{"id":2101,"date":"2007-02-10T08:50:38","date_gmt":"2007-02-10T07:50:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2101"},"modified":"2016-01-14T16:06:16","modified_gmt":"2016-01-14T15:06:16","slug":"lohnnebenkosten-die-wirklichkeit-zerstort-einen-mythos-nach-dem-anderen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2101","title":{"rendered":"Lohnnebenkosten \u2013 die Wirklichkeit zerst\u00f6rt einen Mythos nach dem anderen"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Anteil der Lohnnebenkosten unter EU-Durchschnitt&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/download\/d\/logh\/link_europa.pdf\">so titelt das Statistische Bundesamt [PDF &ndash; 96 KB]<\/a> seine europ&auml;ischen Vergleichsdaten. Im Vergleich mit 27 EU-Staaten beim Gesamtanteil der &bdquo;indirekten&ldquo; Arbeitskosten auf Platz 14, bei den per Gesetz vorgeschriebene Arbeitgeberbeitr&auml;ge zur Sozialversicherung sogar nur auf Rang 17. Was in der &ouml;ffentlichen Diskussion um die Lohnnebenkosten auch gerne verschwiegen wird, ist die Tatsache, dass in anderen L&auml;ndern mit niedrigeren gesetzlich abverlangten Lohnnebenkosten,  die tarif-vertraglichen bzw. freiwilligen Aufwendungen der Arbeitgeber eine erheblich eine erheblich gr&ouml;&szlig;ere Rolle spielen als bei uns. So machten etwa im weitaus weniger sozialstaatlichen Vereinigten K&ouml;nigreich die nicht gesetzlichen Lohnnebenkosten 14 Euro je 100 Euro Bruttolohn aus, in Deutschland waren es 6 Euro. Wolfgang Lieb.<br>\n<!--more--><br>\nAm 8. Februar 2007 widerlegte das Statistische Bundesamt mit seinen Daten zur Au&szlig;enhandelsbilanz, die Legende &uuml;ber mangelnde Wettbewerbsf&auml;higkeit Deutschlands. Wer zum vierten Male hintereinander &bdquo;Exportweltmeister&ldquo; ist und seine Warenausfuhr in zweistelliger Prozenth&ouml;he steigern kann, der kann nicht gerade &uuml;ber mangelnde Wettbewerbsf&auml;higkeit klagen.<\/p><p>Einen Tag sp&auml;ter vergleicht das Amt (<a href=\"?p=1657\">zum wiederholten Male<\/a>) die Lohnebenkosten zwischen den 27 Europ&auml;ischen Staaten. Und wieder wird ein bei uns von allen Seiten vorgetragener Mythos durch nackte Zahlen widerlegt.<\/p><p>In Deutschland legen die Arbeitgeber je 100 Euro (an die Arbeitnehmer ausbezahlten) Bruttolohn 33 Euro obendrauf. In der Europ&auml;ischen Union (EU 27) lag der Wert mit 36 Euro gut 3 Euro h&ouml;her. Betrachtet man ausschlie&szlig;lich die bei uns t&auml;glich kritisierten gesetzlich auferlegten Lohnnebenkosten, so kommt das Statistische Bundesamt gar nur auf einen Wert von 20 Euro. Bei diesen gesetzlichen Aufwendungen der Arbeitgeber liegt Deutschland an 17. Stelle der 27 verglichenen EU Staaten.<\/p><p>In Schweden das etwa beim Wirtschaftswachstum oder bei der Arbeitslosenquote viel besser dasteht als Deutschland zahlten die Arbeitgeber auf 100 Euro Bruttolohn mit &uuml;ber 51 Euro die weitaus h&ouml;chsten Lohnnebenkosten.<\/p><p>Was in der &ouml;ffentlichen Debatte um den Mythos der Lohnnebenkosten bei uns v&ouml;llig ausgeblendet wird, ist die Tatsache, dass in anderen L&auml;ndern mit einem niedrigeren Niveau sozialstaatlicher (gesetzlicher) Regelungen erheblich h&ouml;here tarifvertragliche, freiwillige oder sonstige Lohnnebenkosten bezahlt werden.<\/p><p>Nun wird man davon ausgehen k&ouml;nnen, dass in der innenpolitischen Debatte <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/download\/d\/logh\/niveau_europa.pdf\">ein zweiter europ&auml;ischer Vergleich des Statistischen Bundesamtes [PDF &ndash; 80 KB]<\/a> in den Vordergrund gestellt wird, n&auml;mlich die Arbeitskosten je geleisteter Stunde in der Privatwirtschaft. (So beispielsweise der stern: <a href=\"http:\/\/www.stern.de\/wirtschaft\/arbeit-karriere\/arbeit\/:Statistisches-Bundesamt-Lohnnebenkosten-%FCberraschend\/582244.html%20\">&bdquo;Daf&uuml;r ist der deutsche Arbeitnehmer an anderer Stelle sehr teuer.&ldquo;<\/a>)<br>\nAber auch bei den Arbeitskosten ist Deutschland keineswegs, wie st&auml;ndig behauptet wird, Spitzenreiter (so etwa das arbeitgebernahe <a href=\"http:\/\/www.iwkoeln.de\/data\/pdf\/content\/trends03_06_3.pdf\">Institut der Deutschen Wirtschaft [PDF &ndash; 88 KB]<\/a>), sondern  liegt mit 28,17 Euro hinter D&auml;nemark (31,98 Euro), Schweden (31,15 Euro), Belgien (30,36 Euro), Luxemburg (30,09 Euro), Frankreich (28,85 Euro) auf dem sechsten Platz.<br>\n(Zu &auml;hnlichen Werten kam auch schon das <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/impuls_2006_11_4-5.pdf\">IMK [PDF &ndash; 2.6 MB]<\/a> ;siehe auch <a href=\"?p=1350\">NachDenkSeiten vom 14. Juni 2006<\/a>).