{"id":21169,"date":"2014-03-24T14:59:40","date_gmt":"2014-03-24T13:59:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21169"},"modified":"2019-07-31T20:34:57","modified_gmt":"2019-07-31T18:34:57","slug":"100-tage-grosse-koalition-gestoerte-beziehung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21169","title":{"rendered":"100 Tage Gro\u00dfe Koalition \u2013 gest\u00f6rte Beziehung"},"content":{"rendered":"<p>Rundum zufrieden zeigt sich auch die Gro&szlig;e Koalition. Die Bundesregierung hat anl&auml;sslich ihres hundertt&auml;gigen Bestehens eigens ein Papier herausgegeben: &ldquo;<a href=\"http:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/Infodienst\/2014\/03\/2014-03-24-100-tage-grosse-koalition\/2014-03-21-100-tage-grosse-koalition.html\">Deutschlands Zukunft gestalten &ndash; 100 Tage Gro&szlig;e Koalition<\/a>&ldquo;. Das Koalitionspapier enth&auml;lt nun einen ganzen Strau&szlig; an Themen, mit denen die Bundesregierung versucht, sich und die ersten 100 Tage ihrer Amtszeit ins rechte Licht zu setzen. Alle genannten Themen haben dabei ihre Berechtigung. Weil aber einige, noch dazu zentrale Themen, wie die <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21143\">Rente<\/a> und der <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=20931\">Mindestlohn<\/a>, bereits in aller Breite rauf und runter diskutiert worden sind und weil mir drei Themen &ndash; Arbeitslosigkeit, Energiewende und Au&szlig;enpolitik &ndash; besonders akut erscheinen, soll das Koalitionspapier im Folgenden auf diese drei Themen gepr&uuml;ft und diskutiert werden. Von <strong>Thorsten Hild<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21169#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>].<br>\n<!--more--><\/p><p><strong>Prolog: Szenen einer Ehe, Krach nach au&szlig;en<\/strong><\/p><p>Stellen Sie sich einmal vor: Nach vier Jahren Trennung entscheiden Sie sich erneut mit Ihrem Partner zusammen zu leben, von dem Sie sich zuvor nach vierj&auml;hriger Beziehung getrennt hatten, weil Sie es einfach nicht l&auml;nger ertragen konnten, dass alle Verantwortung bei Ihnen abgeladen wurde, Sie den ganzen Haushalt schmei&szlig;en mussten, w&auml;hrend Ihr Partner dauernd mit Freunden in der Kneipe sa&szlig;, das von Ihnen sauer verdiente Geld ausgab und, anstatt einmal etwas f&uuml;r Sie zu tun,&nbsp;&uuml;ber soziale Gerechtigkeit wie die gro&szlig;e Politik &uuml;berhaupt diskutierte. <\/p><p>Um nun aber sicher zu gehen, dass&nbsp;dieses Mal&nbsp;alles anders kommt, verabreden Sie mit Ihrem Partner nach 100 Tagen eine erste Bilanz zu ziehen. Schnell jedoch ist die Sp&uuml;le wieder mit schmutzigem Geschirr gef&uuml;llt, obwohl Sie sich darauf verlassen haben, dass Ihr Partner den Abwasch &uuml;bernehmen w&uuml;rde. Der aber sitzt schon wieder in der Kneipe, diskutiert und haut Ihr Geld auf den Kopf. Doch eigentlich wird gar nicht richtig diskutiert. Denn die, die dort zusammen hocken, sind im Grundsatz alle einer Meinung; vor allem aber meinen sie, bereits alles zu wissen und sowieso alles richtig zu machen. Leider w&auml;scht sich auch die schmutzige W&auml;sche nicht von allein. <\/p><p>Als ob das nicht schon alles schlimm genug w&auml;re, f&auml;ngt Ihr Partner, wenn er denn einmal zu Hause ist, nun auch noch an, nach au&szlig;en, also die Nachbarn mit lauter Musik zu beschallen. Als diese sich dar&uuml;ber beschweren, entgegnet er ihnen, dass man ja dar&uuml;ber reden k&ouml;nne, die Musik aber m&uuml;sse dabei schon weiter schrillen, damit der Nachbar erkenne, dass er im Unrecht sei. Dass die gesamte Hausgemeinschaft so nach wenigen Tagen einem miteinander im Streit liegt, scheint Ihren Partner dabei nicht zu st&ouml;ren. Er wundert sich nur &uuml;ber die Aggressivit&auml;t, mit der ihm die Nachbarn im Hausflur&nbsp;begegnen. Sogar&nbsp;Ihre Wohnung haben sie bereits versucht&nbsp;zu besetzen.&nbsp;Und die Polizei war auch schon da. <\/p><p>Als nun 100 Tage ins Land gegangen sind, begeben Sie sich fast erleichtert ins Wohnzimmer, gespannt, was Ihr Partner Ihnen denn zu sagen habe. Mit Erstaunen m&uuml;ssen Sie feststellen, dass Ihr Partner mit allem rundum zufrieden ist. Sie sind so baff, dass es Ihnen erst einmal die Sprache verschl&auml;gt. Die finden Sie erst einige Tage sp&auml;ter wieder, als endlich auch Sie einmal Zeit haben, auszugehen und sich mit einer Freundin zu treffen. Als Sie ihr Ihr Leid zu klagen beginnen, unterbricht&nbsp;Sie diese aber schon nach wenigen S&auml;tzen und&nbsp;sagt ver&auml;rgert: &ldquo;Entschuldigung, aber das kommt mir alles ziemlich bekannt vor. Lass uns bitte das Thema wechseln!