{"id":20931,"date":"2014-03-05T09:46:53","date_gmt":"2014-03-05T08:46:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=20931"},"modified":"2019-07-31T12:34:41","modified_gmt":"2019-07-31T10:34:41","slug":"kostet-der-mindestlohn-doch-arbeitsplaetze-die-faz-findet-den-ultimativen-beweis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=20931","title":{"rendered":"Kostet der Mindestlohn doch Arbeitspl\u00e4tze? Die FAZ findet den ultimativen Beweis"},"content":{"rendered":"<p>Der Durchbruch in der Mindestlohnforschung ist geschafft. So jedenfalls sieht es offenbar die &bdquo;Frankfurter Allgemeine Zeitung&ldquo; (FAZ, 25.1.2014), die triumphierend eine neue Untersuchung zweier Wissenschaftler aus Texas vorstellt, die den Mindestlohngegnern endlich Recht zu geben scheint. Ein Gastartikel von <strong>G&uuml;nther Grunert<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nNachdem eine Vielzahl empirischer Untersuchungen nicht zu den vom Mainstream erwarteten Ergebnissen gef&uuml;hrt hat (vgl. dazu und zur schwachen theoretischen Fundierung der Mindestlohnkritik ausf&uuml;hrlich <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=20002#more-20002\">hier<\/a>) und &ndash; wie selbst die FAZ einr&auml;umen muss &ndash; bislang unter &Ouml;konomen kein Konsens &uuml;ber die Besch&auml;ftigungseffekte von Mindestl&ouml;hnen erkennbar war, bringt nun nach Einsch&auml;tzung der Zeitung eine neue Studie von Jonathan Meer und Jeremy West (Meer\/West 2013a und 2013b) aus den USA endlich &bdquo;Ordnung in das Chaos der Mindestlohnforschung [&hellip;]. Und ihr Schluss ist eindeutig: Mindestl&ouml;hne kosten Arbeitspl&auml;tze. Und zwar viele&ldquo; (FAZ, 25.1.2014). <\/p><p>Der Bericht &uuml;ber diesen vermeintlichen Meilenstein der Mindestlohnforschung wurde in den Medien schnell weiterverbreitet (vgl. z.B. <a href=\"http:\/\/blog.insm.de\/9259-5-vor-10-mindestlohn-kapitalexporte-katalonien-china-usa\/\">hier<\/a> oder <a href=\"http:\/\/liberalesinstitut.wordpress.com\/2014\/01\/29\/okonomen-streit-der-mindestlohn-kostet-doch-arbeitsplatze\/\">hier<\/a>), so dass es sich lohnt, einen genaueren Blick auf die gefeierte US-Studie zu werfen. Dies soll im vorliegenden Beitrag geschehen. Dazu wird in Abschnitt 1 zun&auml;chst der FAZ-Artikel zur Meer\/West-Studie und zu deren angeblich besonderen Bedeutung f&uuml;r Deutschland kurz wiedergegeben. Abschnitt 2 befasst sich mit den theoretischen Grundlagen der Untersuchung von Meer und West, der folgende Abschnitt 3 mit den scheinbar so &uuml;berzeugenden empirischen Ergebnissen. Abschnitt 4 beendet mit einem kurzen Res&uuml;mee die Analyse.<\/p><ol>\n<li><strong>Die FAZ und die Mindestlohnstudie von Meer und West<\/strong>\n<p>Nach Ansicht der FAZ lag der entscheidende Fehler aller bisherigen Untersuchungen zum Mindestlohn darin, dass sie immer nur den Blick darauf gerichtet h&auml;tten, wie sich die Zahl der Arbeitspl&auml;tze <em>nach<\/em> der Einf&uuml;hrung oder Erh&ouml;hung des Mindestlohns ver&auml;ndert habe. Dagegen sei die Entwicklung <em>zuvor<\/em> kaum beachtet worden. Nun sei es ja aber durchaus m&ouml;glich, dass ein vorher starkes Arbeitsplatzwachstum durch einen Mindestlohn wesentlich abgeschw&auml;cht werde. Dann entstehe der Eindruck, dass der Mindestlohn nicht zu Arbeitsplatzverlusten f&uuml;hre, obwohl er in Wahrheit doch Schaden anrichte. Dieser Schaden liege eben darin, dass zwar nach Einf&uuml;hrung eines Mindestlohns kaum Arbeitskr&auml;fte direkt entlassen w&uuml;rden, dass aber neue, wachsende Unternehmen weniger Stellen sch&uuml;fen und es auf diese Weise zu Arbeitsplatzausf&auml;llen komme.<\/p>\n<p>Die Forscher Meer und West h&auml;tten nun &ndash; so die FAZ &ndash; anhand von US-Daten &uuml;berzeugend nachgewiesen, dass die negative Wirkung des Mindestlohns tats&auml;chlich darin liege, dass er das Arbeitsplatzwachstum signifikant verringere. Zwar habe es zun&auml;chst auch Kritik am Meer\/West-Papier gegeben, diese h&auml;tten die beiden US-Forscher aber erfolgreich mit einer &Uuml;berarbeitung ihrer Studie, die nichts an den Ergebnissen ge&auml;ndert habe, abgewehrt.