{"id":21044,"date":"2014-03-10T09:23:27","date_gmt":"2014-03-10T08:23:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21044"},"modified":"2015-10-20T11:36:47","modified_gmt":"2015-10-20T09:36:47","slug":"die-instrumente-des-neoliberalen-eu-orchesters","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21044","title":{"rendered":"Die Instrumente des neoliberalen EU-Orchesters"},"content":{"rendered":"<p>Das geplante Freihandelsabkommen &bdquo;Transatlantic Trade and Investment Partnership&ldquo; (TTIP) ist nur die Fortsetzung einer schon jahrzehntelang betriebenen, massiven Liberalisierungs-, Deregulierungs- und Privatisierungspolitik innerhalb Deutschlands und der Europ&auml;ischen Union sowie dar&uuml;ber hinaus. Inzwischen gibt es eine Vielzahl kaum noch &uuml;berschaubarer innereurop&auml;ische, aber auch bilaterale oder regionale Vertr&auml;ge oder interkontinentale Verhandlungsans&auml;tze, die die Weichen f&uuml;r eine solche Politik l&auml;ngst gestellt haben &ndash; zumal innerhalb Europas. Wenn ein Abkommen scheiterte, gab es kurze Zeit sp&auml;ter unter anderem Namen einen neuen Anlauf. Der Widerstand dagegen glich dem Kampf gegen eine Hydra, jenem schlangen&auml;hnlichen Unwesen, dem immer wieder neue K&ouml;pfe nachwachsen. Mit dem transatlantischen Abkommen TTIP soll diese neoliberale Politik nun auch jenseits der Europ&auml;ischen Union abgesichert werden. Da die Bestrebungen der WTO, den grenzenlosen Freihandel weltweit einzuf&uuml;hren, nur teilweise erfolgreich waren, zielt das TTIP nun als weiterer Schritt auf eine weitgehende transatlantische Markt&ouml;ffnung au&szlig;erhalb der Europ&auml;ischen Union, bilateral mit den USA. Dieses Abkommen ist jedoch &ndash; wie viele andere &ndash; gleichfalls nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zu einer weltweiten grenzenlosen Bewegungsfreiheit f&uuml;r Investoren und zu Handelsfreiheit f&uuml;r internationale Konzerne, ohne steuernde Einflussm&ouml;glichkeiten demokratischer Gesetzgebung. Dank ihres gerade schon filzartigen Netzwerks an Lobbygremien innerhalb Europas und weltweit, sind Gewinner dieser Entwicklung die gro&szlig;en Konzerne. Verlierer sind die nur national oder regional orientierte Wirtschaft, die nationalen Parlamente und vor allem die B&uuml;rger, deren demokratische Rechte noch st&auml;rker durch internationale Vorgaben verbarrikadiert werden. <strong>Christine Wicht<\/strong> versucht das Dickicht der &uuml;bernationalen Vertr&auml;ge ein wenig  zu l&uuml;ften, um einen Blick auf die Instrumente und die Partitur des neoliberalen EU-Orchesters freizumachen.<br>\n<!--more--><br>\nFreihandelsabkommen sind f&uuml;r Europa nicht neu. Sie sind schon lange Bestandteil von Verhandlungen &uuml;ber diverse Wirtschaftspartnerschaftsabkommen, beispielsweise mit den L&auml;ndern Afrikas, der Karibik und des pazifischen Raums sowie einigen <a href=\"http:\/\/europa.eu\/rapid\/press-release_IP-12-713_de.htm?locale=en\">Assoziierungsabkommen mit Mittel- und Zentralamerika<\/a>. Strickmuster und Sto&szlig;richtung sind im Prinzip immer gleich: Arbeitnehmerrechte, Sozial- und Umweltstandards sollen zugunsten wirtschaftlicher Interessen geschleift und meist dazu noch ein Steuerdumping in Gang gesetzt werden. Investoren wollen ohne Hindernisse und Risiken investieren, ihre eigenen Regeln festsetzen und m&ouml;glichst unabh&auml;ngig (und ungest&ouml;rt) von nationaler Gesetzgebung agieren. Dazu geh&ouml;rt z.B. das Investor-Staat-Klage-Verfahren vor den sogenannten Schiedsgerichten. Das Wort &bdquo;Schiedsgericht&ldquo; suggeriert, dass es sich um ein Gericht handelt, die Formulierung &bdquo;Schiedsstelle&ldquo; w&auml;re jedoch die treffendere Formulierung, denn es handelt sich um privatrechtliche Gremien, die &uuml;ber einen Rechtsstreit, unter Ausschluss jeder staatlichen Gerichtsbarkeit, entscheiden. Ein fr&uuml;her Versuch, den Investoren weitgehende Rechte einzur&auml;umen, war das globale Liberalisierungsprojekt MAI (Multilaterales Investitionsabkommen, siehe <a href=\"http:\/\/www.fes.de\/pdf-files\/iez\/00192.pdf\">hier [PDF &ndash; 512 KB]<\/a>) aus den 1990er Jahren. Es war als zentraler Hebel zur weiteren Liberalisierung und Markt&ouml;ffnung gedacht. Das MAI wurde zwischen der EU-, den OECD-Staaten und transnationalen Konzernen verhandelt. Es war ein Versuch, neoliberale Strukturen im gro&szlig;en Rahmen einzuf&uuml;hren. Dank des massiven Widerstands von NGOs und B&uuml;rgern wurde das Abkommen zwar verhindert, aber &uuml;ber die 1994 in Marrakesch geschlossenen GATS-Vereinbarungen wurde das gescheiterte Abkommen im Dienstleistungsbereich wieder vorangetrieben.<\/p><p>Wenn ein Abkommen scheitert, kommt es f&uuml;r gew&ouml;hnlich nach einer kurzen R&uuml;ckzugsphase umetikettiert und mit neuen Forderungen wieder auf den Tisch. Das derzeit verhandelte TTIP enth&auml;lt Elemente des MAI und zielt auf eine bilaterale transatlantische Markt&ouml;ffnung aller Marktbereiche zwischen der Europ&auml;ischen Union und den USA. Pia Eberhardt von der Nichtregierungsorganisation &bdquo;Corporate European Observatory&ldquo; (CEO) erl&auml;uterte mir in einem Telefonat, dass derzeit schon &uuml;ber 3000 Investitionsabkommen existieren. Die meisten davon sind bilateral verhandelt. Zwar werde das TTIP-Abkommen u.a. damit begr&uuml;ndet, ein wirtschaftspolitisches Gegengewicht zu Indien, Brasilien und China zu etablieren, doch verhandle die EU derzeit auch &uuml;ber ein bilaterales Abkommen mit China.  