{"id":21209,"date":"2014-03-26T09:51:57","date_gmt":"2014-03-26T08:51:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21209"},"modified":"2015-10-20T13:50:07","modified_gmt":"2015-10-20T11:50:07","slug":"nrw-rektoren-setzen-auf-bedingungslose-kapitulation-der-landespolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21209","title":{"rendered":"NRW-Rektoren setzen auf bedingungslose Kapitulation der Landespolitik"},"content":{"rendered":"<p>Wenn nun die Landesregierung NRW gehofft hatte, durch einen Kotau vor den Hochschulleitungen den Hochschulfrieden wieder herstellen zu k&ouml;nnen, so muss sie sich sp&auml;testens durch das Interview der Vorsitzenden der Landesrektorenkonferenz und Rektorin der TU Dortmund, Ursula Gather mit der Welt am Sonntag vom 23. M&auml;rz 2014 vom Gegenteil belehren lassen. Die Rektorinnen  und Rektoren setzen offenbar auf die bedingungslose Kapitulation der Landespolitik gegen&uuml;ber den Hochschulen. Von <strong>Wolfgang Lieb<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nUnter der &Uuml;berschrift &bdquo;Was n&uuml;tzt ein &bdquo;Hochschulzukunftsgesetz&ldquo;, das Reformen in der Zukunft verbaut?&ldquo; habe ich vor kurzem &uuml;ber einen Ende Februar &ouml;ffentlich gewordenen, &uuml;berarbeiteten <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/140311_rege_hzg.pdf\">Entwurf eines Hochschulzukunftsgesetzes berichtet [PDF &ndash; 773 KB]<\/a>. Dabei kam  ich nach der &Uuml;berpr&uuml;fung der Ver&auml;nderungen zum Ergebnis, dass das Ministerium der Kritik der Rektorinnen und Rektoren weitgehend abgeholfen hat und dass jedenfalls die Gesetzesnovell rechtlich bestimmter und freiheitsverb&uuml;rgender waren als das geltende Hochschulgesetz.<\/p><p>Das Fazit meiner &Uuml;berpr&uuml;fung der Neuregelungen und deren Vergleich mit dem geltenden Gesetz ist:<\/p><p>&bdquo;Wer also nicht eine radikal staatsabwehrende Position vertritt, n&auml;mlich dass die Hochschulen des Landes mit Staat und Parlament nichts mehr zu schaffen haben, als dass ihnen der Haushaltsgesetzgeber &bdquo;Zusch&uuml;sse&ldquo; zur Verf&uuml;gung stellt, der m&uuml;sste eigentlich den &bdquo;Krieg&ldquo; gegen diesen Gesetzentwurf einstellen.&ldquo;<\/p><p>Wenn nun aber die Landesregierung gehofft hatte, durch einen weiteren Kotau vor den Hochschulleitungen den Hochschulfrieden wieder herstellen zu k&ouml;nnen, so muss sie sich sp&auml;testens durch das Interview der Vorsitzenden der Landesrektorenkonferenz und Rektorin der TU Dortmund, Ursula Gather mit der Welt am Sonntag vom 23. M&auml;rz 2014 <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/140326_interview_gather.pdf\">vom Gegenteil belehren lassen [PDF &ndash; 168 KB]<\/a>. Die Rektorinnen  und Rektoren setzen offenbar auf die bedingungslose Kapitulation der Landespolitik gegen&uuml;ber den Hochschulen. <\/p><p>Einer der wichtigsten Gr&uuml;nde f&uuml;r die Blockadehaltung der Hochschulleitungen wird in freim&uuml;tiger Offenheit in einem gleichzeitig erschienen Artikel <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/print\/wams\/nrw\/article126086975\/Zugrunde-geplaudert.html\">in der konservativen Zeitung genannt<\/a>: <\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Seit 2006 sind Rektoren, Kanzler und Hochschulratsmitglieder in NRW so selbstbestimmt und privilegiert wie in keinem anderen Bundesland. Nirgendwo sonst k&ouml;nnen sie (die Hochschulleitungen (WL)) freier &uuml;ber Ausrichtung, Personal, Geldanlagen oder ihr Gehalt entscheiden. Wer sie aus diesem Arkadien vertreiben wollte, provozierte maximalen Widerstand der 37 zu allem entschlossenen Hochschulleiter.