{"id":2123,"date":"2007-02-19T10:40:42","date_gmt":"2007-02-19T09:40:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2123"},"modified":"2016-01-14T15:28:20","modified_gmt":"2016-01-14T14:28:20","slug":"putin-neues-wettrusten-und-das-berliner-spd-grundsatzprogramm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2123","title":{"rendered":"Putin, neues Wettr\u00fcsten und das Berliner SPD-Grundsatzprogramm"},"content":{"rendered":"<p>In dieser Woche steht im &bdquo;Spiegel&ldquo; ein Artikel (R&uuml;stung &ndash; Der geplatzte Traum) &uuml;ber die Gefahren eines neuen Wettr&uuml;stens. Dabei wurde der Eindruck erweckt, diese bedr&uuml;ckende Gefahr gehe sozusagen auf die Russen zur&uuml;ck  und sei mit der M&uuml;nchner Rede des russischen Pr&auml;sidenten Putin manifest geworden. Dass eine der Ursachen die Ausdehnung der NATO und die jeweilige Aufr&uuml;stung in und mit den neuen NATO-L&auml;ndern ist, wird dabei &bdquo;geschlabbert&ldquo;. Dass diese Ausdehnung keine Selbstverst&auml;ndlichkeit war, wird einem nochmal klar, wenn man im immer noch g&uuml;ltigen Berliner Grundsatzprogramm der SPD vom 20.Dezember 1989 nachliest. Es ist dort von &bdquo;Aufl&ouml;sung der&ldquo; B&uuml;ndnisse die Rede. Zitat folgt.<br>\n<!--more--><\/p><ol>\n<li><strong>Zun&auml;chst zu einigen Formulierungen des &bdquo;Spiegel&ldquo;: <\/strong><br>\n<blockquote><p>Seit der M&uuml;nchner Rede von Pr&auml;sident Putin geht das Gespenst neuer milit&auml;rischer Rivalit&auml;t zwischen Moskau und Washington um.<\/p><\/blockquote>\n<p>So ein Unsinn. Der &bdquo;Spiegel&ldquo; beschreibt sp&auml;ter selbst, dass sich die USA und die NATO einen unaufholbaren R&uuml;stungsvorsprung &bdquo;err&uuml;stet&ldquo; haben.<\/p>\n<blockquote><p>Der Traum vom freundlichen Miteinander scheint wieder geplatzt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Hei&szlig;t es im &bdquo;Spiegel&ldquo; mit Bezug auf die Putin-Rede. Man kann halten von Putin, was man will, dass er den Traum zum Platzen gebracht haben soll, ist mehr als abwegig.<\/p>\n<p>Dann f&auml;llt dem &bdquo;Spiegel&ldquo; noch eine wunderbare Entschuldigung f&uuml;r die Aufr&uuml;stung der USA ein:<\/p>\n<blockquote><p>.. in einer Lage, in der die amerikanische Supermacht ihren Krieg gegen den Terror mit dem R&uuml;cken zur Wand f&uuml;hren muss, entfalten Reden wie die von Putin leicht eine gef&auml;hrliche Eigendynamik: uralte &Auml;ngste werden best&auml;tigt, Revanchegel&uuml;ste geweckt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch das ist eine merkw&uuml;rdige Einlassung: die Ausdehnung der NATO bis an die Grenzen Russlands hatte mit dem Kampf gegen den Terror nahezu nichts zu tun gehabt. Diese Entscheidung, ein Land nach dem andern zu animieren, der NATO beizutreten, lag lange vor dem Kampf gegen Terror und hat sehr viel mehr mit westlichen R&uuml;stungsinteressen als mit Abwehr des Terrors zu tun. Interessant in diesem Kontext ist auch, dass nach meinem Wissen die V&ouml;lker jener L&auml;nder, die der NATO beigetreten sind, diesen Schritt mehrheitlich nicht bef&uuml;rworteten. Diese Entscheidungen waren typischerweise immer von den Eliten getroffen und dann allerdings mit massiver Propaganda dem eigenen Volk nahe gebracht worden.