F&uuml;r Thomas Fritz von  FDCL, dem <a href=\"http:\/\/www.fdcl-berlin.de\/\">Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika e.V.<\/a>, ist sicherheitspolitisch relevant, dass die EU und die USA mit dem TTIP eine wirtschaftspolitische Frontstellung gegen gro&szlig;e Schwellenl&auml;nder wie China, Indien oder Brasilien aufzubauen versuchen. Milit&auml;rs hegen dabei zus&auml;tzlich die Hoffnung, dass Europa und Nordamerika durch TTIP auch wirtschaftlich wieder st&auml;rker wachsen, und damit auch die Milit&auml;rhaushalte. Man setzt auch auf eine engere sicherheitspolitische Zusammenarbeit und eine Koordinierung der Milit&auml;rausgaben und der &ouml;ffentlichen Auftr&auml;ge an die R&uuml;stungsindustrie, obgleich man im TTIP auf eine generelle Ausnahme f&uuml;r Fragen der &ldquo;nationalen Sicherheit&rdquo; pochen wird.<\/p><p>Bisher waren die Vertr&auml;ge der EU quasi nur freiwillige Selbstverpflichtungen, mit denen sich die Staaten verpflichteten, bestimmte Regeln einzuhalten, die rechtlich jedoch nicht bindend sind. Das ging der Wirtschaft nicht weit genug. Sie wollte weiteren Zugang zu neuen M&auml;rkte er&ouml;ffnet bekommen. Die Vorbereitungen daf&uuml;r wurden auf EU-Ebene beschlossen, in Form von <a href=\"http:\/\/europa.eu\/rapid\/press-release_MEMO-13-318_de.htm\">Twopack, Sixpack, Europ&auml;ischem Semester und Konsorten<\/a>. Die klare Handschrift der Wirtschaftslobby und ihr stetig wachsender Einfluss ziehen sich seit Jahren wie ein roter Faden durch die gesamte EU-Wirtschaftspolitik, die konsequent das Ziel eines weiteren neoliberalen Umbaus der Europ&auml;ischen Union verfolgt.<\/p><p>Begr&uuml;ndet wurde die neoliberale Umgestaltung der EU schon immer mit der Verbesserung  der Wettbewerbsf&auml;higkeit. Ein wesentlicher Schritt zur Erlangung dieses Zieles war die Vollendung des europ&auml;ischen Binnenmarktes, als am 1. Juli 1987 die <strong>Einheitliche Europ&auml;ische Akte (EEA)<\/strong> in Kraft trat. Sie definierte den Europ&auml;ischen Binnenmarkt als einen &bdquo;Raum ohne Binnengrenzen&ldquo;, der auf einen freien Wettbewerb und Handel mit Dienstleistungen ausgerichtet ist. Mit ihr wurden die noch bestehenden nicht-tarif&auml;ren Handelshemmnisse innerhalb der EU weitestgehend abgebaut. Die EEA ist die gewichtigste &Auml;nderung bzw. Erg&auml;nzung der Vertr&auml;ge der Europ&auml;ischen Gemeinschaft. Ihr folgten danach die Vertr&auml;ge von Maastricht, Amsterdam, Nizza und Lissabon.<\/p><p>Mit der Unterzeichnung des <strong>Maastricht-Vertrags<\/strong> 1991 wurde die <strong>Wirtschafts- und W&auml;hrungsunion<\/strong> auf den Weg gebracht und damit geriet die &ouml;ffentliche Hand zunehmend unter finanziellen und juristischen Druck. Im Rahmen der Wirtschafts- und W&auml;hrungsunion wurde der so genannte <strong>Stabilit&auml;tspakt<\/strong> vereinbart, der von allen EU-Staaten einen ausgeglichenen Staatshaushalt fordert. Da dieser Pakt nicht konsequent durchgesetzt wurde, forderten Lobbyverb&auml;nde weitergehende Ma&szlig;nahmen, die Staatshaushalte unter steigenden Finanzdruck zu setzen, um die M&auml;rkte in &ouml;ffentlicher Hand schneller f&uuml;r die Privatwirtschaft einnehmen zu k&ouml;nnen. Mit den engen und starren Bewertungsformeln des Sixpack, Two-Pack und des Fiskalpakts wurde den EU-Staaten ein enges Finanzkorsett angelegt, das bewirken soll, dass bei staatlicher &Uuml;berschuldung die Kriterien f&uuml;r Strukturreformen greifen, die zu Sozialabbau und Privatisierung von Staatseigentum f&uuml;hren. Die zweifelhaften Exempel  werden in den Staaten S&uuml;deuropas statuiert. Die L&auml;nder brauchten nach der Krise und Rettung ihrer Banken dringend Geld und die Kreditvergabe wurde von Austerit&auml;tsma&szlig;nahmen abh&auml;ngig gemacht, die unter anderem Privatinvestitionen in Milliardenumfang als alleinige M&ouml;glichkeit zulie&szlig;en. Dies ist f&uuml;r Unternehmen und Investoren eine gigantische Gelegenheit, um Zugang zu Wirtschaftssektoren zu bekommen, die bislang teilweise oder ganz in &ouml;ffentlicher Hand waren. Schon Naomi Klein hat in ihrem Buch &bdquo;Schock-Strategie dargelegt, dass der Kapitalismus nach Kriegen, Schocks und Krisen besonders gut funktioniert. Es sei die beste Zeit radikale Ideen des &bdquo;freien Marktes&ldquo; nach einem gro&szlig;en Schock umzusetzen, und die Finanzkrise war ein solcher Schock.