{"id":20918,"date":"2014-03-03T09:23:34","date_gmt":"2014-03-03T08:23:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=20918"},"modified":"2015-10-15T15:11:08","modified_gmt":"2015-10-15T13:11:08","slug":"oekumenische-sozialinitiative-hilf-dir-selbst-dann-hilft-dir-gott","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=20918","title":{"rendered":"\u201e\u00d6kumenische Sozialinitiative\u201c: Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott!"},"content":{"rendered":"<p>Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland und die Deutsche Bischofskonferenz haben am letzten Freitag eine <a href=\"http:\/\/www.ekd.de\/download\/gemeinsame_verantwortung_gt_22.pdf\">&bdquo;&Ouml;kumenische Sozialinitiative&ldquo; [PDF &ndash; 1.0 MB]<\/a> ergriffen. Mit 10 Thesen wollen Erzbischof Robert Zollitsch und der Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider eine breite gesellschaftliche Debatte f&uuml;r eine erneuerte Wirtschafts- und Sozialordnung auf der Suche nach einer &bdquo;gesellschaftlichen Verbindung von Freiheit und Gerechtigkeit im 21. Jahrhundert&ldquo; ansto&szlig;en.<br>\nAllzu kr&auml;ftige &bdquo;Impulse&ldquo; d&uuml;rften von dieser Initiative jedoch kaum ausgehen, denn offenbar haben die beiden Kirchenleitungen ihren Frieden mit den neoliberalen Reformen geschlossen. Die Beschreibung der &ouml;konomischen und sozialen Lage unterscheidet sich kaum von den besch&ouml;nigenden Darstellungen der Bundesregierung und die Anst&ouml;&szlig;e, die von dem Papier ausgehen k&ouml;nnten, finden sich mit &auml;hnlichem Ton und Inhalt auch in den letzten Wahlprogrammen von SPD  und CDU. Zu Recht urteilt Friedhelm Hengsbach: Das Papier &bdquo;ist eine Ohrfeige gegen&uuml;ber dem gemeinsamen Sozialwort vor 17 Jahren und es ist auch eine Ohrfeige f&uuml;r das, was Papst Franziskus vor zwei Monaten in seinem Schreiben vorgetragen hat. Es ist gleichsam der <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/sozialwort-der-kirchen-das-papier-ist-weichgespuelt.694.de.html?dram:article_id=278780\">Spiegel der Gro&szlig;en Koalition bei den gro&szlig;en Kirchen<\/a>.<br>\nVon <strong>Wolfgang Lieb<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nIn dem  gemeinsamen Wort zur wirtschaftlichen und sozialen Lage &bdquo;F&uuml;r eine Zukunft in Solidarit&auml;t und Gerechtigkeit&ldquo; finden sich nahezu alle Litaneien wieder, die von den Vertretern der Agenda-Reformen vorgebetet und von den Leitmedien nachgebetet wurden: <\/p><p>Wirtschaftliches Handeln und soziales Leben w&uuml;rden von den &bdquo;Triebkr&auml;ften der <strong>Globalisierung<\/strong>&ldquo; bestimmt (S. 7). Ein &bdquo;dramatischer <strong>demografischer Wandel<\/strong>&ldquo; stelle &bdquo;unsere <strong>sozialen Sicherungssysteme<\/strong> auf eine gro&szlig;e <strong>Belastungsprobe<\/strong>&ldquo; (S. 9). Die <strong>Generationengerechtigkeit<\/strong> w&uuml;rde in Zukunft eine wichtige Dringlichkeit bekommen (S. 21). Es wird die Standortdebatte und die Wettbewerbsideologie nachgebetet, wonach &bdquo;die Nationalstaaten im <strong>internationalen Wettbewerb<\/strong>&ldquo; st&uuml;nden (S. 7). Nicht ungleiche Verteilung materieller Ressourcen, sondern wachsende <strong>globale Umweltprobleme<\/strong> vergr&ouml;&szlig;erten die bestehenden <strong>sozialen Ungleichgewichte<\/strong> (S. 5). Schlie&szlig;lich wird noch die Umdeutung der Finanzkrise in eine &bdquo;<strong>europ&auml;ische Staatsschulden-Krise<\/strong>&ldquo; mitgemacht (S. 8) und auch die Klage, dass &bdquo;<strong>zu hohe Staatschulden<\/strong>&ldquo;  &bdquo;die Handlungs- und Gestaltungsf&auml;higkeit der &ouml;ffentlichen Hand&ldquo; einschr&auml;nkten (S. 28) und daher die &bdquo;<strong>Schuldenbremse<\/strong>&ldquo; ein &bdquo;hilfreiches Instrument zur Haushaltskonsolidierung&ldquo; sei (S. 29), darf nicht fehlen.