{"id":20885,"date":"2014-02-26T15:32:12","date_gmt":"2014-02-26T14:32:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=20885"},"modified":"2015-10-15T15:05:11","modified_gmt":"2015-10-15T13:05:11","slug":"kroatien-oder-wie-die-osteuropaeischen-laender-in-eine-tueckische-falle-geraten-sind-und-niemand-ihnen-heraushilft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=20885","title":{"rendered":"\u201eKroatien \u2013 oder wie die osteurop\u00e4ischen L\u00e4nder in eine t\u00fcckische Falle geraten sind und niemand ihnen heraushilft\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Heiner Flassbeck hat eine Studie &uuml;ber die wirtschaftliche Lage in Kroatien und die notwendigen Schritte aus der Misere geschrieben. Weil Analyse und Empfehlungen auch auf andere L&auml;nder zutreffen und die wirtschaftliche Lage unz&auml;hliger Menschen miserabel ist und weil die politischen Entscheider nicht offen sind f&uuml;r die notwendigen Schritte, ver&ouml;ffentlichen wir das Flassbeck Gutachten in <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/140109_flassbeckkroatien_final_neu.pdf\">deutscher [PDF &ndash; 373 KB]<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/140226_flassbKroatien_final_hr_20140213.pdf\">kroatischer [PDF &ndash; 659 KB]<\/a> Sprache. Aus eigener Erfahrung und aus vielen Gespr&auml;chen mit Betroffenen wei&szlig; ich um den von Heiner Flassbeck beschriebenen Niedergang. Bei vielen betroffenen Menschen geht es schon um die nackte Existenz. Das Land hat vier Jahre Krise hinter sich und steht, wenn nichts ge&auml;ndert wird, wie andere s&uuml;dliche L&auml;nder Europas vor einer Deflation, vor weiter stagnierenden L&ouml;hnen, vor Arbeitslosigkeit und Depression. Junge gut ausgebildete Leute verlassen das Land. Das Papier von Flassbeck enth&auml;lt nach der Analyse den Vorschlag, die Landesw&auml;hrung KUNA abzuwerten, und dies mit einer expansiven Makropolitik zu begleiten. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Hemmschwellen gegen die richtige Therapie<\/strong><\/p><p>Ich habe einige Gespr&auml;che &uuml;ber das Problem und die L&ouml;sungen gef&uuml;hrt. Dabei habe ich festgestellt, dass man den notwendigen Schritten nicht ins Auge sehen will. Das ist durchaus verst&auml;ndlich. Auch der Hauptvorschlag, die  Abwertung der KUNA, bringt Probleme. So wird etwa die R&uuml;ckzahlung von aufgenommenen Krediten in Euro schwieriger, weil mehr KUNA daf&uuml;r aufgewendet werden m&uuml;ssen. Die Importe werden teurer, was f&uuml;r viele Menschen auch schwer zu akzeptieren ist. Es ist der typische Fall, dass die Entscheider davor stehen, zwischen zwei miesen Alternativen entscheiden zu m&uuml;ssen. Dennoch ist es in einer solchen Situation empfehlenswert, die weniger miese Entscheidung zu treffen. Im konkreten Fall ist es wichtig, diese Entscheidung bald zu treffen.<\/p><p>In der Debatte spielt die Betrachtung, was mit den Verm&ouml;genswerten bzw. Schulden durch eine Abwertung geschieht, die entscheidende Rolle. Das darf aber nicht die Hauptbetrachtung sein. Wichtig ist nicht, was mit den Verm&ouml;gen bzw. Schulden geschieht. Wichtig ist, dass die Wettbewerbsf&auml;higkeit erh&ouml;ht wird und die wirtschaftliche T&auml;tigkeit im Land (bzw. vergleichbarer L&auml;nder) wieder in Gang kommt. Wertsch&ouml;pfung ist wichtig.