<\/p><p><strong>Sixpack, Two-Pack und Fiskalpakt tragen die Handschrift m&auml;chtiger Lobbyverb&auml;nde<\/strong><\/p><p>Der so genannte &bdquo;Sixpack&ldquo;, der aus sechs Teilen der Gesetzgebung besteht, aus f&uuml;nf Verordnungen und einer EU-Richtlinie, die im Januar 2012 in Kraft getreten sind, ist ma&szlig;geblich auf die Arbeit der Lobbyorganisation <strong>BusinessEurope (BE)<\/strong> zur&uuml;ckzuf&uuml;hren. Das neoliberale Orchester hat praktisch eine Partitur bekommen, die nun den Takt vorgibt. Den Rhythmus gibt das <a href=\"http:\/\/ec.europa.eu\/europe2020\/making-it-happen\/index_de.htm\">&bdquo;Europ&auml;ische Semester&ldquo;<\/a> vor, um bei der musikalischen Sprache zu bleiben. Hier wird die genaue j&auml;hrliche Abfolge aller EU-Kontrollen und -Entscheidungen geregelt. Die nationalstaatlichen Haushalte der EU-Staaten werden nunmehr unter strenger Aufsicht der EU-Kommission gepr&uuml;ft, verglichen und bewertet. Diese auf EU-Ebene verschobene Haushalts&uuml;berwachung erfolgt weder demokratisch kontrolliert noch transparent. Weist die Bewertung eine &Uuml;berschuldung aus oder auch nur einen zu langsamen Abbau einer Verschuldung, so werden rasch Sanktionsm&ouml;glichkeiten bei Verst&ouml;&szlig;en gegen die Defizitkriterien erlassen (siehe Griechenland). Die Recherchen der niederl&auml;ndischen Nichtregierungsorganisation &bdquo;European Corporate Observatory&ldquo; (CEO) haben ergeben, dass die m&auml;chtigen Lobbyorganisationen BusinessEurope (BE) und der European Round Table (ERT) massiven Einfluss auf die Verhandlungen zu Sixpack, Two-Pack und Fiskalpakt genommen haben. Die Politik der neoliberalen Sparpolitik und Wirtschaftsf&uuml;hrung, so CEO, sind nicht nur das Ergebnis einer falschen oder fehlerhaften Wirtschaftstheorie, sie wurden bewusst gef&ouml;rdert, um m&auml;chtigen Konzerninteressen zu dienen. BE hat die Krise genutzt, um seine wirtschaftliche und politische Agenda voranzutreiben, da die Sparma&szlig;nahmen den Druck auf den Sozialstaat erh&ouml;hen und neue Bereiche f&uuml;r privaten Profit er&ouml;ffnen, wann immer &ouml;ffentliche Dienstleistungen und Unternehmen privatisiert werden. K&uuml;rzungen im Bereich der Sozialabgaben schw&auml;chen zudem den Schutz der Arbeitnehmer und f&uuml;hren zu einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen. Obendrein geht durch den Sparzwang eine Vertiefung der neoliberalen Wirtschaftspolitik durch Privatisierung und Liberalisierung einher, wodurch die sozialen Errungenschaften abgebaut werden. Das Strategiepapier von BE,  <a href=\"http:\/\/www.insead.edu\/facultyresearch\/centres\/elab\/documents\/EBS_LRWEB.pdf\">&bdquo;Putting Europe back to Track&ldquo; [PDF &ndash; 2.4 MB]<\/a> von 2009, was so viel hei&szlig;t wie, Europa auf den richtigen Weg bringen, enth&auml;lt all die altbekannten neoliberalen Forderungen, wie die Vertiefung des Binnenmarktes, die Deregulierung der Arbeitsm&auml;rkte, die F&ouml;rderung des freien Handels, Sparma&szlig;nahmen und neoliberale Strukturreformen wie Reformen der Rentensysteme und die F&ouml;rderung der privaten Altersvorsorge, die Erh&ouml;hung des Wettbewerbs unter den Anbietern von Pflege-und Krankenkassen, die Reduzierung der Unternehmenssteuern. BE dr&auml;ngte schon damals intensiv auf eine strikte Konsolidierung der &ouml;ffentlichen Finanzen, den Abbau des &ouml;ffentlichen Sektors in Form von Privatisierung &ouml;ffentlicher Dienstleistungen und eine Verschiebung von Steuerbelastungen von Unternehmen in Richtung Verbrauchsabgaben, die diejenigen Haushalte am st&auml;rksten belasten, die den gr&ouml;&szlig;ten Teil ihres Einkommens konsumieren (m&uuml;ssen). Im Fr&uuml;hjahr 2010 ver&ouml;ffentlichte BE einen Aktionsplan mit dem Titel &bdquo;Die Kombination von finanzieller Nachhaltigkeit und Wachstum&ldquo;, dieser enth&auml;lt bereits einen Aufruf f&uuml;r verbindliche Haushaltsregeln auf europ&auml;ischer und nationaler Ebene, unter Ber&uuml;cksichtigung der nationalen Defizite und Staatsverschuldung in Relation zum BIP. BE pflegt enge Kontakte zur EU-Kommission, die deren Forderungen auch weitgehend umgesetzt hat. Die gesamte Haushalts&uuml;berwachung n&ouml;tigt zu Sparma&szlig;nahmen und neoliberalen Strukturreformen, womit Zug um Zug die Wunschliste der gro&szlig;en Unternehmen durchgesetzt wird. Wenn ein Land in den sozialen Fortschritt investiert, worin die EU-Kommission keinen wirtschaftlichen Wert erkennt, dann gibt es keine Ausnahmen vom Sparzwang, aber wenn zum Beispiel ein Staat sein Rentensystem privatisiert oder Arbeitsschutz beseitigt wird, entspricht dies sehr wohl einer Strukturma&szlig;nahme gem&auml;&szlig; dem neuen Rahmenwerk. (Nachzulesen sind diese Recherchen und die Quellen <a href=\"http:\/\/corporateeurope.org\/eu-crisis\/2013\/03\/businesseurope-and-economic-governance\">hier<\/a>).<\/p><p><strong>D&eacute;j&agrave;-vu<\/strong><\/p><p>In Kombination mit dem Fiskalpakt bildet der Sixpack einen massiven Angriff auf demokratische und soziale Rechte der EU-B&uuml;rger, weil Staaten der Bewertungsformel unterliegen und Staaten, die Kredite in Anspruch nehmen, zwingend die daran gekoppelten Strukturma&szlig;nahmen, im Wesentlichen also auch eine Austerit&auml;tspolitik, umsetzen m&uuml;ssen. Diese Politik erinnert an die Politik von IWF und Weltbank. Damit folgt die EU den Prinzipien derjenigen Institutionen, die mit Beginn der 1980er Jahre, mit dem Aufkommen des Monetarismus als vorherrschender &ouml;konomischer Schule und beeinflusst von den so genannten Chicago Boys um Milton Friedman, mit ihrer wirtschaftspolitischen Ausrichtung einen marktradikalen neoliberalen Wirtschaftskurs einschlug und Kredite fortan nur noch vergab, wenn die Staaten massiven Auflagen, den so genannten Strukturanpassungsprogrammen, zustimmten. Mit der Durchsetzung der Prinzipien des freien Waren- und Dienstleistungsverkehrs, der Wettbewerbsorientierung, vor allem aber auch der Deregulierung und Privatisierung &ouml;ffentlicher Aufgaben, verschaffte der IWF den Konzernen der reichen Mitgliedsl&auml;nder Zugang zu neuen M&auml;rkten in den Kreditnehmerl&auml;ndern und vor allem wirtschaftliche Macht. Diese Politik wirkte sich vielfach fatal auf die Lebensbedingungen der jeweiligen Bev&ouml;lkerung der vom IWF &bdquo;gef&ouml;rderten&ldquo; Staaten aus, insbesondere in S&uuml;damerika und Afrika. Meist ist auch ein damit einhergehender Raubbau an der Umwelt zu beobachten. Die Reform der EU-Vorschriften ist f&uuml;r die Unternehmen von enormer Bedeutung, da ihre Forderungen nun in Verordnungen und Richtlinien eingeflossen sind und umgesetzt werden m&uuml;ssen. Sie haben damit einen f&uuml;r die Erlangung ihrer Ziele wichtigen Meilenstein zum neoliberalen Umbau der EU verankern k&ouml;nnen.