&rdquo; &ldquo;Aber wieso?&rdquo;, entgegnen Sie irritiert. &ldquo;Weil wir nach vier Jahren vielleicht wieder hier sitzen werden. Ich habe Dich gewarnt. Du aber hast ihn wieder gew&auml;hlt.&rdquo;<\/p><p><strong>100 Tage Gro&szlig;e Koalition<\/strong><\/p><p>Rundum zufrieden zeigt sich auch die Gro&szlig;e Koalition. Die Bundesregierung hat anl&auml;sslich ihres hundertt&auml;gigen Bestehens eigens ein Papier herausgegeben: &ldquo;<a href=\"http:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/Infodienst\/2014\/03\/2014-03-24-100-tage-grosse-koalition\/2014-03-21-100-tage-grosse-koalition.html\">Deutschlands Zukunft gestalten &ndash; 100 Tage Gro&szlig;e Koalition<\/a>&ldquo;. Und ich k&ouml;nnte mir gut vorstellen, dass es der einen W&auml;hlerin oder dem anderen W&auml;hler beim Lesen dieses Koalitionspapiers ein bisschen so geht, wie in der oben erz&auml;hlten, selbstverst&auml;ndlich v&ouml;llig losgel&ouml;st von diesem gro&szlig;en politischen Ereignis frei erfundenen Geschichte. Noch mehr aber d&uuml;rfte dies f&uuml;r SPD-Mitglieder gelten, denen der&nbsp;SPD-Vorsitzende und Bundesminister f&uuml;r Wirtschaft und Energie ebenfalls eigens zu diesem Anlass einen <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/140323_mitgliederbrief.pdf\">Mitgliederbrief geschrieben hat [PDF &ndash; 61 KB]<\/a>.<\/p><p>Unstrittig ist denke ich&nbsp;die Einsicht, dass, wer die Zukunft gestalten m&ouml;chte, zumindest die Gegenwart verstehen muss. Werden die gegenw&auml;rtigen Probleme erkannt und richtig eingeordnet, ist der erste Grundstein daf&uuml;r gelegt, diese aus der Welt zu schaffen und so eine problemlosere Zukunft zu erm&ouml;glichen. Dasselbe gilt f&uuml;r das Erkennen vorhandener Potenziale und deren sinnvolle Nutzung. <\/p><p>Das Koalitionspapier enth&auml;lt nun einen ganzen Strau&szlig; an Themen, mit denen die Bundesregierung versucht, sich und die ersten 100 Tage ihrer Amtszeit ins rechte Licht zu setzen. Alle genannten Themen haben dabei ihre Berechtigung. Weil aber einige, noch dazu zentrale Themen, wie die Rente und der Mindestlohn, bereits in aller Breite rauf und runter diskutiert worden sind, zumindest f&uuml;r die Leserinnen und Leser, die sich nicht allein auf die so genannten Leitmedien verlassen, und weil mir drei Themen &ndash; Arbeitslosigkeit, Energiewende und Au&szlig;enpolitik &ndash; besonders akut erscheinen, soll das Koalitionspapier im Folgenden auf diese drei Themen gepr&uuml;ft und diskutiert werden.<\/p><p><strong>Arbeitslosigkeit kein Thema<\/strong><\/p><p>Um festzustellen, ob die Gro&szlig;e Koalition der Arbeitslosigkeit in Deutschland und in der Europ&auml;ischen W&auml;hrungsunion (EWU) Rechnung tr&auml;gt, bin ich in einem ersten Schritt, und ich gebe zu, ohne gro&szlig; dar&uuml;ber nachzudenken, ja, fast instinktiv, wie folgt vorgegangen: Ich habe in das Suchfeld der pdf.-Datei das Adjektiv arbeitslos eingegeben. Das Ergebnis: &ldquo;Dokument wurde durchsucht. Keine Treffer.&rdquo; So wusste ich bereits, noch bevor ich &uuml;berhaupt begonnen hatte den Text zu lesen, dass CDU\/CSU und SPD in 100 Tagen Gro&szlig;e Koalition das&nbsp;gr&ouml;&szlig;te wirtschafts- und sozialpolitische Problem in Deutschland und der EWU nicht ins Auge gefasst haben. Es ist daher auch nicht zu erwarten, dass sie es in absehbarer Zukunft gezielt einer L&ouml;sung zuf&uuml;hren.<br>\nWie aber l&auml;sst sich das erkl&auml;ren?<\/p><p><strong>Falsche Priorit&auml;tensetzung und falsches Verst&auml;ndnis von soliden Finanzen<\/strong><\/p><p>Punkt 1. des Koalitionspapiers gibt hierauf eine erste Antwort. Er hei&szlig;t: &ldquo;Solide Finanzen &ndash; stabiler Euro&rdquo;. Was die Parteien der Gro&szlig;en Koalition unter &ldquo;soliden Finanzen&rdquo; verstehen, haben sowohl CDU\/CSU gef&uuml;hrte wie SPD gef&uuml;hrte Bundesregierungen in der Vergangenheit gezeigt: ausgeglichene Staatshaushalte und das Ziel, zuk&uuml;nftig ohne jede Neuverschuldung auszukommen. CDU, CSU, FDP, SPD und B&uuml;ndnis 90\/Die Gr&uuml;nen haben dieser Sicht mit der so genannten Schuldenbremse sogar Verfassungsrang einger&auml;umt. <\/p><p>Dass unter &ldquo;soliden Finanzen&rdquo; auch etwas ganz anders verstanden