{"id":21077,"date":"2014-03-12T17:03:39","date_gmt":"2014-03-12T16:03:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21077"},"modified":"2015-10-20T11:50:45","modified_gmt":"2015-10-20T09:50:45","slug":"kriegsgefahr-jedenfalls-haben-wir-den-aufbau-der-neuen-konfrontation-west-ost-verschlafen-friedensbewegung-wo-bist-du-geblieben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21077","title":{"rendered":"Kriegsgefahr? Jedenfalls haben wir den Aufbau der neuen Konfrontation West-Ost verschlafen. Friedensbewegung &#8211; wo bist Du geblieben?"},"content":{"rendered":"<p>Seit meinem Beitrag vom 4. M&auml;rz &uuml;ber die Notwendigkeit, von der <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=20943\">Konfrontation zur europ&auml;ischen Friedensordnung zu kommen<\/a>, habe ich die &ouml;ffentliche Debatte beobachtet und mit vielen Menschen, die mir nahe stehen, gesprochen. Darunter gibt es erstaunlich viele, die meine und anderer Menschen Sorgen und &Auml;ngste nicht nachvollziehen k&ouml;nnen. Sie sind an Milit&auml;reins&auml;tze gew&ouml;hnt, sie haben zum Beispiel den Aufbau des Raketenschilds der USA in Polen als nicht besonders aufregend akzeptiert, und regen sich deshalb auch nicht &uuml;ber die Verlegung einer Flugzeugstaffel der USA nach Polen auf. So wie die meisten von uns das Heranr&uuml;cken der NATO an die Grenzen Russlands mit einem m&uuml;den L&auml;cheln quittierten. Und auch die systematische Pflege eines neuen Feindbilds &bdquo;Die Russen&ldquo;, festgemacht an der Person Putin, hat die Reste der Friedensbewegung, so es solche gibt, nicht auf den Plan gerufen. Die Kriegsgefahr und die existenzbedrohenden Seiten eines Krieges, sieht die Mehrheit wohl nicht. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4320\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-21077-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140413_Kriegsgefahr_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140413_Kriegsgefahr_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140413_Kriegsgefahr_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140413_Kriegsgefahr_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=21077-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140413_Kriegsgefahr_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"140413_Kriegsgefahr_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Die Gefahr und die Gef&auml;hrlichkeit eines Krieges?<\/strong><\/p><p>Im Beitrag vom 4. M&auml;rz hatte ich einen Unterschied zur Auffassung Egon Bahrs festgestellt. Der Schreiber eines Leserbriefes fand meine Formulierung zu kritisch. Dazu merke ich gerne an, dass Bahrs Wirken und Reden in der jetzigen Situation noch Gold wert ist im Vergleich zu den meisten anderen Einlassungen. Es ging mir doch nur um die Frage, ob wir dem Treiben zum Wiederaufbau einer Konfrontation gelassen zusehen k&ouml;nnen. Ich kann es nicht und m&ouml;chte noch einmal und erweitert begr&uuml;nden, warum Sorgen um die Bewahrung des Friedens angebracht sind und warum es h&ouml;chst angebracht ist, dass die Reste der alten Friedensbewegung zusammen mit einer neuen aufwachen.<\/p><p>Dreizehn Beobachtungen, die nahe legen, Gefahren f&uuml;r einen hei&szlig;en Krieg zu sehen:<\/p><ol>\n<li>Wir haben gelernt, dass Kriege gef&uuml;hrt werden k&ouml;nnen, dass sie als Fortsetzung der Au&szlig;enpolitik mit anderen Mitteln betrachtet werden. Noch vor 25 Jahren war das unvorstellbar. Die Bundeswehr hatte einen Verteidigungsauftrag. Au&szlig;erhalb des NATO-Bereichs hatte sie &ndash; und auch die NATO &ndash; nichts zu suchen. Inzwischen soll Milit&auml;r auch der Sicherung der Seewege und der wirtschaftlichen Interessen dienen, und selbstverst&auml;ndlich wird ihm eine Mission f&uuml;r Frieden und Menschenrechte angedichtet. Beim Kosovo-Krieg haben wir diese Sicht der Dinge einge&uuml;bt. Und dann sp&auml;ter in Afghanistan.