<\/p><p><strong>Die EU fit machen f&uuml;r den Weltmarkt<\/strong><\/p><p>Die Vergabetechnik &ouml;ffentlicher Auftr&auml;ge steht beim TTIP im Fokus der EU-Kommission, flankiert vom Liberalisierungsbestreben des Dienstleistungsmarktes und der Ver&auml;nderungen der Investitionsbedingungen, damit Investoren in Drittlandsm&auml;rkten frei investieren k&ouml;nnen. Diese Themen ziehen sich auch schon wie ein roter Faden durch diverse EU-Vertr&auml;ge. Seit Jahren moniert die EU-Kommission, dass der Bereich der &ouml;ffentlichen Auftr&auml;ge auf diskriminierende Praktiken sto&szlig;e und dieser gro&szlig;e Handelsbereich nach wie vor gegen multilaterale Regeln immun sei. Nach Auffassung der EU-Kommission ist der Dienstleistungsmarkt ein Eckpfeiler der EU-Wirtschaft. Deshalb sei die schrittweise Liberalisierung des globalen Dienstleistungshandels von besonderer Bedeutung f&uuml;r k&uuml;nftiges Wirtschaftswachstum. Die Investitionsbedingungen sollen nach dem Willen der EU-Kommission in Drittl&auml;ndern gleichfalls verbessert werden, vor allem im Dienstleistungsbereich. Mit der am 15.11.2006 vom Europ&auml;ischen Parlament mit gro&szlig;er Mehrheit verabschiedeten <strong><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4425\">Dienstleistungsrichtlinie<\/a><\/strong>  wurden die im EU-Vertrag festgelegten Zielen der <strong>Dienstleistungs- und Niederlassungsfreiheit<\/strong> verwirklicht.<\/p><p>Die Dienstleistungsrichtlinie zielt auf eine weitgehende Liberalisierung nahezu des gesamten Dienstleistungssektors. Sie ist insofern die Umsetzung der Ziele des <strong>GATS-Abkommens (General Agreement Trade Services)<\/strong> innerhalb der Europ&auml;ischen Union. Die EU-Kommission f&uuml;hrte im Auftrag der EU-Mitgliedstaaten die Verhandlungen f&uuml;r das &bdquo;Allgemeines Abkommen &uuml;ber den Handel mit Dienstleistungen&ldquo; mit der WTO, das <strong>GATS<\/strong>. GATS bildet ein Rahmenwerk zur Liberalisierung des internationalen Handels und sieht vor, dass weltweit mehr als 150 Sektoren des Dienstleistungsbereichs, unter Ber&uuml;cksichtigung der Meistbeg&uuml;nstigungsklausel und des Inl&auml;nderprinzips, f&uuml;r den Weltmarkt ge&ouml;ffnet werden. Das <strong>Inl&auml;nderprinzip<\/strong> besagt, dass ausl&auml;ndischen Firmen gleich behandelt werden m&uuml;ssen wie lokale Unternehmen. In Kombination mit der <strong>Meistbeg&uuml;nstigungsklausel<\/strong>, die es verbietet umweltbewusste oder soziale Firmen zu bevorzugen, wird Konzernen eine grenzenlose Macht zuteil.<\/p><p>Insofern ist die Dienstleistungsrichtlinie ein weiterer Schritt auf jenem Weg, der mit der Einheitlichen Europ&auml;ischen Akte eingeleitet wurde und der nahtlos in die <strong>Lissabon-Strategie<\/strong> m&uuml;ndete. Der <a href=\"https:\/\/lobbypedia.de\/wiki\/European_Roundtable_of_Industrialists\">European Round Table (ERT)<\/a>  schlug der EU-Kommission 1993 vor, eine Europ&auml;ische Wettbewerbskommission (European Competitiveness Council) zu gr&uuml;nden, um der Wettbewerbsf&auml;higkeit h&ouml;chste Priorit&auml;t auf der politischen Agenda zu geben. Das &ldquo;Beratergremium zur Wettbewerbsf&auml;higkeit&rdquo; bestand aus 13 prominenten Industriellen, Gewerkschaftlern, Bankmanagern, Akademikern und Politikern. Diese Gruppe konzipierte die <a href=\"http:\/\/www.attac.at\/kampagnen\/archiv\/2003-2007\/eu\/lobbying-in-der-eu\/lissabon-strategie-und-lobbyismus.html\"><strong>Lissabon-Strategie<\/strong><\/a>, mit der die EU zum dynamischsten, wettbewerbsf&auml;higsten und wissensbasiertesten Wirtschaftsraum der Welt werden sollte.<\/p><p>Eine Voraussetzung zur Erlangung dieser Ziele war die Vollendung des Binnenmarkts, mit ihren vier Grundfreiheiten, der Kapital-, Dienstleistungs-, Niederlassungs- und Warenverkehrsfreiheit. Nachdem die Ziele der Lissabon-Strategie zun&auml;chst nur sehr z&ouml;gerlich in den Mitgliedstaaten umgesetzt wurden, wurde im Sommer 2003 ein Think Tank, der &bdquo;Lissabon Rat&ldquo; in Br&uuml;ssel mit der Aufgabenstellung gegr&uuml;ndet, marktradikale &bdquo;Reformprojekte&ldquo; in ganz Europa durchzusetzen, die vor allem auf die Abschaffung wohlfahrtsstaatlicher Elemente abzielen. In Gerhard Schr&ouml;der fanden EU-Kommission und Wirtschaft seinerzeit einen willigen Partner f&uuml;r die Umsetzung der Lissabon-Strategie, die im vorauseilendem Gehorsam als Agenda 2010, mit tiefgreifenden Umw&auml;lzungen in der Arbeitsmarktpolitik, im Arbeitsrecht, im Rentenrecht und massiven Steuerbeg&uuml;nstigungen f&uuml;r Reiche und Unternehmen als sozialpolitischer Reform-Rohrkrepierer in die Geschichte eingehen wird.