{"id":20894,"date":"2014-02-27T09:09:09","date_gmt":"2014-02-27T08:09:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=20894"},"modified":"2015-10-15T15:06:50","modified_gmt":"2015-10-15T13:06:50","slug":"ministerin-schulze-knickt-ein-und-verteidigt-rektorenbezuege","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=20894","title":{"rendered":"Ministerin Schulze knickt ein und verteidigt Rektorenbez\u00fcge"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.wissenschaft.nrw.de\/fileadmin\/Medien\/Dokumente\/Reden_Ministerin\/Statement_Ministerin_Sondersitzung_AIWF.pdf\">&bdquo;Wer die besten K&ouml;pfe will, muss entsprechende Geh&auml;lter zahlen&ldquo; [PDF &ndash; 61.3 KB]<\/a>, dieser Satz der NRW-Wissenschaftsministerin h&auml;tte gepasst, wenn es um die Anwerbung von WissenschaftlerInnen  oder vor allem um die Bezahlung des wissenschaftlichen Nachwuchses ginge, aber nicht in erster Linie, wenn es um die  Geh&auml;lter der Hochschulmanager geht. Auch im NRW-Innovationsministerium scheint sich das Bild festgesetzt zu haben, dass Professorinnen und Professoren leitende Angestellte einer Maschinenfabrik oder eines Medienkonzerns sind, die der Weisung ihres Vorstands zu gehorchen h&auml;tten, der f&uuml;r den Gewinn der Firma verantwortlich ist. Von <strong>Wolfgang Lieb<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nWas ist von einer Rechtslage zu halten, in der die Rektoren mit einem von niemand  zu Verantwortung ziehbaren Hochschulratsvorsitzenden ihre besonderen Leistungsbez&uuml;ge frei aushandeln d&uuml;rfen? Die eigentlichen Tr&auml;ger der Wissenschaftsfreiheit, also die Hochschullehrer\/innen &ndash; egal ob noch nach C- oder H- oder nach W-Besoldung bezahlt &ndash; <a href=\"https:\/\/recht.nrw.de\/lmi\/owa\/br_vbl_show_pdf?p_id=19820\">bekommen jedoch ihr Grundgehalt vom Ministerialblatt<\/a> vorgegeben und die Leistungszulagen bei der W-Besoldung m&uuml;ssen nach einem rechtsstaatlichen Anspr&uuml;chen gen&uuml;genden Verfahren ausgehandelt werden (Schutz vor Konkurrentenklagen).  Auch die Nebent&auml;tigkeit der Professorinnen und Professoren ist gesetzliche geregelt. Schon gar unterliegen die Geh&auml;lter der wissenschaftlichen oder nichtwissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern rechtlichen oder tarifvertraglichen Normen.<\/p><p>Nur f&uuml;r die Rektorinnen und Rektoren soll das alles nicht gelten. Sie sollen so tun k&ouml;nnen, als  h&auml;tten sie mit dem  Staat  und dem Steuerzahler nichts mehr zu tun und als h&auml;tten sie nur noch mit ihrem &bdquo;Aufsichtsratsvorsitzenden&ldquo; zu verhandeln. Woraus leiten eigentlich Hochschulratsvorsitzende ihre Legitimation ab, &uuml;ber Steuergelder entscheiden zu k&ouml;nnen? <\/p><p>Die Rektorinnen und Rektoren (und wie die Gehaltsliste zeigt im Kollektiv) beanspruchen Geh&auml;lter wie Unternehmensmanager und gleichzeitig Sicherheiten wie Beamte, also etwa Beihilfe bei der Krankenversorgung, ruhegehaltsf&auml;hige Zulagen oder Pensionsleistungen. Viel besser kann man nicht f&uuml;r sich sorgen: Unternehmergeh&auml;lter ohne unternehmerisches Risiko bei gleichzeitigem lebenslangen Alimentationsanspruch.<\/p><p>Brauchen andere F&uuml;hrungs&auml;mter etwa in der Justiz, bei der Polizei, beim Milit&auml;r oder in der Verwaltung etwa nicht &bdquo;die besten K&ouml;pfe&ldquo;? Worin unterscheiden sich die Hochschulmanager von anderen &ouml;ffentlichen Leitungsfunktionen? Die Rektoren umgeben sich mit der Aura der Wissenschaftsfreiheit, die sie allerdings f&uuml;r ihre Managementt&auml;tigkeit selbst gar nicht genie&szlig;en. Es ist die Hochschule, der eine institutionelle Autonomie zuerkannt ist, und es sind die in ihr T&auml;tigen, die Tr&auml;ger der Wissenschaftsfreiheit sind, aber eben nicht in erster Linie die Hochschulmanager, die in aller Regel gar keine Wissenschaft mehr selbst betreiben (k&ouml;nnen). Jedenfalls hei&szlig;t Freiheit der Wissenschaft nicht Freiheit beim Aushandeln der Geh&auml;lter. Die Rektorinnen  und Rektoren