<\/li>\n<li>Kriege dienen deutlich sichtbar der innenpolitischen Stabilisierung der Machthaber &ndash; so zu beobachten beim Falkland-Feldzug von Premierministerin Thatcher, beim Libyenfeldzug der Briten und Franzosen, beim ersten und zweiten Irak-Krieg der Amerikaner. Auch Putins H&auml;rte in der jetzigen Auseinandersetzung wird teilweise von innenpolitischen Stabilisierungserw&auml;gungen bestimmt.<\/li>\n<li>Kriege erscheinen vergleichsweise harmlos. Sie sind bisher in der Regel weit weg gewesen. Unsere Kinder und wir selbst haben die Gewalt mit zunehmender Kommerzialisierung der elektronischen Medien und der elektronischen Spiele einge&uuml;bt &ndash; auch mit elektronischen Waffen.<\/li>\n<li>Auf beiden Seiten gibt es Hardliner, die keine friedlichen Absichten haben. Im Westen, vor allem in den USA, sind religi&ouml;s bestimmte Kr&auml;fte stark. F&uuml;r sie steht ihre Auseinandersetzung mit dem sozialistischen Anti-Christ immer noch auf der Tagesordnung, auch wenn Russland nicht mehr von sozialistischen Ideologien und Gedanken gepr&auml;gt ist. Das macht nichts. Das alte Feindbild passt. Auch in Russland gibt es jene, die von der Wiederherstellung der Sowjetunion tr&auml;umen.<\/li>\n<li>Solche Kr&auml;fte sind f&auml;hig, der Eigendynamik eines Konfliktaufbaus Futter zu bieten &ndash; durch Intervention, durch selbst organisierte oder finanzierte Kommandoaktionen, durch Propaganda und De-Stabilisierung.<\/li>\n<li>Es gibt im heutigen Westen viele einzelne Personen, Gruppen und V&ouml;lker, die Rechnungen mit den Russen offen haben. Genauer m&uuml;sste man sagen: die meinen, Rechnungen mit den Russen offen zu haben. Das gilt bei uns f&uuml;r einen Teil der so genannten B&uuml;rgerrechtsbewegung und viele andere in der ehemaligen DDR. Namentlich ist in diesem Zusammenhang Bundespr&auml;sident Gauck zu nennen, aber auch Werner Schulz von den Gr&uuml;nen. Sie reden f&uuml;r das Gute, f&uuml;r die Freiheit, f&uuml;r den Kampf f&uuml;r Menschenrechte in den ehemaligen Ostblockstaaten. Und je lauter sie reden, umso schweigsamer werden jene echten B&uuml;rgerrechtler, die zugleich Teil der Friedensbewegung waren. Konkret und beispielhaft: Werner Schulz &uuml;bert&ouml;nt Friedrich Schorlemmer und alle anderen, die &bdquo;Schwerter zu Pflugscharen&ldquo; umschmieden wollten und erfolgreich umgeschmiedet haben. Ein Beispiel f&uuml;r die Argumentation von Werner Schulz siehe <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/russland-sanktionen-der-westen-muss-deutlicher-auftreten.694.de.html?dram:article_id=279270\">hier<\/a>.<\/li>\n<li>Russland ist umgeben von Staaten, deren F&uuml;hrungspersonal meist auch noch meint, Rechnungen mit Russland offen zu haben. Das gilt f&uuml;r die baltischen Staaten, f&uuml;r Polen, f&uuml;r Tschechien, f&uuml;r Georgien und f&uuml;r Teile der Ukraine. In den meisten Staaten gibt es radikale Kr&auml;fte und in den meisten dieser Staaten leben Russischst&auml;mmige mit der Mehrheit zusammen. Aus diesem Zusammenleben folgen mit weitergehender Konfrontation handfeste Konfliktm&ouml;glichkeiten. Und dieser Konfliktm&ouml;glichkeiten sind gepaart mit der Ausdehnung der NATO und damit mit der Gefahr, dass B&uuml;ndnisf&auml;lle eintreten, wir NATO-Partner also aufgerufen sind, bei solchen Konflikten Beistand zu leisten. Alleine dies ist eine bemerkenswerte Ver&auml;nderung zum Schlechteren.<\/li>\n<li>Jene Kr&auml;fte im Westen, die die Rohstoffe anderer L&auml;nder und auch das Eigentum von Unternehmen und die Infrastruktur in anderen L&auml;ndern, konkret in der Ukraine oder in Russland, ausbeuten wollen, sind m&auml;chtig, sie bestimmen die politische Willensbildung und die Entscheidungen weit &uuml;ber ihr in einer Demokratie angemessenes Ma&szlig; hinaus.