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Dieser &bdquo;maximale Widerstand&ldquo; der &bdquo;zu allem entschlossenen Hochschulleiter&ldquo; spiegelt sich auch in dem genannten Interview mit der Vorsitzenden der Landesrektorenkonferenz. <\/p><p>Nach wie vor beklagt sie eine &bdquo;enorme Regelungsdichte&ldquo;. &bdquo;Letztlich ist dies keine Hochschulautonomie mehr&ldquo;, schimpft Frau Gather. <\/p><p>&bdquo;Wir lehnen das Instrument der Rahmenvorgabe weiterhin ab, da durch sie eine unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ige Ausweitung der Befugnisse der Ministerialb&uuml;rokratie erfolgt und faktisch die Fachaufsicht durch das Ministerium wieder eingef&uuml;hrt wird&ldquo;, behauptet die Rektorin.<\/p><p>Bemerkenswert ist dabei zun&auml;chst einmal, dass Professorin Gather offenbar &uuml;berhaupt nichts gegen eine Fachaufsicht durch ihren freischwebenden Hochschulrat einzuwenden hat, der per Gesetz Entscheidungskompetenzen hat, wie sie Staat und Parlamente &uuml;ber die Hochschulen nie hatten. Aber gegen die Entscheidungen der niemand rechenschaftspflichtigen Hochschulr&auml;te stellt sich die &bdquo;Autonomiefrage&ldquo; offenbar nicht. Man kann sich als Hochschulmanagement ja ziemlich sicher sein, dass man mit diesem Aufsichtsrat im R&uuml;cken jeden Widerstand der Hochschulgremien brechen kann. <\/p><p>Zu den von Frau Gather abgelehnten &bdquo;Rahmenvorgaben&ldquo; hei&szlig;t es im <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/140311_rege_hzg.pdf\">neuen Gesetzentwurf in &sect; 6 Abs. 5 [PDF &ndash; 773 KB]<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n<em>Das Ministerium kann im Bereich der Personalverwaltung, der Haushalts- und Wirtschaftsangelegenheiten, des Geb&uuml;hren-, Kassen- und Rechnungswesens sowie der Aufgaben der Berufsbildung nach dem Berufsbildungsgesetz (Bereich zugewiesener Aufgaben nach &sect; 76a Absatz 1) nach Anh&ouml;rung Regelungen treffen, die allgemein f&uuml;r Hochschulen in der Tr&auml;gerschaft des Landes und nicht nur f&uuml;r den Einzelfall gelten (Rahmenvorgaben); Rahmenvorgaben sind f&uuml;r diese Hochschulen verbindlich. Der Erlass von Rahmenvorgaben steht ausschlie&szlig;lich im &ouml;ffentlichen Interesse.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Die Dortmunder Rektorin hat es offenbar bei ihrer Polemik gegen die &bdquo;Rahmenvorgaben&ldquo; weder f&uuml;r n&ouml;tig befunden ins geltende Gesetz zu schauen, noch in die Begr&uuml;ndung f&uuml;r den <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/140311_begruendung_rege_hzg.pdf\">vorliegenden Gesetzentwurf (S. 184) [PDF &ndash; 786 KB]<\/a>.<\/p><p><a href=\"https:\/\/recht.nrw.de\/lmi\/owa\/br_bes_text?anw_nr=2&amp;gld_nr=2&amp;ugl_nr=221&amp;bes_id=9796&amp;aufgehoben=N&amp;menu=1&amp;sg=#det294367\">De lege lata<\/a> hei&szlig;t es im &sect; 5 Abs. 9: <\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Im Einvernehmen mit dem Finanzministerium erl&auml;sst das Ministerium <strong>Verwaltungsvorschriften<\/strong> zur Wirtschaftsf&uuml;hrung und zum Rechnungswesen, zum Nachweis der sachgerechten Verwendung der Mittel sowie zum Jahresabschluss.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Mindestens ihr Kanzler als Verwaltungsfachmann h&auml;tte der Rektorin sagen k&ouml;nnen (und m&uuml;ssen), dass unter einer &bdquo;Verwaltungsvorschrift&ldquo; wie im geltenden Hochschulgesetz eine innerbeh&ouml;rdliche Regelung zu verstehen ist, die auf der dienstrechtlichen Gehorsamspflicht einer &bdquo;nachgeordneten Beh&ouml;rde&ldquo; basiert und nur einer eingeschr&auml;nkten verwaltungsgerichtlichen Kontrolle unterliegt. <\/p><p>Der Wechsel von einer &bdquo;Verwaltungsvorschrift&ldquo; in die Begrifflichkeit der &bdquo;Rahmenvorgabe&ldquo;  dr&uuml;ckt also, umgekehrt wie die Mathematikerin Ursula Gather meint, gerade die rechtliche Verselbst&auml;ndigung der Hochschulen des Landes aus. <\/p><p>Aber sachliche Argumente spielten auf Seiten der Landesrektorenkonferenz in dieser Auseinandersetzung mit der <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19384\">Politik von Anfang an<\/a> keine Rolle. Es ging und geht schlicht um einen Machtkampf.