<\/p>\n<p>Gerade Deutschland k&ouml;nne sich nun zum Anschauungsmaterial f&uuml;r die neue Mindestlohnstudie von Meer und West entwickeln: &bdquo;Nach einigen Jahren mit guten Nachrichten vom Arbeitsmarkt reichen den Deutschen ihre L&ouml;hne nicht mehr, und sie f&uuml;hren einen Mindestlohn ein. Offenbar muss Deutschland damit rechnen: Selbst wenn in den n&auml;chsten Jahren nur wenige Leute wegen des Mindestlohns entlassen werden, wird der Mindestlohn doch den Aufbau neuer Arbeitspl&auml;tze behindern. Und das ist besonders t&uuml;ckisch. Denn wo ein Arbeitsplatz erst gar nicht entsteht, da beschwert sich auch niemand &uuml;ber den Mindestlohn &ndash; und die sch&auml;dliche Wirkung f&auml;llt vielleicht gar nicht auf&ldquo; (FAZ, 25.1.2014).<\/p><\/li>\n<li><strong>Die theoretische Basis der Meer\/West-Studie<\/strong>\n<p>An der Argumentation der FAZ ist zun&auml;chst einmal verbl&uuml;ffend, mit welch leichter Hand sich die Zeitung von einem theoretischen Modell verabschiedet (ohne es zu bemerken?), das doch bislang die Grundlage ihrer Mindestlohnkritik bildete: Gemeint ist die neoklassische Arbeitsmarkttheorie. Nach dieser Theorie <em>m&uuml;ssen<\/em> gesetzliche Mindestl&ouml;hne, die den Reallohnsatz oberhalb des Gleichgewichtslohnsatzes festlegen, unfreiwillige Arbeitslosigkeit erzeugen. Kaum bemerkbare Jobverluste oder gar ein nur abgeschw&auml;chtes Arbeitsplatz<em>wachstum<\/em> sind im genannten Fall nach der neoklassischen Theorie schlicht unm&ouml;glich.<\/p>\n<p>Anders als offenbar der FAZ ist dies den Autoren Meer und West auch bewusst. Sie weichen explizit vom neoklassischen Standardmodell ab, indem sie von zwei gegens&auml;tzlichen Effeckten eines Mindestlohns auf die Schaffung von Arbeitspl&auml;tzen ausgehen.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Auf der einen Seite verringere ein h&ouml;herer Mindestlohn die Nachfrage nach Arbeit, indem er die Grenzkosten der Besch&auml;ftigung einer neuen Arbeitskraft steigere, auf der anderen Seite vergr&ouml;&szlig;ere er die L&uuml;cke zwischen den zu erwartenden Gewinnen aus einer Besch&auml;ftigung im Vergleich zu einer Situation ohne Besch&auml;ftigung (d.h. das entgangene Einkommen w&auml;chst) und veranlasse damit die Arbeitslosen zu verst&auml;rkter Arbeitssuche. Eine gr&ouml;&szlig;ere Zahl Arbeitsuchender mit intensiven &bdquo;Suchanstrengungen&ldquo; verbessere wiederum die Qualit&auml;t des Zusammenf&uuml;hrens zueinander passender Arbeitnehmer und Unternehmen, so dass die Schaffung von Jobs positiv beeinflusst werden k&ouml;nne. Das Fazit von Meer und West lautet: &bdquo;Die Theorie f&uuml;hrt somit zu unklaren Vorhersagen f&uuml;r die Auswirkung eines Mindestlohns auf die Schaffung von Arbeitspl&auml;tzen&ldquo; (Meer\/West 2013b, S. 7; &Uuml;bersetzung G.G.). Letztlich &ndash; so die Autoren Meer und West &ndash; m&uuml;sse diese Frage daher empirisch entschieden  werden (Meer\/West 2013b, S. 8, 26).<\/p>\n<p>Der theoretische Ansatz von Meer\/West &uuml;berzeugt ebenso wenig wie das herk&ouml;mmliche neoklassische Modell. Kritikbed&uuml;rftig ist vor allem, dass er in der Tradition der sog. &bdquo;Suchtheorie&ldquo; steht, die Arbeitslosigkeit letztlich nur als ein &bdquo;Matching-Problem&ldquo; auffasst (vgl. zu einer sehr guten Kritik Mitchell 2010 sowie Mitchell\/Muysken 2008, S. 102-109). Arbeitslosigkeit wird in dieser Theorierichtung als ein freiwillig gew&auml;hlter Suchprozess gesehen, bei dem die Arbeitnehmer dann einen Job annehmen, wenn seine Entlohnung den sog. Akzeptanzlohn (&bdquo;reservation wage&ldquo;; das Minimum, bei dem sie bereit sind, auf Freizeit zu verzichten) &uuml;bersteigt. Die Arbeitnehmer entscheiden hierbei frei: Wenn sie nicht arbeitslos sein wollen, k&ouml;nnen sie immer ein Lohnangebot annehmen, das dann allerdings vielleicht von ihnen verlangt, ihren Akzeptanzlohn zu senken. Ein relevanter Mangel an Arbeitspl&auml;tzen kommt in dieser Theorie nicht vor.<\/p>\n<p>Dies ist offenkundiger Unsinn: In der realen Welt ist Arbeitslosigkeit prim&auml;r auf eine mangelnde gesamtwirtschaftliche Nachfrage zur&uuml;ckzuf&uuml;hren, d. h. es werden als Folge einer unzureichenden aggregierten Nachfrage nicht gen&uuml;gend Arbeitspl&auml;tze geschaffen.