werden kann, zeigt das folgende Beispiel: Ein Schulgeb&auml;ude dient nicht nur einer Generation, sondern vielen Generationen. Den Bau des Geb&auml;udes allein die gegenw&auml;rtige Generation bezahlen zu lassen, finanziert durch Steuern auf deren Einkommen, widerspricht daher kaufm&auml;nnisch soliden Grunds&auml;tzen, nach denen eine Investition entsprechend ihrer Lebensdauer finanziert wird. Letzteres wird in der Regel dadurch gew&auml;hrleistet, dass zur Finanzierung des Baus ein Kredit mit einer entsprechenden Laufzeit aufgenommen wird. Nach diesem kaufm&auml;nnischen Verst&auml;ndnis verpflichtet eine solide Finanzierung geradezu zur Aufnahme von Schulden. Wie relevant gerade dieses Beispiel f&uuml;r die unmittelbare wirtschaftspolitische Praxis ist, zeigen die enormen, milliardenschweren Investitionsr&uuml;ckst&auml;nde beim Erhalt der &ouml;ffentlichen Infrastruktur. <\/p><p>Weil die Regierungsparteien aber unter soliden Finanzen ausgeglichene Haushalte verstehen und, um nur ja bestehende Schulden abbauen zu k&ouml;nnen und zuk&uuml;nftig keine mehr aufnehmen zu m&uuml;ssen, keine angemessene Erh&ouml;hung der Ausgaben vornehmen wollen, wird diesen Investitionsr&uuml;ckst&auml;nden nur ungen&uuml;gend Rechnung getragen. Das zeigt wiederum das Papier der Gro&szlig;en Koalition. Darin hei&szlig;t es: &ldquo;Die Bundesregierung investiert ab 2014 mehr Geld in den Ausbau der Infrastruktur. Allein f&uuml;r Verkehrswege sind in den kommenden vier Jahren f&uuml;nf Milliarden Euro zus&auml;tzlich aus Bundesmitteln geplant. F&uuml;r St&auml;dtebauf&ouml;rderung gibt es ein Plus von 700 Millionen Euro.&rdquo; <\/p><p>Das aber sind gemessen an den bereits &uuml;ber Jahrzehnte aufgelaufenen Investitionsr&uuml;ckst&auml;nden geringe Betr&auml;ge. <a href=\"http:\/\/www.kommunen-in-nrw.de\/mitgliederbereich\/mitteilungen\/detailansicht\/dokument\/kfw-zum-kommunalen-investitionsrueckstand.html?cHash=08dcd3367a829745cb3edb46bddd7de5\">Laut KfW<\/a> bel&auml;uft sich allein der kommunale Investitionsr&uuml;ckstand auf &uuml;ber 128 Mrd. Euro. Diese Investitionsr&uuml;ckst&auml;nde sind wiederum Ergebnis jenes Verst&auml;ndnisses &ldquo;solider Staatsfinanzen&rdquo;, das in Deutschland&nbsp;f&uuml;r eine historisch niedrige &ouml;ffentliche Investitionsquote gesorgt hat, die auch deutlich unter dem Niveau der EWU insgesamt liegt. <\/p><p><em>Graphik: EWU &ndash; Deutschland: &Ouml;ffentliche Bruttoanlageinvestitionen in Prozent des Bruttoinlandsprodukts<\/em><\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/140324_ewu-deutschland-oeffentliche_bruttoanlageinvestitionen_in_prozent_des_bip-23-03-2014.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/140324_ewu-deutschland-oeffentliche_bruttoanlageinvestitionen_in_prozent_des_bip-23-03-2014_small.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p>W&uuml;rde stattdessen jener kaufm&auml;nnischen Vorstellung von &ldquo;soliden Finanzen&rdquo; gefolgt, w&uuml;rde sich dies zwingend nicht nur positiv auf die &Uuml;berwindung der Investitionsr&uuml;ckst&auml;nde auswirken, sondern auch auf den Abbau der Arbeitslosigkeit. Denn selbstverst&auml;ndlich gehen angemessen steigende Investitionen mit einer Zunahme der Besch&auml;ftigung einher. Da der Auftraggeber zudem der Staat w&auml;re, k&ouml;nnte er zugleich auf sozialvertr&auml;gliche Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnisse pochen. Wer aber, wie es im Papier der Gro&szlig;en Koalition hei&szlig;t, &ldquo;solide Staatsfinanzen&rdquo; als &ldquo;Kernanliegen&rdquo; begreift und darunter &ldquo;einen ausgeglichenen Haushalt&rdquo; versteht, verstellt sich von vornherein den Weg zur Bew&auml;ltigung auch nur der&nbsp;vorrangigsten Probleme und damit auch zur Gestaltung einer besseren Zukunft.<\/p><p>Das ist jedoch nicht der einzige Grund, weswegen CDU\/CSU und SPD das Problem der Arbeitslosigkeit nicht thematisieren. Das zeigt Punkt 2. im Koalitionspapier, der immerhin mit &ldquo;Wachstum, Vollbesch&auml;ftigung und gute Arbeit erreichen&rdquo; &uuml;berschrieben ist.