haben eine Selbstverwaltungsk&ouml;rperschaft erfolgreich und effizient zu managen, bei der die Tr&auml;ger des Grundrechts weisungsunabh&auml;ngig und in ihrer wissenschaftlichen Arbeit frei sind oder zumindest sein sollten. Die Hochschulleitungen haben weitaus geringere Organisationsgewalt und  sind erheblich weniger f&uuml;r den &bdquo;Erfolg&ldquo; ihrer Institution verantwortlich als jeder Polizeipr&auml;sident oder jeder Gymnasialdirektor. Sie genie&szlig;en letztlich im Vergleich zu anderen &ouml;ffentlichen Sektoren nur den Vorteil, dass die etablierten Angeh&ouml;rigen ihrer Institution Hochschule ein h&ouml;heres Gehalt beziehen als Polizisten oder Lehrer. <\/p><p>Hochschulen sind zwar ein St&uuml;ck internationaler ausgerichtet als etwa die Justiz oder die Verwaltung, aber beim Brain-Drain sind eher die Verluste bei Nachwuchswissenschaftlern als bei Hochschulmanagern zu beklagen. Bei den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern w&auml;re wirklich etwas zu tun, um die <a href=\"http:\/\/www.e-fi.de\/fileadmin\/Pressemitteilungen\/Pressemitteilungen_2014\/EFI-2014-Deutschland_verliert_zu_viele_seiner_Spitzenforscher.pdf\">&bdquo;besten K&ouml;pfe&ldquo; zu halten [PDF &ndash; 23.2 KB]<\/a>.<\/p><p>Dass nun die NRW-Wissenschaftsministerin die ver&ouml;ffentlichten Rektorenbez&uuml;ge in einer Sondersitzung des Wissenschaftsausschusses verteidigt, k&ouml;nnen die Rektorinnen und Rektoren schon mal als politischen Erfolg ihrer Kampagne gegen die Ministerin abbuchen. In so kurzer  Zeit  und in dieser H&ouml;he und mit so viel medialer Unterst&uuml;tzung hat noch kaum eine Berufsgruppe, schon gar nicht im &ouml;ffentlichen Sektor Gehaltssteigerungen politisch absegnen lassen k&ouml;nnen.<\/p><p>Jetzt muss die Lobby der &bdquo;unternehmerischen&ldquo; Hochschule der schon angeschossenen Ministerin nur noch die Novelle des Hochschulgesetzes kaputt machen. Und das wird &ndash; so steht zu bef&uuml;rchten &ndash; auch noch gelingen, indem man die uns&auml;gliche Propaganda &uuml;ber die &bdquo;Einschr&auml;nkung der Autonomie&ldquo; oder gar einer &bdquo;R&uuml;ckkehr zur Planwirtschaft&ldquo; (Die Zeit vom 21. November 2013, Nr. 48, S. 99)  weiter vorantreibt. <\/p><p>In einer Zeit, in der allein schon das Wort &bdquo;Wissenschaftspolitik&ldquo; ver&auml;chtlich gebraucht wird, angesichts eines Zeitgeists, der so tut, als ob Hochschulen selbst f&uuml;r ihre Ressourcen sorgten und sich als Unternehmen im Wettbewerb quasi selbst finanzierten und unter dem Leitbild einer Ideologie, wonach die Leiter der Hochschulen Befehlsgewalt &uuml;ber die &bdquo;Mitarbeiter&ldquo; und &uuml;ber &bdquo;Azubis&ldquo; haben, wird v&ouml;llig vergessen, dass die &ouml;ffentlichen Hochschulen des Landes von niemand anderem als von der Politik gegr&uuml;ndet und ausgestattet wurden, dass sie mit 5,4 Milliarden Euro im letzten Jahr  einen erheblichen Teil des Landeshaushalts ausmachen und dass es auch in Zukunft des demokratischen Werbens bedarf, damit die Steuerzahler bereit sind, diese Ressourcen aufzubringen.<br>\nDer Forschungs-  und Lehrauftrag der Hochschulen f&uuml;r die Gesellschaft, scheint v&ouml;llig aus den Augen verloren gegangen zu sein. <\/p><p><strong>Die Hochschulangeh&ouml;rigen lassen die Wissenschaftsministerin im Regen stehen<\/strong><\/p><p>Man kann Ministerin Svenja Schulze wegen dieser Kapitulation noch nicht einmal einen Vorwurf machen. Zu vielstimmig war der <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19384\">Aufschrei der Rektorinnen und Rektoren<\/a>, zu m&auml;chtig sind die <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19873\">Medienplattformen der die Hochschulleitungen st&uuml;tzenden Hochschulratsvorsitzenden<\/a>, zu lautstark waren <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19895\">die Erpressungen der Wirtschaft und ihrer Lobbyisten<\/a>.