<\/p><p>W&auml;hrend Papst Franziskus in seinem j&uuml;ngsten Apostolischen Schreiben &bdquo;Nein zu einer Wirtschaft der Ausschlie&szlig;ung und der Disparit&auml;t der Einkommen&ldquo; sagt  und seine Kritik auf den Punkt bringt, dass <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/131128_apostolisches_schreiben_evangelii_gaudium.pdf\">&bdquo;diese Wirtschaft t&ouml;tet&ldquo; [PDF &ndash; 639 KB]<\/a>, beten die deutschen Kirchenoberen die ihnen von sog. Experten vorgebetete neoliberale Glaubenslehre nach und loben die deutsche Regierungspolitik. <\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/140228_oekomenische_sozialinitiative.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Es wird das Hohelied der &bdquo;Sozialen Marktwirtschaft&ldquo; gesungen: Gerade in Deutschland herrsche die Grundidee der &bdquo;Sozialen Marktwirtschaft&ldquo;, die tief in der europ&auml;ischen Kultur verwurzelt sei und diese Kultur sei wesentlich vom Christentum gepr&auml;gt worden (S. 59): Soziale Marktwirtschaft deutscher Auspr&auml;gung wird geradezu zum Erbe des Christentums erhoben. <\/p><p>Ich erspare mir an dieser Stelle unsere vielfach ausgef&uuml;hrte Kritik etwa am Gerede von der &bdquo;Globalisierung&ldquo; (siehe <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=93\">hier<\/a> oder <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?s=Globalisierung+&amp;feed=rss2\">hier<\/a>)  oder des &bdquo;demografischen Wandels&ldquo; (<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17478\">hier<\/a> oder <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?cat=36\">hier<\/a>), an der <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17581\">Wettbewerbs- und Standortideologie<\/a>, an der Legende der &bdquo;Generationengerechtigkeit&ldquo; (etwa <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2082\">hier<\/a> oder <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14114\">hier<\/a>) oder an der These von der Staatsschuldenkrise (<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16333\">hier<\/a>).  <\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Auf viele dieser Faktoren &ndash; die Globalisierung, die wirtschaftliche Krisenanf&auml;lligkeit, die Bedrohung durch den Klimawandel, Probleme der sozialen Inklusion und Integration, den demografischen Wandel und die wachsenden sozialen Ungleichgewichte &ndash; hat der deutsche Gesetzgeber in den letzten zehn Jahren mit weitreichenden Ver&auml;nderungen des &uuml;berkommenen Wirtschafts- und Sozialmodells reagiert. Diese Ma&szlig;nahmen haben in Politik und Gesellschaft zum Teil sehr kontrovers gef&uuml;hrte Diskussionen ausgel&ouml;st&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>hei&szlig;t es in der Schrift. (S. 9)<\/p><p>In dieser Kontroverse &uuml;ber die Ver&auml;nderungen des Wirtschafts- und Sozialmodells ergreifen nun die Kirchen jedoch eindeutig Partei und zwar zugunsten der Agenda-Reformen  und ihrer Fortf&uuml;hrung durch die aktuelle Regierungspolitik. Das &ouml;kumenische Sozialwort liest sich wie das &bdquo;Begleitheft  zur Gro&szlig;en Koalition&ldquo; (so Franz Segbers im Publik Forum).