<\/p><p>Die <strong>Lissabon-Strategie<\/strong> lieferte wiederum die Basis f&uuml;r das <strong><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2708\">Flexicurity-Konzept<\/a><\/strong>. Hinter der Wortverbindung &bdquo;Security&ldquo; (Sicherheit) und &bdquo;Flexibilit&auml;t&ldquo; verbirgt sich eine europaweite Doppelstrategie, mit dem (vagen) Versprechen von mehr Sicherheit und der gleichzeitigen Durchsetzung eines massiven Abbaus von Arbeitnehmerrechten auf europ&auml;ischer Ebene. Das Flexicurity-Konzept steht f&uuml;r den Abbau des K&uuml;ndigungsschutzes, die Versch&auml;rfung der &ldquo;aktivierenden Arbeitsmarktpolitik&rdquo;, Verl&auml;ngerung der Lebensarbeitszeit und K&uuml;rzung bei den Renten sowie Verl&auml;ngerung der Arbeitszeiten, Ausweitung der Leiharbeit etc. Mit dem Flexicurity-Konzept wollte man das d&auml;nische Modell auf EU-Ebene ausbauen (allerdings nur das einfache Entlassung, nicht allerdings die gro&szlig;e Unterst&uuml;tzung f&uuml;r Arbeitslose). Die Umsetzung war in den einzelnen EU-Staaten unterschiedlich. In Frankreich und Italien hatte es wenig Auswirkungen, weil in beiden L&auml;ndern die Arbeitnehmervertretungen stark sind. Da die einzelnen Strategien in den Augen der Wirtschaftsvertreter nicht zielf&uuml;hrend waren, arbeiteten sie an weiteren &bdquo;Reformen&ldquo;, die die L&auml;nder zur Umsetzung zwingen sollten, ohne Ausnahme.<\/p><p><strong>Zust&auml;ndigkeit der Verhandlung &uuml;ber Handelsvertr&auml;ge<\/strong><br>\nDer am 1. Dezember 2009 in Kraft getretene Vertrag von Lissabon ist in Bezug auf das Freihandelsabkommen von wesentlicher Bedeutung. Im Vertrag von Lissabon wurden nicht nur die vier Grundfreiheiten gest&auml;rkt, es wurde auch die Kompetenz der Europ&auml;ischen Union in Bezug auf die Aushandlung und die Annahme von Handelsvertr&auml;gen unter anderem auf den Bereich ausl&auml;ndischer Direktinvestitionen ausgeweitet. Damit ist die Zust&auml;ndigkeit der Verhandlung &uuml;ber Handelsvertr&auml;ge auf die EU-Kommission &uuml;bergangen, das ist eine wichtige Voraussetzung f&uuml;r die TTIP-Verhandlungen, die nun die  EU-Kommission f&uuml;hrt. Allein die Europ&auml;ische Kommission hat ein Initiativrecht und kann damit die <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=182\">zuk&uuml;nftige Entwicklung der EU wesentlich pr&auml;gen und gestalten<\/a>. Die tats&auml;chlichen Verhandlungen werden von der Generaldirektion Handel als Teil der Kommission gef&uuml;hrt, wobei eine enge Absprache mit einem vom Rat bestellten w&ouml;chentlich tagenden Ausschuss f&uuml;r Handelspolitik (Trade Policy Committee (TPC); fr&uuml;her 133er Ausschuss) erfolgt. Das TPC unterst&uuml;tzt die EU- Kommission bei Verhandlungen &uuml;ber Handelsabkommen und ber&auml;t sie in der Gemeinsamen Handelspolitik. Vorsitz f&uuml;hrt die jeweilige EU-Ratspr&auml;sidentschaft.<\/p><p><strong>Auswirkungen der Verlagerung der Handelsvertr&auml;ge auf die Ebene der EU-Kommission<\/strong><\/p><p>Seit die Zust&auml;ndigkeit zu Verhandlungen &uuml;ber Handelsvertr&auml;ge auf die EU-Kommission verlagert wurde, k&ouml;nnen f&uuml;r die Wirtschaft relevante Themen aufgegriffen und in einen systematischen Zusammenhang gebracht werden. Die Wunschliste der Wirtschaftsvertreter h&auml;tte zuvor bei der Zersplitterung der Zust&auml;ndigkeiten deutlich weniger M&ouml;glichkeiten zur Verwirklichung gehabt. Ein Beispiel f&uuml;r die Verhandlungen &uuml;ber Handelsabkommen ist das Strategiepapier &bdquo;<strong>Global Europe &ndash; Competing in the World<\/strong>&ldquo; von Oktober 2006. Damit schlug die EU eine Neuausrichtung der gemeinsamen Handelspolitik ein, basierend auf die &Auml;nderung im Vertrag von Lissabon. Da die so genannten &bdquo;Singapur&ldquo;-Themen (Investitionen, Wettbewerb und &ouml;ffentliches Beschaffungswesen) in der Doha-Runde der Welthandelsorganisation (WTO) von den Entwicklungsl&auml;ndern abgelehnt wurden, ben&ouml;tigt die EU eine eigene Strategie, um die Anspr&uuml;che der europ&auml;ischen Exportwirtschaft &ndash; statt &uuml;ber eine internationale Abmachung der WTO &ndash; praktisch durch die Hintert&uuml;r, in Form von bilateralen Vertr&auml;gen, doch noch durchzusetzen.<\/p><p>Global Europe umfasst die &Ouml;ffnung der Dienstleistungsm&auml;rkte, den Abbau nicht-tarif&auml;rer Handelshemmnisse, den ungehinderten und gesicherten Zugang der EU-Mitgliedstaaten zu Energie- und Rohstoffen, die Liberalisierung &ouml;ffentlicher Beschaffungsm&auml;rkte, den Schutz der Eigentumsrechte (einschlie&szlig;lich der Patente) und absolute Investitionsfreiheit zur Schaffung eines g&uuml;nstigen Investitionsklimas. Armutsbek&auml;mpfung, die Sicherung sozialer Standards oder verpflichtende Standards f&uuml;r die Industrie im Umwelt- und Klimaschutz sowie der Erhalt bzw. der  Ausbau der Arbeitnehmerrechte werden nicht behandelt. Hingegen kommt den nicht-tarif&auml;ren Handelshemmnissen gro&szlig;e Bedeutung zu. Wirtschafts- und Au&szlig;enpolitik fusionieren damit praktisch zu einer Gesamtstrategie. Global Europe ist der  au&szlig;enpolitische Bestandteil der Lissabon-Strategie. Wie innerhalb Europas, geht es bei Global Europe um die weitere Liberalisierung des