Mit Krieg zu drohen macht popul&auml;r. Kriegf&uuml;hren bringt Bilder. Kriegf&uuml;hren besch&auml;ftigt die Medien und besorgt ihnen eine billige Programmgestaltung. Krieg f&uuml;hren bringt Arbeitspl&auml;tze f&uuml;r die R&uuml;stungsindustrie. Das ist ein banales Argument. Aber ein stimmig erscheinendes Argument, so ausgelutscht es auch ist. Die R&uuml;stungsindustrie braucht Kriege und sie hat vermutlich die strategische Kampagne zur F&ouml;rderung kriegerischer  Interventionen statt der m&uuml;hsamen aber erfolgreichen Versuche, Konflikte friedlich zu l&ouml;sen, geplant, planen lassen und finanziert. <\/p><p>Wenn Sie das nicht glauben wollen, dann machen Sie einen Selbstversuch: Stellen Sie sich vor, Sie betreiben eine erfolgreiche Public Relations Agentur. Sie besch&auml;ftigen intelligente und fantasievoll junge Leute. Es hapert aber ein bisschen am Geld Und jetzt klopft die R&uuml;stungsindustrie an Ihre T&uuml;r und bietet Ihnen f&uuml;rs Erste 200 Million &euro; f&uuml;r die Entwicklung und Betreuung einer Strategie zur Besch&auml;ftigung der R&uuml;stungsindustrie. Wetten, dass Sie weich werden? Bei 100 Millionen h&ouml;rt die Moral auf. Und da Sie und ihre Betriebswirtschafts- und Werbejungs &uuml;ber Fantasie verf&uuml;gen, denken Sie sich ein Konzept und die Wege zur Umsetzung aus. Als Erstes schlagen Sie dann vor, die alte Idee, Kriege f&uuml;r die Menschenrechte und f&uuml;r die Demokratie zu f&uuml;hren, umzuformulieren und neu aufzulegen.<\/p><p>Das ist der aktuelle Stand der Dinge. Die Opfer sehen wir jetzt in der Ukraine. Bei uns werden sie irgendwann sp&auml;ter beim n&auml;chsten und &uuml;bern&auml;chsten B&uuml;rgerkrieg und dann beim gro&szlig;en Konflikt ankommen. Der geplante Wahnsinn.<\/p><p><strong>Anlagen<\/strong><\/p><ul>\n<li>Anlage 1.\n<p><strong>Ukraine Krise: Durchgesickertes Nuland-Pyatt Telefonat<\/strong><br>\n&Uuml;bersetzung des Transkripts von BBC News Europe durch Sabine Tober<\/p>\n<p>Nuland: Was glauben Sie?<\/p>\n<p>Pyatt: Ich denke, wir sind drin. Das Klitschko-Ding ist ganz klar das komplizierte Elektron hier. Besonders die Ank&uuml;ndigung, er solle Stellvertretender Premierminister werden, und Sie haben ja gelesen, was ich &uuml;ber die Eheprobleme, die es da gerade gibt, geschrieben habe, jedenfalls versuchen wir, m&ouml;glichst schnell rauszufinden, wie er zu dieser Sache steht. Aber ich glaube, der Punkt, den Sie machen m&uuml;ssen, ich denke mal, das sollte Ihr n&auml;chstes Telefonat sein, ist genau der, den Sie auch Yats[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>]  gegen&uuml;ber gemacht haben. Und wie gut, dass Sie ihn sozusagen gezwungen haben, Farbe zu bekennen, wie er seine Stellung in diesem ganzen Szenario sieht. Und ich war richtig froh &uuml;ber seine Antwort.<\/p>\n<p>Nuland: Gut. Ich finde nicht, dass Klitsch in die Regierung gehen sollte. Ich glaube, das ist nicht n&ouml;tig. Ich halte das f&uuml;r keine gute Idee.<\/p>\n<p>Pyatt: Ja. Ich denke mal&hellip; also was das angeht, dass er nicht der Regierung beitritt, soll er doch blo&szlig; drau&szlig;en bleiben und seine politischen Hausaufgaben machen und so. Ich meine eben nur, was so die ganze weitere Entwicklung betrifft, da wollen wir ja die gem&auml;&szlig;igten Demokraten zusammenhalten. Das Problem wird Tyahnybok[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">**<\/a>] ) mit seinen Leuten sein, und ich bin sicher, darauf spekuliert Janukowytsch bei all dem wohl auch etwas.