<\/p><p><strong>In der heilen Welt der Gro&szlig;en Koalition ist f&uuml;r Arbeitslosigkeit kein Platz<\/strong><\/p><p>Wenn man allerdings die Ausf&uuml;hrungen darunter liest, k&ouml;nnte man meinen, dass die deutsche Wirtschaft boomt, und Vollbesch&auml;ftigung l&auml;ngst erreicht ist. Das prognostizierte Wirtschaftswachstum werde mit 1,8 Prozent im laufenden Jahr deutlich &uuml;ber dem Durchschnitt in der EWU liegen, hei&szlig;t es. Im Januar seien 300.000 Menschen mehr erwerbst&auml;tig gewesen als im Vorjahresmonat. Vom &ldquo;Kampf gegen Fachkr&auml;ftemangel&rdquo; ist die Rede. <\/p><p>Wenn die gro&szlig;e Koalition wenigstens an dieser Stelle den konjunkturellen Zusammenhang von Wirtschaftswachstum und Besch&auml;ftigung thematisiert h&auml;tte. Aber nein, damit w&uuml;rden ja die &ldquo;Reformen&rdquo; seit der Agenda 2010 ad absurdum gef&uuml;hrt, nach denen Arbeitslosigkeit ein &ldquo;strukturelles Problem&rdquo; ist. Was damals genauso verkehrt war wie heute.<\/p><p><em>Graphik Deutschland: Entwicklung des realen Bruttoinlandsprodukts und der Zahl der Erwerbst&auml;tigen, 1992-2013<\/em><\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/140324_bip_und_erwerbstaetigkeit-28-02-2014.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/140324_bip_und_erwerbstaetigkeit-28-02-2014_small.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p>&Uuml;ber die Zahl der Arbeitslosen erf&auml;hrt der Leser genauso wenig wie &uuml;ber die Arbeitslosenquote, die immer noch&nbsp;deutlich &uuml;ber der Schwelle liegt, bei der, konservativ gemessen, gemeinhin von Vollbesch&auml;ftigung gesprochen wird: eine Arbeitslosenquote von drei Prozent. <\/p><p>Hierzu h&auml;lt die Bundesagentur f&uuml;r Arbeit in ihrem <a href=\"http:\/\/statistik.arbeitsagentur.de\/Statischer-Content\/Arbeitsmarktberichte\/Monatsbericht-Arbeits-Ausbildungsmarkt-Deutschland\/Monatsberichte\/Generische-Publikationen\/Monatsbericht-201402.pdf\">j&uuml;ngsten Monatsbericht [PDF &ndash; 1.8 MB]<\/a> fest: &ldquo;Die Arbeitslosenquote auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen belief sich im Februar auf 7,3 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr hat sie um 0,1 Prozentpunkte abgenommen. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote blieb unver&auml;ndert bei 6,8 Prozent. In Ostdeutschland war die nicht saisonbereinigte Quote mit 11,0 Prozent deutlich gr&ouml;&szlig;er als im Westen mit 6,4 Prozent.&rdquo; (S. 18)<\/p><p>Auch, dass, gemessen an der Differenz aus offenen Stellen und Arbeitssuchenden, kaum ein Fachkr&auml;ftemangel, sondern in praktisch allen Berufsgruppen ein Fachkr&auml;fte&uuml;berschuss herrscht, scheint die Gro&szlig;koalition&auml;re nicht nachdenklich zu stimmen. Sie haben es wahrscheinlich noch nicht einmal wahrgenommen oder von einem ihrer zahllosen St&auml;be untersuchen lassen. <\/p><p>Warum auch: die meisten Wirtschaftsforschungsinstitute sehen das schlie&szlig;lich&nbsp;genauso und die Arbeitgeberverb&auml;nde sowieso. Sie tun dies seit langem so nachhaltig, dass sie und die damit befassten Politiker wom&ouml;glich selbst daran glauben. Oder aber sie sehen die Situation doch realistisch, wollen aber in jedem Fall einen m&ouml;glichen Ausgleich von offenen Stellen und Arbeitslosen vermeiden; denn der k&ouml;nnte ja das Gef&uuml;ge am Arbeitsmarkt zu Lasten der Arbeitgeber verschieben und damit der Gef&uuml;gigkeit der Arbeitnehmer und mit ihr der &bdquo;Lohnzur&uuml;ckhaltung&ldquo; ein Ende setzen. Die Lohnentwicklung aber hat man doch gerade so durchschlagend wie&nbsp;m&uuml;hsam &uuml;ber die Agenda 2010 eingehegt. Und zwar erfolgreich aus Sicht der daf&uuml;r Verantwortlichen. In diesem Weltbild ist daher auch kein Platz, die Qualit&auml;t der Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnisse zu problematisieren.<br>\nDie steigende Erwerbst&auml;tigkeit seit Anfang der 1990er Jahre ist vor allem druch eine steigende Besch&auml;ftigung in Teilzeit und Nebenjobs und eine sinkende Besch&auml;ftigung in Vollzeit bestimmt. <\/p><p><em>Graphik Entwicklung der Besch&auml;ftigten nach Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnis<\/em><\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/140324_beschaeftigte_kumuliert.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/140324_beschaeftigte_kumuliert_small.