internationalen Handels, um die M&auml;rkte der betreffenden L&auml;nder f&uuml;r europ&auml;ische Unternehmen zu &ouml;ffnen. Begr&uuml;ndet wird dieses Ziel mit der Wahrung der Interessen und Chancen der EU in der globalisierten Welt. Der in der &Ouml;ffentlichkeit wenig bekannte, in Br&uuml;ssel w&ouml;chentlich tagende 133er-Ausschuss f&uuml;r Handelspolitik (jetzt Trade Policy Committee (TPC)) ber&uuml;cksichtigte bei der Ausarbeitung aus nahe liegenden Gr&uuml;nden vor allem die Interessen der Wirtschaft. Die Omnipr&auml;senz der Br&uuml;sseler Lobbyisten kommt im Inhalt des Papiers un&uuml;bersehbar zum Ausdruck. In Zusammenhang mit Global Europe m&uuml;ssen auch die EPAs (Economic Partnership Agreements) mit den AKP-Staaten (Afrika-Karibik-Pazifik) gesehen werden. Die AKP-Staaten sollen ihre M&auml;rkte st&auml;rker f&uuml;r die Wirtschaft der EU &ouml;ffnen und im Gegenzug mit Hilfe von <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2839\">&bdquo;Zollpr&auml;ferenzen&ldquo; Zugang zu europ&auml;ischen M&auml;rkten erhalten<\/a>.<\/p><p><strong>Lobbyismus und TTIP<\/strong><\/p><p>Ein wesentliches Merkmal der immer neoliberaler werdenden EU ist der sich st&auml;ndig ausdehnende Lobbyismus auf allen Ebenen. Ebenso wie bei der Global-Europe-Strategie, ist die Omnipr&auml;senz der Br&uuml;sseler Lobbyisten auch bei den TTIP-Verhandlungen deutlich erkennbar. Ma&szlig;geblich an den Verhandlungen beteiligt ist das TABD. <strong>Das Transatlantische Dialogb&uuml;ndnis (TABD)<\/strong> ist ein Lobbynetzwerk, das sich die Einflussnahme auf die Au&szlig;enhandelspolitik der EU, der USA und der Welthandelsorganisation WTO zum Ziel gesetzt hat. Im TABD sind die Vertreter Transnationaler Konzerne aus USA und EU vertreten, dazu geh&ouml;ren u.a. Nokia, PriceWaterhouseCoopers, Bertelsmann, Dow Chemical, Deutsche Telekom, IBM, UPS, Bayer, Hoffmann La Roche, Glaxo Wellcome, Ford, Monsanto, Siemens, Unilever. Ziel des Dialogs ist es, den Handel beschr&auml;nkende Hindernisse zu beseitigen und die Au&szlig;enhandelspolitik der EU, der USA und der WTO zu beeinflussen. Das TABD umfasst Arbeitsgruppen, in denen u.a. &uuml;ber Zertifizierung, Regulierung und Handelsliberalisierung gesprochen wird. Die Amsterdamer Nichtregierungsorganisation CEO hat recherchiert, dass bis zu 80% der TABD-Empfehlungen von der EU-Kommission und der US-Regierung aufgenommen und in nationale Politik umgesetzt wurden. Um den Abbau nicht-tarif&auml;rer Handelshemmnisse anzuschieben, wurde im Jahr 2011 ein Beratergremium, dem u.a. BusinessEurope und die Bertelsmann Stiftung angeh&ouml;ren, eine <strong>High-Level Working Group on Jobs and Growth (RGIT)<\/strong> eingerichtet. Der Endbericht der RGIT zur High-Level-Working Group kann <a href=\"http:\/\/trade.ec.europa.eu\/doclib\/docs\/2013\/february\/tradoc_150519.pdf\">hier [PDF &ndash; 41.4 KB]<\/a> nachgelesen werden. <\/p><p>Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) setzt sich, eigenen Angaben zufolge, in Berlin, Br&uuml;ssel und Washington f&uuml;r eine st&auml;rkere transatlantische Wirtschaftsintegration ein. Die strategische Ausrichtung der USA-Arbeit des BDI wird vom <a href=\"http:\/\/www.bdi.eu\/download_content\/GlobalisierungMaerkteUndHandel\/Mitglieder_US_Board_Maerz_2013.pdf\">BDI-US-Board [PDF &ndash; 127 KB]<\/a> der deutschen Industrie bestimmt, in dem CEOs, Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer und Vorstandsmitglieder aus ca. 40 Unternehmen vertreten sind. Das Board wird auf Arbeitsebene vom <a href=\"http:\/\/www.bdi.eu\/images_content\/GlobalisierungMaerkteUndHandel\/Mitglieder_Stand_November_2013%281%29.pdf\">&bdquo;BDI-Arbeitskreis USA&ldquo; [PDF &ndash; 92.6 KB]<\/a> unterst&uuml;tzt, der die Positionen des BDI im engen Dialog mit den BDI-Mitgliedsverb&auml;nden erarbeitet. Der BDI ist durch die <a href=\"http:\/\/www.rgit-usa.com\/\">&raquo;Representative of German Industry and Trade&laquo;<\/a> auch in Washington in <a href=\"http:\/\/www.bdi.eu\/BDI-USA-Initiative2214.htm\">st&auml;ndigem Austausch mit politischen Entscheidungstr&auml;gern<\/a>.<\/p><p>Die deutsche Wirtschaftslobby fordert eine tiefgehende und umfassende bilaterale Initiative f&uuml;r den transatlantischen Handel in folgenden Bereichen: Z&ouml;lle, nicht-tarif&auml;re Handelshemmnisse, Dienstleistungen, Investitionen, &ouml;ffentliche Vergabe, Geistiges Eigentum sowie Arbeitnehmerentsendung. H&ouml;chste Priorit&auml;t der Arbeitsgruppe ist die Harmonisierung von Standards und anderen Vorschriften in der EU und den USA. Die vollst&auml;ndige Stellungnahme <a href=\"http:\/\/www.rgit-usa.com\/fileadmin\/ahk_rgitusa\/media\/pdf\/2012\/Docket_USTR-2012-0001_RGIT.pdf\">hier [PDF &ndash; 948 KB]<\/a>.<\/p><p>Eine weitere Lobbygruppe, die massiv Einfluss auf die Ausarbeitung des Freihandelsabkommen TTIP hat, ist die schon oben erw&auml;hnte Lobbyorganisation <strong>BusinessEurope, BE<\/strong>, sie konzentriert sich auf die &bdquo;Reform&ldquo; des Wohlfahrtstaates, auf Wachstum und Arbeitspl&auml;tze, die Vollendung des gemeinsamen Marktes und die Bek&auml;mpfung des nationalen Protektionismus. Es ist eine der gr&ouml;&szlig;ten Lobbyorganisationen, sie besteht seit 1949 und nannte sich bis zum 23. Januar 2007 <strong>Union of Industrial and Employers&rsquo; Confederation of Europe (UNICE)<\/strong>. Die Organisation besteht eigenen Angaben zu Folge aus 41 Mitgliedsverb&auml;nden in 35 L&auml;ndern. Sie arbeitet an Gesetzesentw&uuml;rfen und EU-Programmen mit und ist eng verbunden mit dem European Round Table of Industrialists (ERT). Aus Deutschland sind der Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI) und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverb&auml;nde e.V. (BDA) in BE vertreten.