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Die Arbeitslosen sind nicht in der Lage, daran etwas zu &auml;ndern: Sie k&ouml;nnen nicht nach Arbeitspl&auml;tzen suchen, die es nicht gibt. Selbst wenn es also stimmte, dass die Arbeitslosen nach einem eingef&uuml;hrten oder erh&ouml;hten Mindestlohn ihre Suchanstrengungen verst&auml;rkten, w&uuml;rden davon keine wesentlichen Besch&auml;ftigungseffekte ausgehen.<\/p>\n<p>Nun lie&szlig;e sich gegen diese Argumentation einwenden, dass die Studie von Meer und West zwar theoretische M&auml;ngel aufweisen mag, dass es letztlich aber auf die empirischen Ergebnisse ankomme. Jedoch hat die Akzeptanz des theoretischen  Ansatzes von Meer\/West weitreichende Folgen, die auch die FAZ nicht zu sehen scheint.  Die beiden Autoren behaupten n&auml;mlich, dass auch aus theoretischen Gr&uuml;nden die Wirkungen eines Mindestlohns eher im neuen (zuk&uuml;nftigen) Besch&auml;ftigungs<em>wachstum<\/em> als in den (gegenw&auml;rtigen) Besch&auml;ftigungs<em>niveaus<\/em> sichtbar w&uuml;rden. Entsprechend sei es keineswegs &uuml;berraschend, dass ihre eigene empirische Untersuchung &ndash; im Einklang mit vielen anderen Studien &ndash; &bdquo;keinen Messeffekt des Mindestlohns auf den Besch&auml;ftigungs<em>stand<\/em>&ldquo; (Meer\/West 2013b, S. 20; &Uuml;bersetzung und Hervorhebung G.G.) herausfinde. Wenn es aber stimmt, dass der Mindestlohn allgemein keinen erkennbaren Effekt auf das Besch&auml;ftigungsniveau, sondern nur einen Einfluss auf das (Netto-) Jobwachstum aus&uuml;bt, sind damit alle bisherigen Studien, die nach Auswirkungen auf den Besch&auml;ftigungsstand gesucht haben, hinf&auml;llig &ndash; darunter auch all diejenigen Untersuchungen, die bislang so gern von den Mindestlohngegnern zitiert wurden (dazu auch Schmitt 2013a). Denn wenn aus theoretischen &Uuml;berlegungen kein messbarer Effekt eines Mindestlohns auf das Besch&auml;ftigungsniveau zu erwarten ist, m&uuml;ssen auch die Ergebnisse derjenigen Untersuchungen, die einen <em>negativen<\/em> Effekt auf den Besch&auml;ftigungsstand herausfinden, verf&auml;lscht und damit wertlos sein.<\/p><\/li>\n<li><strong>Zu den empirischen Ergebnissen der Mindestlohnstudie von Meer und West<\/strong>\n<p>An den empirischen Ergebnissen von Meer und West auf Basis von Daten f&uuml;r die US-Bundesstaaten ist zun&auml;chst einmal &uuml;berraschend, wie weit sie au&szlig;erhalb fast aller bisherigen Forschungsresultate zum Mindestlohn liegen. Die Autoren finden heraus, &bdquo;dass ein Anstieg des realen Mindestlohns um zehn Prozent das Arbeitsplatzwachstum in dem Staat um ungef&auml;hr 0,5 Prozentpunkte verringert (w&auml;hrend dieser Jahre betrug die durchschnittliche Wachstumsrate der Besch&auml;ftigung in einem Staat 2,0 Prozent j&auml;hrlich). Mit anderen Worten, ein zehnprozentiger Anstieg des Mindestlohns f&uuml;hrt zu einer Verringerung der Netto-Jobwachstumrate um etwa ein Viertel&ldquo; (Meer\/West 2013b, S. 19; &Uuml;bersetzung G.G.).<\/p>\n<p>Diese Sch&auml;tzung bezieht sich wohlgemerkt nicht auf das Besch&auml;ftigungswachstum von Gruppen mit traditionell geringer Entlohnung (also z. B. Jugendliche oder Restaurantarbeiter, die h&auml;ufig im Mittelpunkt der Mindestlohnforschung stehen), sondern auf die gesamte Arbeitnehmerschaft, obwohl nur rund 5 Prozent der Arbeitnehmer direkt von einer typischen Erh&ouml;hung des Mindestlohns betroffen sind.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] Es muss schon erstaunen, dass eine Mindestlohnsteigerung, die sich nur auf einen so geringen Anteil der abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten direkt auswirkt, einen so gro&szlig;en Effekt auf die Gesamtarbeitnehmerschaft haben soll (dazu ausf&uuml;hrlicher Schmitt 2013a).