<\/p><p>Dank der Unterst&uuml;tzung durch die Oppositionsparteien und vor allem der den Hochschulleitungen &ndash; mit wenigen Ausnahmen &ndash;  zu F&uuml;&szlig;en liegenden lokalen Medien, f&uuml;hlen sich die Hochschulleitungen schon l&auml;ngst als freischwebende Duodezf&uuml;rsten oder &bdquo;Chief Executive Officers&ldquo;, die &uuml;ber Parlament und Staat stehen. <\/p><p>Sollen f&uuml;r Geb&uuml;hrenfragen (also etwa auch der Erhebung von Studiengeb&uuml;hren) oder sollen f&uuml;r Anforderungen etwa aus dem Berufsbildungsgesetz oder aus Haushaltsgesetzen vom Staat f&uuml;r eine &ouml;ffentliche K&ouml;rperschaft keinerlei allgemeine Rahmen vorgegeben werden d&uuml;rfen? <\/p><p>Ich habe nach dem Einknicken der Landesregierung vor dem Sturmlauf von Hochschulrektoren, von Hochschulratsvorsitzenden und der Wirtschaftslobby geraten auf eine Novelle ganz zu verzichten, die die Zukunft verbaut. W&auml;re man zynisch, m&uuml;sste man der Ministerin raten so zu verfahren  und daf&uuml;r das Pinkwartsche Gesetz aus dem Jahre 2006 einfach einmal strikt anzuwenden: <\/p><p>Dann k&ouml;nnte n&auml;mlich das Ministerium nach &sect; 5 Abs. 9 HG (und zwar ohne Anh&ouml;rung der Hochschulen) wie gegen&uuml;ber nachgeordneten Beh&ouml;rden sozusagen interne &bdquo;Verwaltungsvorschriften&ldquo; erlassen. <\/p><p>Die Landesregierung k&ouml;nnte nach &sect; 6 Abs. 1  HG &bdquo;zur Steuerung des Hochschulwesens&ldquo; v&ouml;llig eigenst&auml;ndig &bdquo;strategische Ziele&ldquo; entwickeln und &bdquo;auf der Grundlage dieser strategischen Ziele&hellip;hochschul&uuml;bergreifende Aufgabenverteilungen und Schwerpunktsetzungen und die hochschulindividuelle Profilbildung&ldquo; bestimmen, ohne dass es eine vom Landtag in seinen Grunds&auml;tzen gebilligte und im geregelten Gegenstromverfahren mit den Hochschulen abgestimmte Hochschulentwicklungsplanung bed&uuml;rfte,  wie das jetzt im &sect; 6 des neuen Gesetzentwurfs vorgesehen ist. <\/p><p>Da k&ouml;nnte denn die Ministerialb&uuml;rokratie tats&auml;chlich ihre St&auml;rke gegen&uuml;ber den Hochschulen zeigen, in dem sie Ziele- und Leistungen vorgibt und dann, wenn und soweit &bdquo;eine Ziel- und Leistungsvereinbarung nicht zustande kommt&hellip;nach Anh&ouml;rung der Hochschule und im Benehmen (daf&uuml;r reicht im Zweifel eine Information) mit dem Hochschulrat &bdquo;Zielvorgaben zu den von der Hochschule zu erbringenden Leistungen&ldquo; festlegt (&sect; 6 Abs. 3 HG).<br>\nDiesen geltenden Paragrafen haben die Hochschulleitungen offenbar nie zur Kenntnis genommen.<\/p><p>Die Landesrektorenkonferenzvorsitzende erregt sich in dem genannten Interview vor allem dar&uuml;ber, dass zuk&uuml;nftig das Ministerium &bdquo;Teile der Haushaltsmittel der (!) Universit&auml;ten  als Sanktion einbehalten&ldquo; k&ouml;nnen soll. <\/p><p>De lege ferenda hei&szlig;t es derzeit: <\/p><blockquote><p>\n<em>Nach Ma&szlig;gabe des Haushalts beinhalten die Hochschulvertr&auml;ge auch Festlegungen &uuml;ber die Finanzierung der Hochschulen, insbesondere hinsichtlich des ihnen f&uuml;r die Erf&uuml;llung konkreter Leistungen gew&auml;hrten Teils des Landeszuschusses; insbesondere kann geregelt werden, dass ein Teil des Landeszuschusses an die Hochschulen nach Ma&szlig;gabe des Erreichens der hochschulvertraglichen Vereinbarungen zur Verf&uuml;gung gestellt wird.