<\/p><p>Den Verhandlungen f&uuml;r das Freihandelsabkommen TTIP sind etliche transatlantische Dialogforen vorausgegangen, die in unterschiedlichem Ma&szlig;e aktiv und an den Strukturen der Zusammenarbeit EU-USA beteiligt waren und teilweise noch sind. Ein eng geflochtenes Netz aus Konsultations- und Kooperationsmechanismen soll das Freihandelsabkommen auf den Weg bringen. Treibende Kraft hinter den Verhandlungen sind transnational agierende Konzerne, denen die bisherigen Vertr&auml;ge nicht weit genug gehen. Zu Beginn stand die am 23. November 1990 von EU und USA verabschiedete  Transatlantische Erkl&auml;rung (Transatlantic Declaration). Der damalige US-Pr&auml;sident George Bush sen. handelte die Agenda f&uuml;r die <strong>Transatlantische Erkl&auml;rung<\/strong> aus, mit welcher die <a href=\"http:\/\/eeas.europa.eu\/us\/docs\/trans_declaration_90_en.pdf\">Zusammenarbeit auf verschiedenen Gebieten gest&auml;rkt werden sollte [PDF &ndash; 33.2 KB]<\/a>.<\/p><p>1992 wurde das <strong>Transatlantic Policy Network (TPN)<\/strong> ins Leben gerufen. Mit Veranstaltungen und Publikationen konzentriert sich das TPN, eigenen Angaben zufolge, auf die transatlantische Partnerschaft und die F&ouml;rderung der F&uuml;hrungsrolle in der Weltwirtschaft. Das TPN ist eine Lobbyorganisation gro&szlig;er europ&auml;ischer und US-amerikanischer Unternehmen und wirtschaftsnaher Netzwerke, die durch die Einbindung von europ&auml;ischen und US-amerikanischen Politikern die transatlantische Politik im Sinne ihrer wirtschaftlichen Interessen beeinflusst. Im <a href=\"http:\/\/www.tpnonline.org\/\">TPN<\/a> versammeln sich Gro&szlig;unternehmen, darunter Bertelsmann, Boeing, Dow-Chemical, JP Morgan, Nestl&eacute;, Daimler AG, Deutsche Bank oder Microsoft und &uuml;ber <a href=\"http:\/\/www.tpnonline.org\/organisation\/eu-parliamentary-group\/\">Hundert Abgeordnete des US- Kongresses und des Europaparlaments<\/a>, dar&uuml;ber hinaus <a href=\"http:\/\/www.tpnonline.org\/organisation\/cooperating-institutions\/\">Think Tanks, Handelskammern und Arbeitgeberverb&auml;nde<\/a>. Es versteht sich als Netzwerk seiner vielen Mitglieder. Das TPN setzt sich momentan <a href=\"https:\/\/lobbypedia.de\/wiki\/Transatlantic_Policy_Network\">intensiv f&uuml;r das geplante Freihandelsabkommens TTIP ein<\/a>.<\/p><p>1994 begannen im Rahmen des Transatlantischen Wirtschaftsdialogs (TABD), die Verhandlungen zur <strong>New Transatlantic Agenda, Neue Transatlantische Agenda (NTA)<\/strong>. Am 3. Dezember 1995 auf dem EU-US-Gipfel in Madrid unterzeichneten der Pr&auml;sident der EU-Kommission, Santer, der spanische Ministerpr&auml;sident  Gonz&aacute;lez und US-Pr&auml;sident Clinton die NTA, welche die Transatlantische Erkl&auml;rung von 1990 ersetzte. Zentraler Bestandteil der NTA ist die Schaffung eines neuen transatlantischen Marktplatzes, des <strong>New Transatlantic Marketplace (NTM)<\/strong>. Dieser hatte zum Ziel, bis zum Jahr 2010 alle verbleibenden Schranken bei Handel und Dienstleistungen und alle Z&ouml;lle auf Waren zu beseitigen. Die technischen und nicht-tarif&auml;ren Handelshemmnisse sollten durch Harmonisierung und die gegenseitige Anerkennung von Standards und Grenzen &uuml;berwunden werden. &Ouml;ffentliche Ausschreibungen, geistiges Eigentum und alle Investitionen sollten v&ouml;llig liberalisiert werden und ein transatlantischer Schlichtungsmechanismus die Deregulierung im Streitfall erzwingen.  Der NTM sollte nach dem Vorbild der NAFTA, dem Freihandelsabkommen zwischen Kanada, USA und Mexiko, eingef&uuml;hrt werden. Innerhalb der EU sprach sich vor allem die damalige franz&ouml;sische Regierung gegen den NTM aus.<\/p><p>Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz des EU-USA-Gipfeltreffens in London im Mai 1998 verk&uuml;ndete der damalige britische Premierminister Tony Blair die Geburt einer weiteren Partnerschaft, der <strong>New Transatlantic Economic Partnership (TEP)<\/strong> zur Intensivierung und Erweiterung der multilateralen und bilateralen Zusammenarbeit in den Bereichen Handel und Investitionen. TEP war das Ergebnis intensiver und ausf&uuml;hrlicher Gespr&auml;che zwischen der US-Regierung und der Europ&auml;ischen Kommission. Der <strong>New Transatlantic Marketplace Vertrag (NTM)<\/strong> wurde ab diesem Zeitpunkt als <strong>New Transatlantic Economic Partnership (TEP)<\/strong> weiterverhandelt.