<\/p><p>Aber auch auf die Propaganda &uuml;ber die zu hohen Arbeitskosten sollte man nicht l&auml;nger hereinfallen. Entscheidender f&uuml;r die Rentabilit&auml;t der Produktion und f&uuml;r die Wettbewerbsf&auml;higkeit einer Wirtschaft sind nicht die absolute H&ouml;he der Arbeitskosten, sondern die Lohnst&uuml;ckkosten.<br>\nNach der <a href=\"http:\/\/ec.europa.eu\/economy_finance\/publications\/european_economy\/2005\/statannex0205_de.pdf\">Statistik der Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen der Europ&auml;ischen Kommission aus dem Herbst 2005 [PDF &ndash; 2.5 MB]<\/a> ergibt sich innerhalb der EU im Vergleich der Lohnst&uuml;ckkosten folgendes Bild: Das Verh&auml;ltnis von Arbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmer zum nominalen BIP je Besch&auml;ftigten, also die realen Lohnst&uuml;ckkosten f&uuml;r Deutschland (und nur sie sind wichtig im internationalen Vergleich) haben sich in den letzten 10 Jahren unterdurchschnittlich entwickelt. Das ist ein Spiegelbild der guten Wettbewerbsf&auml;higkeit unseres Landes. Hier die Ziffern: Wenn man die Lohnst&uuml;ckkosten von 1995 gleich 100 setzt, dann liegen sie in Deutschland 2006 bei 95,1, in der Euro-Zone bei 95,5, in der EU der urspr&uuml;nglichen 15 minus Luxemburg bei 96,8 und bei allen heutigen EU-L&auml;ndern <a href=\"upload\/pdf\/060418_tabelle_lohnkosten.pdf\">insgesamt bei 96,9 [PDF &ndash;  56 KB]<\/a>.<\/p><p>Zu der geradezu bizarren Lohndebatte in Deutschland vgl. auch den <a href=\"upload\/pdf\/wipo_schnelldienst_2005_07.pdf\">Wipo Schnelldienst, Nr. 7 2005 [PDF &ndash; 36 KB]<\/a>.<br>\nUnd dass Deutschland bei der Reallohnentwicklung der vergangenen zehn Jahre die rote Laterne hat, wird leider auch <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/pm_ta_2005_06_13.pdf\">nur selten erw&auml;hnt [PDF &ndash; 36 KB]<\/a>.<\/p><p>Leider muss man davon ausgehen, dass in der Politik und in den Medien diese Fakten einmal mehr nicht zur Kenntnis genommen werden. Die Bundesregierung und voran der Bundespr&auml;sident, werden weiter die Senkung der Lohnnebenkosten zum wichtigsten Ziel f&uuml;r die Senkung der Arbeitslosigkeit und f&uuml;r das wirtschaftliche Wachstum erkl&auml;ren und die Lohnnebenkosten f&uuml;r die soziale Absicherung bei der Rente, bei der Gesundheitsvorsorge oder bei der Arbeitslosenversicherung als &bdquo;Umbau des Sozialstaates&ldquo; f&uuml;r &bdquo;objektiv notwendig&ldquo; und &bdquo;alternativlos&ldquo; erkl&auml;ren. Und die &bdquo;Mietm&auml;uler&ldquo; in der Wissenschaft und in den Medien werden sich weiter den Mund &uuml;ber die angeblich zu hohen L&ouml;hne und die viel zu hohen Lohnnebenkosten wie eine Mantra nachbeten.<\/p><p>Es ist eben schon immer so gewesen, mit Mythen soll &uuml;ber die Realit&auml;t hinwegget&auml;uscht werden, mit Mythen l&auml;sst sich das kritische Bewusstsein der Menschen vernebeln und mit Mythen hat man seit Jahrhunderten die V&ouml;lker verf&uuml;hrt.<br>\nDeshalb braucht die Politik und brauchen die einschl&auml;gigen Interessenverb&auml;nde auch heute den Mythos der zu hohen Lohnnebenkosten &ndash; egal ob der Mythos auch l&auml;ngst durch die Wirklichkeit zerst&ouml;rt  wurde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Anteil der Lohnnebenkosten unter EU-Durchschnitt&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/download\/d\/logh\/link_europa.pdf\">so titelt das Statistische Bundesamt [PDF &ndash; 96 KB]<\/a> seine europ&auml;ischen Vergleichsdaten. Im Vergleich mit 27 EU-Staaten beim Gesamtanteil der &bdquo;indirekten&ldquo; Arbeitskosten auf Platz 14, bei den per Gesetz vorgeschriebene Arbeitgeberbeitr&auml;ge zur Sozialversicherung sogar nur auf Rang 17. Was in der &ouml;ffentlichen Diskussion um die Lohnnebenkosten auch gerne verschwiegen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2101\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[25,123,157],"tags":[380,319,333,405],"class_list":["post-2101","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lohnnebenkosten","category-kampagnentarnworteneusprech","category-wettbewerbsfaehigkeit","tag-export","tag-lohnentwicklung","tag-lohnstueckkosten","tag-statistisches-bundesamt"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2101","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2101"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2101\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30224,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2101\/revisions\/30224"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2101"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2101"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2101"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}