<\/li>\n<li>Die Medien sind &uuml;ber weite Strecken eingespannt in den Aufbau der Konfrontation. Das gab es in den vierziger und f&uuml;nfziger Jahren und Anfang der Sechzigerjahre des letzten Jahrhunderts auch, aber dann folgte eine Periode beachtlicher Abr&uuml;stung der Sprache, des Tons und der Inhalte in den meisten Medien. Das ist vorbei.<\/li>\n<li>Auch eigentlich kritisch denkende Medienschaffende und vor allem Teile des kritischen B&uuml;rgertums sind als Mahner vor der Eskalation und vor kriegerischen Handlungen ausgeschieden. Bei meinen Gespr&auml;chen in diesen Kreisen muss ich feststellen, dass die Anti-Putin-Agitation und der Hinweis auf die Verletzung der Menschenrechte im Osten ziehen. Dies kombiniert mit einer Verkl&auml;rung der Verh&auml;ltnisse im Westen, macht auch diese eigentlich kritischen Kreise anf&auml;llig f&uuml;r die Unterscheidung &bdquo;Hier der gute Westen, dort der Osten und die Russen&ldquo;.<\/li>\n<li>Die Generation der heute 30-50-j&auml;hrigen ist beachtlich entpolitisiert und der allgemein &uuml;blichen Propaganda erlegen. Die Tr&auml;ger der fr&uuml;heren Friedensbewegung und der Studentenbewegung haben es nicht geschafft, ihre Aufmerksamkeit und ihre Wachsamkeit und ihren kritischen Verstand und ihr Interesse am Allgemeinwohl und vor allem am Frieden an die n&auml;chste Generation weiterzuvermitteln. Damit will ich keinesfalls sagen, dass diese mittlere Generation nicht am Frieden und nicht am Gemeinwohl und an Mitmenschlichkeit interessiert sei, im Gegenteil. Aber es fehlt das Bewusstsein f&uuml;r die Gef&auml;hrdung dieser wunderbaren Welt.<\/li>\n<li>Je schlimmer die inneren Verh&auml;ltnisse im Westen sind, umso attraktiver ist der Aufbau des Feindbilds des B&ouml;sen im Osten.<\/li>\n<li>Die W&uuml;hlarbeit zur De-Stabilisierung von Staaten im Umfeld Russlands kann heute auf vielf&auml;ltige Weise organisiert und von professionellen PR-Strategien begleitet werden. An der De-Stabilisierung wird Geld verdient. Die PR-Strategen sind politisch einflussreich.<\/li>\n<\/ol><p>Man kann diese Ver&auml;nderungen f&uuml;r harmlos halten. Mir f&auml;llt das schwer. Deshalb dieser Text. Und die Konsequenz?<\/p><p><strong>Wir suchen nach der neuen Friedensbewegung.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit meinem Beitrag vom 4. M&auml;rz &uuml;ber die Notwendigkeit, von der <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=20943\">Konfrontation zur europ&auml;ischen Friedensordnung zu kommen<\/a>, habe ich die &ouml;ffentliche Debatte beobachtet und mit vielen Menschen, die mir nahe stehen, gesprochen. Darunter gibt es erstaunlich viele, die meine und anderer Menschen Sorgen und &Auml;ngste nicht nachvollziehen k&ouml;nnen. Sie sind an Milit&auml;reins&auml;tze gew&ouml;hnt, sie<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21077\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,169,107,170,171],"tags":[358,1120,466,259,1556],"class_list":["post-21077","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-friedenspolitik","category-militaereinsaetzekriege","tag-bundeswehr","tag-friedensbewegung","tag-nato","tag-russland","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21077","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=21077"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21077\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21091,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21077\/revisions\/21091"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=21077"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=21077"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=21077"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}