<\/p><p>Am 30. April 2007 wurde die <a href=\"http:\/\/www.g-8.de\/Content\/DE\/Artikel\/2007\/04\/Anlagen\/2007-04-30-wirtschaftsintegration,property=publicationFile.pdf\"><strong>Rahmenvereinbarung zur Vertiefung der transatlantischen Wirtschaftsintegration<\/strong> [PDF &ndash; 107 KB]<\/a>  zwischen der Europ&auml;ischen Union und den USA unterzeichnet. Der daraufhin auf Initiative von Bundeskanzlerin Merkel, EU-Pr&auml;sident Barroso und US-Pr&auml;sident Bush auf dem Transatlantischen Gipfel am 30. April 2007 ins Leben gerufene <strong>Transatlantische Wirtschaftsrat Transatlantic Economic Council (TEC)<\/strong> befasst sich mit dem Abbau von Handelshemmnissen (Abbau regulatorischer Lasten) und fokussiert sich auf die Realisierung eines transatlantischen Wirtschaftsraums. BDI-Vizepr&auml;sident J&uuml;rgen Thumann nimmt als Vorsitzender des TABD und zugleich als Pr&auml;sident des europ&auml;ischen Wirtschaftsverbandes BusinessEurope von europ&auml;ischer Seite an Treffen des TEC teil. Im Rahmen des TEC wurde das bereits erw&auml;hnte Beratergremium <strong>High-Level Working Group on Jobs and Growth (RGIT)<\/strong> eingerichtet.<\/p><p>Das sind l&auml;ngst nicht alle Lobbyorganisationen, die ihren Einfluss auf die europ&auml;ische Wirtschaftspolitik geltend machen. Zwei enorm einflussreiche Lobbyverb&auml;nde w&auml;ren noch zu nennen, die gesamte Palette w&uuml;rde den Rahmen sprengen: Das <strong>European Services Forum (ESF)<\/strong>, ihm geh&ouml;ren 47 der gr&ouml;&szlig;ten europ&auml;ischen Konzerne und 35 europ&auml;ische Dachverb&auml;nde aus Versicherungen, Banken, Unternehmen des Dienstleistungssektors an. Das ESF hat sich zum Ziel gemacht, die Interessen des europ&auml;ischen Dienstleistungssektors und die Liberalisierung der Dienstleistungsm&auml;rkte in der ganzen Welt in Verbindung mit den GATS-Verhandlungen und mit den regionalen und bilateralen Handels-Verhandlungen, voranzutreiben. Auch die <strong>International Chamber of Commerce (ICC)<\/strong>, die 1500 Wirtschaftsorganisationen und mehr als 5000 internationale Unternehmen vertritt, darunter 50 Gro&szlig;konzerne (u.a. Coca-Cola, Goldman Sachs, McDonald&rsquo;s, Rio Tinto Zinc und Unilever), hat ihren Einfluss geltend gemacht.<\/p><p>Neben diesen vor allem wirtschaftsnahen Lobbyorganisationen gibt es eine gro&szlig;e Anzahl von politischen Zirkeln, in denen Netzwerke geflochten werden. Im Verh&auml;ltnis  zwischen USA  und Deutschland w&auml;re da u.a. die &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.atlantik-bruecke.org\/programme\/arbeits-und-regionalgruppen\/regionalgruppen\/rg-rhein-ruhr-karel-de-gucht\/\">Atlantik-Br&uuml;cke<\/a>&ldquo; zu nennen. <\/p><p><strong>Das TTIP als Zwischenschritt<\/strong><\/p><p>Das momentan verhandelte TTIP ist also nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zu einer weltweiten grenzenlosen Bewegungsfreiheit f&uuml;r Investoren und Handelsfreiheit f&uuml;r internationale Konzerne ohne hemmende Einflussm&ouml;glichkeiten. Die Europ&auml;ische Union wurde nach dem Willen der Wirtschaft peu &agrave; peu umgebaut und in eine neoliberale Richtung gelenkt. Es sollen immer noch g&uuml;nstigere Rahmenbedingungen f&uuml;r die Wirtschaft geschaffen werden. Strickmuster und Sto&szlig;richtung sind im Prinzip immer gleich. M&auml;chtige Lobbyverb&auml;nde &uuml;ben Einfluss auf supranationale Organe um ihre Forderungen durchzudr&uuml;cken und soziale Errungenschaften und demokratische Rechte zu schleifen. Der Einfluss von Lobbyorganisationen auf nationaler und EU-Ebene ist gravierend, er hebelt die Demokratie aus, denn die Macht geht dann nicht mehr vom Volke aus sondern von der Wirtschaft. Es ist ein Systemfehler, der behoben werden muss, sonst wird das Volk in die Rolle des Zuschauers man&ouml;vriert. Letztendlich spielt es schon heute keine Rolle mehr, welche Partei regiert. Real regiert die Wirtschaft aufgrund ihrer Macht im Hintergrund und durch das Netzwerk ihrer Lobbyorganisationen.<\/p><p>Auch das Freihandelsabkommen TTIP hat massive Auswirkungen auf die europ&auml;ische Demokratie. Bundestag und Bundesrat m&uuml;ssen nur dem Freihandelsabkommen TTIP zustimmen, um sich im Bereich der Wirtschaftspolitik weitgehend selbst zu entmachten. Neue Tendenz der EU-Politik ist es, Kompetenzen und Gestaltungsmacht auf EU-Ebene zu verlagern und damit nationale Parlamente aus diesen Bereichen auszuschalten. Wenn nach diesem Verfahren das TTIP  ratifiziert ist, darf es nicht mehr ver&auml;ndert werden, es wird praktisch in Stein gemei&szlig;elt. &Auml;nderungen w&auml;ren dann nur mit Zustimmung aller Beteiligten m&ouml;glich, und die kann man praktisch ausschlie&szlig;en. Auch ein neues Parlament, selbst nach Neuwahlen, d&uuml;rfte dann von den ratifizierten Vertr&auml;gen nicht mehr abweichen. So entmachten sich nationale Parlamente f&uuml;r alle Zeiten und bleiben festgezurrt in einem System, das keine Spielr&auml;ume f&uuml;r eigene Entscheidungen zul&auml;sst. Die Demokratie ist ad absurdum gef&uuml;hrt und die Bev&ouml;lkerung wird von einer Wirtschaftsdiktatur regiert.<\/p><p>(<a href=\"http:\/\/www.bundestag.de\/dokumente\/textarchiv\/2014\/49553317_kw08_pa_umwelt\/index.html\">Hier<\/a> noch ein interessanter Link zu einer Anh&ouml;rung im Bundestag zu TTIP)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das geplante Freihandelsabkommen &bdquo;Transatlantic Trade and Investment Partnership&ldquo; (TTIP) ist nur die Fortsetzung einer schon jahrzehntelang betriebenen, massiven Liberalisierungs-, Deregulierungs- und Privatisierungspolitik innerhalb Deutschlands und der Europ&auml;ischen Union sowie dar&uuml;ber hinaus. 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