<\/p>\n<p>Noch stutziger m&uuml;ssten alle unvoreingenommenen Leser werden, wenn sie zum Vergleich eine umfassende Untersuchung von Allegretto et al. (2013) heranziehen, die u. a. einen der Meer\/West-Analyse sehr &auml;hnlichen empirischen Test f&uuml;r die USA durchf&uuml;hren. Sie verwenden f&uuml;r den Zeitraum seit 1990 Daten f&uuml;r Jugendliche auf Bundesstaatenebene und f&uuml;r Restaurantarbeiter auf Ebene der Counties (etwa mit den deutschen Landkreisen vergleichbar) und kommen zum Ergebnis, dass der Mindestlohn bei keiner dieser beiden &bdquo;klassischen&ldquo; Niedriglohngruppen mit einem geringeren Besch&auml;ftigungswachstum verbunden war (Allegretto et al. 2013, S. 28). Einer der vier Autoren dieser Studie, n&auml;mlich Arindrajit Dube, nimmt deshalb die Meer\/West-Untersuchung genauer unter die Lupe, um deren &uuml;berraschende Ergebnisse zu &uuml;berpr&uuml;fen. Er verwendet einen anderen Datensatz (n&auml;mlich den &bdquo;Quarterly Census of Employment and Wages&ldquo;) als Meer\/West in ihrer urspr&uuml;nglichen Studie (Meer\/West 2013a), der auch eine Aufschl&uuml;sselung der Besch&auml;ftigungsentwicklung nach Wirtschaftszweigen[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] erlaubt. Dube (2013) verwendet die gleichen &ouml;konometrischen Spezifikationen wie Meer und West und findet f&uuml;r zwei der drei untersuchten Zeitr&auml;ume ebenfalls eine signifikante negative Beziehung zwischen Mindestl&ouml;hnen und gesamtwirtschaftlichem Besch&auml;ftigungswachstum. Anders als Meer und West in ihrer urspr&uuml;nglichen Untersuchung (Meer\/West 2013a) gibt er sich mit diesem Ergebnis jedoch nicht zufrieden, sondern betrachtet zus&auml;tzlich die Besch&auml;ftigung in ausgew&auml;hlten Sektoren, n&auml;mlich im Gastgewerbe\/Beherbergung und Gastronomie (&bdquo;Accommodation and Food Services&ldquo;), im Einzelhandel und im Verarbeitenden Gewerbe. Das Gastgewerbe (incl. Restaurants) besch&auml;ftigt etwa die H&auml;lfte aller Arbeitnehmer mit Mindestl&ouml;hnen in den USA und der Einzelhandel steuert weitere 16 Prozent bei. Zusammengenommen vereinen beide Sektoren also fast zwei Drittel aller Arbeitnehmer mit Mindestl&ouml;hnen auf sich. Wenn also der Mindestlohn tats&auml;chlich einen erheblichen negativen Effekt auf das gesamtwirtschaftliche Besch&auml;ftigungswachstum hat, m&uuml;sste sich dies gerade in diesen beiden Wirtschaftszweigen deutlich zeigen. Im Gegensatz dazu sind im Verarbeitenden Gewerbe in den USA kaum Arbeitnehmer mit Mindestl&ouml;hnen angestellt: Nur ein Prozent der dort t&auml;tigen abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten erhalten Mindestl&ouml;hne und nur ungef&auml;hr 3 Prozent aller Arbeitnehmer mit Mindestl&ouml;hnen entfallen auf das Verarbeitende Gewerbe. Entsprechend sollten die Auswirkungen von Ver&auml;nderungen des Mindestlohns auf das Besch&auml;ftigungswachstum dort sehr moderat ausfallen.<\/p>\n<p>Die Regressionsergebnisse von Dube widersprechen diesen Erwartungen fundamental. Nur im Verarbeitenden Gewerbe, das kaum Arbeitnehmer mit Mindestl&ouml;hnen einstellt, ergibt sich f&uuml;r zwei der drei untersuchten Zeitr&auml;ume ein signifikanter negativer Zusammenhang zwischen Mindestl&ouml;hnen und Besch&auml;ftigungswachstum; dagegen l&auml;sst sich im Einzelhandel und im Gastgewerbe, die zusammen das Gros der Mindestlohnarbeiter besch&auml;ftigen, keine statistisch signifikante Beziehung zwischen Mindestl&ouml;hnen und Besch&auml;ftigungswachstum feststellen (Dube 2013, S. 7; S. 12, Tab. 2). Anders ausgedr&uuml;ckt: Der negative Zusammenhang zwischen Mindestlohn und gesamtwirtschaftlicher Besch&auml;ftigung zeigt sich genau an der &bdquo;falschen Stelle&ldquo;, wenn man die sektorale Zusammensetzung der Besch&auml;ftigung betrachtet.<\/p>\n<p>Doch damit nicht genug: Dube weist &uuml;berdies nach, dass die signifikante Beziehung zwischen gesamtwirtschaftlichem Besch&auml;ftigungswachstum und Mindestl&ouml;hnen verschwindet, wenn man eine verl&auml;ssliche Kontrollgruppe verwendet, n&auml;mlich benachbarte Counties mit unterschiedlichen Mindestl&ouml;hnen (Dube 2013, S. 7; S. 13, Tab. 3).