{"id":21015,"date":"2014-03-07T09:21:57","date_gmt":"2014-03-07T08:21:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21015"},"modified":"2024-09-25T04:39:31","modified_gmt":"2024-09-25T02:39:31","slug":"bildungsfinanzen-endlich-alles-gut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21015","title":{"rendered":"Bildungsfinanzen: Endlich alles gut?"},"content":{"rendered":"<p>Zum gerade erschienenen <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Publikationen\/Thematisch\/BildungForschungKultur\/BildungKulturFinanzen\/Bildungsfinanzbericht1023206137004.pdf?__blob=publicationFile\">Bildungsfinanzbericht 2013 [2.7 MB]<\/a> sprach <strong>Jens Wernicke<\/strong> mit <strong>Ansgar Klinger<\/strong>, Mitglied im Gesch&auml;ftsf&uuml;hrenden Vorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Herr Klinger, letzte Woche erschien der aktuelle Bildungsfinanzbericht. Wieder einmal wird, so der Tenor, &bdquo;mehr Geld f&uuml;r Bildung ausgegeben als jemals zuvor&ldquo;. Hat sich in Bezug auf die Unterfinanzierung unseres Bildungssystems also endlich qualitativ etwas getan?<\/strong><\/p><p>Tats&auml;chlich wurden &ndash; absolut betrachtet &ndash; mehr Mittel f&uuml;r das Bildungswesen aufgebracht als je zuvor. So haben beispielsweise Bund, L&auml;nder und Gemeinden ihre Bildungsausgaben im Jahr 2013 mit insgesamt 116,6 Milliarden Euro gegen&uuml;ber dem Vorjahr um 4,6 Milliarden Euro gesteigert. <\/p><p>Entscheidend ist aber letztlich der Anteil, den die Bildungsausgaben an der gesamten Wirtschaftsleistung ausmachen, also der Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP), den eine Gesellschaft f&uuml;r das Bildungswesen aufbringt. Dieser Anteil ist ein realistischer Spiegel der gesellschaftlichen Wertsch&auml;tzung, und der Beitrag f&uuml;r Bildung wird erst dann dauerhaft steigen, wenn die Aufwendungen f&uuml;r Bildung und Forschung langfristig st&auml;rker wachsen als die Wirtschaftskraft. Dies m&uuml;sste in Deutschland der Fall sein, wenn das Bildungswesen die vielf&auml;ltigen von der Politik auferlegten Aufgaben &ndash; wie beispielsweise den Ausbau von Kitas und Hochschulen, den Ausbau von Ganztagsschulen, die Verwirklichung von Inklusion oder die stets beschworene Qualit&auml;tsverbesserung &ndash; erf&uuml;llen soll. <\/p><p>Leider ist dies trotz aller Sonntagsreden &uuml;ber die Bedeutung von Bildung in einer Gesellschaft in Deutschland zurzeit noch nicht gegeben.<\/p><p><strong>Das hei&szlig;t?<\/strong><\/p><p>Nun, auf dem Dresdener &bdquo;Bildungsgipfel&ldquo; 2008 haben die Bundeskanzlerin und die Ministerpr&auml;sidenten einhellig erkl&auml;rt, ab 2015 insgesamt 10 Prozent des BIPs f&uuml;r Bildung und Forschung aufwenden zu wollen, 7 davon f&uuml;r Bildung und 3 f&uuml;r Forschung. Aus vorhergehenden Beschl&uuml;ssen der Parteigremien von SPD und CDU geht hervor, dass sie damals die OECD-Vergleichskennzahlen vor Augen gehabt haben, die Deutschland einen gro&szlig;en Finanzierungsr&uuml;ckstand nicht nur gegen&uuml;ber den OECD-&bdquo;Spitzenreitern&ldquo; wie den skandinavischen Staaten, sondern auch schon gegen&uuml;ber dem OECD-Durchschnitt attestiert hatten. Und nach diesem internationalen Vergleich hinkt Deutschland mit einem Anteil von zuletzt 5,1 Prozent am BIP immer noch weit hinter den avisierten 7,0 Prozent zur&uuml;ck.<\/p><p>Konkret: das &ldquo;gro&szlig;artige Mehr&rdquo;, &uuml;ber das hier gesprochen wird, ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Zudem l&auml;sst sich auch die teils besch&ouml;nigende Methodik des Bildungsfinanzberichts hinterfragen.<\/p><p><strong>Wie meinen Sie das?<\/strong><\/p><p>Nun, vor allem die L&auml;nderfinanzseite war und ist sehr interessiert daran, s&auml;mtliche  Aufwendungen, wie etwa die Kosten der Liegenschaften der Hochschulgeb&auml;ude oder der Bibliotheken als Bildungsaufwand darzustellen.