{"id":21121,"date":"2014-03-18T08:55:44","date_gmt":"2014-03-18T07:55:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21121"},"modified":"2015-10-20T13:21:29","modified_gmt":"2015-10-20T11:21:29","slug":"gedanken-ueber-die-maerchen-des-herrn-beise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21121","title":{"rendered":"Gedanken \u00fcber die M\u00e4rchen des Herrn Beise"},"content":{"rendered":"<p>Der Leiter der Wirtschaftsredaktion der S&uuml;ddeutschen Zeitung, Marc Beise, ereifert sich wieder <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/kontrollitis-und-gieriger-fiskus-kollateralschaden-im-fall-hoeness-1.1913209-2\">einmal gegen den &bdquo;Steuer- und Abgabenstaat&ldquo;<\/a>: dieser sei &bdquo;ma&szlig;los wie eh und je, ja er wird immer ma&szlig;loser. Steuern und Abgaben im internationalen Vergleich sind hoch, und sie bleiben hoch, trotz der guten Zeiten, die die Deutschen gerade erleben&ldquo;.  Anlass f&uuml;r diesen Beitrag ist die Verurteilung des nun mehr Ex-Bayernpr&auml;sidenten Hoene&szlig; zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren wegen der Hinterziehung von 28 Millionen Euro Steuern. Hoene&szlig; habe &ndash; so bedauert Beise &ndash; &bdquo;der Steuerdiskussion einen schlechten Dienst erwiesen. Bem&uuml;hungen um Steuerrechtsreformen sind desavouiert. Wer jetzt vor allem den ma&szlig;losen Staat gei&szlig;elt (und Hoene&szlig; war einer von denen, die das &ouml;ffentlich wirksam taten), steht im Verdacht, als wolle er von den Taten der &ndash; prominenten &ndash; Steuerstraft&auml;ter ablenken.&ldquo; Der Kollateralschaden sei, dass der &bdquo;Steuerstaat&ldquo; nicht erwischt worden sei. Von <strong>J&uuml;rgen Karl<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nVordergr&uuml;ndig gibt sich Beise gesetzestreu und missbilligt pflichtschuldigst Hoene&szlig;&rsquo; Verhalten. Aber nicht vor allem deshalb, weil dieser kriminell gehandelt hat, sondern deshalb, weil er den Focus der &ouml;ffentlichen Aufmerksamkeit auf das Thema Steuerhinterziehung gelenkt habe, statt auf den &bdquo;gefr&auml;&szlig;igen Staat&ldquo;. Dabei sympathisiert Beise ganz unverhohlen mit Sloterdijks &bdquo;prickelndem Gedankenspiel&ldquo; der Abschaffung der &bdquo;Zwangssteuern&ldquo;, einem Gedanken, der Hoene&szlig; gefallen haben d&uuml;rfte &ndash; wie Beise meint. Ja einem Gedanken, der ihm zur Rechtfertigung seines Steuerbetrugs gedient haben d&uuml;rfte. <\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Der gefr&auml;&szlig;ige Staat aber liefert damit den kleinen und gro&szlig;en Steuerverk&uuml;rzern immer neue Argument f&uuml;r ihr Tun: Dieser Staat, der euch so ausnimmt, geh&ouml;rt betrogen. Und dann greift der Staat noch h&auml;rter durch und fordert noch mehr fiskalischen Gehorsam, ein Teufelskreislauf&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>,<br>\nschreibt Beise.<\/p><p>Bei seinem Schimpfkanonade auf den &bdquo;ma&szlig;losen&ldquo; &bdquo;Steuer-  und Abgabenstaat&ldquo; kommt er &ndash; wie alle staatsabwehrenden, neoliberalen Apologeten &ndash; nicht ohne die &uuml;blichen L&uuml;gen und Verdrehungen in Sachen Steuern aus. Von einer best&auml;ndig steigenden Steuerlast, gerade f&uuml;r die Reichen und Wohlhabenden als auch f&uuml;r die Unternehmen, kann &ndash; sofern man keine ideologische Scheuklappen aufhat &ndash; keine Rede sein. Seit dem &ndash; noch unter Kohl g&uuml;ltigen Spitzensteuersatz von 53 Prozent gab es f&uuml;r die Steuerobergrenze nur einen Weg, und zwar den nach unten bis auf jene 42 Prozent der rot-gr&uuml;nen Koalition unter Schr&ouml;der. Das Gleiche gilt f&uuml;r die Unternehmenssteuern. Sieht man sich etwa die steuerliche Belastung des Gewinns von Kapitalgesellschaften an, also die K&ouml;rperschaftssteuer, versucht Beise sein Publikum auch hier in die Irre zu f&uuml;hren. Dieser Steuersatz liegt nach Angaben des Bundesfinanzministeriums in Deutschland nach der Senkung durch die erste Gro&szlig;e Koalition bei 15 Prozent, in Gro&szlig;britannien allerdings bei 24 Prozent und im Mutterland des Kapitalismus, den USA, sogar bei 35 Prozent. Wer da von &bdquo;im internationalen Vergleich&ldquo; hohen Steuern schreibt, versucht seine Leser zu t&auml;uschen.