<\/p>\n<p>Wie aber sind dann die empirischen Ergebnisse von Meer und West zu erkl&auml;ren? Das Problem liegt offenbar darin, dass die Bundesstaaten, die den Mindestlohn in den letzten Jahrzehnten st&auml;rker angehoben haben, sich wesentlich von anderen Staaten unterscheiden (Dube 2013, S. 4; Allegretto et al. 2013, S. 7-12). Sie hatten beispielsweise mit tieferen Rezessionen zu k&auml;mpfen und waren einer gr&ouml;&szlig;eren Polarisierung der Arbeitspl&auml;tze (in Form eines st&auml;rkeren R&uuml;ckgangs bei Jobs, die Routineaufgaben umfassen) unterworfen. Diese und andere Faktoren beeinflussen das allgemeine Arbeitsplatzwachstum. Die von Meer\/West ermittelte negative Beziehung zwischen Jobwachstum und Mindestl&ouml;hnen ist daher mit gro&szlig;er Wahrscheinlichkeit kein kausaler Zusammenhang, sondern ein statistisches Artefakt, hervorgerufen durch einen wichtigen, in ihrem Modell fehlenden Faktor (oder mehrere solcher Faktoren), der zu den gefundenen Ergebnissen gef&uuml;hrt hat. Korrelationen k&ouml;nnen nicht nur durch direkte kausale Zusammenh&auml;nge zwischen zwei Variablen, sondern auch durch eine gemeinsame Abh&auml;ngigkeit von dritten Gr&ouml;&szlig;en[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] oder rein formal bedingt sein. Dube (2013, S. 4) weist deshalb v&ouml;llig zu Recht auf die Bedeutung eines &uuml;berzeugenden Forschungsdesigns (hier etwa in Form eines Vergleichs angrenzender Counties, s.o.) hin, das in der Lage ist, solche Artefakte wie bei Meer\/West herauszufiltern und verl&auml;ssliche Sch&auml;tzungen zu liefern.<\/p>\n<p>Meer\/West haben in einer neuen Version (Meer\/West 2013b) ihres urspr&uuml;nglichen Beitrags (Meer\/West 2013a) auf die Kritik an den zweifelhaften Ergebnissen ihrer Studie reagiert. W&auml;hrend sie in der Ursprungsversion nur Daten der &bdquo;Business Dynamics Statistics&ldquo; (BDS) verwenden, die keine Untergliederung nach Wirtschaftszweigen enth&auml;lt, benutzen sie in der neuen Studie zwei weitere Datens&auml;tze, n&auml;mlich den &bdquo;Quarterly Census of Employment and Wages&ldquo; (QCEW) und die &bdquo;Quarterly Workforce Indicators&ldquo; (QWI), um auch die Wirkungen des Mindestlohns auf die einzelnen Branchen in den USA absch&auml;tzen zu k&ouml;nnen. Sie sind &uuml;berzeugt, dass die dabei gefundenen Ergebnisse ihren Erwartungen entsprechen: &bdquo; [&hellip;] in Wirtschaftszweigen, die tendenziell eine h&ouml;here Konzentration von Niedriglohnjobs haben, zeigen sich sch&auml;dlichere Wirkungen h&ouml;herer Mindestl&ouml;hne auf das Arbeitsplatzwachstum und die Ergebnisse scheinen zwischen QCEW und QWI &uuml;bereinzustimmen&ldquo; (Meer\/West 2013b, S. 25; &Uuml;bersetzung G.G.).<\/p>\n<p>Diese Interpretation ist jedoch au&szlig;erordentlich problematisch, wie Schmitt (2014) in einer Kritik nachweist. So ergibt sich bei den Sch&auml;tzungen der Auswirkungen des Mindestlohns auf das Jobwachstum beispielsweise bei beiden Datens&auml;tzen ein statistisch signifikanter negativer Effekt f&uuml;r den Sektor &bdquo;Freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen&ldquo; (&bdquo;Professional, Scientific, and Technical Services&ldquo;), den wohl niemand als typische Niedriglohnbranche ansehen wird. Meer und West selbst bezeichnen dieses Ergebnis in einer Fu&szlig;note (Fn. 28) als &bdquo;ungew&ouml;hnlich&ldquo;, spielen seine Bedeutung aber herunter. Auff&auml;llig sind auch die von Meer und West ermittelten negativen Besch&auml;ftigungswirkungen im Baugewerbe (wiederum in beiden Datens&auml;tzen), das in den USA keineswegs ein besonders ausgepr&auml;gter Niedriglohnsektor ist, so dass der starke, signifikante Effekt des Mindestlohns nicht plausibel erscheint. Geradezu absurd aber ist die Tatsache, dass bei Verwendung der QCEW-Daten nach den Berechnungen von Meer\/West der gr&ouml;&szlig;te negative Effekt des Mindestlohns auf das Arbeitsplatzwachstum (mehr als dreimal gr&ouml;&szlig;er als im Gastgewerbe und mehr als achtmal gr&ouml;&szlig;er als im Einzelhandel) ausgerechnet im Sektor &bdquo;Management von Firmen und Unternehmungen&ldquo; (&bdquo;Management of Companies and Enterprises&ldquo;) auftritt[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>], der die mit Abstand h&ouml;chsten Durchschnittsl&ouml;hne aller Wirtschaftszweige zahlt (Schmitt 2014).