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p>Denn diese Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnisse&nbsp;waren und sind ja ausdr&uuml;cklich erw&uuml;nscht. Dann schon lieber einen Mindestlohn von 8,50 Euro akzeptieren, der zwar nicht die Existenz sichert, der sich aber schon irgendwie als Fortschritt verkaufen lassen wird. Dauert ja schlie&szlig;lich auch noch &uuml;ber zwei Jahre, bis er fl&auml;chendeckend gelten wird. Dazu passt, dass der erst Ende Februar in das Arbeitnehmer-Entsendegesetz aufgenommene Mindestlohn f&uuml;r die Fleischindustrie mit&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.wirtschaftundgesellschaft.de\/2014\/02\/der-grose-mindestlohn-schmu\/\">7,75 Euro<\/a> noch deutlich unter den 8,50 Euro liegt. Vielleicht ahnte insbesondere die SPD, dass das bei ihren W&auml;hlerinnen und W&auml;hlern nicht gut ankommt, und deswegen wurde der Betrag im Koalitionspapier lieber nicht genannt. Dazu passt dann ebenfalls, dass sich die Bundesregierung zwar in einem eigenen Absatz um mehr Frauen in F&uuml;hrungspositionen in mitbestimmungspflichtigen und b&ouml;rsennotierten Unternehmen sorgt, nicht aber um die Kassiererin an der Supermarktkasse.<\/p><p>Auch jene Ausf&uuml;hrungen helfen zu verstehen, warum Arbeitslosigkeit f&uuml;r die Gro&szlig;koalition&auml;re kein Thema ist: Die beteiligten Politiker haben sich ganz offensichtlich so weit von der wirklichen Not vieler Menschen entfernt, dass sie nicht l&auml;nger in der Lage sind, diese wahrzunehmen und angemessen zu adressieren. Dabei m&uuml;sste Gabriel nur die Kommentare unter seinen Eintr&auml;gen lesen, die er regelm&auml;&szlig;ig auf seiner offiziellen facebook-Seite einstellt, und sie vor allem ernst nehmen: &ldquo;8,50 sollen zum Leben reichen? Und der Gabriel g&ouml;nnt sich das 100 fache als Di&auml;ten Erh&ouml;hung&rdquo;, &ldquo;8,50 reichen doch nie und nimmer und die &acute;S&acute;PD will ja noch zig Ausnahmen zulassen. Aber was erwartet man von einer Partei die mit der CDU in die Kiste steigt, Rente mit 67 beschlossen, Kriegseins&auml;tze gebilligt, Agenda 2010 eingef&uuml;hrt und Hartz IV beschlossen hat? Ihr seid schon l&auml;ngst nicht mehr glaubw&uuml;rdig und sozialdemokratisch gleich drei mal nicht!!&rdquo;, &ldquo;Es ist eine Frechheit, sich mit einen Mindestlohn von 8,50 Euro, als Meilenstein f&uuml;r eine soziale Marktwirtschaft zu br&uuml;sten, daran kann man sehen, dass sie jenseits von Gut und B&ouml;se leben. Wissen sie &uuml;berhaupt, was die 8,50 Euro f&uuml;r die Arbeitnehmer bedeuten?&hellip;&rdquo; Um nur die ersten der vielen hundert Kommentare unter diesem einen Eintrag zu zitieren (Quelle: <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sigmar.gabriel\/posts\/10203399340055322\">facebook<\/a>)<\/p><p>Zu jenem&nbsp;Selbstverst&auml;ndnis des Koalitionspapiers&nbsp;geh&ouml;ren auch S&auml;tze wie diese (kursive Hervorhebung, T.H.):<\/p><blockquote><p>\n<em>&ldquo;F&uuml;r das Jahr 2014 rechnet die Bundesregierung mit einer Zunahme des Bruttoinlandsprodukts um 1,8 Prozent. Das liegt deutlich &uuml;ber dem Durchschnitt des Euroraums.&rdquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Man fragt sich, ob hinter einer solchen Feststellung Skrupellosigkeit oder Dummheit steckt. Sie ist im &Uuml;brigen wohl auf Gabriels Mist gewachsen, denn im k&uuml;rzlich pr&auml;sentierten <a href=\"http:\/\/www.bmwi.de\/DE\/Mediathek\/publikationen,did=624768.html\">Jahreswirtschaftsbericht<\/a> hei&szlig;t es&nbsp;fast wortgleich: &ldquo;Das Wirtschaftswachstum in Deutschland liegt damit voraussichtlich abermals deutlich &uuml;ber dem Durchschnitt des Euroraums.&rdquo; <\/p><p>Zum einen blendet jener Vergleich aus, dass weite Teil des Euroraums in einer tiefen Depression stecken und damit den Durchschnitt nach unten ziehen. Im&nbsp;Laufe des Jahres 2013 ist das reale Bruttoinlandsprodukt in der EWU <a href=\"http:\/\/epp.eurostat.ec.europa.eu\/cache\/ITY_PUBLIC\/2-05032014-BP\/DE\/2-05032014-BP-DE.PDF\">um 0,5 Prozent gesunken [PDF &ndash; 387 KB]<\/a>. Zum anderen wird ausgeblendet, dass jene tiefe Depression Folge einer &ldquo;Krisenpolitik&rdquo; ist, die exakt jener oben aufgegriffenen Vorstellung von &ldquo;soliden Staatsfinanzen&rdquo; und Arbeitsmarkt-&ldquo;Reformen&rdquo; folgt. <\/p><p>Nicht nur, dass CDU\/CSU und SPD f&uuml;r diese Politik im Deutschen Bundestag gestimmt und nachdr&uuml;cklich auf deren Durchsetzung in den &ldquo;Krisenl&auml;ndern&rdquo; bestanden haben; die Durchsetzung dieser Politik im Rahmen der Agenda 2010 hat den Wettbewerbsdruck auf die anderen L&auml;nder in der EWU &uuml;berhaupt erst in dieser Form entstehen lassen. Schlie&szlig;lich war das Wachstum in Deutschland mit einer Null vor dem Komma in den vergangenen zwei Jahren ebenfalls kaum zu messen.