\n<\/p><\/li>\n<li><strong>Und nun noch einige Zitate aus dem SPD-Grundsatzprogramm vom 20.12.1989;<\/strong> es wurde zweieinhalb Monate nach dem Fall der Mauer in Berlin verabschiedet. Zu behaupten, es sei ohne Kenntnis der deutschen Vereinigung verabschiedet worden, wie das heute gelegentlich geschieht, trifft den Sachverhalt nicht. Da ich selbst an einigen Formulierungen beteiligt war, kann ich die damalige Bewusstseinslage einigerma&szlig;en absch&auml;tzen.<br>\nIch zitiere aus dem &bdquo;Kapitel III. Frieden in gemeinsamer Sicherheit&ldquo;:\n<blockquote><p>Gemeinsame Sicherheit<br>\nOst und West haben den Versuch, Sicherheit gegeneinander zu err&uuml;sten, mit immer mehr Unsicherheit f&uuml;r alle bezahlt. &hellip;<br>\nUnser Ziel ist es, die Milit&auml;rb&uuml;ndnisse durch eine europ&auml;ische Friedensordnung abzul&ouml;sen. Bis dahin findet die Bundesrepublik Deutschland das ihr erreichbare Ma&szlig; an Sicherheit im Atlantischen B&uuml;ndnis, vorausgesetzt, sie kann ihre eigenen Sicherheitsinteressen dort einbringen und durchsetzen, auch ihr Interesse an gemeinsamer Sicherheit. Der Umbruch in Osteuropa verringert die milit&auml;rische und erh&ouml;ht die politische Bedeutung der B&uuml;ndnisse und weist ihnen eine neue Funktionen zu: Sie m&uuml;ssen, bei Wahrung der Stabilit&auml;t, ihre Aufl&ouml;sung und den &Uuml;bergang zu einer europ&auml;ischen Friedensordnung organisieren. Dies er&ouml;ffnet auch die Perspektive f&uuml;r das Ende der Stationierung amerikanischer und sowjetischer Streitkr&auml;fte au&szlig;erhalb ihrer Territorien in Europa.<br>\nIm B&uuml;ndnis muss der Grundsatz gleicher Souver&auml;nit&auml;t gelten.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das klingt wie von einem andern Stern. Aber war es deshalb und ist es deshalb falsch?<\/p>\n<p>Und noch ein Zitat, einige Abs&auml;tze zuvor:<\/p>\n<blockquote><p>Friedenspolitik muss Machtkonflikte entsch&auml;rfen, Interessenausgleich suchen, gemeinsame Interessen aufgreifen, dem Vormachtstreben der Weltm&auml;chte durch regionale Zusammenschl&uuml;sse entgegenwirken und Gegens&auml;tze zwischen Systemen, Ideologien und Religionen im friedlichen Wettbewerb und in einer Kultur des politischen Streits austragen.<br>\nFriedenspolitik muss die Vorherrschaft milit&auml;rischer, b&uuml;rokratischer und r&uuml;stungswirtschaftlicher Interessen brechen und R&uuml;stungsproduktion in die Produktion ziviler G&uuml;ter &uuml;berf&uuml;hren.<\/p><\/blockquote>\n<p>Solche Einsichten wurden sp&auml;testens von den Bomben der NATO im Kosovo\/Serbien-Krieg und von der begleitenden Propaganda-Kampagne des damaligen Verteidigungsministers Rudolf Scharping und des NATO-Sprechers Jamie Shea erschlagen.<\/p><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In dieser Woche steht im &bdquo;Spiegel&ldquo; ein Artikel (R&uuml;stung &ndash; Der geplatzte Traum) &uuml;ber die Gefahren eines neuen Wettr&uuml;stens. 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