[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>]<\/p>\n<p>Seltsamerweise diskutieren Meer\/West ihre Branchenergebnisse, ohne sich weiter um die Lohnstruktur in den jeweiligen Wirtschaftszweigen zu k&uuml;mmern. Dies ist um so verwunderlicher, als entsprechende Daten relativ einfach verf&uuml;gbar sind. Schmitt (2014) zieht in seiner Kritik solche Daten hinzu. Er stellt den von Meer und West auf Basis des QCEW- und des QWI-Datensatzes errechneten branchenspezifischen Besch&auml;ftigungsreaktionen (den gesch&auml;tzten Effekten des Mindestlohns auf das Jobwachstum in den verschiedenen Wirtschaftszweigen) den jeweiligen durchschnittlichen Wochenlohn in jeder Branche (2012) als Lohnstruktur-Indikator gegen&uuml;ber.<\/p>\n<p>Wenn tats&auml;chlich der Mindestlohn die branchenspezifischen Besch&auml;ftigungsreaktionen ma&szlig;geblich beeinflussen sollte, w&auml;re in den Wirtschaftszweigen, die die niedrigsten L&ouml;hne verzeichnen, die st&auml;rkste Reaktion auf Mindestlohnerh&ouml;hungen zu erwarten. Tats&auml;chlich aber zeigt Schmitt, dass sich keinerlei systematischer Zusammenhang zwischen dem durchschnittlichen Wochenlohn und der gesch&auml;tzten Besch&auml;ftigungsreaktion der Sektoren feststellen l&auml;sst. Wenn &uuml;berhaupt, ergibt sich auf Grundlage der QCEW-Daten eher eine negative Beziehung (d.h. der Mindestlohn hat in Hochlohnbranchen den gr&ouml;&szlig;ten Effekt auf die Besch&auml;ftigung), jedoch ist dieser Zusammenhang statistisch nicht gesichert.<\/p>\n<p>Da der Durchschnittslohn in einem Wirtschaftszweig m&ouml;glicherweise die Verh&auml;ltnisse am unteren Ende der Lohnskala nicht genau genug widerspiegelt, wiederholt Schmitt seine Untersuchung mit einem zweiten Indikator der Lohnstruktur, n&auml;mlich dem Anteil der Niedriglohnarbeiter in jedem Wirtschaftszweig.[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>] An den Resultaten &auml;ndert das nichts: Auch zwischen dieser zweiten Lohnvariablen und der gesch&auml;tzten Besch&auml;ftigungsreaktion der Wirtschaftszweige (sowohl auf QCEW- als auch auf QWI-Datenbasis) besteht keinerlei systematische Beziehung.<\/p>\n<p>Zusammenfassend l&auml;sst sich also feststellen: Best&uuml;nde ein kausaler Zusammenhang zwischen Mindestl&ouml;hnen und Besch&auml;ftigungswachstum, so m&uuml;sste er sich prim&auml;r in Niedriglohnbranchen (mit relativ vielen Mindestlohnempf&auml;ngern) und kaum oder gar nicht in Hochlohnbranchen (mit vergleichsweise wenig Mindestlohnbeziehern) zeigen. Da aber &ndash; wie die empirische &Uuml;berpr&uuml;fung von Schmitt belegt &ndash; die von Meer\/West errechneten negativen Auswirkungen des Mindestlohns auf das Arbeitsplatzwachstum in Niedriglohnbranchen nicht st&auml;rker ausgepr&auml;gt sind als in Hochlohnbranchen, spricht wenig daf&uuml;r, dass es sich bei den gefundenen statistischen Zusammenh&auml;ngen um kausale Korrelationen handelt, vielmehr muss davon ausgegangen werden, dass durch (unber&uuml;cksichtigte) Drittvariablen bedingte Scheinkorrelationen vorliegen.<\/p><\/li>\n<li><strong>Fazit<\/strong>\n<p>Die Begeisterung, mit der die FAZ und andere &uuml;ber die Mindestlohnanalyse von Meer und West berichten, erinnert ein wenig an den Hype, der vor noch nicht allzu langer Zeit um die Reinhart\/Rogoff-Studie &bdquo;Growth in a Time of Debt&ldquo; (2010) veranstaltet wurde. Zur Erinnerung: Reinhart\/Rogoff hatten herausgefunden, dass eine Staatsschuldenquote, die den Schwellenwert von 90 Prozent &uuml;berschreite, das Wachstum signifikant verringere. Sie wurden f&uuml;r dieses Ergebnis in Medien, Politik und Wissenschaft gefeiert, bis sich herausstellte, dass die behauptete 90-Prozent-Schwelle nichts weiter als das Resultat von Rechenfehlern war. Damit soll nun nicht etwa behauptet werden, dass Meer und West genauso schlampig gearbeitet h&auml;tten wie seinerzeit Reinhart und Rogoff. Die Parallelit&auml;t liegt vielmehr darin, dass jede Untersuchung, die originell erscheint, dabei zu den erhofften Ergebnissen f&uuml;hrt und die bestehenden Vorurteile aufs Sch&ouml;nste best&auml;tigt, sofort bereitwillig aufgegriffen und weiterverbreitet wird, ohne dass sich die Verantwortlichen der M&uuml;he unterziehen, zun&auml;chst einmal die theoretische Plausibilit&auml;t und empirische Tragf&auml;higkeit der neuen Studie zu &uuml;berpr&uuml;fen.