<\/p>\n<p>Nuland: Ich denke mal, Yats[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] (=<em>Jatsenjuk<\/em>) ist der Mann mit Erfahrung in der Wirtschaft und im Regieren. Er ist der  &hellip; was er braucht, sind Klitsch und Tyahnybok[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">**<\/a>] au&szlig;en vor. Mit denen soll er dann vier Mal die Woche reden, sag ich mal. Ich denke eben nur, wenn Klitsch da rein geht  &hellip; auf der Ebene w&uuml;rde er dann f&uuml;r Jazenjuk[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] (=<em>Yats<\/em>) arbeiten. Das kann einfach nicht gutgehen. <\/p>\n<p>Pyatt: Ja, nein, ich glaube, das ist richtig. Okay. Gut. Wollen Sie, dass wir als n&auml;chsten Schritt ein Gespr&auml;ch mit ihm vereinbaren? <\/p>\n<p>Nuland: Also, wie ich den Anruf verstanden habe  &ndash;  korrigieren Sie mich gerne  &ndash;  war das so, dass die gro&szlig;en Drei ihr eigenes Treffen haben w&uuml;rden, und dass Yats[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] dabei  eine &hellip;  Unterhaltung Drei-Plus-Eins oder Drei-Plus-Zwei mit Ihnen vorschlagen w&uuml;rde. Haben Sie das nicht auch so verstanden?<\/p>\n<p>Pyatt: Nein. Ich glaube  &hellip; also, das ist, was er vorgeschlagen hat, aber ich denke mal, bei der Dynamik, die die haben, wo Klitschko der Platzhirsch ist, der wird sich Zeit lassen, zu irgendeinem ihrer Treffen zu kommen, und wahrscheinlich redet er jetzt gerade mit seinen Leuten. Also ich glaube, wenn Sie sich direkt an ihn wenden, dann ist das hilfreich in Bezug auf das Pers&ouml;nlichkeitsmanagement bei den dreien, und dann gibt das Ihnen auch die M&ouml;glichkeit, diese ganze Sache schnell weiter zu bringen und uns zu positionieren, bevor sie sich alle zusammensetzen und er erkl&auml;rt, warum ihm das nicht passt. <\/p>\n<p>Nuland: Okay. Gut. Da bin ich froh. Warum kontaktieren Sie ihn nicht und fragen, ob er sich vorher oder hinterher treffen will. <\/p>\n<p>Pyatt: Okay, mach ich. Danke.<\/p>\n<p>Nuland: Okay&hellip; Da ist noch ein kleiner Haken, Geoff. Ich erinnere mich nicht, ob ich Ihnen das schon gesagt habe, oder ob ich das nur Washington gesagt habe. Als ich heute morgen mit Jeff Feltman ( UN-Vizegeneralsekret&auml;r f&uuml;r politische Angelegenheiten) sprach, hatte der einen neuen Namen f&uuml;r den UN-Mann, Robert Serry. Habe ich Ihnen das heute morgen geschrieben?<\/p>\n<p>Pyatt: Ja, hab ich gesehen.<\/p>\n<p>Nuland: Okay. Er hat jetzt Serry und Ban Ki-moon so weit, dass Serry Montag oder Dienstag herkommen k&ouml;nnte. Also ich denke das w&auml;re super als Hilfe, das Ganze zusammenzukleistern,  und die UN dabei helfen zu lassen, und, na ja, Schei&szlig; auf die EU.<\/p>\n<p>Pyatt: Nein, genau. Und ich denke, wir m&uuml;ssen etwas machen, dass es zusammenbleibt, denn die Russen werden ganz bestimmt, wenn das alles erst mal richtig in Gang kommt, versuchen, es aus dem Hinterhalt zu torpedieren. Und dann wieder die Sache, dass das gerade jetzt publik wird. Ich versuche immer noch zu verstehen, warum Janukowytsch    &hellip;  (unverst&auml;ndlich) hat. Und dann findet jetzt auch noch ein Fraktionstreffen der Partei der Regionen statt, und ich bin sicher, dass es in dieser Gruppe gerade eine heftige Diskussion gibt. Aber auf jeden Fall k&ouml;nnen wir hier ganz gro&szlig; rauskommen, wenn wir schnell machen. Also ich nehme mir Klitschko vor, und Sie k&ouml;nnen &hellip;  wir m&uuml;ssen versuchen, jemanden von internationalem Format hierher zu bekommen, um bei dieser Geburt zu helfen. Das andere Thema  ist die Art der Kontaktaufnahme mit Janukowytsch, aber da werden wir uns ja wohl morgen zusammentun, wenn wir besser einsch&auml;tzen k&ouml;nnen, wie sich das alles zu f&uuml;gen beginnt.