<\/p><p>Bei einem solchen Verst&auml;ndnis von Wachstum, wie es die Bundesregierung ausdr&uuml;ckt, sind auch ihre folgenden Schlussfolgerungen nicht verwunderlich. Sie lassen allerdings am Verstand der Gro&szlig;en Koalition zweifeln und verzweifeln:<\/p><p>&ldquo;Die Politik der Bundesregierung zielt auf Wachstum und Besch&auml;ftigung in Europa. Das Konzept &acute;Hilfe nur gegen Strukturreformen und Haushaltskonsolidierung` ist aufgegangen: Die wirtschaftliche Erholung gewinnt an Boden. Irland und Spanien konnten die Hilfsprogramme erfolgreich abschlie&szlig;en. Wichtig sind nun mehr Investitionen f&uuml;r die Zukunft.&rdquo;<\/p><p>Wenn die Bundesregierung aber meint, sie w&uuml;rde auf Wachstum und Besch&auml;ftigung zielen, kann sie nicht gleichzeitig ihr erpresserisches Konzept f&uuml;r die &ldquo;Krisenl&auml;nder&rdquo; als Erfolg bezeichnen. Denn dieses Konzept hat das Gegenteil bewirkt: Depression und historisch hohe Arbeitslosigkeit. Weder Irland noch Spanien haben daran gemessen ihre &ldquo;Hilfsprogramme&rdquo; erfolgreich abschlie&szlig;en k&ouml;nnen. Darauf aber zielten die &ldquo;Hilfsprogramme&rdquo; ja auch gar nicht, sondern auf ausgeglichene Haushalte.&nbsp;Dann zu&nbsp;meinen, Investitionen seien &ldquo;nun mehr&rdquo; wichtig und nicht schon vorher wichtig gewesen, ist so dumm, dass man es nicht weiter kommentieren muss.<\/p><p>Wie &ldquo;gute Arbeit&rdquo; schlie&szlig;lich hierzulande verwirklicht werden soll, wenn man Langzeitarbeitslose vom Mindestlohn ausnimmt und Hartz IV nicht als Problem, sondern als L&ouml;sung begreift, und diesen Komplex daher gar nicht erst auf die Tagesordnung setzt, bleibt das Geheimnis der Gro&szlig;en Koalition. Es unterstreicht dar&uuml;ber hinaus, dass auch die wirklich Armen hierzulande bei der Gro&szlig;en Koalition kein Geh&ouml;r finden.<\/p><p><strong>Wenig Konkretes zur Energiewende, Kritik wird ignoriert<\/strong><\/p><p>In ihren Ausf&uuml;hrungen zur Energiewende hat die Gro&szlig;e Koalition keines der zahlreichen Konfliktfelder aufgegriffen, die nach Bekanntwerden des Eckpunktepapiers zur Reform des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) insbesondere von Vertretern der erneuerbaren Energien zur Sprache gebracht worden sind (siehe zum Beispiel&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.wirtschaftundgesellschaft.de\/2014\/03\/strompreisbremse-eeg-deform-oder-strompreisbremse-erneuerbare-energien\/\">hier<\/a>&nbsp;und <a href=\"http:\/\/www.wirtschaftundgesellschaft.de\/2014\/02\/finanzierung-der-vergutungslast-der-netzbetreiber-uber-den-strompreis-oder-steuerliche-vergutungslast-finanzierung-eine-replik-auf-das-gabriel-papier-von-gerhard-kilper-und-thilo-kilper\/\">hier<\/a>).<br>\nResistent gegen jedwede Einwende gibt sich die Gro&szlig;e Koalition auch in der Frage der Befreiung vieler Industriezweige von der EEG-Umlage, obwohl die EU-Kommission bereits ein Beihilfeverfahren dagegen eingeleitet hat. Anstatt dies zum Anlass zu nehmen, die eigene Vorgehensweise zu pr&uuml;fen, hat die Bundesregierung &ldquo;zur Wahrung des eigenen Rechtsstandpunkts&rdquo; Klage beim Europ&auml;ischen Gerichtshof eingereicht.<br>\nDer Rechtsstandpunkt ist aber nur die eine Seite der Medaille. Der &ouml;konomische, soziale und &ouml;kologische Standpunkt die andere Seite. Dass die Pr&uuml;fung der Wettbewerbsf&auml;higkeit erst gar nicht Voraussetzung f&uuml;r die Befreiung der Industrie von der EEG-Umlage ist, ficht die Bundesregierung dabei nicht an (siehe dazu <a href=\"http:\/\/www.wirtschaftundgesellschaft.de\/2014\/03\/strompreisbremse-eeg-deform-oder-strompreisbremse-erneuerbare-energien\/\">hier<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.wirtschaftundgesellschaft.de\/2014\/02\/eegausgleichsregelung-fur-die-industrie-bundesministerium-fur-wirtschaft-und-energie-dient-zirkelschluss-als-begrundung-fur-befreiung-der-industrie-von-der-eeg-umlage-eine-untersuchung-der-wettbew-2\/\">hier<\/a>). Das muss es offensichtlich auch nicht, weil sich dies bis heute noch nicht herumgesprochen hat, obwohl ein Blick auf die entsprechende Seite des Bundeswirtschaftsministeriums hierf&uuml;r ausreicht.