<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Der Gesetzgeber hat in den letzten zehn Jahren zahlreiche Schritte unternommen, um das Wirtschafts- und Sozialsystem an ver&auml;nderte Rahmenbedingungen anzupassen. Gerade die Finanzmarktkrise und die europ&auml;ische Staatsschuldenkrise haben deutlich gemacht, wo diese Reformpolitik Fr&uuml;chte tr&auml;gt, aber auch, wo noch Defizite liegen.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>(S. 20)<\/p><p>Oder:<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Die Krisenjahre haben auch gezeigt, dass es Deutschland besser als anderen Industriel&auml;ndern gelungen ist, sich auf die Herausforderungen der Globalisierung einzustellen. Trotz eines ung&uuml;nstigen weltwirtschaftlichen Klimas hat sich die deutsche Volkswirtschaft positiv entwickelt; der Wohlstand unseres Landes konnte erhalten bleiben.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>(S. 20)<\/p><p>Das liest sich, als ob man die Wahlkampfparolen der Kanzlerin abgeschrieben h&auml;tte.<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Diejenigen, die heute in prek&auml;ren Arbeitsverh&auml;ltnissen leben oder aus anderen Gr&uuml;nden keine private Vorsorge treffen k&ouml;nnen, haben ein hohes Risiko, im Alter in Armut zu leben.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>(S.21f.)<\/p><p>Die Schrift tut gerade so, als h&auml;tten prek&auml;re Arbeitsverh&auml;ltnisse nichts mit der Deregulierung des Arbeitsmarktes, nichts mit der Senkung der Arbeits- und Lohnstandards durch die Hartz-Gesetze oder nichts mit der Zerst&ouml;rung der gesetzlichen Rente zu tun. Armut und Arbeitslosigkeit werden eher als ein Ph&auml;nomen der &bdquo;Ausgrenzung&ldquo; und als &bdquo;sozialpolitische Herausforderung&ldquo;, denn als ein wirtschaftspolitisches Problem betrachtet.<\/p><p>Die Einf&uuml;hrung der &bdquo;privaten Vorsorge&ldquo; wird als selbstverst&auml;ndliche Tatsache  und Notwendigkeit genauso unterstellt wie <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/oekumenische-sozialinitiative-kirchen-stellen-sich-gegen-rente-mit-63-12825861.html\">die Rente mit 67<\/a>:<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Vor diesem Hintergrund erfolgten verschiedene Reformen, die die demografische Entwicklung st&auml;rker ber&uuml;cksichtigen und durch stabile Beitragss&auml;tze eine &uuml;berm&auml;&szlig;ige Belastung der Erwerbst&auml;tigen verhindern. Damit verbunden ist zwangsl&auml;ufig eine Absenkung des Nettorentenniveaus, weshalb neben die Gesetzliche Rentenversicherung eine zweite,<br>\nkapitalgedeckte S&auml;ule tritt. Allerdings ist diese nicht obligatorisch und beispielsweise bei geringen Rentenanwartschaften wegen ihrer Anrechnung auf die Grundsicherung im Alter oft nicht attraktiv.<br>\nUm eine zu starke Absenkung des Rentenniveaus zu vermeiden, wurden au&szlig;erdem die Verl&auml;ngerung der Lebensarbeitszeit und die Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre notwendig.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>S.38<\/p><p>Altkanzler Schr&ouml;der und Franz M&uuml;ntefering werden sich &uuml;ber diesen kirchlichen Segen f&uuml;r ihre &bdquo;Rentenreformen&ldquo; freuen. Die Versicherungswirtschaft wird sich &uuml;ber die implizite Forderung nach einer obligatorischen privaten Altersvorsorge die H&auml;nde reiben. <\/p><p>Den Hartz-Gesetzen und ihrem Prinzip des &bdquo;Forderns  und F&ouml;rderns&ldquo; wird in dem Papier die Absolution erteilt: <\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;In Deutschland hat sich der Arbeitsmarkt in den letzten Jahren trotz der Wirtschafts- und Finanzkrise positiv entwickelt. Dazu haben die Arbeitsmarktreformen der letzten zehn Jahre beigetragen.