[<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>]<\/p>\n<p>Auch  die Meer\/West-Analyse hat &ndash; &auml;hnlich wie die Reinhart\/Rogoff-Studie &ndash; das Potenzial, zuk&uuml;nftig einen erheblichen Einfluss auf die wirtschaftspolitische Debatte auszu&uuml;ben. Denn sie liefert nicht nur die (vom Mainstream) gew&uuml;nschten empirischen Resultate zur Sch&auml;dlichkeit von gesetzlichen Lohnuntergrenzen, sondern hilft gleichzeitig den Mindestlohngegnern mit einem angeblich ganz neuen und originellen Ansatz aus der Defensive. Und wer wird schon so genau hinsehen, wie die Ergebnisse zustande gekommen sind, wenn sie doch so wunderbar passen?<\/p><\/li>\n<\/ol><p><strong>Literatur<\/strong><\/p><ul>\n<li><strong>Acemoglu, D.<\/strong> (2001): Good Jobs versus Bad Jobs, in: Journal of Labor Economics, Vol. 19, No. 1, S. 1-21<\/li>\n<li><strong>Allegretto, S.\/Dube, A.\/Reich, M.\/Zipperer, B.<\/strong> (2013): <a href=\"http:\/\/www.irle.berkeley.edu\/workingpapers\/148-13.pdf\">Credible Research Designs for Minimum Wage Studies, Working Paper Series, Institute for Research on Labor and Employment [PDF &ndash; 11.7 MB]<\/a>, UC Berkeley; letzter Zugriff: 15.02.2014<\/li>\n<li><strong>Cahuc, P.\/Zylberberg, A.<\/strong> (2004): Labor Economics, Cambridge (Mass.)<\/li>\n<li><strong>Dube, A.<\/strong> (2013): <a href=\"http:\/\/ftp.iza.org\/dp7674.pdf\">Minimum Wages and Aggregate Job Growth: Causal Effect or Statistical Artifact?, IZA Discussion Paper No. 7674 [PDF &ndash; 517 KB]<\/a>; letzter Zugriff: 15.02.2014<\/li>\n<li><strong>FAZ<\/strong> (25.1.2014): <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/wirtschaftswissen\/neue-studie-warum-der-mindestlohn-doch-jobs-kostet-12769107.html\">Neue Studie &ndash; Warum der Mindestlohn doch Jobs kostet<\/a>; letzter Zugriff: 15.02.2014<\/li>\n<li><strong>Flinn, C. J.<\/strong> (2011): The Minimum Wage and Labor Market Outcomes, Cambridge<\/li>\n<li><strong>Meer, J.\/West, J.<\/strong> (2013a): Effects of the Minimum Wage on Employment Dynamics, NBER Working Paper No. 19262, August<\/li>\n<li><strong>Meer, J.\/West, J.<\/strong> (2013b): <a href=\"http:\/\/econweb.tamu.edu\/jmeer\/Meer_West_Minimum_Wage.pdf\">Effects of the Minimum Wage on Employment Dynamics [PDF &ndash; 2.9 MB]<\/a>, December; letzter Zugriff: 15.02.2014<\/li>\n<li><strong>Minsky, H. P.<\/strong> (1982): Can &ldquo;It&rdquo; Happen Again? &ndash; Essays on Instability and Finance, New York<\/li>\n<li><strong>Mitchell, B.<\/strong> (2010): <a href=\"http:\/\/bilbo.economicoutlook.net\/blog\/?p=11893\">Nobel prize &ndash; hardly noble<\/a>; letzter Zugriff: 15.02.2014 <\/li>\n<li><strong>Mitchell, W.\/Muysken, J.<\/strong> (2008): Full Employment Abandoned &ndash; Shifting Sands and Policy Failures, Cheltenham<\/li>\n<li><strong>Reinhart, C.\/Rogoff, K.<\/strong> (2010): <a href=\"http:\/\/media.mcclatchydc.com\/smedia\/2010\/01\/08\/12\/Hall-w15639.source.prod_affiliate.91.pdf\">Growth in a Time of Debt [PDF &ndash; 230 KB]<\/a>, in: NBER Working Paper 15639, Cambridge, January; letzter Zugriff: 16.8.2013<\/li>\n<li><strong>Schmitt, J.<\/strong> (2013a): <a href=\"http:\/\/www.cepr.net\/index.php\/blogs\/cepr-blog\/meer-and-west-on-minimum-wage\">Meer and West on Minimum Wage<\/a>, Center for Economic and Policy Research; letzter Zugriff: 15.02.2014<\/li>\n<li><strong>Schmitt, J.<\/strong> (2013b): <a href=\"http:\/\/www.cepr.net\/documents\/publications\/min-wage-2013-02.pdf\">Why Does the Minimum Wage Have No Discernible Effect on Employment? [PDF &ndash; 556 KB]<\/a>, Center for Economic and Policy Research, Washington; letzter Zugriff: 10.01.2014<\/li>\n<li><strong>Schmitt, J.<\/strong> (2014): <a href=\"http:\/\/www.cepr.net\/index.php\/blogs\/cepr-blog\/more-on-meer-and-wests-minimum-wage-study\">More on Meer and West&rsquo;s Minimum Wage Study<\/a>, Center for Economic and Policy Research; letzter Zugriff: 15.02.2014<\/li>\n<li><strong>Van den Berg, G. J.