<\/p><p><strong>Au&szlig;enpolitik ohne jedes Problembewusstsein und Einf&uuml;hlungsverm&ouml;gen<\/strong><\/p><p>Unter der &Uuml;berschrift &ldquo;Verantwortung in der Welt &uuml;bernehmen&rdquo; schreibt die Gro&szlig;e Koalition ihre jedes Problembewusstsein vermissen lassende Berichterstattung &uuml;ber&nbsp;die ersten 100 Tage im Amt fort. N&uuml;chtern hei&szlig;t es dort gleich zu Beginn: <\/p><p>&ldquo;Ziel ist es, sowohl die zivilen als auch die milit&auml;rischen F&auml;higkeiten Europas zur Krisenpr&auml;vention und Konfliktbeilegung zu verbessern. NATO- und EU-F&auml;higkeiten m&uuml;ssen sich erg&auml;nzen.&rdquo;<\/p><p>Wie das in der Praxis aussieht, zeigt das gegenw&auml;rtige Verhalten des Au&szlig;enministers und der Verteidigungsministerin im Konflikt um die Ukraine. Mit Sanktionen gegen&uuml;ber Russland und Alarmierung der NATO an den Grenzen zu Russland wird eine Drohkulisse aufgebaut und der Konflikt eskaliert. Gleichzeitig gibt man vor, die T&uuml;r zu Gespr&auml;chen nicht zuschlagen zu wollen. Dass dieses geradezu kindische, aber angesichts der damit verbundenen Gefahren den Weltfrieden bedrohende Verhalten den Beteiligten nicht aufst&ouml;&szlig;t, ist dabei das eigentlich&nbsp;be&auml;ngstigende Ph&auml;nomen der gegenw&auml;rtigen Krise. Diese fehlende Selbstreflektion, das damit verbundene fehlende Einf&uuml;hlungsverm&ouml;gen gegen&uuml;ber den Konfliktparteien, die Geschichtsvergessenheit wie auch der in den zur&uuml;ckliegenden Jahren&nbsp;fast selbstverst&auml;ndlich gewordene Einsatz von Milit&auml;r kennzeichnet schlie&szlig;lich auch die Politik in anderen Krisenherden der Welt. Die im Koalitionspapier unter &ldquo;Auslandseins&auml;tze&rdquo; vorgenommene Aufz&auml;hlung von Milit&auml;reins&auml;tzen zeigt die bisher schon erreichte Dimension: <\/p><p>&ldquo;Deutschland wird sich auch weiterhin an internationalen Missionen im Ausland beteiligen. Die Bundesregierung hat daher die Auslandseins&auml;tze der Bundeswehr in Afghanistan (ISAF), in Mali (EUTM Mali), im Mittelmehr (Antiterroreinsatz ACTIVE ENDEAVOUR) und an der Grenze zur T&uuml;rkei (ACTIVE FENCE zur Bereitstellung von Luftabwehrsystemen) verl&auml;ngert. Die Bundesregierung unterst&uuml;tzt auch die europ&auml;ische &Uuml;berbr&uuml;ckungsmission in der Zentralafrikanischen Republik (EUFOR RCA) und die EU-gef&uuml;hrte Ausbildungsmission in Somalia (EUTM Somalia). Rund 5.000 Soldaten sind derzeit im Einsatz.&rdquo;<\/p><p>Gewiss, auch der Entwicklungspolitik wird Platz einger&auml;umt. Die im Koalitionspapier herausgestellten &ldquo;zwei Milliarden mehr f&uuml;r Entwicklungspolitik&rdquo; bis 2017 sind jedoch so niedrig angesetzt, dass sie den vormaligen entwicklungspolitischen Sprecher der SPD dazu bewogen haben, nicht erneut in dieser Funktion Verantwortung zu &uuml;bernehmen (siehe <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/politik\/entwicklungshilfe-spd-mann-ruegt-eigene-partei,1472596,25810562.html\">hier<\/a>).<\/p><p><strong>Vater Gabriel spricht zu seinen Kindern<\/strong><\/p><p>&ldquo;Lasst uns nun den Blick auf die ersten erfolgreichen 100 Tage richten und mit den Menschen dar&uuml;ber reden, wie wir das Leben in unserem Land Schritt f&uuml;r Schritt verbessern&rdquo;, schlie&szlig;t Sigmar Gabriel seinen Mitgliederbrief zu 100 Tagen Bundesregierung, den mir ein SPD-Mitglied zukommen lie&szlig;.<\/p><p>&ldquo;Unsere Ministerinnen und Minister haben in den ersten 100 Tagen viel Konkretes auf den Weg gebracht, damit es den Menschen in unserem Land bald besser geht&rdquo;, leitet der SPD-Vorsitzende und Bundesminister f&uuml;r Wirtschaft und Energie sein Schreiben&nbsp;ein. &ldquo;Bald&rdquo; ist f&uuml;r Gabriel offensichtlich ein dehnbarer Begriff, denn der Mindestlohn&nbsp;soll ja fl&auml;chendeckend erst zum 1. Januar 2017 kommen (siehe dazu <a href=\"http:\/\/www.wirtschaftundgesellschaft.de\/2013\/11\/der-koalitionsvertrag-ablehnen-oder-nicht-ablehnen\/\">hier<\/a>). Dehnbar auch sein Verst&auml;ndnis von &ldquo;besser gehen&rdquo;, denn selbst diejenigen, die die 8,50&nbsp;schlie&szlig;lich bekommen, wissen doch, dass dieser Betrag schon heute nicht die Existenz sichert. F&uuml;r die &Auml;rmsten der Armen, die Hartz-IV-Bezieher, hat Gabriel schlie&szlig;lich gar nichts &uuml;brig. Ihnen soll es so schlecht ergehen wie bisher.