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Wenn es um die Kehrseite dieser Arbeitsmarktreformen, also etwa die Ausweitung von Leiharbeit und Werkvertr&auml;gen geht, wird dies als &bdquo;Missbrauch&ldquo; (S. 47) verharmlost. Mit der Ausrede vom &bdquo;Missbrauch&ldquo; hat auch die SPD  im letzten Wahlkampf ihr Festhalten an der Hartz-Gesetzgebung verteidigt.<\/p><p>Und weiter: <\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Die Solidargemeinschaft darf erwarten und einfordern, dass der Hilfsempf&auml;nger im Rahmen seiner individuellen M&ouml;glichkeiten aktiv an der Verbesserung seiner Lage mitwirkt.&ldquo; <\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Sieht so die &bdquo;biblische Option f&uuml;r die Armen&ldquo; (S.13) aus, dass die Kirchen das b&ouml;sartige Vorurteil sch&uuml;ren, dass &bdquo;Hilfsempf&auml;nger&ldquo; faul sind und nichts daf&uuml;r tun, dass sich ihre Lage verbessert?<\/p><p>Auf der einen Seite wird selbstbeschr&auml;nkend angemerkt:<em>&bdquo;Wir beanspruchen keine herausgehobene Kompetenz in &ouml;konomischen oder technischen Sachfragen&ldquo;<\/em>, wenn es aber andererseits um die &bdquo;Setzung staatlicher Mindestl&ouml;hne&ldquo; geht wird der betriebswirtschaftliche Schwachsinn nachgebetet, dass man die Grenzkosten eines Arbeitsplatzes berechnen k&ouml;nnte:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Bei der Setzung staatlicher Mindestl&ouml;hne muss aber darauf geachtet werden, dass bestehende Arbeitsverh&auml;ltnisse nicht verdr&auml;ngt und nicht neue Barrieren zum Einstieg in den Arbeitsmarkt geschaffen werden.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>(S. 48)<\/p><p>An dieser Stelle verst&ouml;&szlig;t das Kirchenpapier nicht nur gegen die banalen moralischen Anspr&uuml;che, dass man von seiner Arbeit auch leben k&ouml;nnen muss, sondern sogar gegen den Ethikkodex, den sich Wirtschaftswissenschaftler gegeben haben, n&auml;mlich den Stand der Forschung angemessen und nach den herrschenden Normen zu w&uuml;rdigen: Alle empirischen Studien zeigen, dass die bestehenden Mindestl&ouml;hne im Ausland wie im Inland <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/131121_hb_profbosch.pdf\">der Besch&auml;ftigung nicht geschadet haben [PDF &ndash; 27.8 KB]<\/a>.<\/p><p>Da wird die &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; als  &bdquo;ein hilfreiches Instrument zur Haushaltskonsolidierung&ldquo; gelobt, wenn nur die Lasten gerecht verteilt w&uuml;rden. (S.29)  <\/p><p>Immerhin hei&szlig;t es da auch, dass nicht nur gefragt werden m&uuml;sse, welche &ouml;ffentlichen Ausgaben gestrichen oder gek&uuml;rzt werden sollten, sondern es m&uuml;sse auch die Einnahmenseite einbezogen werden. Bei der Einnahmeseite denken die Kirchen aber nicht etwa an mehr Steuergerechtigkeit, geschweige  denn an eine Verm&ouml;gensteuer oder an Reformen bei der Erbschaftssteuer sondern ausschlie&szlig;lich an die Bek&auml;mpfung von Steuerbetrug und Steuerhinterziehung. (S. 30)<\/p><p>In der Schrift ist zwar viel von &bdquo;Orientierungswissen&ldquo; (S. 11) und &bdquo;Verantwortung&ldquo; gegen&uuml;ber rein &ouml;konomischer &bdquo;Sachkompetenz&ldquo; die Rede und an vielen Stellen wird moralische Kritik an Eigennutz oder Gier