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>(&sect; 6 Abs. 3 des neuen Gesetzentwurfs)<\/p><p>De lege lata hei&szlig;t es: <\/p><blockquote><p>\n<em>Die Ziel- und Leistungsvereinbarungen beinhalten auch Festlegungen &uuml;ber die Finanzierung der Hochschulen nach Ma&szlig;gabe des Haushalts; insbesondere kann ein Teil des Landeszuschusses an die Hochschulen nach Ma&szlig;gabe der Zielerreichung zur Verf&uuml;gung gestellt werden.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>(&sect; 6 Abs. 2 HG)<\/p><p>In der geltenden Gesetzesfassung kann also (einseitig durch des Ministerium) ein Teil des Zuschusses einbehalten werden; in der neuen Entwurfsfassung muss das vertraglich (also beidseitig) geregelt werden. <\/p><p>Einmal mehr ersetzt also hier die Galle die Funktion des Gehirns, denn dass die Neuregelung hochschulfreundlicher ist, m&uuml;sste jeder erkennen, der nur einen vergleichenden Blick auf die Formulierungen geworfen hat. <\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Diese Mittel bekommen die Universit&auml;ten zur Erf&uuml;llung ihrer Aufgaben. Diese kann man ihnen nicht einfach wieder entziehen&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>, meint die Rektorin trotzig. <\/p><p>Offenbar geht sie davon aus dass die Hochschulen einen festen Anspruch auf die aus Steuermitteln finanzierten Zusch&uuml;sse haben, egal ob diese Landeseinrichtungen ihre vereinbarten Ziele erreichen oder nicht. So stellt man sich auf Seiten der Rektoren offenbar &bdquo;Eigenverantwortung&ldquo; vor: man kassiert das Geld vom Staat ohne Rechenschaft &uuml;ber die  eigenen Leistungen ablegen  zu m&uuml;ssen und ohne Verantwortung daf&uuml;r tragen zu m&uuml;ssen, wenn man die versprochenen Leistungen nicht erbringt. Und kaum jemand scheint an dieser Haltung Anstand zu nehmen. <\/p><p>Es geh&ouml;rt inzwischen zum Ritual der &bdquo;unternehmerischen&ldquo; Hochschulmanager, dass sie (nahezu durchg&auml;ngig) ihre angeblichen Erfolge in den h&ouml;chsten T&ouml;nen loben. Mit diesem Marketing meinen sie jede Mitsprache von Staat  und Parlament abwehren zu k&ouml;nnen. <\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Im Hochschulbereich hat es in den letzten Jahren keine Fehlentwicklungen gegeben&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>, behauptet die Vorsitzende der Rektorenkonferenz einfach so. <\/p><p>Dass die weitgehend &bdquo;autonom&ldquo; von den Hochschulen durchgesetzten Bologna-Reformen re-reformbed&uuml;rftig sind, wird  inzwischen kaum noch von jemand bestritten. Bologna verst&auml;rkte z.B. <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/bildungsforschung-verstaerkte-soziale-ungerechtigkeit-durch.680.de.html?dram:article_id=279273\">die soziale Ungerechtigkeit<\/a>. Dass von manchen der Bachelor-Abschluss noch immer als &bdquo;zertifizierter Studienabbruch&ldquo; kritisiert wird, dass die &bdquo;Studierbarkeit&ldquo; gelitten hat, dass die Studienabbrecherquote immer noch erschreckend hoch ist, dass die numerus clausus-F&auml;cher und die Wartezeiten zugenommen haben, dass seit die Hochschulen f&uuml;r die Zulassung zum Studium zust&auml;ndig sind, <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/090722_hochschulzulassung_zbs2_2009_lieb.pdf\">das nackte Chaos herrscht [PDF &ndash; 78.7 KB]<\/a> &hellip; all das und noch viel mehr an Kritik interessiert die Hochschulmanager offenbar nicht.