<\/p><p>Ein&nbsp;weiter Punkt sei&nbsp;aus Gabriels Loblied auf die Gro&szlig;e Koalition herausgegriffen, weil ein damit verbundenes Problem wenig bekannt ist. Gabriel r&uuml;hmt &ldquo;Heiko Maas und Barbara Hendricks mit ihrer Initiative f&uuml;r bezahlbares Wohnen&rdquo; und meint damit den Gesetzentwurf zur so genannten Mietpreisbremse. Gereon Asmuth hat in der <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Kommentar-Mietpreisbremse\/!135270\/\">taz<\/a> hierzu festgehalten: &ldquo;Hei&szlig;t das aber nun, dass Mietexplosionen ein wirksamer Riegel vorgeschoben wird? Mitnichten. Denn der Turbo-Motor der Preisspirale bleibt unangetastet: Es ist die sogenannte orts&uuml;bliche Vergleichsmiete, die gemeinhin &uuml;ber Mietspiegel ermittelt wird. Das klingt erst mal nach einem vern&uuml;nftigen Ansatz &ndash; ist tats&auml;chlich aber nichts weiter als ein Instrument der Volksverdummung. Asmuth erkl&auml;rt die Entstehung des Mietspiegels und kommt zu dem Schluss: &ldquo;Der Mietspiegel ist also nichts anderes als ein Mietenexplosionsspiegel.&rdquo;<\/p><p>Gabriel konzentriert sich dann auch lieber auf die Kommunen und erkennt immerhin: &ldquo;Der Verzicht auf dringend notwendige Investitionen in die &ouml;ffentliche Infrastruktur, der Abbau von Leistungen f&uuml;r Senioren, Familien und Kinder oder sogar die Schlie&szlig;ung &ouml;ffentlicher Einrichtungen sind inzwischen sichtbare und f&uuml;r die Menschen vor Ort sp&uuml;rbare Folgen. <\/p><p><strong>Das will die SPD in der Gro&szlig;en Koalition &auml;ndern!&rdquo;<\/strong> (Fettgedruckt im Original, T.H.)<br>\nEs ist gut, dass der SPD-Vorsitzende ein wichtiges Problem erkannt hat, wenn auch erst, nachdem dieses schon&nbsp;seit langem&nbsp;&ldquo;sichtbar und f&uuml;r viele Menschen vor Ort sp&uuml;rbar&rdquo; ist. Ehrlicher w&auml;re es&nbsp;zudem gewesen, zu erw&auml;hnen, dass die Politik der SPD f&uuml;r dieses Problem ma&szlig;geblich mit&nbsp;verantwortlich zeichnet, und dass die geplante Entlastung der Kommunen um f&uuml;nf Milliarden Euro angesichts der &uuml;ber Jahre vernachl&auml;ssigten Infrastruktur nur ein Tropfen auf den hei&szlig;en Stein sind.<\/p><p>Und so wird es vielen SPD-Mitgliedern vielleicht &auml;hnlich ergehen wie am Ende der eingangs erfundenen Geschichte. Glaubt man den Umfragen der Meinungsforschungsinstitute, schneidet die SPD bei allen Instituten schlechter ab, als bei der zur&uuml;ckliegenden Bundestagswahl. Aber das interessiert die SPD-F&uuml;hrung seit der Agenda 2010 &ndash; auch das eine Parallele zur einleitenden Geschichte oben &ndash; ganz offensichtlich schon lange nicht mehr. Jedenfalls, solange es noch f&uuml;r einige Bundestagsmandate oder gar Ministerw&uuml;rden reicht. Und so sitzen wir vielleicht in vier Jahren wieder hier.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Thorsten Hild arbeitet als Journalist und Volkswirt in Berlin und ist Herausgeber von <a href=\"http:\/\/www.wirtschaftundgesellschaft.de\/\">Wirtschaft und Gesellschaft &ndash; Analyse &amp; Meinung<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rundum zufrieden zeigt sich auch die Gro&szlig;e Koalition. Die Bundesregierung hat anl&auml;sslich ihres hundertt&auml;gigen Bestehens eigens ein Papier herausgegeben: &ldquo;<a href=\"http:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/Infodienst\/2014\/03\/2014-03-24-100-tage-grosse-koalition\/2014-03-21-100-tage-grosse-koalition.html\">Deutschlands Zukunft gestalten &ndash; 100 Tage Gro&szlig;e Koalition<\/a>&ldquo;. Das Koalitionspapier enth&auml;lt nun einen ganzen Strau&szlig; an Themen, mit denen die Bundesregierung versucht, sich und die ersten 100 Tage ihrer Amtszeit ins rechte Licht zu setzen.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21169\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,147,169,188,164],"tags":[492,1260,317,312,325,260,402],"class_list":["post-21169","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-arbeitslosgigkeit","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-bundesregierung","category-energiewende","tag-eeg","tag-groko","tag-mindestlohn","tag-reformpolitik","tag-staatsschulden","tag-ukraine","tag-wachstum"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21169","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=21169"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21169\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":53892,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21169\/revisions\/53892"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=21169"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=21169"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=21169"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}