ge&uuml;bt. Man geht sogar so weit, die Finanzkrise prim&auml;r als &bdquo;Folge menschlichen Versagens auf unterschiedlichen Ebenen&ldquo; (S. 24) zu betrachten und erst in zweiter Linie als &bdquo;eine strukturelle Krise&ldquo;. <\/p><p>Die orientierenden Anst&ouml;&szlig;e zur &Uuml;berwindung der angeprangerten moralischen Defizite, bleiben jedoch abstrakt und allgemein. Es sind nicht mehr als sch&ouml;ne &bdquo;Worte zum Sonntag&ldquo;, n&auml;mlich folgenlose S&auml;tze, die wir von den Regierenden nun seit Jahren h&ouml;ren:<\/p><p>Die Marktwirtschaft bed&uuml;rfe einer &bdquo;Rahmenordnung, die die wirtschaftliche Bet&auml;tigung des Einzelnen und er Unternehmen letztlich in gemeinwohldienliche Bahnen&ldquo; lenke. (S. 17) Gewinnmaximierung um jeden Preis k&ouml;nne niemals eine moralisch akzeptable Handlungsmaxime sein.  Die Finanzm&auml;rkte m&uuml;ssten eine dienende Rolle spielen. (S. 16) Auch in einer wettbewerbsorientierten globalen Wirtschaft m&uuml;sse der Primat der Politik gew&auml;hrleistet bleiben. (S. 17) <\/p><p>Statt aber auch nur ein wenig Druck auszu&uuml;ben, wird &bdquo;ausdr&uuml;cklich begr&uuml;&szlig;t&ldquo;, dass in der Politik eine entsprechende Debatte stattfinde auch innerhalb der Europ&auml;ischen Union und auf internationaler Ebene. Dass diese Debatte seit Ausbruch der Bankenkrise weitgehend folgenlos blieb, ist keines kritischen Wortes wert.<\/p><p>Zur &bdquo;globalisierten Welt&ldquo; lesen wir die abgegriffene Parole, dass sie &bdquo;weitere neu Chancen, aber auch Gefahren mit sich&ldquo; bringe. (S. 8) <\/p><p>Man m&uuml;sse verfehlte Anreizstrukturen identifizieren und beseitigen (S. 24),  &uuml;bernehmen die Kirchenleute die Sprache der Betriebswirte. <\/p><p>In dem Papier wird  zwar kritisiert, dass die Folgen riskanter Gesch&auml;ftspolitik nicht von denjenigen getragen werden, die diese Risiken eingegangen sind, aber gleichzeitig wird &bdquo;sozialethisch kritisch&ldquo; bewertet, dass die Sparer zur Zeit besondere Belastungen tragen m&uuml;ssten. (S. 29) Ob die H&ouml;he von Zinsen &uuml;berhaupt einer &bdquo;sozialethischen&ldquo; Bewertung zug&auml;nglich sind, sei einmal dahingestellt, aber  jedenfalls m&uuml;sste bei einer solchen Bewertung auch der Zusammenhang gesehen werden, dass die derzeitigen Niedrigzinsen nun gerade eine Folge davon sind, dass die EZB zusammen mit den Steuerzahlern auch die Sparguthaben gerettet haben.<\/p><p>Die &bdquo;zu hohen Staatsschulden&ldquo; werden problematisiert, weil der Schuldendienst zu Lasten &ouml;ffentlicher Leistungen gehe, auf die vor allem die &Auml;rmeren angewiesen seien und weil &bdquo;Staatsschulden vor den kommenden Generationen zu rechtfertigen&ldquo; seien. Dass Kinder und Enkel sowohl die Schulden als auch die Zinsanspr&uuml;che an den Staat erben, wird genauso au&szlig;er Betracht gelassen, wie die Tatsache, dass der &ouml;ffentlichen Verschuldung ein noch viel st&auml;rker gewachsenes und v&ouml;llig ungleich verteiltes privates Verm&ouml;gen gegen&uuml;ber steht. Man will eine Diskussion &bdquo;&uuml;ber unsere gemeinsame Verantwortung f&uuml;r eine gerechte Gesellschaft&ldquo; ansto&szlig;en, doch Gedanken, wie man zu einer gerechteren Verteilung innerhalb der Gesellschaft kommen k&ouml;nnte, sucht man vergebens. Im  Gegenteil: <\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Wir regen &hellip; dazu an, den gesellschaftspolitischen Diskurs nicht nur auf der Ebene der Verteilungsgerechtigkeit zu f&uuml;hren, weil dann bestimmte dringliche soziale Fragen gar nicht thematisiert werden. Sowohl hinsichtlich der angemessenen Analyse sozialer Probleme als auch der Effizienz sozialstaatlicher M&ouml;glichkeiten m&ouml;chten wir deshalb dazu ermuntern, den sozialpolitischen Diskurs durch einen st&auml;rker chancenorientierten gesellschaftspolitischen Diskurs zu erg&auml;nzen.