<\/p>\n<p>Nuland: Nochmal zu der Sache, Geoff, als ich die Mitteilung schrieb, in der es hie&szlig; &ndash; und Sullivan hat mir da direkt geantwortet  &ndash;  dass Sie Biden brauchen, da habe ich wohl morgen gesagt, um&rsquo;s aber auch ganz deutlich zu machen, und damit nichts verloren geht. Also Biden ist bereit. <\/p>\n<p>Pyatt: Okay. Sch&ouml;n. Danke.<\/p>\n<p><strong>Erl&auml;uterungen<\/strong> zu den genannten Namen und Einsch&auml;tzungen. Sie stammen von einem Freund, der lange in Kiew lebte und arbeitete:<\/p>\n<p><strong>Victoria Jane Nuland<\/strong> ist US-amerikanische Diplomatin. Sie ist zur Zeit Assistant Secretary of State im Dienst des US-Au&szlig;enministeriums und als solche zust&auml;ndig f&uuml;r Europa und Eurasien.<\/p>\n<p><strong>Geoffrey R. Pyatt<\/strong> ist der derzeitige Botschafter der USA in der Ukraine.<\/p><\/li>\n<li>Anlage 2.:\n<p><strong>Au&szlig;enpolitik<\/strong><br>\n<strong><a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2014\/07\/deutsche-aussenpolitik-sicherheitskonferenz\">Kurs auf die Welt<\/a><\/strong><br>\nJoachim Gauck, Frank-Walter Steinmeier und Ursula von der Leyen fordern eine entschlossenere deutsche Au&szlig;enpolitik. Wie kam diese Wende zustande? Und in welche Konflikte f&uuml;hrt sie? von&nbsp;Jochen Bittner und Matthias Na&szlig;.<\/p><\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Yats = Jatsenjuk = Vors. der Vaterlandspartei. Fr&uuml;her Block Tymoschenko. Hat etwas mehr Sitze als die Partei von Klitschko im Parlament. Erwarb  diese Vors. Position, um gegen Janukowitsch bei den n&auml;chsten Pr&auml;s.-Wahlen 2015 eine gute Ausgangsposition zu haben. War schon Au&szlig;enminister und Parlamentspr&auml;sident. Keine Popularit&auml;t im Volk. Kein Charisma.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;**<\/a>] Tyahnybok = Vors. der Partei Swoboda (Freiheit); kommt urspr&uuml;nglich aus der Westukraine.  Er ist ein ganz vern&uuml;nftiger Politiker, auch wenn er am rechten Rand gefischt hat; er wird besonders von Ru&szlig;land als &bdquo;Extremist\/Faschist&ldquo; diffamiert. &ndash; Das ist die Einsch&auml;tzung eines guten Freundes, der jahrelang in Kiew gelebt hat. Nach meinem Eindruck ist das eine Fehleinsch&auml;tzung.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf der Basis einer dpa-Meldung hat meine Regionalzeitung, &bdquo;Die Rheinpfalz&ldquo; am 18. Februar &uuml;ber das Treffen der ukrainischen Oppositionsf&uuml;hrer Klitschko und Jazenjuk mit der Bundeskanzlerin berichtet. Da ist davon die Rede, die Ukraine brauche &bdquo;eine europ&auml;ische&ldquo; Perspektive, es wird von &bdquo;proeurop&auml;ischer&ldquo; Opposition geschrieben. In anderen Texten wird wie selbstverst&auml;ndlich davon erz&auml;hlt, der Konflikt in der<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=20781\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,169,107,181,20,11],"tags":[282,305,397,906,259,260],"class_list":["post-20781","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-europapolitik","category-landerberichte","category-strategien-der-meinungsmache","tag-buergerproteste","tag-menschenrechte","tag-ostpolitik","tag-ruestungsindustrie","tag-russland","tag-ukraine"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20781","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=20781"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20781\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20818,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20781\/revisions\/20818"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=20781"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=20781"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=20781"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}