{"id":21212,"date":"2014-03-26T10:09:16","date_gmt":"2014-03-26T09:09:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21212"},"modified":"2019-07-05T10:37:17","modified_gmt":"2019-07-05T08:37:17","slug":"armes-griechenland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21212","title":{"rendered":"Armes Griechenland"},"content":{"rendered":"<p>Als die Krise kam, war Griechenland in keiner Weise darauf vorbereitet, wie man ihre Auswirkungen bew&auml;ltigen sollte. Und in den f&uuml;nf Jahren, die das &ouml;konomische Tief mittlerweile andauert, hat sich die Lage noch dramatisch verschlimmert. Das belegt auch der <a href=\"http:\/\/www.oecd.org\/greece\/OECD-SocietyAtaGlance2014-Highlights-Greece.pdf\">j&uuml;ngste OECD-L&auml;nderbericht [PDF &ndash; 395 KB]<\/a>, der die Notwendigkeit hervorhebt, dass die Reformen die Schw&auml;chsten der Gesellschaft sch&uuml;tzen m&uuml;ssen. Von <strong>Nikos Konstandaras<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21212#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>].<br>\n<!--more--><br>\nIm Grunde ist uns das nicht neu. Aber die Feststellung der OECD, dass vor der Krise gro&szlig;e Geldsummen an die wohlhabenderen Schichten gingen &ndash; und das zu Lasten der Bed&uuml;rftigsten &ndash; legen den Finger auf das gravierende Problem der Ungerechtigkeit, das ein Kernproblem unserer Gesellschaft ist.<\/p><p>&bdquo;Das sozialstaatliche System war in Griechenland auf die &ouml;konomische und gesellschaftliche Krise schlecht vorbereitet&ldquo;, hei&szlig;t es in dem OECD-Bericht. Und weiter: &bdquo;Vor der Krise verwendete Griechenland fast 30 Prozent seiner Staatsausgaben auf soziale Transferleistungen, aber ein Gro&szlig;teil dieser Gelder ging an relativ wohlhabende Haushalte. Seit 2007\/2008 sind die Gesamtausgaben f&uuml;r Sozialleistungen und das Gesundheitswesen real um 18 Prozent geschrumpft, im gleichen Zeitraum sind sie im OECD-Durchschnitt  real um 14 Prozent gestiegen.&ldquo;<\/p><p>Der Bericht h&auml;lt f&uuml;r das Jahr 2010 fest, dass die staatlichen Transferleistungen f&uuml;r die 30 Prozent der einkommensschw&auml;chsten Familien um 34 Prozent unter dem Durchschnitt lagen, dagegen die Bez&uuml;ge f&uuml;r die 30 Prozent der reichsten Haushalte um 32 Prozent &uuml;ber diesem Mittelwert. Eine gr&ouml;&szlig;ere Ungleichheit (bei der Verteilung der Transferleistungen) verzeichnet die OECD nur f&uuml;r die Mitgliedsl&auml;nder Italien, Mexiko und die T&uuml;rkei.<\/p><p>Erstaunlich ist das nicht, denn unsere Gesellschaft wird von m&auml;chtigen Interessengruppen dominiert, die st&auml;ndig daf&uuml;r gesorgt haben, dass die Regierungsentscheidungen zu ihrem eigenen Vorteil und zu Lasten der anderen ausfielen. Dieses allgemeine Bild der Ungerechtigkeit wird erst komplett, wenn man die Wirkungen der &bdquo;Steuerhinterziehung&ldquo; dazu rechnet, wobei bestimmte Gruppen straflos davonkamen, w&auml;hrend die Steuerlast haupts&auml;chlich von den Gehaltsempf&auml;nger und Pension&auml;ren getragen wurde.<\/p><p>Und auch w&auml;hrend der Krise traf die K&uuml;rzung der Ausgaben im Sozial- und Gesundheitshaushalt die Armen h&auml;rter als die Anderen. Aus dem OECD-Bericht geht hervor, dass Griechenland und Italien die einzigen EU-Mitgliedsstaaten sind, die keine allgemeinen Mindest-Sozialleistungen kennen. Das erkl&auml;rt, warum so viele B&uuml;rger durch die Sparprogramme und die Reformpolitik in Angst und Schrecken versetzt werden &ndash; weil sie keinerlei soziale Sicherheit haben. Und verschreckte B&uuml;rger sind f&uuml;r politische Ver&auml;nderungen nicht zu haben.  <\/p><p>Nach Angaben der OECD betragen die &ouml;ffentlichen Ausgaben f&uuml;r Arbeitslose und f&uuml;r einkommensschwache Familien in Griechenland &ndash; trotz der gewaltigen Zunahme des Bedarfs an sozialer Unterst&uuml;tzung &ndash; lediglich &bdquo;einen Bruchteil der durchschnittlichen Ausgaben aller OECD-Mitgliedsl&auml;nder&ldquo;.  Entsprechend betont der Bericht die Notwendigkeit, die &auml;rmeren Haushalte landesweit gezielt zu unterst&uuml;tzen. Insbesondere werden folgende Ma&szlig;nahmen vorgeschlagen: ein soziales Netz f&uuml;r Langzeitarbeitslose, subventionierte Mahlzeiten an den Schulen, eine garantierte gesundheitliche Versorgung f&uuml;r Alle, sowie Ma&szlig;nahmen zur Arbeitsbeschaffung und Umschulung. <\/p><p>F&uuml;r 2014 sind Programme zur gezielten Unterst&uuml;tzung der sozial schw&auml;cheren Gruppen zu erwarten. Aber dabei d&uuml;rfen wir nicht vergessen, dass wir uns viele Jahre lang in einer Gesellschaft eingerichtet haben, die auf Ungerechtigkeit basierte. Und zwar ohne jedes Schuldgef&uuml;hl  &ndash; und ohne die Folgen zu bedenken&hellip;<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Der Text von Konstandaras erschien am 20. M&auml;rz in der griechischen Zeitung Kathimerini. Niels Kadritzke hat ihn f&uuml;r uns &uuml;bersetzt.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als die Krise kam, war Griechenland in keiner Weise darauf vorbereitet, wie man ihre Auswirkungen bew&auml;ltigen sollte. Und in den f&uuml;nf Jahren, die das &ouml;konomische Tief mittlerweile andauert, hat sich die Lage noch dramatisch verschlimmert. 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