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>(S. 42)<\/p><p>&bdquo;Chancenorientierter Diskurs&ldquo;, damit sind die Kirchenoberen endg&uuml;ltig auf das reaktion&auml;re Niveau <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16201\">der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)<\/a> abgesunken. Nun wird auch noch von den Kirchen die &bdquo;Chancengerechtigkeit&ldquo; als Fluchtpunkt aus der Spaltung der Gesellschaft in oben und unten, aus der Arbeitslosigkeit, aus prek&auml;rer Besch&auml;ftigung, aus Altersarmut und schon gar aus der bestehenden Gerechtigkeitsl&uuml;cke angepriesen. &bdquo;Bildungspolitik ist vorsorgende Sozialpolitik&ldquo;. (S.21)  Damit hat man alle Probleme elegant in die Zukunft verschoben und sie gleichzeitig weitgehend in die Verantwortung jedes Einzelnen verlagert:<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Um das anspruchsvolle Projekt umfassender sozialer Inklusion zu verwirklichen, bedarf es sowohl der Chancengerechtigkeit als auch der Eigeninitiative.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>(S. 43)<\/p><p>Hilf Dir selbst durch &bdquo;<em>Bildung in allen Lebensphasen<\/em>&ldquo;, dann hilft Dir Gott!<\/p><p>Es ist ziemlich egal, ob sich bei der Abfassung dieses Papiers eher konservative katholische Vertreter gegen evangelische Experten durchgesetzt haben, beide Kirchen rechtfertigen das Bestehende und die herrschende Politik. <\/p><p>Die Kirchen wollen die &bdquo;biblische Option f&uuml;r die Armen&ldquo; ergreifen, ob die Armen aber noch eine Option in den Kirchen sehen k&ouml;nnen, muss nach dieser &bdquo;Sozialinitiative&ldquo; bezweifelt werden. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland und die Deutsche Bischofskonferenz haben am letzten Freitag eine <a href=\"http:\/\/www.ekd.de\/download\/gemeinsame_verantwortung_gt_22.pdf\">&bdquo;&Ouml;kumenische Sozialinitiative&ldquo; [PDF &ndash; 1.0 MB]<\/a> ergriffen. Mit 10 Thesen wollen Erzbischof Robert Zollitsch und der Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider eine breite gesellschaftliche Debatte f&uuml;r eine erneuerte Wirtschafts- und Sozialordnung auf der Suche nach einer &bdquo;gesellschaftlichen Verbindung von Freiheit<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=20918\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,199,146,161],"tags":[532,312,528],"class_list":["post-20918","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-kirchen-religionen","category-soziale-gerechtigkeit","category-wertedebatte","tag-ekd","tag-reformpolitik","tag-soziale-marktwirtschaft"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20918","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=20918"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20918\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20922,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20918\/revisions\/20922"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=20918"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=20918"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=20918"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}