<\/p><p>Sie r&uuml;hmen sich lieber ihrer &bdquo;erfolgreichen Zusammenarbeit mit der Wirtschaft&ldquo; (Gather) bei der Drittmitteleinwerbung. <\/p><p>Doch auch bei der Forschung, werden Erfolge einfach so in den Raum gestellt. Ein begr&uuml;ndeter Nachweis wird nie gef&uuml;hrt:<\/p><p>Weder das F&ouml;rder-Ranking der DFG, also der Vergleich der Bewilligungsvolumen f&uuml;r die Forschung an den NRW-Hochschulen (<a href=\"http:\/\/www.dfg.de\/download\/pdf\/dfg_im_profil\/evaluation_statistik\/ranking\/ranking_2009\/gesamtbericht.pdf\">Vgl. z.B. Tabelle 3-1 des F&ouml;rder-Rankings 2009 der Deutschen Forschungsgemeinschaft [PDF &ndash; 22,4 MB]<\/a>) noch die Exzellenzinitiative k&ouml;nnen als eindeutiger Beleg f&uuml;r die Behauptung einer generellen Verbesserung der Wettbewerbsf&auml;higkeit der NRW-Hochschulen dienen. Die Ergebnisse der Exzellenzinitiative, bei der die RWTH Aachen ihren Exzellenzstatus behaupten und die Universit&auml;t K&ouml;ln hinzugekommen ist, und wonach drei Exzellenzcluster in NRW mehr eingeworben wurden, sind zwar erfreulich, sie best&auml;tigten allerdings nur den allgemeinen Trend zur &bdquo;Elitef&ouml;rderung&ldquo;, der das prinzipiell auf interner Gleichwertigkeit beruhende traditionelle Universit&auml;tssystem in Richtung auf eine deutliche vertikale Differenzierung aufzubrechen droht. Dadurch wurden die bestehenden Unterschiede zwischen den Universit&auml;ten entscheidend versch&auml;rft und eine &bdquo;symbolische Hierarchisierung&ldquo; der Hochschullandschaft vorangetrieben. (Siehe dazu <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16967\">Michael Hartmann, Die Exzellenzinitiative und die Hierarchisierung des deutschen Hochschulsystems<\/a>)<\/p><p>Entgegen der allgemeinen Darstellung, wonach es nur &bdquo;Gewinner&ldquo; gebe, gibt es un&uuml;bersehbar auch klare Verlierer, bei einer gleichzeitigen Konzentration der Forschungsmittelvergabe auf einige wenige sog. &bdquo;f&uuml;hrende&ldquo; Hochschulen. (Allein von 2009 auf 2010 konnten die Drittmitteleinnahmen der RWTH noch einmal um 13,6 Prozent auf nun 258 Mio. Euro gesteigert werden.)<\/p><p>Wenn der Trend mit &bdquo;symbolischen Gewinnern&ldquo; und einer umgekehrten &bdquo;Verliererdynamik&ldquo; anh&auml;lt, wird man im Ergebnis in peripheren Regionen eben vornehmlich auch periphere Universit&auml;ten finden (Klaus D&ouml;rre, Matthias Neis, Das Dilemma der unternehmerischen Hochschule, Hochschulen zwischen Wissensproduktion und Marktzwang, edition sigma, 2010, S. 148.)<\/p><p>Die Rektoren sollten sich endlich von ihrem hohen Ross herunterbegeben. Sie m&uuml;ssten wissen, dass aus der Nichtanwendung des bestehenden Gesetzes kein Gewohnheitsrecht entstanden ist, auf dessen Grundlage sie eine Gesetzesnovelle bek&auml;mpfen k&ouml;nnten. Der Kampf gegen das Hochschulzukunftsgesetz beruht eher auf Autosuggestion als auf der Basis des bestehenden Gesetzes. Doch offenbar gibt es in diesem Machtkampf zwischen den Hochschulleitungen und der Ministerin jedenfalls auf Seiten der Rektorinnen und Rektoren kaum noch Kr&auml;fte, die sich mit den Fakten besch&auml;ftigen. <\/p><p>W&uuml;rden wenigstens die Medien nicht nur mit den Hochschulf&uuml;hrungen reden, sondern einmal in die Hochschulen hineingehen und mit Hochschulangeh&ouml;rigen aller Statusgruppen sprechen, w&uuml;rden sie ein ziemlich anderes Echo &uuml;ber das bestehende Hochschul-&bdquo;Freiheits&ldquo;-Gesetz und &uuml;ber das jeweilige Hochschulmanagement h&ouml;ren. <\/p><p>Offenbar werden die Studierenden immer erst geh&ouml;rt, wenn sie auf die Stra&szlig;e gehen und nicht, wenn sie ihre sachlichen Stellungnahmen abgeben (Vgl. <a href=\"http:\/\/www.asta.uni-siegen.de\/2014\/02\/26\/gekuerzte-stellungnahme-des-asta-zum-hzg\/\">hier<\/a> oder etwa <a href=\"http:\/\/gewstudisnrw.blogsport.de\/2014\/03\/24\/positionierung-zum-entwurf-fuer-ein-hochschulzukunftsgesetz\/\">hier<\/a>. Auch <a href=\"http:\/\/www.gew-nrw.de\/index.php?id=2927\">Erkl&auml;rungen von zahlreichen Professorinnen und Professoren<\/a> oder von zivilgesellschaftlichen und <a href=\"http:\/\/www.abs-bund.de\/aktuelles\/ansicht\/offener-brief-zum-hochschulzukunftsgesetz-nrw\/\">hochschulnahen Organisationen<\/a> werden politisch und medial kaum zur Kenntnis genommen.  <\/p><p>Wer in die Hochschulen hineinh&ouml;rt, erf&auml;hrt viel Unmut &uuml;ber die bestehenden Zust&auml;nde. Dar&uuml;ber berichten die Rektoren nat&uuml;rlich in aller Regel nicht, richtet sich diese Kritik auch gegen sie selbst. Es ist deshalb auch nicht erstaunlich, dass diese Kritik von unten auch im Landtag nicht ankommt.<\/p><p>Wie wenig sich vor allem die Opposition in D&uuml;sseldorf um Gesetzesinhalte und damit um die Hochschule der Zukunft k&uuml;mmert, mag man daran ablesen, dass die Banalit&auml;t der  Ver&ouml;ffentlichung der bisher geheim gehaltenen Rektorengeh&auml;lter <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/140225_fragenkatalog_zur_sondersitzung.pdf\">Anlass f&uuml;r Sondersitzungen des Landtagsausschusses ist [PDF &ndash; 35.8 KB]<\/a>.<\/p><p>Den Hochschulpolitischen Sprecher der CDU, Heinrich Berger MdL, k&uuml;mmert die Frage mehr, ob die Ministerin mit einigen Rektoren &uuml;ber presserechtliche Schritte wegen <a href=\"http:\/\/www.cdu-nrw-fraktion.de\/\/hat-wissenschaftsministerin-schulze-das-parlament-belogen.html\">Geheimnisverrats geredet hat<\/a>, als dass er sich mit der Frage besch&auml;ftigt, wie man  zu einer vern&uuml;nftigen und transparenten Regelung der Rektorengeh&auml;lter kommen k&ouml;nnte.<\/p><p>Auch die Gr&uuml;nen im D&uuml;sseldorfer Landtag haben kaum eigene Ideen und laufen der <a href=\"http:\/\/www.derwesten.de\/politik\/gruene-kritisieren-hochschulpolitik-von-spd-ministerin-svenja-schulze-id9134484.html#plx1190620791\">Kampagne der Rektoren hinterher<\/a>. <\/p><p>Das Gesetzgebungsverfahren f&uuml;r das Hochschulzukunftsgesetz ist ein Musterbeispiel wie ein bestimmtes Leitbild bzw. eine bestimmte Ideologie, n&auml;mlich die wettbewerbsgesteuerte &bdquo;unternehmerische Hochschule&ldquo;, und eine Kampagne von organisierten Tr&auml;gern von Macht- und Einflussinteressen, die &ouml;ffentliche Meinung und damit auch die Politik bestimmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn nun die Landesregierung NRW gehofft hatte, durch einen Kotau vor den Hochschulleitungen den Hochschulfrieden wieder herstellen zu k&ouml;nnen, so muss sie sich sp&auml;testens durch das Interview der Vorsitzenden der Landesrektorenkonferenz und Rektorin der TU Dortmund, Ursula Gather mit der Welt am Sonntag vom 23. M&auml;rz 2014 vom Gegenteil belehren lassen. Die Rektorinnen und Rektoren<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21209\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[206,17],"tags":[320,429,986,568,971],"class_list":["post-21209","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-chancengerechtigkeit","category-hochschulen-und-wissenschaft","tag-bolognaprozess","tag-exzellenzinitiative","tag-hochschulautonomie","tag-hochschulraete","tag-hochschulzukunftsgesetz"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21209","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=21209"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21209\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21211,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21209\/revisions\/21211"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=21209"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=21209"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=21209"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}