\/Ridder, G.<\/strong> (1998): An Empirical Equilibrium Search Model of the Labor Market, in: Econometrica, Vol. 66, No. 5, S. 1183-1221<\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Sie folgen damit den Such- und Matching-Modellen von Van den Berg\/Ridder 1998, Acemoglu 2001, Flinn 2011. Vgl auch Cahuc\/Zylberberg 2004.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] &bdquo;Die aggregierte effektive Konsum-, Investitions-, Staats- und Exportnachfrage erzeugt die Besch&auml;ftigung&ldquo; (Minsky 1982, S. 95; &Uuml;bersetzung G.G.).<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Die letzten sieben Anhebungen des auf Bundesebene geltenden Mindestlohns in den USA betrafen beispielsweise zwischen 1,3 Prozent und 6 Prozent der Arbeitnehmer direkt (Schmidt 2013b, S. 14).<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Die Begriffe &bdquo;Wirtschaftszweig&ldquo;, &bdquo;Branche&ldquo; und &bdquo;Sektor&ldquo; werden im Folgenden synonym verwendet.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Das klassische, wenn auch schon etwas &bdquo;abgedroschene&ldquo; Beispiel ist der enge Zusammenhang zwischen der Abnahme der Zahl der Storchennester und der Abnahme der Zahl der Geburten in Ostpreu&szlig;en, den wohl die wenigsten als kausal interpretieren d&uuml;rften &ndash; Basis war vielmehr die zunehmende Industrialisierung.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Dieser Effekt ist auf dem 1%-Niveau statistisch signifikant.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Der durchschnittliche Wochenlohn liegt in diesem Sektor im Jahr 2012 um rund 12 Prozent h&ouml;her als im Wirtschaftszweig Bergbau, Gewinnung von Steinen und Erden und &Ouml;l- und Gasf&ouml;rderung (&bdquo;Mining, Quarrying, and Oil and Gas Extraction&ldquo;), der den zweith&ouml;chsten Durchschnittslohn aller Sektoren aufweist (errechnet nach <a href=\"http:\/\/www.bls.gov\/cew\/\">Bureau of Labor Statistics<\/a>).<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Schmitt verwendet dabei den &bdquo;Current Population Survey&ldquo;, um den Anteil der Arbeitnehmer in jeder Branche zu ermitteln, die im Jahr 2012 zwischen $ 7,00 und $ 10,00 in der Stunde verdienten (zur Begr&uuml;ndung der unteren und oberen Grenze siehe Schmitt 2014).<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] Kaum einer der Anh&auml;nger von Reinhart und Rogoff stellte sich etwa die naheliegende Frage, warum der Schwellenwert der Staatsschuldenquote gerade bei 90 Prozent liegen soll und nicht beispielsweise bei 80 oder 100 Prozent. Eine &uuml;berzeugende Begr&uuml;ndung hierf&uuml;r sucht man bei Reinhart\/Rogoff vergeblich.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Durchbruch in der Mindestlohnforschung ist geschafft. So jedenfalls sieht es offenbar die &bdquo;Frankfurter Allgemeine Zeitung&ldquo; (FAZ, 25.1.2014), die triumphierend eine neue Untersuchung zweier Wissenschaftler aus Texas vorstellt, die den Mindestlohngegnern endlich Recht zu geben scheint. Ein Gastartikel von <strong>G&uuml;nther Grunert<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[147,141,11,30],"tags":[1542,343,317,288],"class_list":["post-20931","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitslosgigkeit","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-strategien-der-meinungsmache","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-faz","tag-luegen-mit-zahlen","tag-mindestlohn","tag-prekaere-beschaeftigung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20931","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=20931"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20931\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":53867,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20931\/revisions\/53867"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=20931"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=20931"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=20931"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}