<\/p><p>Beise sollte eigentlich auch wissen, dass es f&uuml;r Einkommen aus Kapitalverm&ouml;gen keine progressive Besteuerung wie beim individuellen Einkommenssteuersatz gibt, sondern nur einen pauschalen Abgeltungssatz von 25%. Diesen f&uuml;r Hoene&szlig; und Co &auml;u&szlig;erst g&uuml;nstigen Steuersatz verschweigt Beise lieber und stellt daf&uuml;r den progressiven Einkommenssteuertarif in den Vordergrund. Und, dass ein gro&szlig;er Teil der Steuereinnahmen  aus indirekten Steuern resultiert, wie die Umsatz- bzw. Mehrwertsteuer, die bekannterma&szlig;en gerade Geringverdiener am st&auml;rksten belastet, spricht Beise ebenfalls nicht an. Genauso das daraus resultierende Faktum, dass die Abgabenlast f&uuml;r Wohlhabende in Deutschland, die ihr Einkommen eher aus Kapitaleink&uuml;nften beziehen, nicht besonders hoch ist &ndash; es wird weder eine Verm&ouml;genssteuer erhoben noch kann die Erbschaftssteuer ernsthaft als international hoch bezeichnet werden. Die Erbschaftssteuer wurde von der Gro&szlig;en Koalition so entsch&auml;rft, dass Erben von Familienbetrieben genauso wie Erben gro&szlig;er Aktienpakete von Dax-Konzernen praktisch kaum etwas an Steuern zahlen. Die steuerliche Belastung ist damit sogar niedriger als in den erzliberalen angels&auml;chsischen Steuerl&auml;ndern. Ebenso ist die Staatsquote, also der Anteil der Staatsausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP), entgegen der Meinungsmache von Beise, in den vergangenen 20 Jahren nicht gestiegen, sondern deutlich gesunken.<\/p><p>Kleiner Exkurs f&uuml;r die Leser der S&uuml;ddeutschen Zeitung:<br>\nDer Spitzensteuersatz in den USA zu Roosevelts Zeiten lag sogar bei 90 Prozent und die amerikanische Gesellschaft ist nicht zusammengebrochen. In Schweden liegt der Spitzensteuersatz bei 56,6 Prozent, in D&auml;nemark gar bei  59 Prozent und in diesen L&auml;ndern  herrschen weder Not und Elend, noch gibt es viele Steuerbetr&uuml;ger. <\/p><p>Der Beitrag von Beise ist ein klassisches Beispiel daf&uuml;r, wie das Sein das Bewusstsein bestimmt. Da schreibt ein Besserverdienender, der sich gut in die Gedankenwelt von Noch-besser-Verdienenden hineinversetzen kann, die den Staat nicht brauchen, weil sie alles privat bezahlen k&ouml;nnen und die sich am liebsten in der Rolle des Almosengebers vom gemeinen Volk hofieren lie&szlig;en. Eben genau wie Uli Hoene&szlig;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Leiter der Wirtschaftsredaktion der S&uuml;ddeutschen Zeitung, Marc Beise, ereifert sich wieder <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/kontrollitis-und-gieriger-fiskus-kollateralschaden-im-fall-hoeness-1.1913209-2\">einmal gegen den &bdquo;Steuer- und Abgabenstaat&ldquo;<\/a>: dieser sei &bdquo;ma&szlig;los wie eh und je, ja er wird immer ma&szlig;loser. Steuern und Abgaben im internationalen Vergleich sind hoch, und sie bleiben hoch, trotz der guten Zeiten, die die Deutschen gerade erleben&ldquo;. Anlass f&uuml;r diesen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21121\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,41,138,137,11],"tags":[1606,1488,417,279,1273,460,1207],"class_list":["post-21121","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-medienanalyse","category-steuerhinterziehungsteueroasensteuerflucht","category-steuern-und-abgaben","category-strategien-der-meinungsmache","tag-beise-marc","tag-hoeness-uli","tag-sloterdijk-peter","tag-spitzensteuersatz","tag-staatsquote","tag-sz","tag-unternehmenssteuer"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21121","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=21121"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21121\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21133,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21121\/revisions\/21133"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=21121"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=21121"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=21121"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}