<\/p><p>Der Bildungsfinanzbericht listet daher knapp 22 Milliarden Euro an so genannten &bdquo;bildungsrelevanten Ausgaben&ldquo; auf, die in der internationalen Abgrenzung gar nicht dazu gez&auml;hlt werden. Hierzu geh&ouml;ren etwa die Ausgaben f&uuml;r die betriebliche Weiterbildung (10 Milliarden Euro), f&uuml;r weitere Bildungsangebote wie Krippen, Horte, Jugendarbeit (knapp 11 Milliarden Euro) sowie die F&ouml;rderung von Weiterbildungsteilnehmenden (1 Milliarde Euro). In Summe besch&ouml;nigen diese &bdquo;schiefen Vergleiche&ldquo; die Wertigkeit des deutschen Engagements massiv. <\/p><p><strong>Inwiefern? Wie steht Deutschland im internationalen Vergleich denn da?<\/strong><\/p><p>Setzt man die j&auml;hrlichen &ouml;ffentlichen und privaten Ausgaben f&uuml;r Bildungseinrichtungen in ein Verh&auml;ltnis zur Anzahl der Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler bzw. Studierenden, liegt Deutschland gerade mal etwas &uuml;ber dem OECD-Durchschnitt &ndash; eine Ausnahme bildet jedoch weiterhin der Primarbereich mit seiner weit unterdurchschnittlichen Finanzierung.<\/p><p>In diesem Zusammenhang beobachten wir in den alten Bundesl&auml;ndern, namentlich in den westlichen Fl&auml;chenl&auml;ndern, zunehmend die Versuchung der Finanzminister, die aus r&uuml;ckl&auml;ufigen Sch&uuml;lerzahlen &bdquo;frei werdenden&ldquo; Mittel zur Konsolidierung der Landeshaushalte zu verwenden. Diese Annahme einer sog. &bdquo;demografischen Rendite&ldquo; ist jedoch vor dem Hintergrund der internationalen Vergleiche schon empirisch nicht haltbar &ndash; mehrere, auch im OECD-Bildungsvergleich &bdquo;erfolgreiche&ldquo;, L&auml;nder haben bereits umfangreiche Erfahrungen mit Sch&uuml;lerr&uuml;ckg&auml;ngen und dennoch ihre Bildungsaufwendungen nicht nur relativ, sondern auch absolut &ndash; und zwar selbst unter Herausrechnung der Preissteigerungsraten &ndash; gesteigert, wie uns die OECD-Statistik &bdquo;Education at a Glance&ldquo; verdeutlicht. <\/p><p>Weiterhin im internationalen Vergleich unterfinanziert zeigt sich das Bildungswesen in Deutschland hinsichtlich der &ouml;ffentlichen Ausgaben f&uuml;r Bildung im Verh&auml;ltnis zum BIP ebenso wie zu den &ouml;ffentlichen Gesamtausgaben. Hier hat Deutschland nach wie vor deutlichen Nachholbedarf, so, wie es die Politik in Dresden vor f&uuml;nfeinhalb Jahren bereits erkannt hatte. Folgt man beispielsweise den <a href=\"http:\/\/www.gew.de\/Binaries\/Binary84589\/Bildungsfinanzierung%2021%20Jahrh.pdf\">Berechnungen des Bildungs&ouml;konomen Henrik Piltz [580 KB]<\/a>, so m&uuml;sste unsere Gesellschaft j&auml;hrlich 57 Milliarden Euro mehr f&uuml;r ein qualitativ besseres und zukunftsf&auml;higes Bildungswesen aufwenden.<\/p><p><strong>Vielen Dank f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Ansgar Klinger<\/strong>, geb. 1964, Dipl.-Volkswirt, Berufsschullehrer, seit August 2013 Mitglied des Gesch&auml;ftsf&uuml;hrenden Vorstands der GEW, zust&auml;ndig u.a. f&uuml;r Bildungsfinanzierung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum gerade erschienenen <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Publikationen\/Thematisch\/BildungForschungKultur\/BildungKulturFinanzen\/Bildungsfinanzbericht1023206137004.pdf?__blob=publicationFile\">Bildungsfinanzbericht 2013 [2.7 MB]<\/a> sprach <strong>Jens Wernicke<\/strong> mit <strong>Ansgar Klinger<\/strong>, Mitglied im Gesch&auml;ftsf&uuml;hrenden Vorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). <\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[151,209],"tags":[430,599,434],"class_list":["post-21015","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bildungspolitik","category-interviews","tag-bildungsausgaben","tag-bildungsgipfel","tag-gew"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21015","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=21015"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21015\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":121922,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21015\/revisions\/121922"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=21015"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=21015"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=21015"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}