<br>\nWieder einmal haben die eigentlich Betroffenen n&auml;mlich die Hochschulangeh&ouml;rigen (denn aus ihren Mitteln werden die Gehaltssteigerungen der Hochschulleitungen ja finanziert), allenfalls diffus ihren Unmut artikuliert. Auch von den Studierenden war kaum etwas  zu h&ouml;ren.  Die an den Hochschulen vertretenen Gewerkschaften werden von den Medien ohnehin weitgehend geschnitten.  <\/p><p>Vertreter der D&uuml;sseldorfer Regierungsfraktionen haben sich &ndash; wie die Gr&uuml;nen &ndash; offenbar politische v&ouml;llig weggeduckt (in kaum einer Zeitung habe ich auch nur eine Silbe gelesen von Gr&uuml;nen-Politikern). Der wissenschaftspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion hatte seiner Ministerin auch nicht mehr an Unterst&uuml;tzung zu bieten, als dass er vor einer &bdquo;Neiddebatte&ldquo; warnte und der unsinnigen Argumentation Vorschub leistete, dass die <a href=\"http:\/\/www.schultheisfueraachen.de\/meldungen\/9142\/156469\/Karl-Schultheis-Wir-wollen-keine-Neiddebatte.html\">&bdquo;Hochschulleitungen Verantwortung f&uuml;r Tausende Studierende und Besch&auml;ftigte&ldquo; tr&uuml;gen<\/a>. (Was f&uuml;r eine Beleidigung des Engagements der Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer? Ganz typisch daf&uuml;r auch, wie sich das Bild einer Hochschule als ein &bdquo;Unternehmen&ldquo; mit einen verantwortlichen Vorstandsvorsitzenden an der Spitze bis hinein ins Parlament festgesetzt hat.) Einzig der Fraktionsvorsitzende der Piraten, Joachim Paul sprach von einem &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.piratenfraktion-nrw.de\/2014\/02\/gehalter-skandal-an-den-unis\/\">Selbstbedienungsladen<\/a>&ldquo;. <\/p><p>Die Ministerpr&auml;sidentin des Landes spielte Angela Merkel und hielt sich aus allem heraus.<\/p><p>Die Journalisten wunderten sich allenfalls &uuml;ber die Gehaltspr&uuml;nge und einige wunderten sich &uuml;ber die Geheimhaltung, im Gro&szlig;en und Ganzen wurden aber lautstark die Positionen der (&ouml;rtlichen) Rektorinnen  und Rektoren nachgebetet. <\/p><p>Dadurch dass man die finanzielle Selbstbedienung der Rektoren zum Geheimnisverrat umdeuten konnte, sind die Fragen, die in der Sache diskutiert werden m&uuml;ssten, verdr&auml;ngt worden, n&auml;mlich <\/p><ol>\n<li>Was ist eine angemessene Bezahlung von Rektorinnen und Rektoren?<\/li>\n<li>Wer hat dar&uuml;ber zu befinden wieviel Steuergelder in die Gehaltszahlungen von Hochschulleitungen flie&szlig;en sollen?<\/li>\n<li>K&ouml;nnen die Hochschulen wirklich so tun, als w&uuml;rden sie &uuml;ber eigene Finanzressourcen frei und dazu noch geheim verf&uuml;gen?<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.wissenschaft.nrw.de\/fileadmin\/Medien\/Dokumente\/Reden_Ministerin\/Statement_Ministerin_Sondersitzung_AIWF.pdf\">&bdquo;Wer die besten K&ouml;pfe will, muss entsprechende Geh&auml;lter zahlen&ldquo; [PDF &ndash; 61.3 KB]<\/a>, dieser Satz der NRW-Wissenschaftsministerin h&auml;tte gepasst, wenn es um die Anwerbung von WissenschaftlerInnen oder vor allem um die Bezahlung des wissenschaftlichen Nachwuchses ginge, aber nicht in erster Linie, wenn es um die Geh&auml;lter der Hochschulmanager geht. Auch im NRW-Innovationsministerium scheint sich<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=20894\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,141,17,11],"tags":[568,971,1474],"class_list":["post-20894","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-hochschulen-und-wissenschaft","category-strategien-der-meinungsmache","tag-hochschulraete","tag-hochschulzukunftsgesetz","tag-managergehaelter"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20894","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=20894"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20894\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20900,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20894\/revisions\/20900"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=20894"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=20894"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=20894"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}