<\/p><p>Ein Freund, der Lebensmittel aus Kroatien und anderen L&auml;ndern nach Deutschland importiert, hat die Lage und die Notwendigkeit anschaulich formuliert:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Die Kuna Abwertung ist ein richtiger Weg, weil die Kroatischen Erzeugnisse durch &uuml;berh&ouml;hte Preise auf dem Markt nicht konkurrenzf&auml;hig sind. Gerade auf meinem Sektor, den du ja auch kennst,&nbsp;sind die Preise um 30% h&ouml;her als es Qualit&auml;t und Konkurrenz erlauben. Die Lebensmittel werden mir &nbsp;als Importeur &ouml;fter teurer angeboten, als sie im Einzelhandel hier zu kaufen sind. Sicherlich liegt es auch an der Gr&ouml;&szlig;e der Betriebe aber auch zu einem gro&szlig;em Anteil an hohem Kuna Kurs.<\/em><\/p>\n<p><em>Das sehen auch kroatische Unternehmer und Wirtschaftswissenschaftler so. &hellip; <\/em><\/p>\n<p><em>F&uuml;r Kroatien w&auml;re der erste Weg, den Tourismus auf ein halbes Jahr zu verl&auml;ngern, nat&uuml;rlich mit entsprechenden Freizeitangeboten, und die Landwirtschaft vor allem in Dalmatien wieder anzukurbeln, es ist ein Unding, dass man mitten im Sommer Tomaten und Gem&uuml;se aus Holland &nbsp;importiert, das selbe gilt f&uuml;r Fleisch und andere vergessene Spezialit&auml;ten. &hellip;&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Der Widerstand gegen die Abwertung bzw. der Mangel an Bereitschaft, dar&uuml;ber nachzudenken, wird gespeist aus Unkenntnis und aus einer verst&auml;ndlichen Emotion, die im konkreten Fall auch viel mit der Sprache zu tun hat.<\/p><p>Zur Unkenntnis: ich bin beim Versuch, f&uuml;r die richtigen Schritte trotz aller Bedenken zu werben, auf politisch Verantwortliche gesto&szlig;en, die glauben, die heute in der Regel in Euro gehaltenen Sparguthaben jenes Teils der Kroaten, die solche Guthaben &uuml;berhaupt noch haben, w&uuml;rden abgewertet. Das ist selbstverst&auml;ndlich eine irrige Annahme. Das Gegenteil ist der Fall. Die Euroguthaben werden, gemessen in Kuna, aufgewertet<\/p><p>Zur aus der Sprache folgenden Emotion: &bdquo;Abwertung&ldquo; ist ein &bdquo;abwertender Begriff&ldquo; und st&ouml;&szlig;t deshalb schon auf emotionalen Widerstand einer Nation. Insofern ist die jetzige Unbeweglichkeit auch das Ergebnis des miserablen Zustands unserer Sprache in der Wirtschafts-, Finanz- und W&auml;hrungspolitik. Es ist wie mit dem Begriff &bdquo;Export&uuml;berschuss&ldquo;. Die Begrifflichkeit ist irref&uuml;hrend. Statt Abwertung m&uuml;sste man wohl sagen: &bdquo;Aufwertung der Wettbewerbsf&auml;higkeit&ldquo; oder &bdquo;Aufwertung der Arbeitsm&ouml;glichkeiten&ldquo;. Aber das sind nur Kr&uuml;cken.<\/p><p><strong>Zum Schluss: wenn Sie Menschen kennen, die mit der Meinungsbildung &uuml;ber diese Fragen oder sogar mit den Entscheidungen zu tun haben, dann machen Sie diese bitte aufmerksam auf die Problematik und die L&ouml;sung. Das Problem ist kein uns nicht interessierendes Problem. Wenn wir immer mehr L&auml;nder und V&ouml;lker haben, deren Arbeitsm&ouml;glichkeit wegen mangelnder, w&auml;hrungsbedingter Wettbewerbsf&auml;higkeit immer geringer wird, dann ber&uuml;hrt das auch uns.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heiner Flassbeck hat eine Studie &uuml;ber die wirtschaftliche Lage in Kroatien und die notwendigen Schritte aus der Misere geschrieben. 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